Autor*innengespräch
- Donnerstag, 04. Dezember 2025 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Autor*innengespräch
Jüdisch-literarisches Rondeel
Mit Dana von Suffrin und Ofer Waldman
»Deutsche und Juden – ein ungelöstes Problem« lautete eine Diskussion, die im August 1966 im Rahmen des Jüdischen Weltkongresses in Brüssel mit Gershom Scholem, Golo Mann, Karl Jaspers und anderen stattfand. Die Konfrontation blieb nicht aus: Historische Fragen traten offen zutage, die sich politisch nicht beschwichtigen ließen – und bis heute nachwirken. Ein neu erschienener Band dokumentiert die damaligen Beiträge und ergänzt sie um eine aktuelle Perspektive. Vom spannungsvollen Verhältnis »zweier Nationen« war 1966 die Rede. Was bedeutete es, wenn damals von »Deutschen« und »Juden« die Rede war? Was schrieb man ihnen zu? Wir führen das Gespräch sechzig Jahre später neu mit zweien, die die historische Gegenüberstellung sowohl analysieren als auch verkörpern: mit einer deutsch-jüdischen Autorin, die Israel gut kennt, und einem jüdisch-israelischen Autor, der über Jahre in Deutschland gelebt hat. Wir fragen: Welche Vorstellungen übereinander, aber auch welche Selbstverständnisse existieren heute? Was trennt jüdische Israelis und deutsche Jüdinnen und Juden, was eint sie – gerade nach dem 7. Oktober?
Mit Dana von Suffrin und Ofer Waldman
Moderation: Thomas Sparr (Literaturwissenschaftler, Autor, Verleger)
Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und Komparatistik in München, Neapel und Jerusalem. Seit 2009 ist sie Museums- und Stadtführerin in München. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, seitdem Postdoc an der LMU. Ihr Debütroman »Otto« erschien 2019 bei Kiepenheuer & Witsch. Nach ihrem gefeierten Debut legte sie mit »Nochmal von vorne« (Kiepenheuer & Witsch) 2024 ihren zweiten Roman vor. Dana von Suffrin wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Klaus-Michael-Kühne-Preis (2019), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2020), dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (2020), dem Tukan-Preis (2024) und dem Chamisso-Preis (2025). Sie lebt in München.
Ofer Waldman, geboren 1979 in Jerusalem, spielte als Hornist im West-Eastern Divan Orchestra und in weiteren renommierten Orchestern in Israel und Deutschland. Seit 2015 ist er als freier Autor, Journalist und Dramaturg tätig — u. a. schreibt er Features, Essays, Hörspiele und Beiträge für den Deutschlandfunk, die sich mit deutsch-israelischen Themen befassen. Für das Hörspiel Adolf Eichmann: Ein Hörprozess erhielt er 2021 den Deutschen Hörspielpreis der ARD. Seine literarischen Veröffentlichungen umfassen den Erzählungsband Singularkollektiv (2023) und die Korrespondenz Gleichzeit. Briefe zwischen Israel & Europa (mit Sasha Marianna Salzmann, 2024). Heute lebt er in Berlin und Tel Aviv. Seit August 2025 ist er neuer Leiter des Israel-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung.
Veranstaltungsort: Neue Synagoge Berlin, Oranienburger Str. 28-30, 10117 Berlin
Der Eintritt ist frei.
Wir bitten um Anmeldung per E-Mail unter info@centrumjudaicum.de.
Eine Veranstaltung der Stiftung Neue Synagoge Berlin/Centrum Judaicum in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute Jerusalem. Unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung und gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin.
Im Rahmen der Reihe: Was kann Literatur? Israelische und deutsche Autor*innen im Gespräch
Das Jahr 2025 markiert 60 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland – ein Jubiläum, das sowohl an die besondere historische Verantwortung Deutschlands erinnert als auch die lebendige und keinesfalls selbstverständliche Partnerschaft beider Länder würdigt. Gleichzeitig fällt dieses Jubiläum in eine Zeit tiefgreifender Verunsicherung: Die Terroranschläge der Hamas am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende und weiterhin andauernde Krieg in Gaza haben das Verhältnis Israels und Deutschlands in besonderer Weise in den Fokus gerückt. Kaum ein Thema wird in der deutschen Öffentlichkeit derzeit mit vergleichbarer Emotionalität und Intensität debattiert. Das Jubiläum bietet daher nicht nur Anlass zur Rückschau, sondern fordert zugleich zu Reflexion und Dialog auf.
Die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum nimmt dies zum Ausgangspunkt für drei besondere Abende im Rahmen des Jüdisch-literarischen Rondeels, einer seit 2019 etablierten Reihe, die Begegnungen an der Schnittstelle von Literatur, Gesellschaft und jüdischer Gegenwartskultur ermöglicht. Moderiert von Thomas Sparr treten deutsche und israelische Autor*innen in den Austausch über das, was ihr Schaffen prägt und bewegt.
Im Mittelpunkt der drei Themenabende stehen zentrale Fragen: Was verbindet Autor*innen in beiden Ländern, was unterscheidet ihre Realitäten? Wie sehen sie einander? Welche Texte anderer Autor*innen haben das eigene Arbeiten beeinflusst? Und: Welche Rolle kann Literatur in Zeiten gesellschaftlicher Erschütterungen spielen?
Weitere Termine der Reihe:
- Donnerstag, 9. Oktober: Bilderwelten nach dem 7. Oktober. Mit Adriana Altaras und Yirmi Pinkus
- Donnerstag, 04. November: Queere Lebenswelten in Deutschland und Israel. Mit Sharron Hass und Lars Werner
- Weitere Termine
- Do., 09 Okt. 2025 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
- Di., 04 Nov. 2025 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
- Adresse
- Neue Synagoge Berlin, Oranienburger Str. 28-30, 10117 Berlin
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
- Sprache
- Deutsch
- Teilnahmegebühren
- Eintritt frei
© Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Schumannstraße 8
10117 Berlin
T +49 (30) 285 34-0
F +49 (30) 285 34-109
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