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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Themenrückblick

28.06.2019 - 20:00 bis 30.06.2019 - 15:00

Solidarity City München?!

Konferenz

Die Grundidee einer Solidarity City, also einer solidarischen Stadt, ist bestechend einfach: Die Stadt ist für ALLE da, ganz unabhängig von finanziellen Möglichkeiten, Aufenthaltsstatus, Her-kunft und Geschlecht. ALLEN ihren Bewohner*innen soll Teilhabe am städtischen Leben möglich sein. Auf der ganzen Welt haben sich Städte zu progressiven Orten entwickelt, die ganz im Gegen-satz zu den Nationalstaaten jetzt schon aufzeigen, dass sie bereit sind, neue Wege zu beschreiten und mutiger und pragmatischer an die gesellschaftlichen Herausforderungen heranzugehen. Unter dem Überbegriff Solidarity City zeigen heute schon Städte wie Palermo, New York, Berlin, Barcelona oder Toronto wie ein solidarischeres Zusammenleben praktiziert werden kann.

Hier setzt die Konferenz „Solidarity City München ?!“ an. An drei Tagen widmet sich eine Vielzahl von Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden der Frage, wie aus einer Stadt eine solidarische Stadt werden kann. Dabei diskutieren wir unter anderem die Themen Arbeit, Wohnen, Mobilität, City-ID, Aufnahme von Geflüchteten aus Seenotrettung, Ankerzentren, Einrichtung von Bür-ger*innen-Asyl und Umgang mit Illegalisierten.

Diese unterschiedlichen Themenbereiche werden vorgestellt und deren rechtliche, politische und gesellschaftliche Herausforderungen und Möglichkeiten reflektiert. Eingerahmt wird die Konferenz im Vorfeld von einem bunten Filmprogramm (20. – 27.6.2019 im Werkstattkino) und dem Theaterstück „PUSH BACK“ (am 27.6.2019 im Bellevue di Monaco).

Die Konferenz steht allen offen. Die Teilnahme an den Workshops und Diskussionsveranstaltungen ist kostenlos. Beteiligt euch und macht mit uns München zu einer solidarischen Stadt.

Weitere Infos und Programm auf der Webseite von Solidarity City.

Veranstaltungsort
München, Bellevue di Monaco und Münchner Stadtmuseum


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit München


Art der Veranstaltung
Konferenz



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27.06.2019

Nachhaltigkeit in die Wirtschaft bringen!

Projekte - Perspektiven - Probleme

Wenn von Nachhaltigkeit die Rede ist, dann muss sie zu allererst dort beginnen, wo Produkte hergestellt und Dienstleistungen erbracht werden: in der Wirtschaft. Wie kann dies konkret aussehen? Dieser Frage sind wir in Zusammenarbeit mit der Neumarkter Lammsbräu nachgegangen, die seit 2002 durch ihren Nachhaltigkeitspreis zukunftsweisende Projekte und Ideen fördert.

Im Rahmen unserer Tagung hatte zunächst die gastgebende Lammsbräu Gelegenheit, über Ziele, Erfolge und Perspektiven des Unternehmens zu berichten. Johannes Ehrnsperger, der mittlerweile die Brauerei leitet und als Nachfolger seines Vaters, des langjährigen Lammsbräu-Chefs Dr. Franz Ehrnsperger, die Familientradition fortsetzt, wies darauf hin, dass Lammsbräu der Bio-Pionier seiner Branche sei. Ihr Motto: „100% Bio, 0% Kompromiss“. Der Umstellungsprozess, der mit der Festschreibung des Umweltschutzes als Unternehmensziel 1977 begonnen hatte, dauerte bis zum Jahr 1994: Seitdem sind alle Biere der Lammsbräu zu 100% Bio-Biere. Die Rohstoffe dafür (also: Braugerste, Dinkel, Weizen, Hopfen und Wasser) kommen allesamt aus der Region. Mit den Öko-Vertragsbauern, die in der „Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe“ zusammengeschlossen sind, gibt es Verträge mit fünfjähriger Laufzeit, die den Landwirten ökonomische Sicherheit für ihre Arbeit und Fixpreise deutlich über dem ansonsten üblichen Marktniveau garantieren.

Inzwischen stellt die Lammsbräu neben diversen Biersorten auch Bio-Limonaden und Bio-Mineralwasser her. Anders als beim Bierbrauen werden für die Limonaden auch Rohstoffe benötigt, die nicht in der Oberpfalz, also in der Region, angebaut werden können. Doch auch hier versucht die Lammsbräu die Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette zu übernehmen, obwohl sie keinen direkten Einfluss auf die Umwelt- und Sozialstandards hat. Deshalb haben die Limonaden des Unternehmens seit 2018 eine Naturland-Zertifizierung, die neben der Bio-Qualität der Rohstoffe auch Mindeststandards bei Löhnen und Arbeitsbedingungen sicherstellen soll.

Die seit 2001 jährlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte geben im Detail Aufschluss und Rechenschaft über die Unternehmenspolitik und ihre Ergebnisse. Im Mittelpunkt stehen derzeit neben der schon seit langem betriebenen Förderung des ökologischen Landbaus die CO2-Reduktion im Betrieb selbst sowie die Kompensation der nicht vermeidbaren CO2-Emissionen. Einzelheiten dazu sind dem Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2018 zu entnehmen.  

Simon Scholl, Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des „Kartoffelkombinats“ in München (im Bild links am Redepult), informierte über dieses „transformative Pionierprojekt“ der solidarischen Landwirtschaft (Solawi). Der Grundgedanke dabei: Eine mehr oder weniger große Zahl von Privathaushalten garantiert die Abnahme der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Alles, was für Anbau und Ernte sowie Verteilung notwendig ist, wird vorfinanziert. Diese Gruppe erhält die gesamte Ernte und teilt sie gerecht untereinander auf. Die Beschäftigten erhalten dafür ein garantiertes Einkommen. Sowohl die Lebensmittel als auch das Einkommen sind also von Marktzwängen abgekoppelt. Die Verantwortung, das Risiko, das die landwirtschaftliche Produktion mit sich bringt (z.B. schlechte Ernte auf Grund von Witterungsbedingungen), die Kosten und die Ernte werden solidarisch geteilt – eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten.  

Das Kartoffelkombinat hat sich, um diesen Grundgedanken umzusetzen, in Form einer Genossenschaft organisiert. Es gibt keine Kund*innen, sondern nur Mitglieder. Inzwischen verfügt das Kartoffelkombinat - wie Scholl erläuterte - über eine eigene Biogemüse-Gärtnerei in Oberschweinbach, etwa 35 km westlich von München gelegen. Die jährlichen Kosten (Stand: 2018) liegen bei 1,26 Mio. Euro, die von mittlerweile über 1800 Mitgliedern aufgebracht werden. 1.550 Mitglieder haben einen Ernteanteil, der Kostenbeitrag beläuft sich auf 75 Euro pro Monat. Die Produktmengen sind durchaus beträchtlich, z.B. 10.000kg Äpfel, 13.000 kg Tomaten oder 47.000 kg Kartoffeln. Dafür stehen als Anbaufläche zur Verfügung: 5 ha Freiland für Gemüse plus 1,6 ha für Kartoffeln, 2.100 qm in Treibhäusern sowie vier Folientunnel.

Ganz bewusst setzen sich die Mitglieder des Kartoffelkombinats mit der Frage auseinander, ob das bisherige Wachstum der Organisation so weitergehen kann. Wenn die betriebswirtschaftliche Stabilität erhalten werden, der soziale Zusammenhalt stabil bleiben soll und der transformative Charakter gestärkt, dann scheint bei 1.800 zu versorgenden Haushalten die Grenze bzw. die optimale Größe erreicht zu sein. Dann heißt es: weitere Solawi-Projekte gründen und aufbauen. Dabei Hilfestellung zu geben und andere Projekte von den eigenen Erfahrungen profieren zu lassen, ist das Ziel des Kartoffelkombinat-Vereins, der 2016 gegründet wurde: Er bietet Seminare und Beratung an, betreibt Forschungsarbeit und erstellt ein Praxishandbuch für die Umsetzung der Solawi-Ideen. 

Nachhaltigkeit – im Finanzsektor ist das leider immer noch eher ein „Fremdwort“. Dass es auch anders geht, zeigt die GLS Bank, die seit 1974 ein sozial-ökologisch orientiertes Bankgeschäft betreibt. Maurice Attenberger (im Bild am Redepult) von der Münchner Filiale erläuterte einige wichtige Wegmarken in der Firmengeschichte: 1989 wurde von ihr der erste Windkraft-Fonds gegründet. Die Schönauer Strom-Rebellen wurden von ihr 1996 bei der Übernahme des kommunalen Stromnetzes unterstützt. Mittlerweile hat sie sieben Filialen in der Bundesrepublik, eine davon in München. Seit 2008 hat sie ihre Bilanzsumme verfünffacht. Auch die beiden anderen auf der Tagung vorgestellten Unternehmen (und auch die Petra-Kelly-Stiftung) sind bei ihr Kunden. 

Das Geschäftsprinzip der GLS Bank ist klar: Sie spekuliert nicht mit dem ihr anvertrauten Geld (kein Derivate-Handel!), sondern sie vergibt Kredite an nachhaltige Unternehmen, die sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Dinge schaffen. Sie unterstützt z.B. die Energiewende und finanziert Bio-Landwirtschaft und Betriebe, die ökologische Lebensmittel verarbeiten. Im Immobiliensektor geht es um die Förderung von Wohnungen und Arbeitsstätten, die Ressourcen schonen, Strom erzeugen, ein lebenswertes Umfeld bieten und durch ihre nachhaltige Bauweise eine langfristig sinnvolle Investition darstellen. Ausdrücklich ausgeschlossen von einer Finanzierung sind beispielsweise folgende Geschäftsfelder: Atom- & Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Biozide & Pestizide, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Embryonenforschung, Suchtmittel und Tierversuche.

Dr. David Löw Beer vom Institute for Advanced Sustainability Studies (Bild links)  versuchte, den Transformationsgedanken, den die vorgestellten Einzelprojekte in je verschiedener Weise verfolgen, in einen breiteren gesellschaftspolitischen Rahmen zu stellen, vor allem im Hinblick auf das allgegenwärtige Thema Klimaschutz. Das, was die Kohlekommission als Vorschläge zur Reduktion der CO2-Emissionen gemacht hat, ist für Löw Beer jedenfalls ungenügend, um die internationalen Verpflichtungen der BRD einzuhalten. Eine CO2-Bepreisung dagegen sei gerecht, weil sie die Kosten des Klimaschutzes zumindest zum Teil den Verursachern aufbürdet. Es müssten aber kurzfristige Härten für die Haushalte vermieden werden. Um eine tatsächliche Verhaltensänderung zu bewirken, seien als „Einstieg“ mindestens 40 Euro pro Tonne notwendig. Um alle externen Kosten abzudecken, müsste der Preis für eine Tonne CO2-Emission bei 120-180 Euro liegen.

Um einen sinnvollen Einsatz der Einnahmen im Sinne von Klima- und Umweltschutz zu erreichen, schlägt Löw Beer die Einrichtung von Zukunftsfonds vor. Die Mittel dieser Fonds sollen zur einen Hälfte in klimafreundliche Infrastruktur fließen, z.B. in den Ausbau erneuerbare Energien, in Energieeffizienz, Elektromobilität und digitale Infrastruktur. Die andere Hälfte soll in Unternehmen investiert werden, die die UN-Klima- und Nachhaltigkeitsziele verfolgen.

Auch Barbara Unmüßig (Bild rechts), Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, widmete sich den gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung und warf dabei einen kritischen Blick auf die Versprechen der sog. „grünen Ökonomie“ bzw. die Hoffnung auf ein „grünes“ Wachstum. Die Protagonisten der Grünen Ökonomie – Weltbank, UNEP, OECD – glauben, dass zwar ein „Weiter so“ angesichts der klima- und umweltpolitischen Herausforderungen keine Lösung ist. Sie setzen aber vor allem auf technologischen Lösungen und Effizienzsteigerungen. Ihre Botschaft ist: Die Wirtschaft kann weiter wachsen, Wachstum kann grün werden. Genau das aber macht das Leitbild der Grünen Ökonomie aus der Sicht von Barbara Unmüßig problematisch und kritikwürdig: Es wird suggeriert, dass die Welt, wie wir sie kennen, mit einem effizienteren, ressourcenschonenden und grünen Wachstum weitgehend erhalten bleiben kann. Reale Machtstrukturen im ökonomischen wie politischen Kontext werden aus dieser Perspektive jedoch ignoriert. Die Grüne Ökonomie ist deshalb für Unmüßig keine realistische Zukunftsoption. Ignoriert wird z.B. der sog. Rebound-Effekt: Effizienzgewinne führen zwar zu Ersparnissen, werden aber durch andere ressourcenintensive Ausgaben und Verhaltensweisen wieder zunichte gemacht. Eine absolute Entkoppelung von Wachstum und Ressourcenverbrauch ist und bleibt eine Illusion. Eine grundlegende Transformation der Wirtschaftsweise erfordert jedoch - so Barbara Unmüßig – ein echtes Umdenken: nicht nur effizienter, sondern wirklich anders und weniger wirtschaften und konsumieren, weniger individueller Personenverkehr, weniger Fleischkonsum, weniger Flächenverbrauch, eine andere Landwirtschaft ohne Gentechnik, Pestizide und Massentierhaltung.

ReferentInnen

Maurice Attenberger
Regionalleiter Firmenkunden Bayern, GLS Bank München
Dr. David Löw Beer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung Potsdam
Johannes Ehrnsperger

Geschäftsführender Inhaber Neumarkter Lammsbräu
Simon Scholl
Gründer und Vorstand im Kartoffelkombinat
Barbara Unmüßig
Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung Berlin

Moderation: Theresa Körner, Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Bamberg

Veranstaltungsort
Neumarkt in der Oberpfalz


Art der Veranstaltung
Vorträge mit Podiumsdiskussion



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13.06.2019 bis 22.06.2019

Perspektiven für den Westbalkan?

Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien auf dem langen Weg nach Europa

von Lucia Kemle

Mit einem heftigen Ruck setzen die Reifen des Flugzeuges auf der Landebahn auf. Als wir aussteigen, weht uns ein warmer Wind entgegen. Die Reise beginnt. Organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg und der Petra-Kelly-Stiftung sind 25 Interes­sierte auf dem Weg in die Ankunftshalle des Flughafen Sarajevos. Die kommenden zehn Tage wird unsere Reisegruppe in Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien verbrin­gen. Diese Länder sind geprägt von Kontrasten, von Widersprüchen, die uns verwirren, uns überfordern, uns wütend und traurig machen.

In Sarajevo lauschen wir dem Muezzin und den Kirchenglocken – so friedlich nebeneinander – während die Einschusslöcher in den Gebäuden rundherum nicht zu übersehen sind. In Srebrenica stehen wir fassungslos vor schier endlosen Gräberreihen. Doch die Menschen hier machen uns auch Hoffnung. Überall treffen wir Aktivist*innen, die für eine friedliche, eine bessere Zukunft kämpfen.

Während der gesamten Reise fragen wir uns: Wie sehen engagierte Bürger*innen die poli­tischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen? Welche Rolle spielt die Erinnerung an die jüngste Geschichte – an Kriege und Diktatur? Wie steht es um Themen wie Ökologie, Migration oder LGBTTIQ-Rechte? Und: Was wird von der Europäischen Union erwartet? Wir wollen verstehen, welche Perspektiven die drei Länder haben und vor welchen Herausfor­derungen sie auf dem Weg nach Europa stehen.

Tag 1. Langsam verschwindet die Sonne hinter den dicht bewaldeten Bergen. Wir sind seit kaum fünf Stunden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Die Häuser hier breiten sich im Kessel aus, ziehen sich wie Sprenkel in die Berge. Von weitem wirkt alles idyllisch. Aber diese Häuser tragen Spuren. Sie sind Zeugen der Belagerung der Stadt. Auch heute, 23 Jahre nach der Belagerung sind viele Häuser übersät von Einschusslöchern. Die Geschichte hinter diesen Einschusslöchern erzählt uns der Journalist, Autor und Filmemacher Erich Rathfelder. Eindrücklich schildert er die jüngere Vergangenheit Bosnien-Herzegowinas: „Krieg in der Region von 1992-1995. Und die Welt schaut zu.“ Er mahnt: „Das war ein Krieg gegen Zivilisten. Allein die Belagerung Sarajevos forderte über 11.000 Menschenleben, 1.800 davon waren Kinder.“ Rathfelder ist eng mit der Region verbunden, er lebt mit seiner Familie hier und kennt viele Menschen. Täter und Opfer leben heute im ganzen Land oft nah beieinander. Rathfelder betont: „Täter kommen irgendwann frei. Ein Opfer ist sein ganzes Leben lang Opfer.“

Tag 2. Es duftet nach Kaffee und Cevapcici. Wir bestaunen glitzerndes Kunsthandwerk und his­torische Gemäuer in Sarajevos Altstadt. Der Muezzin ruft zum Gebet. Wenige Minuten später: Kirch­englocken. Die orthodoxe Kirche neben der katholischen Kathedrale, der ehemaligen Synagoge und der Moschee täuschen fast darüber hinweg, wie gespalten das Land ist. Das politische System ist undurchschaubar, die Probleme groß: Armut, Arbeitslosigkeit, Nationalismus.

Wir sprechen mit dem Sarajevo Open Center, einer Organisation, die sich für die Belange der LGBTTIQ-Community und für Frauenrechte einsetzt. Die Vertreterin spricht zwar von einer guten Rechtslage, betont jedoch, dass die Realität anders aussehe. Angriffe auf der Straße seien keine Seltenheit – insbesondere auf dem Land. Sie freut sich dennoch über Erfolge, die ihre Organisation erreicht hat: „Die Polizei wird geschult, Zeitungen berichten über uns und im September findet in Sarajevo endlich die erste Pride-Parade statt.“

Wir gehen weiter – zur Heinrich-Böll-Stiftung Sarajevo. Dort gibt uns Marion Kraske einen tieferen Einblick in das unübersichtliche politische Gebilde Bosnien-Herzegowina. Kraske berichtet von einem korrupten System, in dem jegliche Korrektivmaßnahmen fehlen: „Wir haben niemanden, der euro­päische Werte verteidigt. Das nutzen die nationalistischen Parteien aus. Das Land entwickelt sich seit zehn Jahren im Demokratieindex zurück.“ Kraske warnt vor neuen kriegerischen Auseinandersetzun­gen und sieht die einzige Lösung in einer Rechtsstaatsoffensive und der Einführung von EU-Stan­dards. Die Böll Stiftung Sarajevo bearbeitet u.a. die Bereiche Gendergerechtigkeit, grüne Themen, wie Luftverschmutzung, Regierungsarbeit, Geschichte und die EU-Perspektive. Trotz vieler kleiner Erfolge bereitet die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft und Politik Kraske Sorgen.

Eine weitere Perspektive liefert uns das Gespräch mit einer Vertreterin der islamischen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina. Sie betont, dass das Islamverständnis ihrer Gemeinschaft plural sei und es um ein „Miteinander“ gehe. Sie sagt aber auch: „Wir fühlen uns hier nicht sicher. Die Waffen stehen zwar still, aber wir fühlen uns dennoch bedroht.“

Der zweite Tag in Sarajevo bestätigt: Bosnien-Herzegowina ist mindestens genauso schön wie kom­pliziert.

Tag 3. Schier endlose Reihen weißer Grabsteine. Srebrenica. Es ist schwer zu begreifen, was hier geschehen ist. Vor 24 Jahren ermordeten bosnisch-serbische Soldaten innerhalb weniger Tage mehr als 8.000 bosnische Muslime.

Srebrenica wurde Mitte der 1990er zur Zufluchtsstätte für bosnische Muslime, die während des Bür­gerkriegs aus ihren Heimatorten vertrieben wurden. Die Vereinten Nationen haben das Gebiet da­raufhin zur Schutzzone erklärt, in der niederländische Truppen Sicherheit gewährleisten sollten. Die Rund 350 dort stationierten Soldaten verfügten weder über ein passendes UN-Mandat, noch über die Ausrüstung, um diesen Schutz gewährleisten zu können. Am 11. Juli 1995 konnten der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, und Armeechef Ratko Mladić mit ihren Truppen Srebrenica einnehmen.

Ein Historiker der Gedenkstätte erinnert sich an die schrecklichen Tage im Juli 1995. „Alle Jungen und Männer ab 13 Jahren wurden vom Rest der Gruppe getrennt. Ich war zwölf, mein Bruder 15. Ich durfte mit den Frauen und Kindern gehen, mein Bruder musste bei den Männern bleiben. Wir wur­den auf Lastwagen und in Bussen abtransportiert und bis kurz vor bosnisch-muslimisch kontrolliertes Gebiet gebracht. Fast alle Männer, die zurückbleiben mussten, wurden hingerichtet und dann ver­scharrt. Dieser Tag im Juli war der letzte Tag, an dem ich meinen Bruder gesehen habe. Noch heute, 24 Jahre nach dem Massaker, haben wir seine sterblichen Überreste nicht gefunden.“

Der Genozid hat tausende Familien zerstört und in ein Leben in Trauer geführt. Er hat aus ehemali­gen Nachbarn Feinde gemacht. Ein Land noch tiefer gespalten. Er hat das Vertrauen in Internationale Institutionen wie die UN nachhaltig gestört. Und er hat uns alle aufgerüttelt.

Srebrenica bleibt ein Mahnmal für das, was passiert ist. Und für das, was wieder passieren kann, ohne echtes Verständnis füreinander.

Tag 4. Tunnel der Hoffnung. Mit eingezogenem Kopf durch knöcheltiefes Wasser waten, einen schweren Koffer in der Hand halten und auf keinen Fall das Stromkabel berühren. Es stinkt nach Diesel. Das alles während Granateinschläge den Stollen zum Zittern bringen. Wer zwischen 1993 und 1996 das belagerte Sarajevo verlassen wollte, musste den Weg durch den Tunnel nehmen. Die Kes­selstadt war fast komplett von bosnisch-serbischen Truppen umzingelt. Lediglich ein Korridor ins Umland wurde noch von bosnischen Truppen gehalten. Den Weg dorthin versperrte allerdings der Flughafen, der UN-Schutzzone war und von Einwohnern nicht überquert werden durfte. Als abseh­bar war, dass die Belagerung länger dauern würde, haben Bewohner Sarajevos den Tunnel der Hoffnung geplant und gebaut. Der Tunnel wurde zu einer Lebensader der Stadt: Menschen, Diesel und Waffen konnten so in die Stadt gebracht werden – oder die Stadt verlassen.

Wir besichtigen einen der beiden Tunneleingänge und laufen gebückt durch einen kurzen nachge­bauten Abschnitt des Tunnels. Schon auf dieser kleinen Strecke wird einem mulmig zumute. Unvor­stellbar, wie die Situation damals gewesen sein muss.

Nach dieser beklemmenden Erfahrung können wir unseren – in jeglicher Hinsicht – freien Nachmit­tag noch mehr genießen. Wir fahren mit der Seilbahn auf einen der Hausberge, schlendern durch schöne Altstadtgässchen und beobachten das bunte Treiben mit einem bosnischen Kaffee in der Hand.

Tag 5. Die Luft schmeckt salzig, der Oleander leuchtet dunkelrot und weiß. Seit der Abfahrt in Sarajevo hat sich einiges verändert: Schroffe Felsen und Meer statt sanfter grüner Berge. Die Fahrt zwischen Sarajevo und Budva in Montenegro ist atemberaubend schön und enorm abwechslungs­reich: Smaragdgrüne Flüsse und üppige Wälder wechseln sich mit karger Felslandschaft ab. Doch selbst an den Straßen hört die Spaltung des Landes nicht auf. Wir merken deutlich, in welchem Teil des Landes wir uns gerade befinden. In der Republika Srpska schaukelt es im Bus merklich weniger, als in der Föderation.

Bei einem Zwischenstopp in Mostar unterhalten wir uns mit der Journalistin und Menschenrechtsak­tivistin Štefica Galić über Presse- und Meinungsfreiheit in Bosnien-Herzegowina. Galić betreibt das kritische Onlineportal tacno.net, kämpft gegen nationalistische Narrative und setzt sich für eine Auf­arbeitung der Verbrechen der bosnisch-kroatischen Armee während der Jugoslawienkriege ein. Auf­grund ihres Engagements wird Galić regelmäßig Opfer von Todes- und Vergewaltigungsdrohungen und wurde bereits angegriffen und verletzt. Sie beklagt, dass kritische Meinungen in Bosnien-Her­zegowina keinen Platz haben und Personen, die diese aussprechen Angriffen ausgesetzt sind. Galic betont: „Menschen, die in den 90ern Verbrechen begangen haben, haben heute das Kapital und verfügen somit über viel Macht.“

Nach dem aufrüttelnden Gespräch besichtigen wir das bei Tourist*innen sehr beliebte Mostar. Auch hier sind die Kontraste spürbar. Auf den ersten Blick wirkt die Altstadt mit ihrer wiederaufgebauten Brücke wunderschön und friedlich, doch auch hier hat der Krieg deutlich sichtbare Spuren hinterlas­sen. Anschließend führt uns die Reise nach Budva in Montenegro, direkt ans Meer.

Tag 6. Wind zerzaust uns die Haare, links und rechts abertausende Seerosen, im Hintergrund steil aufragende Bergketten. Möwen und Kormorane begleiten unser Boot auf dem Skutarisee. Ent­spannt genießen wir Rotwein, Gebäck und Ziegenkäse der Region. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von Kultur und Natur.

Vor der Bootstour bestaunen wir das Kloster Ostrog. Wie ein Adlerhorst in den Felsen gebaut, thront es mehrere 100 Meter über dem Tal. Die Schlange vor den Toren dieses Pilgerortes der serbisch-orthodoxen Kirche ist lang, viele Menschen drängen in die letzte Ruhestätte des heiligen Vasilije Ostroški. Aus Lautsprechern schallen gregorianische Choräle, der Andenkenladen verkauft fast schon aggressiv Heiligenbildchen und Wunschzettel. Trotz, oder vielleicht auch wegen des Trubels, umgibt den Ort eine besondere Stimmung. Schweigend drängt sich der Besucherstrom durch die stickige Höhlenkirche. Viel Zeit zum Umschauen bleibt nicht, trotzdem küssen Gläubige hastig die langsam abblätternden Fresken der Heiligen.

Tag 7. Kies knirscht unter den Badelatschen, Sonne brennt auf der Haut, der Blick auf die Altstadt von Budva, das türkisblaue Meer und die steil aufragenden Berge dahinter ist traumhaft. Kinder toben, Erwachsene lesen. Montenegro - heile Welt.

Dass dieser Schein trügt erklärt uns die Journalistin, ehemalige Professorin, Autorin und Politikerin Božena Jelušić: „Ohne gute Beziehungen kommt man im Land nicht weiter. Vetternwirtschaft und Geldwäsche sind Alltag. Die Küstenregion wird ausverkauft und schamlos zugebaut.“ Ein Grund für diese Probleme ist, dass Gewaltenteilung praktisch nicht vorhanden ist. Ein anderer, dass der Staats­apparat enorm aufgeplustert ist. Von den ca. 650.000 Einwohner*innen Montenegros seien 50.000 Angestellte des Staates, so Jelušić. Als Montenegro noch zu Jugoslawien gehörte, waren es lediglich 8.000. Jelušić wünscht sich den EU-Beitritt Montenegros, „um wenigstens gewisse Standards aufzu­bauen und auf dem Radar der EU zu sein.“ Sie warnt allerdings vor einer Art EU-Hegemonialismus oder EU-Kolonialismus. Die EU unterschätzte laut Jelušić die Führer Montenegros. Was Bosnien-Herzegowina uns bereits gezeigt hat, gilt auch für Montenegro: Wer im Wahlkampf nationalistisch argumentiert, Angst macht und Hass schürt, gewinnt die Wahl.

Tag 8. Es schaukelt. Abwechselnd geht es links oder rechts tief hinunter. Ächzend quält sich der Bus die steilen Serpentinen zur albanischen Kleinstadt Kruja hinauf. Hier prallen nicht nur glänzende Glasfassaden auf gepflasterte Gässchen und neue Autos auf alte Webteppiche. Die Stadt ist auch bekannt für ihre Festung, hoch oben in den Bergen, von der aus der Fürst Skanderbeg im 15. Jahr­hundert das Fürstentum Kastrioti, das einen großen Teil des heutigen Albaniens umfasste, gegen die Osmanen verteidigte. Skanderbeg, der eigentlich Gjergj Kastrioti hieß, wird heute von vielen als Nationalheld gefeiert. Beim Erkunden des ihm gewidmeten Museums erfahren wir, dass die Arch­tiektin des 1982 eröffneten Bauwerks Pranvera Hoxha ist, die Tochter des kommunistischen Diktators Enver Hoxha.

Die Museumskonzeption zeigt deutlich, dass hier mit aller Kraft ein nationaler Mythos bekräftigt werden sollte, der den Diktator Enver Hoxha und seine Sozialistische Volksrepublik Alba­nien stärken sollte.

Die Fußgängerampel leuchtet: Noch 16 Sekunden grün. Den Autofahrer interessiert das wenig. Ener­gisch drückt er sich an uns vorbei. Schweißnass klebt der Rucksack am Rücken. Tirana holt einen schnell zurück ins hier und jetzt. Die Hauptstadt Albaniens ist laut, heiß und überfordernd, gleich­zeitig bunt, entspannt und fröhlich. Auch hier ist die Geschichte allgegenwärtig: Alte Moscheen und neue Plätze, restaurierte Fassaden und zerbröckelnde Häuserrückseiten. Bunker und Brutalismus. Aus dem Hinterhof des Kunstmuseums grüßen Stalin, Lenin und Hoxha. Unser Reiseleiter betont: „Jede Epoche hinterlässt ihre Wunden.“

Tag 9. Wir laufen durch die Straßen Tiranas. Vorbei an bunten Obst- und Gemüseständen, über staubige kleine Plätze und durch großzügige grüne Alleen. Albanien ist anders als die bereits be­suchten Länder Bosnien-Herzegowina und Montenegro und hat doch mit vielen ähnlichen Proble­men zu kämpfen: Arbeitslosigkeit, Armut, Abwanderung. Darüber unterhalten wir uns mit Enrico Günther, dem Pressesprecher und Leiter der Kulturabteilung der deutschen Botschaft Tirana. Deutschland ist einer der engsten Partner Albaniens und investiert viel in das Land. Mit Projekten, beispielsweise für besseres Wassermanagement und gegen organisierte Kriminalität, will Deutsch­land die albanische Gesellschaft stärken und stabilisieren. Sorge bereitet Günther die Rückschritte, die Albanien bezüglich der Pressefreiheit macht. Auf den ersten Blick wirke die Medienlandschaft zwar sehr plural, dahinter stecke aber ein Oligopol, das getrieben von wirtschaftlichen Interessen keine unabhängige Berichterstattung betreibe.

Einen weiteren Blick auf das Land erhalten wir vom Aktivisten Ervin Goci. Er kritisiert das Parteiensys­tem mit seinen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. „Die Lösung für ein besseres Albanien liegt darin, das System und die Verfassung zu ändern und mehr direkte Demokratie zu etablieren.“, so Goci. Er fordert die EU auf, eine klare Haltung zu zeigen und einen demokratischen Umbau des Systems zu fördern.

Morgen geht es zurück nach Deutschland. Den letzten Abend verbringen wir deshalb gemeinsam und besprechen erste Eindrücke der Reise an einer langen Tafel. Auf dem Weg zurück ins Hotel strömen uns Menschentrauben entgegen. Im Hintergrund läuft laute, aufputschende Musik. Die Hundertschaften der Polizei ziehen sich langsam zurück. Eine große Demonstration gegen die am­tierende Regierung löst sich gerade auf.

Tag 10 und Fazit. Tirana schläft noch. Früh geht es los in Richtung Flughafen. Voller neuer Eindrücke und reich an Erfahrungen machen wir uns auf den Weg zurück nach Deutschland. Auf unsere Fragen haben wir viele – und viele verschiedene – Antworten gefunden. Doch mit jeder vermeintlich beantworteten Frage kam eine neue Frage hinzu. Diese faszinierende Region mit ihren herzlichen Menschen, der herzzerreißenden Geschichte, der nachdenklich stimmenden Politik und den spektakulären Landschaften schreit nach einem erneuten Besuch.

Wie lange der Weg in Richtung Europäische Union auch noch sein mag, die drei Länder lehren uns die Werte, die wir in Deutschland für selbstverständlich halten. Frieden. Demokratie. Rechtsstaat. Freiheit. Sicherheit. Werte, die unsere unantastbare Menschenwürde sichern. Doch diese Werte sind auch bei uns in Gefahr.

Um sie zu schützen müssen wir offen sein, tolerant und zugewandt. Wir müssen echtes Verständnis für andere Menschen entwickeln. Gleichzeitig müssen wir gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung kämpfen.

Die jüngste Vergangenheit – Diktatur in Albanien, Sezession und Krieg in Montenegro und Bosnien-Herzegowina – zeigt, welches Leid und welche Entbehrungen Menschen ertragen müssen, wenn diese Werte nicht gelten.

Der Westbalkan ist noch immer ein Pulverfass. Die Funken des Nationalismus könnten ihn jederzeit wieder sprengen. Das darf niemals passieren. Nicht noch einmal.

Weiterführende Informationen sind auf die Webseite der Kolleg*innen in Sarajevo zu lesen.


Partner

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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11.06.2019 - 16:00 bis 15.06.2019 - 18:00

Festival contre le Racisme 2019

 

Der AStA-SprecherInnenrat und das Organisationsteam des Festival contre le Racisme (FCLR) laden vom 11. bis 15. Juni 2019 alle interessierten Menschen zu der rassismuskritischen Veranstaltungsreihe an der Universität Passau ein.
Wir wollen uns gemeinsam mit Rassismus und dessen Erscheinungsformen im Alltäglichen, Kulturellen sowie Institutionellen auseinandersetzen. Dabei ist uns wichtig, dass im Rahmen der geplanten 15 Veranstaltungen – Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussion – genügend Raum für Diskussionen, Vernetzung und eine Vergrößerung an  Multiplikator*innen zu den drei Themenschwerpunkten bleibt. Zudem bietet das kulturelle Rahmenprogramm eine kreative Abwechslung und die Möglichkeit sich auszutauschen – für eine solidarische Gesellschaft!

Die Zahl der Teilnehmenden bei den Workshops ist begrenzt, daher wird eine Anmeldung sehr empfohlen!

Weitere Infos und Programm: https://www.facebook.com/clrpassau/

Veranstaltungsort
Passau


Partner

AStA Uni Passau


Art der Veranstaltung
Festival



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06.06.2019 - 19:30

Die Welt im Zenit (ausverkauft)

Am Amazonas entscheidet sich unsere Zukunft

Zu Gast ist Patricia Gualinga, ehemalige Sprecherin der indigenen Gemeinde Sarayaku. Die Gemeinde kämpfte erfolgreich gegen das Eindringen in ihr Territorium durch internationale Ölkonzerne und erlangte so weltweite Bekanntheit.  Heute ist Gualinga als Botschafterin für den Schutz des Regenwaldes auf der ganzen Welt unterwegs, z.B. auf der Weltklimakonferenz in Paris.  

Mit den lebendigen Erzählungen von Patricia Gualinga und der leidenschaftlichen  Musik von Grupo Sal erwartet Sie eine einzigartige Collage, die hinterfragt, berührt und bewegt.

ReferentInnen

Patricia Gualinga
war lange Zeit Sprecherin der indigenen Kichwa-Gemeinde Sarayaku aus Ecuador. Sie war seit Beginn an vorderster Front im Kampf gegen das Eindringen internationaler Ölkonzerne in das Territorium der Sarayaku, eine Schlüsselfigur im Prozess gegen den Staat Ecuador beim Interamerikanischen Gerichtshof und eine starke Führerin einer stetig wachsenden Frauenbewegung zum Schutz des Amazonas-Regenwalds.
Isabella Radhuber
Politologin, Universität Wien

Veranstaltungsort
Königsbrunn, Pfarrsaal zur Göttlichen Vorsehung, Blumenallee 27


Partner

Eine Welt Königsbrunn e.V.


Art der Veranstaltung
Musik-Text-Kollage



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03.06.2019 - 19:00

Filmreihe Kino Europa: Crater (Il cratere)

 

ITA 2017, 93 Min., OmeU, R: Luca Bellino & Silvia Luzi
Rosario arbeitet als Straßenverkäufer auf den Märkten in den Vororten von Neapel. Sein Traum, der Armut zu entkommen, hängt mit dem musikalischen Talent seiner Tochter Sharon zusammen. Fasziniert von den Videobildern seiner jugendlichen Tochter, wird er zum Impresario, um sie zum Star der italienischen folkloristischen Musik zu machen. Zwischen Dokumentation und realistischer Geschichte schildert der Film die Ambitionen eines Vaters, die im Kontrast zur Freiheit seiner Tochter stehen.

Venice International Film Critics' Week, besonderer Preis der Jury auf Tokyo International Film Festival und auf Crossing Europe Film Festival.

Im Anschluss findet ein Filmgespräch statt.

Der Eintritt ist frei. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, es besteht jedoch nur ein eingeschränktes Angebot an Rollstuhlplätzen.
Karten erhalten Sie ab 14 Tagen im Voraus an allen Vorverkaufsstellen von MünchenTicket.

Veranstaltungsort
München, Gasteig (Rosenheimerstr. 5), Carl-Amery-Saal


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Eine Veranstaltung des europe direct Informationszentrums München in Kooperation mit dem Creative Europe Desk München, der Petra-Kelly-Stiftung und dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in München


Art der Veranstaltung
Filmvorführung mit anschließender Diskussion



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01.06.2019 - 19:30

Zwischen Östrogenen und Tough-guy Hardcore

 

"'Trans*feminine Menschen in der Punkszene - zwischen hypermaskulinen Hardcorebands und freien Oberkörpern wird der Raum häufig eng für Menschen die normativen Geschlechtervorstellungen weniger entsprechen, dabei ist doch eigentlich gerade die Punkszene ein idealer Ort für freien Ausdruck und Diversität. Als Trans*frau, die viele Jahre ihres Lebens cis-männlich definiert lebte konnte ich über Jahre die ich in Punkbands, auf zahlreichen Touren und als Veranstalter*in verbracht habe und verbringe spannende Eindrücke von dem Vakuum zwischen unmissverständlich maskulinen Strukturen, pseudo-liberalen Musikvenues und queer_feministischen Freiräumen gewinnen.
Vom oberkörperfreien Live-Foto mit 15 Jahren in der Lokalzeitung zur Tourmanagerin für queer_feministische Künstler*innen - es gibt viel Entwicklung zu erzählen: der Spagat zwischen der Vorliebe für Hardcore-Punk und dem Langen nach Femininität, Mansplaining, Östrogene und die Schwierigkeit, eine Existenz in einer antikapitalistischen Szene nachhaltig zu machen.
Ich möchte einen Einblick in die Auslebung von Geschlechterrollen in der Punkszene und die Entwicklung zur professionellen Unterhaltung eines queer_feministischen Tourservice erzählen, und mit euch gemeinsam die Erlebnisse in politische Kontexte einordnen und ins Gespräch kommen.

Dieser Vortrag findet im Rahmen des „Unkraut Fest 2“ im DESI (Nürnberg) statt: http://desi-nbg.de/programm/http://desi-nbg.de/programm/

ReferentInnen

Maja Hagedorn
betreibt hauptberuflich ihren internationalen Tourservice 'Queers to the front Booking' und veranstaltet Konzerte im AJZ Bielefeld und mit dem Frauen*kollektiv Münster. Sie verortet sich als trans*feminin und nutzt das Pronomen 'sie'.

Veranstaltungsort
Nürnberg, Desi Nürnberg, Brückenstraße 23


Kosten
Eintritt frei!


Partner

DESI Stadtteilzentrum e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



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24.05.2019 - 19:30

Damit sie bleiben können

Warum der Kampf gegen Fluchtursachen wichtiger ist als ein Einwanderungsgesetz

Über Zuwanderung wird in Deutschland kräftig gestritten: Die Zahl der Asylbewerber soll begrenzt werden;  Menschen in Not sind nicht erwünscht, Fachleute aus der Dritten Welt werden dagegen angeworben. Nur eines wird versäumt: Eine Bekämpfung der Fluchtursachen, um allen  Menschen vor Ort eine Lebensperspektive zu schaffen. Dies erfordert eine Abkehr von kriegerischen Interventionen, Waffenlieferungen und die Hinwendung zu einem fairen, nachhaltigen Wirtschaften weltweit. Wie dies gehen kann, das zeigt Wolfgang Kessler in seinem Vortrag auf.

ReferentInnen

Wolfgang Kessler
Ökonom und Chefredakteur von Publik-Forum. Er erhielt 2007 den Internationalen Bremer Friedenspreis für sein Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.


Veranstaltungsort
Lindau am Bodensee, friedens räume, Villa Lindenhof, Lindenhofweg 25


Kosten
Eintritt frei


Partner

Pax Christi Diözesenverband Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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23.05.2019 - 19:00

Filmvorführung: Gertrud Baer

Ein Leben für die Gleichberechtigung der Frau

Gertrud Baer (1890 - 1981) blickt auf eine lange Zeit in der Frauen-Friedensbewegung zurück. Sie ist ab 1905 aktiv, da ihre aus England stammende Mutter bereits bei den Suffragetten mitarbeitete. Gertud Baer leitete 1919 wenige Monate im Bayerischen Ministerium für soziale Fürsorge das Referat für Frauenrecht.

Die Filmvorführung ist nur eine Veranstaltung von vielen, zu denen die IFFF/WILPF von September 2018 bis Mai 2019 rund um die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland vor 100 Jahren einlädt.

Den Flyer zur Veranstaltungsreihe finden sie hier.

Veranstaltungsort
München, KIM - Kino im Einstein e.V., Einsteinstraße 42


Kosten
6,-/ erm. 4,- Euro


Partner

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit / IFFF


Art der Veranstaltung
Filmvorführung



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22.05.2019 - 19:30

Von Straßburg bis zum Strohhalm: Ein Pub Quiz zu Europa

 

Wir haben da mal ein paar Fragen...

Europa ist mehr als nur ein Kontinent. Es ist ein schillernder Begriff, alltägliche Erfahrung für Millionen von Menschen und ein permanentes Großprojekt.

Doch wie viel wissen wir eigentlich über die EU? Wie kann ich über die Zukunft Europas mitentscheiden? Was bedeutet ERASMUS? Was macht dieser Günther Oettinger eigentlich den ganzen Tag – und vor allem: was macht er nicht? Warum klingt der Name der europäischen Grenzsicherungsagentur wie ein Insektizid? Wie oft muss Australien den Eurovision-Songcontest gewinnen, um in die EU aufgenommen zu werden? Und wie war das noch mal mit dem Genmais?

Viele Fragen – Ihr habt die Antworten. Denn: Europa geht uns alle an! Für die drei besten Teams gibt es fantastische Preise zu gewinnen. Also schnappt euch eure Freunde, bildet ein Team und kommt zum Kneipen-Quiz in Café Esspress!

Um sicherzustellen, dass ihr einen Platz bekommt, könnt ihr euch als max. 5er-Gruppe oder als Einzelperson (dann bilden wir spontan ein Team) anmelden.

ReferentInnen

Moderation:

Alina Jasmin Felder
Doktorandin der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Projekt "Towards a Europe of educational regions? The emergence of higher education regionalisms in Europe and their contribution to European and EU education policy")

Lara Panning
Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Projekt „Demokratische Legitimität in der EU: Die 'Blackbox' der informellen Triloge“

Veranstaltungsort
Bamberg, Café Esspress, Austraße 33


Kosten
Eintritt frei!


Partner

AEGEE Bamberg

 

 

 

 


Art der Veranstaltung
Pub Quiz



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