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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungsrückblick

07.05.2018 - 19:00

DOK.Fest München: SILAS

Dokumentarfilm von Hawa Essuman und Anjali Nayar

Kanada, Südafrika, Kenia 2017, 80 Min.

Sprachfassung: Englisch mit englischen Untertiteln

Silas Siakor ist Umweltaktivist in Liberia. Mit neuen Technologien wie Smartphone-Apps machen er und sein Team auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption oder illegale Abholzungen aufmerksam. Ein neues Zeitalter von politischem Widerstand und demokratischem Engagement ist angebrochen.

ReferentInnen

Hawa Essuman
geboren 1980, ist Absolventin des ONE FINE DAY FILMS Trainingsprogramms von Tom Tykwer in Nairobi. 2010 stellte sie ihren ersten langen Spielfilm SOUL BOY fertig, der auf über vierzig Filmfestivals weltweit lief und mehrere Auszeichnungen erhielt. SILAS ist ihr Dokumentarfilm-Debüt.
Prof. Dr. Robert Kappel
war 1996-2004 Professor am Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig und Leiter des dortigen Arbeitsbereichs "Politik und Wirtschaft", 2004-2011 Präsident des GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg. Er forscht gegenwärtig zu den Themen Wirtschaftsentwicklung in Afrika, global value chains und global power shifts.

Veranstaltungsort
München, Atelier Kino, Sonnenstraße 12


Kosten
9,50 € / 7,50 € erm.


Partner

DOK.fest München und Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Film und Filmgespräch



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03.05.2018

Wie wollen wir wohnen?

Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaften und grüne Städte

Ein Füllhorn guter Ideen schüttete Daniel Fuhrhop bei seinem Vortrag im sehr gut besuchten Bamberger Stephanshof aus, und zeigte, wie es gelingen kann, Platz zu schaffen, Platz besser zu nutzen und dadurch Freiräume zu gewinnen: für sich selbst, für Freunde und Nachbarn, ja sogar für die ganze Stadt. Daniel Fuhrhop ist überzeugt: "Wenn jeder aber nur ein Zehntel weniger Raum benötigen würde, könnten alle bezahlbaren Wohnraum finden."  Stadtviertel würden viel lebendiger, Jung und Alt kämen sich wieder näher – vom Zusammenrücken würden alle profitieren. 

Fuhrhop sieht das Wohnen in einem direkten Zusammenhang mit einem an Nachhaltigkeit orientiertem „Guten Leben“. Allerdings sei es in diesem Zusammenhang schwieriger, Nachhaltigkeit konkret werden zu lassen als zum Beispiel bei der Mobilität oder beim Lebensmittelkauf. In Bezug auf das Wohnen gebe es nämlich einen ständigen Konflikt zwischen dem notwendigen Erhalt von Freiflächen und dem tatsächlichen oder gefühlten Wohnraummangel.

Dementsprechend widersprüchlich ist die Situation. Auf der einen Seite nimmt der durchschnittliche Wohnflächenbedarf seit Jahren zu. Derzeit liegt er bei ungefähr 46 qm pro Person. In 4-Personen-Haushalten liegt er bei 31 qm, in Single-Haushalten sogar bei 68 qm. Und die Zahl dieser Single-Haushalte nimmt ständig zu.

Auf der anderen Seite lässt sich aber ein Trend zum gemeinschaftlichen Wohnen, zumindest zur gemeinschaftlichen Nutzung von Wohnflächen beobachten. Das Spektrum dafür ist – wie Fuhrhop deutlich machte – sehr breit. Es reicht von der Kommune, die nicht nur die Wohnung teilt, sondern auch das Einkommen, bis zur leer stehenden Garage, die man einer Band als Übungsraum zur Verfügung stellt. Oder es werden für leer stehende Zimmer (zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des/der Partners/in) neue Mitbewohner*innen gesucht. Dafür gibt es mittlerweile sogar bereits Wohnpartner-Portale, eine Mischung aus Partnerbörse und Immobilienvermittlung (z.B.: https://gold-wg.com/).

Ausführlich ging Fuhrhop am Beispiel der Münchner Wagnis-Genossenschaft auf das Modell des gemeinschaftlichen Wohnens in Genossenschaftsform ein. Mit "wagnisART" (Details dazu hier!) entstanden im Norden Schwabings knapp 140 unterschiedlich geförderte sowie frei finanzierte genossenschaftliche Wohnungen in fünf Passivhäusern. In ihnen steht das gemeinschaftliche Wohnen im Zentrum. Neben Standard-Wohnungen wird eine neue Form von Gemeinschaftshaushalten angeboten. Diese so genannten Wohnungs-Cluster kombinieren individuelles Wohnen mit Lebensformen der Wohngemeinschaft.

Der Name wagnisART erinnert nicht nur an die ehemalige Künstlerkolonie, die auf diesem Gelände angesiedelt war, sondern steht auch für eine zukunftsorientierte Lebensart. Es geht um ein gemeinschaftliches Miteinander als urbanes Leben in kreativer, aktiver und generationenübergreifender Nachbarschaft. In den gebäude-Komplexen gibt es Musikräume, Räume für Waschen und Nähen, Gemeinschaftsräume in verschiedener Größe, Gästezimmer, Dachgärten.

Durch die verschiedenen Finanzierungsformen ist es möglich geworden, dass diese Wohnungen auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich sind – und dies im äußerst teuren Münchner Wohnungsmarkt.

Eine weitere Möglichkeit, dem Wohnraummangel abzuhelfen, ohne auf Neubau setzen zu müssen, ist der Wohnungstausch: Wenn sich die Wohnumstände und die Personenzahl ändern, dann kann eine zu groß gewordene Wohnung gegen eine kleiner Wohnung getauscht werden, die diesen Mietern (beispielsweise bei Familienzuwachs) zu klein geworden ist. Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass sich die finanzielle Belastung (Quadratmeter-Preis!) nicht ändert. Fuhrhop plädierte deshalb abschließend für eine "Bürgerbeteiligung für Nicht-Bauen", bei der gemeinsam nach Lösungen gesucht werden sollte, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen.

Weiterführende Links:

Daniel Fuhrhop: Stadtwandel im Zeichen des Klimawandels

Verbietet das Bauen - Der Blog gegen die Bauwut

Unabdingbar für ein gutes Leben: das Dach über dem Kopf

ReferentInnen


Daniel Fuhrhop

ist spätestens seit seinem großen Erfolg seiner Streitschrift »Verbietet das Bauen!« ein gefragter Interviewpartner. Mit Ideen für Wohnungssanierung, innovative Wohngemeinschaften oder grünere Städte erreicht er ein breites Publikum – Bürger(innen) und Architekt(inn)en, Umweltschützer(innen) und Stadtplaner(innen). In seinem aktuellen Buch hat der ehemalige Architekturbuch-Verleger die Erfahrungen der letzten drei Jahre in einem kurzweiligen Ratgeber zusammengefasst. Privat zieht er gerade in eine kleinere Wohnung um – mit Gemeinschaftsräumen.

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Evangelisches Bildungswerk Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



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03.05.2018 - 19:30

Verhinderte Gastfreundschaft?

Deutschland und seine Flüchtlinge inmitten eines weltweiten Dramas - Die Arbeit des Jesuitenflüchtlingsdienstes in Deutschland, Afrika und Nahen Osten Vortrag mit Diskussion

Angst vor einer großen Flüchtlingswelle erfasst Europa seit einiger Zeit. Allerdings berührt die weltweite Flucht- und Migrationsbewegung uns nur am Rand. Die meisten der 60 Mio. Menschen fliehen in ebenfalls meist arme Nachbarländer. Die meisten Flüchtlinge wollen zurück in die Heimat und nur wenige weiter nach Europa. Dennoch sind es immer noch Tausende, die vor der Festung Europa unter humanitär desolaten Lebensbedingungen ausharren und hoffen. Und es sind viele, die bei dieser Flucht schon ihr Leben verloren haben. Europas Sicherheitspolitik schützt Grenzen und nicht Menschen. Die, die es nach Europa schaffen, kämpfen gegen drohende Abschiebung, leiden unter Unsicherheit, Untätigkeit und Perspektivlosigkeit und verlieren wertvolle Lebenszeit mit Nichtstun. Und die, die in den großen Flüchtlingslagern oder in primitiven Unterkünften in den benachbarten, meist armen Ländern leben, beachten wir nicht. 

P. Frido Pflüger kennt aus seiner Arbeit mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst die Lage in Afrika, im Nahen Osten und hier in Deutschland und berichtet über seine Erfahrungen.

ReferentInnen

Pater Frido Pflüger SJ
leitet den Jesuitenflüchtlingsdienst Deutschland in Berlin. Nach Stationen u.a. auf den Philippinen, in Uganda war er einige Jahre Leiter des Jesuitenflüchtlingsdienstes in Ostafrika.

Veranstaltungsort
Lindau, friedens räume, Villa Lindenhof, Lindenhofweg 25


Kosten
Eintritt frei!


Partner

pax Christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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27.04.2018 bis 28.04.2018

European Social Responsibility – Unternehmensethik und Europa

 

European Social Responsibility: Unter dieser Überschrift empfing der studentische Verein sneep bei der diesjährigen Frühjahrstagung in Passau seine Mitglieder aus ganz Deutschland und weitere Interessierte zu einem spannenden Vortrags- und Workshop-Programm. 

Francisco Marí von "Brot für die Welt" stellte in seinem Vortrag von über das „Economic Partnership Agreement zwischen Europa und Afrika“ zunächst die wirtschaftliche Lage Afrikas dar und ging danach auf die Geschichte von Zollunionen und Handelsorganisationen, darunter v.a. die WTO, ein. Auf dieser Grundlage diskutierte er die zahlreichen negativen Auswirkungen des Economic Partnership Agreements für afrikanische Länder. Durch das Freihandelsabkommen werde der Handel zwischen afrikanischen Ländern weiterhin vernachlässigt werden, da der Fokus auf dem Ausbau der Infrastruktur Richtung Europa gelegt werde und der Handel innerhalb des Kontinents dadurch nicht rentabel sei.  Außerdem würden billig importierte Produkte aus Europa lokale Alternativen verdrängen, was er am Beispiel von deutschem Joghurt in afrikanischen Supermärkten veranschaulichte.

Prof. Stefan Wurster von der TU München zeigte in seinem Vortrag „Kann Demokratie Nachhaltigkeit?“ auf, dass die Regierungsform der Demokratie gute Voraussetzungen für nachhaltiges Handeln biete: Sie gewährleiste einerseits stabile institutionelle Arrangements und lasse auch öffentliche Kontrollmechanismen zu. Anderseits werde in Demokratien meist eine Politik verfolgt, die hauptsächlich akute Probleme behandele und zukünftige Generationen nicht miteinbeziehe, da diese nicht wahlberechtigt seien. Dieses Argument belegte er empirisch am Beispiel der direkten Demokratie in der Schweiz. Dort stimmte das Parlament häufig nachhaltiger als die Bevölkerung in Volksabstimmungen ab. Er argumentierte, dass Demokratien nicht notwendigerweise nachhaltiger als Autokratien sein müssen. Dies zeige, dass die Demokratie Instrumente benötigt, die eine nachhaltige Politik fördern. Als solche nannte er zum Beispiel die Gesetzesfolgenabschätzung und marktorientierte Anreizmechanismen wie den Emissionshandel.

Am zweiten Tag der Frühjahrstagung befassten sich die Teilnehmenden mit der Thematik des Verantwortungsbegriffs und inwiefern dieser mit Hilfe einer EU-Richtlinie in der Praxis umgesetzt werden sollte. Dazu stellte Martin Priebe von der Unternehmensberatung Profit mit Moral zuerst die EU-Richtlinie 2014/95/EU vor. Diese schreibt seit April 2017 in Deutschland eine Informationspflicht zu nicht-finanziellen und die Diversität betreffenden Aspekten für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern vor. Anschließend gab er einen Überblick über den Verantwortungsbegriff in der philosophischen Literatur, indem er die Grundaussagen der einflussreichsten Vertreter zu diesem Thema zusammenfasste. Nachdem Priebe außerdem verdeutlicht hatte, dass verantwortungsvolles Handeln auf den vier Ebenen der Institutionsethik, Organisationsethik, Sozialethik und Individualethik vollzogen werden müsse, stellte er sein WAABE-Modell (Wissen, objektiver Anspruch, subjektiver Anspruch, Bewusstsein, Entscheidungsfreiheit) vor, welches die fünf Kriterien verantwortlichen Handels zusammenfasst. Priebe kam zu dem Schluss, dass Verantwortung eine EU-Richtlinie brauche, da die moderne Wirtschaft zu komplex und anonym sei, nachhaltiges Wirtschaften immer größere Zeiträume in der Zukunft berücksichtigen müsse und der Erhalt eines lebenswerten Planeten eine Gemeinschaftsaufgabe sei.

In einem Grundlagenworkshop zum Thema Wirtschaftsethik wurde ein Überblick über die wichtigsten Denkströmungen gegeben sowie Anreize zum sich selber Informieren und Einlesen. Dieser wurde ergänzt durch eine Case Study, die sich mit dem Problem der Kinderarbeit bei der Herstellung von Schokolade durch den Nestlé-Konzern befasste. Kleingruppen sollten sich jeweils in eine Befürworter- und eine Gegnerseite unterteilen und somit durch ein Rollenspiel in der Diskussion beide Positionen kennenlernen. 

 

 

Veranstaltungsort
Passau, Universität Passau & DJH Jugendherberge


Kosten
Eintritt frei!


Partner

sneep e. V.


Art der Veranstaltung
Vorträge mit anschließender Diskussion



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27.04.2018 - 18:00 bis 29.04.2018 - 13:30

Mit Verstand und Augenmaß! Flächensparen in der kommunalen Praxis

GRIBS-Kommunalkongress 2018

Zum 32. Kommunalpolitischen Kongress lud die Kommunalpolitische Vereinigung der GRÜNEN mit einer Tagung der Petra-Kelly-Stiftung und des GRIBS-Bildungswerks e.V. unter dem Titel „MIT VERSTAND UND AUGENMASS! - Flächensparen in der Kommunalen Praxis“ am vergangenen Wochenende vom 27.-29. April in die Räume der Bayerischen Bauakademie nach Feuchtwangen.

 

Den Aufschlag machte Daniel Fuhrhop, Buchautor mit einem provokanten Vortrag unter der Überschrift „Verbietet das Bauen – Der Neubau ist überflüssig!“. Das wirklich ökologische Bauen, so Fuhrhop, ist wenn gar nicht neu gebaut wird und das sei möglich. Seit 20 Jahren hat beispielsweise die Bundesrepublik einen annähernd gleichen Bevölkerungsstand von ca. 81 Mio. Menschen, die Anzahl der Wohnungen aber haben im selben Zeitraum von 35 Mio auf 41 Mio. zugenommen. Was wir brauchen, so Fuhrhop, sind keine neuen Wohnungen, sondern eine intelligentere Nutzung des vorhandenen Wohnraums. Statt Wohnraum bauen, lebendigeren Wohnraum schaffen! Dazu gibt es auch nachahmenswerte Modelle, wie beispielsweise „Wohnen für Hilfe“, Wohnungstauschbörsen, Haustausch u.v.m.  Fuhrhop hielt außerdem ein Plädoyer für einen Bewusstseinswandel beim Wohnflächenbedarf, eine Art „Bürgerbeteiligung für`s Nichtbauen und fordert jede Kommune auf, sich über Baulücken, Leerstände und Innenentwicklungspotenziale ein wirklich klares Bild zu verschaffen und diese Potenziale zuallererst zu nutzen.

(Vortrag als PDF-Datei)
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Daran schloss der Beitrag von Gunter Schramm vom Büro Planwerk aus Nürnberg nahtlos an. Er informierte die TagungsteilnehmerInnen über Instrumente, Werkzeuge und Strategien für eine gelingende Innenentwicklung. Der Vorrang der Innenentwicklung vor Außenentwicklung sei nicht nur eine Voraussetzung zur Reduzierung des viel zu hohen Flächenverbrauchs, sondern auch dringend notwendig für eine Belebung und Aufwertung der Ortskerne, Bedingung für den Erhalt wertvoller Bausubstanz und der Verbesserung des Ortsbildes, für die Erhöhung der Nutzungsdichte und damit Garant für eine bessere Auslastung der technischen und sozialen Infrastruktur und Grundlage für eine Sicherung des zentralen Nahversorgungsangebots. Entwicklungspotenziale bieten sich insbesondere bei den Baulücken, bei den nur geringfügig bebauten Grundstücken (z.B. ehemaliger landwirtschaftlicher Betriebe), bei Grundstücken mit Fehl- und Mindernutzungen, bei leerstehenden Gebäuden verschiedener Art, also sowohl bei Wohngebäude, Läden, Hofstellen und beim vom Leerstand bedrohter Gebäude. Schramm bot den Zuhörenden einen ganzen Werkzeugkasten an Instrumenten für die erfolgreiche Innenentwicklung. Dazu gehört in erster Linie erst einmal die Grundlagen zu ermitteln, d.h. die Leerstände, Baulücken und Gefährdungen in einer Flächenmanagement-Datenbank zu erfassen. Mit einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ sind die Qualitäten der Innenentwicklung kontinuierlich zu kommunizieren, um dadurch eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen. Gemeinden können darüber hinaus selbst finanzielle Anreize geben und Förderprogramme zur Leerstandbeseitigung auflegen und zusätzlich die vorhandenen Programme von Städtebauförderung und Dorferneuerung nutzen. Alle Fördermöglichkeiten können in einer eigenen Förderfibel zusammengefasst und beworben werden. Ein wesentliches Element ist zudem die Beratung der potenziellen Bauherren durch kostenlose Bau- und Sanierungs- und Energieberatung. Letztendlich ist das Wichtigste immer und immer wieder beharrlich die Bauinteressenten durch gute Argumente und durch das Vorstellen von Vorzeigeprojekten zu überzeugen. Gunter Schramm erläuterte den vorgestellten Werkzeugkasten anhand von eigenen Projektbeispielen u. a. aus dem nördlichen Fichtelgebirge und von der Kreuzbergallianz in der Rhön.

(Präsentation als PDF-Datei)
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„Heißer Boden“ war der Vortrag von Privatdozent Dr. Fabian Thiel aus Frankfurt überschrieben. Dr. Thiel ging der Frage nach, inwieweit die Allgemeinwohlverpflichtung des Grundgesetzes „Eigentum verpflichtet“ für die Innenentwicklung genutzt werden kann und wo die Grenzen dieser Verpflichtung liegen. Schlägt nicht die „Baufreiheit“, die „Niederlassungsfreiheit“ und letztendlich die Eigentumsfreiheit nach europäischen Recht nicht die Allgemeinwohlverpflichtung? Anhand ganz konkreter Fälle erläuterte Dr. Thiel die Möglichkeiten und Grenzen des kommunalen Eingriffs in das Eigentum und appellierte an die anwesenden MandatsträgerInnen zur Vorsicht und zum überlegten Handeln. Etwas desillusioniert über die rechtlichen Möglichkeiten von „Eigentum verpflichtet“ geht der Weg zum Erfolg wohl eher über Reden Reden Reden, Überzeugen und Fördern.

(Präsentation als PDF-Datei)
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„Sind neue Baugebiete wirklich gut für den Gemeinde-haushalt?“ fragte Dr. Frank Molder von der Baader Konzept GmbH. Sehr häufig gehen Kommunen äußerst blauäugig an die Erschließung neuer Wohn-Baugebiete, ohne im ausreichenden Maße vorher zu errechnen, welche Folgekosten damit auf die Stadt oder Gemeinde in Zukunft zukommen werden. Sobald man das systematisch tut und die Folgekosten erfasst, kommt man relativ schnell zum Ergebnis, dass Baugebiete früher oder später immer Folgekosten verursachen, für welche die Kommune und die Allgemeinheit aufkommen müssen. Das Programm-Modul „FolgekostenSchätzer“ zeigt auf, wie schnell sich bei welcher Planung welche Folgekosten in den Bereichen technische Infrastruktur und Grünflächen ergeben – und wer sie bezahlen muss. Dabei sind die oft auch sehr teuren Kosten für die soziale Infrastruktur, wie z.B. Kindertageseinrichtungen, Schulen usw. noch gar nicht mit einberechnet. Molder kommt aufgrund seiner vielfältigen Erfahrung aus den Modellprojekten zu dem Ergebnis, dass durchschnittlich nach 40 Jahren Folgekosten von etwa 45-70% der ursprünglichen Herstellungskosten anfallen, für die im Wesentlichen – erst Recht jetzt nach dem Wegfall der Straßenausbaubeitragssatzung - die Stadt oder Gemeinde und die Allgemeinheit herhalten müssen. Sein Fazit: Neubaugebiete am Ortsrand führen i.d.R. zu höheren Folgekosten, als bei der Innenentwicklung. Die neue Erschließung mit technischer Infrastruktur führt zu hohen zusätzlichen Kosten im Unterhalt bei häufig geringerer Dichte und deshalb zu höheren Kosten pro Kopf bzw. Quadratmeter. Molder empfiehlt in jedem Fall das vorhandene kostenfrei verfügbare Programm-Modul des Folgekostenschätzers zu nutzen. Infrastrukturfolgekosten-Schätzer seien in jedem Fall ein wichtiges Instrument auf dem Weg zur Kostenwahrheit bei der Diskussion der Siedlungsentwicklung in den Kommunen und unbedingt anzuwenden.

(Präsentation als PDF-Datei)
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Ein sehr anschauliches Beispiel für eine erfolgreiche Strategie der Innenentwicklung präsentierte der Erste Bürgermeister von Hofheim in Ufr., Wolfgang Borst. Die sogenannte Hofheimer Allianz aus sieben Kommunen mit insgesamt 53 Gemeindeteilen hatte über Jahre hinweg mit einer schrumpfenden Bevölkerungszahl zu kämpfen. Trotzdem wurden, weil das der Wunsch von den „Häuslebauern“ war, Neubaugebiete ausgewiesen bis durch Bgm Borst erkannt wurde, dass dies der Verödung der Ortskerne nur noch weiter Vorschub leistet. „Jeder Siedlungs-Neubau verursacht einen Leerstand im Altort!“, so Bgm Borst. Die in der Hofheimer Allianz zusammengeschlossenen Gemeinden machen sich seither systematisch daran über eine Flächenmanagement-Datenbank ihre Leerstände, die Baulücken und die drohenden Leerstände zu erfassen. Die Eigentümerbefragung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Bei der Vermarktung der Leerstände und Baulücken wird darauf geachtet, dass das Bauen, bzw. Renovieren im Ortskern günstiger ist, als ein vergleichbares Objekt in einem möglicherweisen neuen Siedlungsgebiet. Dabei greifen die Gemeinden den BürgerInnen durch eigene Förderprogramme unter die Arme. Es gibt ein einheitliches Förderprogramm für „Investitionen zur Nutzung vorhandener Bausubstanz (50 €/m²) im Ortskern, Hilfen bei der Entsorgung des Bauschuttes durch die Gemeinde, kostenlose Planungsberatung mit Kostenschätzung durch Architekten der Allianz und eine kostenfreie Erstberatung zur energetischen Sanierung. Häufig können durch die Erfahrung der Gemeinden auch Fördergelder aus Landes- oder Bundesprogrammen abgeschöpft werden. Als Baustein Nummer 2 setzen die Gemeinden der Allianz auf die Erhaltung bzw. Erhöhung der Lebensqualität im Ortskern, um zukünftige Leerstände weitgehend zu verhindern. Das beginnt bei der Hilfe zur Errichtung von Dorf-Läden bis hin zur Unterstützung von Dorfgemeinschaftshäusern zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern in mittlerweile schon 12 Gemeinden oder Gemeindeteilen. Flankiert wird das mit Modellen der Existenzgründerinitiative für Startups, mit Nachbarschaftshilfeprojekten und einer Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen. Das Ergebnis der Bemühungen kann sich sehen lassen. Der Wanderungssaldo hat sich ins Positive gewandelt und trotzdem konnten Baugebietsausweisungen in großer Zahl zurück genommen werden. Insgesamt wurden bereits mehr als 200 Maßnahmen der Innenentwicklung gefördert und es konnten über 90 bereits ausgewiesene Baurechte zurückgenommen werden. Dafür hat die Hofheimer Allianz bereits eine Vielzahl von Auszeichnungen erhalten.

(Präsentation als PDF-Datei)
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Mit dem Tübinger Modell einer qualitätsvollen und durchmischten Quartiersentwicklung machte der Tübinger Baubürgermeister Cord Söhlke den Schwenk zu einer Stadt mit 90.000 Einwohnern. Das Tübinger Modell der Stadtentwicklung folgt dabei den Gestaltungsgrundsätzen der „Europäischen Stadt“ mit folgenden Bausteinen: Kleinteilige Nutzungsmischung durch ein Neben- und Miteinander von Wohnen und Handel, Handwerk und Gewerbe; Variable Parzellierung der Grundstücke und Vielfalt in der Architektur; qualitätsvolle städtebauliche Dichte und Integration der Altbauten; Einbinden von privaten Baugemeinschaften und Unterstützung durch die Stadt; Soziale Durchmischung der BewohnerInnen. Das Bündeln des ruhenden Verkehrs in Quartiersgaragen am Rande schafft autoverkehrsarme und autoverkehrsbefreite Zonen mit einer hohen Aufenthaltsqualität und einer intensiven Durchgrünung. Söhlke zog zum Ende seines Vortrags das positive Fazit: Gemischte Quartiere sind attraktiv für vielfältige Gruppen – „es muss nicht immer das Reihenhaus sein“. Das Instrument der Konzeptvergabe von Grundstücken eröffnet Spielräume für neue Akteure, Vielfalt und Qualität – zugegeben bei höherem Aufwand für Kommunen. Und selbst Aufgaben wie Sozialer Wohnungsbau und Flüchtlingsunterbringung sind kleinteilig und stadtverträglich möglich.

(Präsentation als PDF-Datei)
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Nachdem sich eine Gemeindeentwicklung nicht nur um das Thema Wohnen dreht, sondern in der Regel auch immer die Frage von Neuausweisungen von Gewerbegebieten eine Rolle spielt, beschäftigte sich der letzte Vortrag mit den Fragen der Gewerbeentwicklung im Bestand. Christian Bretthauer, Zentralgeschäftsführer der Firma DV Immobilien Gruppe aus Regensburg brachte seine  Erfahrung als mittelständischer Projektentwickler bei der flächensparenden und nachhaltigen Gewerbeentwicklung im Bestand an die kommunalen MandatsträgerInnen. Für eine wirklich qualitätsvolle Entwicklung von Gewerbestandorten machte Bretthauer einige Rahmenbedingungen zur Voraussetzung: Am Beginn steht immer eine kritische Marktanalyse. Es hilft nichts, einfach wild darauf los zu planen für einen imaginären potenziellen Bedarf, ohne den Bedarf genau zu hinterfragen. Es folgt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Standort: was ist vorhanden, was wird gebraucht, welche Einrichtungen erwarten welche Mietpartner, Beschäftigte, Endkunden und wie lassen sich interne wie externe Synergien auslösen? Wichtig sind flexible Grundrisse für die Expansion bzw. Neuorganisation von Unternehmen, großzügig gestaltete Freiräume mit Grün- und Freiflächen am besten mit Wasserzonen, eine optimale Verkehrsanbindung (ÖPNV, Autobahn,  Bundesstraßen, moderne Mobilitätsformen), eine Steuerung der Entwicklung durch ein operatives Management und die zusätzliche Ansiedlung  von Service-Bausteine, wie Nahversorgung, Gastronomie, Kinderbetreuungseinrichtungen u.a., das schafft auch im Gewerbegebiet eine hohe Aufenthaltsqualität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Auf einen Nenner gebracht gilt auch für die Entwicklung von Gewerbegebieten der Leitsatz „Qualität geht vor Quantität!“.

(Präsentation als PDF-Datei)
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Also: intelligenter, vorausschauender und qualitätvoller Wohnen, Planen und Bauen geht! Der Übertrag auf die eigene Situation vor Ort gelang in den abschließenden Arbeitsforen. Ob Dorf, Stadt oder Landkreis, überall ergaben sich viele geeignete Möglichkeiten, in der eigenen Kommune anzupacken.

Claudia Bosse, die souverän durch die Tagung führte und die Diskussion mit den Teilnehmenden moderierte, selbst Kreisrätin und im GRIBS-Vorstand, fasste das Resumee zusammen: Die Tagung „MIT VERSTAND UND AUGENMASS! - Flächensparen in der Kommunalen Praxis“ hat gezeigt, es ist möglich, Dörfer, Städte und Landkreise auch ohne hohen Flächenverbrauch voranzubringen. Die Instrumente sind da, es braucht den politischen Willen, diese anzuwenden. Überzeugte Bürgermeister*innen können mit Stadt- und Gemeinderat und der Verwaltung Entscheidendes bewegen. Notwendig dafür sind ein großes Beharrungsvermögen, gelungene Kommunikation, viel Überzeugungsarbeit, Mut zu Neuem und das konsequente Anwenden des vorhandenen Instrumentariums.

Fotos: Wolfgang Schmidhuber (CC BA-SY 3.0)

Weitere Impressionen finden Sie auf der Seite von GRIBS.

ReferentInnen

Wolfgang Borst
1. Bürgermeister Stadt Hofheim i.UFr.
Tel.: 09523/50337-0
E-Mail: info@stadt-hofheim.de

Christian Bretthauer
Zentralgeschäftsführer DV Immobilien Management GmbH Regensburg
Tel.: 0941/4008-0
E-Mail: info@dvimmobilien.de 

Daniel Fuhrhop
Autor
Tel.: 0441/9332695
E-Mail: post@daniel-fuhrhop.de
Internet: www.daniel-fuhrhop.de

Dr. Frank Molder
Dipl.-Ing. Umweltsicherung und Landesentwicklung, Projektleiter, Baader Konzept GmbH
Tel.: 09831/6193-16
E-Mail: f.molder@baaderkonzept.de
Internet: www.baaderkonzept.de

Gunter Schramm M.A.
Stadtplaner und Geograf, Soziologe, Politologe, Büro Planwerk
Äußere Sulzbacher Str. 29
90491 Nürnberg
Tel.: 0911/650828-0
E-Mail: schramm@planwerk.de
Internet: www.planwerk.de

Cord Soehlke
Baubürgermeister der Universitätsstadt Tübingen
Friedrichstraße 21
72072 Tübingen
Tel.: 07071/2042260
E-Mail: cord.soehlke@tuebingen.de
Internet: www.tuebingen.de/soehlke

Dr. Fabian Thiel
Privatdozent, Landmanagement, Vertretungsprofessur an der Frankfurt University of Applied Sciences
Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Immobilienbewertung
Fb 1 - Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik
Frankfurt University of Applied Sciences
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Tel.: 069/1533-2337
E-Mail: bodenrecht@fabian-thiel.de
Internet: www.fabian-thiel.de

Veranstaltungsort
Feuchtwangen, Bayerische BauAkademie, Ansbacher Str. 20


Partner

GRIBS Bildungswerk e.V.


Art der Veranstaltung
Kongress



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25.04.2018 - 19:30

Die Rolle(n) der Frau im Islam

Streifzüge durch Iran, Mali und Pakistan


Was prägt, jenseits von Medienklischees, die Stellung der Muslimin im 21. Jahrhundert? Geschlecht, Religion und Kultur verbinden sich in jedem Land anders, sagt die Buch-Autorin Charlotte Wiedemann

 
Nach der inhaltlichen Einführung von Silvia Bauer (Bild links) hatte Charlotte Wiedemann durch eine Bilderschau über ihre Erfahrungen in drei (muslimisch geprägte) Ländern berichtet, deren soziale Realität unterschiedlicher kaum sein könnte. Iranerinnen, Malierinnen und Pakistani verbindet allerdings eines: Überall kämpfen Frauen um Gleichstellung, oft mit mehr Erfolg, als wir denken.

Die in der Präsentation porträtierten Frauen waren in unterschiedlichen Bereichen tätig: unter anderem auch beim Militär und in der Politik. Anfänglich wurde über die Situation der Frauen in Mali erzählt, wo das Thema der Genitalverstümmelung sehr relevant ist. Frau Wiedemann hat die Situation in einen internationalen Kontext gesetzt. Sie stellte fest: würde Saudi Arabien eine Kampagne gegen die nicht im Koran vorgeschriebene Genitalverstümmelung starten, so hätte das auch Auswirkungen auf Mali.

Die Situation in Pakistan ist sehr spannend: Frauen müssen zwar in vielen Regionen eine Burka tragen, sind aber politisch relativ stark repräsentiert. Nicht nur ist die ehemalige Premierministerin Benazir Bhutto noch sehr stark in der Erinnerung der Bürger*innen präsent, sondern es wurde 2001 eine Quote eingeführt, wonach 33% der Gemeinderät*innen Frauen sein müssen. Auch zum Thema Bildung ist die Lage in Pakistan beachtenswert: zwar können mehr als die Hälfte der Pakistanerinnen nicht lesen und schreiben, aber die Hälfte der Studierenden sind Frauen. Fazit: wenn Frauen die Möglichkeit haben, ihre Situation zu verbessern, tun sie das.

Im Iran ist die Situation noch progressiver. Athletinnen spielen beispielsweise eine wichtige Rolle auch im internationalen Vergleich. So hat exemplarisch die Rugby Frauen-Nationalmannschaft letztes Jahr gegen Deutschland gewonnen. Vor der Revolution war natürlich die Situation besser, es gab bereits die ersten Richterinnen, die aber nach der Revolution nicht mehr arbeiten durften, weil „der Islam keine Richterin vorsieht“. Die Geburtenrate ist geringer als in Frankreich und mehr Frauen als Männer studieren (es betrifft natürlich nur die Eliten, aber immerhin sind 60% der Studierenden Frauen).
Das Land ist also voller Widersprüche: Angeblich gibt es mehr Ingenieurinnen im Iran als in den USA, aber die Arbeitslosenquote unter ihnen ist sehr hoch. Die Situation der Frauen im Iran ist auch abhängig vom Wohnort: auf dem Land ist das Durchschnittsalter, in dem man heiratet, 24 Jahre, während es in Teheran 31 ist (vor allem aus Mangel an Geld und Wohnraum).
Heutzutage gibt es in Iran eine Menge frauenfeindlicher Gesetzte, trotzdem haben die Frauen Rollen und Orte für sich geschaffen. Ein Bild zeigte zum Beispiel eine Zeitungsredaktion, in der die für Atomdiplomatie zuständige Person eine Frau ist; wenn Frauen also in einer Redaktion arbeiten, übernehmen sie wichtigere Rollen auch im Vergleich zu Deutschland. Im politischen Bereich dürfen Frauen seit kurzem auftreten und waren sehr erfolgreich auch weil die männlichen Gegenkandidaten nicht gegen eine Frau verlieren wollten und deshalb ihre Kandidatur zurückgezogen haben.

Fazit der gesamten Diskussion war, dass hauptsächlich die sozialen Verhältnisse (Bildung vs. Analphabetismus, Reichtum vs. Armut, Stadt vs. Land) und die regionalen Prägungen des Islams die unterschiedlichen Positionen der Frau in der Gesellschaft beeinflussen. Man darf also nicht die Situation der Frauen in islamisch-geprägte Staaten pauschal vergleichen, weil an manchen Stellen die Situation ähnlich ist wie im „Westen“ oder sogar besser. Ein letzter Punkt war dafür sehr beeindruckend: Deutschland und Pakistan haben aktuell einen ähnlichen Prozentsatz an Frauen im Parlament.

ReferentInnen

Charlotte Wiedemann
Journalistin und Autorin mit dem Schwerpunkt Islamische Lebenswelten. Über Iran schrieb sie u.a. für die Zeit, Geo, NZZ und Le Monde Diplomatique

Moderation: Silvia Bauer, Kulturwissenschaftlerin, Leiterin von CINEMA IRAN, München

Veranstaltungsort
München, Lost Weekend, Schellingstr. 3


Kosten
5,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag



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24.04.2018 - 19:00

Ein Jahr Emmanuel Macron: Wo steht Frankreich, wo steht Europa heute?

 

Vor einem Jahr gelang dem erst 39 Jahre alten Emmanuel Macron mit einem klar proeuropäischen Kurs der Überraschungssieg bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Seitdem hat der junge Präsident nicht nur die französische Parteienlandschaft komplett umgepflügt, in einem atemberaubenden Tempo treibt er auf den verschiedensten Feldern Reformen voran, die seinen Landsleuten einiges abfordern und zumuten. Wie verändert er Frankreich damit – und mit welchen Folgen?
Macron will aber nicht nur das eigene Land umbauen, sondern auch Europa ein neues und anderes Gesicht geben. Dafür hat er Visionen aufgezeigt und konkrete Vorschläge vorgelegt - bislang fehlte ihm dafür ein handlungsfähiger Ansprechpartner in Deutschland.
Wird es jetzt endlich Antworten aus Berlin geben? Welche Möglichkeiten hat das deutsch-französische Tandem noch, in Europa etwas zu bewegen, nach dem Erstarken antieuropäischer Kräfte in Italien und nur ein Jahr vor den Wahlen zum Europaparlament?

ReferentInnen

Dr. Jens Althoff
Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Paris

Veranstaltungsort
München, Lost Weekend, Schellingstr. 3


Kosten
Eintritt frei!


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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23.04.2018 - 19:00

Filmreihe Kino Europa: Djam

 

FR / GR / TUR 2017, Drama, 97 Min., OmU, Regie: Tony Gatlif

Auf der Suche nach einem raren Ersatzteil für das Boot ihres Onkels trifft die junge Griechin Djam in Istanbul auf die 19-jährige Französin Avril, die dort freiwillig bei der Flüchtlingshilfe arbeitet. Avril fühlt sich verloren in der großen, fremden Stadt, weshalb Djam sie an die Hand nimmt und die beiden sich auf eine Reise voller Hoffnung, spannender Begegnungen und der Freude am Teilen begeben. 

Weltpremiere auf den Filmfestspielen in Cannes. Ab dem 26.04. in deutschen Kinos.

ReferentInnen

Daphne Patakia
Hauptdarstellerin

Veranstaltungsort
München, Gasteig, Carl-Amery-Saal


Kosten
Eintritt frei!


Partner

In Kooperation mit dem Europe Direct Informationszentrum München & Oberbayern, dem Creative Europe Desk München GmbH und dem Informationsbüro des EU-Parlaments


Art der Veranstaltung
Filmvorführung mit anschließender Diskussion



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22.04.2018 - 18:00

Frauen im Iran – Vortrag von Niloofar Beyzaie

 

Auf der Suche nach den Spuren iranischer Frauen bei der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen des Irans wird sich die Referentin einigen Vorreiterinnen der Frauenrechte im Iran wie Tahirih Qurrat al-ʿAin und dem Geist und den eigentlichen Zielen der konstitutionellen Revolution im Iran widmen.    
Denn eigentliches Ziel der Bewegung war es, die absolute Monarchie durch ein parlamentarisches Regierungssystem abzulösen und eine moderne Rechtsordnung einzuführen. In dieser Epoche wurde zum ersten Mal im heutigen Sinne über den Begriff „Freiheit“ diskutiert und es fanden die ersten Auseinandersetzungen zwischen den religiösen und den säkularen Kräften statt.    
Vor allem die Frauen spielten in der konstitutionellen Revolution eine maßgebliche Rolle. Sie organisierten sich im Untergrund und hielten Versammlungen ab. Einige persische Intellektuelle und Dichter*innen schrieben über die Unterdrückung der Frau und riefen zum Aufstand auf.    
Zur Zeit der Herrschaft der letzen Könige der Qajar Dynastie wurde Frauen der Zugang zur Bildung ermöglicht, erste Frauenzeitschriften veröffentlicht und Frauen gründeten Schulen für Mädchen. Auch die Verschleierung der Frau wurde thematisiert und kritisch hinterfragt. Gegen all das liefen die Kleriker Sturm.  Als Reza Shah Pahlawi die Herrschaft übernahm, versuchte er die Einfluß der Kleriker einzuschränken und den Iran zu modernisieren. Er ermöglichte die Entschleierung der Frauen. Erstmals ohne Schleier in der Öffentlichkeit zeigten sich seine Ehefrau und seine Tochter.    
Mehrere Frauenorganisationen wurden ins Leben gerufen. Immer mehr Menschen gehörten der Mittelschicht an und beteiligten sich am politischen Leben. 1963 bekamen Frauen im Iran zum ersten Mal das Wahlrecht. Dies war der wichtigste Grund für den Aufstand der religiösen Kräfte unter Ayatollah Khomeini. In Qom, der religiösen Hauptstadt Irans, gingen sie dagegen auf die Straße. Pahlawi stand für einen modernen Iran, konnte aber mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung nichts anfangen. Anders formuliert, er erlaubte individuelle Freiheit, ging jedoch hart gegen alle vor, die für politische Freiheit waren.

ReferentInnen


Niloofar Beyzaie
wurde am 15. Januar 1967 in Teheran geboren und lebt seit 1985 in Frankfurt am Main im Exil. Nach dem Studium der Germanistik, der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie der Pädagogik an der Universität Frankfurt gründete sie 1994 die freie Theatergruppe „Daritsche“.     
Ihr Vater ist der im Iran bekannte Theater- und Filmregisseur Bahram Beyzaie.

Veranstaltungsort
Würzburg, Theater Ensemble Würzburg - im Bürgerbräu, Frankfurter Strasse 87


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Theater Ensemble Würzburg - im Bürgerbräu


Art der Veranstaltung
Vortrag



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20.04.2018 bis 21.05.2018

Sex: zwischen Macht, Tabus und Idealen

Aktionstage zu Körperbildern, Sexualität und sexuellen Grenzüberschreitungen

„Männer wollen immer nur das Eine“ oder der „Mythos Jungfrau“: Unzählige überholte Vorstellungen rund um Körper und Sexualität stecken noch immer in unseren Köpfen und weisen dabei meist Männern* eine aktive und Frauen* eine passive Rolle zu. Weibliche Lust wird tabuisiert, Körperwissen wird vorenthalten. Scham für und Unwissen über den eigenen Körper, die eigene Sexualität und  zugehörige Begriffe (etwa Vulva oder Klitoris) verhindern, dass insbesondere Frauen* und Mädchen*  sich mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen auseinandersetzen, sie kennen(lernen) und artikulieren. 

Der Glaube, dass Männer* “immer nur an das Eine denken”,  ist Teil eines Männlichkeitskonzepts, das Grenzüberschreitungen durch Männer* legitimiert. Konsens war deshalb ein zentrales Thema der Veranstaltungsreihe und wurde im Licht der aktuellen Debatte um “#metoo” umso relevanter:  Es zeigt  sich, dass nicht nur unbeabsichtigte Grenzverletzungen, sondern auch bewusst in Kauf genommene  sexualisierte Gewalt nach wie vor die Lebensrealitäten von Frauen* und anderen Gruppen prägen. 

Die Foto-Ausstellung der jüdisch-US-amerikanischen Künstlerin Hannah Altman wurde vom Organisationsteam der Aktionstage am Freitag (20.04.2018) in der Kultur-Cafeteria der Universität Passau gezeigt. Die Fotoserie ersetzte Körperflüssigkeiten von Frauen* (darunter Blut, Tränen und Erbrochenes) durch Glitzer und karikierte so die Norm, als Frau* in allen, auch in z.T. unerträglichen Situationen schön aussehen zu müssen. Der Ausstellung war ein Beschreibungs- bzw. Interpretationstext beigefügt, sodass alle Passant*innen Zugang zum Thema hatten. Sie funktionierte auch als Mittel, um Teilnehmer*innen für die übrigen Veranstaltungen zu gewinnen. Knapp zwei Wochen nach Ende der Aktionstage wurden die Werke wieder abgehängt, sodass die Aktionswoche über die Ausstellung noch nachwirken konnte.

Beim mit über 150 Zuhörer*innen ausgezeichnet besuchten Poetry Slam gegen Sexismus ging es um niederschwellige Einsicht in sexistische Lebensrealitäten und Feminismus als Begegnungsstrategie. In ihren Texten verbalisierten die Slammerinnen* (Katrin Freiburghaus, Lolo Logie, Doro Röder, Yasmin Köseli, Fatima Talalini) unterschiedlichste Alltagserfahrungen, die sie selbst mit Sexismus hatten. Das gesamte Publikum beteiligte sich rege, sodass von einer gelungenen Sensibilisierung für die Existenz dieser Diskriminerungsform ausgegangen werden kann.

Im Film "Vulva 3.0" und der anschließenden Diskussion ging es vor allem um eine kritische Auseinandersetzung mit Tabus und Schönheitsidealen. Die Referentin Julia Schuh zeigte auf, wie sich die Darstellung und gesellschaftliche Wahrnehmung von Vulven geschichtlich entwickelt haben und welche Rolle diese in der heutigen Darstellung von Vulven spielen. Im Anschluss wurde der Film Vulva 3.0 gezeigt. Dieser geht besonders auf die heutige Tabuisierung von Vulven auf der einen Seite und die verzerrte Darstellung von Vulven in Medien und der Wunsch vieler Frauen* sich daran mittels Operationen anzupassen auf der anderen Seite ein. Daraus entstand eine sehr anregende Diskussion zum Umgang mit Schönheitsidealen.

In der Podiumsdiskussion: „Sexismus und sexualisierte Gewalt an der Hochschule" sollten die aktuellen Maßnahmen der Universität Passau kritisch beleuchtet und Ideen für andere Umgangsweisen mit Sexismus und sexualisierter Gewalt an Hochschulen entwickelt werden. Zuerst erläuterte Ann Wiesental als Expertin für sexualisierte Gewalt befragt, was darunter zu verstehen sei und wie sinnvolle Betroffenen-Unterstützung aussehen kann. Hier wurde klar, dass die Definitionsmacht über den Umgang bei den Betroffenen liegen sollte. Wie solche betroffenenorientierte Unterstützung an der Universität aussehen kann und wo die Anlaufstellen sind, erklärte Elena Dück, die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Philosophischen Fakultät. Kritik an der Umgangsweise der Universitäten kam von Eva Gruse, Vorstand des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften e.V.. Sie problematisierte, dass die zuständigen Stellen in der Regel in das universitäre Geschehen eingebunden sind, die Professor*innen, von denen eine Grenzüberschreitung ausgehen kann, oft persönlich kennen und Betroffene daher nicht unabhängig unterstützen können. Anregungen zu möglichen Veränderungen in der Lehre und den Lehrinhalten gab Dr. Christian Rademacher, ein Dozent der Universität Passau. Aus dem Publikum kamen viele Wortmeldungen, gewünscht wurde sich unter anderem, dass Lehrinhalte, die für Genderproblematiken sensibilisieren, nicht optional, sondern verpflichtend in jeden Studiengang eingebunden werden.

Der Film „Fuck Sex - Asexualität als letztes Tabu” klärt über Asexualität auf und lässt verschiedene asexuelle Personen zu Wort kommen. Im Anschluss daran konnten Fragen gestellt werden und eigene Erfahrungen ausgetauscht wurden. Dazu gab es eine Vorwissens- sowie Erwartungsabfrage. Eine Tafel mit (Fach-)Begriffen und Diskussionsthemen gab bei der folgenden Diskussion Anregungen für Fragen und Gespräche, Unklares wurde durch die Referentin Lea Jung beantwortet. Die Veranstaltung lässt sich als voller Erfolg werten, da mehr Teilnehmer*innen kamen, als  erwartet, darunter auch einige nicht-studentische Personen sowie asexuelle und allosexuelle Personen. Es entstanden angeregte, gleichzeitig sehr respektvolle Gespräche und einige Teilnehmer*innen, die zuvor mitgeteilt hatten, das Thema sei vollkommen neu für sie, sind mit Mehrwissen aus der Veranstaltung gegangen.

Im Workshop "Konsens" ging es um die Sensibilisierung für sexuelle Grenzüberschreitungen und die Kompetenz, eigene Beziehungen konsensual zu gestalten. So wurden verschiedene zwischenmenschliche Situationen dargestellt und gefragt, ob in diesen Situationen Konsens gegeben war. Im Fall von fehlendem Konsens sollte überlegt werden, wie man als Außenstehende*r sinnvoll eingreifen und/oder Hilfe anbieten kann. Außerdem sollten Möglichkeiten gefunden werden, selbst in den eigenen Beziehungen Konsens herzustellen.

Im Vortrag "Alternative Verhütungsmethoden" vermittelte die Referentin Monika Kastner ausführliches Wissen über die weiblichen* Geschlechtsorgane, den Ablauf des Zyklus und einigem mehr, zum Beispiel zur Flora und dem Milieu der Vagina und darauf fußend zu sinnvoller Körperhygiene und Menstruationsmethoden. Außerdem wurden ausführlich verschiedene Verhütungsmethoden kritisch betrachtet. Als eine mögliche Alternative zu üblichen Methoden wurde die sympto-thermale Methode in ihren Grundlagen vorgestellt.

"Flach, glatt, gesund: Körper- und Gesellschaftsverhältnisse unter dem Stichwort "Attraktivität"“ betrachtet" gab Louise Haitz einen Überblick über die jeweilige gesellschaftlichen Ordnung von der feudalen Ständegesellschaft bis heute und deren spezifische gesellschaftlichen Sicht auf den „Körper“ auf. Die Trennung von Körper und Geist und dem Körper als Arbeitskraft und etwas vom Geist „zu bezwingendes“, „zu optimierendes“ fand ebenso Erwähnung wie der Zusammenhang zu Kolonialismus und Rassismus. Im Anschluss daran zeigte die Referentin anhand von Beispielen, v.a. aus der Medienwelt und dem Fernsehen, die in unserer Gesellschaft vorherrschenden Körperideale auf und stellte den Zusammenhang zu kapitalistischer Leistungsideologie dar. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Diskriminierung von hochgewichtigen Menschen, in deren Körperform gesellschaftlich nicht nur ein „unschön*“, sondern auch ein „ungesund*“, „faul*“, „unintelligent*“ und „sozial schwach*“ eingeschrieben ist. Dem Vortrag folgte eine sehr anregende Diskussion zum Umgang mit Schönheitsidealen und Körpernormen.

Der Vortrag "Das deutsche Sexualstrafrecht – Alles nur noch Verhandlungssache?" gab einen Überblick über die historischen Fassungen des Sexualstrafrechts mit kurzen Exkursen ins Mittelalter und das alte Rom und erläuterte dann genauer die Änderungen in den letzten beiden Jahrhunderten bis zur heutigen Fassung. Dabei wurden verschiedene gesellschaftliche Sexualitätskonzepte vorgestellt, die den Versionen jeweils zu Grunde lagen bzw. liegen. Die Referentin Anja Goetz zeigte, wie juristisch scheinbar neutrale Begriffe von Sexualstrafrechts-Anwält*innen immer im Rahmen gesellschaftlicher Konzepte von Sexualität und sexualisierter Gewalt interpretiert werden bzw. andersherum gesellschaftliche Sexualitätskonzepte und Vergewaltigungsskripte in das Recht übertragen werden. Ein historisches Konzept ist dabei der „Täter aus Trieb“, während heutige Täterkonzepte oft den „Täter aus Versehen“ proklamieren und ihn dadurch juristisch weniger angreifbar machen. Der Vortrag offenbarte so einer der vielen Problematiken juristischer Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt. Da rechtliche Fassungen Skripte beinhalten, die in die Gesellschaft weiterwirken und übernommen werden, ist die Weiterentwicklung des Sexualstrafrechts hin zu einer Konsensmoral trotz häufig nicht stattfindender Verurteilungen möglicherweise angebracht, um einen Beitrag zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt zu leisten.

Mara Schepsmeier, der Produzentin des Films "Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W. und der § 218" gab zunächst eine Einführung in das Thema Schwangerschaftsabbrüche. Sie stellte klar, dass Schwangerschaftsabbrüche schon seit jeher durchgeführt wurden, und dies unabhängig von den unterschiedlichen medizinischen, gesellschaftlichen und später auch rechtlichen Bedingungen. Der Begriff der Selbstbestimmung geht dabei nicht immer automatisch mit der Möglichkeit des Abbruchs einher, da Abbrüche auch von anderen Akteuren als der schwangeren Person erzwungen werden können und die im  Falle einer Kriminalisierung oder Ächtung oft fehlende ausreichende medizinische Versorgung zu Komplikationen oder dem Tod der schwangeren Person führen kann.  Als Rahmenhandlung des Films wird die Geschichte einer während der Weimarer Republik lebenden Ärztin vorgelesen, die sich aufgrund der verbotenen Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen in Haft befindet. Dazwischen werden Interviewsituationen mit verschiedenen Frauen* gezeigt, die selbst abgetrieben haben, darunter eine Frau, die in den 70er Jahren unter gesetzlichem Verbot heimlich abgetrieben hat und schwere gesundheitliche Komplikationen nicht behandeln lassen konnte, sowie einige Frauen*, die in den letzten Jahren die Erfahrung eines Abbruchs hatten. Wie bereits in Einführung und Film kristallisierte sich auch in der anschließenden Diskussion heraus, dass eine freie Entscheidungsmöglichkeit bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen nach wie vor nicht gegeben ist, sowohl in Bezug auf rechtliche Hürden (u.a. dem § 218) wie auf gesellschaftliche Reaktionen.

In dem von Marc Brandt geleiteten Workshop "Critical Maleness" ging es um das Bewusstsein für und den kritischen Umgang mit Privilegien gegenüber nicht-männlichen* Personen. Die Teilnehmenden setzten sich mit den verschiedenen Dimensionen von Männlichkeit auseinander und befassten sich mit Männlichkeitskonzepten, wie sie ihnen in Sozialisation und Erziehung vermittelt worden waren. Männlichkeit in der politischen Arbeit, wobei auch Gruppenstrukturen reflektiert wurden, Männlichkeit beim Flirten und mit Auswirkungen von Männlichkeitskonzepten auf das eigene Leben (etwa auf die Gefühlswelt) waren weitere Themen des Workshops.

Die thematischen Veranstaltungen wurden von einer Reihe von Info-Tischen und Aktionen begleitet, mit denen das Thema der Veranstaltungsreihe auf dem Campus präsent gemacht wurde. Dazu gehörten zwei "Austausch-Cafés", ein Info-Stand, ein Flashmob gegen Sexismus, ein Selbstverteidigungskurs für Frauen, ein Brunch mit offenem Austausch sowie eine "Sofa-Aktion". Dabei wurde ein Sofa aufgestellt, auf dem eine weiblich gelesene Person mit Bechern und Getränkeflaschen so drapiert war, dass sie als betrunken und schlafend zu erkennend war. Am Sofa lehnte ein großes Schild mit der Aufschrift „If I can`t say no, I can`t say yes. #knowno“. Damit wurde vermittelt, dass betrunkene und nicht ansprechbare Personen nicht konsensfähig sind und eine Initiierung von (sexuellen) Handlungen mit dieser Person nicht-hinnehmbare Grenzverletzungen darstellen und zu unterlassen sind. Die Aktion lief für vier Stunden und wurde von zahlreichen Universitätsangehörigen wahrgenommen, es gab etliche positive Feedbacks. 

Den Abschluss bildete das Konzert "Petra und der Wolf".

Veranstaltungsort
Passau


Kosten
Siehe Veranstaltungsflyer


Partner

Liste der unabhängigen kritischen Student*innen an der Uni Passau (LUKS)


Art der Veranstaltung
AKtionstage



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