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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

27.03.2019 - 19:00

Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt

 

Wir müssen uns wieder mit der Natur versöhnen, sie zulassen und in unsere Nähe bringen. Wir sind Teil von ihr und können ihr nicht leben.
Anhand zahlreicher Projekte, die der Autor in Europa besucht und dokumentiert hat, wird aufgezeigt, wie das Leben mit Bäumen und anderen Pflanzen an und auf unseren Häusern funktioniert und was dies bewirkt. Grüne Fassaden, Dachgärten Obstbaumalleen oder blühende Baumreihen an Verkehrswegen, natürliche Waldparks, Baumschatten auf Parkflächen und in Gastgärten, Denk-Mal-Bäume u.v.m. Es sind Naturprojekte, die zum Nachdenken anregen und zum Nachmachen einladen sollen. Es ist höchste Zeit, damit zu beginnen!

ReferentInnen

Conrad Amber
Autor, Berater, Fotograf, Naturdenker

Veranstaltungsort
Nürnberg, Evangelische Stadtakademie im eckstein, Burgstraße 1, Raum E.01


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Evangelische Stadtakademie Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion


Eine Anmeldung ist nicht erforderlich


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27.02.2019 - 19:00

Overtourism und die Faszination des Reisens

Wie geht Urlaub der Zukunft?

Mit dem Reiseteil der Süddeutschen Zeitung weckt der journalistische Weltenbummler Jochen Temsch jede Woche neue Sehnsüchte nach fernen Ländern. Jedoch: Immer mehr Menschen wollen an den immer selben Orten Urlaub machen. Das führt zu überlaufenen Städten wie Venedig, Palma oder Barcelona, in denen sich die Touristen auf die Füße treten und das Leben für Einheimische unattraktiv und teuer wird. Jürgen Schmude hat das Phänomen Übertourismus erforscht und schlägt Lösungen vor.
Christine Scheel und Gerhard Engel durchqueren jedes Jahr die Alpen und beleuchten in ihrem spirituell-politischen Reiseführer „WeitBlick“, welche Probleme Wander- und Skibegeisterte in die Berge bringen und wie rettendes Engagement aussieht.

ReferentInnen

Gerhard Engel
Pädagoge, Organisationsberater, ehem. Präsident des Bayerischen Jugendrings, Leiter des Filmbildungsvereins Landesmediendienste, gemeinsam mit Christine Scheel Autor von WeitBlick - Einsichten auf dem Weg über die Alpen, 2018
Christine Scheel

GRÜNEN-Politikerin ehem. im Bayerischen Landtag und Deutschen Bundestag, Beraterin für Politik und Wirtschaftsfragen, Vorsitzende des Kuratoriums der Evangelischen Akademie Tutzing

Prof. Dr. Jürgen Schmude
Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung, Direktor der Fakultät für Geographie an der LMU München
Jochen Temsch

Journalist, Autor, Leiter des Reiseteils der Süddeutschen Zeitung

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8.-/ erm. 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion


Anmeldung


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21.02.2019 - 10:00 bis 16:00

Biodiversität, Düngeverordnung und Klimawandel

Lösungsansätze einer bäuerlichen Landwirtschaft und Forderungen an die Agrarpolitik

Insektensterben und der Verlust der Artenvielfalt bedrohen unsere Lebensgrundlagen. Wegen unzu-reichender Umsetzung der EU Nitratrichtlinie hat die EU-Kommission eine Klage gegen die BRD beim Europäischen Gerichtshof eingereicht. Zudem müssen nach der NERC-Richtlinie Luftschadstoffe wie Stick-stoffoxide und Ammoniak deutlich reduziert werden. Dass die Novellierung der Düngeverordnung eine echte Lösung des Problems sein kann, bezweifeln nicht nur Bauern, sondern auch Wissenschaftler. Der vielerorts zu trockene Sommer mit Futterknappheit und Ernte-ausfällen hat die Empfindlichkeit unserer Agrarsysteme angesichts des Klimawandels deutlich gemacht.

Die AbL fordert eine Landwirtschaftspolitik, die sowohl den Umwelt- und Artenschutz als auch die Existenzsicherung der bäuerlichen Betriebe zum Ziel hat. Die Tagung soll hierfür Lösungsansätze aufzeigen.

Weitere Informationen sowie das genaue Programm finden Sie auf dem Flyer zur Tagung.

ReferentInnen

Dr. Andrea Beste
Agrarwissenschaftlerin und Diplom-Geographin, Co-Autorin Bodenatlas
Heinrich-Böll-Stiftung und "Büro für Bodenschutz und Ökologische Agrarkultur“, Mainz
Wolfram Güthler
Ministerialrat und Leiter des Referats Landschaftspflege und Naturschutz-förderung im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Dr. med. vet. Anita Idel
Tierärztin, Mediation und Projektmanagement Agrobiodiversität, Lead-
autorin im UN-Weltagrarbericht (IAASTD) und Kasseler Institut für ländliche Entwicklung
Prof. Onno Poppinga
Kasseler Institut für ländliche Entwicklung (KI)

Veranstaltungsort
Weichering, Landgasthof Vogelsang, Bahnhofstraße 24


Kosten
10,- (Mitglieder) / 15,- Euro (Nichtmitglieder); Mittagessen und Getränke sind selbst zu bezahlen


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung


Anmeldung


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31.01.2019 - 18:30

Nestwärme. Was wir von Vögeln lernen können

Lesung mit dem Autor

Ein Leben mit der Sonne statt nach der Uhr, faire partnerschaftliche Beziehungen, Gewaltverzicht und klimaneutrale Mobilität – was können wir von Vögeln lernen? "Nestwärme" ist ein überraschendes Buch über das Sozialverhalten unserer gefiederten Nachbarn, ein Plädoyer für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur – und eine augenzwinkernde Aufforderung, das eigene Leben hin und wieder aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Der vielfach ausgezeichnete Naturschützer Ernst Paul Dörfler hat ein berührendes Buch über das geheime Leben der Vögel geschrieben, die oft friedvoller und achtsamer miteinander umgehen als wir Menschen.

ReferentInnen

Ernst Paul Dörfler
Autor und Umweltschützer und war Mitbegründer der Grünen Partei in der DDR
Leo Klotz
Biologe, Vorstand Petra-Kelly-Sitftung

Veranstaltungsort
München, Museum Mensch und Natur Schloss Nymphenburg, Nordflügel


Kosten
Eintritt frei!


Art der Veranstaltung
Vortrag


Anmeldung


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12.11.2018 - 19:00

Das System Milch

Dokumentarfilm von Andreas Pichler Deutschland 2017, 90 Min.

Längst ist Milch mehr als ein Nahrungsmittel: ein wertvoller  Rohstoff, der ständig umdesignt und neu erfunden wird. Mit  EU-Subventionen wird eine Überproduktion angekurbelt, die einerseits zum Milchpreisverfall führt, andererseits zum weltweiten Export von Milchprodukten und Milchpulver. Opfer sind die kleineren Bauern weltweit und die Kühe, die auf Hochleistung  getrimmt werden. Wieviel Spielraum gibt es in diesem System,  z.B. für landwirtschaftliche Genossenschaften, um nachhaltiger  für Mensch und Tier zu produzieren? Und was muss politisch verändert werden?

ReferentInnen

Andreas Pichler
Regisseur und Grimmepreis-Träger, Bozen
Josef Schmid
Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft  bäuerliche Landwirtschaft ABL Bayern

Veranstaltungsort
München, Monopol Kino, Schleißheimer Str. 127


Kosten
9,50/ erm. 8,50 Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Filmvorführung mit anschließendem Filmgespräch



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03.05.2018

Wie wollen wir wohnen?

Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaften und grüne Städte

Ein Füllhorn guter Ideen schüttete Daniel Fuhrhop bei seinem Vortrag im sehr gut besuchten Bamberger Stephanshof aus, und zeigte, wie es gelingen kann, Platz zu schaffen, Platz besser zu nutzen und dadurch Freiräume zu gewinnen: für sich selbst, für Freunde und Nachbarn, ja sogar für die ganze Stadt. Daniel Fuhrhop ist überzeugt: "Wenn jeder aber nur ein Zehntel weniger Raum benötigen würde, könnten alle bezahlbaren Wohnraum finden."  Stadtviertel würden viel lebendiger, Jung und Alt kämen sich wieder näher – vom Zusammenrücken würden alle profitieren. 

Fuhrhop sieht das Wohnen in einem direkten Zusammenhang mit einem an Nachhaltigkeit orientiertem „Guten Leben“. Allerdings sei es in diesem Zusammenhang schwieriger, Nachhaltigkeit konkret werden zu lassen als zum Beispiel bei der Mobilität oder beim Lebensmittelkauf. In Bezug auf das Wohnen gebe es nämlich einen ständigen Konflikt zwischen dem notwendigen Erhalt von Freiflächen und dem tatsächlichen oder gefühlten Wohnraummangel.

Dementsprechend widersprüchlich ist die Situation. Auf der einen Seite nimmt der durchschnittliche Wohnflächenbedarf seit Jahren zu. Derzeit liegt er bei ungefähr 46 qm pro Person. In 4-Personen-Haushalten liegt er bei 31 qm, in Single-Haushalten sogar bei 68 qm. Und die Zahl dieser Single-Haushalte nimmt ständig zu.

Auf der anderen Seite lässt sich aber ein Trend zum gemeinschaftlichen Wohnen, zumindest zur gemeinschaftlichen Nutzung von Wohnflächen beobachten. Das Spektrum dafür ist – wie Fuhrhop deutlich machte – sehr breit. Es reicht von der Kommune, die nicht nur die Wohnung teilt, sondern auch das Einkommen, bis zur leer stehenden Garage, die man einer Band als Übungsraum zur Verfügung stellt. Oder es werden für leer stehende Zimmer (zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des/der Partners/in) neue Mitbewohner*innen gesucht. Dafür gibt es mittlerweile sogar bereits Wohnpartner-Portale, eine Mischung aus Partnerbörse und Immobilienvermittlung (z.B.: https://gold-wg.com/).

Ausführlich ging Fuhrhop am Beispiel der Münchner Wagnis-Genossenschaft auf das Modell des gemeinschaftlichen Wohnens in Genossenschaftsform ein. Mit "wagnisART" (Details dazu hier!) entstanden im Norden Schwabings knapp 140 unterschiedlich geförderte sowie frei finanzierte genossenschaftliche Wohnungen in fünf Passivhäusern. In ihnen steht das gemeinschaftliche Wohnen im Zentrum. Neben Standard-Wohnungen wird eine neue Form von Gemeinschaftshaushalten angeboten. Diese so genannten Wohnungs-Cluster kombinieren individuelles Wohnen mit Lebensformen der Wohngemeinschaft.

Der Name wagnisART erinnert nicht nur an die ehemalige Künstlerkolonie, die auf diesem Gelände angesiedelt war, sondern steht auch für eine zukunftsorientierte Lebensart. Es geht um ein gemeinschaftliches Miteinander als urbanes Leben in kreativer, aktiver und generationenübergreifender Nachbarschaft. In den gebäude-Komplexen gibt es Musikräume, Räume für Waschen und Nähen, Gemeinschaftsräume in verschiedener Größe, Gästezimmer, Dachgärten.

Durch die verschiedenen Finanzierungsformen ist es möglich geworden, dass diese Wohnungen auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich sind – und dies im äußerst teuren Münchner Wohnungsmarkt.

Eine weitere Möglichkeit, dem Wohnraummangel abzuhelfen, ohne auf Neubau setzen zu müssen, ist der Wohnungstausch: Wenn sich die Wohnumstände und die Personenzahl ändern, dann kann eine zu groß gewordene Wohnung gegen eine kleiner Wohnung getauscht werden, die diesen Mietern (beispielsweise bei Familienzuwachs) zu klein geworden ist. Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass sich die finanzielle Belastung (Quadratmeter-Preis!) nicht ändert. Fuhrhop plädierte deshalb abschließend für eine "Bürgerbeteiligung für Nicht-Bauen", bei der gemeinsam nach Lösungen gesucht werden sollte, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen.

Weiterführende Links:

Daniel Fuhrhop: Stadtwandel im Zeichen des Klimawandels

Verbietet das Bauen - Der Blog gegen die Bauwut

Unabdingbar für ein gutes Leben: das Dach über dem Kopf

ReferentInnen


Daniel Fuhrhop

ist spätestens seit seinem großen Erfolg seiner Streitschrift »Verbietet das Bauen!« ein gefragter Interviewpartner. Mit Ideen für Wohnungssanierung, innovative Wohngemeinschaften oder grünere Städte erreicht er ein breites Publikum – Bürger(innen) und Architekt(inn)en, Umweltschützer(innen) und Stadtplaner(innen). In seinem aktuellen Buch hat der ehemalige Architekturbuch-Verleger die Erfahrungen der letzten drei Jahre in einem kurzweiligen Ratgeber zusammengefasst. Privat zieht er gerade in eine kleinere Wohnung um – mit Gemeinschaftsräumen.

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Evangelisches Bildungswerk Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



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26.02.2018 - 10:00 bis 16:00

Für eine soziale und ökologisch nachhaltige Reform der Gemeinsamen...

 

Die bisherige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU fördert mit vielen Milliarden an Steuergeldern Großstrukturen über Flächenprämien. Sie beschleunigt den Strukturwandel und verschärft die Konkurrenzsituation zu bäuerlichen Betrieben, unabhängig davon, in welchem Umfang Leistungen im sozialen Bereich, zum Umwelt- oder Klimaschutz erbracht werden. Die bei der letzten Reform in 2013 eingeführten Greening-Auflagen und die Förderaufschläge für die ersten Hektare haben keine wesentlichen Verbesserungen bewirkt. Die AbL fordert eine Umverteilung der Direktzahlungen zu Gunsten vielfältiger, kleinstrukturierter Betriebe. Strukturbedingte Benachteiligungen im Vergleich zu größeren Betrieben müssen ausgeglichen werden. Besonders Bauernhöfe mit flächengebundener Tierhaltung müssen in der neuen Förderperiode stark profitieren.

Eine Ausführliche Dokumentation des agrarpolitischen Symposiums können Sie hier herunterladen.

ReferentInnen

Josef Schmid
Vorsitzender AbL-Bayern
Anton Dippold
Leiter des Referats Agrarpolitik u. Agrarstatistik am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Josef Göppel
Vorsitzender Deutscher Landschaftspflegeverband (DVL)
Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heissenhuber
Professor im Ruhestand TU München; Leiter Kommission Landwirtschaft und Umwelt (KLU) am Umweltbundesamt
Maria Noichl
MdEP, SPD
Anton Kreitmair
Landwirt, MdL CSU, BBV-Bezirkspräsident Oberbayern
Stefan Schmidt
MdB Bündnis 90/Die Grünen
Gertraud Gafus
AbL-Bayern

Veranstaltungsort
Erdweg, Kath. Landvolkshochschule, Bischof-Neuhäusler-Str., Unteres Haus, Bischof-Neuhäusler-Saal


Kosten
25,- / 20,- Euro (Mitglieder) Inkl. Mittagessen, Getränke, Kaffee und Kuchen


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Landesverband Bayern e.V


Art der Veranstaltung
Tagung



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20.01.2018 - 18:00 bis 28.01.2018 - 17:30

41. Lateinamerikawoche

 

Zum 41. Mal findet Ende Januar die „Lateinamerikawoche“ statt und wirft einen differenzierten Blick auf die Entwicklungen in den Ländern des Subkontinents.

Weitere Informationen finden Sie im Programm.

Vom 8. bis 14. Februar schließen sich im Filmhaus die diesjährigen „Lateinamerika-Filmtage“ an.

Veranstaltungsort
Nürnberg, Villa Leon, Schlachthofstraße / Philipp-Koerber-Weg 1 (U-Bahn & S-Bahn: HS Rothenburger Straße)


Kosten
Siehe Programm


Partner

Trägerkreis Lateinamerikawoche e.V.



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08.12.2017

Ende der Raumplanung?

Themenabend mit Diskussion

Die Änderung des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP), der Angriff auf den Alpenplan und ein neues Baugesetz erleichtern den ungebremsten Flächenverbrauch und gefährden Natur und Umwelt. Wie kann man gegensteuern? Mit dieser höchst aktuellen Thematik befasste sich unsere Veranstaltung in Traunstein.

Dr. Astrid Rössler, Landeshauptmann-Stellvertreterin (GRÜNE) aus Salzburg, ging zunächst auf die höchst negative Entwicklung der Raumordnung im Bundesland Salzburg in den vergangenen Jahrzehnten ein und stellte das neue Konzept der Landesregierung zur Raumordnung vor. Um unnötige Flächenausweisungen zu reduzieren, würden nun beispielsweise gewidmete Flächen nach einiger Zeit mit einer Flächenabgabe belegt, Vorratsflächen würden damit teurer werden. Parkplätze für Gewerbe dürften nur noch vereinzelt vor dem Haus entstehen, der Rest müsse unter die Erde oder aufs Dach. "Die politische Diskussion hat drei Jahre gedauert, aber es war unbedingt notwendig. Gerade bei uns ist Fläche besonders kostbar und wir müssen Freiräume schützen", betonte die Politikerin.

Prof. Dr. Manfred Miosga von der Uni Bayreuth stellte die verschiedenen Aufgaben der Raumplanung auf Kommunal- und Landesebene vor. Ziel bei der Planung sei eine großräumige Ausgewogenheit in der Fläche mit Rücksicht auf die ökologischen Funktionen und gleichwertige Lebensverhältnisse für alle. Seit 2013 seien gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen als Staatsziel mit Verfassungsrang festgeschrieben. Trotzdem seien gleichzeitig immer mehr raumordnerische Entscheidungen auf die Ebene der Kommunalplanung übertragen worden und damit der Konkurrenzkampf der Kommunen verstärkt worden.

Ein wichtiges Instrument des bisherigen Landesentwicklungsprogramms (LEP), das Zentrale-Orte-System, sollte das Angebot an Dienstleistungen und staatlicher Einrichtungen für alle Menschen im Land garantieren, dies könne aber nur mit einem guten ÖPNV-Angebot funktionieren. Ohne übergeordnete Planung käme es zu Abwanderung aus Randgebieten und Überlastungserscheinungen in den Städten und zunehmenden Pendlerbewegungen bei steigenden Entfernungen. Durch die Privatisierung der staatlichen Betriebe habe sich der Staat aus der Daseinsvorsorge zurückgezogen, benachteiligt würden dadurch die ländlichen Gebiete und die Probleme würden auf die Kommunen abgeladen.

Die Änderungen im neuen LEP (gelockertes Anbindegebot, Aufblähung des Zentrale-Orte-Systems, interkommunale Gewerbegebiete und Tourismusdestinationen ohne Anbindung) würden zu noch weniger Raumordnung und dafür zu erheblich mehr Kosten und dem Verlust dringend benötigter Freifläche führen und seien nicht geeignet, die immer drängender werdenden Probleme im Land zu lösen.

Der Landes- und Bundesvorsitzende des BUND, Prof. Dr. Hubert Weiger, machte an eindrucksvollen Bildern die Fehlentwicklungen im Land deutlich. Nicht angebundene Gewerbegebiete auf besten landwirtschaftlichen Böden, dafür notwendige riesige Verkehrsprojekte, das Ausbluten der Innenstädte und der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze im wohnortnahen Bereich führten zu sinkender Lebensqualität, immer mehr Naturverlust und zu großen Problemen in der Landwirtschaft. Der BUND Naturschutz fordere daher eine Rückkehr zu übergeordneten raumplanerischen Konzepten und die Streichung der Ausnahmen vom Anbindegebot.

Viele verschiedene Punkte wurden in der anschließenden Diskussion aufgegriffen. Ein Teilnehmer prangerte den zunehmenden Internethandel und die dafür notwendigen riesigen Logistikzentren an. Die länderübergreifenden Vorgaben für Planungen durch die Alpenkonvention wurden angesprochen, sowie nach Möglichkeiten für baurechtliche Vorgaben durch die Kommunen, z.B. beim Parkplatzbau gefragt. Auch eine Gewerbesteuerreform wurde gefordert, um den Konkurrenzkampf zwischen den  Kommunen zu beenden und zu einer gerechteren Verteilung der Steuereinnahmen zu kommen.

ReferentInnen

Prof. Dr. Manfred Miosga
Uni Bayreuth, Vizepräsident der Akademie für den ländlichen Raum in Bayern

Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender BN Bayern e.V. und BUND e.V.

Dr. Astrid Rössler
Landeshauptmann-Stellvertreterin des Landes Salzburg

Veranstaltungsort
Traunstein


Partner

BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Traunstein


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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25.10.2017 - 19:30

Neben uns die Sintflut!?

Wie und warum wir über die Verhältnisse anderer leben

Prof. Dr. Stephan Lessenich (im Bild links) erläuterte zunächst die Grundthese seines Buchs: Die Lebensverhältnisse der Menschen in verschiedenen Weltregionen stehen in Beziehung zueinander, in einer Wechselwirkung. Diese „Relationalität“ der Lebensverhältnisse bedeutet für die kapitalistische Weltgesellschaft der Gegenwart: Die Lebensverhältnisse in den Ländern des globalen Nordens sind – jedenfalls für die große Mehrheit dort – gut, während es in den Ländern des globalen Südens darum mehrheitlich schlecht bestellt ist. Wir leben gut, weil wir von anderen leben – von dem, was andere leisten und erleiden, tun und erdulden. Die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder leben also nicht über ihre Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse anderer. Der Reichtum hierzulande beruht demnach auf doppelter Ausbeutung: hier und anderswo.

Externalisierung bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass die reichen hochindustrialisierten Gesellschaften die negativen Effekte ihres Handelns auf Länder und Menschen in ärmeren, weniger entwickelten Weltregionen auslagern. Mit dem Begriff der Externalisierung knüpft Lessenich bewusst an die Begrifflichkeit der Ökonomik („externe Kosten“) wie auch der Sozialpsychologie („Das eigene Bewusstsein und Selbstbild wird vor Beeinträchtigungen und inneren Konflikten geschützt.“) an. Gerade der zweite Aspekt ist wichtig: Die Voraussetzungen für die hiesigen Verhältnisse werden nicht erkannt und nicht anerkannt, sondern sie werden systematisch ausgeblendet. In seinem Buch gibt Lessenich eine Vielzahl von Beispielen für diese Externalisierungsstrategie. Am Veranstaltungsabend befasste er sich aus aktuellem Anlass (die Diskussion über das Verbot von Glyphosat) lediglich mit der Sojaproduktion in Argentinien. Denn dort wird Glyphosat in riesigen Mengen für die Sojaproduktion angewandt. Wobei der Monsanto-Konzern sowohl das gentechnisch veränderte Saatgut für die Sojaproduktion liefert als auch das Glyphosat, das alles vernichtet außer eben dieses gentechnisch veränderte Soja, das in Argentinien auf immensen Flächen angebaut wird. Soja (als Fleischvorprodukt) hat in Argentinien die traditionelle Rinderzucht weitgehend verdrängt. Der massenindustrielle und monokulturelle Anbau von Soja hat zudem Kleinbauern vertrieben und die Landflucht in die städtischen Agglomerationen verstärkt.

Dieser Sojaanbau ist insofern ein typisches Beispiel für die Externalisierungsstrategie, als er vor Ort, in Argentinien, eine Flächenaneignung darstellt für Produkte, die hier im globalen Norden nachgefragt werden (Fleisch). Die schädlichen Folgen dieses Agrarkapitalismus (ökologisch, sozial und politisch!) verbleiben aber dort. Und diese Folgen werden hier beim Fleischkonsum natürlich ausgeblendet, die Externalisierung der Kosten wird akzeptiert.  

Die erwähnten Aspekte der Externalisierung sind laut Lessenich auch deshalb von Bedeutung, weil sie auf zwei Ansätze für mögliche Gegenstrategien verweisen: Zum einen sei „klassische“ Kapitalismuskritik notwendig. Zum anderen müsse aber immer auch die große Bevölkerungsmehrheit mit ihren Alltagspraktiken bedacht werden, weil es eben diese Praktiken sind, die die Externalisierung stabilisieren. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen diese alltäglichen Handlungsweisen in Verbindung gebracht werden mit den gesellschaftlichen Strukturen, so Lessenich.

Für das gegenwärtige Stadium der Externalisierung ist nach Lessenich kennzeichnend, dass die Externalisierungseffekte „zurückschlagen“, dass deren soziale und ökologische Folgen also immer stärker auch in den reichen Industriegesellschaften sichtbar werden. Die Auswirkungen des Klimawandels und die Migrationsbewegungen seien hierfür die augenfälligsten Beispiele.

Auf die selbst gestellte Frage „Was nun? Was tun?“ wollte der Soziologe Lessenich keine politische Handlungsanleitung geben. Wichtig sei aus seiner Sicht zunächst und vor allem, die Verhältnisse so darzustellen, wie sie sind. Und klar zu sagen, dass wir von diesen Verhältnissen profitieren und sie durch unsere Alltagspraktiken mittragen. Es gehe jetzt darum, den „geheimen Gesellschaftsvertrag“ zu durchbrechen, auf dem diese Verhältnisse beruhen: nämlich dass diese Verhältnisse akzeptiert werden, solange es den darin agierenden Menschen gut geht und ihnen alles vom Leib gehalten wird, was diesen Zustand gefährdet. Dass dies derzeit immer weniger zu funktionieren scheint, erlaubt es laut Lessenich, von einer „Krise der Externalisierung“ zu sprechen. Immer mehr Menschen spüren offenbar, dass die gewohnten und lieb gewordenen Lebensverhältnisse ins Wanken geraten sind.

Auf den Punkt möglicher Handlungsoptionen in der Krise der Externalisierung konzentrierte sich auch die anschließende, sehr intensive Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass produktive Umgangsweisen mit dieser Krise zur Voraussetzung haben, dass Analyse und Alltagspraxis ineinander greifen müssen. Nur wenn es gelingt, das eigene Leben individuell so weit wie möglich auf nachhaltige, ressourcenschonende Weise einzurichten und gleichzeitig für eine politische Änderung der Rahmenbedingungen einzutreten, kann strukturelle Veränderung erreicht werden. Um die notwendige Reduzierung des Ressourcenverbrauchs um ca. 80% zu erreichen, muss eine langfristige kollektive Strategie entwickelt werden, die auf einem intensiven politischen Diskurs und demokratischen Entscheidungen beruht. Individuelles Handeln (Lessenich: „konsumethisches Avantgardehandeln“) kann diese Kollektiv-Strategie zwar nicht ersetzen, spielt aber wegen des Vorbildcharakters dennoch eine wichtige Rolle.

Wer den gesamten Vortrag sehen und hören möchte, kann dies auf YouTube tun. Vielen Dank für das Video an unseren Kooperationspartner attac Bamberg.

ReferentInnen

Prof. Dr. Stephan Lessenich

Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Autor von „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“
http://www.stephan-lessenich.de/

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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