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Recht auf Stadt

05.03.2013


Demokratische Gestaltung von Stadtentwicklung und Stadtplanung

Wem gehört die Stadt?

Ausgehend von Hamburg und Freiburg formiert sich die urbane Bewegung 'Recht auf Stadt'. 'Recht auf Stadt' wendet sich gegen die Unterordnung städtischen Lebensraumes unter das Diktat kommerzieller Interessen. Die Bewegung fußt auf der Philosophie des französischen Soziologen Henri Lefebvre. Lefebvre fordert für alle Bevölkerungsschichten das Recht auf Zugang zu allen kulturellen und sozialen Institutionen sowie das Recht auf Mitgestaltung ihrer Stadt.

Derzeit findet in Deutschland ein Immobilienboom statt. Wohlhabende Anleger und Fonds investieren in sicheres Beton-Gold - in Gebäude und Grundstücke. 2011 wechselten in Nürnberg für 1,6 Milliarden Euro Grundstücke und Häuser den Besitzer. In erster Linie werden Eigentumswohnungen gebaut. Großanleger investieren in Büro- und Gewerbekomplexe. Die Folgen: Verknappung günstiger Mietwohnungen, Anstieg der Wohnungsmieten und ein Überangebot an Büroflächen. Derzeit stehen in Nürnberg 237.900 qm an Büroflächen ungenutzt  leer. Dagegen wurden 2011 nur 92 neue Sozialwohnungen fertiggestellt. 'Recht auf Stadt' wendet sich gegen Gentrifizierung - die Vertreibung einkommensschwacher Bevölkerung durch Stadtteilsanierung, Mieterhöhung und Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen.

Recht auf Stadt' tritt für kulturelle und soziale Zwischennutzungen in leerstehenden Gebäuden ein. Das ehemalige Arbeitsamt am Altstadtring steht seit zwanzig Jahren leer. 2003 wurde die Paketposthalle in der Bahnhofstraße abgerissen um Platz für ein Sportkaufhaus zu schaffen. Viele Bürger und Architekten sahen in dem markanten Bau ein erhaltenswertes Denkmal.  Nach dem Abriss sprang der Investor ab und seitdem erstreckt sich eine ungenutzte Brache. Der Denkmalschutz steht oft auf verlorenem Posten, wenn es um kommerzielle Interessen geht. So wurde auch das denkmalgeschützte Milchhofgebäude (1930 errichtet, Architekt Otto Ernst Schweizer) 2008 abgerissen.

'Recht auf Stadt' fordert transparente Planungsprozesse und die frühzeitige Einbeziehung der Bürger bei Stadtentwicklung und Bauprojekten.  

Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich die veranstaltung damit, wie Stadtplanung und Stadtentwicklung demokratisch gestaltet werden können - um die Meinung und Wünsche der Bewohner ernst zu nehmen und einzubeziehen. Themen waren: Lebensqualität im urbanen Raum, bezahlbarer Wohnraum und Gentrifizierung, Leerstand und kulturelle Zwischennutzungen.  Andrej Holm stellte das Konzept der Bewegung 'Recht auf Stadt' dar. Er  forderte insbesondere den Zugang  aller Bevölkerungsschichten zu allen kulturellen und sozialen Einrichtungen . 

Anschließend erläuterte Siegfried Dengler den rechtlichen Rahmen der Bürgerbeteiligung bei Stadtentwicklung und Bauprojekten. Er stellte dar, dass und wie die Stadt Nürnberg versucht, neue Wege bei der Einbeziehung der Bürger zu gehen.

 

ReferentInnen

Andrej Holm
Sozialwissenschaftler und Buchautor

Siegfried Dengler
Stadt Nürnberg,  Leiter des Stadtplanungsamtes

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Medienladen e.V., Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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