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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Perspektiven der Energiewende im ländlichen Raum

30.06.2017 bis 01.07.2017


Der Landkreis Ansbach

Energiepolitische Fragen standen im Mittelpunkt unserer Bildungsreise in den Landkreis Ansbach. Dort gibt es seit etlichen Jahren viele Aktivitäten im Sinne einer Energiewende. Bereits im Jahr 2010 wurden hier 63 Prozent des Strombedarfs durch Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt. Doch diese Anstrengungen auf kommunaler und regionaler Ebene werden zunehmend durch Landes- und Bundespolitik konterkariert: Hinderliche Rahmenbedingungen wie die 10h-Regelung in Bayern gefährden den angesichts des drohenden Klimawandels so dringend notwendigen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Fachkundig geführt von Martin Stümpfig (im Bild: rechts mit rotem Hemd), dem energiepolitischen Sprecher der grünen Landtagsfraktion, und Dieter Seiferlein (im Bild: links neben Stümpfig), Stadtrat in Rothenburg ob der Tauber, standen zunächst die Stadtwerke Rothenburg und dort insbesondere die dem Rothenburger Schwimmbad angegliederte Fernwärmeversorgung im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren wurde das Fernwärmenetz gezielt erweitert und bis in die Altstadt Rothenburgs ausgebaut. Neben vielen öffentlichen Einrichtungen sind heute auch etliche Privathaushalte an dieses Netz angeschlossen. Zentrum des jetzigen Heizwerks sind zwei thermisch geführt, mit Erdgas betriebene BHKW und zwei weitere Kessel für die Spitzenlast. Die Anlage ist hocheffizient und kommt auf einen Gesamtwirkungsgrad von 84% der eingesetzten Primärenergie. Auf diese Weise können gegenüber der Wärme- und Stromerzeugung durch Heizöl und Steinkohle jährlich ca. 1700 Tonnen CO2 eingespart werden.

Auch im regenerativen Sektor sind die Stadtwerke aktiv: Da die Zahl der attraktiven Windkraftstandorte im Landkreis selbst mehr oder minder ausgeschöpft ist und im Stadtgebiet Rothenburgs Solaranlagen aus Gründen des Denkmalschutzes kaum zu realisieren sind, haben sich die Stadtwerke am Windpark Groß Niendorf in Mecklenburg-Vorpommern ebenso beteiligt wie an zwei Solarparks der HSW Solarparks Taubertal GmbH.

 

Die "Wohlstandsgesellschaft" und das Ende ihrer "Nahrungskette": Paletten voller Molkereiprodukte (originalverpackt!) und Lebensmittelreste warten auf eine energetische Verwertung... 

Der Landkreis Ansbach ist der Landkreis in Bayern mit den meisten Biogasanlagen. Eine davon, die Biogas Taubergrund GBR, stand auf unserem Besuchsprogramm. Sie erzeugt Strom und Wärme durch die energetische Verwertung von Lebensmittelabfällen: Jährlich werden dort mittlerweile rund 18.000 Tonnen organische Abfälle in ca. 5000 MWh Strom (ausreichend für ca. 1300 Drei-Personen-Haushalte) und Wärme für ungefähr 70 Haushalte umgewandelt. Verwertet werden Lebensmittelreste, Abfälle aus der Milchverarbeitung, Abfälle aus der Back- und Süßwarenherstellung, Abfälle aus der Getränkeherstellung, Öle und Fette sowie Grünschnitte. Der Betrieb übernimmt die gesamte Logistik, das Entpacken von verpackten Produkten und die sachgerechte Entsorgung der Störstoffe, um die angelieferten Substrate anschließend in Strom und Wärme umzuwandeln.

Zwar ist die energetische Verwertung solcher Lebensmittelreste umwelt- und energiepolitisch zweifellos sinnvoll. Aber sie wirft auch ein sehr kritisches Licht auf den Umgang mit wertvollen Lebensmitteln in der bundesrepublikanischen „Wohlstandsgesellschaft“. Wenn Unternehmen aus der Back- und Molkereibranche unabhängig von der weiteren Verwendbarkeit ihre Lager leer räumen und ganze Paletten eigentlich noch essbarer Produkte einfach entsorgen, dann ist dies angesichts des weltweiten Hungers und angesichts zunehmender Armut auch in Deutschland mehr als bitter.

An der dritten Station unserer energiepolitischen Tour sahen wir, dass auch sehr traditionelle Formen der Energieerzeugung ihren Beitrag zur Energiewende leisten können.  Das Taubertal ist nämlich seit jeher ein Mühlenstandort.  Wie im Bild links gut zu sehen, bietet das große Gefälle der Tauber ideale natürliche Voraussetzungen für die Wasserkraft-Nutzung (hier im Areal des heute als Bildungszentrum genutzten Wildbads wurde bis 1956 die Gipsmühle betrieben). Allein im näheren Umkreis Rothenburgs liegen entlang des Talwegs zwischen der Haltenbrücke und Steinbach insgesamt 21 Getreide-, Gips-, Papier-, Pulver- und Sägemühlen. Immerhin zehn dieser Mühlen dienen auch heute noch der Stromerzeugung, in der Regel nach wie vor über die Wasserräder, zwei mittlerweile auch mit modernen Turbinen. Allerdings sind einem weiteren Ausbau der Wasserkraft-Nutzung durch die Belange des Umwelt- und Naturschutzes enge Grenzen gesetzt.

 

Weiterführende Links:

Klima, Energie & Umwelt im Landkreis Ansbach 

Energiepolitische Themen auf der Homepage von Martin Stümpfig

Stadtwerke Rothenburg

Homepage Biogas Taubergrund GBR

Homepage des Förderverein Taubermühlenweg e.V.

Homepage der Stadt Rothenburg ob der Tauber

Veranstaltungsort
Rothenburg ob der Tauber


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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