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Intelligent wachsen - Chance oder Illusion?

03.02.2014


Zunächst stellte Ralph Fücks die zentralen Thesen seines Buches „Intelligent wachsen – Die Grüne Revolution“ vor. Dabei geht er anhand vieler Beispiele aus aller Welt der Frage nach, ob es einen „dritten Weg“ zwischen wachstumsgläubigem „Weiter so“ und Zukunftspessimismus gibt. Davon hängt für Ralph Fücks ab, ob ein „Aufbruch in die ökologische Moderne“ möglich sei. Seine zentrale These ist dabei, dass es gelingen muss, wirtschaftliches Wachstum vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln und "mit der Natur zu wachsen". Seiner Meinung geht es mehr darum, eine „neue Produktionsweise und nicht einen neuen Menschen zu schaffen“, was aber das erklärte Ziel vieler Wachstumskritiker sei. Fücks sieht vor allem die Städte als Ort der ökologischen Modernisierung.

Anna Meyer sieht zwar einige Übereinstimmungen zwischen der Wachstumskritik des Club of Rome und den Thesen von Fücks, allerdings sind ihr dessen Thesen zu stark an den technischen Möglichkeiten und ökonomischen „Notwendigkeiten“ orientiert. Dadurch würden die notwendigen Bewusstseins- und Verhaltensänderungen in der Bevölkerung hintangestellt, ohne die es aber eine grundlegende Veränderung der bestehenden Wachstumsorientierung wirtschaftlichen Handelns nicht geben wird.

Welche Zielkonflikte sich aus der Wachstumsdiskussion vor allem für eine sog. „Boom City“ wie München ergeben, erläutert an praktischen Beispielen deren 3. Bürgermeister Hep Monatzeder.

So ergeben sich aus dem in der Theorie naheliegenden Miteinander verschiedener Mobilitätsträger Konflikte bei der Allokation finanzieller Ressourcen – ÖPNV, Radverkehr und Fußgänger stehen hier gegen Straßenbau und Parkraum-Management für Pkw und Lieferverkehr. Wo soll die Stadt vorrangig investieren? In Tunnelbau? ÖPNV, z. B. 2. Stammstrecke oder Tram-Ausbau? Oder den Ausbau der Radwege-Infrastruktur? Auch bei der energetischen Sanierung stehen sehr häufig Mieter und Vermieter (wegen der höheren Kosten) gegen das höhere Ziel einer ökologischen ausgerichteten Stadtpolitik. Besonders bei der Gewerbeansiedlung entzündet sich der Konflikt zwischen Wachstumsgegnern, die keinen weiteren Zuzug von Gewerbe wollen (jedenfalls keine systematische Wirtschaftsförderung) und der Privatwirtschaft und Gewerkschaften, die den Verlust von Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Prosperität befürchten, wenn kein weiteres Gewerbe in die Stadt angeworben wird. Lösen lassen sich derartige Ziel- und Interessenkonflikte nur durch eine möglichst partizipative, transparente Politik – worin sich Fücks, Meyer und Monatzeder im Übrigen einig sind.

Aus dem Auditorium wird vor allem angemerkt, dass ein Mehr an ökologischer Politik möglich wäre, wenn diese „aus einem Guss“ wäre und nachhaltig betrieben würde. So mache es eben keinen Sinn, die Entwicklung von Elektromobilität zu fordern (und zu fördern), wenn gleichzeitig kaum in den Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur (Batterieleistungen, E-Tankstellen) investiert werde. Allgemein wurde im Publikum befürchtet, dass Deutschland seine anfängliche Vorreiterrolle bei der Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft und ökologischer Innovationen an China und die USA verliere.

Fazit: Der ökologische Wandel der Wirtschaft ist heute weitestgehend technisch möglich. Die unaufhaltsame Verstädterung der Weltbevölkerung bietet dafür zusätzliche Dynamik und Möglichkeiten. Was Not tut sind politische Mehrheiten, die einen noch größeren Bewusstseinswandel erfordern. Hierbei sind Wirtschaft, Gesellschaft und Politik gemeinsam gefordert. Diese Veränderung muss „von unten“ wachsen.

 

 

ReferentInnen

Ralf Fücks
Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung und Buchautor

Hep Monatzeder
3. Bürgermeister der Landeshauptstadt München

Anna Katharina Meyer
Politologin, Energieagentur.NRW und Mitglied im Think Tank30/Club of Rome

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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