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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Die tödlichen Strukturen der Weltwirtschaft

30.06.2017


Veranstaltungsreihe: Eine Welt ohne Visionen geht zu Grunde

Die Welt bebt. In vielen Regionen der Erde herrschen Krieg und Gewalt. Sie werden von großen Mächten und Waffenproduzenten geschürt. Die 50 reichsten Weltbürger haben so viel Geld wie 47 Prozent der Menschheit. Massenarmut, Kriege, Klimawandel und ein Welthandel im Dienste der Mächtigen treiben Millionen Menschen in die Flucht. Dort stoßen sie an die Grenzen der Reichen, die ihren Wohlstand abschotten. Dies Zustände lassen - so der Referent - Zweifel aufkommen, ob das bekannte Zitat von Friedrich Hölderlin noch Gültigkeit habe: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ 

Kessler widmete der Ursachenanalyse für diese und andere bedrohliche Tendenzen, in der Gewalt eine immer größere Rolle spiele, breiten Raum. Er nannte dabei vor allem folgende Aspekte: 

 

  • ungebändigter Kapitalismus nach Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“;
  • Abschaffung von Begrenzungen für das Kapital, Steuersenkungen, Reduzierung der Sozialleistungen;
  • Versechsfachung des Welthandels – Verzehnfachung der Finanzumsätze weltweit.

Diese Entwicklung habe aber auch positive Auswirkungen gehabt:

  • Vorteile für Deutschland als Exportland, 
  • Schwellenländer profitieren von der Industrialisierung
  • weniger Hungernde weltweit
  • Aufbruch zur Demokratie in vielen Teilen der Welt, z.B. beim "arabischen Frühling".
  • Es ergeben sich aber viele und dramatische Probleme weltweit:
  • riesige und weiter wachsende soziale Ungerechtigkeit
  • die Kluft zwischen Arm und Reich wächst durch den Finanz-Kapitalismus
  • Die Entwicklung „wie im Westen - so auf Erden“ hält unsere Erde nicht aus.
  • Viele Folgen zeigen sich: Klimaerwärmung, Fluchtbewegungen von Millionen als Folge, massive Umweltzerstörung für Rohstoffe, Kriege um Rohstoffvorkommen.
  • „Wie im Westen – so auf Erden“ bedroht Kulturen, Religionen und andere Lebensweisen, die dem „kapitalistischen Denken“ unterworfen werden. Die islamistische Gewalt kann auch, aber nicht alleine, darauf zurückgeführt werden.
  • Kampf aller gegen alle, Handelskriege, Aufrüstung von Schwellenländern.
  • Boom des Waffenhandels, wobei Deutschland kräftig mitmischt.

Die Folgen dieser Entwicklung treffen auch Deutschland und Europa:

  • Hass und Aggression gegen alles Globale, aber auch Europäische.
  • gegen alles Fremde, gegen Flüchtlinge, andere Meinungen.
  • Hassmails, „Lügenpresse“.

Ein Klima der Verrohung bedroht auch in Deutschland die Demokratie, Angst und Verzweiflung wachsen. Aber auch Zeichen der Hoffnung gibt es nach Ansicht des Referenten. Es seien jedoch zarte Pflänzchen, die unterstützt werden müssten:

  • Trotz Trump gibt es weiterhin ein Mehrheit für eine Fortsetzung der Klimaschutzpolitik.
  • Rechtsextremisten bekommen Absagen bei Wahlen in Europa.
  • Zivilgesellschaften stehen in USA und weltweit auf.
  • Seriöse und linksliberale Zeitungen in USA verzeichnen z.T. hohe Zuwächse.
  • Jüngere Menschen von 20 bis 40 engagieren sich zunehmend politisch.

 In den nächsten Jahren müsste nach Ansicht des Referenten folgende Themen in den Mittelpunkt gestellt werden:

  • Debatte über Gerechtigkeit in Deutschland
  • Es dürfe nicht nur gegen Rechtspopulismus geschimpft werden, sondern auch dem Bedürfnis nach Stärkung der sozialen Bindungen Rechnung getragen werden.
  • Diskussion über eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaft
  • Europa als Friedensregion mit aktiver Friedenspolitik statt Aufrüstung
  • Persönliches Verhalten prüfen bzw. verändern: fair gehandelte, ökologische, regionale Waren kaufen, Geld ethisch anlegen, neue Gemeinschaften wagen, Genossenschaften gründen, saubere Energien verwenden, bewusst essen, in die Politik einmischen bei Diskussionen und Demonstrationen.

ReferentInnen

Dr. Wolfgang Kessler
Wirtschaftwissenschaftler, Chefredakteur von ‚Publik-Forum’

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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