Schriftgröße ändern

Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Auf dem Weg zur klimagerechten Stadt: Energetische Sanierung und mehr Energieeffizienz im Quartier

13.11.2012


Die Energiewende voranbringen und gleichzeitig das Klima schützen: das ist der Charme der Energieeffizienz. Denn die Energie, die man nicht verbraucht, muss man gar nicht erst erzeugen – weder fossil noch regenerativ.

Ernsthafte energetische Modernisierung im Gebäudebestand ist deshalb unabdingbar. Wie das konkret aussehen kann und welche Förderkomponenten und rechtliche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind, zeigte Dr. Klaus Habermann-Nieße vom Hannoveraner "plan zwei"-Büro sehr nachdrücklich auf. Und ohne erhebliche Anstrengungen auf diesem Gebiet werden die klimapolitischen Zielsetzungen nicht erreichbar sein. 

Auf drei Säulen beruht der kommunale Klimaschutz:

  • Energieerzeugung: Reduzierung des CO2 Ausstoßes bei Energieproduktion und Erhöhung des Anteils regenerativer Energien  
  • Energieeinsparung: Reduzierung des Energieverbrauchs im kommunalen Gebäudebestand, im Gewerbe und beim Wohnen  
  • Energieeffiziente Siedlungsentwicklung: Reduzierung des Beitrags der Siedlungsentwicklung zur Erhöhung der CO2 Belastung durch Gewerbe, Verkehr und Haushalte

Doch bisher stand die Sanierung von Einzelgbäuden im Vordergrund, quartiersbezogene Ansätze, die auch   mit anderen Stadtentwicklungsstrategien (Wohnraumversorgungskonzepte, kommunale  Klimaschutzkonzepte, Stadtteilentwicklungskonzepte) verknüpft sein müssten, existieren kaum. Dies galt auch für die entsprechenden Förderprogramme.

Dabei liegen die Vorteile quartiersbezogener energetischer Sanierungskonzepte auf der Hand: Mit ihnen können Minderungspotenziale verbrauchsnah ermittelt, die  unterschiedlichen lokalen Akteure eingebunden und energetische  Maßnahmen mit lokalen wirtschaftlichen und sozialen Belangen der Quartiersentwicklung verknüpft werden. 

Die Handlungsfelder der energetischen und klimagerechten Quartiersentwicklung sind vielfältig. Dazu gehören:

  • Effizienzsteigerung bei der Gebäudemodernisierung erreichen
  • Wärmeversorgung effizienter gestalten
  • Lösungen für den Einsatz erneuerbarer Energien entwickeln
  • Mobilität klimagerecht gestalten
  • Stadträumliche Strukturen an die Folgen des Klimawandels anpassen
  • CO2-Minderungspotenziale im individuellen Verbrauchsverhalten der Bevölkerung erschließen  

Eine sinnvolle quartiersbezogene Sanierung ist natürlich an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Dazu gehört nicht nur die Wirtschaftlichkeit und Effizienz der eigentlichen Sanierungsmaßnahme, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestandes und eine handlungsfähige und handlungswillige Eigentümerstruktur. Die Energieversorgungsunternehmen (Fern- bzw. Nahwärme, BHKW) sollten in die Planung eingebunden werden. Und: Es muss eine sozialverträgliche Lösung für die Kostenfrage gefunden werden.

Habermann-Nieße stellte einige gelungen Beispiele für energetische Quartierssanierungen vor:

  • Volkswohnung GmbH: Karlsruhe, Rintheimer Feld
  • Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg: Stadtteil Neu-Reform
  • Pro Potsdam GmbH: Stadtteil Drewitz
  • Gbg Hildesheim : Stadtteil Drispenstedt  

 Die Städtebauförderung bildet die Basis für den quartiersorientierten Ansatz. Das besondere Städtebaurecht liefert ordnungsrechtliche Voraussetzungen für quartiersübergreifende Lösungen. Und sie bietet mit dem eingespielten Verfahren des Sanierungsmanagements die Voraussetzung für integrierte Handlungsansätze. Allerdings müssten die Fördertatbestände für energetische Sanierungsgebiete neu definiert werden.  Und die Hürden für eine verstärkte Förderung der energetischen Sanierung, die in der Struktur des Bund-Länder Programms selbst liegen, müssten abgebaut werden. Dabei geht es vor allem um die kommunale  Eigenbeteiligung, die für finanzschwache Kommunen ein unüberwindliches Hindernis darstellt. Perspektivisch müsste - so Habermann-Nieße zusammenfassend - die energetische Stadtsanierung jedoch als eigenständige Förderkulisse ("EKO-Quartier") etabliert werden. Damit könnten folgende Ziele erreicht werden:

  • Konzentration der Sanierung in ausgewählten Quartierstypen auf Energieeinsparung und Energieeffizienz
  • Einbindung in kommunale Konzepte (Kommunales Klimaschutzkonzept, Wohnraumversorgungskonzept, Integriertes Stadteilentwicklungskonzept)
  • Kopplung der Förderung der energetischen Sanierung an die Sozialverträglichkeit (Warmmietenneutralität)   

ReferentInnen

Dr.-Ing. Klaus Habermann-Nieße
Architektur- und Stadtplanungsbüro „plan zwei“, Hannover, Autor von “Strategien zur Modernisierung II: Mit EKO-Quartieren zu mehr Energieeffizienz“

Veranstaltungsort
Bamberg



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Kopieren Sie dazu den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.