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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

15.11.2018 - 19:00 bis 21:00

Kolonialzeit reloaded?

Europa, China und die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas

Noch wirkt die Kolonialzeit in den Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Europa nach und weiter. Inzwischen ist China auf dem Kontinent immer präsenter, investiert in Infrastruktur, Land und Bergbau. Doch wie sind die Beziehungen zwischen China und den verschiedenen Ländern Afrikas zu beurteilen? Was braucht Afrika an internationaler Kooperation und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, was an geschützter Eigenentwicklung? Und wo liegen zukunftsweisende Initiativen?

Dieser Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe "Fokus Afrika". Weitere Termine:

ReferentInnen

Prof. Dr. Robert Kappel war 1996-2004 Professor am Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig und Leiter des dortigen Arbeitsbereichs "Politik und Wirtschaft", 2004-2011 Präsident des GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg. Er forscht gegenwärtig zu den Themen Wirtschaftsentwicklung in Afrika.

Dr. Boniface Mabanza Bambu studierte Philosophie, Literaturwissenschaften und Theologie in Kinshasa und wurde 2007 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster promoviert. Er ist Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg, die sich mit sozioökonomischen Themen vor allem im Blick auf die SADC-Region befasst. Eines seiner Schwerpunkthemen sind die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der EU mit afrikanischen Ländern.

Veranstaltungsort
Museum Fünf Kontinente, Vortragssaal (Maximilianstraße 42 80538 München, 1. Geschoss)


Kosten
7,00 €


Partner

Evangelische Stadtakademie München und Museum Fünf Kontinente


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion


Anmeldung erbeten


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17.05.2018 - 19:00 bis 21:00

Pfadwechsel?

Vom Asylantrag zur Arbeitsmigration

Viele Menschen sind als Asylsuchende nach Deutschland gekommen, haben aber keine Anerkennung als solche gefunden. Gleichwohl leben viele von ihnen auch schon lange in Deutschland und haben Schritte der Integration vollzogen. Für sie wäre es eine gute Möglichkeit, wenn es einen Pfadwechsel gäbe, der ihnen erlaubt, als Einwanderer hier Arbeit aufzunehmen, ohne zuerst wieder ausreisen und vom Heimatland aus einen Antrag stellen zu müssen. Und die deutsche Wirtschaft, insbesondere das Handwerk, wären aufnahmefähig und brauchen Nachwuchs. Die Situation erscheint irrational. Was hindert, die Möglichkeit eines solchen Pfadwechsels zu schaffen?

Anmeldung erbeten

ReferentInnen

Franziska Döbrich
ehem. Leiterin der Ausländerbehörde, Kreisverwaltungsreferat der LH München

Harald Preuss
seit drei Jahren Betreuer eines Asylbewerbers, Berlin

Hubert Schöffmann
Leiter der Abteilung Berufliche Ausbildung - Bildungspolitischer Sprecher BIHK e.V.

Moderation
Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung und Aufsichtsrat Bellevue di Monaco

Veranstaltungsort
München, Café des Bellevue di Monaco, Müllerstraße 6


Kosten
Eintritt frei


Partner

Evangelische Stadtakademie München | Bellevue di Monaco


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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03.05.2018

Wie wollen wir wohnen?

Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaften und grüne Städte

Ein Füllhorn guter Ideen schüttete Daniel Fuhrhop bei seinem Vortrag im sehr gut besuchten Bamberger Stephanshof aus, und zeigte, wie es gelingen kann, Platz zu schaffen, Platz besser zu nutzen und dadurch Freiräume zu gewinnen: für sich selbst, für Freunde und Nachbarn, ja sogar für die ganze Stadt. Daniel Fuhrhop ist überzeugt: "Wenn jeder aber nur ein Zehntel weniger Raum benötigen würde, könnten alle bezahlbaren Wohnraum finden."  Stadtviertel würden viel lebendiger, Jung und Alt kämen sich wieder näher – vom Zusammenrücken würden alle profitieren. 

Fuhrhop sieht das Wohnen in einem direkten Zusammenhang mit einem an Nachhaltigkeit orientiertem „Guten Leben“. Allerdings sei es in diesem Zusammenhang schwieriger, Nachhaltigkeit konkret werden zu lassen als zum Beispiel bei der Mobilität oder beim Lebensmittelkauf. In Bezug auf das Wohnen gebe es nämlich einen ständigen Konflikt zwischen dem notwendigen Erhalt von Freiflächen und dem tatsächlichen oder gefühlten Wohnraummangel.

Dementsprechend widersprüchlich ist die Situation. Auf der einen Seite nimmt der durchschnittliche Wohnflächenbedarf seit Jahren zu. Derzeit liegt er bei ungefähr 46 qm pro Person. In 4-Personen-Haushalten liegt er bei 31 qm, in Single-Haushalten sogar bei 68 qm. Und die Zahl dieser Single-Haushalte nimmt ständig zu.

Auf der anderen Seite lässt sich aber ein Trend zum gemeinschaftlichen Wohnen, zumindest zur gemeinschaftlichen Nutzung von Wohnflächen beobachten. Das Spektrum dafür ist – wie Fuhrhop deutlich machte – sehr breit. Es reicht von der Kommune, die nicht nur die Wohnung teilt, sondern auch das Einkommen, bis zur leer stehenden Garage, die man einer Band als Übungsraum zur Verfügung stellt. Oder es werden für leer stehende Zimmer (zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des/der Partners/in) neue Mitbewohner*innen gesucht. Dafür gibt es mittlerweile sogar bereits Wohnpartner-Portale, eine Mischung aus Partnerbörse und Immobilienvermittlung (z.B.: https://gold-wg.com/).

Ausführlich ging Fuhrhop am Beispiel der Münchner Wagnis-Genossenschaft auf das Modell des gemeinschaftlichen Wohnens in Genossenschaftsform ein. Mit "wagnisART" (Details dazu hier!) entstanden im Norden Schwabings knapp 140 unterschiedlich geförderte sowie frei finanzierte genossenschaftliche Wohnungen in fünf Passivhäusern. In ihnen steht das gemeinschaftliche Wohnen im Zentrum. Neben Standard-Wohnungen wird eine neue Form von Gemeinschaftshaushalten angeboten. Diese so genannten Wohnungs-Cluster kombinieren individuelles Wohnen mit Lebensformen der Wohngemeinschaft.

Der Name wagnisART erinnert nicht nur an die ehemalige Künstlerkolonie, die auf diesem Gelände angesiedelt war, sondern steht auch für eine zukunftsorientierte Lebensart. Es geht um ein gemeinschaftliches Miteinander als urbanes Leben in kreativer, aktiver und generationenübergreifender Nachbarschaft. In den gebäude-Komplexen gibt es Musikräume, Räume für Waschen und Nähen, Gemeinschaftsräume in verschiedener Größe, Gästezimmer, Dachgärten.

Durch die verschiedenen Finanzierungsformen ist es möglich geworden, dass diese Wohnungen auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich sind – und dies im äußerst teuren Münchner Wohnungsmarkt.

Eine weitere Möglichkeit, dem Wohnraummangel abzuhelfen, ohne auf Neubau setzen zu müssen, ist der Wohnungstausch: Wenn sich die Wohnumstände und die Personenzahl ändern, dann kann eine zu groß gewordene Wohnung gegen eine kleiner Wohnung getauscht werden, die diesen Mietern (beispielsweise bei Familienzuwachs) zu klein geworden ist. Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass sich die finanzielle Belastung (Quadratmeter-Preis!) nicht ändert. Fuhrhop plädierte deshalb abschließend für eine "Bürgerbeteiligung für Nicht-Bauen", bei der gemeinsam nach Lösungen gesucht werden sollte, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen.

Weiterführende Links:

Daniel Fuhrhop: Stadtwandel im Zeichen des Klimawandels

Verbietet das Bauen - Der Blog gegen die Bauwut

Unabdingbar für ein gutes Leben: das Dach über dem Kopf

ReferentInnen


Daniel Fuhrhop

ist spätestens seit seinem großen Erfolg seiner Streitschrift »Verbietet das Bauen!« ein gefragter Interviewpartner. Mit Ideen für Wohnungssanierung, innovative Wohngemeinschaften oder grünere Städte erreicht er ein breites Publikum – Bürger(innen) und Architekt(inn)en, Umweltschützer(innen) und Stadtplaner(innen). In seinem aktuellen Buch hat der ehemalige Architekturbuch-Verleger die Erfahrungen der letzten drei Jahre in einem kurzweiligen Ratgeber zusammengefasst. Privat zieht er gerade in eine kleinere Wohnung um – mit Gemeinschaftsräumen.

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Evangelisches Bildungswerk Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



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27.04.2018 bis 28.04.2018

European Social Responsibility – Unternehmensethik und Europa

 

European Social Responsibility: Unter dieser Überschrift empfing der studentische Verein sneep bei der diesjährigen Frühjahrstagung in Passau seine Mitglieder aus ganz Deutschland und weitere Interessierte zu einem spannenden Vortrags- und Workshop-Programm. 

Francisco Marí von "Brot für die Welt" stellte in seinem Vortrag von über das „Economic Partnership Agreement zwischen Europa und Afrika“ zunächst die wirtschaftliche Lage Afrikas dar und ging danach auf die Geschichte von Zollunionen und Handelsorganisationen, darunter v.a. die WTO, ein. Auf dieser Grundlage diskutierte er die zahlreichen negativen Auswirkungen des Economic Partnership Agreements für afrikanische Länder. Durch das Freihandelsabkommen werde der Handel zwischen afrikanischen Ländern weiterhin vernachlässigt werden, da der Fokus auf dem Ausbau der Infrastruktur Richtung Europa gelegt werde und der Handel innerhalb des Kontinents dadurch nicht rentabel sei.  Außerdem würden billig importierte Produkte aus Europa lokale Alternativen verdrängen, was er am Beispiel von deutschem Joghurt in afrikanischen Supermärkten veranschaulichte.

Prof. Stefan Wurster von der TU München zeigte in seinem Vortrag „Kann Demokratie Nachhaltigkeit?“ auf, dass die Regierungsform der Demokratie gute Voraussetzungen für nachhaltiges Handeln biete: Sie gewährleiste einerseits stabile institutionelle Arrangements und lasse auch öffentliche Kontrollmechanismen zu. Anderseits werde in Demokratien meist eine Politik verfolgt, die hauptsächlich akute Probleme behandele und zukünftige Generationen nicht miteinbeziehe, da diese nicht wahlberechtigt seien. Dieses Argument belegte er empirisch am Beispiel der direkten Demokratie in der Schweiz. Dort stimmte das Parlament häufig nachhaltiger als die Bevölkerung in Volksabstimmungen ab. Er argumentierte, dass Demokratien nicht notwendigerweise nachhaltiger als Autokratien sein müssen. Dies zeige, dass die Demokratie Instrumente benötigt, die eine nachhaltige Politik fördern. Als solche nannte er zum Beispiel die Gesetzesfolgenabschätzung und marktorientierte Anreizmechanismen wie den Emissionshandel.

Am zweiten Tag der Frühjahrstagung befassten sich die Teilnehmenden mit der Thematik des Verantwortungsbegriffs und inwiefern dieser mit Hilfe einer EU-Richtlinie in der Praxis umgesetzt werden sollte. Dazu stellte Martin Priebe von der Unternehmensberatung Profit mit Moral zuerst die EU-Richtlinie 2014/95/EU vor. Diese schreibt seit April 2017 in Deutschland eine Informationspflicht zu nicht-finanziellen und die Diversität betreffenden Aspekten für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern vor. Anschließend gab er einen Überblick über den Verantwortungsbegriff in der philosophischen Literatur, indem er die Grundaussagen der einflussreichsten Vertreter zu diesem Thema zusammenfasste. Nachdem Priebe außerdem verdeutlicht hatte, dass verantwortungsvolles Handeln auf den vier Ebenen der Institutionsethik, Organisationsethik, Sozialethik und Individualethik vollzogen werden müsse, stellte er sein WAABE-Modell (Wissen, objektiver Anspruch, subjektiver Anspruch, Bewusstsein, Entscheidungsfreiheit) vor, welches die fünf Kriterien verantwortlichen Handels zusammenfasst. Priebe kam zu dem Schluss, dass Verantwortung eine EU-Richtlinie brauche, da die moderne Wirtschaft zu komplex und anonym sei, nachhaltiges Wirtschaften immer größere Zeiträume in der Zukunft berücksichtigen müsse und der Erhalt eines lebenswerten Planeten eine Gemeinschaftsaufgabe sei.

In einem Grundlagenworkshop zum Thema Wirtschaftsethik wurde ein Überblick über die wichtigsten Denkströmungen gegeben sowie Anreize zum sich selber Informieren und Einlesen. Dieser wurde ergänzt durch eine Case Study, die sich mit dem Problem der Kinderarbeit bei der Herstellung von Schokolade durch den Nestlé-Konzern befasste. Kleingruppen sollten sich jeweils in eine Befürworter- und eine Gegnerseite unterteilen und somit durch ein Rollenspiel in der Diskussion beide Positionen kennenlernen. 

 

 

Veranstaltungsort
Passau, Universität Passau & DJH Jugendherberge


Kosten
Eintritt frei!


Partner

sneep e. V.


Art der Veranstaltung
Vorträge mit anschließender Diskussion



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08.12.2017

Ende der Raumplanung?

Themenabend mit Diskussion

Die Änderung des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP), der Angriff auf den Alpenplan und ein neues Baugesetz erleichtern den ungebremsten Flächenverbrauch und gefährden Natur und Umwelt. Wie kann man gegensteuern? Mit dieser höchst aktuellen Thematik befasste sich unsere Veranstaltung in Traunstein.

Dr. Astrid Rössler, Landeshauptmann-Stellvertreterin (GRÜNE) aus Salzburg, ging zunächst auf die höchst negative Entwicklung der Raumordnung im Bundesland Salzburg in den vergangenen Jahrzehnten ein und stellte das neue Konzept der Landesregierung zur Raumordnung vor. Um unnötige Flächenausweisungen zu reduzieren, würden nun beispielsweise gewidmete Flächen nach einiger Zeit mit einer Flächenabgabe belegt, Vorratsflächen würden damit teurer werden. Parkplätze für Gewerbe dürften nur noch vereinzelt vor dem Haus entstehen, der Rest müsse unter die Erde oder aufs Dach. "Die politische Diskussion hat drei Jahre gedauert, aber es war unbedingt notwendig. Gerade bei uns ist Fläche besonders kostbar und wir müssen Freiräume schützen", betonte die Politikerin.

Prof. Dr. Manfred Miosga von der Uni Bayreuth stellte die verschiedenen Aufgaben der Raumplanung auf Kommunal- und Landesebene vor. Ziel bei der Planung sei eine großräumige Ausgewogenheit in der Fläche mit Rücksicht auf die ökologischen Funktionen und gleichwertige Lebensverhältnisse für alle. Seit 2013 seien gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen als Staatsziel mit Verfassungsrang festgeschrieben. Trotzdem seien gleichzeitig immer mehr raumordnerische Entscheidungen auf die Ebene der Kommunalplanung übertragen worden und damit der Konkurrenzkampf der Kommunen verstärkt worden.

Ein wichtiges Instrument des bisherigen Landesentwicklungsprogramms (LEP), das Zentrale-Orte-System, sollte das Angebot an Dienstleistungen und staatlicher Einrichtungen für alle Menschen im Land garantieren, dies könne aber nur mit einem guten ÖPNV-Angebot funktionieren. Ohne übergeordnete Planung käme es zu Abwanderung aus Randgebieten und Überlastungserscheinungen in den Städten und zunehmenden Pendlerbewegungen bei steigenden Entfernungen. Durch die Privatisierung der staatlichen Betriebe habe sich der Staat aus der Daseinsvorsorge zurückgezogen, benachteiligt würden dadurch die ländlichen Gebiete und die Probleme würden auf die Kommunen abgeladen.

Die Änderungen im neuen LEP (gelockertes Anbindegebot, Aufblähung des Zentrale-Orte-Systems, interkommunale Gewerbegebiete und Tourismusdestinationen ohne Anbindung) würden zu noch weniger Raumordnung und dafür zu erheblich mehr Kosten und dem Verlust dringend benötigter Freifläche führen und seien nicht geeignet, die immer drängender werdenden Probleme im Land zu lösen.

Der Landes- und Bundesvorsitzende des BUND, Prof. Dr. Hubert Weiger, machte an eindrucksvollen Bildern die Fehlentwicklungen im Land deutlich. Nicht angebundene Gewerbegebiete auf besten landwirtschaftlichen Böden, dafür notwendige riesige Verkehrsprojekte, das Ausbluten der Innenstädte und der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze im wohnortnahen Bereich führten zu sinkender Lebensqualität, immer mehr Naturverlust und zu großen Problemen in der Landwirtschaft. Der BUND Naturschutz fordere daher eine Rückkehr zu übergeordneten raumplanerischen Konzepten und die Streichung der Ausnahmen vom Anbindegebot.

Viele verschiedene Punkte wurden in der anschließenden Diskussion aufgegriffen. Ein Teilnehmer prangerte den zunehmenden Internethandel und die dafür notwendigen riesigen Logistikzentren an. Die länderübergreifenden Vorgaben für Planungen durch die Alpenkonvention wurden angesprochen, sowie nach Möglichkeiten für baurechtliche Vorgaben durch die Kommunen, z.B. beim Parkplatzbau gefragt. Auch eine Gewerbesteuerreform wurde gefordert, um den Konkurrenzkampf zwischen den  Kommunen zu beenden und zu einer gerechteren Verteilung der Steuereinnahmen zu kommen.

ReferentInnen

Prof. Dr. Manfred Miosga
Uni Bayreuth, Vizepräsident der Akademie für den ländlichen Raum in Bayern

Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender BN Bayern e.V. und BUND e.V.

Dr. Astrid Rössler
Landeshauptmann-Stellvertreterin des Landes Salzburg

Veranstaltungsort
Traunstein


Partner

BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Traunstein


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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25.10.2017 - 19:30

Neben uns die Sintflut!?

Wie und warum wir über die Verhältnisse anderer leben

Prof. Dr. Stephan Lessenich (im Bild links) erläuterte zunächst die Grundthese seines Buchs: Die Lebensverhältnisse der Menschen in verschiedenen Weltregionen stehen in Beziehung zueinander, in einer Wechselwirkung. Diese „Relationalität“ der Lebensverhältnisse bedeutet für die kapitalistische Weltgesellschaft der Gegenwart: Die Lebensverhältnisse in den Ländern des globalen Nordens sind – jedenfalls für die große Mehrheit dort – gut, während es in den Ländern des globalen Südens darum mehrheitlich schlecht bestellt ist. Wir leben gut, weil wir von anderen leben – von dem, was andere leisten und erleiden, tun und erdulden. Die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder leben also nicht über ihre Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse anderer. Der Reichtum hierzulande beruht demnach auf doppelter Ausbeutung: hier und anderswo.

Externalisierung bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass die reichen hochindustrialisierten Gesellschaften die negativen Effekte ihres Handelns auf Länder und Menschen in ärmeren, weniger entwickelten Weltregionen auslagern. Mit dem Begriff der Externalisierung knüpft Lessenich bewusst an die Begrifflichkeit der Ökonomik („externe Kosten“) wie auch der Sozialpsychologie („Das eigene Bewusstsein und Selbstbild wird vor Beeinträchtigungen und inneren Konflikten geschützt.“) an. Gerade der zweite Aspekt ist wichtig: Die Voraussetzungen für die hiesigen Verhältnisse werden nicht erkannt und nicht anerkannt, sondern sie werden systematisch ausgeblendet. In seinem Buch gibt Lessenich eine Vielzahl von Beispielen für diese Externalisierungsstrategie. Am Veranstaltungsabend befasste er sich aus aktuellem Anlass (die Diskussion über das Verbot von Glyphosat) lediglich mit der Sojaproduktion in Argentinien. Denn dort wird Glyphosat in riesigen Mengen für die Sojaproduktion angewandt. Wobei der Monsanto-Konzern sowohl das gentechnisch veränderte Saatgut für die Sojaproduktion liefert als auch das Glyphosat, das alles vernichtet außer eben dieses gentechnisch veränderte Soja, das in Argentinien auf immensen Flächen angebaut wird. Soja (als Fleischvorprodukt) hat in Argentinien die traditionelle Rinderzucht weitgehend verdrängt. Der massenindustrielle und monokulturelle Anbau von Soja hat zudem Kleinbauern vertrieben und die Landflucht in die städtischen Agglomerationen verstärkt.

Dieser Sojaanbau ist insofern ein typisches Beispiel für die Externalisierungsstrategie, als er vor Ort, in Argentinien, eine Flächenaneignung darstellt für Produkte, die hier im globalen Norden nachgefragt werden (Fleisch). Die schädlichen Folgen dieses Agrarkapitalismus (ökologisch, sozial und politisch!) verbleiben aber dort. Und diese Folgen werden hier beim Fleischkonsum natürlich ausgeblendet, die Externalisierung der Kosten wird akzeptiert.  

Die erwähnten Aspekte der Externalisierung sind laut Lessenich auch deshalb von Bedeutung, weil sie auf zwei Ansätze für mögliche Gegenstrategien verweisen: Zum einen sei „klassische“ Kapitalismuskritik notwendig. Zum anderen müsse aber immer auch die große Bevölkerungsmehrheit mit ihren Alltagspraktiken bedacht werden, weil es eben diese Praktiken sind, die die Externalisierung stabilisieren. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen diese alltäglichen Handlungsweisen in Verbindung gebracht werden mit den gesellschaftlichen Strukturen, so Lessenich.

Für das gegenwärtige Stadium der Externalisierung ist nach Lessenich kennzeichnend, dass die Externalisierungseffekte „zurückschlagen“, dass deren soziale und ökologische Folgen also immer stärker auch in den reichen Industriegesellschaften sichtbar werden. Die Auswirkungen des Klimawandels und die Migrationsbewegungen seien hierfür die augenfälligsten Beispiele.

Auf die selbst gestellte Frage „Was nun? Was tun?“ wollte der Soziologe Lessenich keine politische Handlungsanleitung geben. Wichtig sei aus seiner Sicht zunächst und vor allem, die Verhältnisse so darzustellen, wie sie sind. Und klar zu sagen, dass wir von diesen Verhältnissen profitieren und sie durch unsere Alltagspraktiken mittragen. Es gehe jetzt darum, den „geheimen Gesellschaftsvertrag“ zu durchbrechen, auf dem diese Verhältnisse beruhen: nämlich dass diese Verhältnisse akzeptiert werden, solange es den darin agierenden Menschen gut geht und ihnen alles vom Leib gehalten wird, was diesen Zustand gefährdet. Dass dies derzeit immer weniger zu funktionieren scheint, erlaubt es laut Lessenich, von einer „Krise der Externalisierung“ zu sprechen. Immer mehr Menschen spüren offenbar, dass die gewohnten und lieb gewordenen Lebensverhältnisse ins Wanken geraten sind.

Auf den Punkt möglicher Handlungsoptionen in der Krise der Externalisierung konzentrierte sich auch die anschließende, sehr intensive Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass produktive Umgangsweisen mit dieser Krise zur Voraussetzung haben, dass Analyse und Alltagspraxis ineinander greifen müssen. Nur wenn es gelingt, das eigene Leben individuell so weit wie möglich auf nachhaltige, ressourcenschonende Weise einzurichten und gleichzeitig für eine politische Änderung der Rahmenbedingungen einzutreten, kann strukturelle Veränderung erreicht werden. Um die notwendige Reduzierung des Ressourcenverbrauchs um ca. 80% zu erreichen, muss eine langfristige kollektive Strategie entwickelt werden, die auf einem intensiven politischen Diskurs und demokratischen Entscheidungen beruht. Individuelles Handeln (Lessenich: „konsumethisches Avantgardehandeln“) kann diese Kollektiv-Strategie zwar nicht ersetzen, spielt aber wegen des Vorbildcharakters dennoch eine wichtige Rolle.

Wer den gesamten Vortrag sehen und hören möchte, kann dies auf YouTube tun. Vielen Dank für das Video an unseren Kooperationspartner attac Bamberg.

ReferentInnen

Prof. Dr. Stephan Lessenich

Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Autor von „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“
http://www.stephan-lessenich.de/

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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17.10.2017 - 19:30

Gibt es eine gerechtere Ökonomie?

Themenabend mit Christian Felber

Nicht erst seit der letzten Finanzkrise haben die meisten Menschen das Gefühl, dass sie von der Wirtschaft über den Tisch gezogen werden. Eine Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass sich 88 % aller Bundesbürger eine bessere Wirtschaftsordnung wünschen. Wir haben den Erfinder der Gemeinwohl-Ökonomie eingeladen um ihn zu fragen: Wie kann eine gerechtere Ökonomie aussehen? 

Bankenrettung, Steueroasen für Reiche, Dieselskandal und kein Ende – das Wirtschaftssystem westlichen Zuschnitts kennt nur wenige Gewinner, aber unzählige Verlierer. In einer Zeit, wo die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriftet, wünschen sich die meisten Menschen eine Wirtschaftsordnung, die sich nicht nur an der Gewinnmaximierung orientiert, sondern ethisches Handeln, sozialen Umgang und nachhaltiges Wirtschaften mit einbezieht. Unser jetziges Wirtschaftssystem steht auf dem Kopf. Das Geld ist zum Selbst-Zweck geworden statt ein Mittel zu sein für das, was wirklich zählt: ein gutes Leben für alle.

Die Gemeinwohl-Ökonomie zeigt, dass die Wirtschaft verändert werden kann, wenn Firmen Ziele wie Nachhaltigkeit, ethisches Handeln und sozialen Umgang in die Zielplanung mit aufnehmen. Diese am Gemeinwohl orientierten Ziele müssen aber definiert und kontrolliert werden. Firmen, die sich an die Gemeinwohlwerte halten, sollen von der Politik bzw. den Kommunen begünstigt werden (z. B. Gewerbesteuernachlässe).

Den Mitschnitt des Vortrags von Christian Felber können Sie auf unserem Youtube-Kanal ansehen.

Mehr zum Bündnis für Dachau finden Sie unter http://dubistdachau.blogspot.de/

ReferentInnen

Christian Felber
Philologe, Soziologe und Politikwissenschaftler, hat 2010 mit dem Buch „Die Gemeinwohl-Ökonomie“ die gleichnamige Bewegung angestoßen und ist seither Leiter des Internationalen Koordinationsteams. Die von ihm gegründete Bewegung umfasst derzeit 68 Regionalgruppen in 18 Ländern mit mehr als 2.000 unterstützenden Unternehmen.

Veranstaltungsort
Dachau, Ludwig-Thoma-Haus, Stockmann-Saal, Augsburger Str. 23


Kosten
Der Eintritt ist frei!


Partner

Bündnis für Dachau


Art der Veranstaltung
Bündnis-Themenabend: „Gemeinwohl-Ökonomie – die Zukunft gerechteren Wirtschaftens?“



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17.10.2017

Kleine Hände - großer Profit

Kinderarbeit in unserer Warenwelt

Kinderarbeit ist international verboten. Trotzdem schuften Millionen Kinder unter den unwürdigsten Bedingungen für unsere Produkte, zum Beispiel für Schmuck, Teppiche und Natursteine. Der Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter ist über 80-mal durch Indien gereist, das Land mit den meisten Kinderarbeitern. Anhand von Bildern berichtete er von Mädchen und Jungen, die teilweise bereits mit fünf Jahren ganztags arbeiten müssen, er prangerte die Machenschaften skrupelloser Firmenchefs an und deckte auf, warum auch wir unwissentlich noch immer Produkte aus Kinderarbeit kaufen.  

Indien ist ein Land mit unbegrenzten Gegensätzen. So steht das mit 2 Milliarden Euro gebaute teuerste private Wohnhaus der Welt in Mumbai und gleichzeitig leben hier fast 850 Millionen Menschen in totaler Armut. Einem halben Prozent der Bevölkerung gehört ca. die Hälfte des Landes, hinzu kommen 2%, die ein weiteres Viertel besitzt.

Obwohl Indien die Kinderrechtskonvention der UN von 1989 unterschrieben hat, gibt es ausbeuterische und gesundheitsschädigende Kinderarbeit in großem Ausmaß. Pütter zeigte Bilder von Kindern, die Räucherstäbchen herstellen und sich dabei täglich verätzen durch die Chemikalien, die zur Haltbarmachung benötigt werden, von Jungen und Mädchen, denen beim Zigarettenrollen krebsauslösende Inhaltsstoffe in die Körper gelangen. Auch gab es Bilder von Kindern, die 6-9000 Knoten knüpfen pro Tag in einer Teppich-Firma und deren Hände blutig und zerschunden sind.

Manche arbeiten auch auf Müllhalden; sie sortieren – für ca. 40 Cent pro Tag – Glas und Papier. Dabei tragen sie keine Schuhe, so dass Verletzungen jeglicher Art entstehen, durch die dann Giftstoffe in die kleinen Körper gelangen.

Auch werden Mädchen als Hausangestellte genutzt, die – gegen einen geringfügig höheren Tageslohn – gerne auch als Sexopfer missbraucht werden.

Für Erwachsene, die in bedenklichen Situationen arbeiten, gibt es in Indien jährliche Reihenuntersuchungen – für Kinder nicht, da es ja offiziell keine Kinderarbeit gibt!

Schlimm ist auch die Arbeit in den Steinbrüchen. So sind die dort Arbeitenden zum einen einer permanenten heftigen Feinstaubbelastung ausgesetzt. Zum anderen gibt es oftmals große Verletzungen durch herumfliegende Splitter (durch das Behauen der Steine), durch den Umgang mit Arbeitsgeräten, für die viele Hände viel zu klein sind oder die schwere Hörschäden hervorrufen. Nicht selten sind die Kinder mit 15 Jahren bereits taub. Bei unangekündigten Besuchen wurden in sieben von acht Steinbrüchen Kinder bei der verbotenen Arbeit angetroffen. Schutzkleidung gibt es nicht, die Lebenserwartung liegt bei ca. 30 Jahren. Da die Granitplatten häufig auch auf deutschen Friedhöfen benutzt oder als Küchen- und Gartenplatten verkauft werden, müsste über das Verhalten der Käufer Einfluss genommen werden.

Etliche Jungs und Mädchen befinden sich in einer sogenannten Schuldknechtschaft – ein anderes Wort für Sklaverei. Oftmals haben die Eltern oder Großeltern Geld aufgenommen, das verbrecherisch mit 20% pro Tag (!!) verzinst wird, so dass sehr schnell eine große Schuldensumme entsteht. Diese Art Geldhandel ist zwar verboten. Da die meisten der Betroffenen jedoch weder lesen noch schreiben können, gibt es kaum Gegenwehr. Wenn es doch zu einer Anzeige mit einem Gerichtsverfahren kommt, werden solche Schuldscheine i.d.R. sofort außer Kraft gesetzt.

Was kann getan werden?

Aus Sicht von Benjamin Pütter ist ein Verbot von Kinderarbeit ohne Hilfe zynisch! Es müssen Eltern und Kindern Alternativen angeboten werden. Nach einer Aktion zur Befreiung, die nur mit einem großen Vorlauf und unter Zuhilfenahme von Polizei und Behörden funktionieren kann, muss es Angebote geben für die Familien. Dazu gehören eine gute, kostenlose Schulbildung mit staatlichen Lehrkräften sowie ein kostenloses Mittagessen. Außerdem ist eine schulbegleitende Berufsausbildung wichtig. In Frage kommen Berufe wie Schneider*innen oder Fahrradmechaniker*innen. Für die Eltern müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, die ohne großen Kapitaleinsatz auskommen, damit nicht die nächste Schuldenfalle droht.

International sollte es mehr Aufklärung geben sowie Lobbyarbeit stattfinden. Hilfreich war die Verleihung des Friedensnobelpreises 2014 an den indischen Kinderrechts- und Bildungsrechtsaktivisten Kailash Satyarthi, mit dem Pütter seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Die Verleihung dieses wichtigen und aufsehenerregendes Preises gab – zumindest vorübergehend der Diskussion zum Thema einen Aufschwung.

Jede/r kann auch im privaten Bereich etwas tun, z.B. durch den Verzicht auf „Haribo Goldbären“, die – damit sie nicht zusammen kleben - in Brasilien mit einer „Wachsschicht“ versehen werden, die bei der Herstellung gesundheitsschädlich ist. Oder kein „nutella“ essen; die Haselnüsse werden in der Türkei von Kindern unter unwürdigen Bedingungen bearbeitet.

Auch Handys spielen eine große Rolle; so gehört z.B. der Abbau von Coltan im Kongo zu den Arbeiten, bei denen Kinder menschenunwürdig und unrechtmäßig zur Arbeit gezwungen werden, durch die sie frühzeitig altern und sterben.

Pütter schlug auch vor, Apps – wie etwa „Fair Fashion?“ - zu nutzen, um beim Einkaufen einen Überblick zu bekommen, ob das jeweilige Geschäft fair gehandelte Waren verkauft oder eben nicht. Wenn viele Konsument*innen sich solcher Möglichkeiten bedienen, wächst dadurch der Druck auf die entsprechenden Firmen, seine Hersteller gut zu kontrollieren und damit mittelfristig widerrechtliche Kinderarbeit zu unterbinden.

ReferentInnen

Benjamin Pütter
Berater für die Bereiche Kinderrechte und Kinderarbeit beim Kindermissionswerk Die Sternsinger, Freiburg, Autor von Kleine Hände - großer Profit, 2017

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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30.06.2017

Die tödlichen Strukturen der Weltwirtschaft

Veranstaltungsreihe: Eine Welt ohne Visionen geht zu Grunde

Die Welt bebt. In vielen Regionen der Erde herrschen Krieg und Gewalt. Sie werden von großen Mächten und Waffenproduzenten geschürt. Die 50 reichsten Weltbürger haben so viel Geld wie 47 Prozent der Menschheit. Massenarmut, Kriege, Klimawandel und ein Welthandel im Dienste der Mächtigen treiben Millionen Menschen in die Flucht. Dort stoßen sie an die Grenzen der Reichen, die ihren Wohlstand abschotten. Dies Zustände lassen - so der Referent - Zweifel aufkommen, ob das bekannte Zitat von Friedrich Hölderlin noch Gültigkeit habe: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ 

Kessler widmete der Ursachenanalyse für diese und andere bedrohliche Tendenzen, in der Gewalt eine immer größere Rolle spiele, breiten Raum. Er nannte dabei vor allem folgende Aspekte: 

 

  • ungebändigter Kapitalismus nach Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“;
  • Abschaffung von Begrenzungen für das Kapital, Steuersenkungen, Reduzierung der Sozialleistungen;
  • Versechsfachung des Welthandels – Verzehnfachung der Finanzumsätze weltweit.

Diese Entwicklung habe aber auch positive Auswirkungen gehabt:

  • Vorteile für Deutschland als Exportland, 
  • Schwellenländer profitieren von der Industrialisierung
  • weniger Hungernde weltweit
  • Aufbruch zur Demokratie in vielen Teilen der Welt, z.B. beim "arabischen Frühling".
  • Es ergeben sich aber viele und dramatische Probleme weltweit:
  • riesige und weiter wachsende soziale Ungerechtigkeit
  • die Kluft zwischen Arm und Reich wächst durch den Finanz-Kapitalismus
  • Die Entwicklung „wie im Westen - so auf Erden“ hält unsere Erde nicht aus.
  • Viele Folgen zeigen sich: Klimaerwärmung, Fluchtbewegungen von Millionen als Folge, massive Umweltzerstörung für Rohstoffe, Kriege um Rohstoffvorkommen.
  • „Wie im Westen – so auf Erden“ bedroht Kulturen, Religionen und andere Lebensweisen, die dem „kapitalistischen Denken“ unterworfen werden. Die islamistische Gewalt kann auch, aber nicht alleine, darauf zurückgeführt werden.
  • Kampf aller gegen alle, Handelskriege, Aufrüstung von Schwellenländern.
  • Boom des Waffenhandels, wobei Deutschland kräftig mitmischt.

Die Folgen dieser Entwicklung treffen auch Deutschland und Europa:

  • Hass und Aggression gegen alles Globale, aber auch Europäische.
  • gegen alles Fremde, gegen Flüchtlinge, andere Meinungen.
  • Hassmails, „Lügenpresse“.

Ein Klima der Verrohung bedroht auch in Deutschland die Demokratie, Angst und Verzweiflung wachsen. Aber auch Zeichen der Hoffnung gibt es nach Ansicht des Referenten. Es seien jedoch zarte Pflänzchen, die unterstützt werden müssten:

  • Trotz Trump gibt es weiterhin ein Mehrheit für eine Fortsetzung der Klimaschutzpolitik.
  • Rechtsextremisten bekommen Absagen bei Wahlen in Europa.
  • Zivilgesellschaften stehen in USA und weltweit auf.
  • Seriöse und linksliberale Zeitungen in USA verzeichnen z.T. hohe Zuwächse.
  • Jüngere Menschen von 20 bis 40 engagieren sich zunehmend politisch.

 In den nächsten Jahren müsste nach Ansicht des Referenten folgende Themen in den Mittelpunkt gestellt werden:

  • Debatte über Gerechtigkeit in Deutschland
  • Es dürfe nicht nur gegen Rechtspopulismus geschimpft werden, sondern auch dem Bedürfnis nach Stärkung der sozialen Bindungen Rechnung getragen werden.
  • Diskussion über eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaft
  • Europa als Friedensregion mit aktiver Friedenspolitik statt Aufrüstung
  • Persönliches Verhalten prüfen bzw. verändern: fair gehandelte, ökologische, regionale Waren kaufen, Geld ethisch anlegen, neue Gemeinschaften wagen, Genossenschaften gründen, saubere Energien verwenden, bewusst essen, in die Politik einmischen bei Diskussionen und Demonstrationen.

ReferentInnen

Dr. Wolfgang Kessler
Wirtschaftwissenschaftler, Chefredakteur von ‚Publik-Forum’

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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22.06.2017

Krieg für Menschenrechte?

Veranstaltungsreihe: Eine Welt ohne Visionen geht zu Grunde

Das 2015 verabschiedete Weißbuch der Bundeswehr und zahlreiche weitere Strategiedokumente von NATO und EU bauen auf der Annahme auf, dass Menschenrechte mit militärischen Mitteln verteidigt werden können und müssen. Wenn deutsche Politiker wie Gauck oder Steinmeier von "Verantwortung" reden, dann meinen sie Militäreinsätze, während gleichzeitig die deutsche Regierung und ihre NATO-Verbündeten bei der UN die Verankerung eines "Menschenrechtes auf Frieden" blockieren.

Zur Frage, was der begriff der "Menschenrechte" eigentlich bedeutet, zitierte Claudia Haydt aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die die Vollversammlung der UN am 10. Dezember 1948 in Paris genehmigt und verkündet hat. Ihr Nachteil liege in ihrem bloßen Empfehlungscharakter ohne völkerrechtliche Verbindlichkeit. Damit sind diese Rechte nicht einklagbar.

2.            Was machen die Vereinten Nationen/UN zum Schutz der Menschenrechte?

Hingegen ist das der Fall im Zivil- und Sozialpakt der UN, der 1976 verabschiedet und inzwischen von 160 Staaten (Stand 2013), unter ihnen die BRD  (die USA dagegen haben lediglich unterzeichnet!), ratifiziert wurde. Sie verpflichten sich damit zur Umsetzung der grundlegenden Menschenrechte aus der Allgemeinen Erklärung von 1948, im Sozialpakt z. B. der Rechte auf Arbeit, Bildung und Gesundheitsfürsorge. Wie gravierend es beim Recht auf Gesundheit an der Verwirklichung mangelt, machte die Referentin an den Folgen des Hungers und den typischen Armutskrankheiten Aids, Tuberkulose und Malaria sowie den vernachlässigten Tropenkrankheiten deutlich.

Sie forderte ein Recht auf Frieden und führte Deutschland innerhalb einer Liste der 20 friedlichsten Länder an 16. Stelle auf. Die 10 am wenigsten friedlichen: Syrien, Südsudan, Irak, Afghanistan, Somalia, Jemen, Zentralafrikanische Republik, Ukraine, Sudan, Libyen.

Der Begriff der „Schutzverantwortung“ beziehe sich lediglich auf Massenverbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnische Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ihre Frage: Kann man Krieg zur Verhinderung von Völkermord führen? Als Negativbeispiele nannte sie das Eingreifen französischer Soldaten in Ruanda und den Präzedenzfall Libyen.

Gegenwärtig würden Kriege mit dem Schutz vor Terrorismus – dahinter steht das Recht auf körperliche Unversehrtheit – begründet. Allerdings seien laut IPPNW zwischen 2001 und 2010 bei den Antiterrorkriegen im Irak, Afghanistan und Pakistan 1,3 Millionen Menschen getötet worden. Trotzdem würden im Namen der Menschenrechte weiterhin Kriege geführt, wo es eigentlich um den Zugang zu Rohstoffen gehe. In Afghanistan z.B. lockten die Lithium-Vorkommen, die man für die Elektromobilität benötige.

Ihre Hoffnung setzt die Referentin auf den „Treaty-Prozess“ des UN-Menschenrechtsrates, mit dem man sich seit 2014 auf den Weg zu globalen  Unternehmensregeln gemacht hat. Es geht dabei um ein internationales Menschenrechtsabkommen zu Transnationalen Konzernen und anderen Unternehmen, deren menschenrechtliche Verantwortung verbindlich geregelt werden soll.

ReferentInnen

Claudia Haydt
Religionswissenschaftlerin und Soziologin. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V., die 2011 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde.

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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