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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

08.12.2017 - 20:00

Ende der Raumplanung?

Themenabend mit Diskussion

Die Änderung des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP), der Angriff auf den Alpenplan und ein neues Baugesetz erleichtern den ungebremsten Flächenverbrauch und gefährden Natur und Umwelt. Wie kann man gegensteuern?

ReferentInnen

Prof. Dr. Manfred Miosga
Uni Bayreuth, Vizepräsident der Akademie für den ländlichen Raum in Bayern
Prof. Dr. Hubert Weiger
Vorsitzender BN Bayern e.V. und BUND e.V.
Dr. Astrid Rössler
Landeshauptmann-Stellvertreterin des Landes Salzburg

Veranstaltungsort
Traunstein, Sailerkeller, Herzog-Wilhelm-Straße 1


Kosten
Eintritt frei!


Partner

BUND Naturschutz in Bayern e.V. Kreisgruppe Traunstein


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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25.10.2017 - 19:30

Neben uns die Sintflut!?

Wie und warum wir über die Verhältnisse anderer leben

Prof. Dr. Stephan Lessenich (im Bild links) erläuterte zunächst die Grundthese seines Buchs: Die Lebensverhältnisse der Menschen in verschiedenen Weltregionen stehen in Beziehung zueinander, in einer Wechselwirkung. Diese „Relationalität“ der Lebensverhältnisse bedeutet für die kapitalistische Weltgesellschaft der Gegenwart: Die Lebensverhältnisse in den Ländern des globalen Nordens sind – jedenfalls für die große Mehrheit dort – gut, während es in den Ländern des globalen Südens darum mehrheitlich schlecht bestellt ist. Wir leben gut, weil wir von anderen leben – von dem, was andere leisten und erleiden, tun und erdulden. Die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder leben also nicht über ihre Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse anderer. Der Reichtum hierzulande beruht demnach auf doppelter Ausbeutung: hier und anderswo.

Externalisierung bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass die reichen hochindustrialisierten Gesellschaften die negativen Effekte ihres Handelns auf Länder und Menschen in ärmeren, weniger entwickelten Weltregionen auslagern. Mit dem Begriff der Externalisierung knüpft Lessenich bewusst an die Begrifflichkeit der Ökonomik („externe Kosten“) wie auch der Sozialpsychologie („Das eigene Bewusstsein und Selbstbild wird vor Beeinträchtigungen und inneren Konflikten geschützt.“) an. Gerade der zweite Aspekt ist wichtig: Die Voraussetzungen für die hiesigen Verhältnisse werden nicht erkannt und nicht anerkannt, sondern sie werden systematisch ausgeblendet. In seinem Buch gibt Lessenich eine Vielzahl von Beispielen für diese Externalisierungsstrategie. Am Veranstaltungsabend befasste er sich aus aktuellem Anlass (die Diskussion über das Verbot von Glyphosat) lediglich mit der Sojaproduktion in Argentinien. Denn dort wird Glyphosat in riesigen Mengen für die Sojaproduktion angewandt. Wobei der Monsanto-Konzern sowohl das gentechnisch veränderte Saatgut für die Sojaproduktion liefert als auch das Glyphosat, das alles vernichtet außer eben dieses gentechnisch veränderte Soja, das in Argentinien auf immensen Flächen angebaut wird. Soja (als Fleischvorprodukt) hat in Argentinien die traditionelle Rinderzucht weitgehend verdrängt. Der massenindustrielle und monokulturelle Anbau von Soja hat zudem Kleinbauern vertrieben und die Landflucht in die städtischen Agglomerationen verstärkt.

Dieser Sojaanbau ist insofern ein typisches Beispiel für die Externalisierungsstrategie, als er vor Ort, in Argentinien, eine Flächenaneignung darstellt für Produkte, die hier im globalen Norden nachgefragt werden (Fleisch). Die schädlichen Folgen dieses Agrarkapitalismus (ökologisch, sozial und politisch!) verbleiben aber dort. Und diese Folgen werden hier beim Fleischkonsum natürlich ausgeblendet, die Externalisierung der Kosten wird akzeptiert.  

Die erwähnten Aspekte der Externalisierung sind laut Lessenich auch deshalb von Bedeutung, weil sie auf zwei Ansätze für mögliche Gegenstrategien verweisen: Zum einen sei „klassische“ Kapitalismuskritik notwendig. Zum anderen müsse aber immer auch die große Bevölkerungsmehrheit mit ihren Alltagspraktiken bedacht werden, weil es eben diese Praktiken sind, die die Externalisierung stabilisieren. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen diese alltäglichen Handlungsweisen in Verbindung gebracht werden mit den gesellschaftlichen Strukturen, so Lessenich.

Für das gegenwärtige Stadium der Externalisierung ist nach Lessenich kennzeichnend, dass die Externalisierungseffekte „zurückschlagen“, dass deren soziale und ökologische Folgen also immer stärker auch in den reichen Industriegesellschaften sichtbar werden. Die Auswirkungen des Klimawandels und die Migrationsbewegungen seien hierfür die augenfälligsten Beispiele.

Auf die selbst gestellte Frage „Was nun? Was tun?“ wollte der Soziologe Lessenich keine politische Handlungsanleitung geben. Wichtig sei aus seiner Sicht zunächst und vor allem, die Verhältnisse so darzustellen, wie sie sind. Und klar zu sagen, dass wir von diesen Verhältnissen profitieren und sie durch unsere Alltagspraktiken mittragen. Es gehe jetzt darum, den „geheimen Gesellschaftsvertrag“ zu durchbrechen, auf dem diese Verhältnisse beruhen: nämlich dass diese Verhältnisse akzeptiert werden, solange es den darin agierenden Menschen gut geht und ihnen alles vom Leib gehalten wird, was diesen Zustand gefährdet. Dass dies derzeit immer weniger zu funktionieren scheint, erlaubt es laut Lessenich, von einer „Krise der Externalisierung“ zu sprechen. Immer mehr Menschen spüren offenbar, dass die gewohnten und lieb gewordenen Lebensverhältnisse ins Wanken geraten sind.

Auf den Punkt möglicher Handlungsoptionen in der Krise der Externalisierung konzentrierte sich auch die anschließende, sehr intensive Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass produktive Umgangsweisen mit dieser Krise zur Voraussetzung haben, dass Analyse und Alltagspraxis ineinander greifen müssen. Nur wenn es gelingt, das eigene Leben individuell so weit wie möglich auf nachhaltige, ressourcenschonende Weise einzurichten und gleichzeitig für eine politische Änderung der Rahmenbedingungen einzutreten, kann strukturelle Veränderung erreicht werden. Um die notwendige Reduzierung des Ressourcenverbrauchs um ca. 80% zu erreichen, muss eine langfristige kollektive Strategie entwickelt werden, die auf einem intensiven politischen Diskurs und demokratischen Entscheidungen beruht. Individuelles Handeln (Lessenich: „konsumethisches Avantgardehandeln“) kann diese Kollektiv-Strategie zwar nicht ersetzen, spielt aber wegen des Vorbildcharakters dennoch eine wichtige Rolle.

Wer den gesamten Vortrag sehen und hören möchte, kann dies auf YouTube tun. Vielen Dank für das Video an unseren Kooperationspartner attac Bamberg.

ReferentInnen

Prof. Dr. Stephan Lessenich

Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Autor von „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“
http://www.stephan-lessenich.de/

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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14.10.2017 - 11:00 bis 18:30

Zukunftsmarkt CommON!

Nachhaltiges Handeln und Leben in der Stadt

Das Bildungsevent „Zukunftsmarkt CommON!“ bot ein vielfältiges Bildungs- und Vernetzungsangebot für alle, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Themen waren v.a. die "nachhaltige Stadt" und "nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster". Neben einer Vielzahl von Ausstellern auf dem Markt der Möglichkeiten, die sich schon heute beispielhaft für zukunftsfähiges Handeln in der Stadt einsetzen, luden Workshops, die partizipativ erstellte Weltladen-Ausstellung "Nachhaltige Stadt" und eine Podiumsdiskussion zu Auseinandersetzung und Austausch ein.

Markt der Möglichkeiten: Den ganzen Tag konnten sich die BesucherInnen mit Initiativen vernetzen und sich über deren Nachhaltigkeitsthemen informieren. Die Partner auf dem Markt boten dabei Aktionen an: ADFC Slowbiken, Anders Herum Denken: Kunstinstallation mit Katharina Largé, Basteln mit Naturmaterialien mit Erzieher Eckart Scheuer, Bluepingu mit Lastenfahrrad zum Ausprobieren, Filmvorführung Ella von der Heide: Eine andere Welt ist pflanzbar, Green City e.V. – Carrotmobs, Gartenführungen im Stadtgarten des ELAN, Interkultureller Garten Fürth mit Säaktion, Jugendmedienzentrum Connect: Kinderliveradio, Lebensmittel retten und mehr Fürth: zu gut für die Tonne, Lust auf Gemüse in der Stadt: Hydroponik und andere bodenunabhängige Systeme zum Gemüseanbau“, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth und Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim, Mobile Komposttoilette von Melanie Kyrieleis, Museum Frauenkultur: Teil der Ausstellung "ausgekocht?", Nimm und Gib Tauschring mit Verschenkaktion, Pop-up-Cafe von Cafe Elli (ELAN), Repaircafe und mobile Fahrradwerkstatt des Freiwilligenzentrum Fürth, Slowfood: Die Nürnberg-Fürther Kindergruppe kocht mit geretteten Lebensmitteln, SoLaWi Dollinger stellt sich mit neuem Fürther Depot vor, Upcyclingaktion vom Up!Sala, Weltladen Fürth mit fairen Schleckereien und Mediathekauswahl und Wohnprojekte aus Fürth (Spiegelfabrik, Earthship) und Erlangen.

Workshopphase 1: Stadtführung Fairführt in Fürth mit Birgit Jungkunz

Workshop „Zero Waste Leben und unverpackt Einkaufen in Nürnberg“: Die drei Referent*innen  Thomas Linhardt, Anne Tieseler und Anne Mäusbacher stellten den müllfreien Lifestyle „Zero Waste“ vor und zeigten auf, wie das Konzept Zero Waste im Alltag umgesetzt werden kann.

Workshop „Nachhaltige Verkehrsplanung“: Prof. Harald Kipke referierte zu den Ansätzen für die nötige Transformation im Verkehr. Unterstützt wurde er dabei durch Harald Riedel, Fürther Stadtrat und Fuß- und Radwege-Beauftragter in Fürth.

Vortrag "Nachhaltig Bauen am Beispiel Earthship" mit Referent Max Thule

Workshopphase 2:

Workshop „Verbietet das Bauen oder wie nachhaltige Stadtentwicklung aussehen müsste“: Referent Uwe Scheibler vermittelte das theoretische Rüstzeug für die beispielhafte Transformation eines Dorfes und einer Mittelstadt. Ausgehend von den Bedürfnissen der Stadtbewohner*innen einerseits und die "Grenzen des Wachstums" beachtend andererseits versuchten die Teilnehmenden gemeinsam ein urbanes Gleichgewicht mit Entwicklungspotential zu finden.

Workshop "Ernährung in der Stadt – Die Stadt als Aushandlungsort für neue Ernährungsarrangements": Referentin Dr. Christa Müller berichtete über Entwicklungen und die neue Bewegung rund um Gemeinschaftsgärten, City Farms, Kiez- und Nachbarschaftsgärten und Solidarisches Landwirtschaften, die nicht nur Biogemüse anbauen, sondern auch die konventionellen Ernährungsarrangements produktiv unterlaufen. Die Teilnehmer*innen diskutierten Chancen und Möglichkeiten der Akteure der neuen Urban-Food-Bewegung.

Workshopphase 3:

Workshop „Grüne Lunge in der Stadt – Parklets statt Parkplätze“: Die Referenten Philipp Wölki und Basil Helfenstein stellten das Stuttgarter Konzept der Parklets vor. Was verändern Parklets innerhalb der Stadtgesellschaft? Wie können Freiräume in der Stadt geschaffen werden? Mit den Teilnehmenden sammelten Sie dann Umnutzungsideen für Fürther Plätze und Straßen.

Workshop „Carrot Mobs machen Schule – innovative Bildung und Klimaschutz“: Andreas Obermeier von Green City e.V. stellte die Klimaschutz-Aktionsform Carrot Mob und ihrer Möglichkeiten vor.

Podiumsdiskussion "Nachhaltige Stadtentwicklung" mit Referenten und städtischen Vertretern. Mit dabei waren die Fürther Stadtbaurätin Christine Lippert, Prof. Harald Kipke (TH Nürnberg), Uwe Scheibler vom BUND (AK Zukunftsfähige Raumnutzung), Dr. Christa Müller (anstiftung) und Philipp Wölki aus dem Projekt-Team 'Parklets' der Uni Stuttgart. In der Diskussion wurde  die Frage aufgeworfen, was Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung für die nachhaltige Stadt tun können. Zusätzlich kam MdB Uwe Kekeritz dazu, nachdem aus der lokalen Politik leider kein Vertreter für das Podium zu gewinnen war.

Zum Abschluss der Veranstaltung entstand im Rahmen der Podiumsdiskussion eine rege Diskussion, bei der sich neben den Podiumsgästen alle Zuhörenden beteiligen konnten (Fishbowl-Diskussion). Insbesondere die Umsetzbarkeit der über den Tag vorgestellten und entwickelten Ideen wurde mit der städtischen Vertreterin herausgearbeitet.

ReferentInnen

Birgit Jungkunz
Weltladen Fürth
Prof. Harald Kipke
TU Nürnberg
Thomas Linhardt
ZeroHero
Anne Tieseler                          
Nachhaltigkeitscoach
Anne Mäusbacher
beachcleaner.de
Uwe Scheibler
BUND
Dr. Christa Müller
Forschungsgesellschaft anstiftung
Andreas Obermeier
Green City e.V.

Veranstaltungsort
Fürth, ELAN, Kapellenstraße 47


Kosten
5,- Euro


Partner

Eine-Welt-Laden Fürth


Art der Veranstaltung
Bildungsevent



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06.07.2017

Klimaschutz und Klimawandel in den Kommunen

Herausforderungen und Handlungsansätze für Politik und Planung

Klimaschutz ist nicht nur ein Thema für internationale Konferenzen und Vereinbarungen, sondern auch und gerade für Städte und Gemeinden. Denn dort, vor Ort, wirkt sich der Klimawandel aus, sei es mit Starkregenereignissen oder mit steigenden Temperaturen. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, wo er nicht mehr aufzuhalten ist, sind deshalb ein wichtiges kommunales Handlungsfeld. Politik und Planung müssen sich darauf einstellen.


Prof. Oscar Reutter vom Wuppertal-Institut stellte zunächst sowohl die – bekannten – Herausforderungen des Klimaschutzes als auch die bislang in Deutschland erreichten Erfolge dar: Die Minderungsziele konnten bislang, vom Verkehrssektor abgesehen, erreicht werden. Diese Erfolgen beruhen allerdings vor allem auf Anstrengungen in den Bereichen Effizienz und Konsistenz: die CO2-Belastung soll durch bessere und andere Formen der Energieerzeugung, der Mobilität oder der Wärmebereitstellung  erreicht werden. Wenn jedoch die beispielsweise im Pariser Abkommen festgelegten Klimaschutzziele wenigstens ansatzweise erreicht werden sollen, dann müssen Reutter zufolge jetzt auch Suffizienz-Strategien ergriffen werden. Das heißt: ein deutliches Weniger, eine echte Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs. Wie dies aussehen kann, erläuterte Reutter am Beispiel des Verkehrssektors. Auch dort lassen sich die drei "richtungssicheren Basisstrategien" Effizienz, Konsistenz und Suffizienz realisieren: durch Verkehrsverbesserung (mit Hilfe technischer und organisatorischer Maßnahmen), durch Verkehrsverlagerung (auf den "Umweltverbund") und durch Verkehrsvermeidung (kürzere und weniger Wege). Die dafür notwendigen „Push & Pull“-Maßnahmen seien im Grundsatz seit Jahrzehnten bekannt. Was laut Reutter bislang fehlt, ist der politische Wille, sie auch konsequent umzusetzen. Reutter: "Man könnte also, wenn man nur wollte!"

Präsentation von Oscar Reutter (PDF-Datei)

Dass und was umgesetzt werden kann in einer Kommune, erläuterte Bernd Schott, der Leiter der Stabsstelle Klima- und Umweltschutz in Tübingen. In Tübingen gibt es schon länger eine Politik, die an Nachhaltigkeit orientiert ist. So wurde seit 2007  kein neues Baugebiet ausgewiesen – die Stadt setzt auf Innenentwicklung und Konversion. Mit ihrer Kampagne „Tübingen macht blau“ versucht sie zudem, konsequent ein energie- und klimapolitisches Leitbild umzusetzen, das eine spürbare Reduktion des CO2-Ausstoßes zum Ziel hat. Dies ist in Baden-Württemberg, das vom Klimawandel besonders betroffen ist (stärkerer Temperaturanstieg als im Rest-Deutschland!) besonders dringlich. Die Stadtverwaltung und ihre Tochterunternehmen haben dabei eine Vorbildfunktion. Ein umfangreiches Sanierungsprogramm für die städtischen Liegenschaften, das kommunale Energiemanagement und das Engagement im Bereich regenerativer Energiequellen sind dafür wichtige Bausteine. Auch im Mobilitätssektor ist die Stadt Tübingen sehr aktiv: Ein Bus-Netz mit 37 Linien und 376 Haltestellen sowie dichten Taktzeiten sorgen für Mobilitätsangebote ohne Auto rund um die Uhr. Spürbare Verbesserungen gab es auch bei der Rad-Infrastruktur und bei der Umverteilung des Straßenraums zugunsten der umweltverträglichen Verkehrsmittel (wobei sich teilweise sogar Ladeninhaber für die Wegnahme von Parkplätzen vor ihren Geschäften eingesetzt haben!). Die Erfolge dieser Kampagne können sich sehen lassen: So wird das Ziel, bis 2020 50% des Strombrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken, bereits im Jahr 2017 erreicht. Auch beim Stromverbrauch selbst scheint eine echte Trendwende erreicht zu sein: Gegenüber 2006 ist der Stromverbrauch in Relation zur Einwohnerzahl um 12% zurückgegangen.

Präsentation von Bernd Schott (PDF-Datei)

Einen Blick über die bundesdeutschen Grenzen in die Schweiz ermöglichte Roland Stulz, der Mitbegründer der 2000 Watt-Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, den Primärenergieverbrauch pro Person auf 2000 Watt Dauerleistung (und damit den CO2-Ausstoß auf eine Tonne) im Jahr zu begrenzen. Hier geht es also um eine echte Reduktion, um Suffizienz im dem Sinn, wie es Oscar Reutter in seinem einleitenden Vortrag gefordert hatte. Zum Vergleich: In den USA liegt der CO2-Ausstoß bei 12.300, in Westeuropa bei 6.500 Tonnen pro Person, in Afrika dagegen weit unter zwei Tonnen! Dieser Vergleich macht auch deutlich, dass es nicht nur um die Reduktion des Ressourcenverbrauchs an sich geht, sondern auch um Gerechtigkeit: zwischen den verschiedenen Ländern, aber auch für nachfolgende Generationen. In einer Volksabstimmung im November 2008 ist es gelungen, die Ziele der 2000 Watt-Gesellschaft in der Gemeindeordnung der Stadt Zürich festzuschreiben. In etlichen „Leuchtturm-Projekten“ sollen diese Ziele nun umgesetzt werden. Dabei geht der Blick zunehmend auch über die Schweizer Grenzen hinaus. Das 2000-Watt-Ziel bezieht sich dabei auf mehrere Ebenen: auf den individuellen Lebensstil, auf einzelne Gebäude, auf Stadtquartiere (Areale) sowie auf eine gesamte Kommune oder sogar Region. Das 2000-Watt-Ziel versteht sich als Innovationsprogramm. Dabei sollen Projekte nicht von außen auf die jeweiligen Gemeinden übertragen werden, sondern von diesen selbst und orientiert an den Regeln und Traditionen vor Ort entwickelt werden. Mit den erwähnten Leuchturm-Projekten sollen Erfolgsgeschichten entstehen, an denen sich andere orientieren können.

Präsentation von Roland Stulz (PDF-Datei)

Stadtwerke können und sollten bei Klimaschutz und Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Dass dies sogar in einer Kleinstadt wie im unterfränkischen Haßfurt möglich ist, zeigte Norbert Zösch, Geschäftsführer des dort angesiedelten Stadtwerks, sehr eindrucksvoll auf. Er gab einen Überblick über die vielfältigen Projekte seines Betriebs, für die das Stadtwerk von der Deutschen Umwelthilfe im Jahr 2012 als „Vorreiter der Energiewende“ ausgezeichnet wurde ist. Sehr konsequent treibt das Stadtwerk die Versorgung mit regenerativen Energien voran und bemüht sich dabei, auch die Bürger*innen einzubeziehen. So z.B. durch die Beteiligung am Bürgerwindpark Sailershäuser Wald und zahlreiche Solardächer in Haßfurt selbst sowie eine Biogas-Anlage. Beim Öko-Strom steht Haßfurt mittlerweile bei 195% der benötigten Strommenge. Sehr innovativ ist die Power-to-gas-Anlage, die – überschüssigen – Windstrom in Wasserstoff umwandelt und diesen auf diese Weise speichert und zur späteren Nutzung verfügbar macht. Vorreiter ist das Haßfurter Stadtwerk auch in Sachen intelligenter Energienutzung („Rabbithome“). Außerdem ist das Stadtwerk gegenwärtig an vielfältigen innovativen Forschungsprojekten beteiligt.

Präsentation von Norbert Zösch (PDF-Datei)

In der abschließenden Diskussionsrunde (Bild unten von links nach rechts: Dieter Gewies, Franziska Holzschuh, Hans Popp, Claus Schwarzmann), die von Franziska Holzschuh (Nürnberger Nachrichten) moderiert wurde, berichteten drei (Ex-) Bürgermeister aus drei kleineren Gemeinden über die jeweiligen Klimaschutz-Anstrengungen vor Ort. Dieter Gewies, bis 2018 18 Jahre lang Bürgermeister in Furth bei Landshut, erläuterte die am Nachhaltigkeitsgedanken der Agenda 21 orientierte Dorfentwicklung, die weit über die Energiewende im engeren Sinne hinausgeht. Innenentwicklung und Dorfkernsanierung, ökologische Renaturierung der Wasserläufe, aber auch umfassende Kinderbetreuung und Bürgerbeteiligung gehören neben den Bemühungen um eine Energiewende dazu. Schon 1999 wurde beschlossen, sich zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein Hackschnitzelheizwerk, eine Biogasanlage sowie zahlreiche Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Privathäusern sorgen bereits heute dafür, dass über 80% der Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Eine groß angelegt Gewässer-Renaturierung, mit der die Sünden der Flurbereinigung behoben werden konnten, hat durch die Anlage von breiten Gehölzstreifen entlang der Bäche den positiven Nebeneffekt, dass auf diese Weise auch die Versorgung des Heizwerks mit heimischem Brennstoff gesichert werden konnte.(Präsentation Furth)

 

Merkendorf in Mittelfranken setzt dagegen voll auf Energiewende-Projekte. Im Jahr 2015 lag der Selbstversorgungsgrad der Gemeinde mit Öko-Strom bereits bei über 400%, wie Bürgermeister Hans Popp ausführte. In der Arbeitsgemeinschaft „Energieforum Merkendorf“ sind im Sinne dieser Entwicklung alle relevanten Kräfte integriert. Neun Biogas-Anlagen speisen ins Wärmenetz, Bürgersolaranlagen erzeugen Öko-Strom. Die Straßenbeleuchtung wurde mit effizienten Leuchten ausgestattet. Wichtig ist Popp, dass sich diese Politik auch ökonomisch auszahlt: über Gewerbesteuereinnahmen und die gesteigerte regionale Wertschöpfung. (Präsentation Merkendorf)

Ganz ähnlich sieht dies Claus Schwarzmann, Bürgermeister im oberfränkischen Eggolsheim. Dort wird Photovoltaik seit 15 Jahren auch kommunal gefördert, der Ortskern über ein Biomasse-Heizwerk wärmeversorgt. Alle kommunalen Einrichtungen und auch die derzeit sechs E-Autos im kommunalen Fuhrpark werden mit Öko-Strom versorgt. Schlecht sieht es dagegen mit der Windkraft aus, seit die bayerische 10h-Regelung in Kraft ist. Schwarzmann nannte diese Entscheidung „unbegreiflich“, zumal für die geplanten Windkraftstandorte eine sehr sorgfältige regionalplanerische Überprüfung vorausgegangen war. Völlig einig waren sich die drei Bürgermeister, dass es die wichtigste Rahmenbedingung für Energiewende und Klimaschutz sei, eine positive Stimmung in der Bürgerschaft zu schaffen, alle einzubeziehen und schon Kinder und Jugendliche für diese Aufgabe zu sensibilisieren und zu motivieren.

Kurzes Fazit: Zwar sind die bundes- und landespolitischen Rahmenbedingen für den Klimaschutz derzeit denkbar schlecht. Als Stichworte hierfür mögen genügen: misslungene Fortschreibung des EEG, Fehlanzeige beim Kohleausstieg und 10h-Regelung für Windkraftanlagen in Bayern. Doch in dieser Situation sind die Kommunen umso stärker gefordert, damit die Energiewende nicht völlig gestoppt und der Klimaschutz an den Rand gedrängt wird. Die Akteure und Akteurinnen vor Ort, das hat die Tagung deutlich gemacht, können sehr wohl im eigenen Wirkungskreis tätig werden und echte Fortschritte erzielen. Die dort erzielten Erfolge sind Motivation genug, auch anderswo weiterhin anzupacken in Sachen Klimaschutz.

Weiterführende Literatur und Links

Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.): Klimaschutz in Kommunen. Praxisleitfaden. Berlin 2011

Maic Verbücheln und Susanne Dähner (Hrsg.): Klimaschutz in der Stadt- und Regionalplanung. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der kommunalen Planungspraxis. Berlin 2016

Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.): Ausgezeichnete Praxisbeispiele: Klimaaktive Kommune 2016 – Ein Wettbewerb des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Köln 2017

Miriam Fekkak / Mark Fleischhauer / Stefan Greiving / Rainer Lucas / Jennifer Schinkel / Uta von Winterfeld: „Resiliente Stadt – Zukunftsstadt“. Wuppertal 2016

Servicestelle Kommunaler Klimaschutz beim Deutschen Institut für Urbanistik (Hrsg.): Erfolgreich CO2 sparen in Kommunen. Praxisbeispiele. Köln 2012

Servicestelle Kommunaler Klimaschutz beim Deutschen Institut für Urbanistik (Hrsg.): Wettbewerb: Kommunaler Klimaschutz. Ausgezeichnete Projekte zum Nachahmen. Köln 2015 

Service- und Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz (Hrsg.): Kleine Kommunen – Groß im Klimaschutz Die Förderung kleiner und mittlerer Kommunen im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Berlin 2015

Service- und Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz (Hrsg.): Klimaschutz & Partizipation. Akteure in der Kommune informieren und beteiligen. Köln 2015

Service- und Kompetenzzentrum: Kommunaler Klimaschutz (SK:KK)

KLIMZUG: Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (Bundesforschungsministerium)

UBA: Klimafolgen und Anpassung

Plattform: Klimawandel und Raumentwicklung

UBA: Klimalotse

Nationale Klimaschutzinitiative

ReferentInnen

Prof. Dr. Oscar Reutter
Wuppertal-Institut, SRL-Vorstandsmitglied
Döppersberg 19, 42103 Wuppertal
Tel.: 0202/2492-267
E-Mail: oscar.reutter@wupperinst.org
Internet: http://www.wupperinst.org

Bernd Schott
Leiter Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz, Universitätsstadt Tübingen
Tel.: 07071/204-2390
E-Mail: bernd.schott@tuebingen.de
Internet: http://www.tuebingen.de/tuebingen-macht-blau/ 

Roland Stulz
Mitbegründer und Senior Experte 2000-Watt-Gesellschaft, Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Intep Integrale Planung GmbH
Pfingstweidstrasse 16, CH-8005 Zürich
Tel.: +41 43 488 5335 oder +41 78 833 9355
E-Mail: stulz@intep.com
Internet: www.intep.com

Norbert Zösch 
Geschäftsführer Stadtwerk Haßfurt
Augsfelderstr. 6, 97437 Haßfurt
Tel.: 09521/949435
E-Mail: zoesch@stwhas.de
Internet: http://www.stwhas.de

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut
E-Mail: Dieter.Gewies@gmx.de 

Hans Popp
1. Bürgermeister, Merkendorf/Mittelfranken
Marktplatz 1, 91732 Merkendorf
Tel.: 09826/650-0
E-Mail: buergermeister@merkendorf.de
Internet: http://www.merkendorf.de/

Claus Schwarzmann
1. Bürgermeister, Eggolsheim
Hauptstr. 27, 91330 Eggolsheim
Tel.: 09545/444-120
E-Mail: schwarzmann@eggolsheim.de
Internet: www.eggolsheim.de

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung, Regionalgruppe Bayern


Art der Veranstaltung
Fachtagung



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06.06.2017 bis 09.06.2017

Orte guten Lebens in Bayern

Reise in eine lebenswerte Zukunft

Das "gute Leben" hat derzeit Hochkonjunktur - selbst die Bundesregierung hat ein umfangreiches Konsultationsprojekt dazu durchgeführt. Was "gutes Leben" aber konkret bedeutet, wird selten genau definiert. Klar ist: Eine intakte Umwelt, Gesundheit, nachhaltiges Wirtschaften, gerechtes Einkommen und menschenwürdige Wohnverhältnisse gehören mit Sicherheit dazu. 

Immer mehr Menschen, in zivilgesellschaftlichen Initiativen oder in der Kommunalpolitik, in Unternehmen, Genossenschaften oder Vereinen, engagieren sich mittlerweile dafür, ihre Visionen vom guten Leben ganz konkret, vor Ort, gemeinsam mit anderen, umzusetzen. Einige dieser Projekte und Initiativen besuchten wir auf unserer Bildungsreise, um die Vielfalt dieser Ansätze in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen kennenzulernen. 

Dieter Gewies (im Bild rechts), der bis 2014 18 Jahre lang Erster Bürgermeister der Gemeinde Furth (ca. 3.500 Einwohner*innen) im Landkreis Landshut war, erläuterte die kontinuierliche, sehr pragmatisch orientierte Politik, die ihm und dem Dorf 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis eingebrachte. Das langjährig entwickelte Further Nachhaltigkeitskonzept ist in acht integrierte Nachhaltigkeitsfelder aufgeteilt und stellt die zentrale Richtschnur für alle Entscheidungen dar. Der Haushalt der Gemeinde wird durchgängig nach Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt, verabschiedet und abgearbeitet. Umwelt- und sozialgerechte Beschaffung ist Grundlage für das Beschaffungswesen. 2011 wurde Furth mit dem Gütesiegel „Nachhaltige Bürgerkommune Bayern“ ausgezeichnet. Die starke Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ist Teil einer bewusst angelegten Mitmach- und Anerkennungskultur. Sie ist Grundlage der Fortschritte im Nachhaltigkeitsbereich sowie bei notwendigen Investitionen z.B. im Bereich Energiewende und Innenentwicklung.

Schon 1999 wurde beschlossen, sich zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein Hackschnitzelheizwerk, eine Biogasanlage sowie zahlreiche Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Privathäusern sorgen bereits heute dafür, dass über 80% der Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Eine groß angelegt Gewässerrenaturierung, mit der die Sünden der Flurbereinigung behoben werden konnten, hat durch die Anlage von breiten Gehölzstreifen entlang der Bäche den positiven Nebeneffekt, dass auf diese Weise auch die Versorgung des Heizwerks mit heimischem Brennstoff gesichert werden konnte.

 

In der Dorfentwicklung setzt Furth auf Flächensparen und Innenentwicklung. Im Rahmen eines breit angelegten Bürgerbeteiligungsverfahrens wurden die Pläne für eine neue Dorfmitte entwickelt und umgesetzt. Realisiert wurde eine kleinteilige Struktur von Läden und Dienstleistern (siehe Bild oben links). Trotz großen Zuzugsdrucks betreibt Furth eine restriktive Baulandausweisung.

Ein Eckpfeiler für die Further Entwicklung ist der Schwerpunkt Bildung & Erziehung, für den ein Drittel des Gemeindeetats reserviert ist. Damit ist es der Gemeinde möglich, eine Betreuungsgarantie von 1. bis zum 14. Lebensjahr zu geben. Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule (alle integrativ bzw. inklusiv organisiert) sowie Mittelschule, Hort und Gymnasium befinden sich im Ort. Außerdem gibt es zwei Universitätsinstitute. 

Andreas  Horsche (im Bild ganz oben links), der seit 2014 als Nachfolger des aus Altersgründen nicht mehr kandidierenden Gewies sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters ist, setzt dessen Nachhaltigkeitspolitik konsequent fort. Ein Beispiel dafür ist die derzeit laufende Renaturierung des Further Baches (siehe Bild oben rechts) zwischen Punzenhofen und Obermünchen. Mit diesem Projekt werden gleich vier unterschiedliche Ziele realisiert: die ökologische Aufwertung des Gewässers, die Schaffung zusätzlicher Retentionsflächen, die Anlage eines Fahrradwegs parallel zur vielbefahrenen Straße sowie die Verlegung von Glasfaserkabeln zur Versorgung mit schnellem Internet. Eine vierfache Win-win-Situation sozusagen.

Kurzporträt von Furth (Präsentation als PDF-Datei)

Details: http://www.furth-bei-landshut.de/furth/nachhaltige-entwicklung/


„Tagwerk“, ein relativ kompliziertes Konglomerat aus Genossenschaft, Trägerverein und GmbH (siehe Folie 5 der Präsentation, die als PDF-Datei heruntergeladen werden kann), hat sich dem Motto „Bio aus der Region“ verschrieben. Wie Dr. Michael Rittershofer, der Geschäftsführer des Tagwerk e.V., ausführte, versteht es sich als regionales Netzwerk (siehe nebenstehende Karte), dem gute Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung genauso wichtig sind wie der achtsame Umgang mit der Natur und das solidarische Miteinander von Verbrauchern, Erzeugern, Händlern und verarbeitenden Betrieben. Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1984 bis heute (für 2017 erwarten Genossenschaft und GmbH einen Gesamtumsatz von etwa 8 Mio. Euro) wurde ein weiter Weg zurückgelegt. Ursprünglich setzte man ausschließlich auf regionale Produkte. Später folgte die Öffnung hin zum Vollsortiment, was aber auch für die Regionalprodukte einen deutlichen Schub brachte. Aber nach wie vor setzt Tagwerk auf regionale Produkte aus zertifizierten Betrieben und achtet auf kurze Transportwege und schonende handwerkliche Verarbeitung. Tagwerk kann vergleichsweise hohe Preise an die Erzeuger*innen zahlen. Und sehr wichtig: Für manche Anbieter*innen (mit kleinen oder unregelmäßigen Erzeugermengen, an denen die „großen“ Handelsmarken kein Interesse haben) ist Tagwerk die einzige verlässliche Abnahmealternative neben dem Direktvertrieb. Die regionale Orientierung ermöglicht es, direkte Kontakte zu den Erzeuger*innen herzustellen, Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen zu schaffen. Auch für das Tierwohl sorgt Tagwerk – von der Haltung bis zur Schlachtung in der eigenen Öko-Metzgerei. Dies ist gegenüber der Zusammenarbeit mit einer konventionellen Metzgerei in der Vergangenheit ein wesentlicher Fortschritt. So können die Tiere vor der Schlachtung einige Tage ruhen, um den "Stress" zu verringern.

Tagwerk versteht seine Arbeit durchaus auch als politisches und gesellschaftliches Engagement: Dazu zählen Landschaftspflege im Sinne des Arten- und Naturschutzes auf Biohöfen, der Einsatz für eine Öko-Modellregion Isental oder für einen gentechnikfreien Landkreis Erding sowie die Beteiligung an der Demo „Wir haben es satt“. Auch die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für das Unternehmen ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

Ob die Verschmelzung der GmbH und der Genossenschaft, die mit dem Umzug vom ländlichen Dorfen in das - nicht sehr ansehnliche - Gewerbegebiet in Garching einher ging, einen Wandel in der Grundorientierung von Tagwerk bringt (zum Beispiel im Sinne einer größeren Orientierung am „Markt“), muss wohl noch abgewartet werden.

Details: http://www.tagwerk.net/

Der Chiemgauer ist Europas wohl ältestes (seit 2003) und auch erfolgreichstes Regio-Geld. Immer mehr Menschen (derzeit etwa 3.200) bezahlen bei fast 600 mitmachenden Unternehmen in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein mit dem Chiemgauer. Der regionale Einkauf hat in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen: er stärkt insbesondere die kleineren Geschäfte vor Ort, kurbelt die regionale Wirtschaft an und bringt zusätzliches Geld in die Kassen von Vereinen und Einrichtungen mit sozialen Zielen. Das Regio-Geld (das es mittlerweile auch als „eChiemgauer“ für die elektronische Zahlung gibt) versteht sich als Ergänzung des Euro um eine regionale Komponente. Und er zielt als „alternative Geldform“ darauf ab, dass die Kaufkraft gebunden wird und die Wertschöpfung in einer eigenen Region bleibt. Auch sollen lebendige Innenstädte und Dörfer, intakte Vereinsstrukturen und ein helfendes Miteinander gefördert werden.

Wichtiges Instrument dafür ist der sog. „Umlaufimpuls“: Die Verbraucher*innen müssen ihre Scheine alle drei Monate um drei Prozent mit Klebemarken aufwerten, wenn sie nicht vorher ausgegeben wurden. Das sorgt für einen schnellen Umlauf und fördert somit die regionale Geschäftstätigkeit. Und es wird verhindert, dass der Chiemgauer spekulativ gehortet wird.

Unternehmen, die beim Chiemgauer mitmachen, „belohnen“ den regionalen Einkauf mit drei Prozent, die dem Verein oder einem sozialen Zweck gutgeschrieben werden, die jedes Mitglied selbst festlegen kann. Rund 200 mitmachende Vereine profitieren davon. In den vergangenen Jahren konnten so mehr als 280 Vereine und Projekte mit einer Summe von insgesamt über einer halben Million Euro  gefördert werden.

Christophe Levannier (Bild oben) vom Chiemgauer-Trägerverein wies in seinem Vortrag aber auch darauf hin, dass das große Interesse am Chiemgauer weit über Deutschlands Grenzen hinaus in einem eigentümlichen Gegensatz zum begrenzten Interesse in der eigenen Region stehe: Der Prophet gelte offenbar nichts im eigenen Land, man werde vor Ort eher belächelt oder gar ignoriert. Angesichts der doch eng begrenzten Wirkung kann ein Regio-Geld zwar die regionale Wirtschaft unterstützen und Projekte fördern, wohl aber kaum die ihm zugedachte Rolle als Alternative zum herrschenden Geldsystem spielen.

Weitere Details:  http://www.chiemgauer.info/

Video „Fehler im Geldsystem“

Margrit Kennedy / Bernard Lietaer: Regionalwährungen. Auf dem Weg zu nachhaltigem Wohlstand, Riemann-Verlag, 2004

Weitere Literaturhinweise: http://www.chiemgauer.info/informieren/lese-ecke-archiv/

Die Molkerei Berchtesgadener Land, die uns bei einer ausführlichen Betriebsbesichtigung von Sabine Fuchs präsentiert wurde, ist seit 1973 auch eine Bio-Molkerei (daneben wird aber immer noch und überwiegend konventionell erzeugte Milch verarbeitet) und damit eine der ersten überhaupt. Sie ist als Genossenschaft organisiert und verarbeitete im Jahr 2016 ca. 306 Mio. kg Milch. Davon waren 89 Mio. kg Bio-Milch. Sie erwirtschaftete damit einen Umsatz von über 200 Mio. Euro. Die Produkt-Palette umfasst Frischmilch, haltbare Milch, Milchmischgetränke, Joghurt, Fruchtjoghurt, Trinkjoghurt, Buttermilch, Fruchtbuttermilch, Kefir, Dickmilch, Speisequark (Topfen), Speisequarkzubereitung, Kräuter- und Fruchtquark, Schlagrahm, Sauerrahm, Schmand, Crème fraîche, Butter; laktosefreie Bio-Produkte. Die  Molkerei-Genossenschaft hat derzeit 1733 Mitglieder, davon sind 491 Bio-Bauern.

Die Molkerei verfolgt den Leitgedanken der Nachhaltigkeit und sieht im Genossenschaftsmodell die Möglichkeit, Herkunft, Nachhaltigkeit und Fairness als gesellschaftliche Werte glaubwürdig umzusetzen. Das kommt zum Beispiel in der seit 2010 verpflichtend für alle Genossenschaftsmitglieder erfolgenden natürlichen Fütterung der Kühe ohne Gentechnik zum Ausdruck. Ein weiteres Projekt, das in ähnliche Richtung zielt und vor allem den Antibiotika-Gebrauch auf ein absolutes Minimum beschränken soll, sind die von der Molkerei angebotenen Homöopathie-Schulungen für die Landwirte.

Auch in der Logistik arbeitet die Molkerei an umweltverträglichen Lösungen. Die Milch-LKWs müssen sowohl von konventionell wie auch von ökologisch wirtschaftenden Landwirten die tägliche Milchmenge einsammeln. Da der Großteil der Landwirte nur wenige Kühe hält und sie teils auf bis zu 1200 m Höhe ihren Hof extensiv bewirtschaften, sind dafür viele Einzelstrecken zurückzulegen. Da es sich um unterschiedliche Milchsorten handelt, sind die Tankwägen schrittweise mit sog. Trema-Systemen (Annahme von mehreren Milchsorten im Tankwagen) ausgestattet worden. Dadurch ist es möglich, auf einer Strecke getrennt voneinander konventionell erzeugte Milch, Naturland Bio-Alpenmilch und Demeter Bio-Alpenmilch zu erfassen, ohne unnötige Strecken zurückzulegen. So ließen sich die Touren zusammenfassen, unnötige Fahrstrecken vermeiden, Spritkosten einsparen und dadurch den CO2-Ausstoß verringern.

Details zu verschiedenen Projekten: https://bergbauernmilch.de/  

Eine Stippvisite führte uns zum „Haus der Berge“, dem Zentrum des Nationalparks Berchtesgaden, das uns von Hans Maltan vorgestellt wurde. Das Haus der Berge verbindet Informationszentrum, Bildungsarbeit und ein Außengelände, letzteres ist allerdings angemeldeten Teilnehmenden der Veranstaltungen des Bildungszentrums vorbehalten. Das – auch architektonisch ansprechende – Haus bietet vielfältige Möglichkeiten zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs in Deutschlands einzigem Alpen-Nationalpark: die preisgekrönte Ausstellung „Vertikale Wildnis“, interaktive Informationen rund um das Schutzgebiet, ein Kino im Foyer mit Naturfilmen, wechselnde Ausstellungen auf zwei Ebenen sowie eine themenbezogene Bibliothek. Rund um das Haus können auf dem Panoramaweg die vier Haupt-Lebensräume des Nationalparks erlebt werden: Wasser, Wald, Alm und Fels.

Details: http://www.haus-der-berge.bayern.de/

Die Nationalparkgemeinde Ramsau bei Berchtesgaden ist das erste Bergsteigerdorf in Deutschland (seit 2015). Bergsteigerdörfer sind Vorzeigeorte, die sich aktiv für den sanften Tourismus und den Schutz der Alpen engagieren. Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein professionelles Tourismusangebot für Bergsteiger, weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und setzen sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur- und Naturwerte ein. Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg.

Die Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer besteht auch darin, dass sie im Einklang und in selbstverständlicher Beachtung einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen und Programme das Ziel der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum verwirklichen wollen.

Dennoch ist das Etikett „Bergsteigerdorf“, wie Fritz Rasp (im Bild links, daneben Jens Badura vom berg_kulturbüro) von der Tourist-Information Ramsau betonte, kein Marketing-Instrument. Es geht dabei eher um die Einheimischen, um ihren Bezug zum Ort und ihre Identifikation damit. Ramsau hat viel zu bieten, zu allererst natürlich die Natur, die Berge. Aber auch einen funktionierenden ÖPNV, eine Gastronomie, die auf regionale Produkte setzt (zum Beispiel über feste Abnahmeverträge mit den Landwirten). Und man stellt sich den Herausforderungen des Klimawandels, so waren immense Investitionen notwendig, um den Hochwasserschutz bei Starkregenereignissen zu gewährleisten.

Eine wichtige Rolle in diesem Konzept spielt dass berg_kulturbüro im Mesnerhaus. Es versteht sich als ein Raum für Initiativen und als eine Denkwerkstatt im Bereich alpenpolitischer und -kultureller Fragen. Es zielt darauf, regional relevante Themen wie auch grundsätzliche Fragen zur Kultur und Entwicklung des Alpenraums im Resonanzraum wissenschaftlicher, politischer und kulturell-künstlerischer Zugänge konkret vor Ort zur Diskussion zu stellen. Der direkte lokale Bezug zu den Menschen, der Kultur sowie der Landschaft und Natur wird dabei genauso als notwendige Voraussetzung gesehen wie die enge Vernetzung mit regionalen Gemeinden, der Biospährenregion Berchtesgadener Land, dem Nationalpark Berchtesgaden, den Alpinen Vereinen, alpenpolitischen Organisationen und weiteren auch internationalen Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Kultur im Alpenraum.

Das berg_kulturbüro ist gleichermaßen Arbeits- und Entwicklungsraum, Dialogort und Bibliothek. Einerseits werden Projekte für den regionalen Zusammenhang konzipiert und durchgeführt – wie z.B. das Alpine Philosophicum Ramsau (Thema z.B.: „Brauchtum gestern und heute“), der monatliche berg_kulturstammtisch sowie weitere Kulturveranstaltung wie Lesungen. Andererseits werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich kultureller Wertschöpfung im deutschsprachigen Alpenraum vom berg_kulturbüro her initiiert und begleitet. 

Ganz bewusst versteht sich Ramsau als Modellbeispiel für andere Orte im Alpenraum – über die deutschen Grenzen hinaus.

Bergsteigerdorf: Wie sanfter Tourismus den Alpen hilft – Filmbericht im Bayerischen Rundfunk

Deutscher Alpenverein (Hrsg.): Ramsau b. Berchtesgaden. Nationalpark-Gemeinde am Fuße des Watzmanns. München 2015

Details: http://www.bergsteigerdoerfer.de/378-0-Bergsteigerdorf-Ramsau.html und www.ramsau.de

Michael Pelzer, der ehemalige langjährige (von 1990 bis 2014!) Bürgermeister von Weyarn, stellte dar, dass sich das umfassende Bürgerbeteiligungskonzept, das in Weyarn jetzt schon etliche Jahre praktiziert wird, aus der Suche nach neuen Wegen für die Gemeinde entwickelte. In einer Phase der Krise und Orientierungslosigkeit ging es darum, sich für ein Leitbild zu entscheiden. Die Frage „Wo wollen wir hin?“ wurde am Ende eines längeren Suchprozesses mit dem Leitbild „Ländliche Qualität erhalten!“ beantwortet. Selbstbewusstsein und Identität der Dorfgemeinschaft wurden in diesem Prozess wesentlich gestärkt.

Pelzer betonte die positiven Auswirkungen eines solchen Beteiligungsprozesses: Das politische Klima werde besser, das Vertrauen in die demokratischen Institutionen gestärkt und die Akzeptanz von Politikentscheidungen größer. Zudem könnten auf diese Weise Fehlplanungen und Fehlinvestitionen verhindert werden. Die konkrete Ausgestaltung des Beteiligungsprozesses sollte dabei die jeweilige Ausgangslage vor Ort berücksichtigen. Wichtig sei auf alle Fälle, die Eintrittsschwelle so niedrig wie möglich zu halten und eine professionelle Begleitung und Moderation des Beteiligungsprozesses zu gewährleisten. In Weyarn wird dies durch ein „Mitmach-Amt“ als Koordinationsstelle mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin getan. Information ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren von Bürgerbeteiligung: „Alle müssen alles wissen!“

Als ein konkretes Beispiel, wie ein solcher Beteiligungsprozess funktioniert, nannte Pelzer die Planung des neuen Schulgebäudes, bei dem die Schüler*innen von vornherein als entscheidender Bestandteil einbezogen wurden (z.B. mit Kindergemeinderatssitzungen). So konnten die Wünsche der Schüler*innen berücksichtigt werden, unrealisierbare Vorstellungen argumentativ bearbeitet und sogar Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Schulbauten realisiert werden.

Bertelsmann-Stiftung/Staatsministerium Baden-Württemberg (Hrsg.):  Partizipation im Wandel. Unsere Demokratie zwischen Wählen, Mitmachen und Entscheiden, Gütersloh 2014

Michael Pelzer/Theresia Benda: Nicht ohne meine Bürger. Eine Wegbeschreibung zur Bürgergesellschaft. In: Der Bayerische Bürgermeister 1/2009, S. 125-127

Details: http://weyarn.de/aktiv.htm

Satzung: http://weyarn.de/Gemeinde/Satzungen/Buergerbeteiligungssatzung.pdf

Heidrun Eberle von der Nachbarschaftsbörse am Ackermannbogen führte uns durch dieses neue Baugebiet, das auf dem Gelände der 1994 von der Bundeswehr aufgegebenen Kasernen entstanden ist. Das 36 ha große Gelände war von der Stadt München insgesamt aufgekauft worden und mit der bewährten „Münchner Mischung" überplant worden. Das heißt: zu je einem Drittel mit frei finanzierten Wohnungen, mit sozialem Wohnungsbau und dem Münchner Modell für Haushalte mit mittlerem Einkommen, die keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Mittlerweile leben im Ackermannbogen rund 6700 Menschen, 27% davon sind Kinder und Jugendliche. Im Gebiet gibt es immerhin sechs Kita-Einrichtungen.

Das Quartier ist charakterisiert durch kompakte, weitgehend mehrstöckige Wohnbebauung (siehe die drei Bilder unten als Beispiel) mit großzügigen Grünanlagen und verkehrsberuhigten Bereichen. Etliche Projekte wurden von Baugemeinschaften und Wohnungsbaugenossenschaften realisiert, aber auch die stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften waren dort aktiv. Im Quartier gibt es auch einige Pflegewohnungen für ältere Menschen und – in einem anderen Haus untergebracht – einen Pflegestützpunkt. Über das gesamte Viertel verteilt sind insgesamt 10 Gemeinschaftsräume, die für kulturelle Veranstaltungen, Partys oder Kurse genutzt werden (darunter auch einer, der von außen uneinsehbar ist und deshalb gern für Angebote genutzt wird, die sich an Muslimas richten). 

  

„Urban Gardening“ (Bild unten links) findet in einem 1000 Quadratmeter großen Garten statt, der von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Auch die Investitionen für den Bau der Wege und der Gartenlaube wurden von der Stadt im Rahmen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme getragen. Die Ernte gehört denjenigen, die hier Arbeit investieren. Das Projekt wird von verschiedenen, durch die Nachbarschaftsbörse koordinierten Arbeitskreisen getragen. Der Garten ist jedoch offen für alle und nicht abgesperrt. Ob dies zu „Mitnahme-Effekten“ führen wird, muss sich noch erweisen.

 

Der Stadtplatz (Bild oben rechts) mit Einzelhandelsgeschäften und einem Brunnen (von Kindern gern als „Schwimmbad-Ersatz“ genutzt) als Mittelpunkt wird als Treffpunkt und Kommunikationsort schon gut angenommen.

Informationen der Stadt München zum Bauquartier 

Informationen zur Nachbarschaftsbörse und ihren Aktivitäten

Die wagnis eG ist eine junge Genossenschaft. Sie wurde im Jahr 2000 mit 21 Mitgliedern gegründet und verzeichnete Anfang 2017 bereits über 1.700 Mitglieder. Die Rechtsform Genossenschaft bedeutet Selbst- und Gemeinschaftsorganisation, Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Sie ist demokratisch aufgebaut. Jedes Mitglied hat unabhängig von seinen eingezahlten Geschäftsanteilen eine Stimme, das höchste Organ ist die Mitgliederversammlung. Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder vorrangig durch eine sozial und ökologisch verantwortbare und sichere Wohnungsversorgung. Dementsprechend hat die Baugenossenschaft wagnis eG das Ziel, Wohnanlagen (links im Bild: das Projekt "Wagnis 1") zu realisieren, um gemeinschaftlich verwalteten Wohnraum dauerhaft zu sichern, sozial zu binden und der Spekulation zu entziehen. Nachbarliches Miteinander, generationenübergreifendes Wohnen, die Nähe von Arbeits- und Wohnort sowie ökologische Nachhaltigkeit sind wesentliche Ziele, wie Rut-Maria Gollan vom wagnis-Vorstand ausführte.

Wohnbaugenossenschaften stellen einen “Dritten Weg” zwischen den traditionellen Lösungen Eigentum und Miete dar. Typisch ist ihr Doppelcharakter als Wirtschaftsunternehmen einerseits und bewohnerorientierter Selbsthilfeeinrichtung andererseits. Das gesamte Projekt ist Gemeinschaftseigentum, in dem die Wohnenden "Mieter im eigenen Haus" sind. Sie besitzen ein lebenslanges Wohnrecht und zahlen auf Dauer günstige Mieten. Die Wohnungen sind keine Spekulationsobjekte, sondern bleiben langfristig und auch den Erben erhalten. Die Einlagen der Genossen bilden die wirtschaftliche Basis. Diese betragen etwa 30 Prozent des Gesamtinvestitionskapitals, darin enthalten sind auch die Finanzierungen für die Gemeinschaftseinrichtungen, an denen sich jeder hier wohnende Genosse beteiligt.

Rut-Maria Gollan erläuterte, dass jedes Projekt mit der Bildung einer Baugruppe beginnt, die über die wesentlichen Charakteristika des Baus (z.B.: Gemeinschaftsräume) beschließt. Ziel sei es, die Wohnräume auf das wirklich notwendige Maß zu beschränken und für andere Nutzungen (Werkzeuge, Hobby, Waschmaschinen, Gästezimmer usw.) gemeinschaftlich genutzte Räume vorzusehen. Aber natürlich müssen die Gebäude auf Dauer geplant werden und nicht nur für den Erstbezug. Deshalb gebe es auch eine große Bandbreite an Wohngrößen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen. Barbara Uhl (im Bild) führte uns durch das Projekt „Wagnis 4“ an der Petra-Kelly-Straße (unten links: Blick vom Dachgarten in den Innenhof), das sowohl architektonisch überzeugte als auch durch einen wunderbaren Gemeinschaftsgarten auf dem Dach des Gebäudes (Bild unten rechts) beeindruckte.

 

 

Details: http://www.wagnis.org/ 

Das Projekt „Bellevue di Monaco” in der Müllerstraße 2-6 befindet sich im Glockenbach-Viertel, im „Zentrum der Gentrifizierung Münchens”, wie Vorstandsmitglied Matthias Weinzierl (Bild links) betonte.  Begonnen hatte das Projekt mit dem Protest gegen den geplanten Abriss der renovierungsbedürftigen Gebäude in der Müllerstraße 2-6 und das damit verbundene Verschwinden des angrenzenden Bolzplatzes. Dagegen hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für den Erhalt aussprach und mit der Goldgrund-Gorilla-Renovierungsaktion auch Medienaufmerksamkeit bekam – nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung durch Prominente aus der Kulturszene. Die Abrisspläne wurden zurückgenommen. Und nach einer Ausschreibung verpachtete die Landeshauptstadt München die Häuser im April 2016 für die nächsten 40 Jahre an die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco, die Wohn- und Kulturzentrum für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge und interessierte Münchner im Herzen der Stadt München realisiert.

  

Die Entrümpelung wurde in Eigenleistung und mit ungeheurem Engagement von Freiwilligen geleistet. Momentan läuft die Renovierung der drei Häuser auf Hochtouren. Dabei kommen natürlich professionelle Handwerksbetriebe zum Zug, die sich aber verpflichtet haben, dabei auch Geflüchtete im  Rahmen ihrer Möglichkeiten einzusetzen. Gleichzeitig werden bereits diverse Veranstaltungen und Aktionen organisiert. In einem provisorisch hergerichteten Teil des Gebäudes findet schon jetzt ein vielfältiges Begegnungs-, Schulungs- und Kulturprogramm statt. Synergieeffekte gibt es mit der benachbarten Glockenbach-Werkstatt (Bürgerhaus), das Kurse anbietet und über Gastronomie und Biergarten verfügt. Nach der Fertigstellung soll das Bellevue di Monaco etwa 40 Menschen Unterkunft bieten sowie mit seinen Beratungsangeboten, seinen Veranstaltungsräumen und einem großen Kulturprogramm eine zentrale Anlaufstelle zum Thema Flucht und Migration sein.

Als „Tür zur Stadt“ wird das offene Info-Café (Bild oben rechts) an der Ecke Müller-/Corneliusstraße fungieren. Der Cafébetrieb (ohne Konsumzwang!) wird gemeinsam mit Flüchtlingen organisiert und umgesetzt. Es wird niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote für Geflüchtete geben, aber auch für alteingesessene Münchner, die Hilfe anbieten oder Kontakt suchen. Im Wohnhaus Müllerstraße 6 werden in zehn Wohnungen junge geflüchtete Menschen nach der Betreuung durch die Jugendhilfe in ein selbständiges Leben begleitet. Die Wohndauer für den einzelnen Jugendlichen soll ca. 2 Jahre betragen. Das Wohnhaus Müllerstraße 4 bietet in sechs Wohnungen Raum für Geflüchtete mit besonderem Bedarf, insbesondere für Familien. Intensivere Beratungsangebote, sowie Schulungen und Kulturveranstaltungen gibt es im Hinterhaus in den Kulturräumen der Müllerstraße 2. Die Kosten werden durch einen Zuschuss der Stadt München in Höhe von 1,2 Mio. Euro plus der gleichen Summe von diversen Stiftungen finanziert.

Wesentliches Anliegen der Bellevue-Sozialgenossenschaft ist es laut Weinzierl, die Flüchtlingsproblematik ins Zentrum zu stellen: ins Zentrum der Stadt und ins Zentrum des Interesses. Deshalb engagiert sich das Projekt neben der Renovierung auch mit Informationsveranstaltungen über Fluchtursachen, der Organisation von Hilfslieferungen und anderen politischen Aktivitäten.

Details: http://bellevuedimonaco.de/

Verena Salz führte uns durch die 2010 gegründete Textilfabrik „manomama“. Deren Personalkonzept beruht vor allem darauf, Personen, die als „unvermittelbar“ gelten, einen Arbeitsplatz zu bieten: Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose, Migrant*innen etc.  Alle, die in der Produktion arbeiten, erhalten einen Grundlohn von 10 Euro pro Stunde. Die Arbeitsverträge sind unbefristet, die Arbeitszeit (zwischen 6 und 22 Uhr) ist flexibel einteilbar. Manomama hat derzeit rund 150 Beschäftigte, fast ausschließlich in der Produktion. Der Vertrieb läuft hauptsächlich über das Internet (Web-Shop), daneben gibt es den Fabrikverkauf  und einen manomama-Laden in Augsburg. Außerdem gibt es Mitarbeiterinnen, die die Produkte mobil in ihrer Region verkaufen.

Die Produktion orientiert sich an den Kriterien: öko, regional und fair. Alle Rohstoffe, sofern verfügbar, kommen aus der Region. Dazu zählen Hanf, Leder, Schurwolle (von einem Augsburger Schäfer) und Viskose. Nur die Biobaumwolle kommt aus Tansania. Auch die Weiterverarbeitungsschritte wie Spinnen, Weben, Stricken und Ausrüsten sowie alle Zutaten (Reißverschlüsse, Knöpfe, Nähfäden etc.) werden im Umkreis von 300 Kilometer von Augsburg realisiert, in Ausnahmefällen auch in anderen bundesdeutschen Regionen (NRW oder Brandenburg). Außerdem orientiert sich die Produktion (rechts ein Bild der Produktionshalle) an strengen ökologischen Maßgaben. Auch auf Chemikalien, die selbst bei Biotextilsiegeln erlaubt sind, verzichtet manomama. Die bei der Produktion anfallenden Stoffreste werden recycelt und zu neuen Stoffen verarbeitet.

Ein wesentliches ökonomisches Standbein des Betriebs ist – neben der eigentlichen Kleidungsproduktion – die Herstellung von Stofftaschen.  Auch hier wird darauf geachtet, dass nur „korrekte“ Auftraggeber beliefert werden.

Details: https://www.manomama.de/

 

Das Grandhotel Cosmopolis ist ein "gesellschaftliches Gesamtkunstwerk" (im Sinne einer "sozialen Plastik" nach Joseph Beuys) im Augsburger Domviertel und will Akzente setzen für ein friedliches Zusammenleben in der modernen Stadtgesellschaft. Die dringliche Aufgabe der Unterbringung von Asylbewerbern wird hier verknüpft mit kultureller Vielfalt und vor allem mit einem Angebot zur Teilhabe für alle.

Die Diakonie ist Hauseigentümerin und kümmert sich um die Flüchtlingsberatung. Sie hat die Kosten des Umbaus vorfinanziert. Die unterschiedlichen Teilbereiche des Gebäudes werden von zwei verschiedenen Parteien gemietet. Die Regierung von Schwaben ist Mieter der Hotelbereiche mit Asyl.
Der 2013 gegründete gemeinnützige Verein Grandhotel Cosmopolis e.V., der die Idee entwickelt hat, ist Mieter des Hotels ohne Asyl, der Gaststätte, der Ateliers und der Café-Bar. Das Haus diente früher als Altenheim und stand seit 2007 leer.

 

Verschiedene Menschen kommen hier unter: Gäste auf unbestimmte und unterschiedliche Zeit – es ist eine temporäre Heimat, die keine Unterschiede zwischen ihren Bewohnern macht: Hotelgäste mit und ohne Asyl, Künstler, Besucher, Personal, Handwerker. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Motivationen und Berufen in verschiedensten Lebensumständen treffen zusammen und lassen sich vom Projekt und den Möglichkeiten inspirieren. Für Flüchtlinge – „Hotelgäste mit Asyl“ – sind auf drei Etagen jeweils neun Doppelzimmer und ein Gemeinschaftsraum bereitgestellt. Es wohnen hier überwiegend Familien, aber auch einzelne Frauen, Männer und Heranwachsende. Sie alle sind eingeladen, sich in das Projekt einzubringen, und viele tun dies auch. Die Zimmer im Bereich für Geflüchtete sind genauso groß wie die Hotelzimmer. Die Menschen, die darin – vorübergehend – leben, können ihre Bleibe selbst gestalten. Mit der Folge, dass Vandalismus im Cosmopolis ein echtes Fremdwort geblieben ist. Es gibt hier auch keinen „Sicherheitsdienst“.

Die Hotelgäste – „Hotelgäste ohne Asyl“ – sind am ehesten mit den Nutzergruppen eines großstädtischen Hostels zu vergleichen. Neben den 12 individuell von Künstlern gestalteten Doppelzimmern (ein Beispiel im Bild oben rechts) mit Waschgelegenheit gibt es im Erdgeschoss noch weitere Vier-Bett-Zimmer. Das Angebot richtet sich an internationale (Kultur-)Reisende, Künstler, Neuaugsburger. Die bei der Umgestaltung genutzten Möbel und Materialien stammen aus Spenden und Häuserräumungen. Nachhaltigkeit und Upcycling sind fester Bestandteil der Konzeption. Viele Menschen bringen ihre Erfahrung ein. Das Motto ist – so Peter Fliege (Bild oben links) -: „Nichts ist unmöglich!“

Bei der Renovierung und jetzt im Betrieb engagier(t)en sich sehr viele Freiwillige, die das Projekt so, wie es jetzt funktioniert, erst möglich machen. Dennoch sind natürlich auch feste Angestellte notwendig, um die Kontinuität des Betriebs zu gewährleisten. Gegenwärtig sind das 12 Angestellte, fünf Praktikant*innen, ein Auszubildender. Außerdem werden Sozialstunden im Cosmopolis abgeleistet. Aus Spenden wird die Rechtsberatung für Geflüchtete finanziert sowie Mikrokredite für Geflüchtete, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten.

 

Unsere Gruppe lässt sich das Essen im Grandhotel schmecken - kein Wunder angesichts des gut gelaunten Küchen-Teams.

Das Grandhotel versteht sich aber nicht als „Geflüchteten-Projekt“, sondern als ein gesellschaftlich relevantes Projekt, weil es sich mit Thematiken befasst, die für alle relevant sind.

Details: http://grandhotel-cosmopolis.org/de/

Angesichts der Vielfalt der Projekte, die wir auf unserer Reise besucht haben, fällt es schwer, ein allgemeines Fazit zu ziehen. Drei Punkte lassen sich dennoch festhalten:

1. Wir haben eine Vielzahl von Menschen kennen gelernt, die mit immensem Engagement daran arbeiten, in je verschiedener Weise dazu beizutragen, eine nachhaltige, eine lebenswerte Zukunft, eben ein gutes Leben zu ermöglichen. Das war sehr ermutigend, sehr motivierend - auch und gerade für eigene Projekte in dieser Richtung.

2. Interessant: viele der Projekte haben die Gesellschaftsform der Genossenschaft gewählt, um ihre Projekte umzusetzen. Die Genossenschaften erleben nicht von ungefähr seit etlichen Jahren einen enormen Aufschwung, weil sie es erlauben, wirtschaftliches Handeln mit Selbstorganisation und demokratischer Kontrolle zu verbinden.

3. Natürlich haben all diese Projekte, vor allem wenn sie sich in die Marktkonkurrenz mit profitorientierten Unternehmen begeben (müssen), ihre Grenzen - das war vor allem beim "Tagwerk" und bei manomama zu erkennen. Dies sollte jedoch nicht den einzelnen Projekten als Defizit angekreidet werden, sondern eher dazu führen, über die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen solcher Unternehmungen kritisch nachzudenken.

Einige weiterführende Links und Literaturhinweise

Themenportal "Gutes Leben für alle!"

Kongresse (mit ausführlichen Dokumentationen!) "Gutes Leben für alle" in Wien

Harald Welzer / Stephan Rammler (Hrsg.): Der FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2013. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Frankfurt am Main 2012

Harald Welzer / Dana Giesecke / Luise Tremel (Hrsg.): FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Frankfurt 2014

Bernd Sommer / Harald Welzer: Transformationsdesign. Wege in eine zukunftsfähige Moderne. München 2017

ReferentInnen

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut
E-Mail: dieter.gewies@gmx.de

Andreas Horsche
1. Bürgermeister, Gemeinde Furth
Am Rathaus 6, 84095 Furth 
Tel: 08704/9119-27
E-Mail: andreas.horsche@vg-furth.de

Dr. Michael Rittershofer
Algasing 1, 84405 Dorfen
Tel.: 08081/9379-50
E-Mail: michael.rittershofer@tagwerk.net

Christophe Levannier
1. Vorstand, Chiemgauer e.V.
Gapstr. 6, 83278 Traunstein
Tel.: 0861/20995380
E-Mail: levannier@chiemgauer.info 

Sabine Fuchs
Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG
Hockerfeld 5-8, 83451 Piding
Tel.: 08651/7004-0
E-Mail: info@molkerei-bgl.de

Hans Maltan
Nationalparkzentrum "Haus der Berge"
Hanielstraße 7, 83471 Berchtesgaden
Tel.:  08652/979060-0
E-Mail: hausderberge@npv-bgd.bayern.de 

Fritz Rasp
Tourist-Information Ramsau
Im Tal 2, Haus des Gastes, 83486 Ramsau
Tel.: 08657/98 89 20
E-Mail: info@ramsau.de

Jens Badura
Im Tal 78, 83486 Ramsau
08657/1394008
E-Maijens.badura@bergkulturbuero.org

Michael Pelzer
Schwimmbadstr. 19, 83620 Feldkirchen-Westerham
Mobil: 0172-8555766
E-Mail: michael.pelzer@hotmail.com

Heidrun Eberle
Ackermannbogen e.V. 
gemeinnütziger Verein für Nachbarschaft, Umwelt, Kultur
Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9, 80797 München
Tel.: 089/30749634
E-Mail: nachbarschaftsboerse@ackermannbogen-ev.de

Rut-Maria Gollan / Barbara Uhl
Wohnbaugenossenschaft wagnis eG
Petra-Kelly-Str. 29, 80797 München
Tel.: 089/18911650
E-Mail: wagnis@wagnis.org und rut.gollan@wagnis.org

Matthias Weinzierl
Bellevue di Monaco eG - Gemeinnützige Sozialgenossenschaft
Müllerstr. 2, 80469 München
Tel.: 089/5505775-0
E-Mail: info@bellevuedimonaco.de und m.weinzierl@bellevuedimonaco.de

Verena Salz
manomama GmbH
Willy-Brandt-Platz 1a, 86153 Augsburg
Tel.: 0821/567428-0
E-Mail: service@manomama.de

Peter Fliege
Grandhotel Cosmopolis e.V.
Springergässchen, 86152 Augsburg
Tel.: 0821/45082411
E-Mail: willkommen@grandhotel-cosmopolis.org 

Veranstaltungsort
Start: Landshut | Ende: Augsburg


Partner

GRIBS-Bildungswerk


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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05.05.2017 bis 06.05.2017

Mobilität für alle: digital - elektrisch – multimodal!

Verkehrspolitische Perspektiven für die Kommunen

Die Verkehrspolitik war und ist eines der umstrittensten kommunalen Politikfelder überhaupt. Um so wichtiger ist es, Konzepte und Modelle zu präsentieren, die eine umweltverträgliche und menschenfreundliche Mobilität für alle gewährleisten. Gegenwärtig befindet sich der Mobilitätssektor in einem spannenden Wandlungsprozess, den es - auch und gerade in den Kommunen - zu gestalten gilt. Dazu zählen nicht nur die rasante Entwicklung der E-Mobilität und die Folgen der Digitalisierung, sondern auch Veränderungen beim Mobilitätsverhalten. In der jüngeren, urbanen Generation spielt das Auto nicht mehr die zentrale Rolle, sondern die Nutzung vieler unterschiedlicher Verkehrsmittel. Diese „multimodale“ Orientierung muss auch in der Verkehrspolitik in den Vordergrund rücken. Unsere Tagung befasste sich vor diesem Hintergrund mit aktuellen Perspektiven und Ansatzpunkten, wie Mobilität effektiv, bequem und nachhaltig organisiert werden kann. Ein gut ausgebauter ÖPNV, bessere Bedingungen für den Radverkehr und die Gestaltung des öffentlichen Raums für alle Verkehrsteilnehmer*innen standen dabei im Mittelpunkt.

Andreas Knie betonte, dass selbst in den USA, also in dem Land mit der größten Autoaffinität, mittlerweile die Zahl der zurückgelegten Autokilometer sinkt. Knie sieht deshalb ein „Ende des Autowahns“ bevorstehen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen in Deutschland die Multimodalität ständig zunimmt und die alleinige Nutzung des Autos deutlich gesunken ist.

Allerdings gibt es für dieses Ende noch allerlei Hindernisse, denn – so Knie – „wir haben alles dafür getan, dass es so kommt“. Eigenes Haus, eigenes Auto – die gesamte Infrastruktur und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen (Stellplatzverordnungen z.B.) seien komplett autofixiert. So ist es nicht verwunderlich, dass es für Verhaltensänderungen immer noch ein riesiges Potenzial gibt. Nur als Beispiel: Während die Gesamtverkehrsleistung in Deutschland bei 1,2 Billionen km pro Jahr liegt, ist der Anteil von Bike- und Car-Sharing mit 700 Millionen km immer noch sehr gering.

Das Smartphone ist mittlerweile zum wichtigsten technischen Gerät geworden – was auch die mentalen Strukturen seiner Nutzer*innen ändert. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Mobilität: Das Smartphone wird zum digitalen Schlüssel der intermodalen Welt. Dementsprechend muss der ÖPNV umgebaut werden: Mit einer App muss alles machbar sein, fordert Knie, alle Mobilitätsformen müssten netztauglich werden. Derzeit steht einer solchen Entwicklung v.a. der Datenschutz im Weg. Knie: „Datenschutz ist gut und wichtig. Wir brauchen aber einen anderen Datenschutz.“

Ein Gesetz wie das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) mit seinen detaillierten Regelungen (Konzessionen, Lizenzen etc.) seien da nur noch hinderlich: „Mit dem PBefG wird es keinen ÖPNV der Zukunft geben.“ Auch die öffentlichen Verkehrsbetriebe haben die Chancen der Digitalisierung bislang weitgehend verschlafen.

Knies Ziel ist eindeutig: „Wir wollen die Leute davon überzeugen, dass es überhaupt keinen Sinn macht, ein eigenes Auto zu besitzen.“ Nur vor diesem Hintergrund und in diesem Zusammenhang kann auch das „autonome Fahren“ Bestandteil eines multi- und intermodalen Mobilitätssystems sein: nämlich nicht als Hilfsmittel für individuelles Fahren im Privat-Auto, sondern als Teil eines öffentlichen Verkehrssystems: das elektrische Bestellauto, das automatisch dorthin fährt, wo es gebraucht wird. Im Mittelpunkt eines solchen Systems würde dann wohl nicht mehr die Bereitstellung und der Betrieb stehen, sondern eher die Vermittlung und Abrechnung von Fahrten.

Ein extremes Hindernis für derartige Mobilitätsoptionen stellt laut Knie die derzeitige Form der Parkraumbewirtschaftung dar: Sie stellt der privaten Autobesitzern den öffentlichen Raum zu unvergleichlich billigen Preisen, oft sogar unentgeltlich, zur Verfügung, während andere Mobilitätsformen, das nicht standortgebunden Car-Sharing zum Beispiel, finanziell „abgeschöpft“ werden und entsprechende Geschäftskonzepte erheblich verteuern.

(Präsentation als PDF-Datei)

Thomas Balser erläuterte Ziele und  Funktionsweise des Baden-Württemberg-Tarifs, mit dem bis 2018 die Fahrt mit einem Ticket über die Grenzen der jeweiligen Verbundgebiete hinaus ermöglicht werden soll – unabhängig von Start, Ziel, Verkehrsunternehmen und Verkehrsmittel. Was zunächst einfach klingt, wird durch die Situation in BaWü sehr erschwert: Dort gibt es nämlich ein schwer verständliches Tarifgeflecht mit 22 Verbundtarifen, über 50 Tarifangebote im Verkehr zwischen den Verbünden sowie die „Haustarife“. Zusätzlich sollen mit dem neuen Tarif eine gerechte Aufteilung der Einnahmen zwischen den beteiligten Verkehrsunternehmen erreicht und die Voraussetzungen für die Einführung innovativer Vertriebsformen (E-Ticketing) geschaffen werden.

(Präsentation als PDF-Datei)

Jens Marco Scherf stellte die Schwierigkeiten und Lösungsansätze dar, mit denen er sich als Landrat des Kreises Miltenberg bei dem Versuch auseinanderzusetzen hat, auch in einer ländlichen Region Mobilität für alle herzustellen. Für ihn ist Mobilität mehr als der Betrieb einiger  Buslinien, sondern ein Querschnittsthema. So kann der ÖPNV für junge Menschen eine Region attraktiv machen und ihre Bindung an diese Region sichern. Für ältere Menschen ermöglicht er Teilhabe abseits vom Auto und ohne Barrieren. Und natürlich spielt Mobilität für Beruf, Freizeit und Tourismus eine wichtige Rolle.

Unabhängig von den Problemen, die die unzureichenden Rahmenbedingungen in Land und Bund mit sich bringen, kann jedoch auch auf kommunaler Ebene einiges in Bewegung gebracht werden. Klassisches Instrument hierfür ist der Nahverkehrsplan. Dabei geht es nicht nur um die originären Zuständigkeiten wie den Busverkehr, sondern auch um die Herstellung von barrierefreien Haltestellen und die Vernetzung von Bus, Rad und Schiene. Die unterschiedlichen Anforderungen von Berufsverkehr und Tourismus sind zu berücksichtigen und die Unternehmens-Mobilität zu integrieren und zu nutzen. Wichtig auch: ein landkreisweites Radwegekonzept. Im Landkreis Miltenberg kommt bei diesen Aufgaben erschwerend die geografische Situation dazu, dass der Landkreis es mit drei Verkehrsverbünden in drei Bundesländern zu tun hat. Wichtiges Ziel der ÖPNV-Politik des Landkreises ist die Kundenbindung, die über verschiedene Ticket-Angebote erreicht werden soll: von der ÖPNV-Flatrate per Netzkarte über das ab 14 Uhr gültige U20-Ticket bis hin zu Seniorenangeboten.

(Präsentation als PDF-Datei)

Anja Sylvester präsentierte gleich zwei Praxisbeispiele für eine Stärkung des ÖPNV im ländlichen Raum. Der kombiBUS ist ein „Retro-Projekt“, der - ähnlich wie früher die Post-Busse - die Gütermitnahme im Linienverkehr ermöglicht. Dieses Projekt wurde im Rahmen des BMI-Modellvorhabens „Daseinsvorsorge 2030“ in der brandenburgischen Uckermark realisiert. Seit 2014 wird auf diese Weise der konventionelle ÖPNV gestärkt, weil durch die Gütermitnahme zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden. Der kombiBus ist gleichzeitig praktizierte Wirtschaftsförderung, die die Strukturen der lokalen Wirtschaft stärkt.

Neben der Agrarbranche, die damit taggleiche Lebensmitteltransporte abwickelt, sind die Hauptkunden des kombiBusses die Logistikbranche (die zunehmend unrentable Transportleistungen dorthin verlagert) und der Versandhandel (e-Commerce mit zunehmend kleinen  und leichteren Sendungen) die Hauptnutzer. Seit Oktober 2016 sind auch zwei Postdienstleister Kunden des kombiBusses. Und auch im Tourismusgewerbe wird der Bus für Gepäcktransporte (z.B. von Wanderern und Radfahrenden) genutzt. Mittlerweile wird das System auch in anderen Landkreisen Brandenburgs und Thüringens umgesetzt.

(Präsentation zum kombiBus als PDF-Datei)

Beim Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ geht es um die Stärkung der Nahmobilität in einer ländlich strukturierten Region.  Das Ziel dabei: Die Nutzungsmöglichkeiten des ÖPNV sollen spürbar verbessert werden durch ein ganztägiges regelmäßiges Angebot, das eine Bedienung auch in Tages- und Wochenrandzeiten frühmorgens sowie spätabends und am Wochenende flächendeckend durch ein dichteres Haltestellennetz, die direkte Bedienung von Schulen, Wohngebieten, Gewerbegebieten, Kliniken, Freizeiteinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten ermöglicht. Die verschiedenen ÖPNV-Systeme in der Region sollen verknüpft  und somit die Qualität des Angebotes verbessert werden:  neue Verbindungen entstehen. Dadurch werden bessere Verbindungen nach Leipzig sowie zu den Mittel- und Unterzentren geschaffen. Insgesamt hat das Projekt Vorreiterfunktion und Vorbildwirkung für weitere Regionen im Freistaat Sachsen.

Im Detail sieht dies so aus: Das neue Regionalbusnetz und die 4 Stadtbussysteme führen zu einem verbesserten Nahverkehrsangebot in der Region. Die beiden Systeme ergänzen sich gegenseitig. Das System, das am 7. August 2017 in Betrieb gehen wird, zeichnet sich durch eine Optimierung der Anschlüsse zwischen Zug und Bus sowie Bus und Bus durch Bildung von Knoten im „Integralen Taktfahrplan“ aus. Die Fahrzeuge treffen sich zur „Symmetrieminute“.

(Präsentation zum Muldental als PDF-Datei)

Thiemo Graf betonte sehr nachdrücklich, dass es durchaus möglich sei, Radfahren von 8 bis 80 als realistisches Szenario umzusetzen. Voraussetzung dafür sei aber zum einen eine echte Priorisierung der Radverkehrsförderung. Und zum anderen eine Rücksichtnahme auf subjektive Aspekte: „Wer eine Verhaltensänderung bei der Verkehrsmittelwahl erreichen möchte, muss mit den Ängsten rechnen, die dem entgegenstehen.“

Graf plädierte für eine auffallende und sichtbare Radinfrastruktur, die zum Radfahren einlädt. Wer eine sichere Umgebung für das Radfahren schaffe, könne durch positive Erlebnisse seitens der Radfahrerenden damit rechnen, dass sich Gewohnheiten ausbilden, dass das Radfahren als eingeübtes Verhalten gestärkt werde. Als Beispiel hierfür nannte er das Kreuzungsdesign für Radwege in Holland sowie den Winterdienst in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen: Dort werden bei Schneefall zuerst immer die Radwege geräumt.

Wichtig ist auch eine spürbare Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten der Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.  Das bedeutet aber auch: deutliche Verringerung der Kfz-Parkplätze und Reduzierung der Fahrspuren für den Autoverkehr.

(Präsentation als PDF-Datei)

Susanne Lender-Cassens stellt Ziele und Funktionsweise der 2012 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V.“ (AGFK) dar. Das sind vor allem die systematische Förderung der Nahmobilität, insbesondere des Radverkehrs, sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Es geht um die Förderung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur und damit von mehr Lebensqualität vor Ort. Dazu trägt der Austausch unter den Kommunen bei. Durch das AGFK-Netzwerk ist es möglich, von den Erfahrungen anderer Mitgliedskommunen zu profitieren und die eigenen Potenziale für mehr Fahrradverkehr auszuschöpfen. Susanne Lender-Cassens sah wie auch andere Teilnehmende aus AGFK-Mitgliedskommunen einen wesentlichen Sinn der Mitgliedschaft darin, dass der Radverkehr vor Ort auch in Kommunen gefördert werde, in denen dieses Thema bislang eher „unterbelichtet“ war.

(Präsentation als PDF-Datei)

Katalin Saary zeigte auf, wie sich die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern und so „Straßen für alle“ schaffen lassen. Wer den öffentlichen Raum als Orte zum Bewegen und Ausruhen, zum Feiern, zum Spielen und Schauen machen wolle, müsse aber notwendigerweise die Zahl der Autos (fahrend und parkend) deutlich reduzieren. Neue Qualitäten stellen sich nur ein, wenn die Flächen „fair“ verteilt werden. Dies ist auch Voraussetzung für lebendige Orte und stärkt die lokale Wirtschaft.

Nutzungsmischung ist eine wesentliche Voraussetzung für Nahmobilität. Die Verkehrsinfrastruktur dafür muss aus attraktiven, sicheren und barrierefreien Wegenetzen für den Fuß- und Radverkehr bestehen. Wichtig ist es, die Bürger*innen auf diesem Weg „mitzunehmen“. Bürgerinformation und Beteiligungsprozesse sollten selbstverständlich sein und sind die Voraussetzung für Akzeptanz und aktive Unterstützung seitens der Bürgerschaft.

Um ein Gleichgewicht zwischen Verkehrsraum und Lebensraum herzustellen, müssen die Ansprüche aller Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob sie mit dem Auto, zu Fuß oder dem Rad unterwegs sind, ob als Kind oder mit Mobilitätseinschränkungen. Das Dilemma dabei ist klar: Die Flächen im öffentlichen Raum einer bebauten Stadt sind begrenzt und nicht beliebig erweiterbar. Diese Flächen müssen „fair“ geteilt werden! Dazu können der Abbau der räumlichen Trennungen der Verkehrsarten und die Minimierung von Schildern und Markierungen beitragen – auch wenn das in Deutschland straßenverkehrsrechtlich nicht so einfach ist wie in Nachbarländern, in denen Shared Space und Begegnungszonen schon eingeführt sind.

(Präsentation als PDF-Datei)

Silke Klotzek erläuterte an mehreren Beispielen, wie es in Bamberg gelungen ist, durch die Gestaltung des öffentlichen Raums neues Leben in die alte Stadt zu bringen. Die Rahmenbedingungen dafür sind im Weltkulturerbe Bamberg mit seinen rund 72.000 Einwohner*innen, 13.000 Studierenden und rund sieben Millionen Tagestouristen pro Jahr durchaus anspruchsvoll. Mit der (mitten in der Altstadt unterhalb des Doms gelegenen) Sandstraße wurde durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs und die Neuordnung des Straßenraums eine Voraussetzung für das Aufblühen eines ganzen Straßenzugs geschaffen: Tagesgastronomie, die Neueröffnung von Ladengeschäften sowie eine Vielzahl von Aktivitäten, die vor allem durch zivilgesellschaftliche Initiativen getragen werden, waren die Folge. Ähnliches war schon mit der parallel zur Fußgängerzone verlaufenden Austraße gelungen, die in eine FGZ umgewandelt wurde, in der Radverkehr ganztägig erlaubt ist. Eine deutliche Aufwertung und Belebung war die Folge.

Ebenso erfolgreich war die Neugestaltung der Kettenbrücke, der Verbindung von Gärtner- und Inselstadt, die jetzt Shared-Space-Charakter hat und von den Menschen sogleich als Aufenthaltsraum angenommen wurde. 

(Präsentation als PDF-Datei)

Die Kettenbrücke war auch das Ziel der abschließenden Exkursion: Bei herrlichem Sonnenschein und Eis vom Italiener konnten die Teilnehmenden der Tagung das Flair dieser Begegnungszone „live“ erleben.

Fotos: Wolfgang Schmidhuber (CC BA-SY 3.0)

 

Links - Adressen - Literatur:

Weert Canzler/Andreas Knie: Die digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten. oekom Verlag 2016

Thiemo Graf: Handbuch: Radverkehr in der Kommune. Nutzertypen, Infrastruktur, Stadtplanung, Marketing, Les éditions Bruno, 2016 

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin 2015 

Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.
Geschäftsstelle:
Tel.: +49 (0)9131/86 2419
E-Mail: info@agfk-bayern.de
Internet: www.agfk-bayern.de

Fahrrad-Portal: Nationaler Radverkehrsplan

ReferentInnen

Prof. Dr. Andreas Knie
Leitung der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ)
Tel.: 030/23 88 84-101
E-Mail: andreas.knie@innoz.de
Internet: https://www.innoz.de/de 

Thomas Balser
Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, Kompetenzzentrum Landestarif
Tel.: 0711/23991-115
E-Mail: balser@nvbw.de

Jens-Marco Scherf 
Landrat, Landkreis Miltenberg
Brückenstraße 2 
63897 Miltenberg 
Tel: 09371/501-402 
E-Mail: landrat@lra-mil.de  / buero-landrat@lra-mil.debuero-landrat@lra-mil.de

Anja Sylvester
Dipl.-Geografin, Interlink GmbH Berlin
Tel.: 030/20913972
E-Mail: sylvester@interlink-verkehr.de
Internet: http://www.interlink-verkehr.de 

Thiemo Graf
Geschäftsführer Institut für innovative Städte, Kreisrat Nürnberger Land, Stadtrat und 3. Bürgermeister, Röthenbach an der Pegnitz
Alter Kirchenweg 27
D-90552 Röthenbach a. d. Pegnitz
Tel.: 0911/953398-65
E-Mail: team@innovative-staedte.de
Internet: www.innovative-staedte.de 

Susanne Lender-Cassens
Bürgermeisterin, Referentin für Umwelt, Energie, Gesundheit, Sport und Soziokultur, Erlangen

Katalin Saary
Dipl.-Ing., Verkehrsplanerin, Büro Mobilitätslösung,  Darmstadt
Tel.: 06151/9509486
E-Mail: katalin.saary@mobilitaetsloesung.de
Internet: www.mobilitaetsloesung.de

Silke Klotzek
Stadtplanungsamt Bamberg, Abteilung Stadtsanierung / Stadtgestaltung
Untere Sandstraße 34, 96049 Bamberg
Tel.: 0951/87-1637
E-Mail: Silke.Klotzek@stadt.bamberg.de
Internet: www.stadtplanungsamt.bamberg.de

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.
Letzengasse 13a
9605 Bamberg
bildungswerk@gribs.net


Art der Veranstaltung
Fachtagung



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08.03.2017

Welche Landwirtschaft macht uns alle in Zukunft satt: „intensiv und...

 

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Weltbevölkerung ist es eine der drängendsten Fragen, mit welcher Form der Landwirtschaft und Ernährung möglichst alle Menschen satt werden. Die welt- weite Intensivierung der Landwirtschaft ist keine Lösung, weil bereits jetzt ihre Kollateralschäden und externen Kosten zu hoch sind.

Die „High-Input-Landwirtschaft“ ist zudem fast immer mit Wachstum und Verdrängung kleinerer Be- triebe verbunden. Der Weltagrarbericht aber betont die Wichtigkeit des Erhalts und der Stärkung vie- ler bäuerlicher Betriebe und Kleinproduzenten hier und weltweit.

Katrin Wenz: Vegan ist in – aber welche Landwirtschaft ist ökologisch sinnvoll?

Die Referentin stellte der öffentlich mittlerweile sehr präsenten veganen Ernährungsweise eine aktuelle US-Studie zur Ernährung gegenüber, derzufolge mit einer Ernährung, die auch einen kleinen Anteil an Fleisch und Milchprodukten enthält, sogar mehr Menschen ernährt werden können als mit einer rein pflanzlichen Ernährungsweise. Die komplett tierfreie Ernährung würde viele Flächen ungenutzt lassen, denn rund 40 % der weltweiten Landfläche sind Wiesen und Weiden.

Wenz betonte aber nachdrücklich, dass es bei der gegenwärtigen Ausrichtung der Tierhaltung eigentlich nur Verlierer gebe. Der Fleischboom ohne Futtergrundlage führe zu massiven ökologischen Problemen durch Gülle- und Nitratüberschuss. Auch die Tierwohldebatte zeigt, dass ein Umbau der Tierhaltung zu einem „weniger ist mehr“ dringend nötig ist. Als ökologische Alternative zur industriellen Tierhaltung beschrieb Wenz die Vorstellungen des BUND von einer Landwirtschaft mit geschlossenen Betriebskreisläufen statt globaler Nährstoffströme. Um zukünftig in diese Richtung zu steuern, sei eine klare Kennzeichnung der Tierhaltungsform notwendig.

In der Diskussion äußerten Landwirte ihre Bedenken zur veganen Ernährung, weil dadurch z.T. sehr massiv und kompromisslos jegliche Form der Tierhaltung abgelehnt werde, auch wenn sich die Landwirte um artgerechte Haltung bemühen. Einig war man sich aber, dass die vegane Bewegung einen Trend gesetzt und durch ihren Verzicht und ihre Forderung eine Diskussion zur Tierhaltung in Gang gebracht hat, die zu führen letztlich allen nützt.

Marion Ruppaner: Landesnetzwerk Bayern Bauernhöfe statt Agrarfabriken – aktuelle Aktivitäten und Positionen

2014 wurde in Bayern das Landesnetzwerk gegründet, um neue Mastanlagen und Milchviehställe oberhalb der Schwelle der Umweltverträglichkeitsprüfung zu verhindern. Marion Ruppaner stellte die bisherigen Erfolge des Bündnisses sowie aktuelle Aktivitäten dar. Als Positivbeispiele für den nötigen Aufbau regionaler Qualitätsmarken mit hohem Tierwohlstandard nannte Ruppaner neben den bekannten und langjährig etablierten Labeln von Neuland und denen des Ökolandbaus auch das Siegel des Deutschen Tierschutzbunds sowie die GVO-freie Fütterung der Tiere als Einzelbaustein der Veränderung. Hinzu kämen neue Entwicklungen wie z.B. die Strohschwein-Initiative einer Metzgerei im oberfränkischen Landkreis Hof, über die auch Kantinen großer Industrieunternehmen wie Audi und BMW versorgt werden sollen.

In der Diskussion ging es u.a. um die Abgrenzung zu industriellen Betrieben, wie sie unabhängig von den Tierzahlgrenzwerten zu definieren seien. Nach Ruppaner ist der Begriff „bäuerlich“ zu verknüpfen mit den genannten Größenordnungen der UVP-Pflicht. Der Kampfbegriff Massentierhaltung ist wichtig und etabliert in der öffentlichen Diskussion.

Christine Weißenberg: Wie die Allianz von Futtermittelimporten und Exportstrategie eine weltweite Ernährungssouveränität verhindert

Zunächst beleuchtete Weißenberg die Milchbranche und illustrierte mit Grafiken die Schere aus stark steigenden Milchpulver-Exporten bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen. Auch in der Schweinefleischbranche sorgt die Exportstrategie hier wie anderswo für Druck auf die Erzeuger. Der massive Import von Eiweißfuttermitteln führt in den Ländern des Südens zu Armut, Hunger und Vertreibung. Freihandel und die neue Generation von Handelsabkommen bilateraler Art waren weitere Themen.

Diesen Entwicklungen weltweiter Handelsverflechtungen mit dem Bestreben nach Marktzugang und Exportwachstum stehe das Konzept der Ernährungssouveränität entgegen. Hier spannte sie einen weiten Bogen vom konkreten AbL-Projekt Eiweißfutter aus Niedersachsen (EFN) für regional erzeugte Futtermittel bis hin zu den Aktivitäten der weltweiten Bauern- und Landlosenbewegung VIA Campesina.

Dr. Nikola Patzel: Worauf fahren die „Vollgasbauern“ ab und was trägt „bäuerliche Bauern“? Wie können wir mit Motivationen und Faszinationen in der Landwirtschaft besser umgehen?

Nicht nur für die „Vollgasbauern“ selbst kann es hilfreich sein, etwas mehr zu verstehen: Warum fahren viele wachstumsorientierte Produzenten so sehr auf das ihnen Verheißene ab und wovon sind sie eigentlich innerlich getrieben? Und was treibt und trägt Menschen mit „Bio-“ oder „bäuerlichen“ Idealen? Was ist das eigene, bäuerliche Selbstverständnis und woraus speist es sich? Anschaulich beschrieb er in seinem bildstarken Vortrag, dass es auf den Höfen grundsätzlich darum gehe, die Balance zwischen den eigenen inneren Bedürfnissen und den äußeren Ansprüchen zu finden. Denn das Ich-Bewusstsein liege zwischen einer Innen- und einer Außenwelt, die das Selbstbild prägen. Auch das Verhältnis zwischen Männlichem und Weiblichem spielt dabei eine wichtige Rolle, was er mit einer Gegenüberstellung der Heldengestalt des Prometheus und der Demeter deutlich machte.

In der sehr lebendigen Diskussion machte er deutlich, dass es um die Erkenntnis gehe, dass jeder – Vollgasbauer oder bäuerlicher Bauer - beide Seiten in sich trägt. So könne man sich auch im anderen wiedererkennen – um sich als Menschen mit nicht nur äußeren, sondern auch inneren Antrieben besser zu verstehen. Nur von da aus – und nicht aus der Konfrontation heraus - sei ein ehrlicher Austausch möglich, der eventuell dem einen oder der anderen helfen kann, von einer Zerrissenheit zum eigenen Gleichgewicht zu finden.

Konrad Schmid: Welche Rahmenbedingungen kann Bayern für eine zukunftsfähige Landwirtschaft bereitstellen?

Schmid  beleuchtete ausführlich die bayerische Wirtschaftskraft und Agrarstruktur und nahm zu aktuellen agrarpolitischen Diskussionsthemen Stellung. Einer kritischen Bestandsaufnahme zur Milchkrise folgten Darstellungen zu den Produktions- und Verarbeitungsstrukturen für landwirtschaftliche Erzeugnisse in Bayern. Zum Schluss Schmid auf die künftigen Europäische Agrarpolitik, die Weiterentwicklung der GAP und auf Reformvorschläge aus bayerischer Sicht ein.

In der Diskussion wollten einige Teilnehmer der großteils positiven Darstellung nicht zustimmen und fragten, warum wir auch in Bayern nicht weiterkommen bezüglich des Gesundheitszustands der in den Schlachthöfen angelieferten Tiere, des massiven Artenrückgangs, z.B. beim Bestand der Feldlerche. In den Hochglanzbroschüren des Ministeriums werde Wahrheit und Klarheit vermisst. Auch Bayern setze zu sehr auf die Exportstrategie und Weltmarkt, z.B. wenn Minister Brunner mit Reisen nach China den Fleischkonsum ankurbeln wolle.

ReferentInnen


Katrin Wenz
wiss. Mitarbeiterin Agrarpolitik, Bund für Umwelt u. Naturschutz Deutschland (BUND)

Marion Ruppaner
Agrarreferentin Bund Naturschutz in Bayern (BN)

Christine Weißenberg
Dipl.-Agraringenieurin, Redakteurin der „Unabhängige Bauernstimme“

Dr. Nikola Patzel
Bodenwissenschaftler und Psychologe

Konrad Schmid
Ltd. Ministerialrat, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Leiter der Abteilung für Grundsatzfragen der Agrarpolitik

Veranstaltungsort
Ampfing


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., Landesverband Bayern 


Art der Veranstaltung
Tagung



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20.02.2017

Steuergeschenke für den Diesel: Wie der Staat die Luftverschmutzung...

 

Fast die Hälfte aller Autos, die in den letzten Jahren in Deutschland neu zugelassen wurden, hatte einen Dieselantrieb. Das muss niemanden wundern: Schließlich wird Dieselkraftstoff hierzulande deutlich geringer besteuert als Benzin und ist damit an der Tankstelle günstiger.

Aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht zu Unrecht: Dieselfahrzeuge gehören zu den größten Luftverschmutzern in Deutschlands Städten und sind im Durchschnitt aller Neufahrzeuge nicht klimafreundlicher als Benziner. Auch die anderen Steuern im Straßenverkehr erfüllen ihre Ziele kaum. Die Steuerbefreiung von Euro-6-Dieseln verpuffte wirkungslos, weil kaum einer der Motoren in der Realität die geforderten Grenzwerte eingehalten hat. Und auch durch die Tricksereien beim CO2-Ausstoß entgehen dem Staat jährlich Steuereinnahmen in Milliardenhöhe, ohne dass das Klima oder die Atemluft besser würden.

Diese Thesen beleuchtete Alexander Mahler in seiner Präsentation, die Sie hier herunterladen können.

Energiewende im Verkehrssektor

Ziel der Bundesregierung ist, die Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 80-95% zu vermindern. Dieses Reduktionsziel betrifft alle Prozesse. Zwischen 1990 und 2012 haben alle anderen Sektoren mehr eingespart als der Verkehrsbereich – so haben z.B. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ein Minus von 48% erreicht! Beim Verkehr sind es lediglich minus 6%. Ursache sind die gestiegenen Personenkilometer und ein sich exorbitant vermehrender Güterverkehr. Effizienzfortschritte in der Fahrzeugtechnik werden hierdurch weitgehend kompensiert. Fazit aller Studien: Bisher wurden alle Ziele nicht ernst genommen und daher verfehlt. Wie kann die Wende gelingen?  

  • Vermeiden (weniger Straßenverkehr)
  • Verlagern (ÖPNV, Schiene)
  • Verbessern (Effizienzsteigerung, neue Technologien).  

Machen es andere Länder besser? Ja, aber mit unterschiedlichen Mitteln. Z.B. höhere Kraftstoffsteuer, höhere LKW-Maut, City-Maut, weniger Subventionen, Flottengrenzwert, Tempolimits, Zugangsbeschränkungen, Investitionen in Schiene und ÖV, Fahrrad-Infrastruktur, Förderung F+E.

Eine interessante Information am Rande: Bis 2050 wird der Luftverkehr über Deutschland zum größten CO2-Emittenten werden. Dies ist besonders deshalb kritisch, weil sich bei Flugzeugen alternative Antriebsmittel bzw. Treibstoffe kaum werden finden lassen. Bio-Treibstoff sollte daher möglichst dort und nicht im Straßenverkehr verwendet werden. 

Externe Kosten und Kraftstoffe im Vergleich

Externe Kosten  sind nicht kompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer. Die Kosten der Nebenwirkungen werden also nicht vom Verursacher getragen.  

Leider wurde in der Vergangenheit beim Vergleich der externen Kosten von Diesel und Benzin stets nur der Verbrauch und die CO2-Emission herangezogen. Rechnet man jedoch die externen Kosten durch Stickoxide (NOX) hinzu, so schneidet der Diesel um ca. 20% schlechter ab (ca. € 1,90 zu € 2,40 pro gefahrenem Kilometer). Stickoxide sind insbesondere verantwortlich für Gesundheitsschäden (Herz/Kreislauf, Atemwege, Allergien) sowie Biodiversitätsverluste. Faustformel: Auf jeden Euro, den der Bürger für das Autofahren ausgibt, muss die Allgemeinheit mindestens einen weiteren Euro externer Kosten drauflegen.

Mag der CO2-Ausstoß pro Kilometer in der EU immer niedriger geworden sein - zwischen Diesel und Benzin besteht heute kein Unterschied mehr bei der CO2-Emission. Denn die Leistung und das Gewicht der Fahrzeuge (mit Schwerpunkt in der Oberklasse, bei Geländewagen und SUV) liegt bei Dieselfahrzeugen deutlich höher als bei Benzinern. Hinzu kommt, dass beim Dieselmotor die Potentiale zur Verbesserung nahezu ausgeschöpft sind, beim Benzinmotor noch keineswegs! Und: Die Dieselnachfrage kann schon längst nicht mehr aus dem Inland gedeckt werden. 

Steueraspekte

Die Steuersätze für Treibstoff sind seit 2003 unverändert. Da die Benzin- und Dieselsteuer eine Mengensteuer ist (also ein fester Betrag pro Liter) ist ihr fiskalischer Wert heute wesentlich geringer als 2003 – bedingt durch die Inflation.  

Darüber hinaus werden die Abweichungen von Soll-Verbrauch (laut Herstellerangabe und daher für die Steuer maßgeblich) und Ist-Verbrauch immer größer. Zwischen 90% und 100% der Fahrzeuge verbrauchen (deutlich) mehr als angegeben. Der Grund liegt in „idealisierten“ Testverfahren der Hersteller, bei denen unter unrealistischen Bedingungen gemessen wird. Allein deswegen sind dem Staat zwischen 2010 und 2015 ca. € 3,3 Mrd. entgangen. Zusammen mit der Dieselförderung sowie Zuschüssen für Dieselfahrzeuge  ergibt sich ein (umweltschädliches) Fördervolumen von € 19 Mrd. 

Forderungen

Wesentliche Forderung des FÖS ist, mehr Logik in die Besteuerung zu bringen: Schädlicher Treibstoff muss höher besteuert werden. Da außerdem das reale (!) Aufkommen aus der Kraftstoffbesteuerung seit Jahren sinkt, sollte dieser Rückgang kompensiert werden. Hierfür wäre – nur um auf den Stand von 2003 zu kommen – eine Erhöhung der Benzinbesteuerung um 12 Cent und der Dieselbesteuerung um 9 Cent nötig. Zudem sollte man dem Vorbild von Staaten wie den Niederlanden, Schweden oder Dänemark folgen und die Kraftstoffsteuer indexieren, die Steuer also prozentual und nicht auf den Liter bezogen erheben. Mehreinnahmen durch diese Steuern müssen durch Verminderung anderer Steuern (z.B. auf Arbeit) an die Bürger zurückfließen. 

ReferentInnen

Alexander Mahler
Stellvertretender Geschäftsführer sowie Leiter Verkehrs- und Agrarpolitik des FÖS 

Veranstaltungsort
München


Partner

FÖS (Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft), Regionalgruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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01.07.2016 bis 02.07.2016

Der Landkreis Miltenberg und die Rahmenbedingungen grün-alternativer...

 

Im Rahmen unserer Bildungsreisen befassen wir uns seit Jahren mit den Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten grün-alternativer Kommunalpolitik in Bayern. Die Wahl Jens Marco Scherfs zum Landrat im Jahr 2014 war Anlass genug, uns im Landkreis Miltenberg im äußersten Nordwesten Bayerns umzusehen.

Im Rahmen einer Führung durch Miltenberg konnten die Teilnehmenden die Geschichte der Kreisstadt kennen lernen und erste Eindrücke über die spezifischen Bedingungen für die kommunalpolitische Arbeit dort sammeln. Der 1. Bürgermeister der Stadt, Helmut Demel (im Bild rechts), informierte anschließend ausführlich über die seit Jahrzehnten andauernden Bemühungen um eine Verbesserung beim Hochwasserschutz.  Gerade in Zeiten des Klimawandels und immer häufigerer Starkregen-Ereignisse sei das für die direkt am Main liegende Stadt geradezu lebenswichtig.  Am Tag des Besuchs wurde die neue Hochwasserschutzmauer feierlich eröffnet, die in jahrelanger Bauzeit (Beginn der Planungen: 1999!) und mit Investitionen von rund 30 Mio. Euro errichtet wurde. Dabei sollten die wichtigen Blick- und Wegebeziehungen von der Stadt zum Main durch den Hochwasserschutz nicht behindert werden. Auf rund 600 Metern Länge tritt die massive Hochwasserschutzwand nur als 90 Zentimeter hohe Brüstung in Erscheinung. Diese bietet Schutz bis zu einem 25-jährlichen Hochwasser. Für das Schutzziel bis zu einem hundertjährlichen Hochwasser können bei Bedarf 220 Stahlstützen mit einer Höhe von 1,40 Metern aufgeschraubt werden. Dazwischen können über 2.600 Aluminiumbalken eingeschoben werden, die dann eine mobile Schutzwand bilden. Ein mobiles System kann hier angewendet werden, weil die Hochwasserwellen des Maines lange Laufzeiten aufweisen und so genügend Zeit für den aufwändigen Aufbau des Schutzsystems bleibt.

In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Jens Marco Scherf (im Bild links) und etlichen Kreis- und Gemeinderät*innen konnten die Rahmen- und Erfolgsbedingungen für grün-alternative Kommunalpolitik vor Ort ausführlich diskutiert werden. Scherf nannte dabei v.a. die Wirtschafts- und Bildungspolitik als wichtige Anliegen. Nur wenn es gelinge, eine berufliche Perspektive in der Region zu bieten, könne der Wegzug qualifizierter junger Menschen aus dem Landkreis auf Dauer vermieden werden.

Miltenberg: Die historische Altstadt ist nicht nur eine touristische Attraktion. Der Landkreis bemüht sich auch um eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur.

Wie das konkret aussehen kann, erfuhren die Teilnehmenden im Rahmen einer ausführlichen Betriebsbesichtigung bei der Firmengruppe Erbacher-Josera im benachbarten Kleinheubach. Erbacher produziert Getreideprodukte: Zutaten zur Weiterverarbeitung, aber auch fertige Produkte wie süße Schokoladensnacks, herzhafte Snacks und Müsli. Viele Produkte werden auch in glutenfreier Qualität und in Bio-Qualität hergestellt. Josera stellt Tierfutter her, sowohl für Haustiere (neuerdings auch vegetarisches Hundefutter!) als auch Futtermittel für die Landwirtschaft. In einem betriebseigenen Labor werden aufwändige Analysen (z. B. Mikrobiologie, Schwermetalle) durchgeführt, die dem Qualitätsstandard für Prüflabors auf dem Niveau der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten entsprechen.

Beeindruckend sind die Anstrengungen der Firmengruppe auf dem Gebiet des Umweltschutzes: So verfügt Josera über einen privaten Gleisanschluss, der dazu beiträgt, bis zu 40.000 Jahrestonnen von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Mit einem in diesem Ausmaß weltweit einmaligen Hochregallager aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, das aus regionaler Forstwirtschaft stammt, wurde ein weiteres Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit gesetzt. Vorbildlich ist auch das Energiemanagement mit eigener Kraft-Wärme-Kopplung.

In der Diskussion wiesen die Geschäftsführer Burkard und Frank Erbacher auf die Wichtigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen als Grundvoraussetzung für ein regionales Familienunternehmen im globalen Wettbewerb hin. So sei das hauseigene BHKW auf der Grundlage der damals geltenden Ökosteuer- und EEG-Gesetze geplant und ausgelegt worden. Der Kahlschlag am EEG, wie er von der derzeitigen Bundesregierung vorgenommen wurde, habe diese Planungsgrundlage vollkommen untergraben.

Burkard Erbacher wies abschließend auf die von der Firma gegründete Stiftung hin, die sich international beim Aufbau und der Unterstützung lokaler landwirtschaftlicher Strukturen und der Förderung der Wertschöpfung vor Ort (z.B. in Uganda und Tansania) engagiere.

Fotos: Renate Grasse

ReferentInnen

Jens Marco Scherf
Landrat, Landkreis Miltenberg

Helmut Demel
1. Bürgermeister, Miltenberg am Main

Burkard und Frank Erbacher
Geschäftsführer, Erbacher Gruppe

Dorothea Zöller
Gästeführerin, Miltenberg

Veranstaltungsort
Miltenberg


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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16.06.2016

Bewegen, verweilen, bestaunen: die Qualität des öffentlichen Raums

Öffentlicher Raum in Kopenhagen: die Vestervolgade, eine ehedem vierspurige Hauptstraße in der Innenstadt, wurde zum Wohlfühl-Raum.

 

Wenn Städte und Gemeinden für die Menschen gebaut werden, die in ihnen wohnen, leben, arbeiten und Freizeit verbringen, wenn sie sich am "menschlichen Maß" orientieren wollen, wie es der dänische Stadtplaner Jan Gehl fordert, dann spielt der öffentliche Raum, der Raum zwischen den Gebäuden, dafür eine entscheidende Rolle: dort bewegen sich die Menschen, dort verweilen sie, dort kommen sie miteinander in Kontakt – oder auch nicht. Welche Qualitäten der öffentliche Raum besitzen muss, um seine positiven Wirkungen zu entfalten - damit befassten wir uns in dieser Tagung ausführlich.

Dr. Cordelia Polinna gab einen umfassenden Überblick über die Funktionen des öffentlichen Raums aus Sicht der Nutzer*innen und ging dabei vor allem auf aktuelle Wandlungsprozesse und Entwicklungstendenzen ein. Mit der gegenwärtig beobachtbaren „Reurbanisierung“ komme es auch zu einer Renaissance des öffentlichen Raums. Dazu trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass öffentliche Räume als Bühne für Events o. ä. dienen und sich somit (auch) zur Touristenattraktion entwickeln. Polinna sprach aber auch problematische Tendenzen an: Im Zuge der Privatisierung (z.B. in "business improvement districts") werden immer mehr eigentlich „öffentliche“ Räume („corporate public spaces“) abgeschirmt, kontrolliert und überwacht. Für die zukünftige Entwicklung sieht sie zwei Tendenzen als entscheidend an: Zum einen die Abwendung von der „autogerechten“ Stadt, die Mobilität auf andere Verkehrsträger verlagert und so zu mehr Flächengerechtigkeit für alle führt. Und zum anderen die Beteiligung der Bürger*innen an der Gestaltung der öffentlichen Räume: „Stadt selber machen“ ist dafür das Motto. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Auf die – notwendige – Umverteilung des Verkehrsraums zugunsten von Fußgänger*innen und Radverkehr ging schwerpunktmäßig Katalin Saary ein. „Straßen sind Verkehrs- und Lebensraum für Menschen!“, betonte sie. Das Konzept des „Shared Space“ bietet dafür eine planerische Umsetzungsmöglichkeit, das gegenseitige Rücksichtnahme, Bewegungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Fußgänger*innen sowie langsame Geschwindigkeiten der Kfz in den Vordergrund stellt. Allerdings besteht in Deutschland verkehrsrechtlich eine Regelungslücke um shared-space-Konzepte auch optimal umzusetzen. Die in europäischen Nachbarländern schon übliche „Begegnungszone“ sollte deshalb auch hierzulande eingeführt werden. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, in den Kommunen „urbanes Grün“ zu schaffen, zeigte Prof. Dr.-Ing. Doris Gstach in ihrem Vortrag sehr anschaulich auf. Von Stadtbäumen und Gebäudebegrünung über Straßenbegleitgrün bis hin zu Stadtparks und Stadtwildnis: Grün kann fast überall und fast immer realisiert werden – wenn auch in Städten oft unter erschwerten Bedingungen (Schadstoffbelastung, besonders Stadtklima, eingeschränkte Lebensräume). (Textliche Zusammenfassung des Vortrags mit zahlreichen Fotos als PDF-Datei)

Konkrete Beispiele in Kommunen unterschiedlicher Größe

Leonhard Valier stellte als Beispiel für die gelungene Neugestaltung eines öffentlichen Raums in einer kleinen ländlichen Gemeinde die Sanierung des Bürgerhauses in Litzendorf mit einem attraktiven modernen Neubau der Gemeindebücherei und der nutzerfreundlichen Anlage des an den Dorfbachs angrenzenden Raums vor. Eine solche Qualität lässt sich nur durch gute Planung und einer dauerhafte Planungsgeschichte herstellen, war sein Credo. Dazu gehöre auch die „kontinuierliche Überzeugungsarbeit“, die die Planer*innen in den politischen Gremien zu leisten hätten. (Präsentation zum Herunterladen als PDF-Datei)

Beeindruckend ist auch die Umgestaltung des historischen Zentrums von Ochsenfurt, einer Kleinstadt in Unterfranken, die von Christoph Valentien, dem dafür verantwortlichen Planer, vorgestellt wurde. Maxime der Planung war eine gewisse Zurückhaltung bei der Bebauung. Ziel war es vielmehr, die historische Altstadtsituation zur Geltung zu bringen. Zum anderen konnte eine spürbare Verkehrsberuhigung („shared space“, ohne dass dieser so bezeichnet würde!) erreicht werden. Zunehmender Tourismus und private Investitionen in Renovierung und Aufwertung der Bausubstanz sowie ein deutlicher positiver Imagegewinn Ochsenfurts stehen auf der Haben-Seite. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Silke Klotzek erläuterte an mehreren Beispielen, wie es in Bamberg gelungen ist, durch die Gestaltung des öffentlichen Raums neues Leben in die alte Stadt zu bringen. Die Rahmenbedingungen dafür sind im Weltkulturerbe Bamberg mit seinen rund 72.000 Einwohner*innen, 13.000 Studierenden und rund sieben Millionen Tagestouristen pro Jahr durchaus anspruchsvoll. Mit der (mitten in der Altstadt unterhalb des Doms gelegenen) Sandstraße wurde durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs und die Neuordnung des Straßenraums eine Voraussetzung für das Aufblühen eines ganzen Straßenzugs geschaffen: Tagesgastronomie, die Neueröffnung von Ladengeschäften sowie eine Vielzahl von Aktivitäten, die vor allem durch zivilgesellschaftliche Initiativen getragen werden, waren die Folge. Ebenso erfolgreich war die Neugestaltung der Kettenbrücke, der Verbindung von Gärtner- und Inselstadt, die jetzt Shared-Space-Charakter hat und von den Menschen sogleich als Aufenthaltsraum angenommen wurde. Klotzek wies aber auch darauf hin, dass mit diesen Nutzungen durchaus auch Konflikte (Lärmbelästigung für die Anwohner*innen) einhergingen. (Präsentation zum Herunterladen als PDF-Datei)

Einen großstädtischen Akzent setzte der Bericht von Carlo Frohnapfel über den Umbau der Goethe- und Germaniastraße in eine Promenade. Dabei handelt es sich um einen attraktiven Wohn- und Geschäftsstandort mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität, der allerdings durch Funktionseinbußen im öffentlichen Raum gefährdet war. Dazu trugen nicht unwesentlich die hohe Verkehrsbelastung und die ungenügende Straßenraumaufteilung bei. Durch die Verlegung einer Autofahrspur konnte die Promenadensituation (die auch Teile des Kunstwerks „7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" anlässlich der DOKUMENTA 7 von Joseph Beuys einbezog) konnte eine deutliche Verbesserung der Raumsituation für Fußgänger*innen und Radverkehr erzielt werden. Zudem wurde mit dem sog. „Affenfelsen“ (= Rudolphsplatz) ein äußerst attraktiver Treffpunkt für Aufenthalt, Begegnung und Feiern geschaffen. Zur erfolgreichen Umsetzung trug nicht zuletzt eine sehr intensive Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung und eine ämterübergreifende Koordination in der Verwaltung bei. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Kurzes Fazit

1. Für die Gestaltung des öffentlichen Raums gibt es gewiss keine Patentrezepte, sondern für jede spezifische Situation muss eine angepasste Lösung entwickelt werden. Aber aus gelungenen Beispielen, von denen im Verlauf der Tagung etliche vorgestellt wurden, lässt sich lernen, dass und wie so etwas gelingen kann.

2. Ebenso sicher ist: Wer den öffentlichen Raum den Menschen zurückgeben will, der muss diesen Raum in allererster Linie den (parkenden und fahrenden) Autos wegnehmen.

3. Diese Reduktion des Autoverkehrs ist jedoch kein Verlust (wie gerade von Handel und Gewerbe oft angenommen und behauptet), sondern eine klassische Win-Win-Situation: wo sich die Menschen gern aufhalten, wird auch gern eingekauft und konsumiert.

4. Wenn die Belebung des öffentlichen Raums wirklich gelingen soll, dann muss es aber auch konsumfreie Zonen geben: Räume, die von den Menschen selbst gestaltet, selbst „bespielt“ werden können. Dafür muss Platz sein, und zwar ohne Kontrolle und Reglementierung.

5. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Eine solche Gestaltung des öffentlichen Raums kann nur mit den Menschen gelingen. „Bürger- und Betroffenenbeteiligung“ ist also eine conditio sine qua non.

6. Für die politische Umsetzung von Gestaltungskonzepten gilt: Oft sind kontinuierliche und längerfristige Überzeugungsprozesse dafür notwendig. Gerade in kleineren Städten und Gemeinden ist die Unterstützung von Seiten der Bürgermeister*innen unabdingbar.

Links und Literaturhinweise

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin 2015

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Hrsg.): Neue Freiräume für den urbanen Alltag. Modellprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“. Berlin 2009

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume. Erkenntnisse aus Klein- und Mittelstädten. Bonn 2015

ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (Hrsg.): Grüne Infrastruktur – eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung. ILS-Trends 3/15

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (Hrsg.): Strategie Stadtlandschaft Berlin. natürlich urban produktiv. Berlin 2012

Stephan Reiß-Schmidt: Der öffentliche Raum:Traum, Wirklichkeit, Perspektiven. Manuskript o.O. o.J.

Uwe Jonas / Birgit Anna Schumacher: Öffentlicher Stadtraum - Wandel und Okkupation. Online-Manuskript o.O. o.J.

Ursula Flecken / Laura Calbet i Elias (Hrsg.): Der öffentliche Raum. Sichten, Reflexionen, Beispiele. Berlin 2011

Ulrich Berding: Stadt Land Raum. Öffentliche Orte jenseits der Metropolen. Herbert Quandt-Stiftung, Bad Homburg 2015

Katrin Rittel / Laura Bredow /Eva-Regina Wanka / Dorothea Hokema / Gesine Schuppe / Torsten Wilke / Dennis Nowak / Stefan Heiland: Grün, natürlich, gesund. Die Potenziale multifunktionaler städtischer Räume. BfN-Skripten 371. Bonn 2014

Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Urbanes Grün – Konzepte und Instrumente. Leitfaden für Planerinnen und Planer. Düsseldorf 2014

Projekt "Neue Ortsmitte mit Bürgerhaus und Bücherei" in Litzendorf

Altstadtsanierung Ochsenfurt - Neugestaltung Marktplatz, Haupt- und Brückenstraße

ReferentInnen

Prof. Dr.-Ing. Doris Gstach
Fachhochschule Erfurt, Fachgebiet Freiraumplanung - Landschaftsplanung
Schlüterstraße 1, D-99089 Erfurt
Tel.: 0361/6700-445
E-Mail: doris.gstach@fh-erfurt.de  
Internet: www.fh-erfurt.de/arc/sr/ http://www.fh-erfurt.de/arc/sr/ 

Silke Klotzek
Stadtplanungsamt Bamberg, Abteilung Stadtsanierung / Stadtgestaltung
Untere Sandstraße 34, 96049 Bamberg
Tel.: 0951/87-1637
E-Mail: Silke.Klotzek@stadt.bamberg.de 
Internet: www.stadtplanungsamt.bamberg.de

Carlo Frohnapfel
Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, Kassel
Tel.: 0561/787-6113
E-Mail: carlo.frohnapfel@kassel.de

Dr. Cordelia Polinna
Polinna Hauck Landscape + Urbanism
Donaustraße 86, 12043 Berlin
Tel.: 030/80612874
E-Mail: cordelia.polinna@polinnahauck.de 
Internet: www.polinnahauck.de

Katalin Saary
Stadt- und Verkehrsplanerin, Büro Verkehrslösungen
Robert-Bosch-Straße 7, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/9509486
E-Mail: katalin.saary@verkehrsloesungen.de 
Internet: www.verkehrsloesungen.de

Prof. em. Christoph Valentien
Büro Valentien + Valentien, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner
Tulbeckstraße 39, 80339 München
Tel.: 089/519196-99
E-Mail: valentien@valentien.de 
Internet: www.valentien.de

Leonhard Valier
Stadtplaner, Büro für Städtebau und Bauleitplanung Wittmann, Valier und Partner 
Hainstr. 12, 96047 Bamberg
Tel.:  0951/59393
E-Mail: l.valier@staedtebau-bauleitplanung.de
Internet: www.staedtebau-bauleitplanung.de

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung

Regionalgruppe Bayern


Art der Veranstaltung
Fachtagung



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