Schriftgröße ändern

Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

25.10.2017 - 19:30

Neben uns die Sintflut!?

Wie und warum wir über die Verhältnisse anderer leben

Den Menschen im globalen Norden geht es gut, weil es den Menschen in anderen Weltregionen schlecht geht – dies ist die These von Stephan Lessenich. „Wir“ lagern systematisch soziale Kosten und ökologische Lasten unserer Lebensweise aus, im kleinen wie im großen Maßstab. „Wir“ leben nicht über unsere Verhältnisse. Wir leben über die Verhältnisse anderer. Und wir alle verdrängen unseren Anteil an dieser Praxis.

Der renommierte Soziologe Stephan Lessenich analysiert die Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft, deren Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen.

ReferentInnen

Prof. Dr. Stephan Lessenich
Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Autor von „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“
http://www.stephan-lessenich.de/

Veranstaltungsort
Bamberg, Kapitelsaal im Stephanshof, Stephansplatz 5


Kosten
Eintritt frei!


Partner


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion


Anmeldung nicht erforderlich.


Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

06.07.2017 - 10:00 bis 17:00

Klimaschutz und Klimawandel in den Kommunen

Herausforderungen und Handlungsansätze für Politik und Planung

Klimaschutz ist nicht nur ein Thema für internationale Konferenzen und Vereinbarungen, sondern auch und gerade für Städte und Gemeinden. Denn dort, vor Ort, wirkt sich der Klimawandel aus, sei es mit Starkregenereignissen oder mit steigenden Temperaturen. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, wo er nicht mehr aufzuhalten ist, sind deshalb ein wichtiges kommunales Handlungsfeld. Politik und Planung müssen sich darauf einstellen.

Was also können die Kommunen gegen den Klimawandel tun? Wo gibt es geeignete Ansätze, wo bereits erfolgreich praktizierte Beispiele und Modelle für gelingenden Klimaschutz? Damit wollen wir uns in dieser Tagung ausführlich befassen. Stadtentwicklung, Verkehrsplanung, kommunale Energiepolitik - das sind die wesentlichen Felder, um die es gehen wird.

Die Tagung wendet sich an alle, die fachlich und/oder politisch mit den entsprechenden Planungs- und Entscheidungsprozessen befasst sind: Planer*innen, Verwaltungsfachleute, Wissenschaftler*innen und Studierende, Kommunalpolitiker*innen, aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Verbände, Vereine und Bürgerinitiativen, die sich für den Klimaschutz engagieren.

Das Veranstaltungsfaltblatt mit den Details des Tagungsprogramms können Sie hier als PDF-Datei herunterladen. 

ReferentInnen

Prof. Dr. Oscar Reutter
Wuppertal-Institut, SRL-Vorstandsmitglied

Bernd Schott
Leiter Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz, Universitätsstadt Tübingen

Roland Stulz
Mitbegründer und Senior Experte 2000-Watt-Gesellschaft, Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Intep Integrale Planung GmbH

Norbert Zösch 
Geschäftsführer Stadtwerk Haßfurt

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut

Hans Popp
1. Bürgermeister, Merkendorf/Mittelfranken

Claus Schwarzmann
1. Bürgermeister, Eggolsheim

Franziska Holzschuh
Redakteurin, Nürnberger Nachrichten

Veranstaltungsort
Nürnberg, Tagungszentrum "eckstein", Burgstr. 1-3, Raum E.01


Kosten
60,- / 40,- Euro (inkl. Tagungsverpflegung)


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung, Regionalgruppe Bayern


Art der Veranstaltung
Fachtagung


Anmeldung


Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

06.06.2017 bis 09.06.2017

Orte guten Lebens in Bayern

Reise in eine lebenswerte Zukunft

Das "gute Leben" hat derzeit Hochkonjunktur - selbst die Bundesregierung hat ein umfangreiches Konsultationsprojekt dazu durchgeführt. Was "gutes Leben" aber konkret bedeutet, wird selten genau definiert. Klar ist: Eine intakte Umwelt, Gesundheit, nachhaltiges Wirtschaften, gerechtes Einkommen und menschenwürdige Wohnverhältnisse gehören mit Sicherheit dazu. 

Immer mehr Menschen, in zivilgesellschaftlichen Initiativen oder in der Kommunalpolitik, in Unternehmen, Genossenschaften oder Vereinen, engagieren sich mittlerweile dafür, ihre Visionen vom guten Leben ganz konkret, vor Ort, gemeinsam mit anderen, umzusetzen. Einige dieser Projekte und Initiativen besuchten wir auf unserer Bildungsreise, um die Vielfalt dieser Ansätze in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen kennenzulernen. 

Dieter Gewies (im Bild rechts), der bis 2014 18 Jahre lang Erster Bürgermeister der Gemeinde Furth (ca. 3.500 Einwohner*innen) im Landkreis Landshut war, erläuterte die kontinuierliche, sehr pragmatisch orientierte Politik, die ihm und dem Dorf 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis eingebrachte. Das langjährig entwickelte Further Nachhaltigkeitskonzept ist in acht integrierte Nachhaltigkeitsfelder aufgeteilt und stellt die zentrale Richtschnur für alle Entscheidungen dar. Der Haushalt der Gemeinde wird durchgängig nach Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt, verabschiedet und abgearbeitet. Umwelt- und sozialgerechte Beschaffung ist Grundlage für das Beschaffungswesen. 2011 wurde Furth mit dem Gütesiegel „Nachhaltige Bürgerkommune Bayern“ ausgezeichnet. Die starke Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ist Teil einer bewusst angelegten Mitmach- und Anerkennungskultur. Sie ist Grundlage der Fortschritte im Nachhaltigkeitsbereich sowie bei notwendigen Investitionen z.B. im Bereich Energiewende und Innenentwicklung.

Schon 1999 wurde beschlossen, sich zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein Hackschnitzelheizwerk, eine Biogasanlage sowie zahlreiche Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Privathäusern sorgen bereits heute dafür, dass über 80% der Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Eine groß angelegt Gewässerrenaturierung, mit der die Sünden der Flurbereinigung behoben werden konnten, hat durch die Anlage von breiten Gehölzstreifen entlang der Bäche den positiven Nebeneffekt, dass auf diese Weise auch die Versorgung des Heizwerks mit heimischem Brennstoff gesichert werden konnte.

 

In der Dorfentwicklung setzt Furth auf Flächensparen und Innenentwicklung. Im Rahmen eines breit angelegten Bürgerbeteiligungsverfahrens wurden die Pläne für eine neue Dorfmitte entwickelt und umgesetzt. Realisiert wurde eine kleinteilige Struktur von Läden und Dienstleistern (siehe Bild oben links). Trotz großen Zuzugsdrucks betreibt Furth eine restriktive Baulandausweisung.

Ein Eckpfeiler für die Further Entwicklung ist der Schwerpunkt Bildung & Erziehung, für den ein Drittel des Gemeindeetats reserviert ist. Damit ist es der Gemeinde möglich, eine Betreuungsgarantie von 1. bis zum 14. Lebensjahr zu geben. Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule (alle integrativ bzw. inklusiv organisiert) sowie Mittelschule, Hort und Gymnasium befinden sich im Ort. Außerdem gibt es zwei Universitätsinstitute. 

Andreas  Horsche (im Bild oben links), der seit 2014 als Nachfolger des aus Altersgründen nicht mehr kandidierenden Gewies sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters ist, setzt dessen Nachhaltigkeitspolitik konsequent fort. Ein Beispiel dafür ist die derzeit laufende Renaturierung des Further Baches (siehe Bild oben rechts) zwischen Punzenhofen und Obermünchen. Mit diesem Projekt werden gleich vier unterschiedliche Ziele realisiert: die ökologische Aufwertung des Gewässers, die Schaffung zusätzlicher Retentionsflächen, die Anlage eines Fahrradwegs parallel zur vielbefahrenen Straße sowie die Verlegung von Glasfaserkabeln zur Versorgung mit schnellem Internet. Eine vierfache Win-win-Situation sozusagen.

Kurzporträt von Furth (Präsentation als PDF-Datei)

Details: http://www.furth-bei-landshut.de/furth/nachhaltige-entwicklung/


„Tagwerk“, ein relativ kompliziertes Konglomerat aus Genossenschaft, Trägerverein und GmbH (siehe Folie 5 der Präsentation, die als PDF-Datei heruntergeladen werden kann), hat sich dem Motto „Bio aus der Region“ verschrieben. Wie Dr. Michael Rittershofer, der Geschäftsführer des Tagewerk e.V., ausführte, versteht es sich als regionales Netzwerk, dem gute Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung genauso wichtig sind wie der achtsame Umgang mit der Natur und das solidarische Miteinander von Verbrauchern, Erzeugern, Händlern und verarbeitenden Betrieben. Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1984 bis heute (für 2017 erwarten Genossenschaft und GmbH einen Gesamtumsatz von etwa 8 Mio. Euro) wurde ein weiter Weg zurückgelegt. Aber nach wie vor setzt Tagwerk auf regionale Produkte aus zertifizierten Betrieben und achtet auf kurze Transportwege und schonende handwerkliche Verarbeitung. Tagwerk kann vergleichsweise hohe Preise an die Erzeuger*innen zahlen. Und sehr wichtig: Für manche Anbieter*innen (mit kleinen oder unregelmäßigen Erzeugermengen, an denen die „großen“ Handelsmarken kein Interesse haben) ist Tagwerk die einzige verlässliche Abnahmealternative neben dem Direktvertrieb. Die regionale Orientierung ermöglicht es, direkte Kontakte zu den Erzeuger*innen herzustellen, Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen zu schaffen. Auch für das Tierwohl sorgt Tagwerk – von der Haltung bis zur Schlachtung in der eigenen Öko-Metzgerei.

Tagwerk versteht seine Arbeit durchaus auch als politisches und gesellschaftliches Engagement: Dazu zählen Landschaftspflege im Sinne des Arten- und Naturschutzes auf Biohöfen, der Einsatz für eine Öko-Modellregion Isental oder für einen gentechnikfreien Landkreis Erding sowie die Beteiligung an der Demo „Wir haben es satt“. Auch die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für das Unternehmen ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

Ob die Verschmelzung der GmbH und der Genossenschaft, die mit dem Umzug vom ländlichen Dorfen in das Gewerbegebiet in Garching einher ging, einen Wandel in der Grundorientierung von Tagwerk bringt (zum Beispiel im Sinne einer größeren Orientierung am „Markt“), muss wohl noch abgewartet werden.

Details: http://www.tagwerk.net/

Der Chiemgauer ist Europas wohl ältestes (seit 2003) und auch erfolgreichstes Regio-Geld. Immer mehr Menschen (derzeit etwa 3.200) bezahlen bei fast 600 mitmachenden Unternehmen in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein mit dem Chiemgauer. Der regionale Einkauf hat in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen: er stärkt insbesondere die kleineren Geschäfte vor Ort, kurbelt die regionale Wirtschaft an und bringt zusätzliches Geld in die Kassen von Vereinen und Einrichtungen mit sozialen Zielen. Das Regio-Geld (das es mittlerweile auch als „eChiemgauer“ für die elektronische Zahlung gibt) versteht sich als Ergänzung des Euro um eine regionale Komponente. Und er zielt als „alternative Geldform“ darauf ab, dass die Kaufkraft gebunden wird und die Wertschöpfung in einer eigenen Region bleibt. Auch sollen lebendige Innenstädte und Dörfer, intakte Vereinsstrukturen und ein helfendes Miteinander gefördert werden.

Wichtiges Instrument dafür ist der sog. „Umlaufimpuls“: Die Verbraucher*innen müssen ihre Scheine alle drei Monate um drei Prozent mit Klebemarken aufwerten, wenn sie nicht vorher ausgegeben wurden. Das sorgt für einen schnellen Umlauf und fördert somit die regionale Geschäftstätigkeit. Und es wird verhindert, dass der Chiemgauer spekulativ gehortet wird.

Unternehmen, die beim Chiemgauer mitmachen, „belohnen“ den regionalen Einkauf mit drei Prozent, die dem Verein oder einem sozialen Zweck gutgeschrieben werden, die jedes Mitglied selbst festlegen kann. Rund 200 mitmachende Vereine profitieren davon. In den vergangenen Jahren konnten so mehr als 280 Vereine und Projekte mit einer Summe von insgesamt über einer halben Million Euro  gefördert werden.

Christophe Levannier (Bild oben) vom Chiemgauer-Trägerverein wies in seinem Vortrag aber auch darauf hin, dass das große Interesse am Chiemgauer weit über Deutschlands Grenzen hinaus in einem eigentümlichen Gegensatz zum begrenzten Interesse in der eigenen Region stehe: Der Prophet gelte offenbar nichts im eigenen Land, man werde vor Ort eher belächelt oder gar ignoriert. Angesichts der doch eng begrenzten Wirkung kann ein Regio-Geld zwar die regionale Wirtschaft unterstützen und Projekte fördern, wohl aber kaum die ihm zugedachte Rolle als Alternative zum herrschenden Geldsystem spielen.

Weitere Details:  http://www.chiemgauer.info/

Video „Fehler im Geldsystem“

Margrit Kennedy / Bernard Lietaer: Regionalwährungen. Auf dem Weg zu nachhaltigem Wohlstand, Riemann-Verlag, 2004

Weitere Literaturhinweise: http://www.chiemgauer.info/informieren/lese-ecke-archiv/

Die Molkerei Berchtesgadener Land, die uns bei einer ausführlichen Betriebsbesichtigung von Sabine Fuchs präsentiert wurde, ist seit 1973 auch eine Bio-Molkerei (daneben wird aber immer noch und überwiegend konventionell erzeugte Milch verarbeitet) und damit eine der ersten überhaupt. Sie ist als Genossenschaft organisiert und verarbeitete im Jahr 2016 ca. 306 Mio. kg Milch. Davon waren 89 Mio. kg Bio-Milch. Sie erwirtschaftete damit einen Umsatz von über 200 Mio. Euro. Die Produkt-Palette umfasst Frischmilch, haltbare Milch, Milchmischgetränke, Joghurt, Fruchtjoghurt, Trinkjoghurt, Buttermilch, Fruchtbuttermilch, Kefir, Dickmilch, Speisequark (Topfen), Speisequarkzubereitung, Kräuter- und Fruchtquark, Schlagrahm, Sauerrahm, Schmand, Crème fraîche, Butter; laktosefreie Bio-Produkte. Die  Molkerei-Genossenschaft hat derzeit 1733 Mitglieder, davon sind 491 Bio-Bauern.

Die Molkerei verfolgt den Leitgedanken der Nachhaltigkeit und sieht im Genossenschaftsmodell die Möglichkeit, Herkunft, Nachhaltigkeit und Fairness als gesellschaftliche Werte glaubwürdig umzusetzen. Das kommt zum Beispiel in der seit 2010 verpflichtend für alle Genossenschaftsmitglieder erfolgenden natürlichen Fütterung der Kühe ohne Gentechnik zum Ausdruck. Ein weiteres Projekt, das in ähnliche Richtung zielt und vor allem den Antibiotika-Gebrauch auf ein absolutes Minimum beschränken soll, sind die von der Molkerei angebotenen Homöopathie-Schulungen für die Landwirte.

Auch in der Logistik arbeitet die Molkerei an umweltverträglichen Lösungen. Die Milch-LKWs müssen sowohl von konventionell wie auch von ökologisch wirtschaftenden Landwirten die tägliche Milchmenge einsammeln. Da der Großteil der Landwirte nur wenige Kühe hält und sie teils auf bis zu 1200 m Höhe ihren Hof extensiv bewirtschaften, sind dafür viele Einzelstrecken zurückzulegen. Da es sich um unterschiedliche Milchsorten handelt, sind die Tankwägen schrittweise mit sog. Trema-Systemen (Annahme von mehreren Milchsorten im Tankwagen) ausgestattet worden. Dadurch ist es möglich, auf einer Strecke getrennt voneinander konventionell erzeugte Milch, Naturland Bio-Alpenmilch und Demeter Bio-Alpenmilch zu erfassen, ohne unnötige Strecken zurückzulegen. So ließen sich die Touren zusammenfassen, unnötige Fahrstrecken vermeiden, Spritkosten einsparen und dadurch den CO2-Ausstoß verringern.

Details zu verschiedenen Projekten: https://bergbauernmilch.de/  

Eine Stippvisite führte uns zum „Haus der Berge“, dem Zentrum des Nationalparks Berchtesgaden, das uns von Hans Maltan vorgestellt wurde. Das Haus der Berge verbindet Informationszentrum, Bildungsarbeit und ein Außengelände, letzteres ist allerdings angemeldeten Teilnehmenden der Veranstaltungen des Bildungszentrums vorbehalten. Das – auch architektonisch ansprechende – Haus bietet vielfältige Möglichkeiten zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs in Deutschlands einzigem Alpen-Nationalpark: die preisgekrönte Ausstellung „Vertikale Wildnis“, interaktive Informationen rund um das Schutzgebiet, ein Kino im Foyer mit Naturfilmen, wechselnde Ausstellungen auf zwei Ebenen sowie eine themenbezogene Bibliothek. Rund um das Haus können auf dem Panoramaweg die vier Haupt-Lebensräume des Nationalparks erlebt werden: Wasser, Wald, Alm und Fels.

Details: http://www.haus-der-berge.bayern.de/

Die Nationalparkgemeinde Ramsau bei Berchtesgaden ist das erste Bergsteigerdorf in Deutschland (seit 2015). Bergsteigerdörfer sind Vorzeigeorte, die sich aktiv für den sanften Tourismus und den Schutz der Alpen engagieren. Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein professionelles Tourismusangebot für Bergsteiger, weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und setzen sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur- und Naturwerte ein. Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg.

Die Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer besteht auch darin, dass sie im Einklang und in selbstverständlicher Beachtung einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen und Programme das Ziel der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum verwirklichen wollen.

Dennoch ist das Etikett „Bergsteigerdorf“, wie Fritz Rasp (im Bild links, daneben Jens Badura vom berg_kulturbüro)von der Tourist-Information Ramsau betonte, kein Marketing-Instrument. Es geht dabei eher um die Einheimischen, um ihren Bezug zum Ort und ihre Identifikation damit. Ramsau hat viel zu bieten, zu allererst natürlich die Natur, die Berge. Aber auch einen funktionierenden ÖPNV, eine Gastronomie, die auf regionale Produkte setzt (zum Beispiel über feste Abnahmeverträge mit den Landwirten). Und man stellt sich den Herausforderungen des Klimawandels, so waren immense Investitionen notwendig, um den Hochwasserschutz bei Starkregenereignissen zu gewährleisten.

Eine wichtige Rolle in diesem Konzept spielt dass berg_kulturbüro im Mesnerhaus. Es versteht sich als ein Raum für Initiativen und als eine Denkwerkstatt im Bereich alpenpolitischer und -kultureller Fragen. Es zielt darauf, regional relevante Themen wie auch grundsätzliche Fragen zur Kultur und Entwicklung des Alpenraums im Resonanzraum wissenschaftlicher, politischer und kulturell-künstlerischer Zugänge konkret vor Ort zur Diskussion zu stellen. Der direkte lokale Bezug zu den Menschen, der Kultur sowie der Landschaft und Natur wird dabei genauso als notwendige Voraussetzung gesehen wie die enge Vernetzung mit regionalen Gemeinden, der Biospährenregion Berchtesgadener Land, dem Nationalpark Berchtesgaden, den Alpinen Vereinen, alpenpolitischen Organisationen und weiteren auch internationalen Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Kultur im Alpenraum.

Das berg_kulturbüro ist gleichermaßen Arbeits- und Entwicklungsraum, Dialogort und Bibliothek. Einerseits werden Projekte für den regionalen Zusammenhang konzipiert und durchgeführt – wie z.B. das Alpine Philosophicum Ramsau (Thema z.B.: „Brauchtum gestern und heute“), der monatliche berg_kulturstammtisch sowie weitere Kulturveranstaltung wie Lesungen. Andererseits werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich kultureller Wertschöpfung im deutschsprachigen Alpenraum vom berg_kulturbüro her initiiert und begleitet. 

Ganz bewusst versteht sich Ramsau als Modellbeispiel für andere Orte im Alpenraum – über die deutschen Grenzen hinaus.

Bergsteigerdorf: Wie sanfter Tourismus den Alpen hilft – Filmbericht im Bayerischen Rundfunk

Deutscher Alpenverein (Hrsg.): Ramsau b. Berchtesgaden. Nationalpark-Gemeinde am Fuße des Watzmanns. München 2015

Details: http://www.bergsteigerdoerfer.de/378-0-Bergsteigerdorf-Ramsau.html und www.ramsau.de

Michael Pelzer, der ehemalige langjährige (von 1990 bis 2014!) Bürgermeister von Weyarn, stellte dar, dass sich das umfassende Bürgerbeteiligungskonzept, das in Weyarn jetzt schon etliche Jahre praktiziert wird, aus der Suche nach neuen Wegen für die Gemeinde entwickelte. In einer Phase der Krise und Orientierungslosigkeit ging es darum, sich für ein Leitbild zu entscheiden. Die Frage „Wo wollen wir hin?“ wurde am Ende eines längeren Suchprozesses mit dem Leitbild „Ländliche Qualität erhalten!“ beantwortet. Selbstbewusstsein und Identität der Dorfgemeinschaft wurden in diesem Prozess wesentlich gestärkt.

Pelzer betonte die positiven Auswirkungen eines solchen Beteiligungsprozesses: Das politische Klima werde besser, das Vertrauen in die demokratischen Institutionen gestärkt und die Akzeptanz von Politikentscheidungen größer. Zudem könnten auf diese Weise Fehlplanungen und Fehlinvestitionen verhindert werden. Die konkrete Ausgestaltung des Beteiligungsprozesses sollte dabei die jeweilige Ausgangslage vor Ort berücksichtigen. Wichtig sei auf alle Fälle, die Eintrittsschwelle so niedrig wie möglich zu halten und eine professionelle Begleitung und Moderation des Beteiligungsprozesses zu gewährleisten. In Weyarn wird dies durch ein „Mitmach-Amt“ als Koordinationsstelle mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin getan. Information ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren von Bürgerbeteiligung: „Alle müssen alles wissen!“

Als ein konkretes Beispiel, wie ein solcher Beteiligungsprozess funktioniert, nannte Pelzer die Planung des neuen Schulgebäudes, bei dem die Schüler*innen von vornherein als entscheidender Bestandteil einbezogen wurden (z.B. mit Kindergemeinderatssitzungen). So konnten die Wünsche der Schüler*innen berücksichtigt werden, unrealisierbare Vorstellungen argumentativ bearbeitet und sogar Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Schulbauten realisiert werden.

Bertelsmann-Stiftung/Staatsministerium Baden-Württemberg (Hrsg.):  Partizipation im Wandel. Unsere Demokratie zwischen Wählen, Mitmachen und Entscheiden, Gütersloh 2014

Michael Pelzer/Theresia Benda: Nicht ohne meine Bürger. Eine Wegbeschreibung zur Bürgergesellschaft. In: Der Bayerische Bürgermeister 1/2009, S. 125-127

Details: http://weyarn.de/aktiv.htm

Satzung: http://weyarn.de/Gemeinde/Satzungen/Buergerbeteiligungssatzung.pdf

Heidrun Eberle von der Nachbarschaftsbörse am Ackermannbogen führte uns durch dieses neue Baugebiet, das auf dem Gelände der 1994 von der Bundeswehr aufgegebenen Kasernen entstanden ist. Das 36 ha große Gelände war von der Stadt München insgesamt aufgekauft worden und mit der bewährten „Münchner Mischung" überplant worden. Das heißt: zu je einem Drittel mit frei finanzierten Wohnungen, mit sozialem Wohnungsbau und dem Münchner Modell für Haushalte mit mittlerem Einkommen, die keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Mittlerweile leben im Ackermannbogen rund 6700 Menschen, 27% davon sind Kinder und Jugendliche. Im Gebiet gibt es immerhin sechs Kita-Einrichtungen.

Das Quartier ist charakterisiert durch kompakte, weitgehend mehrstöckige Wohnbebauung (siehe die drei Bilder unten als Beispiel) mit großzügigen Grünlagen und verkehrsberuhigten Bereichen. Etliche Projekte wurden von Baugemeinschaften und Wohnungsbaugenossenschaften realisiert, aber auch die stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften waren dort aktiv. Im Quartier gibt es auch einige Pflegewohnungen für ältere Menschen und – in einem anderen Haus untergebracht – einen Pflegestützpunkt. Über das gesamte Viertel verteilt sind insgesamt 10 Gemeinschaftsräume (darunter auch einer, der von außen uneinsehbar ist und deshalb gern für Angebote genutzt wird, die sich an Muslimas richten), die für kulturelle Veranstaltungen, Partys oder Kurse genutzt werden. 

  

„Urban Gardening“ (Bild unten links) findet in einem 1000 Quadratmeter großen Garten statt, der von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Auch die Investitionen für den Bau der Wege und der Gartenlaube wurden von der Stadt im Rahmen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme getragen. Die Ernte gehört denjenigen, die hier Arbeit investieren. Das Projekt wird von verschiedenen, durch die Nachbarschaftsbörse koordinierten Arbeitskreisen getragen. Der Garten ist jedoch offen für alle und nicht abgesperrt. Ob dies zu „Mitnahme-Effekten“ führen wird, muss sich noch erweisen.

 

Der Stadtplatz (Bild oben rechts) mit Einzelhandelsgeschäften und einem Brunnen (von Kindern gern als „Schwimmbad-Ersatz“ genutzt) als Mittelpunkt wird als Treffpunkt und Kommunikationsort schon gut angenommen.

Informationen der Stadt München zum Bauquartier 

Informationen zur Nachbarschaftsbörse und ihren Aktivitäten

Die wagnis eG ist eine junge Genossenschaft. Sie wurde im Jahr 2000 mit 21 Mitgliedern gegründet und verzeichnete Anfang 2017 bereits über 1.700 Mitglieder. Die Rechtsform Genossenschaft bedeutet Selbst- und Gemeinschaftsorganisation, Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Sie ist demokratisch aufgebaut. Jedes Mitglied hat unabhängig von seinen eingezahlten Geschäftsanteilen eine Stimme, das höchste Organ ist die Mitgliederversammlung. Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder vorrangig durch eine sozial und ökologisch verantwortbare und sichere Wohnungsversorgung. Dementsprechend hat die Baugenossenschaft wagnis eG das Ziel, Wohnanlagen (links im Bild: das Projekt "Wagnis 1") zu realisieren, um gemeinschaftlich verwalteten Wohnraum dauerhaft zu sichern, sozial zu binden und der Spekulation zu entziehen.

Wohnbaugenossenschaften stellen einen “Dritten Weg” zwischen den traditionellen Lösungen Eigentum und Miete dar. Typisch ist ihr Doppelcharakter als Wirtschaftsunternehmen einerseits und bewohnerorientierter Selbsthilfeeinrichtung andererseits. Das gesamte Projekt ist Gemeinschaftseigentum, in dem die Wohnenden "Mieter im eigenen Haus" sind. Sie besitzen ein lebenslanges Wohnrecht und zahlen auf Dauer günstige Mieten. Die Wohnungen sind keine Spekulationsobjekte, sondern bleiben langfristig und auch den Erben erhalten. Die Einlagen der Genossen bilden die wirtschaftliche Basis. Diese betragen etwa 30 Prozent des Gesamtinvestitionskapitals, darin enthalten sind auch die Finanzierungen für die Gemeinschaftseinrichtungen, an denen sich jeder hier wohnende Genosse beteiligt.

Rut-Maria Gollan vom Vorstand der wagnis eG erläuterte, dass jedes Projekt mit der Bildung einer Baugruppe beginnt, die über die wesentlichen Charakteristika des Baus (z.B.: Gemeinschaftsräume) beschließt. Ziel sei es, die Wohnräume auf das wirklich notwendige Maß zu beschränken und für andere Nutzungen (Werkzeuge, Hobby, Waschmaschinen, Gästezimmer usw.) gemeinschaftlich genutzte Räume vorzusehen. Aber natürlich müssen die Gebäude auf Dauer geplant werden und nicht nur für den Erstbezug. Deshalb gebe es auch eine große Bandbreite an Wohngrößen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen. Barbara Uhl (im Bild) führte uns durch das Projekt „Wagnis 4“ an der Petra-Kelly-Straße (unten links: Blick vom Dachgarten in den Innenhof), das sowohl architektonisch überzeugte als auch durch einen wunderbaren Gemeinschaftsgarten auf dem Dach des Gebäudes (Bild unten rechts) beeindruckte.

 

 

Details: http://www.wagnis.org/ 

Das Projekt „Bellevue di Monaco” in der Müllerstraße 2-6 befindet sich im Glockenbach-Viertel, im „Zentrum der Gentrifizierung Münchens”, wie Vorstandsmitglied Matthias Weinzierl (Bild links) betonte.  Begonnen hatte das Projekt mit dem Protest gegen den geplanten Abriss der renovierungsbedürftigen Gebäude in der Müllerstraße 2-6 und das damit verbundene Verschwinden des angrenzenden Bolzplatzes. Dagegen hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für den Erhalt aussprach und mit der Goldgrund-Gorilla-Renovierungsaktion auch Medienaufmerksamkeit bekam – nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung durch Prominente aus der Kulturszene. Die Abrisspläne wurden zurückgenommen. Und nach einer Ausschreibung verpachtete die Landeshauptstadt München die Häuser im April 2016 für die nächsten 40 Jahre an die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco, die Wohn- und Kulturzentrum für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge und interessierte Münchner im Herzen der Stadt München realisiert.

  

Die Entrümpelung wurde in Eigenleistung und mit ungeheurem Engagement von Freiwilligen geleistet. Momentan läuft die Renovierung der drei Häuser auf Hochtouren. Dabei kommen natürlich professionelle Handwerksbetriebe zum Zug, die sich aber verpflichtet haben, dabei auch geflüchtete im  Rahmen ihrer Möglichkeiten einzusetzen. Gleichzeitig werden bereits diverse Veranstaltungen und Aktionen organisiert. In einem provisorisch hergerichteten Teil des Gebäudes findet schon jetzt ein vielfältiges Begegnungs-, Schulungs- und Kulturprogramm statt. Synergieeffekte gibt es mit der benachbarten Glockenbach-Werkstatt (Bürgerhaus), das Kurse anbietet und über Gastronomie und Biergarten verfügt. Nach der Fertigstellung soll das Bellevue di Monaco etwa 40 Menschen Unterkunft bieten sowie mit seinen Beratungsangeboten, seinen Veranstaltungsräumen und einem großen Kulturprogramm eine zentrale Anlaufstelle zum Thema Flucht und Migration sein.

Als „Tür zur Stadt“ wird das offene Info-Café (Bild oben rechts) an der Ecke Müller-/Corneliusstraße fungieren. Der Cafébetrieb (ohne Konsumzwang!) wird gemeinsam mit Flüchtlingen organisiert und umgesetzt. Es wird niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote für Geflüchtete geben, aber auch für alteingesessene Münchner, die Hilfe anbieten oder Kontakt suchen. Im Wohnhaus Müllerstraße 6 werden in zehn Wohnungen junge geflüchtete Menschen nach der Betreuung durch die Jugendhilfe in ein selbständiges Leben begleitet. Die Wohndauer für den einzelnen Jugendlichen soll ca. 2 Jahre betragen. Das Wohnhaus Müllerstraße 4 bietet in sechs Wohnungen Raum für Geflüchtete mit besonderem Bedarf, insbesondere für Familien. Intensivere Beratungsangebote, sowie Schulungen und Kulturveranstaltungen gibt es im Hinterhaus in den Kulturräumen der Müllerstraße 2. Die Kosten werden durch einen Zuschuss der Stadt München in Höhe von 1,2 Mio. Euro plus der gleichen Summe von diversen Stiftungen finanziert.

Wesentliches Anliegen der Bellevue-Sozialgenossenschaft ist es laut Weinzierl, die Flüchtlingsproblematik ins Zentrum zu stellen: ins Zentrum der Stadt und ins Zentrum des Interesses. Deshalb engagiert sich das Projekt neben der Renovierung auch mit Informationsveranstaltungen über Fluchtursachen, der Organisation von Hilfslieferungen und anderen politischen Aktivitäten.

Details: http://bellevuedimonaco.de/

Verena Salz führte uns durch die 2010 gegründete Textilfabrik „manomama“. Deren Personalkonzept beruht vor allem darauf, Personen, die als „unvermittelbar“ gelten, einen Arbeitsplatz zu bieten: Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose, Migrant*innen etc.  Alle, die in der Produktion arbeiten, erhalten einen Grundlohn von 10 Euro pro Stunde. Die Arbeitsverträge sind unbefristet, die Arbeitszeit (zwischen 6 und 22 Uhr) ist flexibel einteilbar. Manomama hat derzeit rund 150 Beschäftigte, fast ausschließlich in der Produktion. Der Vertrieb läuft hauptsächlich über das Internet (Web-shop), daneben gibt es den Fabrikverkauf  und einen manomama-Laden in Augsburg. Außerdem gibt es Mitarbeiterinnen, die die Produkte mobil in ihrer Region verkaufen.

Die Produktion orientiert sich an den Kriterien: öko, regional und fair. Alle Rohstoffe, sofern verfügbar, kommen aus der Region. Dazu zählen Hanf, Leder, Schurwolle und Viskose. Nur die Biobaumwolle kommt aus Tansania. Auch die Weiterverarbeitungsschritte wie Spinnen, Weben, Stricken und Ausrüsten sowie alle Zutaten (Reißverschlüsse, Knöpfe, Nähfäden etc.) werden im Umkreis von 300 Kilometer von Augsburg realisiert, in Ausnahmefällen auch in anderen bundesdeutschen Regionen (NRW oder Brandenburg). Außerdem orientiert sich die Produktion (rechts ein Bild der Produktionshalle) an strengen ökologischen Maßgaben. Auch auf Chemikalien, die selbst bei Biotextilsiegeln erlaubt sind, verzichtet manomama. Die bei der Produktion anfallenden Stoffreste werden recycelt und zu neuen Stoffen verarbeitet.

Ein wesentliches ökonomisches Standbein des Betriebs ist – neben der eigentlichen Kleidungsproduktion – die Herstellung von Stofftaschen.  Auch hier wird darauf geachtet, dass nur „korrekte“ Auftraggeber beliefert werden.

Details: https://www.manomama.de/

 

Das Grandhotel Cosmopolis ist ein "gesellschaftliches Gesamtkunstwerk" im Augsburger Domviertel und will Akzente setzen für ein friedliches Zusammenleben in der modernen Stadtgesellschaft. Die dringliche Aufgabe der Unterbringung von Asylbewerbern wird hier verknüpft mit kultureller Vielfalt und vor allem mit einem Angebot zur Teilhabe für alle.

Die Diakonie ist Hauseigentümerin und kümmert sich um die Flüchtlingsberatung. Sie hat die Kosten des Umbaus vorfinanziert. Die unterschiedlichen Teilbereiche des Gebäudes werden von zwei verschiedenen Parteien gemietet. Die Regierung von Schwaben ist Mieter der Hotelbereiche mit Asyl.
Der 2013 gegründete gemeinnützige Verein Grandhotel Cosmopolis e.V., der die Idee entwickelt hat, ist Mieter des Hotels ohne Asyl, der Gaststätte, der Ateliers und der Café-Bar. Das Haus diente früher als Altenheim und stand seit 2007 leer.

 

Verschiedene Menschen kommen hier unter: Gäste auf unbestimmte und unterschiedliche Zeit – es ist eine temporäre Heimat, die keine Unterschiede zwischen ihren Bewohnern macht: Hotelgäste mit und ohne Asyl, Künstler, Besucher, Personal, Handwerker. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Motivationen und Berufen in verschiedensten Lebensumständen treffen zusammen und lassen sich vom Projekt und den Möglichkeiten inspirieren. Für Flüchtlinge – „Hotelgäste mit Asyl“ – sind auf drei Etagen jeweils neun Doppelzimmer und ein Gemeinschaftsraum bereitgestellt. Es wohnen hier überwiegend Familien, aber auch einzelne Frauen, Männer und Heranwachsende. Sie alle sind eingeladen, sich in das Projekt einzubringen, und viele tun dies auch. Die Zimmer im Bereich für Geflüchtete sind genauso groß wie die Hotelzimmer. Die Menschen, die darin – vorübergehend – leben, können ihre Bleibe selbst gestalten. Mit der Folge, dass Vandalismus im Cosmopolis ein echtes Fremdwort geblieben ist. Es gibt hier auch keinen „Sicherheitsdienst“.

Die Hotelgäste – „Hotelgäste ohne Asyl“ – sind am ehesten mit den Nutzergruppen eines großstädtischen Hostels zu vergleichen. Neben den 12 individuell von Künstlern gestalteten Doppelzimmern (ein Beispiel im Bild oben rechts) mit Waschgelegenheit gibt es im Erdgeschoss noch weitere Vier-Bett-Zimmer. Das Angebot richtet sich an internationale (Kultur-)Reisende, Künstler, Neuaugsburger. Die bei der Umgestaltung genutzten Möbel und Materialien stammen aus Spenden und Häuserräumungen. Nachhaltigkeit und Upcycling sind fester Bestandteil der Konzeption. Viele Menschen bringen ihre Erfahrung ein. Das Motto ist – so Peter Fliege (Bild oben links) -: „Nichts ist unmöglich!“

Bei der Renovierung und jetzt im Betrieb engagier(t)en sich sehr viele Freiwillige, die das Projekt so, wie es jetzt funktioniert, erst möglich machen. Dennoch sind natürlich auch feste Angestellte notwendig, um die Kontinuität des Betriebs zu gewährleisten. Gegenwärtig sind das 12 Angestellte, fünf Praktikant*innen, ein Auszubildender. Außerdem werden Sozialstunden im Cosmopolis abgeleitet. Aus Spenden wird die Rechtsberatung für Geflüchtete finanziert sowie Mikrokredite für Geflüchtete, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten.

 

Unsere Gruppe lässt sich das Essen im Grandhotel schmecken - kein Wunder angesichts des gut gelaunten Küchen-Teams.

Das Grandhotel versteht sich aber nicht als „Geflüchteten-Projekt“, sondern als ein gesellschaftlich relevantes Projekt, weil es sich mit Thematiken befasst, die für alle relevant sind.

Details: grandhotel-cosmopolis.org/de/

Angesichts der Vielfalt der Projekte, die wir auf unserer Reise besucht haben, fällt es schwer, ein allgemeines Fazit zu ziehen. Drei Punkte lassen sich dennoch festhalten:

1. Wir haben eine Vielzahl von Menschen kennen gelernt, die mit immensem Engagement daran arbeiten, in je verschiedener Weise dazu beizutragen, eine nachhaltige, eine lebenswerte Zukunft, eben ein gutes Leben zu ermöglichen. Das war sehr ermutigend, sehr motivierend - auch und gerade für eigene Projekte in dieser Richtung.

2. Interessant: viele der Projekte haben die Gesellschaftsform der Genossenschaft gewählt, um ihre Projekte umzusetzen. Die Genossenschaften erleben nicht von ungefähr seit etlichen Jahren einen enormen Aufschwung, weil sie es erlauben, wirtschaftliches Handeln mit Selbstorganisation und demokratischer Kontrolle zu verbinden.

3. Natürlich haben all diese Projekte, vor allem wenn sie sich in die Marktkonkurrenz mit profitorientierten Unternehmen begeben (müssen), ihre Grenzen - das war vor allem beim "Tagwerk" und bei manomama zu erkennen. Dies sollte jedoch nicht den einzelnen Projekten als Defizit angekreidet werden, sondern eher dazu führen, über die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen solcher Unternehmungen kritisch nachzudenken.

ReferentInnen

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut
E-Mail: dieter.gewies@gmx.de

Andreas Horsche
1. Bürgermeister, Gemeinde Furth
Am Rathaus 6, 84095 Furth 
Tel: 08704/9119-27
E-Mail: andreas.horsche@vg-furth.de

Dr. Michael Rittershofer
Algasing 1, 84405 Dorfen
Tel.: 08081/9379-50
E-Mail: michael.rittershofer@tagwerk.net

Christophe Levannier
1. Vorstand, Chiemgauer e.V.
Gapstr. 6, 83278 Traunstein
Tel.: 0861/20995380
E-Mail: levannier@chiemgauer.info 

Sabine Fuchs
Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG
Hockerfeld 5-8, 83451 Piding
Tel.: 08651/7004-0
E-Mail: info@molkerei-bgl.de

Hans Maltan
Nationalparkzentrum "Haus der Berge"
Hanielstraße 7, 83471 Berchtesgaden
Tel.:  08652/979060-0
E-Mail: hausderberge@npv-bgd.bayern.de 

Fritz Rasp
Tourist-Information Ramsau
Im Tal 2, Haus des Gastes, 83486 Ramsau
Tel.: 08657/98 89 20
E-Mail: info@ramsau.de

Jens Badura
Im Tal 78, 83486 Ramsau
08657/1394008
E-Maijens.badura@bergkulturbuero.org

Michael Pelzer
Schwimmbadstr. 19, 83620 Feldkirchen-Westerham
Mobil: 0172-8555766
E-Mail: michael.pelzer@hotmail.com

Heidrun Eberle
Ackermannbogen e.V. 
gemeinnütziger Verein für Nachbarschaft, Umwelt, Kultur
Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9, 80797 München
Tel.: 089/30749634
E-Mail: nachbarschaftsboerse@ackermannbogen-ev.de

Rut-Maria Gollan / Barbara Uhl
Wohnbaugenossenschaft wagnis eG
Petra-Kelly-Str. 29, 80797 München
Tel.: 089/18911650
E-Mail: wagnis@wagnis.org und rut.gollan@wagnis.org

Matthias Weinzierl
Bellevue di Monaco eG - Gemeinnützige Sozialgenossenschaft
Müllerstr. 2, 80469 München
Tel.: 089/5505775-0
E-Mail: info@bellevuedimonaco.de und m.weinzierl@bellevuedimonaco.de

Verena Salz
manomama GmbH
Willy-Brandt-Platz 1a, 86153 Augsburg
Tel.: 0821/567428-0
E-Mail: service@manomama.de

Peter Fliege
Grandhotel Cosmopolis e.V.
Springergässchen, 86152 Augsburg
Tel.: 0821/45082411
E-Mail: willkommen@grandhotel-cosmopolis.org 

Veranstaltungsort
Start: Landshut | Ende: Augsburg


Partner

GRIBS-Bildungswerk


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

22.05.2017 bis 01.06.2017

Nachhaltigkeitstage

 

Die Nachhaltigkeitstage verfolgen das Ziel, möglichst vielen Menschen einen theoretischen sowie auch praktischen Input, in Form von Vorträgen, Workshops und Filmvorführungen zu ökologischen Zusammenhängen in der aktuellen Debatte bieten. Es soll politisch gebildet und aufgeklärt werden. Die Veranstaltungsreihe gibt Einblicke in die vielfältigen Bereiche einer nachhaltigen Entwicklung beispielsweise zum Thema Konsum, Tierethik und Ernährung, setzt dabei aber auch Themen wie Feminismus, die neue Rechte und Kapitalismuskritik in den Kontext ökologischer Entwicklung. Dabei dreht es sich vor allem um die Frage wie wir unsere Gegenwart und Zukunft gestalten und gleichzeitig Schäden für Natur und Umwelt verringern können.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungsflyer und auf der Veranstaltungsseite evensi.

ReferentInnen

Anne Köthke
Aktionsgruppe Globale Gerechtigkeit - AG3
Sabine Leistner
Regensburger Fair-Trade-Town-Steuerungsgruppe
MatoshiMo
Künstler
Tom
Das Tierbefreiungsarchiv
Christa Wichterich
femme-global.de

Veranstaltungsort
Regensburg


Kosten
Eintritt frei!


Partner

AK Ökologie der Uni Regensburg


Art der Veranstaltung
Veranstaltungsreihe



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

05.05.2017 bis 06.05.2017

Mobilität für alle: digital - elektrisch – multimodal!

Verkehrspolitische Perspektiven für die Kommunen

Die Verkehrspolitik war und ist eines der umstrittensten kommunalen Politikfelder überhaupt. Um so wichtiger ist es, Konzepte und Modelle zu präsentieren, die eine umweltverträgliche und menschenfreundliche Mobilität für alle gewährleisten. Gegenwärtig befindet sich der Mobilitätssektor in einem spannenden Wandlungsprozess, den es - auch und gerade in den Kommunen - zu gestalten gilt. Dazu zählen nicht nur die rasante Entwicklung der E-Mobilität und die Folgen der Digitalisierung, sondern auch Veränderungen beim Mobilitätsverhalten. In der jüngeren, urbanen Generation spielt das Auto nicht mehr die zentrale Rolle, sondern die Nutzung vieler unterschiedlicher Verkehrsmittel. Diese „multimodale“ Orientierung muss auch in der Verkehrspolitik in den Vordergrund rücken. Unsere Tagung befasste sich vor diesem Hintergrund mit aktuellen Perspektiven und Ansatzpunkten, wie Mobilität effektiv, bequem und nachhaltig organisiert werden kann. Ein gut ausgebauter ÖPNV, bessere Bedingungen für den Radverkehr und die Gestaltung des öffentlichen Raums für alle Verkehrsteilnehmer*innen standen dabei im Mittelpunkt.

Andreas Knie betonte, dass selbst in den USA, also in dem Land mit der größten Autoaffinität, mittlerweile die Zahl der zurückgelegten Autokilometer sinkt. Knie sieht deshalb ein „Ende des Autowahns“ bevorstehen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen in Deutschland die Multimodalität ständig zunimmt und die alleinige Nutzung des Autos deutlich gesunken ist.

Allerdings gibt es für dieses Ende noch allerlei Hindernisse, denn – so Knie – „wir haben alles dafür getan, dass es so kommt“. Eigenes Haus, eigenes Auto – die gesamte Infrastruktur und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen (Stellplatzverordnungen z.B.) seien komplett autofixiert. So ist es nicht verwunderlich, dass es für Verhaltensänderungen immer noch ein riesiges Potenzial gibt. Nur als Beispiel: Während die Gesamtverkehrsleistung in Deutschland bei 1,2 Billionen km pro Jahr liegt, ist der Anteil von Bike- und Car-Sharing mit 700 Millionen km immer noch sehr gering.

Das Smartphone ist mittlerweile zum wichtigsten technischen Gerät geworden – was auch die mentalen Strukturen seiner Nutzer*innen ändert. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Mobilität: Das Smartphone wird zum digitalen Schlüssel der intermodalen Welt. Dementsprechend muss der ÖPNV umgebaut werden: Mit einer App muss alles machbar sein, fordert Knie, alle Mobilitätsformen müssten netztauglich werden. Derzeit steht einer solchen Entwicklung v.a. der Datenschutz im Weg. Knie: „Datenschutz ist gut und wichtig. Wir brauchen aber einen anderen Datenschutz.“

Ein Gesetz wie das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) mit seinen detaillierten Regelungen (Konzessionen, Lizenzen etc.) seien da nur noch hinderlich: „Mit dem PBefG wird es keinen ÖPNV der Zukunft geben.“ Auch die öffentlichen Verkehrsbetriebe haben die Chancen der Digitalisierung bislang weitgehend verschlafen.

Knies Ziel ist eindeutig: „Wir wollen die Leute davon überzeugen, dass es überhaupt keinen Sinn macht, ein eigenes Auto zu besitzen.“ Nur vor diesem Hintergrund und in diesem Zusammenhang kann auch das „autonome Fahren“ Bestandteil eines multi- und intermodalen Mobilitätssystems sein: nämlich nicht als Hilfsmittel für individuelles Fahren im Privat-Auto, sondern als Teil eines öffentlichen Verkehrssystems: das elektrische Bestellauto, das automatisch dorthin fährt, wo es gebraucht wird. Im Mittelpunkt eines solchen Systems würde dann wohl nicht mehr die Bereitstellung und der Betrieb stehen, sondern eher die Vermittlung und Abrechnung von Fahrten.

Ein extremes Hindernis für derartige Mobilitätsoptionen stellt laut Knie die derzeitige Form der Parkraumbewirtschaftung dar: Sie stellt der privaten Autobesitzern den öffentlichen Raum zu unvergleichlich billigen Preisen, oft sogar unentgeltlich, zur Verfügung, während andere Mobilitätsformen, das nicht standortgebunden Car-Sharing zum Beispiel, finanziell „abgeschöpft“ werden und entsprechende Geschäftskonzepte erheblich verteuern.

(Präsentation als PDF-Datei)

Thomas Balser erläuterte Ziele und  Funktionsweise des Baden-Württemberg-Tarifs, mit dem bis 2018 die Fahrt mit einem Ticket über die Grenzen der jeweiligen Verbundgebiete hinaus ermöglicht werden soll – unabhängig von Start, Ziel, Verkehrsunternehmen und Verkehrsmittel. Was zunächst einfach klingt, wird durch die Situation in BaWü sehr erschwert: Dort gibt es nämlich ein schwer verständliches Tarifgeflecht mit 22 Verbundtarifen, über 50 Tarifangebote im Verkehr zwischen den Verbünden sowie die „Haustarife“. Zusätzlich sollen mit dem neuen Tarif eine gerechte Aufteilung der Einnahmen zwischen den beteiligten Verkehrsunternehmen erreicht und die Voraussetzungen für die Einführung innovativer Vertriebsformen (E-Ticketing) geschaffen werden.

(Präsentation als PDF-Datei)

Jens Marco Scherf stellte die Schwierigkeiten und Lösungsansätze dar, mit denen er sich als Landrat des Kreises Miltenberg bei dem Versuch auseinanderzusetzen hat, auch in einer ländlichen Region Mobilität für alle herzustellen. Für ihn ist Mobilität mehr als der Betrieb einiger  Buslinien, sondern ein Querschnittsthema. So kann der ÖPNV für junge Menschen eine Region attraktiv machen und ihre Bindung an diese Region sichern. Für ältere Menschen ermöglicht er Teilhabe abseits vom Auto und ohne Barrieren. Und natürlich spielt Mobilität für Beruf, Freizeit und Tourismus eine wichtige Rolle.

Unabhängig von den Problemen, die die unzureichenden Rahmenbedingungen in Land und Bund mit sich bringen, kann jedoch auch auf kommunaler Ebene einiges in Bewegung gebracht werden. Klassisches Instrument hierfür ist der Nahverkehrsplan. Dabei geht es nicht nur um die originären Zuständigkeiten wie den Busverkehr, sondern auch um die Herstellung von barrierefreien Haltestellen und die Vernetzung von Bus, Rad und Schiene. Die unterschiedlichen Anforderungen von Berufsverkehr und Tourismus sind zu berücksichtigen und die Unternehmens-Mobilität zu integrieren und zu nutzen. Wichtig auch: ein landkreisweites Radwegekonzept. Im Landkreis Miltenberg kommt bei diesen Aufgaben erschwerend die geografische Situation dazu, dass der Landkreis es mit drei Verkehrsverbünden in drei Bundesländern zu tun hat. Wichtiges Ziel der ÖPNV-Politik des Landkreises ist die Kundenbindung, die über verschiedene Ticket-Angebote erreicht werden soll: von der ÖPNV-Flatrate per Netzkarte über das ab 14 Uhr gültige U20-Ticket bis hin zu Seniorenangeboten.

(Präsentation als PDF-Datei)

Anja Sylvester präsentierte gleich zwei Praxisbeispiele für eine Stärkung des ÖPNV im ländlichen Raum. Der kombiBUS ist ein „Retro-Projekt“, der - ähnlich wie früher die Post-Busse - die Gütermitnahme im Linienverkehr ermöglicht. Dieses Projekt wurde im Rahmen des BMI-Modellvorhabens „Daseinsvorsorge 2030“ in der brandenburgischen Uckermark realisiert. Seit 2014 wird auf diese Weise der konventionelle ÖPNV gestärkt, weil durch die Gütermitnahme zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden. Der kombiBus ist gleichzeitig praktizierte Wirtschaftsförderung, die die Strukturen der lokalen Wirtschaft stärkt.

Neben der Agrarbranche, die damit taggleiche Lebensmitteltransporte abwickelt, sind die Hauptkunden des kombiBusses die Logistikbranche (die zunehmend unrentable Transportleistungen dorthin verlagert) und der Versandhandel (e-Commerce mit zunehmend kleinen  und leichteren Sendungen) die Hauptnutzer. Seit Oktober 2016 sind auch zwei Postdienstleister Kunden des kombiBusses. Und auch im Tourismusgewerbe wird der Bus für Gepäcktransporte (z.B. von Wanderern und Radfahrenden) genutzt. Mittlerweile wird das System auch in anderen Landkreisen Brandenburgs und Thüringens umgesetzt.

(Präsentation zum kombiBus als PDF-Datei)

Beim Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ geht es um die Stärkung der Nahmobilität in einer ländlich strukturierten Region.  Das Ziel dabei: Die Nutzungsmöglichkeiten des ÖPNV sollen spürbar verbessert werden durch ein ganztägiges regelmäßiges Angebot, das eine Bedienung auch in Tages- und Wochenrandzeiten frühmorgens sowie spätabends und am Wochenende flächendeckend durch ein dichteres Haltestellennetz, die direkte Bedienung von Schulen, Wohngebieten, Gewerbegebieten, Kliniken, Freizeiteinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten ermöglicht. Die verschiedenen ÖPNV-Systeme in der Region sollen verknüpft  und somit die Qualität des Angebotes verbessert werden:  neue Verbindungen entstehen. Dadurch werden bessere Verbindungen nach Leipzig sowie zu den Mittel- und Unterzentren geschaffen. Insgesamt hat das Projekt Vorreiterfunktion und Vorbildwirkung für weitere Regionen im Freistaat Sachsen.

Im Detail sieht dies so aus: Das neue Regionalbusnetz und die 4 Stadtbussysteme führen zu einem verbesserten Nahverkehrsangebot in der Region. Die beiden Systeme ergänzen sich gegenseitig. Das System, das am 7. August 2017 in Betrieb gehen wird, zeichnet sich durch eine Optimierung der Anschlüsse zwischen Zug und Bus sowie Bus und Bus durch Bildung von Knoten im „Integralen Taktfahrplan“ aus. Die Fahrzeuge treffen sich zur „Symmetrieminute“.

(Präsentation zum Muldental als PDF-Datei)

Thiemo Graf betonte sehr nachdrücklich, dass es durchaus möglich sei, Radfahren von 8 bis 80 als realistisches Szenario umzusetzen. Voraussetzung dafür sei aber zum einen eine echte Priorisierung der Radverkehrsförderung. Und zum anderen eine Rücksichtnahme auf subjektive Aspekte: „Wer eine Verhaltensänderung bei der Verkehrsmittelwahl erreichen möchte, muss mit den Ängsten rechnen, die dem entgegenstehen.“

Graf plädierte für eine auffallende und sichtbare Radinfrastruktur, die zum Radfahren einlädt. Wer eine sichere Umgebung für das Radfahren schaffe, könne durch positive Erlebnisse seitens der Radfahrerenden damit rechnen, dass sich Gewohnheiten ausbilden, dass das Radfahren als eingeübtes Verhalten gestärkt werde. Als Beispiel hierfür nannte er das Kreuzungsdesign für Radwege in Holland sowie den Winterdienst in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen: Dort werden bei Schneefall zuerst immer die Radwege geräumt.

Wichtig ist auch eine spürbare Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten der Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.  Das bedeutet aber auch: deutliche Verringerung der Kfz-Parkplätze und Reduzierung der Fahrspuren für den Autoverkehr.

(Präsentation als PDF-Datei)

Susanne Lender-Cassens stellt Ziele und Funktionsweise der 2012 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V.“ (AGFK) dar. Das sind vor allem die systematische Förderung der Nahmobilität, insbesondere des Radverkehrs, sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Es geht um die Förderung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur und damit von mehr Lebensqualität vor Ort. Dazu trägt der Austausch unter den Kommunen bei. Durch das AGFK-Netzwerk ist es möglich, von den Erfahrungen anderer Mitgliedskommunen zu profitieren und die eigenen Potenziale für mehr Fahrradverkehr auszuschöpfen. Susanne Lender-Cassens sah wie auch andere Teilnehmende aus AGFK-Mitgliedskommunen einen wesentlichen Sinn der Mitgliedschaft darin, dass der Radverkehr vor Ort auch in Kommunen gefördert werde, in denen dieses Thema bislang eher „unterbelichtet“ war.

(Präsentation als PDF-Datei)

Katalin Saary zeigte auf, wie sich die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern und so „Straßen für alle“ schaffen lassen. Wer den öffentlichen Raum als Orte zum Bewegen und Ausruhen, zum Feiern, zum Spielen und Schauen machen wolle, müsse aber notwendigerweise die Zahl der Autos (fahrend und parkend) deutlich reduzieren. Neue Qualitäten stellen sich nur ein, wenn die Flächen „fair“ verteilt werden. Dies ist auch Voraussetzung für lebendige Orte und stärkt die lokale Wirtschaft.

Nutzungsmischung ist eine wesentliche Voraussetzung für Nahmobilität. Die Verkehrsinfrastruktur dafür muss aus attraktiven, sicheren und barrierefreien Wegenetzen für den Fuß- und Radverkehr bestehen. Wichtig ist es, die Bürger*innen auf diesem Weg „mitzunehmen“. Bürgerinformation und Beteiligungsprozesse sollten selbstverständlich sein und sind die Voraussetzung für Akzeptanz und aktive Unterstützung seitens der Bürgerschaft.

Um ein Gleichgewicht zwischen Verkehrsraum und Lebensraum herzustellen, müssen die Ansprüche aller Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob sie mit dem Auto, zu Fuß oder dem Rad unterwegs sind, ob als Kind oder mit Mobilitätseinschränkungen. Das Dilemma dabei ist klar: Die Flächen im öffentlichen Raum einer bebauten Stadt sind begrenzt und nicht beliebig erweiterbar. Diese Flächen müssen „fair“ geteilt werden! Dazu können der Abbau der räumlichen Trennungen der Verkehrsarten und die Minimierung von Schildern und Markierungen beitragen – auch wenn das in Deutschland straßenverkehrsrechtlich nicht so einfach ist wie in Nachbarländern, in denen Shared Space und Begegnungszonen schon eingeführt sind.

(Präsentation als PDF-Datei)

Silke Klotzek erläuterte an mehreren Beispielen, wie es in Bamberg gelungen ist, durch die Gestaltung des öffentlichen Raums neues Leben in die alte Stadt zu bringen. Die Rahmenbedingungen dafür sind im Weltkulturerbe Bamberg mit seinen rund 72.000 Einwohner*innen, 13.000 Studierenden und rund sieben Millionen Tagestouristen pro Jahr durchaus anspruchsvoll. Mit der (mitten in der Altstadt unterhalb des Doms gelegenen) Sandstraße wurde durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs und die Neuordnung des Straßenraums eine Voraussetzung für das Aufblühen eines ganzen Straßenzugs geschaffen: Tagesgastronomie, die Neueröffnung von Ladengeschäften sowie eine Vielzahl von Aktivitäten, die vor allem durch zivilgesellschaftliche Initiativen getragen werden, waren die Folge. Ähnliches war schon mit der parallel zur Fußgängerzone verlaufenden Austraße gelungen, die in eine FGZ umgewandelt wurde, in der Radverkehr ganztägig erlaubt ist. Eine deutliche Aufwertung und Belebung war die Folge.

Ebenso erfolgreich war die Neugestaltung der Kettenbrücke, der Verbindung von Gärtner- und Inselstadt, die jetzt Shared-Space-Charakter hat und von den Menschen sogleich als Aufenthaltsraum angenommen wurde. 

(Präsentation als PDF-Datei)

Die Kettenbrücke war auch das Ziel der abschließenden Exkursion: Bei herrlichem Sonnenschein und Eis vom Italiener konnten die Teilnehmenden der Tagung das Flair dieser Begegnungszone „live“ erleben.

Fotos: Wolfgang Schmidhuber (CC BA-SY 3.0)

 

Links - Adressen - Literatur:

Weert Canzler/Andreas Knie: Die digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten. oekom Verlag 2016

Thiemo Graf: Handbuch: Radverkehr in der Kommune. Nutzertypen, Infrastruktur, Stadtplanung, Marketing, Les éditions Bruno, 2016 

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin 2015 

Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.
Geschäftsstelle:
Tel.: +49 (0)9131/86 2419
E-Mail: info@agfk-bayern.de
Internet: www.agfk-bayern.de

Fahrrad-Portal: Nationaler Radverkehrsplan

ReferentInnen

Prof. Dr. Andreas Knie
Leitung der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ)
Tel.: 030/23 88 84-101
E-Mail: andreas.knie@innoz.de
Internet: https://www.innoz.de/de 

Thomas Balser
Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, Kompetenzzentrum Landestarif
Tel.: 0711/23991-115
E-Mail: balser@nvbw.de

Jens-Marco Scherf 
Landrat, Landkreis Miltenberg
Brückenstraße 2 
63897 Miltenberg 
Tel: 09371/501-402 
E-Mail: landrat@lra-mil.de  / buero-landrat@lra-mil.debuero-landrat@lra-mil.de

Anja Sylvester
Dipl.-Geografin, Interlink GmbH Berlin
Tel.: 030/20913972
E-Mail: sylvester@interlink-verkehr.de
Internet: http://www.interlink-verkehr.de 

Thiemo Graf
Geschäftsführer Institut für innovative Städte, Kreisrat Nürnberger Land, Stadtrat und 3. Bürgermeister, Röthenbach an der Pegnitz
Alter Kirchenweg 27
D-90552 Röthenbach a. d. Pegnitz
Tel.: 0911/953398-65
E-Mail: team@innovative-staedte.de
Internet: www.innovative-staedte.de 

Susanne Lender-Cassens
Bürgermeisterin, Referentin für Umwelt, Energie, Gesundheit, Sport und Soziokultur, Erlangen

Katalin Saary
Dipl.-Ing., Verkehrsplanerin, Büro Mobilitätslösung,  Darmstadt
Tel.: 06151/9509486
E-Mail: katalin.saary@mobilitaetsloesung.de
Internet: www.mobilitaetsloesung.de

Silke Klotzek
Stadtplanungsamt Bamberg, Abteilung Stadtsanierung / Stadtgestaltung
Untere Sandstraße 34, 96049 Bamberg
Tel.: 0951/87-1637
E-Mail: Silke.Klotzek@stadt.bamberg.de
Internet: www.stadtplanungsamt.bamberg.de

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.
Letzengasse 13a
9605 Bamberg
bildungswerk@gribs.net


Art der Veranstaltung
Fachtagung



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

08.03.2017 - 10:00 bis 16:00

„Welche Landwirtschaft macht uns alle in Zukunft satt: „intensiv...

 

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Weltbevölkerung ist es eine der drängendsten Fragen, mit welcher Form der Landwirtschaft und Ernährung möglichst alle Menschen satt werden. Die weltweite Intensivierung der Landwirtschaft ist keine Lösung, weil bereits jetzt ihre Kollateralschäden und externen Kosten (Verlust der Biodiversität, Nitratbelastung des Grundwassers, zu hoher Einsatz von Pestiziden und Stickstoffdünger usw.) zu hoch sind.

Die „High-Input-Landwirtschaft“ ist zudem fast immer mit Wachstum und Verdrängung kleinerer Betriebe verbunden. Der Weltagrarbericht aber betont die Wichtigkeit des Erhalts und der Stärkung vieler bäuerlicher Betriebe und Kleinproduzenten hier und weltweit.

Den Programmflyer können Sie hier herunterladen.

ReferentInnen


Katrin Wenz
wiss. Mitarbeiterin Agrarpolitik, Bund für Umwelt u. Naturschutz Deutschland - BUND

Marion Ruppaner
Agrarreferentin Bund Naturschutz in Bayern - BN

Berit Thomsen
AbL - Referentin für internationale Agrarpolitik

Dr. Nikola Patzel
Umweltwissenschaftler und Psychologe

Konrad Schmid
Ltd. Ministerialrat, BayStMELF, Leiter der Abt. für Grundsatzfragen der Agrarpolitik

Veranstaltungsort
Ampfing, Gasthof Ampfinger Hof, Marktplatz 16


Kosten
12,- Euro / 10,- Euro (Mitglieder) (Mittagessen und Getränke sind selbst zu bezahlen)


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

20.02.2017

Steuergeschenke für den Diesel: Wie der Staat die Luftverschmutzung...

 

Fast die Hälfte aller Autos, die in den letzten Jahren in Deutschland neu zugelassen wurden, hatte einen Dieselantrieb. Das muss niemanden wundern: Schließlich wird Dieselkraftstoff hierzulande deutlich geringer besteuert als Benzin und ist damit an der Tankstelle günstiger.

Aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht zu Unrecht: Dieselfahrzeuge gehören zu den größten Luftverschmutzern in Deutschlands Städten und sind im Durchschnitt aller Neufahrzeuge nicht klimafreundlicher als Benziner. Auch die anderen Steuern im Straßenverkehr erfüllen ihre Ziele kaum. Die Steuerbefreiung von Euro-6-Dieseln verpuffte wirkungslos, weil kaum einer der Motoren in der Realität die geforderten Grenzwerte eingehalten hat. Und auch durch die Tricksereien beim CO2-Ausstoß entgehen dem Staat jährlich Steuereinnahmen in Milliardenhöhe, ohne dass das Klima oder die Atemluft besser würden.

Diese Thesen beleuchtete Alexander Mahler in seiner Präsentation, die Sie hier herunterladen können.

Energiewende im Verkehrssektor

Ziel der Bundesregierung ist, die Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 80-95% zu vermindern. Dieses Reduktionsziel betrifft alle Prozesse. Zwischen 1990 und 2012 haben alle anderen Sektoren mehr eingespart als der Verkehrsbereich – so haben z.B. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ein Minus von 48% erreicht! Beim Verkehr sind es lediglich minus 6%. Ursache sind die gestiegenen Personenkilometer und ein sich exorbitant vermehrender Güterverkehr. Effizienzfortschritte in der Fahrzeugtechnik werden hierdurch weitgehend kompensiert. Fazit aller Studien: Bisher wurden alle Ziele nicht ernst genommen und daher verfehlt. Wie kann die Wende gelingen?  

  • Vermeiden (weniger Straßenverkehr)
  • Verlagern (ÖPNV, Schiene)
  • Verbessern (Effizienzsteigerung, neue Technologien).  

Machen es andere Länder besser? Ja, aber mit unterschiedlichen Mitteln. Z.B. höhere Kraftstoffsteuer, höhere LKW-Maut, City-Maut, weniger Subventionen, Flottengrenzwert, Tempolimits, Zugangsbeschränkungen, Investitionen in Schiene und ÖV, Fahrrad-Infrastruktur, Förderung F+E.

Eine interessante Information am Rande: Bis 2050 wird der Luftverkehr über Deutschland zum größten CO2-Emittenten werden. Dies ist besonders deshalb kritisch, weil sich bei Flugzeugen alternative Antriebsmittel bzw. Treibstoffe kaum werden finden lassen. Bio-Treibstoff sollte daher möglichst dort und nicht im Straßenverkehr verwendet werden. 

Externe Kosten und Kraftstoffe im Vergleich

Externe Kosten  sind nicht kompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer. Die Kosten der Nebenwirkungen werden also nicht vom Verursacher getragen.  

Leider wurde in der Vergangenheit beim Vergleich der externen Kosten von Diesel und Benzin stets nur der Verbrauch und die CO2-Emission herangezogen. Rechnet man jedoch die externen Kosten durch Stickoxide (NOX) hinzu, so schneidet der Diesel um ca. 20% schlechter ab (ca. € 1,90 zu € 2,40 pro gefahrenem Kilometer). Stickoxide sind insbesondere verantwortlich für Gesundheitsschäden (Herz/Kreislauf, Atemwege, Allergien) sowie Biodiversitätsverluste. Faustformel: Auf jeden Euro, den der Bürger für das Autofahren ausgibt, muss die Allgemeinheit mindestens einen weiteren Euro externer Kosten drauflegen.

Mag der CO2-Ausstoß pro Kilometer in der EU immer niedriger geworden sein - zwischen Diesel und Benzin besteht heute kein Unterschied mehr bei der CO2-Emission. Denn die Leistung und das Gewicht der Fahrzeuge (mit Schwerpunkt in der Oberklasse, bei Geländewagen und SUV) liegt bei Dieselfahrzeugen deutlich höher als bei Benzinern. Hinzu kommt, dass beim Dieselmotor die Potentiale zur Verbesserung nahezu ausgeschöpft sind, beim Benzinmotor noch keineswegs! Und: Die Dieselnachfrage kann schon längst nicht mehr aus dem Inland gedeckt werden. 

Steueraspekte

Die Steuersätze für Treibstoff sind seit 2003 unverändert. Da die Benzin- und Dieselsteuer eine Mengensteuer ist (also ein fester Betrag pro Liter) ist ihr fiskalischer Wert heute wesentlich geringer als 2003 – bedingt durch die Inflation.  

Darüber hinaus werden die Abweichungen von Soll-Verbrauch (laut Herstellerangabe und daher für die Steuer maßgeblich) und Ist-Verbrauch immer größer. Zwischen 90% und 100% der Fahrzeuge verbrauchen (deutlich) mehr als angegeben. Der Grund liegt in „idealisierten“ Testverfahren der Hersteller, bei denen unter unrealistischen Bedingungen gemessen wird. Allein deswegen sind dem Staat zwischen 2010 und 2015 ca. € 3,3 Mrd. entgangen. Zusammen mit der Dieselförderung sowie Zuschüssen für Dieselfahrzeuge  ergibt sich ein (umweltschädliches) Fördervolumen von € 19 Mrd. 

Forderungen

Wesentliche Forderung des FÖS ist, mehr Logik in die Besteuerung zu bringen: Schädlicher Treibstoff muss höher besteuert werden. Da außerdem das reale (!) Aufkommen aus der Kraftstoffbesteuerung seit Jahren sinkt, sollte dieser Rückgang kompensiert werden. Hierfür wäre – nur um auf den Stand von 2003 zu kommen – eine Erhöhung der Benzinbesteuerung um 12 Cent und der Dieselbesteuerung um 9 Cent nötig. Zudem sollte man dem Vorbild von Staaten wie den Niederlanden, Schweden oder Dänemark folgen und die Kraftstoffsteuer indexieren, die Steuer also prozentual und nicht auf den Liter bezogen erheben. Mehreinnahmen durch diese Steuern müssen durch Verminderung anderer Steuern (z.B. auf Arbeit) an die Bürger zurückfließen. 

ReferentInnen

Alexander Mahler
Stellvertretender Geschäftsführer sowie Leiter Verkehrs- und Agrarpolitik des FÖS 

Veranstaltungsort
München


Partner

FÖS (Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft), Regionalgruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

23.11.2016 - 19:00

Das Vokabular neoliberaler Klimapolitik

 

Die Debatte um den Klimawandel und nachhaltigen Klimaschutz hat ihr eigenes Vokabular hervorgebracht. Kern dieses Vokabulars ist die Verknüpfung des Versprechens auf ungebremstes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig reduziertem Umweltverbrauch. Diese win-win-Option soll durch marktbasierte Klimaschutzinstrumente und sogenannte grüne Technologie gewährleistet werden. Begriffe wie „Energieeffizienz“,„Klimaneutralität“, „Bioökonomie“ oder „Nullemission“ suggerieren, dass eine ressourcenintensive Wirtschafts- und Konsumweise nur einer ökologischen Modernisierung bedarf, um den Notwendigkeiten des Klimaschutzes gerecht zu werden. Obwohl die win-win-Versprechen nach zwanzig Jahren internationaler Klimapolitik noch nicht eingetreten sind, verlieren diese Begriffe bisher nichts an ihrer Überzeugungskraft.

Über zwanzig Sozialwissenschaftler*innen haben für das „Wörterbuch Klimadebatte“ untersucht, in welcher Weise ein ressourcen- und emissionsintensiver Industriekapitalismus in eine „Grüne Ökonomie“ umgedeutet wurde. Sie zeigen an über vierzig Schlüsselbegriffen, durch welche Argumente diese plausibel erscheinen und welche alternativen Entwicklungsoptionen damit gleichzeitig marginalisiert werden. 

Stefanie Baasch (Hamburg) und Sybille Bauriedl (Bonn) stellen zentrale Argumente des Buches und beispielhafte Schlüsselbegriffe vor.

ReferentInnen

Dr. Stefanie Baasch
konzepte | kommunikation | evaluation für umwelt-, klima- und energievorhaben (Hamburg)

Dr. Sybille Bauriedl  
Geographisches Institut, Universität Bonn

Moderation:
Dr. Thomas Barth (LMU München)

Veranstaltungsort
München, Buchhandlung Lost Weekend, Schellingstr. 3


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Lehrstuhl Soziale Entwicklungen und Strukturen am Soziologischen Institut der LMU München

Kurt-Eisner-Verein

Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V.


Art der Veranstaltung
Buchvorstellung/Vortrag & Diskussion



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

04.11.2016 - 19:00

Himalaya Umweltabend

Kritischer Wandel in Tibet

Auswirkungen des Globalen Klimawandels und Mensch-Umwelt-Beziehungen in der Himalayaregion

Dr. Eva Huintjes (Klimatologin) wird in ihrem Vortrag eine klimatische Einordnung Tibets skizzieren, dabei auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Temperatur und Niederschlag eingehen und im speziellen die spezifischen Auswirkungen im Bereich der Kryosphäre ansprechen.
Andreas Printz (Landschaftsökologe und Sprecher der Regionalgruppe Freising der Tibet Initiative Deutschland e.V.) wird sich in seinem Beitrag mit den anthropogen verursachten Veränderungen auf Ökologie und Gesellschaft befassen.

Weitere Informationen finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Dr. Eva Huintjes
Klimatologin
Andreas Printz
Landschaftsökologe und Sprecher der Regionalgruppe Freising der Tibet Initiative Deutschland e.V.

Veranstaltungsort
München, Orange Bar, Zirkus-Krone-Straße 10


Kosten
5,- Euro


Partner

Tibet Initiative Deutschland e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

04.10.2016 - 19:00 bis 22:30

Cool bleiben: Auf geht's! - Gemeinsam handeln für Klimaschutz

Auftakt des 10. Münchner Klimaherbstes

Über 190 Delegierte einigten sich im Dezember 2015 in Paris - wider Erwarten - auf ein gemeinsames Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Der große Durchbruch in Sachen Klimaschutz ist also geschafft? Keineswegs! Die Frage, wie die hehren Ziele erreicht werden können, bleibt offen.

So brauchen wir nun, neben einer stringenten Klimaschutzpolitik und einer Neugestaltung der Wirtschaft hin zu nachhaltigem Handeln, besonders Bürgerinnen und Bürger, die sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwesen bewusst sind, Ideen entwickeln und (mit)gestalten dürfen, denn: "Klimaschutz, Energiewende und nachhaltige Entwicklung funktionieren nicht ohne und schon gar nicht gegen die Betroffenen und Bürger", sagt Prof. Claus Leggewie vom Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen - und weiter: "Doch manche behaupten, es funktioniere auch nicht mit ihnen, weil das zu viel Zeit und Energie koste."

Wie jedoch verantwortliche Bürgerbeteiligung organisiert sein muss, skizziert der Vortrag von Claus Leggewie.

Die Wechselwirkung von Politik, Wirtschaft und bürgerschaftlichem Engagement sowie Wege einer konstruktiven Zusammenarbeit werden im Anschluss im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Antje von Dewitz, geschäftsführende Gesellschafterin von VAUDE Sport GmbH & Co. KG, und Luise Neumann-Cosel, Vorstandsmitglied von Bürgerenergie Berlin eG, diskutiert.

Nur durch das Realisieren der gemeinsamen Verantwortung für Mensch und (Um-)Welt, kann die globale Herausforderung des Klimawandels effektiv bewältigt werden.

ReferentInnen

Prof. Dr. Claus Leggewie 
Professor für Politikwissenschaften und Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen
Foto: Volker Wiciok / Bildrechte: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

Antje von Dewitz
Geschäftsführende Gesellschafterin VAUDE Sport GmbH & Co. KG)

Luise Neumann-Cosel
Vorstandsmitglied Bürgerenergie Berlin eG

Grußworte 
Dieter Reiter  
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

Alexander Rossner
Vorstand Netzwerk Klimaherbst e.V.

Moderator 
Achim Bogdahn
Journalist, Bayerischer Rundfunk

Veranstaltungsort
München, Muffatwerk, Zellstr. 4


Kosten
Eintritt frei - Anmeldung unter Telefon: (089) 600 352 – 91


Partner

Netzwerk Klimaherbst e.V.

Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München

Münchner Forum Nachhaltigkeit


Art der Veranstaltung
Vortrag und Podiumsdiskussion / anschl. get together



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Besuchen Sie dazu diesen Link und kopieren Sie anschließend den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.

Treffer 1 bis 10 von 128