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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

13.10.2018 - 19:00

Podiumsdiskussion "Sex/Arbeit"

 

Bis zum Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes 2002 war die Prostitution in Deutschland zwar rechtlich geduldet, galt jedoch als „sittenwidrig“. Aber auch nach ihrer Legalisierung ist Sexarbeit keine Lohnarbeit wie jede andere auch: Das Prostituiertenschutzgesetz, das seit dem 1. Juli 2017 existiert, errichtete eine Reihe von Hürden, um menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse, Zwang und Menschenhandel in diesem Feld einzudämmen. Kritik gab es von verschiedenen Seiten – auch des feministischen Spektrums: „Die Pro-Prostitutionslobby hat gesiegt“ ließ die feministische Zeitschrift Emma verlauten, während umgekehrt der Verein HYDRA e.V. die Einschnitte in Grundrechte und die erweiterten Kontrollbefugnisse von Behörden kritisierte.

Lassen sich diese Eingriffe vor dem Hintergrund der prekären Arbeitsverhältnisse von Sexarbeitern legitimieren, oder handelt es sich hierbei um die Fortsetzung einer behördlichen Stigmatisierung von Sexarbeit als sittenwidrig? Um eine materialistische Kritik der Verhältnisse leisten zu können, unter welchen Sexarbeit nachgefragt und angeboten wird, bedürfen daher folgende Fragen einer Antwort: Wie gestaltet sich das Verhältnis von allgemeiner Lohnarbeit und Sexarbeit im Besonderen – ist letztere eine ‚Arbeit wie jede andere auch? Wie sind vor diesem Hintergrund die rechtlichen Entwicklungen zu bewerten? Worin liegen in dieser Hinsicht kurz- und langfristige Handlungsspielräume für eine praktische Solidarität?

ReferentInnen

Theodora Becker
war mehrere Jahre lang bei Hydra im Vorstand, heute nur noch einfaches Mitglied. Promoviert heute an der FU im Fach Philosophie zum Verhältnis von bürgerlicher Gesellschaft und Prostitution mit besonderem Hinblick auf die Frage, warum und inwiefern jene die Prostitution (nicht) als Arbeit betrachtet. 
Naida Pintul
arbeitet ehrenamtlich in einer Beratungsstelle für Frauen in der Prostitution, versteht sich als Radikalfeministin, hält außerdem regelmäßig Vorträge zu diversen feministischen Themen.

Veranstaltungsort
München, "404 page not found", Corneliusstraße 2


Kosten
Eintritt frei!


Partner

AK Eurokrise / Grande Union Abgrund


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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29.09.2018 - 19:00

"Our Piece of Punk - Ein queer_feministischer Blick auf den Kuchen"

Buchvorstellung

Fünfundzwanzig Jahre nach dem Manifest der wütenden Riot Grrrls ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme der Gegenwart: Wie ging es nach 1991 weiter? Sind die Forderungen der Riot Grrrls eingelöst worden? Tot ist Punk nicht – sagen wenigstens die einen – und auch heute fehlt es nicht an kritischen Stimmen in Bezug auf Rassismus, Sexismus, Homo- und Trans*phobie in der Punkszene. Und die kommen in »Our Piece of Punk« zu Wort, denn es ist an der Zeit, die Diskussionen weiterzuführen.

»Our Piece of Punk. Ein queer_feministischer Blick auf den Kuchen« enthält Zeichnungen, Comics, Textbeiträge, Diskussionen und Liebeserklärungen über die Möglichkeiten und Grenzen von Queer_Feminismus im Punk. Dabei geht es nicht um einen Blick in den Rückspiegel, um keine »Früher war alles besser«- und Riot-Grrrl-Nostalgie: Vielmehr lässt das Buch Protagonist*innen zu Wort kommen, die Punk und DIY heute lieben und leben, mit allen Macken, Kanten und Ärgernissen.

Die vierzig beteiligten Musiker*innen, Konzertgänger*innen, Festivalorganisator*innen, Punk*etten, Comiczeichner*innen
oder Tontechniker*innen haben Punk & DIY als gemein­samen Nenner. Das Buch ist gefüllt mit ihren Sichtweisen. Manche decken sich, manche nicht: Unterschiedlich und trotzdem ähnlich stehen sie alle für sich die Vielfalt von Punk in der Gegenwart.
 
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Riot Grrrl Abend statt:

sisteResist versteht sich als praktische Auseinandersetzung mit einer weiterhin deutlich wahrnehmbaren Geschlechterungleichheit in vielen Teilen (sub)kulturellen Alltags. Ein lauter Diskussionsbeitrag in Form einer Veranstaltungsreihe. All genders welcome. Hört zu. Diskutiert mit. Seid aktiv und kreativ. Beim Riot Grrrl Abend am 29.9. spielen Deutsche Laichen, Eat my Fear und The Heroine Whores live in der Desi. Davor stellen Barbara Lüdde und Judit Vetter ihr Buch "Our Piece of Punk – Ein queer_feministischer Blick auf den Kuchen" vor. Dazu könnt ihr euch Poke Tattoos stechen und beim BarDJing den Abend ausklingen lassen. Die Reihe wird veranstaltet von der Desi Programmgruppe, der FemAG in der Interventionistischen Linken sowie Trouble in Paradise und ist ein Projekt im Rahmen der Kulturhaupstadt-Bewerbung 2025.

ReferentInnen

Barbara Lüdde und Judit Vetter
Herausgeberinnen und Zeichnerinnen von "Our Piece of Punk - Ein queer_feministischer Blick auf den Kuchen"

Veranstaltungsort
Nürnberg, Desi, Brückenstr. 23


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Stadtteilzentrum Desi Nürnberg


Art der Veranstaltung
Buchvorstellung



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26.05.2018 - 11:30

Femfest 2018

8. Gesellschaftskritisches Fest zum Thema Geschlecht

Das FemFest bietet eine Plattform für alle Menschen, die sich mit Geschlechterfragen auseinanderzusetzen möchten. Sich den verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen zu "sex" und "gender" bewusst zu werden, ist ein erster Schritt in Richtung Loslösung von diesen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Femfests.

ReferentInnen

Anna Sophia Feuerbach
Diplombiologin und Ernährungsberaterin
Mithu Sanyal
Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin
Alexandra Schwartz
Tänzerin, Choreographin und Pädagogin (Leipzig)
Elizabeth Wurst
Visual Artist
Francis Seeck
Antidiskriminierungstrainer*in, Autor*in und Doktorand*in

Veranstaltungsort
Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo, Fred-Joseph-Platz 3


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Jugendkulturhaus Cairo Würzburg



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20.04.2018 bis 21.05.2018

Sex: zwischen Macht, Tabus und Idealen

Aktionstage zu Körperbildern, Sexualität und sexuellen Grenzüberschreitungen

„Männer wollen immer nur das Eine“ oder der „Mythos Jungfrau“: Unzählige überholte Vorstellungen rund um Körper und Sexualität stecken noch immer in unseren Köpfen und weisen dabei meist Männern* eine aktive und Frauen* eine passive Rolle zu. Weibliche Lust wird tabuisiert, Körperwissen wird vorenthalten. Scham für und Unwissen über den eigenen Körper, die eigene Sexualität und  zugehörige Begriffe (etwa Vulva oder Klitoris) verhindern, dass insbesondere Frauen* und Mädchen*  sich mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen auseinandersetzen, sie kennen(lernen) und artikulieren. 

Der Glaube, dass Männer* “immer nur an das Eine denken”,  ist Teil eines Männlichkeitskonzepts, das Grenzüberschreitungen durch Männer* legitimiert. Konsens war deshalb ein zentrales Thema der Veranstaltungsreihe und wurde im Licht der aktuellen Debatte um “#metoo” umso relevanter:  Es zeigt  sich, dass nicht nur unbeabsichtigte Grenzverletzungen, sondern auch bewusst in Kauf genommene  sexualisierte Gewalt nach wie vor die Lebensrealitäten von Frauen* und anderen Gruppen prägen. 

Die Foto-Ausstellung der jüdisch-US-amerikanischen Künstlerin Hannah Altman wurde vom Organisationsteam der Aktionstage am Freitag (20.04.2018) in der Kultur-Cafeteria der Universität Passau gezeigt. Die Fotoserie ersetzte Körperflüssigkeiten von Frauen* (darunter Blut, Tränen und Erbrochenes) durch Glitzer und karikierte so die Norm, als Frau* in allen, auch in z.T. unerträglichen Situationen schön aussehen zu müssen. Der Ausstellung war ein Beschreibungs- bzw. Interpretationstext beigefügt, sodass alle Passant*innen Zugang zum Thema hatten. Sie funktionierte auch als Mittel, um Teilnehmer*innen für die übrigen Veranstaltungen zu gewinnen. Knapp zwei Wochen nach Ende der Aktionstage wurden die Werke wieder abgehängt, sodass die Aktionswoche über die Ausstellung noch nachwirken konnte.

Beim mit über 150 Zuhörer*innen ausgezeichnet besuchten Poetry Slam gegen Sexismus ging es um niederschwellige Einsicht in sexistische Lebensrealitäten und Feminismus als Begegnungsstrategie. In ihren Texten verbalisierten die Slammerinnen* (Katrin Freiburghaus, Lolo Logie, Doro Röder, Yasmin Köseli, Fatima Talalini) unterschiedlichste Alltagserfahrungen, die sie selbst mit Sexismus hatten. Das gesamte Publikum beteiligte sich rege, sodass von einer gelungenen Sensibilisierung für die Existenz dieser Diskriminerungsform ausgegangen werden kann.

Im Film "Vulva 3.0" und der anschließenden Diskussion ging es vor allem um eine kritische Auseinandersetzung mit Tabus und Schönheitsidealen. Die Referentin Julia Schuh zeigte auf, wie sich die Darstellung und gesellschaftliche Wahrnehmung von Vulven geschichtlich entwickelt haben und welche Rolle diese in der heutigen Darstellung von Vulven spielen. Im Anschluss wurde der Film Vulva 3.0 gezeigt. Dieser geht besonders auf die heutige Tabuisierung von Vulven auf der einen Seite und die verzerrte Darstellung von Vulven in Medien und der Wunsch vieler Frauen* sich daran mittels Operationen anzupassen auf der anderen Seite ein. Daraus entstand eine sehr anregende Diskussion zum Umgang mit Schönheitsidealen.

In der Podiumsdiskussion: „Sexismus und sexualisierte Gewalt an der Hochschule" sollten die aktuellen Maßnahmen der Universität Passau kritisch beleuchtet und Ideen für andere Umgangsweisen mit Sexismus und sexualisierter Gewalt an Hochschulen entwickelt werden. Zuerst erläuterte Ann Wiesental als Expertin für sexualisierte Gewalt befragt, was darunter zu verstehen sei und wie sinnvolle Betroffenen-Unterstützung aussehen kann. Hier wurde klar, dass die Definitionsmacht über den Umgang bei den Betroffenen liegen sollte. Wie solche betroffenenorientierte Unterstützung an der Universität aussehen kann und wo die Anlaufstellen sind, erklärte Elena Dück, die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Philosophischen Fakultät. Kritik an der Umgangsweise der Universitäten kam von Eva Gruse, Vorstand des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften e.V.. Sie problematisierte, dass die zuständigen Stellen in der Regel in das universitäre Geschehen eingebunden sind, die Professor*innen, von denen eine Grenzüberschreitung ausgehen kann, oft persönlich kennen und Betroffene daher nicht unabhängig unterstützen können. Anregungen zu möglichen Veränderungen in der Lehre und den Lehrinhalten gab Dr. Christian Rademacher, ein Dozent der Universität Passau. Aus dem Publikum kamen viele Wortmeldungen, gewünscht wurde sich unter anderem, dass Lehrinhalte, die für Genderproblematiken sensibilisieren, nicht optional, sondern verpflichtend in jeden Studiengang eingebunden werden.

Der Film „Fuck Sex - Asexualität als letztes Tabu” klärt über Asexualität auf und lässt verschiedene asexuelle Personen zu Wort kommen. Im Anschluss daran konnten Fragen gestellt werden und eigene Erfahrungen ausgetauscht wurden. Dazu gab es eine Vorwissens- sowie Erwartungsabfrage. Eine Tafel mit (Fach-)Begriffen und Diskussionsthemen gab bei der folgenden Diskussion Anregungen für Fragen und Gespräche, Unklares wurde durch die Referentin Lea Jung beantwortet. Die Veranstaltung lässt sich als voller Erfolg werten, da mehr Teilnehmer*innen kamen, als  erwartet, darunter auch einige nicht-studentische Personen sowie asexuelle und allosexuelle Personen. Es entstanden angeregte, gleichzeitig sehr respektvolle Gespräche und einige Teilnehmer*innen, die zuvor mitgeteilt hatten, das Thema sei vollkommen neu für sie, sind mit Mehrwissen aus der Veranstaltung gegangen.

Im Workshop "Konsens" ging es um die Sensibilisierung für sexuelle Grenzüberschreitungen und die Kompetenz, eigene Beziehungen konsensual zu gestalten. So wurden verschiedene zwischenmenschliche Situationen dargestellt und gefragt, ob in diesen Situationen Konsens gegeben war. Im Fall von fehlendem Konsens sollte überlegt werden, wie man als Außenstehende*r sinnvoll eingreifen und/oder Hilfe anbieten kann. Außerdem sollten Möglichkeiten gefunden werden, selbst in den eigenen Beziehungen Konsens herzustellen.

Im Vortrag "Alternative Verhütungsmethoden" vermittelte die Referentin Monika Kastner ausführliches Wissen über die weiblichen* Geschlechtsorgane, den Ablauf des Zyklus und einigem mehr, zum Beispiel zur Flora und dem Milieu der Vagina und darauf fußend zu sinnvoller Körperhygiene und Menstruationsmethoden. Außerdem wurden ausführlich verschiedene Verhütungsmethoden kritisch betrachtet. Als eine mögliche Alternative zu üblichen Methoden wurde die sympto-thermale Methode in ihren Grundlagen vorgestellt.

"Flach, glatt, gesund: Körper- und Gesellschaftsverhältnisse unter dem Stichwort "Attraktivität"“ betrachtet" gab Louise Haitz einen Überblick über die jeweilige gesellschaftlichen Ordnung von der feudalen Ständegesellschaft bis heute und deren spezifische gesellschaftlichen Sicht auf den „Körper“ auf. Die Trennung von Körper und Geist und dem Körper als Arbeitskraft und etwas vom Geist „zu bezwingendes“, „zu optimierendes“ fand ebenso Erwähnung wie der Zusammenhang zu Kolonialismus und Rassismus. Im Anschluss daran zeigte die Referentin anhand von Beispielen, v.a. aus der Medienwelt und dem Fernsehen, die in unserer Gesellschaft vorherrschenden Körperideale auf und stellte den Zusammenhang zu kapitalistischer Leistungsideologie dar. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Diskriminierung von hochgewichtigen Menschen, in deren Körperform gesellschaftlich nicht nur ein „unschön*“, sondern auch ein „ungesund*“, „faul*“, „unintelligent*“ und „sozial schwach*“ eingeschrieben ist. Dem Vortrag folgte eine sehr anregende Diskussion zum Umgang mit Schönheitsidealen und Körpernormen.

Der Vortrag "Das deutsche Sexualstrafrecht – Alles nur noch Verhandlungssache?" gab einen Überblick über die historischen Fassungen des Sexualstrafrechts mit kurzen Exkursen ins Mittelalter und das alte Rom und erläuterte dann genauer die Änderungen in den letzten beiden Jahrhunderten bis zur heutigen Fassung. Dabei wurden verschiedene gesellschaftliche Sexualitätskonzepte vorgestellt, die den Versionen jeweils zu Grunde lagen bzw. liegen. Die Referentin Anja Goetz zeigte, wie juristisch scheinbar neutrale Begriffe von Sexualstrafrechts-Anwält*innen immer im Rahmen gesellschaftlicher Konzepte von Sexualität und sexualisierter Gewalt interpretiert werden bzw. andersherum gesellschaftliche Sexualitätskonzepte und Vergewaltigungsskripte in das Recht übertragen werden. Ein historisches Konzept ist dabei der „Täter aus Trieb“, während heutige Täterkonzepte oft den „Täter aus Versehen“ proklamieren und ihn dadurch juristisch weniger angreifbar machen. Der Vortrag offenbarte so einer der vielen Problematiken juristischer Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt. Da rechtliche Fassungen Skripte beinhalten, die in die Gesellschaft weiterwirken und übernommen werden, ist die Weiterentwicklung des Sexualstrafrechts hin zu einer Konsensmoral trotz häufig nicht stattfindender Verurteilungen möglicherweise angebracht, um einen Beitrag zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt zu leisten.

Mara Schepsmeier, der Produzentin des Films "Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W. und der § 218" gab zunächst eine Einführung in das Thema Schwangerschaftsabbrüche. Sie stellte klar, dass Schwangerschaftsabbrüche schon seit jeher durchgeführt wurden, und dies unabhängig von den unterschiedlichen medizinischen, gesellschaftlichen und später auch rechtlichen Bedingungen. Der Begriff der Selbstbestimmung geht dabei nicht immer automatisch mit der Möglichkeit des Abbruchs einher, da Abbrüche auch von anderen Akteuren als der schwangeren Person erzwungen werden können und die im  Falle einer Kriminalisierung oder Ächtung oft fehlende ausreichende medizinische Versorgung zu Komplikationen oder dem Tod der schwangeren Person führen kann.  Als Rahmenhandlung des Films wird die Geschichte einer während der Weimarer Republik lebenden Ärztin vorgelesen, die sich aufgrund der verbotenen Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen in Haft befindet. Dazwischen werden Interviewsituationen mit verschiedenen Frauen* gezeigt, die selbst abgetrieben haben, darunter eine Frau, die in den 70er Jahren unter gesetzlichem Verbot heimlich abgetrieben hat und schwere gesundheitliche Komplikationen nicht behandeln lassen konnte, sowie einige Frauen*, die in den letzten Jahren die Erfahrung eines Abbruchs hatten. Wie bereits in Einführung und Film kristallisierte sich auch in der anschließenden Diskussion heraus, dass eine freie Entscheidungsmöglichkeit bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen nach wie vor nicht gegeben ist, sowohl in Bezug auf rechtliche Hürden (u.a. dem § 218) wie auf gesellschaftliche Reaktionen.

In dem von Marc Brandt geleiteten Workshop "Critical Maleness" ging es um das Bewusstsein für und den kritischen Umgang mit Privilegien gegenüber nicht-männlichen* Personen. Die Teilnehmenden setzten sich mit den verschiedenen Dimensionen von Männlichkeit auseinander und befassten sich mit Männlichkeitskonzepten, wie sie ihnen in Sozialisation und Erziehung vermittelt worden waren. Männlichkeit in der politischen Arbeit, wobei auch Gruppenstrukturen reflektiert wurden, Männlichkeit beim Flirten und mit Auswirkungen von Männlichkeitskonzepten auf das eigene Leben (etwa auf die Gefühlswelt) waren weitere Themen des Workshops.

Die thematischen Veranstaltungen wurden von einer Reihe von Info-Tischen und Aktionen begleitet, mit denen das Thema der Veranstaltungsreihe auf dem Campus präsent gemacht wurde. Dazu gehörten zwei "Austausch-Cafés", ein Info-Stand, ein Flashmob gegen Sexismus, ein Selbstverteidigungskurs für Frauen, ein Brunch mit offenem Austausch sowie eine "Sofa-Aktion". Dabei wurde ein Sofa aufgestellt, auf dem eine weiblich gelesene Person mit Bechern und Getränkeflaschen so drapiert war, dass sie als betrunken und schlafend zu erkennend war. Am Sofa lehnte ein großes Schild mit der Aufschrift „If I can`t say no, I can`t say yes. #knowno“. Damit wurde vermittelt, dass betrunkene und nicht ansprechbare Personen nicht konsensfähig sind und eine Initiierung von (sexuellen) Handlungen mit dieser Person nicht-hinnehmbare Grenzverletzungen darstellen und zu unterlassen sind. Die Aktion lief für vier Stunden und wurde von zahlreichen Universitätsangehörigen wahrgenommen, es gab etliche positive Feedbacks. 

Den Abschluss bildete das Konzert "Petra und der Wolf".

Veranstaltungsort
Passau


Kosten
Siehe Veranstaltungsflyer


Partner

Liste der unabhängigen kritischen Student*innen an der Uni Passau (LUKS)


Art der Veranstaltung
AKtionstage



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13.03.2018 - 19:30 bis 21:30

Migrantinnen aus Mittel- und Osteuropa (noch) in ungeschützten...

 

 

Anlässlich des internationalen Frauentages und der kommenden Internationalen Wochen gegen Rassismus haben wir uns mit einem alltäglichen Thema beschäftigt: die prekäre Arbeitssituation von Frauen, die aus Osteuropa kommen und mit rechtlichen und sozialen Schwierigkeiten alltäglich in ihrer Arbeit konfrontiert sind.

Wir haben uns gefragt, wie Sozial- und Migrationspolitik in einander greifen, welche Konsequenzen Unterschiede in den Zugang auf Sozialleistungen für Deutsche, EU- und nicht EU Bürgerinnen haben und wie es besser gehen kann.

Anwesend waren sowohl Deutsche als auch Migrantinnen aus Bulgarien und Rumänien, da in Landshut gerade neue Migrantinnen-Vereine enstanden sind. Daher war Ziel der Veranstaltung auch der Erfahrungsaustausch.

Zum Anfang ging es (um die Relevanz der Thematik zu demonstrieren) um das Beispiel von 4 Frauen, die Frau Riedner in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim Workers‘ Center in München betreut hatte. Alle Frauen kommen aus Bulgarien und sind im Reinigungsgewerbe tätig. Ihnen wurde allen deutlich weniger bezahlt, als sie geleistet hatten, weil in der Branche man nicht pro Stunde, sondern „pro Fläche“ (es gibt also eine feste Zahl an Arbeitsstunden, die gebraucht werden, um eine Fläche zu reinigen) bezahlt wird. Diese Frauen haben die Leiharbeitsfirma vor Gericht gebracht und haben gewonnen. Dieses Beispiel zeigte sowohl die Relevanz der „Solidaritätsarbeit“ der Ehrenamtlichen und der anderen Mitbürger*innen in ähnlichen Zuständen als auch, dass die Probleme in der Branche kollektiv und nicht individuell sind.

Im zweiten Teil des Referats ging es um die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und in der EU zum Thema Personenfreizügigkeit und wie diese im Laufe der europäischen Osterweiterung im Jahr 2004 und 2007 sich geändert haben. Vor diesen Erweiterungsphasen der EU hatten Migrant*innen aus Osteuropa in Deutschland und Westeuropa mit immer erneuten Tourismus-Aufenthaltserlaubnissen gearbeitet. Seit dem EU-Beitritt ihrer Länder war alles rechtlich möglich, es hat sich aber die Frage gestellt, inwieweit (in diesem Fall) der deutsche Staat auch zu Sozialleistungen für EU-Bürger*innen verpflichtet ist. Erst seit 2014 wurden Gründe für die „Aberkennung der Freizügigkeit“ eingeführt, die die Aufenthaltserlaubnis für EU-Bürger*innen sperren, die innerhalb von 6 Monaten keine Arbeitsstelle gefunden haben. Viel ist aber noch nicht genau geregelt und führt immer noch zu Ungleichheiten und unsicheren Lebensverhältnissen.

Der dritte Teil war für das Empowerment von Migrantinnen gedacht und entstand aus einer Auflistung und Arbeitserklärung von Migrant*innenorganisationen, die in Deutschland und Europa aktiv sind. Genannt wurden u.a. das Worker‘ Center in München (http://inizivi.antira.info/initiative-fur-zivilcourage/) und Oficina Precaria in Berlin (http://oficinaprecariaberlin.org/).

 

Hier findet man die Präsentation der Referentin mit Hinweise auf unterschiedliche Initiativen (PDF Dokument)

 

ReferentInnen

Lisa Riedner
Mitarbeiterin am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Georg-August-Universität Göttingen

Veranstaltungsort
AWO Mehrgenerationenhaus, Ludmillastraße 15, Landshut


Kosten
Eintritt frei


Partner

Haus International | AWO Landshut


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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04.12.2017 bis 09.12.2017

Grenzgaenge: Mut zu Widerstand und Vielfalt

 

Das Grenzgaenge Filmfest zeigte elf Filmprojekte, deren gemeinsamer Kristallisationspunkt es ist, Grenzen in ihren verschiedenen Bedeutungen und Dimensionen nachzuspüren. Die Filme zeichneten Bilder und Perspektiven aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Sie zeigten Menschen, die in kleinen Alltäglichkeiten oder in global gedachten Maßstäben Mut beweisen, Vielfalt verteidigen oder Widerstand leisten. Die Filmgespräche und Veranstaltungen erzählten Geschichten von Menschen, die auf der Suche sind und dabei Möglichkeiten finden, mit Hürden umzugehen und Grenzen zu überwinden. Sie hielten Eindrücke fest, die Impuls sein können zu Reflexion und aktivem Handeln. 

Ziel aller Filme war es, die Potentiale und die Bereicherung von Diversität zu erkennen. So sollten Gemeinsamkeiten zu einem Mitglied einer bislang diskriminierten Gruppe erkennbar und Handlungsansätze für bestehende Problematiken gefunden werden.

Bei vier der Filmvorführungen waren außerdem externe Gäste eingeladen, die zu einer Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung standen. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung mit dem Film "Women Sense Tour" waren auch die beiden Regisseurinnen Sarah Zouak und Justine Devillaine anwesend. Sie waren ein halbes Jahr mit der Kamera durch sechs muslimisch geprägte Länder gereist, um dort feministische Muslima zu porträtieren. Auf dem Filmfest zeigten sie die erste Etappe, Marokko. In der Diskussionstand nicht nur der  Film selbst zur Debatte, sondern auch die Situation von Muslima in Frankreich und die Korrelation zwischen Feminismus und dem muslimischen Glauben.

Im Anschluss an den Film "Gayby Baby" konnte mit Vertreter*innen der Münchner Organisation LesMamas und von Pro Familia Passau über die Erfahrungen von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert werden. 

Zu dem georgischen Film "I didn’t cross the border, the border crossed me", der sich mit dem Grenzkonflikt zwischen Georgien und Südossetien befasste, war der Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik, Prof. Dr. Bernhard Stahl der Universität Passau, als sachkundiger Gesprächspartner eingeladen. Er gab nicht nur grundlegende Informationen zum Grenzkonflikt, sondern trug auch dazu bei, die subjektive Wahrnehmung der in der Dokumentation dargestellten Protagonisten kontextuell einzubetten.

Im Anschluss an die Dokumentation "Seefeuer", die sich mit dem Zusammenleben von Geflüchteten und "Alteingesessenen" auf der Insel Lampedusa beschäftigt, war es ein Repräsentant der Organisation SeaWatch, der die Fragen des Publikums zur Seenotrettung und zur anschließenden Unterbringung von Geflüchteten beantwortete.

Vor der offiziellen Eröffnung des Filmfests fand bereits eine Filmvorführung der Dokumentation "Tomorrow" statt, die vor allem an Schulklassen gerichtet war. Die Kooperation mit einer Schulklasse und einer Schülervertretung sah in einem ersten Schritt das gemeinsame Schauen der Dokumentation vor, die sich in fünf Kapiteln mit globalen Problemen beschäftigt und lokale Lösungsansätze und Projekte vorstellt. In einem zweiten Schritt fanden in der Woche nach dem Filmfest zweistündige Workshops mit den einzelnen Schulklassen statt, in denen sich die Schüler*innen vertieft mit den einzelnen Kapiteln des Films beschäftigten.

Zum Abschluss der Filmfest-Woche wurde erstmals ein "Public Living Room" im Cafe Museum durchgeführt. In insgesamt zwei Durchläufen wurde hierbei die Kurzfilmreihe "Out of Place" gezeigt, ein deutsch-israelisches Filmprojekt mit vielfältigen Themen wie Religion, Behinderung oder Migration. Das Konzept des Public Living Room ermöglichte es den Anwesenden, in entspannter Atmosphäre die gezeigten Filme zu diskutieren.

Empfohlene Weblinks

filmfestgrenzgaenge.wordpress.com

Veranstaltungsort
Passau


Partner

AStA/SprecherInnenrat der Universität Passau


Art der Veranstaltung
Filmfest



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16.09.2017 - 18:00

sisteResist #1

 

sisteResist versteht sich als praktische Auseinandersetzung mit einer weiterhin deutlich wahrnehmbaren Geschlechterungleichheit in vielen Teilen (sub)kulturellen Alltags. Ein lauter Diskussionsbeitrag in Form einer Veranstaltungsreihe. Beginnend mit der Riot Grrrl Bewegung. All genders welcome. Hört zu. Diskutiert mit. Seid aktiv und kreativ. Wir freuen uns auf euch!
Riot Grrrl Abend:

Vortrag vom Archiv der Jugendkulturen

Kein Mädchen sondern ein Grrrl – Über Weiblichkeit, Geschlechterrollen und Feminismus bei den Riot Grrrls
Mit der Riot Grrrl- Bewegung entstand Anfang der 90er Jahre eine feministische Bewegung von jungen Frauen, die inspiriert von der „Do It Yourself- Attitüde" des Punk ihre eigenen Bands gründeten, eigene Fanzines herausbrachten und vor allem junge Frauen im gemeinsamen Kampf gegen Sexismus, Misogynie und Antifeminismus vernetzen wollten. Mit dem Slogan “Revolution Girl Style Now!“ forderten sie ihren Platz auf der Bühne ein, der sonst nur Jungs und Männern vorbehalten schien, und schärften bei viele Musikerinnen, die nach ihnen kamen, ein feministisches Bewusstsein im immer noch stark männerdominierten Musikgeschäft. Darüber hinaus wollten sie tradierte Geschlechterrollen und -muster durchbrechen und eigneten sich dafür bewusst negativ besetzte Begriffe wie „Bitch" und „Slut" an, die sie als Form ihrer Widerständigkeit stolz in großen Buchstaben auf ihre Körper schrieben und sie damit als positive Selbstbeschreibungen umwerteten. Dieser Vortrag widmet sich der Entstehung, den Protagonistinnen und der Entwicklung der Riot Grrrl- Bewegung und zeigt auf, wie stark viele Themen und Missstände auch heute noch in der Musikwelt und Gesellschaft verankert sind.

ReferentInnen

DECIBELLES (Noise Pop, Lyon)
Mary Bell (Riot Grunge, Paris)
DREAM NAILS (Witches Punk, London)

Veranstaltungsort
Nürnberg, Desi, Brückenstraße 23


Kosten
VVK 12,- / AK 15,- Euro


Partner

Desi Nürnberg



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12.07.2017

Die männliche Subjektkonstitution

Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen

Sexuelle Gewalt ist männlich. Täglich konfrontieren uns die Medien mit Berichten über "normale" sexuelle Belästigungen, Vergewaltigungen oder gar Sexualmorde. Was sind die tieferen Ursachen für dieses Verhalten? 

Rolf Pohl stellte zunächst die theoretischen Konzepte von Cornell („Hegemoniale Männlichkeit“) und Bourdieu („Männliche Herrschaft“) dar, an die er in seiner Forschung und dem Vortrag kritisch anschließt. Er nimmt auch Bezug auf psychoanalytische Konzepte von Abwehr und Gewalt, die seiner Ansicht nach in den gegenwärtigen Debatten um Sexismus und Frauenfeindlichkeit zu wenig berücksichtigt werden. Er folgt dabei der These, dass Weiblichkeit von Männern unbewusst als Bedrohung erlebt und deshalb abgewehrt wird. Pohl weist nach, dass die gängigen Erklärungsversuche zu kurz greifen, die sexuelle Gewalthandlungen ausschließlich als Ausdruck männlicher Macht deuten und die Sexualität des Mannes unberücksichtigt lassen. Er verknüpft den Ursprung geschlechtsbezogener Gewalt mit der geschichtlich-gesellschaftlichen Entstehung und Entwicklung der männlichen Sexualität und ihrer phallisch-aggressiven Ausrichtung. Denn entscheidend sind - so Pohl - nicht allein die Triebgrundlagen von Sexualität und Aggression, sondern ihre Bindung an das gemeinsame Objekt: die Frau. Die typisch männliche Gewaltbereitschaft entspringt einer aus Lust, Angst, Neid, Wut und Hass bestimmten unbewussten Einstellung zur Weiblichkeit.

Pohl verbindet seine theoretischen Überlegungen mit eigenen empirischen Beobachtungen des – auch in München relevanten – Phänomens der „Pick Up Artists“. Anhand von vielen und vielfältigen Beispielen aus dieser frauenfeindlichen Szene veranschaulicht er sein Konzept von männlicher Gewalt. 

ReferentInnen

Rolf Pohl
ist emeritierter Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten in der Geschlechterforschung gehören die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Krisendiskurse. Er ist Autor des Buches "Feindbild Frau - Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen" (2004).

Veranstaltungsort
München


Partner

Institut für Soziologie, LMU München


Art der Veranstaltung
Vortrag



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17.06.2017

Identität Muslima

 

Migranten werden in Deutschland oft als muslimisches Kollektiv wahrgenommen. Wie viel Raum lässt das für individuelles Glück? Was hat das mit einem Respekt für andere Kulturen zu tun?

Wie die Moderatorin Soma Assad eingangs erläuterte, ist Identität in der Regel etwas Vertrautes. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, sehen wir uns identisch damit. Von Identität ist laut dem Soziologen Stuart Hall immer dann die Rede, wenn sie in der Krise steckt, wenn die vorher anerkannten Werte einer Gemeinschaft nicht mehr geteilt werden, die Selbstverständlichkeiten sich auflösen. Identität ist dann „dezentralisiert“ und „entortet“ und kann daher immer mehr zu einer politischen Ressource werden und umgekehrt wird Politik immer mehr zur Identitätspolitik. Identität wird also immer mehr angeeignet oder abgelehnt, um sich abzugrenzen und zu positionieren und auch genutzt, um politische Inhalte zu transportieren. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage was „Identität Muslima“ bedeutet. Ist „Identität Muslima" eine Fremd- oder Selbst-Zuschreibung oder beides? Ist sie eine Glaubensidentität oder eine kulturelle? Ist der Feminismus mit einer „Identität Muslima“ vereinbar?

Deniz Baspinar, die sich als muslimische Atheistin bezeichnet, erklärte, die „Identität Muslima“ entstehe durch den „Blick der Anderen“. Es werde also passiv festgelegt, was die Muslima so zur Projektionsfläche für Opfer von patriarchalen Strukturen mache. Die muslimische Identität wird allerdings auch angenommen, wobei vorher bereits bestimmte Werte vermittelt wurden. Es ist also beides. Das Problem ist laut Baspinar, dass die kulturelle Praxis sich im Islam mit der religiösen Praxis vermischt hat.

Die Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung, denn in Europa würden Muslima als „weibliche muslimische Terroristinnen“ ausgegrenzt. Ebenso erwähnte sie in der Gegenüberstellung von islamischen Ländern und Europa die Radikalisierung von Jugendlichen in Deutschland, wobei ihr von Merve Kayikci widersprochen wurde, die den Extremismus nicht im Zusammenhang mit dem Islam gesetzt sehen wollte.

Merve Kayikci sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung und begründete dies mit ihren eigenen Erfahrungen: wenn sie beispielsweise eingeladen wird, um über den „Islam“ zu reden, obwohl sie gar keine Islamwissenschaftlerin ist. Für sie wird die Islam-Debatte in der deutschen Öffentlichkeit zu emotional geführt. Sie erwähnte, dass ihr Lebensgefährte Atheist ist und sie selbst gläubige Muslima und das trotzdem klappt.

In der 90-minütigen Diskussion, bei der auch das Publikum mit beteiligt war, wurde deutlich, dass es auf die Frage nach der „Identität Muslima“ keine einfachen Antworten gibt. Dass es in muslimischen Communities gravierende Missstände gibt, wurde ebenso herausgearbeitet wie die Gefahr, Menschen mit ihrem Glauben zu identifizieren. 

ReferentInnen

Deniz Baspinar
Journalistin (DIE ZEIT), Psychotherapeutin
Merve Kayikci

Bloggerin
Khola Maryam Hübsch

Journalistin und Publizistin

Moderation: Soma Mohammad Assad (Politikwissenschaftlerin)

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Deutscher Humanistentag gGmbH


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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25.03.2017

Moving Women Empowerment Conference

Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen.

Die Moving Women Empowerment Conference stand unter dem Motto “Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen”. Frauen aus verschiedenen Ländern der Welt kamen zusammen, um voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. So sollten Frauen mit unterschiedlichstem Background ermutigt werden, ihr Potenzial zu entfalten.

Ein Highlight der Konferenz war die erstmalige Vergabe des "Sonne Women of Excellence Awards" sein, mit dem vier Frauen afrikanischer Herkunft und Frauen in der Diaspora ausgezeichnet wurden, die große Vorbilder für ihre Communities sind. 

Die vielfältigen Vorträge sollten Frauen ermutigen, ihr Schicksal in die Hände zu nehmen und sich nicht entmutigen zu lassen. So zeigte die Dolmetscherin, Integrations- und- Gesundheits-Mediatorin Mathilda Legitimus-Schleicher  neue berufliche Wege für Migrantinnen auf. Die Malerin Vivian Timothy zeigte durch ihre Malerei, wie sie ihren Traum eines selbständigen Lebens und persönlichen Entfaltung verwirklicht hat., Die Ärztin N’joula Agnes Baryoh hielt einen interessanten Vortrag über "Frauen afrikanischer Herkunft und ihre Körper: Wissen um die Besonderheiten in Gynäkologie und Geburtshilfe" Davonne Schaefer, Unternehmerin, widmete ihren Vortrag „Divine Curls“ über die Bedürfnisse von schwarzen Frauen, die beschlossen haben, ihre eigenen natürlichen Haare zu tragen. 

In der von der Journalistin Dr. Jane Ayeko Kümmeth geleiteten Podiumsdiskussion (Bild links) berichteten Teilnehmerinnen wie die Rechtsanwältin Edith Otiende-Lawani, die Nuklearingenieurin Caroline Kouegoua, die junge geflüchtete Somalierin Jamila Mohamed Abdi und Vivian Timothy über ihren Werdegang und die Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Hürde zu überwinden.

Für Unterhaltung sorgte Stephanie Knott mit ihrer Amateur-Theatergruppe, deren Sketche vermittelten, wie Rassismus und Vorurteile sowohl in der afrikanischen als in der deutschen Gesellschaft vorhanden sind. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von "Nomina", einem südafrikanischen Duo, sowie der brasilianischen Tänzerin Linda.

Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz finden Sie in dieser PDF-Datei.

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Konferenz



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