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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

16.09.2011 bis 17.09.2011

100 Jahre Ernst Friedrich Schumacher - Festakt & Symposium

 

Mit einem Festakt und einem Symposium feierte die E.F. Schumacher-Gesellschaft für Politische Ökologie den 100. Geburtstag ihres Namensgebers.

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Trägers des Alternativen Nobelpreises, Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, und seiner Ehefrau Sue Dürr:  Sie leiteten sowohl den Festakt in der Hochschule für Philosophie am 16. September als auch das Symposium in der Seidl-Villa am 17. September ein.

Zum Festakt erschienen 303 Gäste. Die Einstimmung mit Fotos und historischen Filmen von E.F. Schumacher schuf von Anfang an eine feierliche Stimmung unter den Gästen. Diese wurde durch die vier brillant vorgetragenen musikalischen Einlagen des Pianisten Peter Ludwig noch gesteigert. 

Nach den drei Begrüßungen (auch durch Oberbürgermeister Christian Ude persönlich) folgte die überaus lebhafte Darstellung von Leben und Werk des Jubilars durch Claus Biegert und Renate Börger. Die anschließende Festansprache gehalten von unserem Ehrengast und Leiter des Schumacher College in Devon, England, Satish Kumar war sehr berührend. Es folgte das Rollenspiel von fünf jungen Wirtschafts-Wissenschaftlern unter Leitung von Renate Börger: In einer amüsant-heiteren Weise wurden Thesen und Sicht von Schumacher hinterfragt und auf die Probleme unserer Zeit projiziert.

Absoluter Höhepunkt des Abends war dann die Podiumsdiskussion mit den vier prominenten Wissenschaftlern und Clemens Kuby, Neffe von E. F. Schumacher, die jeweils ihren persönlichen Bezug zum Jubilar und seine Gedankenwelt darstellten. Für die Gäste wurde die unglaubliche Vielfalt von Schumachers Wirken sowohl im geistig-philosophischen, als auch politisch-praktischen Bereich sichtbar gemacht. Eine letzte Steigerung gelang dem Künstler Peter Ludwig mit seinem vierten, sehr leidenschaftlich vorgetragenen musikalischen Stück: Er brachte große Begeisterung in das Publikum.

 

Der Ansturm auf das Symposium am Samstag, 17. September in der Seidl-Villa überraschte uns sehr: Neben vielen Angemeldeten kamen auch spontan Personen, die den Festakt miterlebt hatten. Es waren wohl mehr als 150 Teilnehmer. Zu den drei geplanten Workshops in der Vormittagsrunde (9:30 – 11:00) improvisierten wir einen vierten, der spontan von unserem Ehrengast Satish Kumar angeboten wurde. Die anderen drei Workshops geleitet von Vanamali Gunturu, Christine von Weizsäcker und Ulrich Mössner hatten zwischen 25 und 63 Teilnehmer.

In der Mittagsrunde (11:30 – 13:00) steigerten sich die Teilnehmerzahlen bei den drei angebotenen Workshops (28 bis 79) und in der Nachmittagsrunde (14:00 – 15:30) sogar auf über 80 Gäste bei dem Workshop von Clemens Kuby. Besonders großes Interesse fanden im übrigen die drei Workshops mit ökonomischen Thema, die zeit-lich hintereinander gebracht wurden, sowie die zwei Workshops mit sozialkritischer und spiritueller Dimension.

Nach der Präsentation der Workshop-Ergebnisse im Plenum haben im Abschluss-podium noch recht erhellende Dialoge zwischen den Referenten statt gefunden. Das Symposium endete mit Musik und einem gemeinsamen Tanz aller Teilnehmer – an-geleitet von Sue Dürr – in sehr besinnlicher Weise.

Die Beiträge des Symposiums sind in einer Festschrift versammelt und dokumentiert, die Sie als PDF-Datei unentgeltlich herunterladen können. 

Empfohlene Weblinks

www.e-f-schumacher-gesellschaft.de/cms/upload/pdf/Festschrift.pdf

ReferentInnen

Christian Felber
Gemeinwohlökonom, Schriftsteller

Vanamali Gunturu
Religionsphilosoph, Publizist, Gandhi-Biograph

Dr. Joachim Hamberger
Diplomforstwirt, Dozent Erwachsenenbildung

Benjamin Kafka
Transition Towns, Facebook-Revolutionär

Clemens Kuby
Autor, Filmemacher & Neffe von E.F. Schumacher

Satish Kumar
Leiter des Schumacher College Devon, U.K.

Dr. Ulrich Mössner
Ökonom, ehemaliger Manager

Apl. Prof. Dr. Niko Paech
Lehrstuhl Postwachstumökonomie

Prof. Dr. Ernst Schrimpff
Landschaftsökologe, Solaraktivist

Christine von Weizsäcker
Biologin, Autorin, Biodiversität

 

Veranstaltungsort
München


Partner

E.F. Schmacher-Gesellschaft für Politische Ökologie e.V.

Landeshauptstadt München, Referat für Umwelt und Gesundheit

Selbach Umwelt Stiftung


Art der Veranstaltung
Festakt & Symposium



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31.08.2011

Die Wirtschaft wird grün!

Eine Bildungsreise durch Bayern und Baden-Württemberg

„Die Wirtschaft wird grün!“ – Dass das Motto unserer Bildungsreise keineswegs ein visionäres Postulat, sondern vielerorts konkrete Realität ist, das zeigten die Besuche bei Unternehmen und Projekten aus verschiedensten Wirtschaftsbereichen sehr anschaulich.

 Eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung der Wirtschaft braucht ein verlässliches Umfeld, eine entsprechende Infrastruktur, qualifiziertes Personal und nicht zuletzt ein „Klima“, in dem sich innovative Ansätze entfalten können. Dafür sind auch und vor allem die Kommunen als Standorte zuständig. Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz ist hierfür in vieler Hinsicht vorbildlich: Nachhaltigkeit ist die Kernbotschaft des Stadtleitbilds. Neumarkt wurde für seine Anstrengungen mehrfach ausgezeichnet, so von der UNESCO als "Stadt der Weltdekade für nachhaltige Bildung" und mit dem Gütesiegel „nachhaltige Bürgerkommune“. Außerdem ist Neumarkt seit 2009 die erste Fair-Trade-Stadt Bayerns.

Mit dem Beitritt zum Klimabündnis 2007, der Gründung des Klimaforums 2008 und der Unterzeichnung des Konvents der Bürgermeister in Brüssel im Jahr 2009 hat Neumarkt deutlich gemacht, dass es die Ziele Klimaschutz und Nachhaltigkeit ernst meint. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder eingeleitet. Das 100-Dächer-Solar-Programm ist hier ebenso zu nennen wie das Förderprogramm Gebäudesanierung und energetisches Bauen, das immerhin mit der für eine Stadt in Größenordnung Neumarkts beträchtlichen Summe von 2 Mio. Euro im Jahr dotiert ist. Nachhaltigkeit im Bauen wird mit der „Grünen Hausnummer“ auch öffentlich „belohnt“.

Die Einbeziehung der Bürgerschaft in die Nachhaltigkeitsprozesse ist ein zentrales Anliegen in Neumarkt, wie Ruth Dorner (oben im Bild), 2. Bürgermeisterin und Agenda 21-Beauftragte der Stadt, betonte. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Bürgerhaus: als Servicezentrale, Beteiligungsnetzwerk und Projektschmiede.

Eine Übersicht über die vielfältigen Aktivitäten Neumarkts auf dem Feld der Nachhaltigkeitspolitik gibt die Präsentation von Ruth Dorner im Rahmen unseres Besuchs, die als PDF-Datei bei uns bestellt werden kann.

Details: http://www.neumarkt.de/de/wirtschaft/nachhaltigkeit-und-klimaschutz.html

Kontakt:
Ruth Dorner, Bürgermeisterin, Stadtverwaltung Neumarkt i.d.OPf., Rathausplatz 1, 92318 Neumarkt i.d.OPf., Tel.: 09181-511038, Fax: 09181-510852, E-Mail: ruth.dorner@neumarkt.de
Ralf Mützel, Bürgerhaus Stadt Neumarkt i.d.OPf., Leiter Büro für Soziale Stadt und Lokale Agenda 21, Fischergasse 1, 92318 Neumarkt i.d.OPf., Tel.: 09181-512266, Fax: 09181-510852, E-Mail: ralf.muetzel@neumarkt.de

Ein weites Feld für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaft ist der Anbau und die Vermarktung von Bio-Produkten in der Landwirtschaft. Im Kloster Plankstetten, als Öko-Kloster auch überregional bekannt geworden, gab Frater Richard (links im Bild) einen Überblick über die Aktivitäten der Benediktiner-Mönche und die Entwicklung ihrer landwirtschaftlichen Güter. Interessant dabei war seine Aussage, dass die Abtei, nachdem sie über Jahrzehnte hinweg alle landwirtschaftlichen „Moden“ bis hin zur industrialisierten Produktion mitgemacht habe, in den 80er Jahren vor der Alternative stand, den Betrieb ganz aufzugeben oder eben auf eine ökologisch verträgliche Wirtschaftsweise umzusteigen. Dieser Umstieg, der 1994 abgeschlossen war, erwies sich in mehrfacher Hinsicht als Erfolg. So sei das Kloster mittlerweile der Mittelpunkt für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in der gesamten Region und habe eine Vorbildwirkung, die weit ausstrahle. Zum anderen könne das Kloster ökologisch wirtschaftende Nebenerwerbsbauern unterstützen, durch die Abnahme ihrer Produkte, aber auch durch die Bereitstellung von Lagerkapazitäten zum Beispiel für Bio-Getreide.

Details:
http://www.kloster-plankstetten.de/html/klosterbetriebe.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Plankstetten
Uwe Ritzer: Beten und Ernten. Mönch als Unternehmer (SZ-Artikel) 

Kontakt: Klostergut Plankstetten, Staudenhof 3, 92334 Berching, Tel. 0 84 62-90 66 94 oder 90 600-52, Fax: (0 84 62) 90 600-53, E-Mail: klostergut@kloster-plankstetten.de

In erheblich größerem Maßstab befasst sich die Rapunzel GmbH mit Bio-Lebensmitteln. 1974 wurde Rapunzel gegründet, weil Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen (bis heute in der Führungsetage der Firma tätig) das, „was wir essen wollten, was nicht kaufen konnten“. Rapunzel ist der Pionier unter den Öko-Händlern. Heute umfasst Rapunzel 15 Bio-Anbauprojekte in 11 Ländern und ist eines der führenden Unternehmen für Erzeugung, Herstellung und Vertrieb von vegetarisch-biologischen Lebensmitteln mit rund 300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Wie Heike Kirsten (rechts), Marketingleiterin des Unternehmens, sehr überzeugend darstellte, sieht sich Rapunzel von der Beschaffung der Bio-Rohstoffe bis zum Verkauf der fertigen Produkte über die gesamte Prozesskette hinweg in der Verantwortung, eine hohe Produkt- und Lebensqualität zu schaffen. Dies gilt für alle Beteiligten – vom Lieferanten über die Mitarbeitenden bis zum Fachhandel.

Beeindruckend ist vor allem die Konsequenz, mit der Rapunzel ökologische Ziele mit ökonomischer und sozialer Verantwortung verknüpft. Das HAND IN HAND-Partnerprogramm von Rapunzel verbindet die Idee des kontrolliert biologischen Anbaus mit der des Fairen Handels. Durch langfristige Lieferbeziehungen haben die Partner neue Zukunftschancen, den Kunden wird dadurch eine gleichbleibend hohe Bio-Qualität garantiert. Außerdem engagiert sich Rapunzel in den Partnerregionen durch die Unterstützung sozialer und ökologischer Projekte. Insbesondere Bildungsprojekte, die den Menschen in den Partnerregionen in Südamerika, Afrika und Asien eine dauerhaft nachhaltige Zukunft sichern sollen, stehen dabei im Vordergrund. Begonnen hatte diese auf Dauer angelegte Zusammenarbeit bereits 1985 in der Türkei. 1991 eröffnete Rapunzel dann in Izmir ein Beratungsbüro. 1997 wurde daraus eine Tochterfirma gegründet.

Details: http://www.rapunzel.de/index.html

Kontakt: Heike Kirsten, RAPUNZEL Naturkost, Rapunzelstr. 1, 87764 Legau, Tel.: 08330-5291134, Fax: 08330-5291678, E-Mail: heike.kirsten@rapunzel.de

Mit nur einem, dafür nicht nur in Bayern um so wichtigeren Lebensmittel befasst sich die Brauerei Härle in Leutkirch im Allgäu. Dort bezieht sich das Umweltengagement nicht nur auf das Produkt und seine Bestandteile (Das „LandZüngle“, ein naturtrübes Fassbier, wird aus rein ökologischen Rohstoffen gebraut), sondern auch und vor allem auf den Produktionsprozess. Dafür ist die Brauerei im Jahr 2010 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Da die Brauerei Härle ausschließlich erneuerbare Energieträger einsetzt (Holzhackschnitzel aus der Region sowie Strom aus Wasserkraft, Wind, Biomasse und Sonne), darf sie sich als erste Brauerei in Deutschland bezeichnen, die ihre Biere zu 100% klimaneutral herstellt und vertreibt. 

Details: http://www.haerle.de/5.html 

Kontakt: Bernhard Walberer (siehe Bild rechts), Braumeister, Brauerei Clemens Härle KG, Am Hopfengarten 5, 88299 Leutkirch im Allgäu, Tel.: 07561-982825, Mail: bernhard.walberer@haerle.de

Wer ein ökologisches, der Nachhaltigkeit verpflichtetes Unternehmen aufbauen will, der kann dies in aller Regel nicht aus eigener Kraft, sondern braucht dafür Kapital. Die Finanzierung ökologischer Projekte zur Geschäftsidee zu machen, war der Ausgangspunkt für die Entstehung der Nürnberger Umweltbank. Als einzige Bank Deutschlands finanziert sie ausschließlich Umweltprojekte – Erneuerbare Energien, Bio-Landbau und Ökohäuser. Und sie hat den Umweltschutz als Unternehmensgegenstand in ihrer Satzung verankert. Das heißt auch: Jeder Anleger hat die Garantie, dass sein Geld nur an solche Projekte vergeben wird. Wie Marketing-Leiter Oliver Brandt und Ilona Klingele (im Bild links) von der Projektfinanzierung erläuterten, hat die Umweltbank mittlerweile ein Geschäftsvolumen von 2,1 Mrd. EUR. 150 Mitarbeiter/innen betreuen rund 90.000 Kunden und haben 16.000 Projekte abgewickelt. Ein sehr beträchtlicher Teil des Kreditvolumens (insgesamt über 45%) fließt derzeit in Solar-Projekte, ökologisches Bauen (Neubau und Sanierung) steht mit knapp 33% an zweiter Stelle. Beispielhafte Projekte sind der Solarpark Zerre auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks, das mit einer Leistung von 8 MW Strom für 3.000 Haushalte produzieren wird.

Details: http://www.umweltbank.de/umweltbank/default.html

Kontakt: Oliver Brandt, UmweltBank AG, Kommunikation, Laufertorgraben 6, 90489 Nürnberg, Tel: 0911-53 08261, Fax: 0911-53 08269, E-Mail: kommunikation@umweltbank.de

Eine moderne Industriegesellschaft ist ohne Mobilität nicht denkbar. Gleichzeitig ist der dafür notwendige Verkehr eines der größten Probleme (CO2-Belastung, Flächenverbrauch etc.) für eine wirklich nachhaltige Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Um so wichtiger sind gerade in diesem Sektor zukunftsweisende und innovative Projekte. Car2Go, von der Daimler AG vor einigen Jahren in Ulm als Experiment gestartet, gehört sicher in diese Kategorie. Als individualisiertes, standortunabhängiges Car-Sharing bietet es allen Car2Go-Teilnhmer/innen die Möglichkeit, jederzeit und ohne Voranmeldung ein Auto der Car2Go-Smart-Flotte zu benutzen und es an einem beliebigen Ort im Geschäftsgebiet (hier: Ulm und Neu-Ulm) wieder abzustellen. Im Gegensatz zu anderen Car-Sharing-Modellen (bei denen das Auto wieder zum ursprünglichen Standplatz zurückkehren muss) sind auf diese Weise auch Ein-Weg-Fahrten möglich. Die Abrechnung erfolgt ausschließlich nach der Dauer der Nutzung. Der Erfolg dieses Modells in Ulm führte inzwischen dazu, dass Car2Go-Projekte auch in Austin/Texas, San Diego, Vancouver, Amsterdam und Hamburg eingerichtet wurden.

Bemerkenswert an diesem Projekt ist zweierlei: Es wird vom Hersteller jener Automobile durchgeführt, der sich bislang vornehmlich auf die Produktion typischer „Renn-Reise-Limousinen“ konzentriert hatte. Und es versucht ganz bewusst neue Mobilitätstrends gerade in urbanen Räumen (Motto: „Auto nutzen statt Auto besitzen“) aufzugreifen. Ein Trend, der im übrigen auch von anderen Automobilherstellern erkannt und aufgegriffen wird, so z.B. von BMW in München (DriveNow) und von der Volkswagen AG in Hannover („Quicar“).

Details: http://www.car2go.com/ulm/de/

Kontakt: Andreas Leo, Car2Go, Pressesprecher (Deutschland, Unternehmenskommunikation), E-Mail: presse@car2go.com oder andreas.leo@daimler.com

Ganz anders schaut die Problemlage im ländlichen Raum aus. Hier ist es schwierig, überhaupt genügend Fahrgäste für öffentliche Verkehrsmittel zu finden. Im schwäbischen Krumbach (Lkr. Günzburg) geht man mit dem Flexibus neue Wege: Wie Harald Lenz, grüner Kreisrat vor Ort, erläuterte, ist der Flexibus ein nicht liniengebundenes Rufbus-System: Der Flexibus fährt innerhalb der Stadt und der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach in drei Zonen und holt die Fahrgäste mit einem Kleinbus (6-8 Sitzplätze) von über 300 Haltestellen ab und bringt sie zur dem Zielort nächstgelegenen Haltestelle. Die Rufbereitschaft für die Bestellung ist von Montag bis Sonntag von 7.00 bis 18.00 Uhr. Die Betriebszeiten sind von 5.00 bis 21.00 Uhr, freitags und samstags bis 24.00 Uhr. Die Fahrgäste sollten ihren Fahrtwunsch mindestens eine halbe Stunde vor dem gewünschten Fahrtermin telefonisch angemeldet haben. Im zweiten Betriebsjahr wurden über 25.000 Fahrgäste verzeichnet. Das Flexibus-System (dem allerdings der bisherige Stadtbus in Krumbach zum Opfer gefallen ist) wurde mit dem Innovationspreis des Verkehrsclubs Deutschland ausgezeichnet.

Details: http://www.flexibus.net/index.html
Infobroschüre als PDF-Datei
Zusammenfassung von Harld Lenz

Kontakt: BBS Schapfl KG, Hans-Lingl-Straße 1, 86381 Krumbach, Tel. 08282-9902100

Was Nachhaltigkeit im Energiesektor bedeutet, wurde beim Besuch der Energieregion Merkendorf deutlich. Das gilt für die Kleinstadt Merkendorf, die sich im Jahr 2010 zu 217% (!!) mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen selbst versorgte, genauso wie die sie umgebende Energieregion, die sich die Reduzierung des Energieverbrauchs und die Erhöhung des Einsatzes regenerativer Energien auf die Fahnen geschrieben hat. Damit wird die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen vermindert, die regionale Wertschöpfung gesteigert und nicht zuletzt ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Im „Energiepark“, dem Gewerbegebiet Merkendorfs, haben sich zudem einige innovative Unternehmen aus der Solar- und Energiebranche angesiedelt, die qualifizierte Arbeitsplätze bereitstellen und zur gesunden ökonomischen Basis Merkendorfs beitragen, wie Bürgermeister Hans Popp (im obigen Bild rechts neben Peter Gack) mit einigem Stolz feststellte (seine Präsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden!). In Merkendorf gibt es neun als Blockheizkraftwerke betriebene Biogasanlagen, die also nicht nur Strom erzeugen, sondern deren Wärme in ein Nah- und Fernwärmenetz eingespeist wird. Aus einer Bürgersolaranlage und einer Bürgerfreiflächenanlage wird regenerativer Strom ins Netz gespeist.

Die wirtschaftliche Bilanz dieser Nachhaltigkeitsstrategie kann sich sehen lassen: Über 260 Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare Energien wurden geschaffen, über 70 % der Gewerbesteuereinnahmen entstammen dem Bereich Erneuerbare Energie. Durch die enorme regionale Wertschöpfung werden die Erwerbsstrukturen für kommende Generationen gesichert und der ländliche Raum gestärkt.

Details: http://www.merkendorf.de
Kommune des Monats auf "Kommunal erneuerbar"
Klimaschutzkommune 2009 der Deutschen Umwelthilfe
Film "Merkendorf: Zeigt Energiegröße"

Kontakt: Dipl.-Kfm. Univ. Hans Popp, Erster Bürgermeister, Stadt Merkendorf, Marktplatz 1, 91732 Merkendorf, Tel.: 09826-6500, Fax.: 09826-65055, Mobil: 0172-8412329, E-Mail: buergermeister@merkendorf.de

Am Schluss der Bildungsreise stand ein Besuch bei der Firma „Bau-Fritz“, die vor über einem Jahrhundert als traditionelle Schreinerei begann und heute eines der innovativsten Holzhaus-Unternehmen Europas ist. Der Umstieg auf das Konzept des „Vollwert-Hauses“ (im Bild eines der Musterhäuser) hatte einen tragischen familiären Hintergrund: die Krebserkrankung der Frau des Unternehmenschefs Hubert Fritz, der bereits 1995 zum Ökomanager des Jahres gewählt wurde. Heute baut das Unternehmen – wie Yvonne Nieberle ausführte – pro Jahr ca. 180 ökologische Holzhäuser (vor allem Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser, aber auch ganze Siedlungen, Kindergärten, Schulen, Hotelanlagen, Feriendörfer und Gewerbebauten) in ganz Europa und beschäftigt rund 240 Mitarbeiter. Das Unternehmen engagiert sich auch in sozialer Hinsicht: Dazu gehören diverse Hilfsprojekte im In- und Ausland sowie eine der ersten eigenfinanzierten betrieblichen Kindertagesstätten in Bayern. 2008 wurde Bau-Fritz als familienfreundlichstes Unternehmen im Mittelstand ausgezeichnet.

Details: http://www.baufritz.com/de/qualitaet-und-kompetenz/oekologie/text/

Kontakt: BAUFRITZ, Alpenweg 25, 87746 Erkheim/Allgäu, Tel.: 08336-9000, Fax: 08336-900260, E-Mail: info@baufritz.de



Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Heinrich Böll Stiftung


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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24.06.2011 bis 01.07.2011

TAT.ORT Globalisierung

Dritte Erlanger Themenwoche

Unter dem Titel "TAT.ORT Globalisierung" widmete sich die 3. Erlanger Themenwoche dem Spannungsfeld von wirtschaftlichen und politischen Prozessen im Kontext der Globalisierung und deren konkreten Auswirkungen vor Ort. Das Programm umfasste sowohl Vorträge und Diskussionen aus den Bereichen der Politik, Ökonomie und Theologie, als auch eine praktische Auseinandersetzung mit möglichen Handlungsalternativen.

Freitag, 24.06.11: Green New Deal. Antwort auf die Klimakrise?  
Im Podiumsgespräch mit Uwe Kekeritz (Volkswirt und Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Fürth) und Tadzio Müller (Klimaaktivist, Politikwissenschaftler und Publizist) werden Ursprünge und positive Besetzung des Begriffs New Deal unter Roosevelt in den USA erläutert, sowie die Frage nach dem Nutzen eines Programms gestellt, das – zwar unter grünen Vorzeichen – wieder auf Wachstum ausgelegt ist und innerhalb des Systems einer liberalen Marktwirtschaft bleiben würde. Kekeritz vertritt eine pragmatische Position, die den Plan eines 'grünen New Deal' verteidigt, ein auf erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung abzielendes Investitionsprogramm. Das sei einerseits ein notwendiger Anfang und andererseits ein gangbarer Weg für eine mit unterschiedlichen Positionen und Kompromissen funktionierende Politik. Müller weist auf innere Widersprüche des Programms hin und fordert ein grundlegendes Umdenken, das sich nicht mit einem Kapitalismus 'in grün' zufriedengibt, sondern Fragen nach Wohlstandsverteilung, globaler Gerechtigkeit und Umweltzerstörung zu den Wurzeln unseres Wirtschaftssystems trägt. Daran anknüpfend wurde auch die jeweilige Form politischen Engagements thematisiert bzw. die Frage nach Haltungen, Erfolg und Effekt beim Engagement in sozialen Bewegungen bzw. organisiert in Form politischer Parteien und institutionalisierter Politik.

Samstag, 25.06.11: Demokratische Bank und Gemeinwohlökonomie: Die Frage nach Alternativen
Christian Felber (Publizist, Mit-Gründer von Attac-Österreich und "Erfinder" der Gemeinwohlökonomie) skizzierte in seinem Vortrag zunächst die jüngere Geschichte der globalen Ökonomie und zeichnete anhand von Ereignissen wie der Freigabe der Wechselkurse 1973 oder der Zulassung von Hedgefonds 2004 nach, wie komplett liberalisierte Finanzmärkte mitverantwortlich sind für die heutige Wirtschafts- und Finanzkrise seien.  Es wurde gefragt, ob gängige Schlagworte wie Wettbewerb, Leistung, Effizienz, Freiheit oder Wachstum nicht resignifiziert werden können im Sinne der bayr. Verfassung Art. 151 ('Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl'), also bspw. 'effizient' nicht auf Wettbewerb und Konkurrenz abzielt, sondern auf Kooperation und gelingende Beziehungen. Als Konsequenz vertrat Felber die konkrete Initiative einer 'Gemeinwohlökonomie', die demokratisch und partizipativ vor Ort aufgebaut wird und deren Bestandteil z.B. das Projekt einer demokratischen Bank ist, wie sie in Österreich 2013 starten wird. Als Initiative vor Ort wurde von der Erlanger Attac-Gruppe eine AG 'Gemeinwohlökonomie' gegründet. 

Sonntag, 26.06.11: Lateinamerikas neue Linke. Ist eine andere Politik möglich?
Prof. Dr. Walther L. Bernecker (Professor für Auslandswissenschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der FAU in Nürnberg, Autor und Experte für spanische und lateinamerikanische Geschichte) erörterte in seinem Vortrag anhand der unterschiedlichen Entwicklungen in Brasilien, Uruguay, Venezuela, Ecuador und Bolivien seit dem Ende der Diktaturen der 70er und 80er Jahre in Lateinamerika die Voraussetzungen, Entstehung und gegenwärtiger Stand der in sehr unterschiedlichen Graden linken Regierungen in Lateinamerika. Im Fazit stellte Bernecker fest, dass es eine einheitliche linke Struktur in Lateinamerika nicht gebe und die Regierungen grob in zwei unterschiedliche Tendenzen gefasst werden können, nämlich eine personalistisch und radikal-linkspopulistischere Variante und eine pragmatische, eher sozialdemokratische Variante. Gemeinsam sei dem Linkstrend in Lateinamerika u.a. die Ablehnung des vor allem US-amerikanischen Wirtschaftsliberalismus und Initiativen zur Verbesserung von Bildungssystem und Sozialstaat.

Montag, 27.06.11: 'Das Sterntalerprojekt' - Leben ohne Geld?!
In einem Podiumsgespräch mit Heidemarie Schwermer (Therapeutin, Lehrerin, Buchautorin, lebt seit 15 Jahren ohne Geld) wurde vor allem Biographisches und die 'Lebensphilosophie', ohne Geld zu leben, thematisiert, wobei die politischen Implikationen gemäß des Programms der Themenwoche im Vordergrund standen. Wie lässt sich damit den Zwängen eines scheinbar unausweichlichen ökonomischen Systems entgehen, welche konkreten Nachteile und Probleme, aber auch Herausforderungen und Ängste sind damit verbunden? Für Heidemarie Schwermer bedeutet ihr Lebensentwurf letztlich ein mehr an Lebensqualität, menschlicher Nähe und auch spiritueller Bereicherung, wobei sie betonte, dass sie ihren Lebensentwurf nicht als unbegrenzt verallgemeinerbar sieht. 

Dienstag 28.06.11: TatOrt Erlangen - Forum Erlanger Projekte und Initiativen
Erlanger Aktive stellten sich und ihre Auffassung der Globalisierung vor Ort vor. Themenbereiche waren: Menschenrechte (bspw. Amnesty, AG Medizin und Menschenrechte), Bildung (bspw. Bildungsstreik, Linke und Kritische Studierende), Ökologie (bspw. JBN, Ökosoziales Forum). 

Mittwoch 29.06.11: Kapitalismus und Religion – Religion als Ware?
In seinem Vortrag übte Heri Böttcher (evangelischer Theologe, Pastoralreferent und engagiert im Ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar) grundsätzliche Kritik an einem Kapitalismus, der sich parallelisieren lässt mit den Heilsversprechen einer Kultreligion.

Freitag, 01.07.11: Abschlusskonzert mit 'Karamelo Santo': Ska-Reaggae-Punk aus Mendoza, Argentinien

Veranstaltungsort
Erlangen


Partner

Network Of Young Altermondialists (NOYA), Erlangen


Art der Veranstaltung
Veranstaltungsreihe



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24.05.2011 - 19:30

"Wohlstand" – was ist das und wie können wir ihn messen?

Veranstaltungsreihe: Welche Wirtschaft wollen wir?

Wohlstand ist ein schillernder Begriff: er umfasst materielle Aspekte, aber gleichzeitig auch das subjektive Wohlbefinden. Es ist also schon bei einer einzelnen Person schwierig zu sagen, ob sie im "Wohlstand" lebt. Um so problematischer ist dies zu beurteilen, wenn es um eine ganze Volkswirtschaft, den "Wohlstand einer Nation" geht.

Die heute dafür übliche "Messlatte" ist das sogenannte Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Summe der in einem Staat erzeugten Produkte und Dienstleistungen. Und dieses BIP muss wachsen, wenn es einer Nation gut gehen soll - das war jedenfalls bis vor kurzem das weithin geteilte Credo der Wirtschatswissenschaften und auch der Politik.

Das Bruttoinlandsprodukt als "Messlatte" in der Beurteilung, ob sich die Wohlfahrt eines Landes erhöht, wird international und in Deutschland zunehmend kritisiert:

  • okologische Kritik am BIP (vgl. unsere Veranstaltung am 7. April 2011 mit Niko Paech)
  • BIP ist falscher Indikator für Wohlfahrt einer Gesellschaft (Diefenbacher et al.)
  • BIP-Steigerung ist nicht immer „problemlösend“ (Beispiel Arbeitslosigkeit)
  • Die Abhängigkeit vom Wachstum ist problematisch (Peak Everything)

Fazit: Es bedarf neuer Konzepte, um die „richtige“ Entwicklung eines Landes zu gewährleisten.

Beispiele für

1. Die Suche nach alternativen Indikatoren:

http://www.stiglitz-sen-fitoussi.fr/

http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/gremien/enquete/wachstum/index.jsp

http://www.beyond-gdp.eu/

http://www.oecd.org/document/0/0,3746,en_2649_201185_47837376_1_1_1_1,00.html

http://www.sd-commission.org.uk/publications.php?id=914

2. Alternative Wohlfahrtsindikatoren

Nationaler Wohlfahrtsindex: http://www.agenda21-treffpunkt.de/lexikon/NWI.htm

Canadian Index of Wellbeing: http://www.ciw.ca/en/Home.aspx

Humand Development Index: http://hdr.undp.org/en/statistics/

Index of Sustainable Economic Welfare: http://www.wikiprogress.org/index.php/Index_of_Sustainable_Economic_Welfare_%28ISEW%29

Happy Planet Index: http://www.happyplanetindex.org/

Einen schönen Überblick über die Diskussion bietet die Präsentation von Fabian Scheidler beim Kongress "Jenseits des Wachstums" mit dem Titel "Gibt es ein Leben nach dem Wachstum?". Hier zum Herunterladen: http://blog.jenseits-des-wachstums.de/wp-content/uploads/2011/06/Scheidler_Wachstumskritik_PWK_Mai11.pdf

 

ReferentInnen

Christoph Gran
Diplom-Volkswirt, wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

 



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04.05.2011

Olympia 2018 - Glücksfall für München oder Desaster für Stadt und...

Podiumsdiskussion mit GegnerInnen und BefürworterInnen der Olympiabewerbung

Radio Lora hat einen Mitschnitt der Veranstaltung produziert. Dieser Mitschnitt ist auf CD bei uns erhältlich.

Bei Interesse wenden Sie sich einfach an unsere Geschäftsstelle.

ReferentInnen

Es diskutierten:

Alexander Reissl
Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat

Jutta Koller
Stadträtin von Bündnis 90/Die Grünen

Axel Doering
Mitinitiator des Garmischer Bürgerbegehrens gegen Olympia 2018 und SPD-Kreisrat


Christian Hierneis
Vorsitzender Bund Naturschutz München


Moderation: Marco Eisenack (klimaherbst.de)


Partner

Radio Lora München

Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung

 


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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07.04.2011

Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum – ein innerer Widerspruch?

Veranstaltungsreihe: Welche Wirtschaft wollen wir?

"Nachhaltigkeit" ist längst nicht nur eine Forderung von Ökologen, sondern mittlerweile zu einem Zauberwort auch in der wirtschaftspolitischen Debatte geworden, das sich alle auf die Fahnen schreiben. Auch und gerade Industrieunternehmen und Wirtschaftsverbände. Auf der anderen Seite steht immer noch die Forderung nach "mehr Wachstum". Und ist diese Forderung nicht auch berechtigt - angesichts der immer noch bestehenden materiellen Bedürfnisse vieler armer Menschen gerade in den aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländern? Und: Wie sollte die jüngste Wirtschaftskrise ohne "Wachstum" zu bewältigen sein?

In der Auftaktveranstaltung unserer Reihe "Welche Wirtschaft wollen wir?" gab unser Referent Niko Paech eine eindeutige Antwort: "Wachstum oder Nachhaltigkeit – beides ist nicht zu haben!"

Und: "Eine Überwindung der Wachstumslogik bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des bisherigen Wohlstands- und Versorgungsmodells ist undenkbar!" Gleichzeitig nannte er jedoch eine Vielzahl von Ansatzpunkten, um den Übergang zu einer "Postwachstumsökonomie" zu ermöglichen.

Seine Präsentation können Sie als PDF-Datei bei uns bestellen.

ReferentInnen

Niko Paech

apl. Prof. Dr. Niko Paech
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fakultät II - Lehrstuhl für Produktion und Umwelt (PUM)
Die Forschungsschwerpunkte von Niko Paech liegen in der Umweltökonomik und der Nachhaltigkeitsforschung. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität wirkt Paech seit langem auch in der Projekt- und Vereinsarbeit in diversen Institutionen mit Nachhaltigkeitsbezug (z.B: BUND, NABU, Ökobank) und hat zahlreiche Berater - und Gutachtertätigkeiten im Bereich des Umweltschutzes und des nachhaltigen Wirtschaftens übernommen.



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15.03.2011 bis 31.03.2011

Asientage 2011

 

Vortrag: Mangos gegen Kinderprostitution, Zucker gegen Armut
Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit, einen aktuellen Bericht von der im Frühjahr stattgefundenen Projektreise zu Partnern des Fairen Handels auf den Philippinen mit ins Programm aufzunehmen. Ute Michallik, Geschäftsführerin des Weltladens und Teilnehmerin der Reise, berichtete von der Arbeit der Produzenten Alter Trade (Zucker), der Preda-Stiftung und kleinerer, vor allem kunsthandwerklich tätiger Produzenten. In Wort und Bild zeigte sie auch Einblicke in politische, kulturelle und wirtschaftliche Strukturen des Landes sowie die Chancen, die Fairer Handel den Menschen eröffnet.

Vortrag: Die Kultur des Alten und neuen Korea
Der Vortrag der neuen Stadtbücherei zeigte Aspekte Koreas aus erster Hand: Die Referentin Jung-Ja Holm ist selbst in Korea geboren und  lebt seit mehreren Jahren in Augsburg

Ein Tag für Tibet
Aus kalendarischen Gründen und wegen der Ferienzeit fand der Tibet-Tag dieses Mal erst in der Woche nach dem Internationalen Tibettag am 10. März statt. In den Räumen der Neuen Stadtbücherei haben dazu Infostände, Filmbeitrag und ein Vortrag stattgefunden. Bereits im Vorfeld wurde mit Info-Aktionen im Weltladen und dem hissen der Tibetischen Flagge auf die Situation in Tibet aufmerksam gemacht.

Der Referent Winfried Pfeffer, Tibet-Kenner und Leiter des Kailash-Haues in Freiburg, ging auf die aktuelle Situation in Tibet im Spannungsfeld zwischen Politik und dem Weg des Dalai Lama ein. Dabei kamen Umweltfragen ebenso zur Sprache wie die derzeitigen Veränderungen der die politischen Strukturen. Am 20. März, einen Tag nach der Veranstaltung, haben die Exil-Tibeter einen neuen Premierminister (Kalon Tripa) und ihr Parlament (Chithui) gewählt. Der Jurist Lobsang Sangay wird sein Amt als neu gewählter Ministerpräsident voraussichtlich am 14. August 2011 antreten. Der Dalai Lama hat sich zurückgezogen und ist nur noch geistliches Oberhaupt der Tibeter.

Konzert: Gesang der Stille
Der bekannte Musiker und Künstler David Lindner kam über die Vermittlung des Fairtrade-Importeurs Akar nach Augsburg. Er ist bundesweit unter anderem mit zahlreichen Buchveröffentlichungen zum Thema Klangschalen bekannt. Kompetent führte er in die faszinierende Welt der Klangschalen ein und berichtet über seinen Besuch einer Manufaktur in Nepal, wo Klangschalen noch auf traditionelle Weise gefertigt werden. Weiter stellt er das Instrument in die kulturellen Zusammenhänge und informiert zum Beispiel, wie sich Tibetische Klangschalen von Japanischen unterscheiden. Die Goldschmiede-Kapelle der Anna-Kirche boteinen ansprechenden Rahmen für diese Veranstaltung.

Dia-Vortrag: Eindrücke Chinas
In Bildern und Berichten wurde hier die aktuelle Situation in China mit kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen beleuchtet. Referenten waren Margarete und Martin Aulbach, die aktuell von einer China-Reise zurückgekehrt sind. Die beiden Pädagogen informierten anhand von anschaulichen Beispielen und Eindrücken ihrer Reise und forderten zur Auseinandersetzung auf. Neben prägnanten Fotos und einer ansprechenden Präsentation waren es auch die politischen und kulturellen Hintergrundinformationen, die zur Diskussion einluden.

Info-Abend: Asien in tausend TönenDie ehrenamtliche CD-Gruppe des Weltladens veranstaltete im Zeitraum der Asientage einen Info-Abend zu konkreten Beispielen der Weltmusik aus Asien mit Hörbeispielen. 

Lesung: Mit dem Wind fliehen von Ranjith Henayaka
Kurzfristig konnte der Autor Ranjith Henayaka Arachchi für einen Vortrag in Augsburg gewonnen werden. Er schildert in seinem Buch in bewegender Form das Schicksal des jungen Tamilen Nathan und seiner Familie. In den Machtkämpfen tamilischer Guerillagruppen wird er ebenso mit dem Tod bedroht wie von der Gewalt der offiziellen Machthaber. Nathan gelingt die Flucht nach Deutschland. Der Autor gibt in seinem Buch einer Wirklichkeit ein Gesicht, die viele nur aus Medienberichten kennen. Er zeigt, was es heißt, um Leib und Leben fürchten zu müssen. Und er entlarvt eine Politik, die in Deutschland und Europa auf dem Rücken von Flüchtlingen betrieben wird.

 

Veranstaltungsort
Augsburg


Partner

Werkstatt Solidarische Welt e.V. und Weltladen GmbH

amnesty international Augsburg

Bündnis 90/ Die Grünen

Kino Liliom

Neue Stadtbücherei Augsburg

Stadt Augsburg

Tür an Tür e.V.



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12.03.2011

Gentechnikfreie Lebensmittel aus bäuerlicher Landwirtschaft

Chancen für regionale Verarbeiter und Erzeuger durch Qualitätsvermarktung

Rupert Thaler, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Töging, Pflanzenbau: Produktionstechnik beim betriebseigenen Anbau von heimischen Leguminosen (Ackerbohne, Soja, Erbse etc.)
Rupert Thaler betonte, dass es in Bayern nur 2 Anlagen zur Verarbeitung (Rösten und Toasten) von heimisch angebautem Soja gebe (Stadlhuber in Waldkraiburg und Asamhof in Kissing). Von einem flächigen Angebot könne daher bis jetzt noch keine Rede sein. Die Deckungsbeiträge für Leguminosen wie Soja, Erbse und Ackerbohne liegen nach den amtlichen Berechnungen mit 345 – 494 €/Jahr/ha weit unter denen von Winterweizen (859 €) und Körnermais (832 €). Um den Anbau attraktiver zu machen,  wäre daher eine staatliche Förderung des ökologisch sinnvollen Leguminosenanbaus unabdingbar. Die EU-Kommission hat den Vorschlag von Bund und Ländern für 220 €/ha zuletzt jedoch mit Hinweis auf mangelnde WTO-Konformität abgelehnt, so dass derzeit nur über das KULAP-Programm mit dem Baustein „Vielfältige Fruchtfolge“ eine Prämie von 85 € pro ha/Jahr möglich ist. Auf politischer Ebene werde aber weiterhin versucht, eine Zusatzförderung gegenüber der EU durchzusetzen. Die Landesämter forschen an der Züchtung optimierter Sorten, da generell die Sortenvielfalt von Leguminosen aufgrund der zu geringen Verwendung gefährdet ist. Josef Schmid betonte, dass der Landwirt bei seinen Anbauentscheidungen nicht nur den zu erzielenden Marktpreis, sondern die zahlreichen ökologischen Vorteile (Auflockerung enger Fruchtfolgen, deutliche Verbesserung der Bodenstruktur und des Humusaufbaus, geringer Düngebedarf, verbesserte Tiergesundheit) berücksichtigen sollte. 

Jakob Niedermaier, Geschäftsführer MVS GmbH, Freising: Faire und gentechnikfreie Milchvermarktung
Die Milchvermarktungs-GmbH Süddeutschland vermarktet 110 Millionen Kilo Milch von 351 Bauern und schafft es über das Produktlabel „Faire Milch“, den Bauern einen Milchpreis von rund 40 Cent bezahlen zu können. Bedingung für die Bauern ist, dass diese Gentechnikfreiheit in der Fütterung garantieren. Die Vertragsbedingungen legen ein absolutes Verbot für Soja aus Übersee fest, nur gvo-freie Futtermittel aus Europa dürften verwendet werden. Zusätzlich verpflichtet sich jeder Betrieb, auf seinem Betrieb eine Umweltmaßnahme anzuwenden (Heckenpflanzung, Feuchtwiesenpflege, Streuobstwiesen). Die MVS ist bemüht, den Absatz weiter zu steigern, damit noch mehr Bauern aufgenommen werden können, Anfragen hierzu gebe es mehr als genug.

Josef Feilmeier, Internationale Arbeitsgruppe Futtermittel NON-GV, Edlham:  Preissituation und Verfügbarkeit von GVO-freien Futtermitteln
Josef Feilmeier ist als Mitglied der oben genannten Arbeitsgruppe und als Betreiber eines Lagerhauses der über die Grenzen von Bayern hinaus bekannte Pionier für die Vermarktung von gvo-freiem Soja. Für den Landwirt sei es zwingend erforderlich sei, nur Saatgut zu kaufen, bei dem der Züchter schriftlich bestätige, dass es „nach eigenen Untersuchungen frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen“ ist. Nach seiner Einschätzung werden durch das neue „Ohne-Gentechnik-Siegel“ deutliche Marktveränderungen ergeben:. Wer weiterhin mit genverändertem Futter produziere, werde bald Verkaufsprobleme bekommen. Große Molkereine wie Campina haben ihr Sortiment komplett umgestellt, einige bayerische Molkereinen wie Zott und Gropper haben eine gvo-freie Produktlinie aufgenommen. Er betonte, dass reichlich genfreies Soja auf dem Markt verfügbar sei. Der Mehrpreis werde langfristig durch eine deutlich erhöhte Teiergesundheit und sinkende Tierarztkosten ausgeglichen.  Hierzu gab es eine intensive Diskussion mit den anwesenden Landwirten, weil faktisch auf dem Lieferschein die gvo-freien Futtermittel eben doch teurer seien und bei fehlender Honorierung des Abnehmers die Umstellung nicht finanzierbar sei.

Dr. Ludwig Stuhlberger (Metzgerei Stuhlberger Erding/Freising): Vermarktungschancen von Fleisch aus Ohne Gentechnik-Fütterung
Als Tierarzt und Metzgermeister verfügt Dr. Stuhlberger über eine durchaus ungewöhnliche berufliche Qualifizierungskombination.  Er gilt für den bayerischen Raum ebenfalls als Pionier bei der Vermarktung von gvo-freien Fleischprodukten. Die Bauern, die an die Firma Stuhlberger liefern, müssen eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben, dass sie ausschließlich genfreies Soja verfüttern. Das sei bei den Schweinezüchtern anfangs schwierig gewesen, da die Lagerhäuser sich zunächst heftig dagegen gesträubt hätten. Bei den Ochsen habe es weniger Probleme gegeben, weil die Bauern hier leichter die Möglichkeit hätten, ihre Tiere mit hofeigenem Futter zu versorgen. Die Bauern erhalten einen Mehrpreis von rund 5 € pro Schwein und bei Bullen von 30ct/kg. Wenn komplett auf Soja verzichtet wird, steigt dieser Aufpreis. Der Verbraucherendpreis liegt im höheren Preissegment, die vielen Stammkunden schätzen aber die angebotene Qualität und sind bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Verarbeitet wird bei Stuhlberger eine Fleischmenge von 8000 Kilo pro Woche. Nur Metzgerbetriebe, die auch selber schlachten, könnten eine sichere Trennung realisieren. Herr Stuhlberger spannte einen weitern Bogen und bezog viele gesellschaftliche Fragestellungen mit ein. An die Bauern appellierte er, nicht bei den Discountern einzukaufen: „Man soll nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt.“

Abschlussstatements:

Lucia Egner von der AbL Regionalgruppe Oberland stellte zum Abschluss fest. „Das Fazit von heute sollte sein, dass jeder auf seinen Metzger oder Vermarkter zugeht und fragt, ob er eine Schiene für gentechnikfreie Lebensmittel etablieren will.“

Der Vorsitzende Josef Schmid appellierte an die Teilnehmer, auch emotional hinter der Gentechnikfreiheit zu stehen und das Thema der GVO-Fütterung bei konventioneller Erzeugung, die nicht über das „Ohne-Gentechnik-Siegel“ lizensiert ist, beim Gespräch mit Verbrauchern immer wieder ins Bewusstsein zu bringen. Die Umstellung lässt sich vor allem dann realisieren, wenn der Verbraucher bereit ist, einen Mehrpreis zu bezahlen. Auf politischer Ebene müsste endlich erreicht werden, dass nicht die gvo-freien, natürlichen Futtermittel teurer sind, weil sie den Aufwand für getrennte Logisitik und Untersuchungen tragen, sondern dass hier das Verursacherprinzip bei der Kostenübernahme angewandt wird.

Veranstaltungsort
Dorfen, Tagwerkszentrum, Siemensstr. 2


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern, e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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11.11.2010

Green New Deal für die Chemieindustrie?

Probleme – Chancen – Perspektiven

Wer aus der Umweltbewegung kommt und vielleicht schon ein bisschen älter ist, der denkt beim Wort "Chemieindustrie" bestimmt an Seveso, Bhopal oder Sandoz. Katastrophale Chemieunfälle dieser Art hat es glücklicherweise in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr gegeben - und auch ansonsten scheint die chemische Industrie die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Das war jedenfalls der Eindruck, den unsere Diskussion in Burghausen, inmitten des südostbayerischen "Chemiedreiecks", vermittelte.

Carl-Otto GenschDass sich die alten "Frontstellungen" weitgehend aufgelöst haben, das zeigte auch Carl-Otto Gensch vom Öko-Institut in Freiburg in seinem einleitenden Vortrag (die Präsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden) auf. Zwar tragen Produkte der chemischen Industrie weiterhin zur Schadstoffproblematik bei, z.B. die halogenorganischen Verbindungen oder auch hormonell wirksame Umweltchemikalien wie Bisphenol A. Und auch der hohe Energieverbrauch der Chemiebetriebe sei nach wie vor ein Problem für den Klimaschutz.

Auf der anderen Seite trägt die Chemieindustrie heute - so Gensch - aber auch zum Klimaschutz und zur Ressorceneffizienz bei: Gebäudedämmung, energiesparende Beleuchtung, Leichtbau-Automobile und viele andere Verbesserungen im Umweltschutz seien ohne entsprechende Produkte der Chemieindustrie gar nicht denkbar. Diese "Janusköpfigkeit" stellt laut Gensch in der Zukunft eine besondere Herausforderung für Unternehmen wie die Wacker AG dar. Dieser Herausforderung müsse sie sich stellen, indem sie von Erdgas und Erdöl als Energieträgern wegkomme und die negativen Wirkungen von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf das geringstmögliche Maß reduziere.

Dr. Willi Kleine, Wacker AGDr. Willi Kleine, Betriebsleiter des Werks Burghausen der Wacker Chemie AG, präsentierte sein Unternehmen ganz in diesem Sinne auf einem guten Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung (seine Präsentation kann ebenfalls bei uns bestellt werden). Nachhaltiges Wirtschaften sei Kernelement der Unternehmensziele: Wacker versuche,
die Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen herzustellen. In diese Nachhaltigkeitsstrategie seien auch Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens eingebunden. Nebenprodukte und Abwärme der Anlagen werden - so Kleine - der Produktion über hochkomplexe Produkt- und Energiekreisläufe erneut zugeführt. Diese Synergien führen zu einer sehr hohen Effizienz und zu deutlichen Kostenvorteilen.

Die Diskussionsrunde in Burghausen

Die Diskussionsrunde in Burghausen: Dr. Willi Kleine, Dieter Janecek, Moderator Markus Koch, Carl-Otto Gensch, Harry Klein (von links nach rechts)

Dieter JanecekDieter Janecek, Landesvorsitzender der bayerischen Grünen, unterstrich in seinem Statement (Kurzfassung als PDF-Datei) die Notwendigkeit eines forcierten ökologischen Umbaus insbesondere im Hinblick auf den notwendigen Umwelt- und Klimaschutz. Technologische Lösungen seien dabei aber nicht ausreichend, sondern es müsse die Orientierung an ökonomischen Wachstumsimperativen generell überdacht werden. Der ökologische Umbau müsse mit gemeinsam im Dialog gefundenen Lösungen bewerkstelligt werden. Die Politik müsse für diesen Umbau die entsprechenden langfristigen Rahmenbedingungen bereitstellen.


Harry Klein
, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Wacker Chemie AG, betonte, dass der Umbau der Chemieindustrie auf Seiten der Arbeitnehmer mit einer vorausschauenden Weiterqualifikation für neue Aufgaben und neue Arbeitsplätze verbunden sein müsse. Lebenslanges Lernen sei auch notwendig, um den bevorstehenden demografischen Wandel, der sich in der Chemieindustrie in einem absehbaren Mangel an Fachkräften auswirken werde, bewältigen zu können.

Die intensive Diskussion zeigte,  dass das Ziel der Nachhaltigkeit als wirtschaftliche Maxime für die weitere Entwicklung der Chemieindustrie im Grundsatz von allen geteilt wird. Postuliert werden allerdings verlässliche politische und ökonomische Rahmenbedingungen für diese Nachhaltigkeitsstrategie.

Die Veranstaltung in den Medien:

Bericht in der Passauer Neuen Presse

Bericht im Regionalfernsehen Oberbayern

 

Zum Weiterlesen:

Schriften zur Ökologie, Band 10:
Nachhaltige Industriepolitik
Wie man die Grüne Industrielle Revolution gestaltet

Memorandum zu den Leitprinzipien und Perspektiven für die Transformation der europäischen Industrie
Von Claudia Kabel und Christian Hochfeld
sowie Hendrik Acker, Regine Barth, Beate Kallenbach, Carl-Otto Gensch, Gerhard Schmidt und Christof Timpe
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
In Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut und der Green European Foundation
Berlin, Mai 2010, 72 Seiten

Auch als PDF-Datei erhältlich!


Partner

Heinrich Böll Stiftung



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14.10.2010

Wege zur nachhaltigen Stadt: Erneuerbare Energien und ökologisches...

Green New Deal in der Debatte

Logo Green New Deal

Wege zur nachhaltigen Stadt:

Ein großes Ziel und viele kleine Schritte

 Angesichts des drohenden Klimawandels und der schwindenden Ölreserven ist ein Umsteuern der Stadtentwicklung in Richtung „erneuerbare Stadt“ unumgänglich. Aber wie kann dies aussehen in einer historischen Stadt wie Bamberg mit einem beträchtlichen Bestand an denkmalgeschützten Gebäuden? Dieser Frage ging die Petra-Kelly-Stiftung im Rahmen der Debattenreihe "Green New Deal in Städten und Regionen - die urbane Revolution" mit ihrer Podiumsdiskussion „Wege zur nachhaltigen Stadt“ in Bamberg auf den Grund.

Prof. Peter Droege vom Institut für Architektur und Raumentwicklung der Hochschule Liechtenstein und Mitglied im Weltrat für Erneuerbare Energien erläuterte in seinem einführenden Vortrag sehr nachdrücklich, warum eine Wende in der Stadtentwicklungspolitik notwendig sei. Die heutige Urbanisierung sei eine unmittelbare Folge der fossilen Energieversorgung, die sich in autoorientierter Siedlungsentwicklung und weltweit dominierenden Reihenhaussiedlungen äußere. Hier sei ein tiefgreifender Wandel gefragt: „Städte, die sich zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgen, sind notwendig und möglich.“ Droege verwies auf zahlreiche Städte und Regionen aus aller Welt, darunter auch viele deutsche, die sich bereits auf diesen Weg gemacht hätten. Solare Potenziale – so Droege – gibt es jedoch nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Gerade Werks- und Genossenschaftssiedlungen seien dafür gut geeignet. Droege nannte hier das Beispiel der Siemensstadt im Berliner Stadtteil Spandau.

Solare Freiraumgestaltung

Solare Freiraumgestaltung hat auch ästhetische Qualitäten

Zusammenfassend empfahl Droege, mehrere Nachhaltigkeitsprinzipien miteinander zu verknüpfen:

  • Verdichtung des Stadtraums
  • Einführung erneuerbarer Energien
  • nachhaltige integrierte Mobilitätssysteme
  • Energie- und Ressourceneffizienz
  • Konsumreform und Suffizienz

Diese Strategie biete auch historischen Städten wie Bamberg eine Perspektive hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Gabriele Pfeff-Schmidt berichtete aus ihrer Sicht als Kreisbaumeisterin, welche Probleme es in der Praxis gebe, solch hochgesetzten Ziele auch tatsächlich zu erreichen. Zwar zeige die Potenzialanalyse für den Landkreis auf, wo sich erneuerbare Energien sinnvoll und wirtschaftlich einsetzen ließen. Die Umsetzung weitergehender Schritte sei jedoch oft mühsam und bedürfe großer Überzeugungsarbeit. Zudem seien die finanziellen Rahmenbedingungen nicht günstig: „Eine Kontrolle von Energiestandards oder eine entsprechende Beratung sind in Zeiten von Sparhaushalten personell überhaupt nicht umsetzbar.“

Heinrich Kemmer, Direktor der kommunalen Stadtbau GmbH, vermisste günstige und dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen, damit eine wirtschaftlich kalkulierende Wohnungsbaugesellschaft energetische Sanierungen im Bestand in wünschenswertem Umfang vornehmen könne. Das Konjunkturpaket habe sich zwar günstig ausgewirkt, sei aber eben nicht dauerhaft. Kemmer kritisierte, dass die Städtebauförderung um 50% gekürzt werden solle. Er sah zudem gerade in Bamberg Probleme mit denkmalgeschützten Gebäuden, wo eine energetische Sanierung in schnell in Konflikt mit den Auflagen der Denkmalpflege geraten könne.

Energiespar-Denkmal 

Ein - sogar preisgekröntes - "Energiespar-Denkmal" in Tübingen

Dem widersprach Dr. Manuel Haus, Gebäudeenergieberater vom Umweltzentrum Tübingen. „Auch in historischen Gebäuden kann und muss energetisch saniert werden“, betonte Haus und verwies auf bereits realisierte Projekte in seiner Heimatstadt. Haus mahnte aber auch eine Abkehr von bloß wirtschaftlich orientiertem Denken an: „Wir müssen den Leuten zeigen, dass es geht und sie auch emotional begeistern.“

Prof. Droege forderte mehr Engagement von den Energieerzeugern. Stadtwerke müssten von sich aus aktiv werden und möglichst viel erneuerbare Energie anbieten und nicht nur auf die entsprechende Nachfrage der Konsumenten warten.

Die Präsentationen von Prof. Droege und Manuel Haus können bei uns als PDF-Dateien bestellt werden.

 

Nützliche Links und Veröffentlichungen:

Peter Droege: 100% Renewable Energy - and Beyond - for Cities. HafenCity University Hamburg and World Future Council Foundation, Hamburg, March 2010.
Download als PDF-Datei

Peter Droege (Hrsg.): 100 Per Cent Renewable. Energy Autonomy in Action, Earthscan Ltd 2009

http://www.100-percent.org/

http://www.solarcity.org/

Umweltzentrum Tübingen e.V.

Weitere interessante Web-Sites zum Thema:

http://relaunch.100-prozent-erneuerbar.de/

http://www.100-ee.de/

http://www.100-ee-kongress.de/

http://www.kommunal-erneuerbar.de/

http://www.regiosolar.de/

Dort gibt es auch jede Menge weiterführender Links!


Partner

Heinrich Böll Stiftung



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