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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

17.12.2016 - 20:00

good night white pride

 

„Good night white pride” ist eine Kampagne von Mitgliedern der Hardcoreszene, die sich gegen Rassismus und Faschismus wendet. Ziel war und ist es, Faschismus und Rassismus „keinen Millimeter Platz einzuräumen“. In Rosenheim veranstaltet die infogruppe seit 2002 jährlich ein Konzert unter diesem Motto. Inzwischen ist das Rosenheimer „good night – white pride“ Konzert eine feste Institution in der oberbayerischen Alternativkultur geworden. 

Eröffnet wurde der Abend mit Angry Crust-Grind-Punk aus München von der Band PER CAPITA. Diese sprangen kurzfristig für „Volxverätzung“ ein, welche leider aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten.

Die zweite Band (VICIOUS FOOL) bot klassischen Hardcore. Die noch sehr junge fünfköpfige, aus Traunreut stammende Band ist mit ihrem modernen, aber melodischen Stil ein fester Bestandteil der lokalen Hardcore-Szene. 

Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich der Auftritt der Münchner Band ÄMBONKER, welche ihren Stil selbst als „ raw and pissed off hardcore punk“ beschreiben. Durch verschiedeneste musikalische Einflüsse entstand bald ein harter, wütender, eigenwilliger und direkter Punk-Sound. Ämbonker behandeln in ihren Texten soziale und politische Themen wie Krieg, Missstände in der eigenen Subkultur-Szene, Gier, Macht, Geld, Armut, Ungerechtigkeit, Faschismus, (zwischen)menschliche Idiotismen und alles, was damit einhergeht.

Der Headliner DEMENZIA KOLEKTIVA bot Punkrocksongs mit catchy Melodien, eingängig, packend, extrem hitlastig und getragen durch die Stimme der aus Chile stammenden Sängerin. Musikalisch ist die Wiener Band zwischen klassischem Punkrock, etwas frühem Anarcho-Punk und ganz viel 77er-Sound zu verorten. Gleichzeitig sind Demenzia Kolektiva durch den Gesang und die spanischen und englischen Songtexte aber extrem eigen, vielseitig und abwechslungsreich.

Im Rahmen des Konzertes wurden an einem umfangreichen Infostand Hintergrundinformationen angeboten und die Besucher*innen motiviert, sich über den Konzertabend hinaus inhaltlich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Über das niederschwellige Medium Musik ist es gelungen, über 100 junge Menschen auf ein Konzert mit einem klaren antifaschistischen Statement zu mobilisieren und damit klar Stellung gegen jede Form von rechtem Gedankengut zu beziehen. Gerade in einer Zeit, in der Neonazis mehrmals in Rosenheim versuchten, öffentlich aufzutreten, und in der es auch im Raum Rosenheim zunehmend rechte Gewalt gibt, ist dies besonders wichtig.

Veranstaltungsort
Rosenheim


Partner

Infogruppe Rosenheim


Art der Veranstaltung
Antifaschistisches Konzert



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02.10.2016 - 18:00

Rage against Abschiebelager

20 Jahre Rage Against Abschiebung

Das Rage Against Abschiebung ist das größte, regelmäßig stattfindende antirassistische Benefiz-Bandfestival im süddeutschen Raum. Der Bayerische Flüchtlingsrat organisiert es in München seit 1996. Seit 2004 mit und im Feierwerk München. Im Jahr 2016 hatte das Rage Against Abschiebung Festival die Themen:

  • europäische Abschiebemaschinerie
  • Festung Europa
  • Abschottungspolitik
  • Ausgrenzung von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sowie Illegalisierten
  • alltäglicher Rassismus

Auf Grund des schlechten Wetters fand das Rahmenprogramm, mit dem diese Themen den zahlreichen Besucher*innen vermittelt wurde, in diesem Jahr in der halle selbst statt. Neben einem Stand des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde in einem Pavillon und daran anschließend die Ausstellung zum Thema Abschiebelager präsentiert. Das Ziel der Ausstellung: auf das inhumane System der sogenannten „Ankunfts-und Rückführungseinrichtungen“ (ARE) in Bayern aufmerksam machen, d.h. auf die Praxis, Menschen nach Herkunftsländer zu sortieren, in Lagern zu sammeln und isoliert von Informationen und ohne Unterstützung in Schnellverfahren zu bearbeiten und letztendlich ohne ein faires, individuelles Asylverfahren in sog. „sichere Herkunftsländer“ abzuschieben. Hierzu wurde im Pavillon das Innenleben in den AREs nachgestellt. Absperrband wurde um den Pavillon gespannt, um so das Leben hinter Zaun zu verdeutlichen. Ein Metallhochbett und Malervlies als Bettdecke standen symbolisch für die triste und karge Einrichtung. Aussagen der Bewohner*innen über die Lebensumstände waren aufgemalt auf Karton an den Wänden angebracht und diese mit Infotext und Fotos versehen. Neben dem Pavillon stand eine Tafel mit realgroßen Fotos der täglichen Mahlzeiten in der Kantine. Mehrere Infotafeln informierten über weitere Aspekte, wie Arbeitsverbote, Residenzpflicht und „sichere Herkunftsstaaten“. Auch der Infobus, ein Angebot, das in naher Zukunft Betroffenen Beratung direkt vor den „Abschiebelagern“ in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen bieten wird, wurde in Szene gesetzt: So konnten die Besucher*innen diesen vor dem Festivalgelände besichtigen und hatten gleichzeitig drinnen die Möglichkeit, mehr Informationen zu bekommen und ihr Interesse an Mitarbeit zu bekunden. 

Veranstaltungsort
München, Feierwerk, Hansastr. 39-41


Kosten
9,50 Euro


Partner


Art der Veranstaltung
Solidaridätsfestival



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23.09.2016 bis 09.10.2016

AusARTen - Perspektivwechsel durch Kunst

 

Die ausARTen sind ein Projekt, bei dem sich alles um Kunst dreht. Als Kunstarten waren vertreten: Tanz, Fotografie, Calligraffiti, Poetry-Slam, Musik, Filmkunst, ein Vortrag über den Koran als Poesie sowie eine Vernissage muslimischer Künstler. Das Projekt zeigte: Deutsche und europäische Muslime haben ein tiefes, erfrischendes Potential. Sie sind mehr als das Objekt von Kopftuchdiskussionen. Muslime bereichern Deutschland und Europa mit ihrer Arbeit, ihrem Glauben, ihrer Lebensgeschichte, ihrer Kreativität und ihrer Kunst. 

3./4.9.: Straßenfotografie-Workshop mit der Fotografin Sandra Singh
An dem Workshop nahmen 12 junge geflüchtete Menschen teil, die ihre neue Heimat München aus ihrer Sicht fotografiert haben. Die Werke wurden im Münchner Forum für Islam, sowie bei dem AnderArt Festival am Odeonsplatz ausgestellt.

25.9.: Tanz-Workshop für Frauen mit der Künstlerin Nadina MeMagic
In den Mailinger Studios, „Wenn die Emotion zu stark ist um zu sprechen, dann singe, wenn sie zu stark ist um zu singen, dann tanze!“

25.9.: i,Slam - Poetry-Workshop mit Waseem Achim Seger
Dieser Workshop vermittelte - abgesehen vom Grundwissen über Poetry Slam - verschiedene Schreibtechniken und lyrische Stilmittel, die dabei helfen, Texte zu erstellen und sie performativ vorzustellen.
Ziel des Workshops war es, mit den Teilnehmenden Texte zu verfassen, verschiedene Schreibtechniken und lyrische Stilmittel kennenzulernen und dann über mögliche Performance-Möglichkeiten zu sprechen. Die Leitfrage des Workshops war: „Wie schaffe ich es, etwas so auszudrücken, dass es sich andere gerne anhören?“

30.09.: Vortrag „Der Koran als Poesie Gottes“  mit Professor Ahmad Milad Karimi im MFI
Der Koran gilt im Islam als Offenbarung Gottes. Diese Offenbarung ist zugleich ein poetisches Kunstwerk. Der Koran lässt sich nicht als ein schlichter Informationstext begreifen; vielmehr hat der Koran Klang, Melodie, Rhythmus, Reim und Takt. Die Weise wie die Offenbarung Gottes den Menschen erreicht, ist die Schönheit. Der Koran erobert die Herzen der Gläubigen. In diesem Vortrag geht es um die Schönheit der Sprache, der Zwischenräume, der Leerstellen des Koran, es geht um die Poesie Gottes und wie sie sich im Leben des Menschen ereignet.

07.10.: Vorführung des Films „Leiden schafft“ mit anschließendem Gespräch mit dem Filmemacher Mirza Odabaşı im MFI
Mirza Odabaşı ist ein junger deutscher muslimischer Filmemacher. Am 07.10. war er bei uns in München und nach der Vorführung seines Films war Gelegenheit Ihn persönlich zu diesem zu befragen.
Konzert: Vor dem Film:  Das DingDSDNG
So heißt die Crew um die MCs Cheb aka Cheb Turner alias der Funky Palestino, Akh Waas aka Waseem alias Monaco Freshprinz, die gekommen sind, um die Welt zu verändern. Eine Mischung aus straightness und realness trifft hier auf reflektierte Lyrics und pure Frische. Das Ding sind dabei, ein weltweites Netzwerk aufzubauen. Come join the bandwagon!
Konzert: Nach dem Film: Jisr
Jisr ist Arabisch und bedeutet „Brücke“. Ehab Abou Fakhar und Abathar Kmash sind über die Balkanroute von Syrien nach München gekommen. Im Gepäck: ihre Instrumente. Mit Mohcine Ramdan spielen sie Stücke aus Syrien, Ägypten, der Türkei, Tunesien, Algerien, Marokko und Andalusien.

08/09.10.: Calligraffiti-Workshop mit dem Künstler Calimaat El-Bedouiné im MFI und im Freien.
Neben der Einführung lernten die Teilnehmenden die Verwendung der Werkzeuge und der eigenen Schrift-Methode von Calimaat kennen. Das Ziel ist es am Ende des Tages einen Entwurf bzw. den eigen entwickelten Calligraffiti-Schriftzug zu entwickeln, und diesen nach dem zweiten Workshop Tag mitzunehmen.

23.09 – 08.10.2016 15:00-20:00 Vernissage / Ausstellung
Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern wurden den Räumen des MFI ausgestellt: Tasnim Baghdadi, Solara, Comic-Zeichnerin Soufeine / Soufeina "Tuffix"
 Calimaat stellte einige seiner Werke aus, die eine Kombination von Kalligraphie und Graffitti sind, Don't B.A. Brand sowie ausgewählte Fotografien aus dem Fotografie-Workshop von Fotografin Sandra Singh.

08.10.: Podiumsdiskussion und Abschluss im MFI
Am 8. Oktober fand schließlich die Podiumsdiskussion statt, an der einige der ausstellenden KünstlerInnen teilnahmen: Tasnim Baghdadi (Kunsthistorikerin), Calimaat (Calligraffiti-Artist), Mirza Odabaşı (Filmemacher), Amira Zarari (I,Slam Poetin), Achim Seger (Musiker), Musik: Miriam Green 

Veranstaltungsort
München


Partner

Münchner Forum für Islam


Art der Veranstaltung
Kunstprojekt



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26.05.2016 bis 29.05.2016

KONTAKT - DAS KULTURFESTIVAL: >aufbrechen<

 

Das diesjährige Festival fand auf dem Gelände der Lagarde Kaserne in Bamberg statt. Nicht nur die Festivalorte und die Besucher*innenanzahlen sind in den vergangen Jahren größer geworden, auch das ausschließlich ehrenamtlich arbeitende Team ist stetig angewachsen. So engagieren sich gemeinsam ca. 30 Erwerbstätige, Rentner*innen, Auszubildende und Studierende mit jeweils ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen. Organisiert ist die Projektgruppe basisdemokratisch in verschiedenen Arbeitskreisen (z.B. Programmgestaltung, Logistik und Infrastruktur, Finanzen, Getränke, Gastronomie, Kulturpolitik), in denen die Planungsarbeiten der unterschiedlichen Schwerpunkte erfolgen. Alle Arbeiten, die zur Vorbereitung und Durchführung des Festivals notwendig sind, erfolgen fast ausschließlich in Eigenregie. Dazu zählen umfangreiche Umbaumaßnamen auf dem Festivalgelände, die Finanzierung, der Aufbau, die Programmdurchführung, Versorgung, Sicherheit und Abbau.

Das Festivalgelände ist seit 2013 nach dem Abzug der U.S. Army ungenutzt und steht leer. Mit kontakt – Das Kulturfestival wurde dieses Gelände temporär neu belebt. Eine ehemalige Schreinerei wurde in ein Festivalcafé verwandelt, die alte Schlosserei und Klempnerei wurden zur Ausstellungsfläche, eine leerstehende Posthalle nach umfangreichen Abrissmaßnahmen zum großen Veranstaltungssaal und eine Turnhalle Bühne für Tanz, Theater und Performance. In einem ehemaligen Lagerschuppen wurden unterschiedliche vegetarisch-kulinarische Köstlichkeiten angeboten und die große Freifläche in der Mitte des Geländes durch das Kinderprogramm und eine Hofbühne belebt. Es gab somit für alle Besucher*innen Platz zum Verweilen, Spielen, Sich-Ausruhen und für das gute Leben an sich.

Die Besucher*innen von kontakt – Das Kulturfestival waren dabei allerdings keineswegs passive Rezipient*innen dargebotener Kunst; vielmehr wurde allen Anwesenden die Möglichkeit gegeben, aktiv am Festival teilzuhaben und dessen Verlauf in Workshops und Diskussionen mitzubestimmen. Dies macht das Festivalmotto 2016 deutlich: >aufbrechen<. Das bedeutet für uns ein Losgehen zu Neuem, zu neuen Orten, zu neuen Ideen, zu neuen Zielen. >aufbrechen< ist gleichzeitig ein Akt des Öffnens, dem Aufbrechen von alten, eingespielten und verkrusteten Strukturen, von bestehenden Räumen und von noch selten überdachten Denkweisen. Ein Aufbruch kann innerlich oder äußerlich passieren, freiwillig oder erzwungen sein.

Symposion

Das diesjährige Symposion zum Festivalmotto bot spannende Vorträge, Workshops und Diskussionen zum >aufbrechen< aus verschiedensten Perspektiven: als eine Bewegung hin zu Neuem, als gewollte oder gezwungene Migration, als das Setzen von Impulsen in der Stadtentwicklung und der Transformation von herkömmlichen Gesellschaftsmodellen.

Kulturzentrum freiLand – Ein Beispiel für die Lagarde-Kaserne?
Do. 26.5., 19:00 Uhr – Schreinerei

Dass Räume für Kultur erstritten werden müssen, ist nicht nur ein Bamberger Problem. Was dabei herauskommen kann, zeigt das größte selbstverwaltete Kulturzentrum in Potsdam: freiLand. Es wird basisdemokratisch verwaltet und auf vielfältige Weise genutzt. Eingeladen waren Weisi und Wendy, die Einblicke in ihre Arbeit gaben, wie ein Kulturzentrum aufgebaut und geführt werden kann. Die Kolleg*innen aus Potsdam haben sehr gut und pointiert Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein Kulturzentrum erstritten und wirtschaftlich betrieben werden kann. Nach dem Vortrag kam es zu reger Diskussion hauptsächlich um mögliche Finanzierungen eines Kulturzentrums. Ein gelungener Start für das Festival in Bamberg, das die Möglichkeiten aufzeigte, wie ein solches kulturelles Zentrum vor Ort aussehen könnte.

Fluchtgeschichten
Fr. 27.5., 17:00 Uhr – Schreinerei

Unter dem Thema Migration wurde in Zusammenarbeit mit der Asylinitiative Solidarität mit den Geflüchteten vom Balkan und zwei Theatergruppen aus Bamberg das Leben und die Geschichten der Bewohner*innen in der so genannten „Ankunfts- und Rückführungseinrichtung II“ (ARE II) in Bamberg thematisiert. Dabei wurden Einzelschicksale theatralisch aufgearbeitet. Das Thema ARE II ist in Bamberg sehr aktuell. Nicht erst seit dem vereitelten Anschlag von Rechtsextremisten oder durch das Protestcamp; auch fehlende Asylsozialberatung und auf ein Minimum reduzierte Beschulung der Kinder dort bewegen die Bamberger Bürger*innenschaft. Mit dem Programmpunkt Fluchtgeschichten sollte den Geflüchteten eine Stimme gegeben und Einzelschicksale nachvollziehbar gemacht werden. In der anschließenden Diskussion wurde über die verheerenden Zustände in der ARE II berichtet und gemeinsam überlegt, wie man den Geflüchteten dort eine Perspektive und Hilfe bieten kann. Gemeinsam mit anwesenden Geflüchteten wurden weitere Treffen und Aktionen verabredet um auf die Situation in der ARE II aufmerksam zu machen.

Kulturrundgang - Kultur braucht Raum
Sa. 28.5., 14:00 Uhr - Schreinerei (Treffpunkt)

Nach wie vor herrscht ein enormer Mangel an Räumen für nicht-kommerzielle kulturelle Inhalte und Veranstaltungen in Bamberg. Doch die freie Kunst- und Kulturszene ist groß und setzt sich mit verschiedensten Vorstößen für ein (sozio-)kulturelles Zentrum, ein Bürger*innenhaus oder eine freie Ausstellungshalle u.a. auf der Lagarde-Kaserne ein. Diese Initiativen hatten die Möglichkeit, ihre Ideen bei einem Rundgang auf dem Gelände dem Kultursenat der Stadt und einem öffentlichem Publikum vorzustellen.

Es war ein hehres Ziel den Konversions- und den Kultursenat der Stadt Bamberg auf das Festivalgelände zu bringen, damit sich die Stadträt*innen ein Bild davon machen können, wie eine kulturelle Nutzung des Kasernengeländes möglich sein kann und welche Initiativen daran Interesse haben. Immerhin hatten Oberbürgermeister und Kulturbürgermeister die Einladung weitergeleitet. Dieser folgten allerdings nur fünf Stadträt*innen, dafür umso mehr Bürger*innen. Mit einer Gruppe von ca. 40 Interessierten gingen wir exemplarisch Gebäude auf dem Gelände ab und einzelne Initiativen erläuterten ihre jeweiligen Vorstellungen einer kulturellen Nutzung.

Mit dabei waren:

  • die Initiative freund statt fremd und kosmos ost, die neben einer Kleidersammelstelle einen Begegnungsraum für Geflüchtete und andere errichten wollen,
  • der Kunstverein Bamberg, der auf fehlende Ausstellungsmöglichkeiten für zeitgenössische Kunst in der Stadt aufmerksam mache,
  • der Bürgerverein Ost, der sich ein städtebauliches Zentrum für Bambergs größten Stadtteil wünscht und ein soziokulturelles Zentrum, in dem Konzerte und Begegnungen stattfinden können.
  • Und auch Mitglieder von kontakt – Das Kulturfestival haben ihre Ideen für einen kulturellen Aufbruch Bambergs vorgestellt.

Deutlich wurde, dass ein großer Bedarf an Räumen und Flächen vorhanden ist für eine kulturelle Nutzung; ebenso wurde deutlich, dass auf dem Konversionsgelände, also dem Festivalgelände, viele gut geeignete Räumlichkeiten vorhanden sind. Woran es fehlt, ist die Entscheidung der Stadt Bamberg, diese Flächen auch zur Verfügung zu stellen. Darüber wurde mit den anwesenden Stadträt*innen diskutiert. Als Ergebnis entstand ein fraktionsübergreifender Antrag, der sich mit der kulturellen Nutzung von Teilen des Geländes beschäftigt, eine Fahrt nach Potsdam ins Kulturzentrum freiLand wurde vereinbart und die Stadträt*innen forderten die Interessierten auf ihre Ideen einzureichen, damit sie besprochen werden können.

Sonic Migrations - Migration und Pop
Sa. 28.5.,17:00 Uhr – Schreinerei

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Migrationsbewegungen nach Europa fallen häufig Begriffe wie “Kulturkonflikt” und “Überfremdung”, die Ängste und Ablehnung transportieren. Dabei wird viel zu oft übersehen, wie sich schon längst überall im Alltag Spuren von Migrationsbewegungen finden lassen. Ein Feld mit besonders nachhaltigen Einflüssen dieser Art stellt die Popkultur dar. In Zusammenarbeit mit den Vereinskolleg*innen von der freien uni bamberg wurde diese Thematik mit einem intimen Kenner diskutiert: Didi Neidhart (skug - Journal für Musik). Ein besonders spannender Vortrag, der eine ganz andere Perspektive auf Migration wirft. Didi Neidhardt erläuterte, dass und wie Popmusik von (gegenseitigem) Diebstahl, von Aneignung, Bastardisierung und dem produktiven Missverständnis des Anderen geprägt war. Dadurch werden starre Identitätsvorstellungen und kulturelle Zuschreibungen permanent in Frage gestellt und verschoben. Popmusik ist somit bereits in ihren Anfängen die genuine Kulturform der Migration. Weil sie stets in Bewegung bleibt, können in ihr andere Identitäten entstehen als jene, die aufgrund von Kategorien wie »race«, »gender«, »class« scheinbar vorgegeben sind. In diesem Sinn besteht die »politische« Funktion von Pop im Transportieren und Formulieren utopischer Gesellschaftsentwürfe, ohne deren realpolitische Umsetzung gleich stemmen zu müssen. Bereichert wurde der Vortrag anhand ausgewählter Musik-Beispiele, die gleichsam eine Reise sind durch exemplarische Momente der Pop-History, bei denen Grenzen keine Rolle mehr spielen.

Solidarwirtschaft
So. 29.5., 14:00 Uhr – Klempnerei

Wer gehört dazu, wer hat nichts zu melden? Was sollte unterstützt werden, was nicht? Dies sind essentielle Fragen, die sich eine Gesellschaft stellen muss. Ein kleines Unternehmen findet, dass dies auch Fragen des fairen Wirtschaftens sind: Gregor May von Premium Cola erklärte, wie Solidarwirtschaft in einem Kollektiv funktioniert, das auch Verbraucher- und Händleranliegen in seine Entscheidungen mit einbezieht. Wir überlegen gemeinsam, wie eine alternative Wirtschaftsform aussehen kann, die nicht auf dem Paradoxon beruht, dass sich unendliches Wachstum aus endlichen Ressourcen ergeben soll. Auf dem Festival selbst wurde auch bewusst Premium Cola als ein Getränk angeboten. Somit konnten die Besucher*innen direkt etwas über das Getränk erfahren, dass sie konsumieren. Dabei ging es allerdings nicht um das Rezept der Cola, sondern der Blick wurde von Gregor May auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge geworfen. Wie ein kollektiver Prozess und gemeinsames faires wirtschaftliches Handeln aussehen kann, welche Herausforderungen dabei bestehen und wie mit diesen im Kollektiv von Premium Cola umgegangen wird. 

Workshops

Der Mitmachaspekt des Festivals wurde am deutlichsten bei den angebotenen Workshops.

Tanzworkshop frei.tanzen
Do. 26.5., 18.30 Uhr – Turnhalle

Aufbruch? Was löst das aus? In mir, um mich herum? Was braucht ein Aufbruch? Was brauche ich, um aufzubrechen? Mit diesen und ähnlichen Fragen in Bewegung kommen, frei tanzen, mit sich und anderen über den Tanz in Kontakt sein und Neues in sich (wieder)entdecken. Der Tanzworkshop der Tanztherapeutin Christine Honikel war eine spielerische Entdeckungsreise zu sich selbst. Tanzvorkenntnisse oder besondere tänzerische Begabung waren nicht erforderlich.

Repair Café
Samstag, 28. Mai - 14:00 bis 23:00 Uhr - Hof

Das Fahrrad streikt? Der Wohlstandsmüll wächst? Wir begrüßten das Repair Café der Transition Bewegung Bamberg auf unserem Festival! Gemeinsam mitgebrachte kaputte Dinge reparieren oder »upcyceln« statt wegwerfen, lautete hier die Devise. Im Rahmen des Festivals gab es zwei Angebote: Die Fahrradwerkstatt und der Upcycling Treff – aus altem Ballast werden neue Lieblingsstücke! Aufgrund des großen Andrangs machten die Menschen vom Repair Café „Überstunden“; bis spät in die Nacht am Samstag wurden Reifen geflickt, Ketten geölt, Pedale justiert und Lichter geprüft.

Gaderobentausch
Donnerstag, 26. Mai bis Sonntag, 29. Mai - Schreinerei - täglich bis 20 Uhr

Wir luden zusammen mit Greenpeace Bamberg ein, längst vergessene Kleidungsstücke gegen neue Lieblingsteile zu tauschen. Rund 40 Prozent der Kleidung in unserem Schrank tragen wir selten oder nie. Trotzdem kauft jeder Deutsche im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr hinzu. Doch mit jedem neuen T-Shirt oder Kleid landen giftige Chemikalien in den Gewässern der Produktionsländer wie China, Indonesien, Bangladesch oder Mexiko. Über 50 Prozent des Frischwassers in China ist mit Chemikalien verunreinigt. Billige Massenware heizt den Konsum neuer Kleidungsstücke an und verschärft das Problem. Kleidung tauschen statt neu kaufen ist eine von vielen Alternativen. Statt im Müll zu landen, erhält die alte Kleidung ein neues Leben. Das befriedigt unsere Lust auf Neues, ohne die Gewässer zu vergiften oder gewaltige Müllberge zu produzieren und es schont den Geldbeutel. Der Garderobentausch war ein Hit auf dem Festival. So gab es an jedem der vier Festivaltage abends noch eine spontane Verkleidungsparty. Es wurde angeregt, im Umsonstladen in Bamberg eine solche permanente Tauschbörse einzurichten.

Alois Nebel (CZE)
Sa. 28.5., 22:00 Uhr – Hofbühne

Der rotoskopische Spielfilm des tschechischen Regisseurs Tomáš Luňák basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Jaroslav Rudiš und Jaromír Švejdík. Die Geschichte handelt von dem einsamen und melancholischen Fahrdienstleiter Alois Nebel, der 1989 – die Zeit der großen Wenden – gegen die Schatten seiner Vergangenheit kämpft und sich ganz nebenbei verliebt. Alois Nebel erhielt 2012 den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Bester Animationsfilm.

Empfohlene Weblinks

kontakt-bamberg.de

Veranstaltungsort
Bamberg, Lagarde-Kaserne


Partner

ASTA Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Kultur-Festival



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14.05.2016

DOK.fest: Preisverleihung

 

Preisverleihung mit Vorstandsmitglied Andreas Buchner (zweiter von links) / Copyright DOK.fest München – Neven Allgeier

Auch in diesem Jahr war die Petra-Kelly-Stiftung Preis-Stifterin beim DOK.fest:

Der "Horizonte"-Preis ging an den Film "A Maid for Each" von Maher Abi Samra.    
Zum Film: Erwachsene Kinder kaufen im Libanon ihren Eltern eine Hausangestellte, um das schlechte Gewissen zu entlasten. Junge Frauen aus Bangladesch oder Sri Lanka bieten ihre Dienste an und werden zur Ware. Zein ist Besitzer einer Agentur, die Dienstmädchen vermittelt. Die Kamera beobachtet die Gespräche in der Agentur, die Auswahl der Angestellten nach Alter und Religion, die üblichen Beschwerden. Die Dienstmädchen, die Opfer dieses Menschenhandels, bleiben unsichtbar.  

Aus der Jury-Begründung: "Auf beeindruckend filmische Art und Weise lässt uns der Regisseur in das internationale Geschäft mit Hausangestellten in Beirut eintauchen. Mit einer pragmatischen, geradlinigen und eleganten Filmsprache führt der Film die Grausamkeit dieses Systems vor, ohne die Opfer medial auszustellen. Die DOK.horizonte-Jury vergibt den Preis an den eindringlichen Film A MAID FOR EACH, der die Blicke der Öffentlichkeit auf die Existenz der Globalisierungsverlierer lenkt."

Außerdem erhielt der Film "Les Sauteurs" eine lobende Erwähnung der Jury.

Zum Film: Auf dem marokkanischen Berg Gurugu harren hunderte Migranten aus Subsahara-Afrika. Ihr Ziel: Sie wollen über den nahe gelegenen, riesigen Zaun in die spanische Enklave Melilla klettern. Immer wieder versuchen sie es, werden von der spanischen Polizei gestoppt und zurückgedrängt, manche verlieren ihr Leben. Abou Bakar Sidibé aus Mali lebt hier seit 14 Monaten. Er filmt sich und seine Umgebung und gibt seltene Einblicke in die Lebensrealität von Migranten an den Außengrenzen Europas.

Aus der Jury-Begründung: "Die Jury spricht die lobende Erwähnung für einen Film aus, der einen tiefen Einblick in das Leben afrikanischer Flüchtlinge gewährt – nicht von außen, sondern aus der Innenperspektive der Betroffenen. An der marokkanisch-spanischen Grenze festsitzend, fängt einer der Protagonisten mit der Kamera den alltäglichen Überlebenskampf, die Träume, Hoffnungen und Illusionen der jungen afrikanischen Migranten ein. Mal verzweifelt und desillusioniert, jedoch nie ohne Humor, ermöglicht uns diese innovative Art des Erzählens die völlige Identifikation mit den Protagonisten."

Veranstaltungsort
München



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24.10.2015

"Nachhaltige" Stadtentwicklung – hohle Phrase oder konkretes...

 

"Nachhaltig" sollte die Entwicklung einer Kommune sein - wer würde da heute noch widersprechen wollen?

Der Begriff der "Nachhaltigkeit" hat Karriere gemacht in der Politik, auch und gerade in der Kommunalpolitik. Doch hält auch alles, was sich mit mit diesem Begriff schmückt, einer kritischen Nachprüfung statt? Ist die Berufung auf "Nachhaltigkeit" nicht längst zur hohlen Phrase geworden?

Unser Seminar wollte möglichst unterschiedliche Aspekte dessen beleuchten, was heute unter "nachhaltig" verstanden werden kann und einige gute Beispiele aus der kommunalen Praxis vorstellen.

Reiner Erben, seit Mai 2014 Berufsmäßiger Stadtrat in Augsburg und Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Integration, skizzierte in seinem Grußwort die Augsburger Nachhaltigkeitsstrategie als einen „intensiven Suchprozess“, der im Rahmen der Agenda 21-Arbeit bereits seit 19 Jahren läuft und dabei Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung einbezieht. Der Stadt Augsburg, die 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Großstädte erhalten hat, ist es ernst mit diesem Prozess – das zeigt sich auch darin, dass es in der Stadtverwaltung immerhin drei Angestellte auf zwei Stellen gibt, die mit dem Nachhaltigkeitsmanagement befasst sind. Die konkrete Politik soll sich dabei an den bereits vom Stadtrat beschlossenen Zukunftsleitlinien orientieren.

Den Text von Reiner Erbens Grußwort können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal-Institut gab einen ersten Überblick über Grundsätze, Ziele und Umsetzungsstrategien für eine nachhaltige Entwicklung. Er betonte, dass die Probleme und Ursachen für fehlende Nachhaltigkeit mittlerweile seit langem bekannt seien. Der Klimawandel z.B. könne nur dann wirksam verhindert werden, wenn die CO2-Emissionen um 80% verringert würden. Nachdem aber die „einfachen“ Reduktionspotenziale allmählich ausgeschöpft seien, werde dies immer schwieriger – zumal viele Reduktionen durch eine gleichzeitige Expansion kompensiert würden (Rebound-Effekt). Zum Beispiel werden Effizienzsteigerungen beim Raumwärmebedarf durch die Zunahme der Pro-Kopf-Wohnfläche ständig konterkariert. Ohne ein Wirtschaftsmodell, das ohne Wachstum auskommt, werden wir in Sachen Nachhaltigkeit nicht vorankommen – so das Credo von Kopatz.

Um auf diesem Weg voranzukommen, müssen vor allem die kommunalen und staatlichen Rahmenbedingungen verändert und die Standards angehoben werden. Was in Modellprojekten erprobt wurde, muss schnellstmöglich zum Standard für alle werden. Kopatz forderte Limits für den Straßenbau und CO2-Obergrenzen für die Autos. Eine jährliche Stellplatz-Reduktion in den Gemeinden, generell Tempo 30 in den Ortschaften und ein Tempolimit auf Autobahnen könnten den Verhaltenswandel im Mobilitätsbereich verstärken. Kopatz‘ Fazit: Die Politik muss die Richtung vorgeben, die Bürger/innen müssen die Richtung einfordern.

Einige Veröffentlichungen von Michael Kopatz zu diesem Themenkreis:

Ich will, wenn du willst! Das Entscheidungsdilemma von Bürgern und Kommunen überwinden

Kommunen im "Abwärtswettlauf". Interkommunaler Wettbewerb und Klimaschutz

Die soziale-kulturelle Transformation

Friederike Rohde vom Zentrum Technik und Gesellschaft an der TU Berlin beleuchtete den „Mode-Trend“ „Smart Cities“ und fragte, ob und wie mit neuen Technologien ein Mehr an Nachhaltigkeit erreicht werden könne. Dieser Trend wird durch ein entsprechendes Förderprogramm der EU seit 2011 auch finanziell unterstützt. Und natürlich haben die großen Technologie-Konzerne auch ein eindeutig ökonomisch motiviertes Interesse an einem neuen Zukunftsmarkt.

Was genau unter „Smart Cities“ zu verstehen ist, ist durchaus umstritten, die Definitionen sind zum Teil sehr unterschiedlich. Am ehesten kommt die Definition der Stadt Wien dem Nachhaltigkeitsgedanken nahe. Sie stellt auf die Ressourcenschonung und Lebensqualität in einer gebauten Stadt ab und bietet einen langfristigen Rahmen für die Stadtentwicklung bis 2050, der mit konkreten Zielsetzungen und Projekten näher definiert wird. In diesem Rahmen hat dann auch der Einsatz neuer Technologien seinen Sinn, ist also nicht Selbstzweck, sondern Instrument.

Rohde wies ausdrücklich auch auf die problematischen Aspekte des Smart City-Ansatzes hin, so die Gefahr einer Ökonomisierung, der Degradierung der Stadt als Markt für den Verkauf der Produkte von Technologiekonzernen. Auch die Sammlung riesiger Datenmengen und die damit verbundene Gefahr des Datenmissbrauchs und der Überwachung sind problematisch.

Einige weiterführende Links und Literaturhinweise zum Thema "Smart Cities":

Fraunhofer Fokus - Centrum für Smart Cities: http://www.ict-smart-cities-center.com/

European smart cities: http://www.smart-cities.eu/

European Innovation Partnership on Smart Cities and Communities: http://ec.europa.eu/eip/smartcities/index_en.htm

Johannes Novy: Smart Citys - Wunsch oder Alptraum. In: Politische Ökologie 142. S. 46-52

Bastian Lange: Smart City? Kollaborativer Urbanismus!

Smart Cities – intelligente Städte in Europa: http://www.smartcities.at/

Die Präsentation von Friederike Rohde können Sie als PDF-Datei hier herunterladen.Einige weiterführende Links und Literaturhinweise zum Thema "Smart Cities"

Silvia Hable, Vorstandsmitglied des Transition Netzwerks, stellt den v.a. zivilgesellschaftlich orientierten Ansatz der Transition Towns vor. Im Rahmen der Transition-Town-Bewegung versuchen seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile und lokal orientierte Wirtschaft. Initiiert wurde die Bewegung von Rob Hopkins, einem Vertreter der Permakultur. Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, ist sie inzwischen ein Denkprinzip, das auch Bereiche wie Energieversorgung, Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen umfasst. Grundprinzip ist ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen. Diese bildet den ethischen Hintergrund der Bewegung: als Fürsorge für die „Erde“ und die Menschen.

Hintergrund und Ursache für die Bewegung sind natürlich „Peak Oil“, der drohende Klimawandel und auch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Neben der Senkung des CO2-Ausstoßes durch Verringerung des Verbrauchs fossiler Energieträger steht im Zentrum der Transition Town-Bewegung eine Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe und die Erhöhung der „Resilienz“ (= Widerstandskraft) der Kommunen in Krisenzeiten. Wichtig sind jedoch nicht nur die konkreten Projekte, die dabei umgesetzt werden (von der Regionalwährung über urbanen Gartenbau und Lebensmittelkooperativen bis hin zu Share-Economy-Projekten), sondern auch und vor allem, dass sich die daran beteiligten Menschen dabei wohlfühlen. Kopf, Herz und Hand sollen dabei eine gleichberechtigte Rolle spielen. Es sollen auf diese Weise Erfolgsgeschichten kommuniziert werden, auf individueller Ebene Änderungen angestrebt werden, bevor sie auf politischer Ebene wirksam werden.

Die Transition Town-Bewegung entstand in Kinsale (Irland) im Rahmen eines College-Kurses von Rop Hopkins, dem Begründer der Bewegung, die dann in dessen Heimatstadt Totnes (Grafschaft Devon, England) ihren eigentlichen Ausgangspunkt hatte. Zunächst vor allem im englischsprachigen Raum verankert, hat sie mittlerweile zahlreiche Ableger, u.a. auch in Deutschland.

Literaturhinweis:

Rob Hopkins: Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, oekom verlag, München 2014

Eva Leipprand, ehemalige 3. Bürgermeisterin des Stadt Augsburg (und in dieser Funktion für Kulturangelegenheiten zuständig), erläuterte am Beispiel Augsburgs den Versuch, die Kultur als vierte Säule einer nachhaltigen Stadtentwicklung (neben Ökologie, Wirtschaft und Sozialem) zu etablieren. Dabei ist die kulturelle Dimension von Nachhaltigkeit in einem weiten Sinn zu denken: als Haltung und Orientierung, als Möglichkeit, die Welt zu deuten. Die Welt wird „begreifbar“ durch Architektur, Kunst, Literatur etc. Insofern ist Stadtplanung immer auch ein kultureller Akt. Zum Beispiel: Ein „shared space“ hat auch mit Kultur und mit Werten zu tun, er erfordert eine andere Haltung, eine Haltung der Rücksichtnahme, der Vorsicht und der Wahrnehmung des jeweils anderen und steht damit im Gegensatz zur Konkurrenz, der ansonsten unsere Gesellschaft prägt.

Der Augsburger Versuch, Kultur ganz offiziell als 4. Dimension der Nachhaltigkeit in den Stadtentwicklungsprozess einzubringen, geht laut Eva Leipprand von einem „instrumentellen“ Kulturbegriff aus. Das kann konkret heißen: Gutes Leben in Stadt und Stadtteilen fördern, Einheit in der Vielfalt schaffen, Veränderbarkeit der Welt erfahrbar machen, auch durch Wahrnehmung der eigenen kulturellen Bedingtheit, über kulturelle Aktivitäten Denkmuster aufbrechen, Möglichkeitsräume eröffnen; die Unverwechselbarkeit des Ortes bewahren, Identität und Zugehörigkeit stärken; einen neuen Heimatbegriff entwickeln, der Diversität einschließt, Vielfalt der Kulturen als Ressource betrachten und nutzen, dem Austausch der kulturellen Ausdrucksformen Raum bieten; Kultur als Gedächtnis und Wissensspeicher der Menschheit zur Verfügung stellen; öffentliche Räume als Gemeinschaftsgüter für alle offenhalten, gegen Privatisierung und Ökonomisierung (Werbung) schützen; kulturelle Teilhabe als lebendiges Element der Bürgerschaft verstärken; Zugang zur Welt der Kultur und ihren Symbolen und damit Teilhabe an kulturellen Prozessen in allen Lebensphasen ermöglichen.

Im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses wurde so eine vierte Säule der Zukunftsleitlinien der Agenda für das Stadtentwicklungskonzept erarbeitet.

Den Vortragstext von Eva Leipprand können Sie als PDF-Datei herunterladen. Darin sind auch die Leitlinien zur kulturellen Zukunftsfähigkeit Augsburgs enthalten.

Zum Abschluss des Seminars ging es um konkrete Beispiele aus kommunalen Gebietskörperschaften unterschiedlicher Größenklassen. Dieter Gewies, der bis 2014 18 Jahre lang Erster Bürgermeister der Gemeinde Furth (3.300 Einwohner/innen) im Landkreis Landshut war, erläuterte die kontinuierliche, sehr pragmatisch orientierte Politik, die ihm und dem Dorf 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis eingebrachte. Einige Fotos, die die Entwicklung Furths illustrieren, finden Sie in der PDF-Datei, die Sie herunterladen können. 

Ein Eckpfeiler dieser Politik ist der Schwerpunkt Bildung & Erziehung, für den ein Drittel des – nicht sehr üppigen – Gemeindeetats reserviert ist. Damit ist es der Gemeinde möglich, eine Betreuungsgarantie von 1. bis zum 14. Lebensjahr zu geben. Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule (alle integrativ bzw. inklusiv organisiert) sowie Mittelschule, Hort und Gymnasium befinden sich im Ort. Außerdem gibt es zwei Universitätsinstitute. 

Schon 1999 wurde beschlossen, sich zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein Hackschnitzelheizwerk, eine Biogasanlage sowie zahlreiche Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Privathäusern sorgen bereits heute dafür, dass 80% der Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Eine groß angelegt Gewässerrenaturierung, mit der die Sünden der Flurbereinigung behoben werden konnten, hat durch die Anlage von breiten Gehölzstreifen entlang der Bäche den positiven Nebeneffekt, dass auf diese Weise auch die Versorgung des Heizwerks mit heimischem Brennstoff gesichert werden konnte.

In der Dorfentwicklung setzt Furth auf Flächensparen und Innenentwicklung. Im Rahmen eines breit angelegten Bürgerbeteiligungsverfahrens wurden die Pläne für eine neue Dorfmitte entwickelt und umgesetzt. Realisiert wurde eine kleinteilige Struktur von Läden und Dienstleistern. Trotz eine großen Zuzugsdrucks betreibt Furth eine restriktive Baulandausweisung.

Kurzbegründung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2014 für Furth

Cord Soehlke, Baubürgermeister in der Universitätsstadt Tübingen (90.000 Einwohner/innen), präsentierte den Tübinger Ansatz der nachhaltigen Stadtplanung, der vor allem auf der Zusammenarbeit mit privaten Baugemeinschaften basiert. Obwohl es in Tübingen einen hohen Baulandbedarf gibt, konnte seit 1985 die Stadtentwicklung ohne Ausweisungen auf der „grünen Wiese“ erfolgen. Im Französischen Viertel (ehemaliges Kasernengelände der französischen Armee), im Loretto-Viertel, im Mühlenviertel und auf der Alten Weberei wurden die dort vorhandenen Brachflächen mit kleinteiliger Nutzungsmischung und sehr variabler Parzellierung bebaut. Ziel war eine Stadt der kurzen Wege. In einer Mischung von top-down und bottom-up-Planung kam verschiedene Bausteine zum Einsatz mit verschiedenen Akteuren und unterschiedlichsten Architekturen. Die öffentlichen Räume sind in den genannten Vierteln ein wesentliches Gestaltungselement: verkehrsberuhigte Bereiche, kaum Parkplätze, einladende Gestaltungselemente machen den Aufenthalt dort angenehm. Die Viertel haben eine städtische Dichte und urbanes Flair.

Umgesetzt wurden die städtischen Planungen vor allem mit privaten Baugemeinschaften, die mit einem bestimmten Konzept oder einer Idee nach gleichgesinnten Interessierten suchen und im Erfolgsfall dann eine Planungs- und Baugemeinschaft bilden. Das lohnt sich für alle: Die Wohnungseigentümer zahlen letztlich 15-20% weniger als bei einem konventionellen Bauträger, die Baustandards sind hoch, ebenso der Werterhalt der Gebäude. Da die Baugemeinschaften ihr „Stück Stadt“ selbst gestalten, ist die Identifikation groß – und damit auch die eigene Verantwortung für das Quartier. Durch die große Bandbreite an Konzepten sind vielfältige und innovative Quartiere entstanden. Es gibt Low-Budget-Projekte, Nullenergiehäuser, Holzhäuser, Mehrgenerationenhäuser usw. Da die Wohnungen in aller Regel auch für Durchschnitts- und Geringverdiener bezahlbar sind, gibt e eine breite Mischung an sozialen Schichten, Generationen und ethnischen Gruppen. Die Stadt als Entwickler erbringt natürlich erhebliche Vorleistungen. Sie

  • erwirbt Militärareale und Industriebrachen;
  • entwickelt Konzept, Städtebau und Bebauungspläne;
  • entsorgt Altlasten und stellt Infrastruktur her, die durch den Planungsgewinn finanziert werden;
  • verkauft die Grundstücke;
  • steuert die gesamte Entwicklung.

Die privaten Baugemeinschaften als Erwerber und Bauherren erhalten Grundstücksoptionen für ihre Konzepte und sind die wesentlichen Akteure der Entwicklung. Sie haben strukturelle Vorgaben, aber große gestalterische Freiheiten und übernehmen gemeinsame Aufgaben wie Innenhöfe, Tiefgaragen.

Im konkreten Fall der Alten Weberei konnten sich Baugemeinschaften, Einzelbauherren und Bauträger für die Grundstücke bewerben. Ihre Projektvorschläge wurden nicht nach Höchstgebot vergeben, sondern im Hinblick auf die Erfüllung der Vergabekriterien. Dazu zählten: der Beitrag zur Nutzungsmischung, zur sozialen Mischung und zur Vielfalt des Quartiers, Ökologie, Parzellierung und Architektur.

Die Präsentation von Cord Soehlke mit vielen Fotos stellen wir als PDF-Datei zum Herunterladen zur Verfügung.

Literaturhinweis:

Architektenkammer Baden Württemberg u.a.: planen - bauen - leben. Baugemeinschaften in Tübingen. Tübingen 2011

Wie eine gesamte Region, in diesem Fall das Südtiroler Vinschgau, sich auf den Weg in die Nachhaltigkeit machen kann, erläuterte Jörn Wiedemann vom Terra-Institut. Dort soll eine „Gemeinwohl-Region“ entstehen, die sich als Reaktion und Gegenmodell zur Benachteiligung peripherer, vom Strukturwandel betroffener ländlicher Räume versteht. Problematische Entwicklungen wie  der Abfluss der Wertschöpfung, Arbeitsplatzverluste und Abwanderungstendenzen sollen so gestoppt werden. Angestrebt wird eine Entwicklung jenseits überkommener Wachstumsstrategien. Mit Lösungen im Kleinen, die aber auch erreichbar sind, sollen die Resilienz der Region gestärkt und die Kooperation gefördert werden. Im Zentrum stehen Subsistenz und Suffizienz. Konkret heißt das: Regionale Kreisläufe fördern, energieautarke Regionen schaffen, Regionalwährungen einführen usw. Unter dem Motto „Kooperation statt Konkurrent“ geht es um Wohlstand für alle. In Workshops werden dabei die Bürger/innen, Vereine, Unternehmen, Schulen und natürlich Politik und Verwaltung systematisch einbezogen. Ein kommunaler Wohlstandsindikator wurde erarbeitet, in drei Gemeinden bereits eine Gemeinwohl-Bilanz vorgelegt.

Erste Erfolge können festgehalten werden: Es gibt eine gemeindeübergreifende Kooperation im Energiesektor und bei der Tourismusvermarktung. Viele Projekte im Bereich Nachhaltigkeit (Green Event, Car-Sharing, Car-Sharing für Behindertenbusse) sind entstanden, diverse Sozialgenossenschaften (VINTERRA) wurden gegründet und stärken die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung ist deutlich spürbar – aber es gibt auch noch viel Potenzial für weitere Entwicklungen.

Die Präsentation von Jörn Wiedemann steht als PDF-Datei zur Verfügung.

Literaturhinweis:

Christian Felber: Die Gemeinwohl-Ökonomie – Das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Wien 2010

Homepage: https://www.ecogood.org/


ReferentInnen

Reiner Erben
Berufsmäßiger Stadtrat, Referat für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration
Rathausplatz 2 a
86150 Augsburg
Tel:   0821/324-4801, Fax:  0821/324-4805
E-Mail Referat: umweltreferat@augsburg.de

Dr. Michael Kopatz
Projektleiter,  Forschungsgruppe 2: Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik, Wuppertal-Institut 
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
Tel.: 0202/2492-148 | Fax: 0202/2492-250
E-Mail: michael.kopatz@wupperinst.org

Friederike Rohde
Dipl. Soz. tech., wiss. Mitarbeiterin, TU Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft
Hardenbergstr. 16-18
D-10623 Berlin
E-Mail: rohde@ztg.tu-berlin.de

Silvia Hable
Transition Netzwerk e.V., Vorstandsmitglied
E-Mail: verein@transition-initiativen.de

Eva Leipprand
Bürgermeisterin a.D., Augsburg 
E-Mail: Eva.Leipprand@gmx.de

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut
E-Mail: dieter.gewies@gmx.de

Cord Soehlke
Baubürgermeister, Tübingen
Brunnenstraße 3
72074 Tübingen
Tel.: 07071/204-2260 
 E-Mail: cord.soehlke@tuebingen.de

Jörn Wiedemann
Berater, Terra Institut Deutschland
Schwanthalerstr. 120 | D-80339 München
Tel.: 0174/338 24 65
E-Mail: j.wiedemann@terra-institute.eu
Internet: http://www.terra-institute.eu/


Veranstaltungsort
Augsburg



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02.10.2015 bis 04.10.2015

Agri | Kultur, Mobilität und Tourismus in den Alpen

 

Die Alpen sind, weit über die Hochgebirgsregionen hinaus, ein identitätsstiftender Lebens- und Kulturraum im Herzen Europas. Jedoch stellen Globalisierung, Klimawandel, Massentourismus und der zunehmende Transitverkehr den Alpenraum vor neuen Herausforderungen: So zeigt sich die Abwanderung von BewohnerInnen für viele strukturschwache Täler als ein massives Problem, aber auch die zunehmende Verstädterung von touristischen Ballungszentren, die agrarische und touristische Kleinstrukturen zerstört, gilt es kritisch zu betrachten. Daher sind kreative und energische politische Weichenstellungen gefordert.

Um zukunftsfähige, länderübergreifende Strategien für den Alpenraum zu entwickeln, haben am vergangenen Wochenende rund 100 TeilnehmerInnen aus Bayern, Liechtenstein, der Schweiz, Südtirol und Österreich unter der organisatorischen Leitung der Grünen Bildungswerkstatt Österreich im Tiroler Bergsteigerdorf Schmirn (Wipptal) gemeinsam über die Themen Mobilität, Tourismus, Kultur und (Land-)Wirtschaft diskutiert. Zu Gast waren dabei auch die beiden Landeshauptmannstellvertreterinnen Ingrid Felipe (Tirol) und Astrid Rössler (Salzburg) sowie der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch.

In Vorträgen, Workshops und Exkursionen wurden sowohl gesamtheitliche, theoretische Perspektiven beleuchtet als auch konkrete Lösungsvorschläge für einzelne Probleme erarbeitet. Die Vielfalt der Themen spiegelte die Diversität der Teilnehmer/innen wieder: Während Werner Bätzing die Folgen eines Zerrbildes der Alpen thematisierte, nahm Gerlind Weber in ihrer demografischen Analyse die Abwanderung von jungen Frauen aus den Dörfern in den Fokus und machte auf die ebenso bedenkliche Situation der meisten Gemeinden durch Überalterung und Unterjüngung aufmerksam. Eine Möglichkeit der Abwanderung von Frauen zu begegnen sah Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, in einer Umkehrung des traditionellen Rollenbildes: oft wäre es praktikabler, wenn die Frauen auspendeln und die Männer stattdessen die Höfe führen würden. Deutlich wurde aber auch, wie wichtig transparente Entscheidungsprozesse über die üblichen Diskussionen in den politischen Gremien hinaus sind.

Das breite Spektrum der Tagung wurde nochmals in der abschließenden Podiumsdiskussion erfahrbar, wo die verschiedenen Themen leidenschaftlich aber konstruktiv diskutiert wurden; trotz der oftmals unterschiedlichen Sichtweisen waren sich am Ende alle einig: für eine gute Zukunft des Alpenraumes ist eine verstärkte Zusammenarbeit von BewohnerInnen, Experten, PolitikerInnen und Institutionen in den Entscheidungszentren von immenser Bedeutung.

Grüne sind in allen Alpenländern (teilweise sogar sehr stark) politisch vertreten und durch ihren gemeinsamen Willen geeint, die Bergregionen als zukunftsfähigen Kultur- und Wirtschaftsraum zu erhalten. Dieses Potential gilt es zu nützen: Alpenweite Probleme können nur über Grenzen hinweg angegangen und in der europäischen Politik nur mit einer geeinten Stimme hörbar werden.

Die Grünen setzen sich daher auf allen politischen Ebenen für die Umsetzung der Alpenkonvention als zentralem Abkommen zur Sicherung der Lebensgrundlagen des Alpenbogens ein. Als eine konkrete Maßnahme haben sich die Grünen verständigt, gemeinsame Vorschläge für einen zukunftsfähigen Alpenraum zu  erarbeiten und in den jeweiligen Landesparlamenten einzubringen.

ReferentInnen

Veranstaltungsort
Schmirn, Österreich


Partner

Grüne Bildungswerkstatt


Art der Veranstaltung
Konferenz



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16.05.2015 - 20:00

Preisstiftung VIKTOR DOK.horizonte 2015

 

Der erstmals von der Petra-Kelly-Stiftung verliehene VIKTOR DOK.horizonte 2015 wurde an den Film "CE QU'IL RESTE DE LA FOLIE (REMNANCE OF MADNESS)" vergeben.  Im Bild: unser Vorstandsmitglied Renate Grasse mit dem Moderator der Preisverleihung, Moritz Holfelder.

Die 2014 entstandene Dokumentation von Regisseur Joris Lachaise zeigt ein psychiatrisches Krankenhaus am Rande von Dakar: Wie wird dort geheilt und von wem? Die Psychiater ziehen Heiler zu Rate. Eine intelligente, bildintensive Investigation zu Wahnsinn und Methode im Postkolonialismus. 

Die Jury begründete die Preisverleihung so:

"Der Film beginnt im Flur in einer psychiatrischen Anstalt in Senegal, von blendend weißem Licht überstrahlt. Einem jungen Mann werden die Haare geschoren. Der Regisseur Joris Lachaise nimmt uns in seinen Raum auf, wir können uns den Verstörungen und Verunsicherungen nicht entziehen, eindeutige Zuordnungen gibt es nicht. In Schulmedizin ausgebildete Ärzte und traditionelle Heiler treten in einen Dialog. Krankheitssymptome werden hier unvoreingenommen als kulturspezifisch verstanden und entsprechend behandelt. Psychopharmaka treffen auf Ziegenblut, Isolationszellen auf christliche Fundamentalisten.
Der Film 'Ce qu’l reste de la folie' explodiert förmlich mit seiner Diskursfreudigkeit, geht ungewöhnliche formale Wege und besticht mit visueller Kraft. Eine intellektuelle Auseinandersetzung wird sinnlich erfahrbar gemacht. 'Was vom Wahnsinn übrigbleibt' ist ein überragend gestaltetes Kunstwerk das uns vom ersten Bild an überwältigt und überzeugt hat.
"

Wir gratulieren dem Preisträger ganz herzlich!

Veranstaltungsort
München, Hochschule für Fernsehen und Film, Bernd-Eichinger-Platz 1


Kosten
8,50 Euro



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24.10.2014 - 19:00

Wir haben ein Land aus Worten

Literarisch musikalische Lesung mit Texten vom Mahmoud Darwisch

 Mahmoud Darwisch (1941-2008) verkörpert wie kein anderer mit seiner Lyrik die Heimatlosigkeit, die Ohnmacht, die Gefährdung der Identität des palästinensischen Volkes und zugleich das Festhalten an der Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben. Er und die vor 1948 geborenen Literaten versuchen, die Heimat aus der Erinnerung zu rekonstruieren und sie in Worten überleben zu lassen. Er ist die Stimme Palästinas. Eine Auswahl seiner Gedichte wurde zweisprachig von professionellen Sprechern vorgetragen, um diese Stimme hörbar zu machen.

 

Dabei wurden Ausschnitte aus den folgenden Werken vorgetragen:

Mahmud Darwish: Wir haben ein Land aus Worten. Ausgewählte Gedichte 1986-2002. Arabisch und deutsch. Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Stefan Weidner, Zürich 2002

Mahmoud Darwish: wo du warst und wo du bist. Aus dem Arabischen von Adel Karasholi, München 2004

Untermalt wurde diese Lesung durch musikalischen Improvisationen von Bahir Al-Rajab auf der Qanoun (arab. Kastenzither). Lydia Starkulla, die Sprecherin der deutschen Texte, ist Schauspielerin,  Sprecherin, Regisseurin, freiberuflich an verschiedenen Bühnen und in unterschiedlichen Ensembles tätig. Riyad Helow, der Sprecher der arabischen Texte, ist Palästinenser, lange in Deutschland, Liebhaber arabischer Literatur, aufgewachsen in einem Nachbardorf von al-Birweh, dem Heimatdorf von Mahmoud Darwish. Bahir Al-Rajab ist Musiker und Hochschullehrer aus Bagdad, ein Meister der Qanoun, der arabischen Kastenzither.

Die Veranstaltung war Teil der diesjährigen als Festival konzipierten Palästina Tage 2014 „Viva Palästina“, die das Land, seine Kultur, seine Geschichte sowie die Lebensrealität seiner Menschen durch Bilder des alten und neuen Palästina, durch Tanz, Theater, Literatur und Film unmittelbar zur Anschauung bringen sollten.

 

 

ReferentInnen

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Lesung



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10.07.2014

Frauen an Hochschulen – mittendrin?

Karrierewege und Gender Studies

Ladies Lunch 2014

Der Anteil der Professorinnen hat sich in den letzten Jahren zwar erhöht, aber dennoch ist nur jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Und das, obwohl sich mittlerweile ebenso viele Mädchen wie Jungen für ein Hochschulstudium entscheiden. Aber je weiter es in den Hochschulen auf der Karriereleiter nach oben geht, desto geringer wird der Frauenanteil.

Seit einigen Jahren gibt es außerdem zahlreiche Studiengänge Gender Studies – sie fragen nach der Bedeutung des Ge­schlechts für Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft.

Welche Stellung nehmen Frauen mittlerweile in der deutschen Hochschullandschaft ein? Welche Ent­wicklungen braucht es dort für mehr Gleichstellung? Welchen Einfluss haben die Gender Studies haben? Wirken Sie über den eigenen Fachbereich hinaus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt unseres diesjährigen "Ladies Lunch".

Merith Niehus gab einen Überblick über die Rolle der Frauen in Deutschland seit Beginn des vorigen Jahrhunderts. So durften Frauen ab 1908 studieren, was sie überwiegend im Fach Medizin taten, 1922 gab es dann auch die erste Richterin – es ging aufwärts.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Frauen zwar vordergründig hoch angesehen - allerdings nur in ihrer "Rolle" als Mütter und Ehefrauen. Direktorinnen an Schulen und Richterinnen etwa verloren ihre Positionen, Ärztinnen auch, sie wurden erst wieder nach Ausbruch des Krieges wieder "gebraucht".

Nach 1945 hatte ein eher fortschrittliches Klientel das Land verlassen und kam auch nicht zurück, damit hatte Deutschland ein modernisierendes Akademikerklientel verloren; die Frauenideale der Nazis blieben erhalten. In der öffentlichen Meinung waren Kinder erwünscht, aber als "Teil" der Frauen:  "Eine Frau arbeitet nur dann, wenn ihr Mann nicht genügend Geld verdient." und "Meine Mutter muss nicht arbeiten." waren typische Sätze der Zeit.

Erst Mitte / Ende der 60er Jahre übernahm dann eine neue Generation jüngerer, andersdenkender Frauen die Modernisierung des Frauenbilds. Auch brauchte die Industrie ab Mitte der 60er Jahre Arbeitskräfte. Nachdem zunächst "Gastarbeiter" geholt worden waren, "erfand" man die Teilzeitarbeit. Damit sollten die freien Arbeitsplätze gefüllt werden, wobei die Frauen gleichzeitig weiterhin Mütter sein konnten. Zeitgleich gingen immer mehr Mädchen länger zur Schule, machten höhere Bildungsabschlüsse und wollten dann nicht mehr zur Hausfrau und Mutter degradiert werden.

In der DDR verlief die Entwicklung anders: Betreuung auch für kleine Kinder war Staatsaufgabe, da auch die Frauen als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Im Westen entstand ebenfalls der Wunsch, sich zumindest zwischen Berufs- und hausfrauenrolle entscheiden zu können, aber dazu fehlte es lange Zeit an Betreuungseinrichtungen. Diese entstanden in akzeptabler Zahl erst in den vergangenen 10 bis 15 Jahren. Heute sind flächendeckende Ganztagsschulen nötig, um den Frauen eine wirkliche Wahl zu lassen.

Interessantes Detail: Akademikerinnen sind die Frauen, die durchschnittlich die wenigsten Kinder haben. Bei den Männer ist es gerade umgekehrt: Die Akademiker haben die meisten Kindern.

Paula-Irene Villa erklärte den Fachbereich „Gender Studies“. Dort sind folgende Themen von genereller Bedeutung: Wie wird Geschlecht gemacht (von wem, wo, wann und wozu), was meint Geschlechterdifferenz, niemand ist nur ein Geschlecht. Je nach Disziplin werden Gender Studies unterschiedlich gerahmt, verstanden, genutzt, gesehen...

Von den insgesamt 38.564 Professuren in Deutschland (2010) kamen 150 (114 an Universitäten und 36 an Fachhochschulen) aus dem Gender Studies-Bereich, davon waren 26 im Fachbereich Soziologie angesiedelt. Gender Studies sind kein akademischer Arm des Feminismus oder der Frauenforschung!

An der sich anschließenden regen Diskussion beteiligten sich die anwesenden Frauen sehr kompetent. In vielen Beiträgen ging es um die Situation der Frauen in der Wissenschaft, um die - fehlenden – Netzwerke, um den Sexismus an Hochschulen, die Fördermöglichkeiten, die Problematik der befristeten Verträge, die Altersgrenzen bei Befristungen.


Die Teilnehmerinnen im Gespräch

ReferentInnen

Prof. Dr. Merith Niehuss
Präsidentin der Universität der Bundeswehr München

Prof. Dr. Paula-Irene Villa
Lehrstuhl für Soziologie/Gender Studies  an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Begrüßung:
Sigi Hagl
Landesvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN in Bayern

Moderation: Silke Rapp

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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