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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

18.10.2012

Land in Sicht!? - Zukunft leben auf dem Lande

 

"Zukunft leben auf dem Lande"? - Wer die aktuelle Diskussion verfolgt, wird diesen Satz vielleicht skeptisch betrachten. Denn allzu oft ist im Zusammenhang mit ländlichen Räumen eher von einer wirtschaftlichen Abkopplung der “Peripherie” von den “Metropolen”, vom demographischen Wandel, ja gar von einer möglichen "Entvölkerung" die Rede.

Aber jenseits der Schwierigkeiten und kritischen Entwicklungen, die manche ländlichen Regionen in Deutschland - und auch in Bayern - durchmachen: Es wird vielerorts an zukunftsweisenden, innovativen und kreativen Problemlösungen gearbeitet. Unsere Tagung wollte dazu einen Beitrag leisten und für zentrale Politikbereiche und Handlungsfelder Ansatzpunkte für eine nachhaltige Zukunft des ländlichen Raums aufzeigen. 

Dr. Steffen Maretzke gab einleitend einen Überblick über den Stand der Entwicklung in den ländlichen Räumen Bayerns. Bayern gehört in Deutschland zu den Bundesländern mit dem größten Anteil an Einwohnern im ländlichen Raum. Die Einwohnerdichte ländlicher Kreise liegt dabei mit 118 Einwohnern pro Quadratkilometer etwas über dem Bundesdurchschnitt (97 Ew/km2 ). Im Norden und Nordosten gibt es erhebliche Mobilitätsdefizite. Trotzdem: Die wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Eckdaten der ländlichen Räume in Bayern gestalten sich im bundesweiten Vergleich immer noch relativ günstig. Innerhalb Bayerns konzentrieren sich die wirtschaftlichen und sozialen „Problemlagen“ vor allem auf die Regionen Main- Rhön, Oberfranken- Ost und Oberpfalz- Nord. Die strukturschwächeren bayerischen ländlichen Räume sind beim leistungsfähigen Breitband deutlich unterversorgt. Wichtig: Die disparitäten innerhalb Bayerns zwischen äußerst strukturstarken und dynamischen ländlichen Regionen sind sehr groß.

Ländliche Räume in Bayern heute - eine (Zwischen-) Bilanz
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Dr. Steffen Maretzke
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Deichmanns Aue 31-37
53179 Bonn
Referat I 4 - Regionale Strukturpolitik und Städtebauförderung
Fon: 0228/99401-2326
steffen.maretzke@bbr.bund.de

Prof. Dr. Otmar Seibert knüpfte hier an und betonte, dass die ländlichen Räume in Nordostoberfranken und in der Oberpfalz vor riesigen strukturellen Problemen stünden, die sie nicht allein bewältigen könnten. Mit einem einheitlichen Förderangebot könnten diese Probleme jedoch nicht gelöst werden. Notwendig sei deshalb eine  viel stärkere Regionalisierung der Förderprogramme, bei der die Qualität vor Ort und eine inegrierte ländliche Entwicklung im Vordergrund stehen müsse. Wichtig sind gebietsbezogene Strategien und Konzepte sowie eine systematische Beteiligung und Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Dies sei am LEADER-Programm klar positiv zu bewerten.  Seibert stellte auch die herkömmlichen Kriterien für den  "Erfolg" von Förderprogrammen (Beschäftigungswirkung, Güterexport) in Frage. "Häufig ist es schon ein großer Erfolg, wenn die Abwanderung gestoppt werden kann", betonte er. Für zukünftige Förderprogramme forderte Seibert mehr Vielfalt und Flexibilität, mehr Beteiligung und regionale Verantwortung sowie mehr Mut zu neuen Strukturen.

Regionalpolitik auf dem Prüfstand
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Prof. Dr. Otmar Seibert
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - Fakultät Landwirtschaft
Steingruberstraße 2
D-91746 Weidenbach
Fon: 09826/654-204
Fax: 09826/654-4204
E-mail: otmar.seibert@hswt.de

Forschungsgruppe Agrar- und Regionalentwicklung Triesdorf (ART)
Internet: http://www.fg-art.de/

 

Workshop 1: Die Rückkehr von "Tante Emma"?  - Versorgungs- und Einzelhandelshandelskonzepte für den ländlichen Raum
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Wolfgang Gröll plädiert nachdrücklich für Dorfläden. Das Konzept dafür fußt auf drei Säulen. 

Der Preis: Der Einkauf in Dorfläden ist bei Berücksichtigung aller Kosten nicht teurer als der in Discountern. In Dorfläden gibt es aber bislang häufig eine zu geringe Preiskontrolle. Häufig muss man nachjustieren, um einen marktgängigen Preis zu finden; Discounter und Vollsortimenter passen ihre Preise regelmäßig an – das müssen Dorfläden auch. Es gibt wenig Spielraum bei der Anordnung der Sortimente.

Individuelle Konzepte: Es gibt nicht „die“ beste Lösung bei der Errichtung eines Dorfladens; nur passgenaue Konzepte führen zum Erfolg. Mischmodelle sind möglich - Private, die Kommune, Initiativen oder soziale Träger können nicht nur alleine auf, um einen Dorfladen zu betreiben. Elementar ist die Akzeptanz des Ladens durch die Bevölkerung.

Umsetzungsprozesse: Die Individualität von regionalen Konzepten ist die Stärke der Dorfläden. Der Umsetzungsprozess läuft in mehreren Phasen ab; dieser Prozess ist nachvollziehbar und hat mehrere „Sollbruchstellen“, also die Möglichkeit für die zukünftigen Betreiber auszusteigen. Erster Schritt ist die Beratung vor Ort; danach folgt eine Art Auftaktveranstaltung, aus der auch erkennbar wird, ob ein Dorfladen Aussicht auf Erfolg haben könnte. 

Wolfgang Gröll
new WAY GmbH
Buchhofstraße 3
82319 Starnberg
Fon: 08151-7467290
Fax: 03222-370 64 29
Mobil: 0171-6847649
E-mail: wimgroell@t-online.de
Internet: http://www.dorfladen-netzwerk.de/

 

Workshop 2: Alt, krank, pflegebedürfig und auf dem Land - Gesundheits- und Pflegekonzepte für ländliche Räume 
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Dr. Gitte Händel zeigt eine Reihe von Ansatzpunkten für die Verbesserung der medizinischen Versorgung auf. In der anschließenden lebhaften Diskussion bilden sich drei Schwerpunkte heraus:

Versorgung erfordert Mobilität: Ein Hauptproblem der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum ist die Frage der Erreichbarkeit. Die Abhängigkeit vom eigenen Auto erschwert insbesondere für Alte, Kranke oder Pflegbedürftige den Zugang zu Versorgungsangeboten. Abgestimmte öffentliche Nahverkehrsangebote, z.B. mit ergänzenden AnrufSammelTaxis, können hier zu einer Verbesserung beitragen.

Neue Pflegekonzepte: Der Anteil häuslicher Pflege wird aufgrund sich verändernder Familienstrukturen auch auf dem Land abnehmen. Alternative Konzepte wie 'Wohnraum gegen Pflege' oder Seniorenwohngemeinschaften können geeignet sein, diese Lücke zu füllen.

Ärztliche Versorgung als Gemeinschaftsaufgabe: Die medizinische Versorgungsdichte im ländlichen Raum nimmt aus verschiedenen Gründen zunehmend ab. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, fördert die Staatsregierung die Ansiedlung von Hausärzten mit finanziellen Anreizen. Im Workshop wird auch über kommunale Ansätze zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung diskutiert. Dies können finanzielle Anreize sein wie Zuschüsse oder kostenlose Praxisräume, oder auch die Anstellung von 'Gemeindeärzten' durch eine oder mehrere Gemeinden.

Dr. Gitte Händel
diessenz
Neuburger Str. 26
86167 Augsburg
Mobil-Fon: 0171/1936164
E-mail: haendel@diessenz.de
Internet: www.diessenz.de

Workshop 3: Weniger Menschen - mehr Autos?  - Mobilitäts- und Verkehrskonzepte für den  ländlichen Raum
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Die Mobilitätsentwicklung in einem großen Teil ländlicher Regionen ist heute gekennzeichnet durch geringe Bevölkerungsdichte, Bevölkerungsrückgang, sinkende Schülerzahlen und einen wachsenden Anteil älterer Menschen. Die daraus resultierende sinkende Nachfrage im ÖPNV erschwert es, die Nachfrage zu bündeln. Ein zunehmend defizitärer Betrieb und ein lückenhaftes Mobilitätsangebot im ÖPNV sind die Folge. Die ohnehin auf dem Land starke Autoorientierung der Menschen nimmt noch zu. 

Auf diese Situation kann - wie Susanne Böhler aufzeigte - in verschiedener Weise reagiert werden:
- durch eine Flexibilisierung des liniengebundenen ÖPNV mit Rufbussen, Anrufsammeltaxis und einer verstärkten Flächenbedienung;
- durch Alternativen wie selbst-organisierte Mobilität (Car-Sharing, Nachbarschaftsautos auf vertraglicher Basis usw.) und private Mitnahme;
- durch den Versuch, das Angebot zur Nachfrage zu bringen, um Mobilität zu ersetzen (fahrende Einkaufsläden, fahrendes Bürgeramt, fahrende Bank und Bücherei, fahrendes Kino etc.).

Auch eine verkehrsreduzierende Siedlungsentwicklung und das Rad als individuelles verkehrsmittel müssen im ländlichen Raum als Handlungsoptionen berücksichtigt werden.

Für all diese Bereiche gibt es mittlerweile "good practice"-Kataloge, für die flexiblen Bedienungsformen sogar eine hilfreiches Handbuch. Für viele Kommunen ist allerdings die Finanzierung ein großes Problem. Eine Nahverkehrsabgabe, Job-Tickets, Semester-Tickets könnten in dieser Hinsicht hilfreich sein.

Dr.-Ing. Susanne Böhler-Baedeker
Forschungsgruppe Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt Energie GmbH
Döppersberg19
42103 Wuppertal
Fon:  0202/2492-259
Fax: 0202/2492-263
E-mail susanne.boehler@wupperinst.org

Workshop 4: Kommunale Bildungslandschaften - Ausweg aus der Schulkrise im ländlichen Raum?
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Mario Tibussek
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH (DKJS)
Tempelhofer Ufer 11
10963 Berlin  
Fon:030/257676-43
Fax:030/257676-10
E-mail: Mario.Tibussek@dkjs.de
Internet: www.dkjs.de /

Workshop 5: Neue ökonomische Perspektiven fürs Land  - Agrar- und Energiewirtschaft der Zukunft
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Hans-Michael Pilz stellte aktuelle Tendenzen innerhalb des landwirtschaftlichen Wirtschafssektors dar und erörterte aktuelle politische Strategien der Förderung im Agrar- und Energiesektor im ländlichen Raum. Dabei wurde klar, dass der Bereich der erneuerbaren Energien bereits heute eine große Bedeutung als Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe hat, die in Zukunft noch zunehmen wird. Die Produktion von Energie aus Solar- und Biogasanlagen sowie der Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Treibstofferzeugung erschließen dabei neue Einkommensquellen, die weit mehr zur Diversifizierung in der Landwirtschaft beitragen können als andere Erwerbszweige wie z.B. der Tourismus („Urlaub auf dem Bauernhof“).

Neben den Grundstrukturen der EU-Agrarpolitik und der im Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) zusammengefassten Förderprogramme erläuterte Pilz auch das Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung („Energie innovativ“), das zum Ziel hat, den aktuellen Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2021 zu mehr als 50% durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich die Agrarlandschaft im Zuge der Umsetzung der Energiewende deutlich verändert. Zu den bereits heute sichtbaren Entwicklungen zählen

  • Zunahme der Silomaisanbaufläche

  • Errichtung von Biogasanlagen

  • Windkraftanlagen als neue Dominanten im Landschaftsbild

  • „Solaräcker“ (Freiflächen-Photovoltaikanlagen; hier jedoch aufgrund der aktuellen Förderkulisse kaum Zuwachs)

  • Installation von Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden

Die vorgestellten Statistiken zeigten auch, dass die bekannten Tendenzen des Strukturwandels in der Landwirtschaft zwar weiter zu beobachten sind, die aktuelle wirtschaftliche Lage jedoch aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach der Ressource Boden und der seit 2009 gestiegenen Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte vergleichsweise gut ist.  

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass dies jedoch auch negative Auswirkungen haben kann („land grabbing“ durch international agierende Konzerne, massive Preisschwankungen durch Börsenspekulation mit Ernteerträgen). Außerdem wurden Notwendigkeit und Möglichkeiten steuernder Eingriffe in die Entwicklung der Kulturlandschaft vor dem Hintergrund der Energiewende kontrovers diskutiert.

Hans-Michael Pilz
Leader-Manager für die Oberpfalz
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt
Dr. Grundler-Straße 3
92318 Neumarkt
Fon: 09181/4508-204 oder 09402/9479868
Mobil-Fon: 0173/7124257
E-mail: hans-michael.pilz@aelf-ne.bayern.de

Workshop 6: Siedlungsentwicklung und technische Infrastruktur auf dem Land - Zukunftsperspektiven unter schwierigen Bedingungen
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis skizzierte die Probleme und Herausforderungen, die sich aufgrund geänderter Rahmenbedingungen (z.B.: demographischer Wandel) im Hinblick auf die kommunale Siedlungsentwicklung vor allem im ländlichen Raum ergeben. Dies werden vor allem die steigenden Kosten für die Aufrechterhaltung der sozialen Infrastruktur sein. Es sind also bei  Baugebietsplanungen vor allem die Folgekosten, die noch viel zu wenig in Betracht gezogen werden und die künftig rapide ansteigen werden.

Als Ergebnis der Workshop-Diskussionen (ausführliche Dartellung als PDF-Datei!) ist festzuhalten, dass in den Kommunen wieder längerfristig geplant werden muss und dabei sämtliche Kosten in die Planungsprozesse einzubeziehen sind. Die Sensibilisierung für die Probleme durch Beratung, Information und schließlich Überzeugung ist Grundvoraussetzung, um sich über die jeweils ortsspezifischen geeigneten Instrumente Gedanken zu machen

Prof. Dr.-Ing. Alfred Ruther-Mehlis
Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
Schelmenwasen 4-8
72622 Nürtingen
Fon: 07022/786303-4
E-mail: ifsr@hfwu.de

 

Materialien - Links - Literatur:

Regionale Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen stärken. Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag. Drucksache 17/7249 vom 28.09.2011.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/072/1707249.pdf

Zukunftsrat der Bayerischen Staatsregierung (Hrsg.): Zukunftsfähige Gesellschaft. Bayern in der fortschreitenden Internationalisierung. Bericht des
Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung. München 2010. 
http://www.bayern.de/Anlage10337216/BerichtdesZukunftsratsZukunftsfaehigeGesellschaft.pdf

Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften u.a. (Hrsg.): CHANCE! Demografischer Wandel vor Ort. Ideen, Konzepte, Beispiele. Bonn 2012. 
http://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/fileadmin/sites/ELER/Dateien/05_Service/Publikationen/broschuere_demografie_web.pdf

Dorfladen Otersen GbRmbH (Hrsg.): Handbuch zum Erhalt und zur Sicherung der Nahversorgung im ländlichen Raum. Kirchlinteln-Otersen 2008

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Differenzierte Bedienung im ÖPNV. Flexible Bedienungsweisen als Baustein eines marktorientierten Leistungsangebots. Köln 2009

Christine Ahrend/Melanie Herget (Hrsg.): Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Handbuch für nachhaltige Regionalentwicklung. Berlin 2012. 
http://www.verkehrsplanung.tu-berlin.de/ufm-handbuch.pdf

Susanne Böhler u.a.: Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV. Ein Beitrag zur Sicherung der Daseinsvorsorge in nachfrageschwachen Räumen. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bonn 2009. 
http://www.laendlicherraum.bayern.de/fileadmin/Dokumente/PDF/Demographischer_Wandel/DL_HandbuchPlanungNeu.pdf

Carolin Schäfer-Sparenberg: Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Good-Practice-Beispiele. Wuppertal 2011. 
http://www.wupperinst.org/uploads/tx_wiprojekt/UmFamMob_GP_TB1.pdf

Barbara Steinrück/Patrick Küpper: Mobilität in ländlichen Räumen unter besonderer Berücksichtigung bedarfsgesteuerter Bedienformen des ÖPNV. Institut für Ländliche Räume. Braunschweig 2010.
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/bereich/ab_02_2010_de.pdf

Neeltje van den Berg: Regionale Versorgungskonzepte für ländliche Regionen - gemeinsame Herausforderungen für Medizin und Pflege. München 2010. 
http://www.gruene-fraktion-bayern.de/sites/default/files/downloads/pdf/fg_gesundheit_auslaufmodell_landarzt_van_3739.pdf

Gabriele von Laufenberg: Medizinische Versorgung im ländlichen Raum.  Regionale Steuerungsmöglichkeiten bei drohendem Ärztemangel - das Beispiel Vogelsbergkreis. Dipolomarbeit. Gießen 2010. 
http://fss.plone.uni-giessen.de/fss/fbz/fb07/fachgebiete/geographie/bereiche/lehrstuhl/planung/pdf-bilder/Diplomarbeit%20Laufenberg/file/Medizinische%20Versorgung%20im%20ländlichen%20Raum.pdf

Anika Duveneck/Sybille Volkholz: Kommunale Bildungslandschaften. Heinrich-Böll-Stiftung. Berlin 2011.
http://www.boell.de/downloads/2012-02-Kommunale_Bildungslandschaften.pdf

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht`s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps. Seelze 2012

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.):  Bildungslandschaften zwischen den Meeren. Bildung gemeinsam verantworten! Ein Programm - Drei Kommunen - Drei Antworten. Arbeitshilfe mit Erfahrungen und Anregungen aus der Praxis für die Praxis. Berlin 2012. 
http://www.dkjs.de/uploads/tx_spdkjspublications/2012_03_23_Broschuere_Bila.pdf

Wolfgang W. Weiß: Kommunale Bildungslandschaften. Chancen, Risiken und Perspektiven. Weinheim/München 2011

Forschungsprojekt  "Elternbeteiligung und Gewaltprävention in kommunalen 
Bildungs- und Erziehungslandschaften":
http://www.kommunale-bildungslandschaften.de/

Förderprogramm "Lernen vor Ort": http://www.lernen-vor-ort.info/

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.): Leader in Bayern. Bürger gestalten ihre Heimat. München 2012. 
http://www.verwaltung.bayern.de/egov-portlets/xview/Anlage/4040770/Blickpunkt%202012%20-%20Leader%20in%20Bayern.pdf

Leibnitz- Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden: Siedlungsentwicklung und Infrastrukturfolgekosten. Ein Beitrag zur Abschätzung der Folgekosten alternativer Bevölkerungs- und Siedlungsszenarien für soziale und technische Infrastrukturen. o.O. o.J.
http://www.havelland-flaeming.de/PDF/ioer_hp_2.pdf

Stefan Siedentop u.a.: Siedlungsentwicklung und Infrastrukturfolgekosten – Bilanzierung und Strategieentwicklung.  Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn2006.
http://www.bbsr.bund.de/cln_030/nn_23582/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BBSROnline/2002__2006/DL__ON032006,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/DL_ON032006.pdf

 

Empfohlene Weblinks

www.srl.de

Veranstaltungsort
Amberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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22.06.2012 bis 30.06.2012

Commons-Sommerschule 2012: Wenn gewöhnliche Menschen außergewöhnliche...

 

In den letzten Jahren und vor allem seit dem Wirtschaftsnobelpreis für Elinor Ostrom im Jahr 2009 hat die Diskussion über das uns Gemeine jenseits von Markt und Staat (neudeutsch: Commons) an Bedeutung gewonnen. Sie wird in unterschiedlichen Bereichen - ob in Umweltfragen, im kulturellen Bereich oder im sozialen Leben - und von unterschiedlichen Gruppen geführt.  

In einer methodisch abwechslungsreich gestalteten Sommerschule wurden die folgenden Fragen gemeinsam erörtert.

  • Was sind Commons?
  • Wie sehen sie in der Praxis aus und was leisten sie?
  • Wer sind die Protagonisten der Commons und gibt es eine globale Commonsbewegung?
  • Wie können Sozialbeziehungen gestaltet werden, die von Transparenz, Kommunikation, Reziprozität und Selbstentfaltung geprägt sind?
  • Wie wachsen Commons in Kultur, Natur und im sozialen Raum? 
  • Wie vernetzen sich commonsbasierte Projekte und welche Konfliktlösungen entwickeln sie?
  • Wie gestaltet sich in einer Gesellschaft, die der Idee der Commons verpflichtet ist, die Beziehung zwischen Markt, Staat und Gesellschaft?
  • Was ergibt sich aus der Perspektive der Commons für die Eigentumsfrage?
  • Wie können Commons institutionalisierte Formen finden, in denen sie gedeihen?
  • Was ist commonsbasierte Peer-to-Peer Produktion? Welche Prinzipien und Grundgedanken liegen ihr zu Grunde?
  • Bieten Commons Lösungen für die Krisen der Gegenwart? Etwa: Wege aus dem Wachstumszwang?

Die Ergebnisse der Commons-Sommerschule sind ausführlich dokumentiert in einem eigenständigen WIKI:
http://web03.webcoach.at/w16/commons/index.php/Commons_Sommerschule_2012




Empfohlene Weblinks

www.commonsblog.de

www.commonsstrategies.org

www.gemeingueter.de

www.commons.at

ReferentInnen

 

Veranstaltungsort
Bechstedt (Thüringen), Kulturhof Bechstedt, Ortsstr. 19


Partner

Coko: Commons - Kooperation - Kommunitkation e.V., Jena
Stiftung Leben und Umwelt, Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen
Bildungswerk Weiterdenken, Heinrich Böll Stiftung Sachsen
Heinrich Böll Stiftung Thüringen
Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt
Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
stiftung nord-süd-brücken
Rosa Luxemburg Stiftung

 


Art der Veranstaltung
Sommerschule



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20.06.2012

Zeit für ein neues Wirtschaftsmodell: Wir brechen auf in die...

 

Günther Reifer stellte das Konzept und die Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie vor. Für dieses Konzept bilden Werte wie Solidarität, Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit wichtige Grundlagen. Es geht um die Frage, wie viel ein Unternehmen für das Gemeinwohl tut. Das Wohl aller steht im Vordergrund und soll durch einen entsprechenden Rechtsrahmen unterstützt werden. 35 Energiefelder werden definiert und in einer Gemeinwohl-Matrix aufgelistet. Nach diesen Kriterien werden Firmen beurteilt bzw. können sich jetzt in der Anfangsphase selbst beurteilen. Eine Forderung stellt die Begrenzung der Einkommen dar, z.B. kann ein Manager nur bis zum 10-fachen des Gehaltes des „kleinsten Mitarbeiters“ verdienen. Eine Vision ist die steuerrechtliche Belohnung der Unternehmen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen und danach handeln. Günther Reifer berichtete, dass z.B. die Sparda Bank nach diesen Kriterien arbeitet und sich hat beurteilen lassen. Der unmittelbare Nutzen stellt die sinnorientierte Unternehmensführung dar und ein verändertes Bewusstsein der MitarbeiterInnen.  

Empfohlene Weblinks

www.friedens-raeume.de

www.gemeinwohl-oekonomie.org

In Verbindung stehende Veranstaltungen
Um- und Aufbruch in der arabischen Welt
Konfliktbereit - versöhnungswillig


ReferentInnen

Günther Reifer
Vorstandsmitglied des Vereins „Gemeinwohl-Ökonomie“. Günther Reifer ist als Betriebswirt 10 Jahren in der freien Wirtschaft tätig gewesen. Er machte sich selbstständig und gründete die Unternehmensberatung „terra institute“.  Als Unternehmer eines kleinen Modeunternehmens wirbt er für ein anderes Denken und Konsumieren.

Veranstaltungsort
Lindau


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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10.05.2012 bis 11.05.2012

Stadtentwicklung im historischen Stadtgefüge

 

Das baukulturelle Erbe unserer Städte unterliegt vielfältigen Ansprüchen Dritter: der ökonomischen Verwertung, der energetischen Ertüchtigung, der adäquaten Nutzung für die Stadtbürger, um nur einige zu nennen. All dies löst städtebauliche Spannungen aus und - planerisches Handeln. Konzepte für die Zukunftsfähigkeit der historischen Städte im Sinne einer Erhöhung der Alltagstauglichkeit jenseits einer Festivalisierung sind gefragt.  

Im Mittelpunkt der Tagung stand deshalb die Frage der planerischen Bewältigung von Problemen des gesellschaftlichen Wandels in Städten mit starkem historischen Kontext.  

Bamberg wurde als Tagungsort gewählt, weil diese Stadt nicht nur exemplarisch für eine typische deutsche Welterbestadt steht, sondern weil hier 2012 die Landesgartenschau stattfindet, die die die Frage einer Nachnutzung einer Industrieanlage stellt, die bedeutendes Beispiel der industriellen Architekturggeschichte der Stadt war.

Die Tagungsbeiträge sind auf der Internetpräsenz unseres Kooperationspartners SRL ausführlich dokumentiert. Bitte klicken Sie hier!

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:

Forschungsvorhaben "Kommunale Kompetenz Baukultur"

Bundestransferstelle "Städtebaulicher Denkmalschutz"

Empfohlene Weblinks

www.srl.de

ReferentInnen

Dr. Ulrike Laible, Welterbemanagement Bamberg

Carola Neugebauer, TU Dresden

Hathumar Drost, Transferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz, Potsdam

Harald Lang, Leiter Stadtplanungsamt Bamberg

Peter Boie, SES Stadtentwicklungsgesellschaft Stralsund GmbH

Dr. Ulrike Wendland, Landesamt für Denkmalpflege, Halle

Nadya König-Lehrmann, Geschäftsstelle des Zweckverbands Oberes Mittelrheintal

Richard Mühlmann, Projektleiter Welterbekoordination, Stadt Regensburg

Dr. Marta Doehler-Behzadi, BM für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Berlin

André Zaman, LUWOGE, Ludwigshafen

Kerstin Camenisch, Geschäftsführerin Stiftung Ferien im Baudenkmal, Zürich

Michael Bräuer, Architekt, Rostock 

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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20.04.2012

10 Jahre "Region aktiv Chiemgau-Inn-Salzach"

 

Am 20.03.2002 hat die AbL-Bayern vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit der damaligen Ministerin Renate Künast die Nachricht erhalten, dass die Region Chiemgau-Inn-Salzach einer der Sieger beim Wettbewerb "Regionen aktiv" ist. Mit Hilfe der bereitgestellten Fördermittel wurden ein Regionalmanagement installiert und im Förderzeitraum von fünf Jahren insgesamt 75 Projekte umgesetzt.

Viele dieser Projekte laufen auch heute noch sehr erfolgreich und tragen weiter zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums  in der Region bei. Mit dem Symposium wurde das 10-jährige Bestehen von Region aktiv gebührend gewürdigt. 

Renate Künast stellte zunächst die Widerstände dar, die ihr in ihrer Zeit als Landwirtschaftsministerin bei der Initiierung des Modellprojekts von Seiten der etablierten Agrarpolitik begegneten. Sie bescheinigte der Region, mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an ehrenamtlichem Einsatz tragfähige „Modelle der Zukunft“ entwickelt zu haben, die ein Leitbild für die Agrarentwicklung sein sollten.  

Die beiden Vorsitzenden des Vereins Region aktiv e.V. Franz Schiefer und Elisabeth Widauer stellten eine Auswahl der Projekte vor. Die Vermarktungsgenossenschaft regionaler Lebensmittel und die Etablierung einer der ersten Regionalwährungen, des „Chiemgauers“, sind dabei wohl als die erfolgreichsten einzustufen. 

Josef Kobler, Behördenleiter des Amt für Landwirtschaft und Ernährung aus Töging, gab einen kenntnisreichen Überblick über die landwirtschaftlichen Strukturen der Region sowie Prognosen für verschiedene Szenarien der künftigen Entwicklung. 

Josef Rottenaicher wagte auch einen Blick auf die „Schattenseiten“ des Modellprojekts: wo ideenreiche Individuen mit viel Dynamik an vielen Fäden spinnen, entstünden natürlich auch Spannungen: „durch Reibung entsteht Wärme, die manchmal auch sehr intensiv sein kann“. 

Zum Abschluss hielt Prof. Dr. Alois Heißenhuber von der TU Weihenstephan ein Plädoyer für die Honorierung der Gemeinwohlleistungen in der anstehenden Agrarreform für eine echte Stärkung des ländlichen Raums.  

Als Fazit konnte festgestellt werden, dass die Region den Vertrauensvorschuss der investierten staatlichen Fördermittel bestens honoriert hatte, indem sie zeigte, dass oftmals nur eine Anschubfinanzierung nötig ist, um tragfähige, langfristig erfolgreiche Projekte ins Leben zu rufen. 

In Verbindung stehende Veranstaltungen
Die Vorschläge der EU-Kommission zur "Gemeinsamen Agrarpolitik" nach 2013


Veranstaltungsort
Burghausen


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.


Art der Veranstaltung
Symposium



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19.04.2012

Die Vorschläge der EU-Kommission zur "Gemeinsamen Agrarpolitik" nach...

Chancen und Risiken für die bäuerliche Landwirtschaft

Die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ab 2013 wird die Weichen stellen für die nächsten 10 Jahre. Der von Agrarkommissar Dacian Ciolos im Oktober 2011 vorgelegte Entwurf wird von Seiten der Agrarindustrie und deren Verbänden im Hinblick auf das sog. Greening als zu radikal erklärt. Von den Ökoverbänden und alternativen bäuerlichen Vereinen wie der AbL wird er dagegen als nicht weitgehend genug eingestuft, um einen wirklichen Kurswechsel zu erreichen. Die Kappung der Direktzahlungen ab einer bestimmten Obergrenze unter Berücksichtigung der Lohn- und Sozialversicherungskosten wird dem Modell der AbL-Bayern gegenüber gestellt. Hier soll die standardisierte Arbeitszeit als Indikator für die gesellschaftliche Leistung herangezogen werden statt wie bisher nur den Besitz von Flächen zu honorieren. 

Renate Künast betonte in ihrem einleitenden Referat, dass die EU-Agrarpolitik bisher so viele Fehlentwicklungen begünstigt habe. Die Reformvorschläge von EU-Kommissar Ciolos hält sie deshalb noch nicht für ausreichend, um eine Weichenstellung jenseits der Wachstumslandwirtschaft zu erreichen. Die Greening-Maßnahmen müssen weiter greifen: Notwendig sind ein maximal 50 % -Anteil für eine Fruchtart, eher mehr als  7 % Ökovorrangflächen und ein rückwirkendes Grünlandumbruchverbot. Weil der Erhalt der Kulturlandschaft nur funktioniere mit einer Einbeziehung des Faktors Arbeitskraft, der Prozess aber schon weit fortgeschritten sei, sollte Ministerin Aigner in Brüssel einen Sonderweg für die BRD einfordern, da vor allem bei uns die Berufsgenossenschaftsbeiträge künftig ebenfalls an der Arbeitsleistung bemessen werden. 

Marlies Olberz von FIAN forderte, endlich auch die Belange der Länder des Südens in die Agrarreform mit einzubeziehen – viel zu lange schon werden durch unsere Futtermittelimporte die dortigen Flächen für Nahrungsmittel verknappt. Die Intensivlandwirtschaft ernährt nicht die Welt, sondern produziert Hunger.  

Das Modell der AbL-Bayern, in dem die Arbeitsleistung statt der reinen Flächenförderung deutlich stärker berücksichtigt werden sollte, stellte Josef Schmid vor. Er betonte, dass damit nicht die Arbeit an sich subventioniert werden soll, sondern diese als Indikator diene, ob es sich um einen bäuerlich oder industriell wirtschaftenden Betrieb handelt. Bei kleinen und mittleren Betrieben würde damit deutlich mehr Geld ankommen als bisher. Mit der Beibehaltung der reinen Flächenprämie werden die Gelder direkt an den Verpächter weitergegeben, ähnlich wie zu Zeiten der Feudalherren.   

Dass der Marktordnungsteil der Reform bisher nicht ausreichend diskutiert ist, obwohl darin die Weichen für die künftige Verteilung der Marktmacht gestellt werden, hob Romuald Schaber vom  Bund Deutscher Milchviehhalter hervor. Für die Öko-Vorrangflächen fordert er eine Anerkennung von Kleegras und Leguminosen anstelle einer Nutzungsstilllegung. 

Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz in Bayern setzt auf Maximalforderungen, um am Ende der Verhandlungen tatsächlich eine gerechtere und grünere Landwirtschaft zu erreichen. Wenn 50 % Flächenanteil für eine Fruchtart das Ziel sind, müssten 1/3 gefordert werden. Zur Stärkung der heimischen Eiweißversorgung sollten in der Fruchtfolge 20 % Eiweißpflanzen festgeschrieben und für Soja und Gensoja wieder Importzölle eingeführt werden. Bei den geforderten 10 % Öko-Vorrangflächen, die keine Stilllegungsflächen sein müssen, könnten aus Sicht des BN Leguminosen anerkannt werden, wenn sie später geerntet werden. 

In der Publikumsdiskussion, die den Bogen von der Agrarreform, der Biogas-Novelle über die Gentechnik bis hin zur verlorenen Souveränität der Politik gegenüber den Weltfinanzmärkten spannte, ging die Frage an Josef Schmid, wie denn bäuerliche Landwirtschaft überhaupt zu definieren sei. Er erklärte, dass sie im Grunde nicht über die Tier- und Flächenzahlen zu definieren ist,  sondern dann bäuerlich ist, wenn die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital auch in bäuerlicher Hand sind.

In Verbindung stehende Veranstaltungen
10 Jahre "Region aktiv Chiemgau-Inn-Salzach"


ReferentInnen


Veranstaltungsort
Teising


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag und Podiumsdiskussion



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10.11.2011

Wege zum Wandel - Wie wir gesellschaftliche Veränderungen...

Veranstaltungsreihe: Welche Wirtschaft wollen wir?

In der abschließenden Veranstaltung unserer Reihe "Welche Wirtschaft wollen wir?" ging es um die schwierige Frage, wie es gelingen kann, möglichst viele Menschen für die konkrete Umsetzung von wünschbaren Zielen zu gewinnen und sie in die notwendigen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen einzubinden.

Kora Kristof vom Umweltbundesamt stellte in ihrem einleitenden Vortrag dar, welche Herausforderungen es für erfolgreiches Verändern gibt und skizzierte einige wesentliche Erfolgsbedingungen. Dass es sich dabei um einen ziemlich komplexen Prozess handelt, macht das folgende Schaubild deutlich.

 

Die gesamte Präsentation, die als Grundlage für den Vortrag von Kora Kristof diente, können Sie als PDF-Datei bei uns bestellen.

ReferentInnen

Dr. Kora Kristof
Umweltbundesamt, Leiterin der Abteilung "Nachhaltigkeitstrategien, Ressourcenschonung und Instrumente", Verfasserin des Buchs "Wege zum Wandel"

Kommentare und Diskussion:

- Andreas Buchner, Hylas Holdings GmbH, Vorstandsmitglied UnternehmensGrün, Vorstandsmitglied Petra-Kelly-Stiftung

- Margarete Bause, MdL, Fraktionsvorsitzende, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag



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03.11.2011 bis 04.11.2011

Green New Deal – Die Zukunft beginnt jetzt!

Ein Kongress des Stiftungsverbunds der Heinrich-Böll-Stiftung

Einen ausführlichen Rückblick mit Berichten aus den verschiedenen Themenforen und Video-Mitschnitten finden Sie auf der Green New Deal-Website des Stiftungsverbunds.

Klicken Sie sich mal rein!

Empfohlene Weblinks

greennewdeal.boellblog.org/category/konferenz/

Veranstaltungsort
Hamburg


Partner

Heinrich Böll Stiftung und ihre Landesstiftungen


Art der Veranstaltung
Kongress



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06.10.2011

URBANITÄT STAT(D)T ÖL - Kommunale Planung für die post-fossile Stadt

 

Die Stadtentwicklung des 20. Jahrhunderts beruhte nicht zuletzt auf den fossilen Energien: Heizung, Strom, Verkehr - all dies war (und ist derzeit) ohne Öl und Kohle kaum vorstellbar. Doch die Zeiten der fossilen Stadt sind erkennbar vorbei, “Peak-Oil” ist bereits überschritten. Stadtentwicklung und Stadtplanung müssen sich auf das post-fossile Zeitalter ein- und umstellen.

Unsere Tagung stellte für diesen gewiss nicht einfachen Weg ins post-fossile Zeitalter einige konkrete Wegweiser auf. 

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Pietsch von der HafenCity Universität Hamburg gab einleitend einen historisch grundierten Überblick über die Herausforderungen und Handlungsfelder beim Übergang zur post-fossilen Stadt. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat laut Pietsch dieser Übergang zu intelligenten Ökosystemen einer post-fossilen nachhaltigen Entwicklung begonnen. Ein wesentliches Element dieser Entwicklung sieht er im intelligenten Energiemanagement („smart grid“). Auf den Weg der nachhaltigen Stadtentwicklung hätten sich mittlerweile auch industrielle Akteure wie die Siemens AG gemacht, die entsprechende Lösungen für Gebäude, Verkehr, Versorgung u.a. anbieten. Pietsch betonte: “Ein Denken in Lebenszyklen von Bauwerken, Infrastrukturen und Technologien wird idealerweise zu einer Mosaik-Zyklus-Kultur zur Bewirtschaftung urbaner Ressourcenfelder führen, in der unterschiedliche Entwicklungs- und Reifestadien nebeneinander einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess ermöglichen.“ Und weiter: „Notwendig wird ein anderes verständnis von (Stadt-) Planung. Der neue Ansatz überwindet das industriegesellschaftlich-fossile Denken und will nicht nur ‚ideale’ Zustände fixieren.“

Die Präsentation zum Vortrag kann bei uns als PDF-Datei bestellt werden.

Kontakt: 

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Pietsch
HCU Hamburg
Winterhuder Weg 31
22085 Hamburg
Tel.: 040/42827-4580
E-Mail: juergen.pietsch@hcu-hamburg.de
Internet: http://www.hcu-hamburg.de/research/forschung-personen-a-z/juergen-pietsch/

Ulrike Janssen, Geschäftsführerin des Klima-Bündnis, informierte in ihrem anschaulichen Vortrag über die aktuellen Rahmenbedingen, mögliche Strategien und erste Umsetzungsschritte beim Umbauprozess zur post-fossilen Stadt und konnte dabei auf zahlreiche konkrete Ansatzpunkte in den Klimabündnis-Städten verweisen. Sie wies sehr deutlich darauf hin, dass die eigentliche Energiewende nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft erst noch bevorstehe und sich entscheide, ob diese Wende dezentral, vor Ort und mit Beteiligung der Bürger/innen umgesetzt werde oder wieder nur die Energiekonzerne zum Zuge kämen. Für den ersten, von ihr favorisierten Ansatz gibt es bereits hoffnungsvolle Ansätze: Rekommunalisierung der Stromnetze, Stadtwerke, die auf erneuerbare Energien setzen, Städte und Gemeinden, die Energieeffizienz und Energiesparen Ernst nehmen. Das Leitbild all dieser Entwicklungen sieht Ulrike Janssen im Ziel der Versorgung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie.

Die Präsentation zum Vortrag kann bei uns als PDF-Datei bestellt werden.

Kontakt:

Ulrike Janssen
Klima-Bündnis - Climate Alliance - Alianza del Clima e.V.
Galvanistr. 28
60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069/717139-21
E-Mail: u.janssen@klimabuendnis.org
Internet: http://www.klimabuendnis.org

Olaf Hildebrandt von der Tübinger ebök GmBH schilderte die Notwendigen und Handlungsansätze für einen Übergang zur post-fossilen Stadt im Handlungsfeld Gebäudesanierung und Siedlungsentwicklung. Energieeinsparung und erneuerbare Energien sind die für ihn die zentralen technischen Bausteine zum Klimaschutz. Innerhalb der Stadt (-verwaltung) sollten deshalb alle Planungsebenen verzahnt werden. „Klimaschutz ist eine kommunikative Aufgabe, um Verbindlichkeit und Akzeptanz herzustellen“, betonte Hildebrandt.

Der Plenumsinput und der Workshop-Beitrag sind jeweils als PDF-Dateien bei uns zu bestellen.

Kontakt: 

Dipl.-Ing. Olaf Hildebrandt
IB ebök GmbH
Schellingstr. 4/2
72072 Tübingen
Tel: 07071/9394-0
E-Mail: mail@eboek.de
Internet: http://www.eboek.de/

Dr. Wolfgang Schade vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) skizzierte die Vision einer zukünftigen, gleichermaßen post-fossilen wie urbanen Mobilität, die darauf beruht, je nach Mobilitätszweck und –ziel unterschiedliche Verkehrsmittel (Stichwort: „multi-modal“!) gezielt zu nutzen. Wobei auch bei der Kfz-Nutzung die Betonung auf „nutzen“ liegen wird und nicht mehr auf Autobesitz“. Beim MIV wird man auf eine Vielzahl unterschiedlicher elektrischer Kleinfahrzeuge zurückgreifen können. Der Straßenraum wird immer häufiger zum „Shared Space“, zum von allen Verkehrsmitteln gleichberechtigt genutzten Raum. In den dadurch wachsenden Freiräumen können „grüne Städte“ mit hoher urbaner Lebensqualität entstehen.

Der Plenumsinput und der Workshop-Beitrag sind jeweils als PDF-Dateien bei uns zu bestellen.

Wolfgang Schade/Anja Peters/Claus Doll/Stefan Klug/Jonathan Köhler/Michael Krail: VIVER - Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland. Working Paper Sustainability and Innovation No. S 3/2011: http://isi.fraunhofer.de/isi-de/n/download/publikationen/VIVER_Working_Paper.pdf

Zusammenfassung der Workshop-Diskussion

Kontakt:

Dr. Wolfgang Schade
Leiter des Geschäftsfeldes Verkehrssysteme
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Breslauer Strasse 48
76139 Karlsruhe
Tel.: 0721/6809-353
Fax: 0721/6809-135
E-Mail: w.schade@isi.fraunhofer.de
Internet:  http://isi.fraunhofer.de/isi-de/n/mitarbeiter/ws.php

Harald Rapp, Bereichsleiter Stadtentwicklung beim AGFW, erläuterte den Zusammenhang des Handlungsfelds Energieversorgung mit den zu treffenden stadtplanerischen Entscheidungen. Er betonte die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Bewertung hinsichtlich der prioritär zu realisierenden Maßnahmen. Dabei darf keiner der Faktoren energetische Effizienz (Energiebilanz, Vversorgungssicherheit), ökonomische Effizienz (Amortisationszeiten, Kosten- und Preisniveau), die soziale Verträglichkeit (Akzeptanz, Auswirkungen auf die Mietpreise) sowie ökologische Effizienz (CO2-Minimierung, Vermeidungskosten) vernachlässigt werden.

Den Workshop-Beitrag gibt es als PDF-Datei bei uns.

Kontakt:

Harald Rapp
Bereichsleiter Stadtentwicklung, Koordination Ost und Wissensmanagement
AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.
Stresemannallee 28
60596 Frankfurt/Main
Tel.: 069/6304-418
Fax: 069/6304-391
E-Mail: h.rapp@agfw.de
Internet: http://www.agfw.de/stadtentwicklung/

Dr. Hannah Büttner, Senior-Beraterin der in Beteiligungs- und Mediationsverfahren international aktiven IFOK GmbH, zeigte in ihrem Vortrag anschaulich auf, warum gerade in dem von Interessen- und Zielkonflikten gekennzeichneten Prozess des Übergangs zur post-fossilen Stadt eine intensive Bürgerbeteiligung von großer Bedeutung ist. Anhand mehrerer Fallbeispiele stellte sie dar, wie solche Beteiligungsverfahren erfolgreich organisiert werden können und welche Erfolgsfaktoren dabei systematisch zu berücksichtigen sind.

Die Vortragspräsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden.

Kontakt:

Dr. Hannah Büttner
IFOK GmbH
Tal 21
80331 München
Tel.: 089/2422352-11
Mobil: +49-170-7901562
E-Mail: hannah.buettner@ifok.de
Internet: http://www.ifok.de

Einige weiterführende Links:

100% Erneuerbare-Energie-Regionen: http://www.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukunft/index.php

Studienradar Erneuerbare Energien: http://www.energie-studien.de/

EE-Regionen - Sozialökologie der Selbstversorgung: http://www.ee-regionen.de/

EnEff:Stadt und EnEff:Wärme - Forschung für Energieeffizienz: http://www.eneff-stadt.info/

Kommunen mit erneuerbaren Energien: http://www.kommunal-erneuerbar.de/

Netzwerk RegioSolar: http://www.regiosolar.de/

Strategische kommunale Energiepolitik (SKEP): http://www.izt.de/skep/

Servicestelle Kommunaler Klimaschutz: http://www.kommunaler-klimaschutz.de/

Mobilität 21 - Kompetenznetzwerk für nachhaltige Mobilität: http://www.mobilitaet21.de/

Verkehrsportal des Umweltbundesamtes "Kommunal mobil": http://www.umweltbundesamt.de/verkehr/mobil/index.htm

Bürgerdialog Energietechnologien für die Zukunft: http://www.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukunft/index.php

deENet - regionales Unternehmens- und Technologienetzwerk der dezentralen Energie- und Effizienztechnologien: http://www.deenet.org/


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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27.09.2011

Die Kommunen: aktiv für den Green New Deal!

Green New Deal in der Debatte

Der ökologisch-soziale Umbau der Wirtschaft, Innovationen in Produktion und bei Dienstleistungen, Bildung für mehr Nachhaltigkeit – alle diese Facetten eines "Green New Deal" müssen "vor Ort", in den Kommunen, umgesetzt werden. Die Kommunen sind im Rahmen des Green New Deal in vielfältiger Weise gefordert:

  • Sie können den Umbau fördern, steuern, als Vorbild wirken und Netzwerke mit anderen Akteuren aufbauen.
  • Sie können mit ihren wirtschaftlichen Unternehmen, den Stadtwerken zum Beispiel, selbst unmittelbar aktiv werden.
  • Und sie sind nicht zuletzt Partner der regionalen Wirtschaft, ohne die sich ein solcher Umbau nicht realisieren lässt.

Was dies konkret heißt, zeigte unsere Veranstaltung in Würzburg an verschiedenen Beispielen sehr anschaulich auf.

Joachim Lorenz, bereits seit 1993 als Umweltreferent federführend für den ökologischen Umbau der Landeshauptstadt München, zeigte in seinem Überblick (als PDF-Datei bei uns bestellbar) über die vielfältigen Aktivitäten, Maßnahmen und Förderprogramme sehr überzeugend, dass in München eine „Green New Deal“-Politik schon betrieben wurde, lang bevor dieser Begriff überhaupt „erfunden“ wurde. Nur einige Highlights seien hier wähnt:

  • In Zusammenarbeit mit den Innungen und Kammern wurden Qualitätsstandards für die energetische Gebäudesanierung entwickelt. Mit eigenen Förderprogrammen soll das immense Einsparpotenzial in diesem Bereich aktiviert werden. So werden die Mehrkosten, die bei einer Unterschreitung der gesetzlich geforderten Mindeststandards anfallen, mit bis zu 60-80% bezuschusst.
  • Im Rahmen des Klimaschutzbündnisses werden gemeinsam mit Münchner Unternehmen für diese eigene Klimaschutzprogramme entwickelt und umgesetzt. Dabei wird v.a. auf die Wiederholbarkeit und den Vorbildcharakter der entwickelten Maßnahmen geachtet.
  • Im Rahmen der Solarinitiave München wird versucht, bisher nicht verfügbare Dächer für Solarnutzung zu akquirieren und so die Solarisierung Münchens auch bei „schwierigen“ Eigentumsverhältnissen zu beschleunigen und die Hindernisse dafür in anonymen Großstadtmilieus zu überwinden.
  • In München werden alle Neubaugebiete untersucht, wie sie optimal mit erneuerbaren Energien versorgt werden können.
  • Die Stadtwerke München beraten umliegende Gemeinden bei der Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen und führen auch die dafür notwendigen Messungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen durch.

Die Kommunen seien – so Lorenz – auch als Auftraggeber gefragt. Als ein Nachfrager mit erheblicher „Marktmacht“  könne und müsse dies auch offensiv eingesetzt werden. Entsprechende Vergabekriterien, die ökologische und soziale Standards garantieren, gelten in München für die gesamte Stadtverwaltung.

Norbert Zösch, Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt, zeigte am Beispiel der umfangreichen Aktivitäten (als PDF-Datei bei uns bestellbar) seines Unternehmens auf, wie auch in einer relativ kleinen Stadt (Haßfurt hat 14.000 EinwohnerInnen) Stadtwerke eine konsequente Politik im Sinne eines ökologischen Umbaus betreiben können. So gibt es in Haßfurt in allen städtischen Einrichtungen ein von den Stadtwerken betriebenes Blockheizkraftwerk mit einer Gesamtleistung von 1,8 MW. Die Stadtwerke bauen kontinuierlich ihre Eigenerzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen aus. Sie betreiben drei Windkraftanlagen (6,9 MW), und eine Biogas-Anlage (1,45 MW) sowie eigene PV-Anlagen und mieten auch Privatflächen für Solardächer an (insgesamt 6,5 MW). In Kooperation mit Greenpeace Energy bietet das Stadtwerk einen Tarif für zertifizierten Ökostrom an. 

Gemeinsam mit den anderen Gemeinden des Landkreises ist Haßfurt als Gesellschafter an einer landkreisweiten GmbH beteiligt, die den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben soll. Im gesamten Landkreis sind ca. 30-40 Windkraftanlagen möglich, deren Potenzial die Gesellschaft erschließen will.

Ein besonderes Highlight ist das internetgestützte Smart Metering-System, mit dessen Hilfe die Kunden ihren Energie- (und auch Wasser-) Verbrauch analysieren und ggf. anpassen können, so z.B. durch das Vermeiden der teuren Tageslastspitzen oder durch das Ausschalten des Stand-by-Betriebs von Elektrogeräten. Dort wo die Möglichkeiten dieses Smart Grids optimal genutzt werden, konnten laut Zösch Einsparerfolge bis zu 25% weniger Energieverbrauch erreicht werden.

Norbert Zösch betonte sehr nachdrücklich den Unterschied zwischen kommunalen Unternehmen und gewinnorientierten Energieversorgern: „Unsere Aufgabe als Stadtwerk ist es, die Stadt bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen, nicht aber Profite für Aktionäre zu erwirtschaften.“

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken, Rolf Lauer, betonte die wichtige Rolle des Handwerks bei der Umsetzung von ökologischen Modernisierungen: „Wir sind problemorientiert, wir arbeiten direkt am Kunden für konkrete Lösungen.“ So gebe es für den immens wichtigen Bereich der Wärmedämmung und energetischen Sanierung in Unterfranken zertifizierte Betriebe, die effiziente und wirtschaftliche Lösungen anbieten. Aber auch in den Betrieben selbst werde einiges getan: von der Abwärmenutzung in Bäckereien bis hin zum Wasserrecycling in Reinigungen. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Beratungszentrum der Handwerkskammer, das auf dem neusten Stand der Technologie die eigenen Betriebe, aber auch Architekten und Privatleute berate. Lauer betonte, dass sich eine Berücksichtigung ökologischer Ziele in Gewerbetrieben immer an der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen orientieren müsse. Deshalb gebe es bei der Wärmedämmung von Betriebsgebäuden immer noch ein großes Defizit, während auf die Energieeffizienz eingesetzter Maschinen in der Regel sehr hoher Wert gelegt werde.

Lauer forderte (von Joachim Lorenz ausdrücklich unterstützt) deutliche steuerliche Anreize, um die energetische Sanierung von Gebäuden wirklich nachdrücklich voranzubringen. Wenn – wie derzeit – nur rund 0,6% des Gebäudebestands pro Jahr energetisch saniert werde, sei das viel zu wenig und geradezu „irrational“ (Lorenz) in Bezug auf das immense Einsparpotenzial.


Die Podiumsdiskutanten: Rolf Lauer, Barbara Markus (Moderation), Norbert Zösch, und Joachim Lorenz (von links nach rechts)

Joachim Lorenz fasste – vom Publikum sehr beifällig aufgenommen - das Fazit der Diskussion zusammen: „Stadtverwaltung, Stadtwerke und andere kommunale Betriebe müssen als Vorbilder agieren, die die anderen Akteure der kommunalen Zivilgesellschaft ‚mitnehmen’“.

Ein kurze Zusammenfassung der Diskussion bietet auch unser Video auf YouTube.

ReferentInnen

Joachim Lorenz
Berufsmäßiger Stadtrat, Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt
Bayerstr. 28a
80335 München
Telefon: 089-2334 75 00
Telefax: 089-2334 75 05
E-Mail:  joachim.lorenz@muenchen.de

Norbert Zösch
Geschäftsführer, Stadtwerk Haßfurt GmbH
Augsfelderstr. 6
97437 Haßfurt
Telefon : 09521-949435
Telefax : 09521-949441
E-Mail : zoesch@stwhas.de
http://www.stwhas.de

Dipl.-Kfm. Rolf Lauer
Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Unterfranken
Rennwegerring 3
97070 Würzburg
E-Mail: r.lauer@hwk-ufr.de
Tel: 0931-309081116



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