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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

10.03.2017 bis 11.03.2017

Fluchtursachen "Made in Europe"

Menschen und Wege zwischen Europa und Afrika

Europa nimmt nicht nur Flüchtlinge auf – oder wehrt sie ab –, es ist auch beteiligt an der Schaffung von Fluchtursachen in Afrika. Neue Freihandelsverträge, Export subventionierter europäischer Agrarprodukte, hilflose Entwicklungshilfe – die Kritikpunkte sind vielfältig.

Heute machen sich junge Afrikaner auf, um in Europa ein besseres Leben zu suchen. Welche Hoffnungen haben sie? Was erleben sie? Und welche Perspektiven haben die, die sich fürs Bleiben entscheiden?

Der Münchner Filmemacher Peter Heller hat seit vielen Jahren Entwicklungen in Afrika dokumentiert. Seine Filme waren der Ausgangspunkt dieses Seminars.

Der Film Süßes Giftthematisiert 50 Jahre und (mehr als) zwei Billionen Euro Entwicklungshilfe und stellt die Frage, ob die Hilfe unseren Nachbarkontinent abhängig macht. Gemeinsam mit afrikanischen Intellektuellen und Praktikern kommt Peter Heller zu der ernüchternden Einsicht, dass Hilfe ein Geschäft ist. Und es ist für die Geber und für ihre Empfänger ein gefährliches Suchtmittel, da sie Abhängigkeit und Lethargie schafft. Nach der Filmvorführung berichtete Heller ausführlich über die Entstehung des Films und diskutierte mit dem sehr interessierten Publikum die aufgeworfenen Fragen.

Prof. Dr. Robert Kappel wies zunächst deutlich darauf hin, dass Afrika keine Einheit, sondern u.a. in Kultur und Sprache sehr unterschiedlich, vielfältig und differenziert ist. So gibt es zerfallende Staaten, solche mit vielen Rohstoffen (mit denen sehr unterschiedlich umgegangen wird), Länder mit wenig Ressourcen und solche, die sich zu Industrieländern entwickeln. Auch gibt es eine große Ungleichheit in der Entwicklung von Stadt und Land. Frauen auf dem Land sind dabei die Ärmsten. Weitere Probleme sind der technologische Wandel und die Globalisierung; beides führt zu Jobproblemen. Es gibt ein extremes Bevölkerungswachstum vor allem auf dem Lande. Auch in den rohstoffreichen Ländern gibt es immer weniger Arbeit für Einheimische, was zu großen Frustrationen führt. Auch ist die Bildung ein Problem – 6 Schulpflichtjahre, wie üblich, sind viel zu wenig, vor allem, da in vielen Schulklassen bis zu 100 Kinder gleichzeitig unterrichtet werden. In einigen afrikanischen Ländern gibt es derzeit neue Ansätze hin zu besser ausgebildeten jungen Menschen, die teilweise im Ausland studiert und gearbeitet haben und nun zurückkommen und für ihr Land etwas tun wollen.

Die europäische Afrikapolitik ist gekennzeichnet von entwicklungspolitischer Zusammenarbeit; es wird nicht agiert, sondern lediglich reagiert. So gibt es in Deutschland u.a. das Problem, dass viele verschiedene Pläne unterschiedlicher Ministerien nicht aufeinander abgestimmt werden. Und mit den Ländern Afrikas sind die Pläne ebenfalls nicht abgestimmt! So entsteht eine Politik für, aber nicht mit Afrika, was ein Fehler ist.

Sinnvoll wäre es laut Kappel, globale und regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und zu nutzen. Und es wäre extrem wichtig, in die Infrastruktur zu investieren: Mit dem Bau von Straßen und der Versorgung mit Elektrizität wäre eine sinnvolle Entwicklungshilfe geleistet.

Aber auch die Länder selber müssen etwas beitragen. Gute Ideen und Pläne verpuffen auf Grund von Korruption vor Ort. Hier müsste westliche Hilfe ansetzen und auch durch das Einfordern von Menschenrechten (keine Unterstützung für undemokratische Regime!). 

In Bezug auf die Globalisierung und das damit einhergehende Auseinanderdriften der Welt muss den afrikanischen Ländern geholfen werden, eigene Wege zu finden und zu gehen und u.a. der Zugang zu Technologie erleichtert werden. So könnten z.B. Schul- und Hochschulpartnerschaften gefördert werden, damit Frauen und Männer vor Ort ihre eigenen Lösungen finden können.

Sophia Wirsching sorgte mit ihrem Beitrag für einige Fakten und Hintergründe, die zum Verständnis beitrugen und die Ausführungen von Prof. Kappel unterstrichen. Ihre Präsentation können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Der Film „Barca ou Bassa“ - Barcelona oder Tod - analysiert Hintergründe und Ursachen der Abwanderung von einer kleinen „paradiesischen“ Insel vor der Küste Westafrikas. Dabei kommen vor allem afrikanische Expert*innen und Aktivist*innen zu Wort. Der Film analysiert ökologische Umstände, wirtschaftliche Bedingungen und geopolitischen Zusammenhang zu der dokumentarischen Langzeitstudie „LIFE SAARABA IllEGAl“ vor dem aktuellen Hintergrund der Abschottung Europas.

Der Film Life-Saarabe-Illegal / Acht Jahre unter Clandestinos“ verfolgt über fast ein Jahrzehnt Aladji und Souley, zwei Brüder von einer kleinen Fischerinsel im Atlantik vor der Küste Westafrikas. „Saaraba“ nennen sie in Westafrika das verheißene Land – Europa. Der ältere Aladji schaffte es als Bootsflüchtling bis in die Gemüseplantagen Spaniens und lebt dort illegal bis heute. Der jüngere Bruder Souley träumt von Europa und macht sich auf den Weg zu seinem Bruder. Im Zentrum dieser Chronik stehen ihre Träume und Erfahrungen um Europa und ihre „privaten Entwicklungsgelder“ für die Familie daheim auf der Insel.

ReferentInnen

Peter Heller
Filmemacher, München

Prof. Dr. Robert Kappel
GIGA Institut für Afrika-Studien, Hamburg-Berlin

Dr. Miriame Racine Sow
Dipl.-Soziologin, im Senegal geboren, Frankfurt/Main

Sophia Wirsching
Referentin für Migration und Entwicklung, Brot für die Welt 

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Seminar mit Filmvorführungen



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19.02.2017 - 15:00

Die 53. Münchner Sicherheitskonferenz

Was bedeutet die neue US-Präsidentschaft für die europäische Friedens- und Sicherheitspolitik?

Unmittelbar nach Ende der 53. Münchner Sicherheitskonferenz (17.-19.02.17) wollen wir mit Teilnehmenden die Konferenz wieder aus deutscher Perspektive bewerten. Dabei werden aktuelle sicherheitspolitische Perspektiven und neue Chancen für seit langem andauernde Krisen und Konflikte erörtert. Wie in den Vorjahren soll damit etwas mehr Transparenz gegenüber der kritischen Öffentlichkeit geschaffen werden.

  • Was waren die herausragenden Themen der diesjährigen Sicherheitskonferenz, was wird von Deutschland erwartet, welche Antworten sollte die deutsche Politik formulieren?
  • Welche Folgen hat die neue US-Präsidentschaft auf die sicherheitspolitische Lage in Europa und die transatlantischen Beziehungen?
  • Zeichnen sich neue Lösungen zu Syrien, zum Umgang mit Russland und in der Flüchtlings- und Migrationskrise ab?

 

Der Videomitschnitt der Veranstaltung kann ab sofort auf unserem Youtube-Kanal angesehen werden.

ReferentInnen

Daniela Dahn
Schriftstellerin und Friedensaktivistin, Berlin
Omid Nouripour
MdB, Außenpolitischer Sprecher, B90 / Die Grünen, Berlin
Jackson Janes
President, American Institute for Contemporary German Studies, Johns Hopkins University, Washington, DC

Moderation: Jutta Prediger, Hörfunkredakteurin, Bayerischer Rundfunk

Hinweis: Rund um die Sicherheitskonferenz finden zahlreiche weitere Veranstaltungen statt. Eine detallierte Übersicht finden Sie hier.

Veranstaltungsort
München, Künstlerhaus, Lenbachplatz 8


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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23.01.2017 - 19:00

Die Geschichte des andern hören

Jüdisch-palästinensischer Dialog in Hannover - Vorbild für München?

Michael Fürst und Yazid Shammout engagieren sich seit Jahren im jüdisch-palästinensischen Dialog. Durch gemeinsame Veranstaltungen, in denen beide von ihren Erfahrungen erzählten, und gemeinsamen Reisen ins Heilige Land gelang es beiden, die Beziehungslosigkeit zu überwinden und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Einen ausführlichen Bericht von Jakob Wetzel über die Veranstaltung, in der die beiden Protagonisten über diesen jüdisch-palästinensischen Dialog berichteten, können Sie im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung am 25. Januar lesen.

ReferentInnen

Michael Fürst
Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen

Dr. Yazid Shammout
Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinde Deutschland – Hannover e.V

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München

Jüdisch-palästinensische Dialoggruppe München

Landeshauptstadt München, Kulturreferat


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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02.10.2016 - 18:00

Rage against Abschiebelager

20 Jahre Rage Against Abschiebung

Das Rage Against Abschiebung ist das größte, regelmäßig stattfindende antirassistische Benefiz-Bandfestival im süddeutschen Raum. Der Bayerische Flüchtlingsrat organisiert es in München seit 1996. Seit 2004 mit und im Feierwerk München. Im Jahr 2016 hatte das Rage Against Abschiebung Festival die Themen:

  • europäische Abschiebemaschinerie
  • Festung Europa
  • Abschottungspolitik
  • Ausgrenzung von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sowie Illegalisierten
  • alltäglicher Rassismus

Auf Grund des schlechten Wetters fand das Rahmenprogramm, mit dem diese Themen den zahlreichen Besucher*innen vermittelt wurde, in diesem Jahr in der halle selbst statt. Neben einem Stand des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde in einem Pavillon und daran anschließend die Ausstellung zum Thema Abschiebelager präsentiert. Das Ziel der Ausstellung: auf das inhumane System der sogenannten „Ankunfts-und Rückführungseinrichtungen“ (ARE) in Bayern aufmerksam machen, d.h. auf die Praxis, Menschen nach Herkunftsländer zu sortieren, in Lagern zu sammeln und isoliert von Informationen und ohne Unterstützung in Schnellverfahren zu bearbeiten und letztendlich ohne ein faires, individuelles Asylverfahren in sog. „sichere Herkunftsländer“ abzuschieben. Hierzu wurde im Pavillon das Innenleben in den AREs nachgestellt. Absperrband wurde um den Pavillon gespannt, um so das Leben hinter Zaun zu verdeutlichen. Ein Metallhochbett und Malervlies als Bettdecke standen symbolisch für die triste und karge Einrichtung. Aussagen der Bewohner*innen über die Lebensumstände waren aufgemalt auf Karton an den Wänden angebracht und diese mit Infotext und Fotos versehen. Neben dem Pavillon stand eine Tafel mit realgroßen Fotos der täglichen Mahlzeiten in der Kantine. Mehrere Infotafeln informierten über weitere Aspekte, wie Arbeitsverbote, Residenzpflicht und „sichere Herkunftsstaaten“. Auch der Infobus, ein Angebot, das in naher Zukunft Betroffenen Beratung direkt vor den „Abschiebelagern“ in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen bieten wird, wurde in Szene gesetzt: So konnten die Besucher*innen diesen vor dem Festivalgelände besichtigen und hatten gleichzeitig drinnen die Möglichkeit, mehr Informationen zu bekommen und ihr Interesse an Mitarbeit zu bekunden. 

Veranstaltungsort
München, Feierwerk, Hansastr. 39-41


Kosten
9,50 Euro


Partner


Art der Veranstaltung
Solidaridätsfestival



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27.09.2016 - 19:00

"Ich war ein Salafist"

Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

Dominic Musa Schmitz befand sich als 17-Jähriger auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und beschäftigte sich mit Fragen wie „Was soll ich tun?“ „Warum passiert so viel Schlechtes in der Welt?“ „Was ist Gerechtigkeit?“....

Er traf auf einen alten Freund, der ihm vom Islam vorschwärmte; er ging darauf ein, begleitete den Freund in die Moschee und fand dort Antworten. Er bekam ein warmes Zusammengehörigkeitsgefühl, Spiritualität, Zuwendung – durch die Menschen, die er kennenlernte, die ihm zuhörten, ihn verstanden, auf ihn eingingen, erfuhr er Brüderlichkeit und so einen Halt im Leben.

In dieser Zeit hat Dominic Musa Schmitz sehr viel gelesen, sich intensiv mit dem Islam beschäftigt. Und er fand die Kraft, sich von alten schlechten Angewohnheiten zu lösen. Dadurch sah er wieder einen Sinn im Leben. Langsam veränderte er sich auch äußerlich, er legte seine westliche Kleidung ab und ließ sich einen Bart wachsen. Zusammen mit anderen begann er für den Salafismus auch öffentlich zu werben.

In der Zeit, in der sich Schmitz als einen „rebellische Eiferer“ beschreibt, hielt er sich strikt an alle Regeln des Islam (oder dies zumindest versuchte). Es gab keine Kompromisse beim Verhalten, Gebetszeiten, Speisen, Reden. Den Handlungen des Propheten sollte 1:1 nachgefolgt werden. Da er ein gottgefälliges Leben führen wollten, führte das in der letzten Konsequenz zum Abbruch der Kontakte zu Andersdenkenden.

Nach dem Konvertieren hat der Schmitz nichts anderes mehr gemacht – keine Schule besucht, hat keinen Beruf erlernt und ist keiner Arbeit nachgegangen; er konzentrierte sich ganz aufs „Nichtsündigen“. Gelebt hat er in der Zeit von staatlicher Unterstützung. Innerhalb seiner Gemeinde wurde er sehr ernst genommen; da er sehr belesen war und sich ein großes religiöses Wissen aneignete, wurde er von anderen Moscheebesuchern auch zunehmend um Rat gefragt. Auch begann er gemeinsam mit anderen im Internet tätig zu werden, um für den Salafismus zu werben. „Die Ideologie diktiert dir, was du denken, tun, lieben sollst“, so Schmitz.

Für den Ausstieg aus der salafistischen Szene spielte ein Sozialpädagoge, den Schmitz im Rahmen eines vom Arbeitsamt vorgeschriebenen Kurses traf, eine wichtige Rolle: Dieser nahm ihn ernst und brachte ihm die Idee nahe, eine Brücke zu sein - eine Brücke zwischen der muslimischen Welt und der deutschen Lebensweise.

Zu der Zeit begann Schmitz auch, die strikten Regeln zu hinterfragen, die er in Teilen als nicht richtig und nicht tragbar erkannte. Zumal einige seiner Mitbrüder sich immer mehr abkapselten von dem Leben und sich eher dem Gedankengut von ISIS näherten.

Ein friedliches Miteinander, dass er nun anstrebte, entspricht nach seinen Worten nicht dem salafistischen Gedankengut. So begann sein allmählicher Ausstieg aus dem Salafismus. Heute ist Schmitz zwar immer noch Moslem, aber kein Salafist mehr.

Dominic Musa Schmitz: Ich war ein Salafist. Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt. Econ, Berlin 2016, 256 Seiten

ReferentInnen

Dominic Musa Schmitz
Autor von Ich war ein Salafist. Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,- / erm 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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18.05.2016 - 19:30

Ein Staat, zwei Staaten, kein Staat

Gibt es überhaupt noch eine Friedenschance im Nahost-Konflikt?

Die meisten Israelis und Palästinenser glauben nicht mehr an eine Verhandlungslösung. Angst, Hass, Verzweiflung und gegenseitiges Misstrauen sitzen tief wie nie seit dem Gewaltausbruch im Herbst 2015. Und auch der fortschreitende israelische Siedlungsbau in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland verstellt immer mehr einen territorialen Kompromiss. Was aber dann? Gibt es eine bi-nationale Alternative zu einem Zwei-Staaten-Konzept? Oder liefe das nicht auf einen realen Alptraum für Israelis und Palästinenser hinaus?

Inge Günther, seit 1996 als Journalistin in Jerusalem tätig, konstatierte: 50 Jahre nach Beginn der Besatzung und 25 Jahre nach Beginn des Osloer Friedensprozesses mögen sich Israelis und Palästinenser gegenseitig weniger denn je. Obwohl der Konflikt immer weniger lösbar scheint, sind beide Seiten immer mehr miteinander verflochten (vgl. Siedlungen). Damit sei eine Zwei-Staaten-Lösung praktisch unmöglich geworden.

Junge palästinensische Intellektuelle plädieren deshalb für eine Ein-Staaten-Lösung nach dem Muster: one man – one vote. Dagegen wendet sich die Nationalrechte in Israel, die eine jüdische Mehrheit behalten will. Günther: "Die Ein-Staaten-Lösung blendet aus, dass Israel ein Hightech-Land ist, demgegenüber die Palästinenser, was Bildung und Arbeitsmöglichkeiten angeht, im Rückstand sind."

Die Suche nach einem dritten Weg ist mehr als dringlich. Günther stellte mehrere Alternativen vor. Sie selbst findet eine Mischlösung, wie sie das Bruno-Kreisky- Forum in Wien entwickelt hat, am interessantesten. Das Bild dafür ist ein „gemeinsames Haus“, in drei Ebenen aufgeteilt: im EG Israelis und Palästinenser mit einer gemeinsamen Verfassung; im 1. Stock getrennte Wohnungen, in denen jeder seine eigene Kultur, Bildung, Religion pflegt; im Dachgeschoss schließlich wiederum eine gemeinsame außenpolitische Vertretung. Das läuft auf eine Art Konföderationsmodell hinaus.

ReferentInnen

Inge Günther
62 Jahre, lebt seit fast zwanzig Jahren als Nahost-Korrespondentin in Jerusalem (mit einjähriger Sabbatical-Unterbrechung 2004/2005 in Kalifornien). Für ihre Arbeit erhielt sie 2003 den Sonderpreis für Frieden der Alexander-Stiftung in Frankfurt. 2005 wurde sie von dem Medium-Magazin unter die zehn besten deutschen Reporter gewählt.

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

friedens räume Lindau


Art der Veranstaltung
Vortrag



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14.05.2016

DOK.fest: Preisverleihung

 

Preisverleihung mit Vorstandsmitglied Andreas Buchner (zweiter von links) / Copyright DOK.fest München – Neven Allgeier

Auch in diesem Jahr war die Petra-Kelly-Stiftung Preis-Stifterin beim DOK.fest:

Der "Horizonte"-Preis ging an den Film "A Maid for Each" von Maher Abi Samra.    
Zum Film: Erwachsene Kinder kaufen im Libanon ihren Eltern eine Hausangestellte, um das schlechte Gewissen zu entlasten. Junge Frauen aus Bangladesch oder Sri Lanka bieten ihre Dienste an und werden zur Ware. Zein ist Besitzer einer Agentur, die Dienstmädchen vermittelt. Die Kamera beobachtet die Gespräche in der Agentur, die Auswahl der Angestellten nach Alter und Religion, die üblichen Beschwerden. Die Dienstmädchen, die Opfer dieses Menschenhandels, bleiben unsichtbar.  

Aus der Jury-Begründung: "Auf beeindruckend filmische Art und Weise lässt uns der Regisseur in das internationale Geschäft mit Hausangestellten in Beirut eintauchen. Mit einer pragmatischen, geradlinigen und eleganten Filmsprache führt der Film die Grausamkeit dieses Systems vor, ohne die Opfer medial auszustellen. Die DOK.horizonte-Jury vergibt den Preis an den eindringlichen Film A MAID FOR EACH, der die Blicke der Öffentlichkeit auf die Existenz der Globalisierungsverlierer lenkt."

Außerdem erhielt der Film "Les Sauteurs" eine lobende Erwähnung der Jury.

Zum Film: Auf dem marokkanischen Berg Gurugu harren hunderte Migranten aus Subsahara-Afrika. Ihr Ziel: Sie wollen über den nahe gelegenen, riesigen Zaun in die spanische Enklave Melilla klettern. Immer wieder versuchen sie es, werden von der spanischen Polizei gestoppt und zurückgedrängt, manche verlieren ihr Leben. Abou Bakar Sidibé aus Mali lebt hier seit 14 Monaten. Er filmt sich und seine Umgebung und gibt seltene Einblicke in die Lebensrealität von Migranten an den Außengrenzen Europas.

Aus der Jury-Begründung: "Die Jury spricht die lobende Erwähnung für einen Film aus, der einen tiefen Einblick in das Leben afrikanischer Flüchtlinge gewährt – nicht von außen, sondern aus der Innenperspektive der Betroffenen. An der marokkanisch-spanischen Grenze festsitzend, fängt einer der Protagonisten mit der Kamera den alltäglichen Überlebenskampf, die Träume, Hoffnungen und Illusionen der jungen afrikanischen Migranten ein. Mal verzweifelt und desillusioniert, jedoch nie ohne Humor, ermöglicht uns diese innovative Art des Erzählens die völlige Identifikation mit den Protagonisten."

Veranstaltungsort
München



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02.05.2016 - 19:30

Gewalt als letztes Mittel?

Über die Wirksamkeit militärischer und ziviler Handlungsoptionen

Susanne Luithlen betonte, dass sie nicht die moralische Frage in den Vordergrund stellen wolle, sondern die Frage nach der Wirksamkeit. Dabei sei es wichtig, sich über die Ziele klar zu sein. Diffuse Ziele erzeugen diffuse Gewalt. Sie ging auf die Wurzeln der direkten Gewalt ein, wie Mittel zum Zweck, gekränkte Eitelkeit, „wahrer Glaube“ oder auch Sadismus und berichtete, dass die Gewalt von Täter und Opfer subjektiv unterschiedlich empfunden werde und dadurch zu einer Aufschaukelung führe. Demgegenüber stehe die aktive Gewaltfreiheit, d.h. absichtlicher Verzicht auf Gewalt, die nur funktioniere, wenn es sich um zustimmungsfähige Ziele handele. Es gehe darum, den Gegner in Bedrängnis zu bringen, vorausgesetzt sei eine gegenseitige Abhängigkeit.

An zahlreichen konkreten Beispielen zeigte die Referentin auf, wie Gewalt und Gewaltfreiheit im Vergleich einerseits von innen (durch Widerstandsgruppen), andererseits von außen (zur Rettung Fremder) wirksam sein können. Sie verwies auf eine Studie von Chenoweth und Stephan (2011), die alle Aufstände mit mehr als 1000 Personen in den Jahren von 1900 bis 2006 untersucht hatten, wenn sie zum Ziel hatten, entweder einen Regierungswechsel herbeizuführen oder eine Besatzungsmacht zu vertreiben oder  ein Stück Land zu organisieren. Dabei wurde festgestellt, dass die gewaltfreien Kampagnen etwa doppelt so erfolgreich waren wie die Gewalt anwendenden und dass sich dieser Trend in den letzten 50 Jahren verstärkt hat. Als Erfolgsfaktoren für gewaltfreie Aktionen nannte die Referentin eine hohe Zahl von Beteiligten, ein möglichst naher Kontakt zum Regime, eine mögliche Unterstützung von außen und nachhaltige Ergebnisse.

Zusammenfassend könne man sagen, dass Gewalt von Ohnmachtsgefühlen entlastet, aber erschreckend wenig erreicht, wobei ein starker Ressourceneinsatz notwendig ist. Die Gewaltfreiheit hingegen werde immer noch falsch eingeschätzt und ihr Potential nicht ausgeschöpft. Gewaltfreiheit ermögliche Alternativen, dazu sei Kreativität nötig.

ReferentInnen

Susanne Luithlen
leitet die Akademie für Konflikttransformation im Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Sie ist Mediatorin, Gruppenberaterin und befasst sich seit vielen Jahren mit gewaltfreier Konflikttransformation.

Veranstaltungsort
Weißenhorn, Evangelisches Gemeindehaus, Schubertstr. 18, Augustander-Zentrum


Kosten
Eintritt frei! (Spenden willkommen)


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag



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28.04.2016 - 20:00

Klimaflucht

 

Stärker als die derzeitigen regionalen Kriege und Konflikte wird in Zukunft der Klimawandel ganze Länder und Regionen unbewohnbar machen.
Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten 250 bis 300 Millionen Klimaflüchtlinge aus ihrer Heimat vertrieben werden.

Den Videomitschnitt der Veranstaltung können Sie hier einsehen, die Powerpoint-Präsentation kann hier aufgerufen werden.

ReferentInnen

Dr. Hermann E. Ott
Senior Adviser globale Nachhaltigkeits- und Wohlfahrtsstrategien, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Veranstaltungsort
München, Orange-Bar, Zirkus-Krone-Str. 10, 6. Stock


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Evangelische Stadtakademie München, Münchner Forum Nachhaltigkeit, Umwelt-Akademie e.V.



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25.02.2016 - 19:00

Etabliert sich der „Islamische Staat“?

 

In seinem Vortrag beleuchtete Michael Lüders Ursachen und Hintergründe für den Aufstieg des IS und ging vor allem der Frage nach, ob diese Bewegung noch aufzuhalten ist. Im Irak und in Syrien kontrolliert der „Islamische Staat“ mittlerweile ein Gebiet fast so groß wie Deutschland. Viele führende Vertreter des gestürzten Regimes von Saddam Hussein haben hier neue Führungsrollen übernommen. Überall dort, wo Staaten zerfallen, erlebt der IS einen gewaltigen Auftrieb. Auch in Europa finden sich meist jugendliche Muslime, die sich von dessen Ideologie angesprochen fühlen.

Wie ist das zu erklären und vor allem: Was ist dagegen zu tun?

Auf unserem Soundcloud Account können Sie den Mitschnitt des Vortrages nachhören.
Leider ist die Qualität der Aufnahme grenzwertig. Wir bitten dies zu entschuldigen!

ReferentInnen

Dr. Michael Lüders
Nahostexperte, Autor und Berater, Berlin, langjähriger Nahost-Korrespondent der ZEIT

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,- / erm. 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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