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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

06.06.2017 bis 09.06.2017

Orte guten Lebens in Bayern

Reise in eine lebenswerte Zukunft

Das "gute Leben" hat derzeit Hochkonjunktur - selbst die Bundesregierung hat ein umfangreiches Konsultationsprojekt dazu durchgeführt. Was "gutes Leben" aber konkret bedeutet, wird selten genau definiert. Klar ist: Eine intakte Umwelt, Gesundheit, nachhaltiges Wirtschaften, gerechtes Einkommen und menschenwürdige Wohnverhältnisse gehören mit Sicherheit dazu. 

Immer mehr Menschen, in zivilgesellschaftlichen Initiativen oder in der Kommunalpolitik, in Unternehmen, Genossenschaften oder Vereinen, engagieren sich mittlerweile dafür, ihre Visionen vom guten Leben ganz konkret, vor Ort, gemeinsam mit anderen, umzusetzen. Einige dieser Projekte und Initiativen besuchten wir auf unserer Bildungsreise, um die Vielfalt dieser Ansätze in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen kennenzulernen. 

Dieter Gewies (im Bild rechts), der bis 2014 18 Jahre lang Erster Bürgermeister der Gemeinde Furth (ca. 3.500 Einwohner*innen) im Landkreis Landshut war, erläuterte die kontinuierliche, sehr pragmatisch orientierte Politik, die ihm und dem Dorf 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis eingebrachte. Das langjährig entwickelte Further Nachhaltigkeitskonzept ist in acht integrierte Nachhaltigkeitsfelder aufgeteilt und stellt die zentrale Richtschnur für alle Entscheidungen dar. Der Haushalt der Gemeinde wird durchgängig nach Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt, verabschiedet und abgearbeitet. Umwelt- und sozialgerechte Beschaffung ist Grundlage für das Beschaffungswesen. 2011 wurde Furth mit dem Gütesiegel „Nachhaltige Bürgerkommune Bayern“ ausgezeichnet. Die starke Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ist Teil einer bewusst angelegten Mitmach- und Anerkennungskultur. Sie ist Grundlage der Fortschritte im Nachhaltigkeitsbereich sowie bei notwendigen Investitionen z.B. im Bereich Energiewende und Innenentwicklung.

Schon 1999 wurde beschlossen, sich zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein Hackschnitzelheizwerk, eine Biogasanlage sowie zahlreiche Sonnenkollektoren und PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Privathäusern sorgen bereits heute dafür, dass über 80% der Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Eine groß angelegt Gewässerrenaturierung, mit der die Sünden der Flurbereinigung behoben werden konnten, hat durch die Anlage von breiten Gehölzstreifen entlang der Bäche den positiven Nebeneffekt, dass auf diese Weise auch die Versorgung des Heizwerks mit heimischem Brennstoff gesichert werden konnte.

 

In der Dorfentwicklung setzt Furth auf Flächensparen und Innenentwicklung. Im Rahmen eines breit angelegten Bürgerbeteiligungsverfahrens wurden die Pläne für eine neue Dorfmitte entwickelt und umgesetzt. Realisiert wurde eine kleinteilige Struktur von Läden und Dienstleistern (siehe Bild oben links). Trotz großen Zuzugsdrucks betreibt Furth eine restriktive Baulandausweisung.

Ein Eckpfeiler für die Further Entwicklung ist der Schwerpunkt Bildung & Erziehung, für den ein Drittel des Gemeindeetats reserviert ist. Damit ist es der Gemeinde möglich, eine Betreuungsgarantie von 1. bis zum 14. Lebensjahr zu geben. Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule (alle integrativ bzw. inklusiv organisiert) sowie Mittelschule, Hort und Gymnasium befinden sich im Ort. Außerdem gibt es zwei Universitätsinstitute. 

Andreas  Horsche (im Bild ganz oben links), der seit 2014 als Nachfolger des aus Altersgründen nicht mehr kandidierenden Gewies sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters ist, setzt dessen Nachhaltigkeitspolitik konsequent fort. Ein Beispiel dafür ist die derzeit laufende Renaturierung des Further Baches (siehe Bild oben rechts) zwischen Punzenhofen und Obermünchen. Mit diesem Projekt werden gleich vier unterschiedliche Ziele realisiert: die ökologische Aufwertung des Gewässers, die Schaffung zusätzlicher Retentionsflächen, die Anlage eines Fahrradwegs parallel zur vielbefahrenen Straße sowie die Verlegung von Glasfaserkabeln zur Versorgung mit schnellem Internet. Eine vierfache Win-win-Situation sozusagen.

Kurzporträt von Furth (Präsentation als PDF-Datei)

Details: http://www.furth-bei-landshut.de/furth/nachhaltige-entwicklung/


„Tagwerk“, ein relativ kompliziertes Konglomerat aus Genossenschaft, Trägerverein und GmbH (siehe Folie 5 der Präsentation, die als PDF-Datei heruntergeladen werden kann), hat sich dem Motto „Bio aus der Region“ verschrieben. Wie Dr. Michael Rittershofer, der Geschäftsführer des Tagwerk e.V., ausführte, versteht es sich als regionales Netzwerk (siehe nebenstehende Karte), dem gute Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung genauso wichtig sind wie der achtsame Umgang mit der Natur und das solidarische Miteinander von Verbrauchern, Erzeugern, Händlern und verarbeitenden Betrieben. Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1984 bis heute (für 2017 erwarten Genossenschaft und GmbH einen Gesamtumsatz von etwa 8 Mio. Euro) wurde ein weiter Weg zurückgelegt. Ursprünglich setzte man ausschließlich auf regionale Produkte. Später folgte die Öffnung hin zum Vollsortiment, was aber auch für die Regionalprodukte einen deutlichen Schub brachte. Aber nach wie vor setzt Tagwerk auf regionale Produkte aus zertifizierten Betrieben und achtet auf kurze Transportwege und schonende handwerkliche Verarbeitung. Tagwerk kann vergleichsweise hohe Preise an die Erzeuger*innen zahlen. Und sehr wichtig: Für manche Anbieter*innen (mit kleinen oder unregelmäßigen Erzeugermengen, an denen die „großen“ Handelsmarken kein Interesse haben) ist Tagwerk die einzige verlässliche Abnahmealternative neben dem Direktvertrieb. Die regionale Orientierung ermöglicht es, direkte Kontakte zu den Erzeuger*innen herzustellen, Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen zu schaffen. Auch für das Tierwohl sorgt Tagwerk – von der Haltung bis zur Schlachtung in der eigenen Öko-Metzgerei. Dies ist gegenüber der Zusammenarbeit mit einer konventionellen Metzgerei in der Vergangenheit ein wesentlicher Fortschritt. So können die Tiere vor der Schlachtung einige Tage ruhen, um den "Stress" zu verringern.

Tagwerk versteht seine Arbeit durchaus auch als politisches und gesellschaftliches Engagement: Dazu zählen Landschaftspflege im Sinne des Arten- und Naturschutzes auf Biohöfen, der Einsatz für eine Öko-Modellregion Isental oder für einen gentechnikfreien Landkreis Erding sowie die Beteiligung an der Demo „Wir haben es satt“. Auch die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für das Unternehmen ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.

Ob die Verschmelzung der GmbH und der Genossenschaft, die mit dem Umzug vom ländlichen Dorfen in das - nicht sehr ansehnliche - Gewerbegebiet in Garching einher ging, einen Wandel in der Grundorientierung von Tagwerk bringt (zum Beispiel im Sinne einer größeren Orientierung am „Markt“), muss wohl noch abgewartet werden.

Details: http://www.tagwerk.net/

Der Chiemgauer ist Europas wohl ältestes (seit 2003) und auch erfolgreichstes Regio-Geld. Immer mehr Menschen (derzeit etwa 3.200) bezahlen bei fast 600 mitmachenden Unternehmen in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein mit dem Chiemgauer. Der regionale Einkauf hat in mehrfacher Hinsicht positive Auswirkungen: er stärkt insbesondere die kleineren Geschäfte vor Ort, kurbelt die regionale Wirtschaft an und bringt zusätzliches Geld in die Kassen von Vereinen und Einrichtungen mit sozialen Zielen. Das Regio-Geld (das es mittlerweile auch als „eChiemgauer“ für die elektronische Zahlung gibt) versteht sich als Ergänzung des Euro um eine regionale Komponente. Und er zielt als „alternative Geldform“ darauf ab, dass die Kaufkraft gebunden wird und die Wertschöpfung in einer eigenen Region bleibt. Auch sollen lebendige Innenstädte und Dörfer, intakte Vereinsstrukturen und ein helfendes Miteinander gefördert werden.

Wichtiges Instrument dafür ist der sog. „Umlaufimpuls“: Die Verbraucher*innen müssen ihre Scheine alle drei Monate um drei Prozent mit Klebemarken aufwerten, wenn sie nicht vorher ausgegeben wurden. Das sorgt für einen schnellen Umlauf und fördert somit die regionale Geschäftstätigkeit. Und es wird verhindert, dass der Chiemgauer spekulativ gehortet wird.

Unternehmen, die beim Chiemgauer mitmachen, „belohnen“ den regionalen Einkauf mit drei Prozent, die dem Verein oder einem sozialen Zweck gutgeschrieben werden, die jedes Mitglied selbst festlegen kann. Rund 200 mitmachende Vereine profitieren davon. In den vergangenen Jahren konnten so mehr als 280 Vereine und Projekte mit einer Summe von insgesamt über einer halben Million Euro  gefördert werden.

Christophe Levannier (Bild oben) vom Chiemgauer-Trägerverein wies in seinem Vortrag aber auch darauf hin, dass das große Interesse am Chiemgauer weit über Deutschlands Grenzen hinaus in einem eigentümlichen Gegensatz zum begrenzten Interesse in der eigenen Region stehe: Der Prophet gelte offenbar nichts im eigenen Land, man werde vor Ort eher belächelt oder gar ignoriert. Angesichts der doch eng begrenzten Wirkung kann ein Regio-Geld zwar die regionale Wirtschaft unterstützen und Projekte fördern, wohl aber kaum die ihm zugedachte Rolle als Alternative zum herrschenden Geldsystem spielen.

Weitere Details:  http://www.chiemgauer.info/

Video „Fehler im Geldsystem“

Margrit Kennedy / Bernard Lietaer: Regionalwährungen. Auf dem Weg zu nachhaltigem Wohlstand, Riemann-Verlag, 2004

Weitere Literaturhinweise: http://www.chiemgauer.info/informieren/lese-ecke-archiv/

Die Molkerei Berchtesgadener Land, die uns bei einer ausführlichen Betriebsbesichtigung von Sabine Fuchs präsentiert wurde, ist seit 1973 auch eine Bio-Molkerei (daneben wird aber immer noch und überwiegend konventionell erzeugte Milch verarbeitet) und damit eine der ersten überhaupt. Sie ist als Genossenschaft organisiert und verarbeitete im Jahr 2016 ca. 306 Mio. kg Milch. Davon waren 89 Mio. kg Bio-Milch. Sie erwirtschaftete damit einen Umsatz von über 200 Mio. Euro. Die Produkt-Palette umfasst Frischmilch, haltbare Milch, Milchmischgetränke, Joghurt, Fruchtjoghurt, Trinkjoghurt, Buttermilch, Fruchtbuttermilch, Kefir, Dickmilch, Speisequark (Topfen), Speisequarkzubereitung, Kräuter- und Fruchtquark, Schlagrahm, Sauerrahm, Schmand, Crème fraîche, Butter; laktosefreie Bio-Produkte. Die  Molkerei-Genossenschaft hat derzeit 1733 Mitglieder, davon sind 491 Bio-Bauern.

Die Molkerei verfolgt den Leitgedanken der Nachhaltigkeit und sieht im Genossenschaftsmodell die Möglichkeit, Herkunft, Nachhaltigkeit und Fairness als gesellschaftliche Werte glaubwürdig umzusetzen. Das kommt zum Beispiel in der seit 2010 verpflichtend für alle Genossenschaftsmitglieder erfolgenden natürlichen Fütterung der Kühe ohne Gentechnik zum Ausdruck. Ein weiteres Projekt, das in ähnliche Richtung zielt und vor allem den Antibiotika-Gebrauch auf ein absolutes Minimum beschränken soll, sind die von der Molkerei angebotenen Homöopathie-Schulungen für die Landwirte.

Auch in der Logistik arbeitet die Molkerei an umweltverträglichen Lösungen. Die Milch-LKWs müssen sowohl von konventionell wie auch von ökologisch wirtschaftenden Landwirten die tägliche Milchmenge einsammeln. Da der Großteil der Landwirte nur wenige Kühe hält und sie teils auf bis zu 1200 m Höhe ihren Hof extensiv bewirtschaften, sind dafür viele Einzelstrecken zurückzulegen. Da es sich um unterschiedliche Milchsorten handelt, sind die Tankwägen schrittweise mit sog. Trema-Systemen (Annahme von mehreren Milchsorten im Tankwagen) ausgestattet worden. Dadurch ist es möglich, auf einer Strecke getrennt voneinander konventionell erzeugte Milch, Naturland Bio-Alpenmilch und Demeter Bio-Alpenmilch zu erfassen, ohne unnötige Strecken zurückzulegen. So ließen sich die Touren zusammenfassen, unnötige Fahrstrecken vermeiden, Spritkosten einsparen und dadurch den CO2-Ausstoß verringern.

Details zu verschiedenen Projekten: https://bergbauernmilch.de/  

Eine Stippvisite führte uns zum „Haus der Berge“, dem Zentrum des Nationalparks Berchtesgaden, das uns von Hans Maltan vorgestellt wurde. Das Haus der Berge verbindet Informationszentrum, Bildungsarbeit und ein Außengelände, letzteres ist allerdings angemeldeten Teilnehmenden der Veranstaltungen des Bildungszentrums vorbehalten. Das – auch architektonisch ansprechende – Haus bietet vielfältige Möglichkeiten zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs in Deutschlands einzigem Alpen-Nationalpark: die preisgekrönte Ausstellung „Vertikale Wildnis“, interaktive Informationen rund um das Schutzgebiet, ein Kino im Foyer mit Naturfilmen, wechselnde Ausstellungen auf zwei Ebenen sowie eine themenbezogene Bibliothek. Rund um das Haus können auf dem Panoramaweg die vier Haupt-Lebensräume des Nationalparks erlebt werden: Wasser, Wald, Alm und Fels.

Details: http://www.haus-der-berge.bayern.de/

Die Nationalparkgemeinde Ramsau bei Berchtesgaden ist das erste Bergsteigerdorf in Deutschland (seit 2015). Bergsteigerdörfer sind Vorzeigeorte, die sich aktiv für den sanften Tourismus und den Schutz der Alpen engagieren. Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein professionelles Tourismusangebot für Bergsteiger, weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und setzen sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur- und Naturwerte ein. Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg.

Die Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer besteht auch darin, dass sie im Einklang und in selbstverständlicher Beachtung einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen und Programme das Ziel der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum verwirklichen wollen.

Dennoch ist das Etikett „Bergsteigerdorf“, wie Fritz Rasp (im Bild links, daneben Jens Badura vom berg_kulturbüro) von der Tourist-Information Ramsau betonte, kein Marketing-Instrument. Es geht dabei eher um die Einheimischen, um ihren Bezug zum Ort und ihre Identifikation damit. Ramsau hat viel zu bieten, zu allererst natürlich die Natur, die Berge. Aber auch einen funktionierenden ÖPNV, eine Gastronomie, die auf regionale Produkte setzt (zum Beispiel über feste Abnahmeverträge mit den Landwirten). Und man stellt sich den Herausforderungen des Klimawandels, so waren immense Investitionen notwendig, um den Hochwasserschutz bei Starkregenereignissen zu gewährleisten.

Eine wichtige Rolle in diesem Konzept spielt dass berg_kulturbüro im Mesnerhaus. Es versteht sich als ein Raum für Initiativen und als eine Denkwerkstatt im Bereich alpenpolitischer und -kultureller Fragen. Es zielt darauf, regional relevante Themen wie auch grundsätzliche Fragen zur Kultur und Entwicklung des Alpenraums im Resonanzraum wissenschaftlicher, politischer und kulturell-künstlerischer Zugänge konkret vor Ort zur Diskussion zu stellen. Der direkte lokale Bezug zu den Menschen, der Kultur sowie der Landschaft und Natur wird dabei genauso als notwendige Voraussetzung gesehen wie die enge Vernetzung mit regionalen Gemeinden, der Biospährenregion Berchtesgadener Land, dem Nationalpark Berchtesgaden, den Alpinen Vereinen, alpenpolitischen Organisationen und weiteren auch internationalen Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Kultur im Alpenraum.

Das berg_kulturbüro ist gleichermaßen Arbeits- und Entwicklungsraum, Dialogort und Bibliothek. Einerseits werden Projekte für den regionalen Zusammenhang konzipiert und durchgeführt – wie z.B. das Alpine Philosophicum Ramsau (Thema z.B.: „Brauchtum gestern und heute“), der monatliche berg_kulturstammtisch sowie weitere Kulturveranstaltung wie Lesungen. Andererseits werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich kultureller Wertschöpfung im deutschsprachigen Alpenraum vom berg_kulturbüro her initiiert und begleitet. 

Ganz bewusst versteht sich Ramsau als Modellbeispiel für andere Orte im Alpenraum – über die deutschen Grenzen hinaus.

Bergsteigerdorf: Wie sanfter Tourismus den Alpen hilft – Filmbericht im Bayerischen Rundfunk

Deutscher Alpenverein (Hrsg.): Ramsau b. Berchtesgaden. Nationalpark-Gemeinde am Fuße des Watzmanns. München 2015

Details: http://www.bergsteigerdoerfer.de/378-0-Bergsteigerdorf-Ramsau.html und www.ramsau.de

Michael Pelzer, der ehemalige langjährige (von 1990 bis 2014!) Bürgermeister von Weyarn, stellte dar, dass sich das umfassende Bürgerbeteiligungskonzept, das in Weyarn jetzt schon etliche Jahre praktiziert wird, aus der Suche nach neuen Wegen für die Gemeinde entwickelte. In einer Phase der Krise und Orientierungslosigkeit ging es darum, sich für ein Leitbild zu entscheiden. Die Frage „Wo wollen wir hin?“ wurde am Ende eines längeren Suchprozesses mit dem Leitbild „Ländliche Qualität erhalten!“ beantwortet. Selbstbewusstsein und Identität der Dorfgemeinschaft wurden in diesem Prozess wesentlich gestärkt.

Pelzer betonte die positiven Auswirkungen eines solchen Beteiligungsprozesses: Das politische Klima werde besser, das Vertrauen in die demokratischen Institutionen gestärkt und die Akzeptanz von Politikentscheidungen größer. Zudem könnten auf diese Weise Fehlplanungen und Fehlinvestitionen verhindert werden. Die konkrete Ausgestaltung des Beteiligungsprozesses sollte dabei die jeweilige Ausgangslage vor Ort berücksichtigen. Wichtig sei auf alle Fälle, die Eintrittsschwelle so niedrig wie möglich zu halten und eine professionelle Begleitung und Moderation des Beteiligungsprozesses zu gewährleisten. In Weyarn wird dies durch ein „Mitmach-Amt“ als Koordinationsstelle mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin getan. Information ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren von Bürgerbeteiligung: „Alle müssen alles wissen!“

Als ein konkretes Beispiel, wie ein solcher Beteiligungsprozess funktioniert, nannte Pelzer die Planung des neuen Schulgebäudes, bei dem die Schüler*innen von vornherein als entscheidender Bestandteil einbezogen wurden (z.B. mit Kindergemeinderatssitzungen). So konnten die Wünsche der Schüler*innen berücksichtigt werden, unrealisierbare Vorstellungen argumentativ bearbeitet und sogar Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Schulbauten realisiert werden.

Bertelsmann-Stiftung/Staatsministerium Baden-Württemberg (Hrsg.):  Partizipation im Wandel. Unsere Demokratie zwischen Wählen, Mitmachen und Entscheiden, Gütersloh 2014

Michael Pelzer/Theresia Benda: Nicht ohne meine Bürger. Eine Wegbeschreibung zur Bürgergesellschaft. In: Der Bayerische Bürgermeister 1/2009, S. 125-127

Details: http://weyarn.de/aktiv.htm

Satzung: http://weyarn.de/Gemeinde/Satzungen/Buergerbeteiligungssatzung.pdf

Heidrun Eberle von der Nachbarschaftsbörse am Ackermannbogen führte uns durch dieses neue Baugebiet, das auf dem Gelände der 1994 von der Bundeswehr aufgegebenen Kasernen entstanden ist. Das 36 ha große Gelände war von der Stadt München insgesamt aufgekauft worden und mit der bewährten „Münchner Mischung" überplant worden. Das heißt: zu je einem Drittel mit frei finanzierten Wohnungen, mit sozialem Wohnungsbau und dem Münchner Modell für Haushalte mit mittlerem Einkommen, die keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Mittlerweile leben im Ackermannbogen rund 6700 Menschen, 27% davon sind Kinder und Jugendliche. Im Gebiet gibt es immerhin sechs Kita-Einrichtungen.

Das Quartier ist charakterisiert durch kompakte, weitgehend mehrstöckige Wohnbebauung (siehe die drei Bilder unten als Beispiel) mit großzügigen Grünanlagen und verkehrsberuhigten Bereichen. Etliche Projekte wurden von Baugemeinschaften und Wohnungsbaugenossenschaften realisiert, aber auch die stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften waren dort aktiv. Im Quartier gibt es auch einige Pflegewohnungen für ältere Menschen und – in einem anderen Haus untergebracht – einen Pflegestützpunkt. Über das gesamte Viertel verteilt sind insgesamt 10 Gemeinschaftsräume, die für kulturelle Veranstaltungen, Partys oder Kurse genutzt werden (darunter auch einer, der von außen uneinsehbar ist und deshalb gern für Angebote genutzt wird, die sich an Muslimas richten). 

  

„Urban Gardening“ (Bild unten links) findet in einem 1000 Quadratmeter großen Garten statt, der von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Auch die Investitionen für den Bau der Wege und der Gartenlaube wurden von der Stadt im Rahmen der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme getragen. Die Ernte gehört denjenigen, die hier Arbeit investieren. Das Projekt wird von verschiedenen, durch die Nachbarschaftsbörse koordinierten Arbeitskreisen getragen. Der Garten ist jedoch offen für alle und nicht abgesperrt. Ob dies zu „Mitnahme-Effekten“ führen wird, muss sich noch erweisen.

 

Der Stadtplatz (Bild oben rechts) mit Einzelhandelsgeschäften und einem Brunnen (von Kindern gern als „Schwimmbad-Ersatz“ genutzt) als Mittelpunkt wird als Treffpunkt und Kommunikationsort schon gut angenommen.

Informationen der Stadt München zum Bauquartier 

Informationen zur Nachbarschaftsbörse und ihren Aktivitäten

Die wagnis eG ist eine junge Genossenschaft. Sie wurde im Jahr 2000 mit 21 Mitgliedern gegründet und verzeichnete Anfang 2017 bereits über 1.700 Mitglieder. Die Rechtsform Genossenschaft bedeutet Selbst- und Gemeinschaftsorganisation, Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Sie ist demokratisch aufgebaut. Jedes Mitglied hat unabhängig von seinen eingezahlten Geschäftsanteilen eine Stimme, das höchste Organ ist die Mitgliederversammlung. Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder vorrangig durch eine sozial und ökologisch verantwortbare und sichere Wohnungsversorgung. Dementsprechend hat die Baugenossenschaft wagnis eG das Ziel, Wohnanlagen (links im Bild: das Projekt "Wagnis 1") zu realisieren, um gemeinschaftlich verwalteten Wohnraum dauerhaft zu sichern, sozial zu binden und der Spekulation zu entziehen. Nachbarliches Miteinander, generationenübergreifendes Wohnen, die Nähe von Arbeits- und Wohnort sowie ökologische Nachhaltigkeit sind wesentliche Ziele, wie Rut-Maria Gollan vom wagnis-Vorstand ausführte.

Wohnbaugenossenschaften stellen einen “Dritten Weg” zwischen den traditionellen Lösungen Eigentum und Miete dar. Typisch ist ihr Doppelcharakter als Wirtschaftsunternehmen einerseits und bewohnerorientierter Selbsthilfeeinrichtung andererseits. Das gesamte Projekt ist Gemeinschaftseigentum, in dem die Wohnenden "Mieter im eigenen Haus" sind. Sie besitzen ein lebenslanges Wohnrecht und zahlen auf Dauer günstige Mieten. Die Wohnungen sind keine Spekulationsobjekte, sondern bleiben langfristig und auch den Erben erhalten. Die Einlagen der Genossen bilden die wirtschaftliche Basis. Diese betragen etwa 30 Prozent des Gesamtinvestitionskapitals, darin enthalten sind auch die Finanzierungen für die Gemeinschaftseinrichtungen, an denen sich jeder hier wohnende Genosse beteiligt.

Rut-Maria Gollan erläuterte, dass jedes Projekt mit der Bildung einer Baugruppe beginnt, die über die wesentlichen Charakteristika des Baus (z.B.: Gemeinschaftsräume) beschließt. Ziel sei es, die Wohnräume auf das wirklich notwendige Maß zu beschränken und für andere Nutzungen (Werkzeuge, Hobby, Waschmaschinen, Gästezimmer usw.) gemeinschaftlich genutzte Räume vorzusehen. Aber natürlich müssen die Gebäude auf Dauer geplant werden und nicht nur für den Erstbezug. Deshalb gebe es auch eine große Bandbreite an Wohngrößen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen. Barbara Uhl (im Bild) führte uns durch das Projekt „Wagnis 4“ an der Petra-Kelly-Straße (unten links: Blick vom Dachgarten in den Innenhof), das sowohl architektonisch überzeugte als auch durch einen wunderbaren Gemeinschaftsgarten auf dem Dach des Gebäudes (Bild unten rechts) beeindruckte.

 

 

Details: http://www.wagnis.org/ 

Das Projekt „Bellevue di Monaco” in der Müllerstraße 2-6 befindet sich im Glockenbach-Viertel, im „Zentrum der Gentrifizierung Münchens”, wie Vorstandsmitglied Matthias Weinzierl (Bild links) betonte.  Begonnen hatte das Projekt mit dem Protest gegen den geplanten Abriss der renovierungsbedürftigen Gebäude in der Müllerstraße 2-6 und das damit verbundene Verschwinden des angrenzenden Bolzplatzes. Dagegen hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für den Erhalt aussprach und mit der Goldgrund-Gorilla-Renovierungsaktion auch Medienaufmerksamkeit bekam – nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung durch Prominente aus der Kulturszene. Die Abrisspläne wurden zurückgenommen. Und nach einer Ausschreibung verpachtete die Landeshauptstadt München die Häuser im April 2016 für die nächsten 40 Jahre an die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco, die Wohn- und Kulturzentrum für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge und interessierte Münchner im Herzen der Stadt München realisiert.

  

Die Entrümpelung wurde in Eigenleistung und mit ungeheurem Engagement von Freiwilligen geleistet. Momentan läuft die Renovierung der drei Häuser auf Hochtouren. Dabei kommen natürlich professionelle Handwerksbetriebe zum Zug, die sich aber verpflichtet haben, dabei auch Geflüchtete im  Rahmen ihrer Möglichkeiten einzusetzen. Gleichzeitig werden bereits diverse Veranstaltungen und Aktionen organisiert. In einem provisorisch hergerichteten Teil des Gebäudes findet schon jetzt ein vielfältiges Begegnungs-, Schulungs- und Kulturprogramm statt. Synergieeffekte gibt es mit der benachbarten Glockenbach-Werkstatt (Bürgerhaus), das Kurse anbietet und über Gastronomie und Biergarten verfügt. Nach der Fertigstellung soll das Bellevue di Monaco etwa 40 Menschen Unterkunft bieten sowie mit seinen Beratungsangeboten, seinen Veranstaltungsräumen und einem großen Kulturprogramm eine zentrale Anlaufstelle zum Thema Flucht und Migration sein.

Als „Tür zur Stadt“ wird das offene Info-Café (Bild oben rechts) an der Ecke Müller-/Corneliusstraße fungieren. Der Cafébetrieb (ohne Konsumzwang!) wird gemeinsam mit Flüchtlingen organisiert und umgesetzt. Es wird niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote für Geflüchtete geben, aber auch für alteingesessene Münchner, die Hilfe anbieten oder Kontakt suchen. Im Wohnhaus Müllerstraße 6 werden in zehn Wohnungen junge geflüchtete Menschen nach der Betreuung durch die Jugendhilfe in ein selbständiges Leben begleitet. Die Wohndauer für den einzelnen Jugendlichen soll ca. 2 Jahre betragen. Das Wohnhaus Müllerstraße 4 bietet in sechs Wohnungen Raum für Geflüchtete mit besonderem Bedarf, insbesondere für Familien. Intensivere Beratungsangebote, sowie Schulungen und Kulturveranstaltungen gibt es im Hinterhaus in den Kulturräumen der Müllerstraße 2. Die Kosten werden durch einen Zuschuss der Stadt München in Höhe von 1,2 Mio. Euro plus der gleichen Summe von diversen Stiftungen finanziert.

Wesentliches Anliegen der Bellevue-Sozialgenossenschaft ist es laut Weinzierl, die Flüchtlingsproblematik ins Zentrum zu stellen: ins Zentrum der Stadt und ins Zentrum des Interesses. Deshalb engagiert sich das Projekt neben der Renovierung auch mit Informationsveranstaltungen über Fluchtursachen, der Organisation von Hilfslieferungen und anderen politischen Aktivitäten.

Details: http://bellevuedimonaco.de/

Verena Salz führte uns durch die 2010 gegründete Textilfabrik „manomama“. Deren Personalkonzept beruht vor allem darauf, Personen, die als „unvermittelbar“ gelten, einen Arbeitsplatz zu bieten: Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose, Migrant*innen etc.  Alle, die in der Produktion arbeiten, erhalten einen Grundlohn von 10 Euro pro Stunde. Die Arbeitsverträge sind unbefristet, die Arbeitszeit (zwischen 6 und 22 Uhr) ist flexibel einteilbar. Manomama hat derzeit rund 150 Beschäftigte, fast ausschließlich in der Produktion. Der Vertrieb läuft hauptsächlich über das Internet (Web-Shop), daneben gibt es den Fabrikverkauf  und einen manomama-Laden in Augsburg. Außerdem gibt es Mitarbeiterinnen, die die Produkte mobil in ihrer Region verkaufen.

Die Produktion orientiert sich an den Kriterien: öko, regional und fair. Alle Rohstoffe, sofern verfügbar, kommen aus der Region. Dazu zählen Hanf, Leder, Schurwolle (von einem Augsburger Schäfer) und Viskose. Nur die Biobaumwolle kommt aus Tansania. Auch die Weiterverarbeitungsschritte wie Spinnen, Weben, Stricken und Ausrüsten sowie alle Zutaten (Reißverschlüsse, Knöpfe, Nähfäden etc.) werden im Umkreis von 300 Kilometer von Augsburg realisiert, in Ausnahmefällen auch in anderen bundesdeutschen Regionen (NRW oder Brandenburg). Außerdem orientiert sich die Produktion (rechts ein Bild der Produktionshalle) an strengen ökologischen Maßgaben. Auch auf Chemikalien, die selbst bei Biotextilsiegeln erlaubt sind, verzichtet manomama. Die bei der Produktion anfallenden Stoffreste werden recycelt und zu neuen Stoffen verarbeitet.

Ein wesentliches ökonomisches Standbein des Betriebs ist – neben der eigentlichen Kleidungsproduktion – die Herstellung von Stofftaschen.  Auch hier wird darauf geachtet, dass nur „korrekte“ Auftraggeber beliefert werden.

Details: https://www.manomama.de/

 

Das Grandhotel Cosmopolis ist ein "gesellschaftliches Gesamtkunstwerk" (im Sinne einer "sozialen Plastik" nach Joseph Beuys) im Augsburger Domviertel und will Akzente setzen für ein friedliches Zusammenleben in der modernen Stadtgesellschaft. Die dringliche Aufgabe der Unterbringung von Asylbewerbern wird hier verknüpft mit kultureller Vielfalt und vor allem mit einem Angebot zur Teilhabe für alle.

Die Diakonie ist Hauseigentümerin und kümmert sich um die Flüchtlingsberatung. Sie hat die Kosten des Umbaus vorfinanziert. Die unterschiedlichen Teilbereiche des Gebäudes werden von zwei verschiedenen Parteien gemietet. Die Regierung von Schwaben ist Mieter der Hotelbereiche mit Asyl.
Der 2013 gegründete gemeinnützige Verein Grandhotel Cosmopolis e.V., der die Idee entwickelt hat, ist Mieter des Hotels ohne Asyl, der Gaststätte, der Ateliers und der Café-Bar. Das Haus diente früher als Altenheim und stand seit 2007 leer.

 

Verschiedene Menschen kommen hier unter: Gäste auf unbestimmte und unterschiedliche Zeit – es ist eine temporäre Heimat, die keine Unterschiede zwischen ihren Bewohnern macht: Hotelgäste mit und ohne Asyl, Künstler, Besucher, Personal, Handwerker. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Motivationen und Berufen in verschiedensten Lebensumständen treffen zusammen und lassen sich vom Projekt und den Möglichkeiten inspirieren. Für Flüchtlinge – „Hotelgäste mit Asyl“ – sind auf drei Etagen jeweils neun Doppelzimmer und ein Gemeinschaftsraum bereitgestellt. Es wohnen hier überwiegend Familien, aber auch einzelne Frauen, Männer und Heranwachsende. Sie alle sind eingeladen, sich in das Projekt einzubringen, und viele tun dies auch. Die Zimmer im Bereich für Geflüchtete sind genauso groß wie die Hotelzimmer. Die Menschen, die darin – vorübergehend – leben, können ihre Bleibe selbst gestalten. Mit der Folge, dass Vandalismus im Cosmopolis ein echtes Fremdwort geblieben ist. Es gibt hier auch keinen „Sicherheitsdienst“.

Die Hotelgäste – „Hotelgäste ohne Asyl“ – sind am ehesten mit den Nutzergruppen eines großstädtischen Hostels zu vergleichen. Neben den 12 individuell von Künstlern gestalteten Doppelzimmern (ein Beispiel im Bild oben rechts) mit Waschgelegenheit gibt es im Erdgeschoss noch weitere Vier-Bett-Zimmer. Das Angebot richtet sich an internationale (Kultur-)Reisende, Künstler, Neuaugsburger. Die bei der Umgestaltung genutzten Möbel und Materialien stammen aus Spenden und Häuserräumungen. Nachhaltigkeit und Upcycling sind fester Bestandteil der Konzeption. Viele Menschen bringen ihre Erfahrung ein. Das Motto ist – so Peter Fliege (Bild oben links) -: „Nichts ist unmöglich!“

Bei der Renovierung und jetzt im Betrieb engagier(t)en sich sehr viele Freiwillige, die das Projekt so, wie es jetzt funktioniert, erst möglich machen. Dennoch sind natürlich auch feste Angestellte notwendig, um die Kontinuität des Betriebs zu gewährleisten. Gegenwärtig sind das 12 Angestellte, fünf Praktikant*innen, ein Auszubildender. Außerdem werden Sozialstunden im Cosmopolis abgeleistet. Aus Spenden wird die Rechtsberatung für Geflüchtete finanziert sowie Mikrokredite für Geflüchtete, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten.

 

Unsere Gruppe lässt sich das Essen im Grandhotel schmecken - kein Wunder angesichts des gut gelaunten Küchen-Teams.

Das Grandhotel versteht sich aber nicht als „Geflüchteten-Projekt“, sondern als ein gesellschaftlich relevantes Projekt, weil es sich mit Thematiken befasst, die für alle relevant sind.

Details: http://grandhotel-cosmopolis.org/de/

Angesichts der Vielfalt der Projekte, die wir auf unserer Reise besucht haben, fällt es schwer, ein allgemeines Fazit zu ziehen. Drei Punkte lassen sich dennoch festhalten:

1. Wir haben eine Vielzahl von Menschen kennen gelernt, die mit immensem Engagement daran arbeiten, in je verschiedener Weise dazu beizutragen, eine nachhaltige, eine lebenswerte Zukunft, eben ein gutes Leben zu ermöglichen. Das war sehr ermutigend, sehr motivierend - auch und gerade für eigene Projekte in dieser Richtung.

2. Interessant: viele der Projekte haben die Gesellschaftsform der Genossenschaft gewählt, um ihre Projekte umzusetzen. Die Genossenschaften erleben nicht von ungefähr seit etlichen Jahren einen enormen Aufschwung, weil sie es erlauben, wirtschaftliches Handeln mit Selbstorganisation und demokratischer Kontrolle zu verbinden.

3. Natürlich haben all diese Projekte, vor allem wenn sie sich in die Marktkonkurrenz mit profitorientierten Unternehmen begeben (müssen), ihre Grenzen - das war vor allem beim "Tagwerk" und bei manomama zu erkennen. Dies sollte jedoch nicht den einzelnen Projekten als Defizit angekreidet werden, sondern eher dazu führen, über die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen solcher Unternehmungen kritisch nachzudenken.

Einige weiterführende Links und Literaturhinweise

Themenportal "Gutes Leben für alle!"

Kongresse (mit ausführlichen Dokumentationen!) "Gutes Leben für alle" in Wien

Harald Welzer / Stephan Rammler (Hrsg.): Der FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2013. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Frankfurt am Main 2012

Harald Welzer / Dana Giesecke / Luise Tremel (Hrsg.): FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16. Geschichten vom guten Umgang mit der Welt. Frankfurt 2014

Bernd Sommer / Harald Welzer: Transformationsdesign. Wege in eine zukunftsfähige Moderne. München 2017

ReferentInnen

Dieter Gewies
1. Bürgermeister a.D., Furth bei Landshut
E-Mail: dieter.gewies@gmx.de

Andreas Horsche
1. Bürgermeister, Gemeinde Furth
Am Rathaus 6, 84095 Furth 
Tel: 08704/9119-27
E-Mail: andreas.horsche@vg-furth.de

Dr. Michael Rittershofer
Algasing 1, 84405 Dorfen
Tel.: 08081/9379-50
E-Mail: michael.rittershofer@tagwerk.net

Christophe Levannier
1. Vorstand, Chiemgauer e.V.
Gapstr. 6, 83278 Traunstein
Tel.: 0861/20995380
E-Mail: levannier@chiemgauer.info 

Sabine Fuchs
Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG
Hockerfeld 5-8, 83451 Piding
Tel.: 08651/7004-0
E-Mail: info@molkerei-bgl.de

Hans Maltan
Nationalparkzentrum "Haus der Berge"
Hanielstraße 7, 83471 Berchtesgaden
Tel.:  08652/979060-0
E-Mail: hausderberge@npv-bgd.bayern.de 

Fritz Rasp
Tourist-Information Ramsau
Im Tal 2, Haus des Gastes, 83486 Ramsau
Tel.: 08657/98 89 20
E-Mail: info@ramsau.de

Jens Badura
Im Tal 78, 83486 Ramsau
08657/1394008
E-Maijens.badura@bergkulturbuero.org

Michael Pelzer
Schwimmbadstr. 19, 83620 Feldkirchen-Westerham
Mobil: 0172-8555766
E-Mail: michael.pelzer@hotmail.com

Heidrun Eberle
Ackermannbogen e.V. 
gemeinnütziger Verein für Nachbarschaft, Umwelt, Kultur
Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9, 80797 München
Tel.: 089/30749634
E-Mail: nachbarschaftsboerse@ackermannbogen-ev.de

Rut-Maria Gollan / Barbara Uhl
Wohnbaugenossenschaft wagnis eG
Petra-Kelly-Str. 29, 80797 München
Tel.: 089/18911650
E-Mail: wagnis@wagnis.org und rut.gollan@wagnis.org

Matthias Weinzierl
Bellevue di Monaco eG - Gemeinnützige Sozialgenossenschaft
Müllerstr. 2, 80469 München
Tel.: 089/5505775-0
E-Mail: info@bellevuedimonaco.de und m.weinzierl@bellevuedimonaco.de

Verena Salz
manomama GmbH
Willy-Brandt-Platz 1a, 86153 Augsburg
Tel.: 0821/567428-0
E-Mail: service@manomama.de

Peter Fliege
Grandhotel Cosmopolis e.V.
Springergässchen, 86152 Augsburg
Tel.: 0821/45082411
E-Mail: willkommen@grandhotel-cosmopolis.org 

Veranstaltungsort
Start: Landshut | Ende: Augsburg


Partner

GRIBS-Bildungswerk


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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13.05.2017

DOK.fest: Preisverleihung

 

V.l.n.r: Jurorin Eva Lautenschlager, Daniel Sponsel (der Festival-Leiter, der den Preis an Stelle der Regisseurin, die leider nicht nach München kommen konnte, entgegennahm) und Henriette Wägerle vom Vorstand der Petra-Kelly-Stiftung.

Auch in diesem Jahr stiftete die Petra-Kelly-Stiftung wieder den mit 3000 Euro dotierten VIKTOR DOK.horizonte, der an den Film "Motherland" von Ramona S. Diaz verliehen wurde. Die Jury - bestehend aus: Anna Berthollet (Koordinatorin für Festivals & Non-Theatrical Sales, Taskovski Films), Inti Cordera (Geschäftsführer, DocsMX), Eva Lautenschlager (Abteilung Film, Fernsehen und Radio, Goethe-Institut) - begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

"Ein Film hat uns tief berührt in seiner Annäherung an ein universelles Menschenrechtsthema, mit dem jeder sich identifizieren kann, unabhängig von Gender und kulturellem Hintergrund: Fein ausbalanciert zwischen Thema und  Dokumentarfilmtechnik, führt der Film das Publikum in einen Mikrokosmos ein, der einen umfassenderen Einblick in die philippinische Gesellschaft vermittelt und widerspiegelt, wie Familie und Tradition die Lebensbedingungen von Frauen beeinflussen. Die DOK.horizonte Jury verleiht den diesjährigen VIKTOR an MOTHERLAND von Ramona S. Díaz."

Zum Inhalt:

MOTHERLAND 
USA / Phillipinen 2017 - Regie: Ramona S. Diaz - Originalfassung: filipino / Untertitel: englisch

"Lea ist Anfang 20. Sie wusste gar nicht, dass sie Zwillinge bekommt. Erst als die junge Frau in das Dr. Jose Fabella Memorial Hospital in Manila kommt, stellt sich das heraus. So oft wie möglich muss sie ihre beiden frühgeborenen Babys in einem Tube Top an ihren Körper geschmiegt halten – „Kangaroo Mother Care“ heißt das. Die Mutter ist der Brutkasten – denn für Brutkästen hat die unterfinanzierte Klinik kein Geld. Hier gebären die Ärmsten der Armen, manchmal müssen sie sich dabei ein Bett teilen und können kaum ihre Beine ausstrecken. Doch MOTHERLAND ist keine Elendsbeschau: Ganz nah an Müttern, Krankenhauspersonal und Familienangehörigen ist der Film eine Liebeserklärung an seine Protagonisten – und gewährt gleichzeitig tiefe Einblicke in die philippinische Gesellschaft." (Julia Teichmann)

Eine "lobende Erwähnung" der Jury erhielt zudem der Film "Dead Donkeys Fear No Hyenas" von Joakim Demmer (Schweden/Finnland/Deutschland 2016).

Empfohlene Weblinks

www.motherland-film.com

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Preisverleihung



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25.03.2017

Moving Women Empowerment Conference

Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen.

Die Moving Women Empowerment Conference stand unter dem Motto “Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen”. Frauen aus verschiedenen Ländern der Welt kamen zusammen, um voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. So sollten Frauen mit unterschiedlichstem Background ermutigt werden, ihr Potenzial zu entfalten.

Ein Highlight der Konferenz war die erstmalige Vergabe des "Sonne Women of Excellence Awards" sein, mit dem vier Frauen afrikanischer Herkunft und Frauen in der Diaspora ausgezeichnet wurden, die große Vorbilder für ihre Communities sind. 

Die vielfältigen Vorträge sollten Frauen ermutigen, ihr Schicksal in die Hände zu nehmen und sich nicht entmutigen zu lassen. So zeigte die Dolmetscherin, Integrations- und- Gesundheits-Mediatorin Mathilda Legitimus-Schleicher  neue berufliche Wege für Migrantinnen auf. Die Malerin Vivian Timothy zeigte durch ihre Malerei, wie sie ihren Traum eines selbständigen Lebens und persönlichen Entfaltung verwirklicht hat., Die Ärztin N’joula Agnes Baryoh hielt einen interessanten Vortrag über "Frauen afrikanischer Herkunft und ihre Körper: Wissen um die Besonderheiten in Gynäkologie und Geburtshilfe" Davonne Schaefer, Unternehmerin, widmete ihren Vortrag „Divine Curls“ über die Bedürfnisse von schwarzen Frauen, die beschlossen haben, ihre eigenen natürlichen Haare zu tragen. 

In der von der Journalistin Dr. Jane Ayeko Kümmeth geleiteten Podiumsdiskussion (Bild links) berichteten Teilnehmerinnen wie die Rechtsanwältin Edith Otiende-Lawani, die Nuklearingenieurin Caroline Kouegoua, die junge geflüchtete Somalierin Jamila Mohamed Abdi und Vivian Timothy über ihren Werdegang und die Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Hürde zu überwinden.

Für Unterhaltung sorgte Stephanie Knott mit ihrer Amateur-Theatergruppe, deren Sketche vermittelten, wie Rassismus und Vorurteile sowohl in der afrikanischen als in der deutschen Gesellschaft vorhanden sind. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von "Nomina", einem südafrikanischen Duo, sowie der brasilianischen Tänzerin Linda.

Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz finden Sie in dieser PDF-Datei.

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Konferenz



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10.03.2017 - 18:00

Ende der Privatheit

Brauchen wir eine neue Reformation?

Die Reformation von 1517 ist undenkbar ohne die Medienrevolution des Buchdrucks. Sie hat Gesellschaft und Kultur fundamental verändert und das Individuum aus den Dogmen der Kirche befreit.
Heute ist es die Digitalisierung, die auf Gesellschaft und Kultur einwirkt, auf Sprache und Bilder, auf unsere Haltung zur Welt. Wird sie das Ende der Privatheit bringen, hat das Individuum ausgedient?

Die VS-Vorsitzende Eva Leipprand wies in ihrer Einführung zur Diskussionsrunde darauf hin, wie sehr sich die Zeiten ähnelten: „Wir leben in einer Umbruchszeit“, einer wie im 16. Jahrhundert. Schreibende, so Leipprand, stünden heute vor einer „besonders drängenden Frage“: Denn sie schafften „Bilder und Symbole“ für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. „Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Schrankenlose Möglichkeiten bei der Verbreitung ihrer Werke? Angst vor Überwachung und Anpassung?“

In ihrem Impulsreferat sprach Susanna Wolf von der Universität Erlangen über »(Digitale) Grundrechte stiften und erhalten: Vom Wertcharakter der Privatheit in liberalen Demokratien«. Sie strich die Angst vor Überwachung heraus – ein Risiko für die Pluralität. Es würde ein Konformitätsdruck erzeugt, also eine Verhaltensänderung. Zu fragen sei, was die Privatheit, ein Ideal der Französischen Revolution, heute wert ist und damit verbunden Würde, freie Entfaltung und das Recht auf Rückzug in die individuelle Privatsphäre. Susanna Wolf umriss die Ziele der »Charta der digitalen Grundrechte der EU«, an der Netzwerkaktivisten, Schriftsteller, Journalisten, Bürgerrechtler, Politiker und Wissenschaftler bis zum Dezember 2016 gearbeitet hätten – kein verfassungsgebender Text, sondern ein Diskussionspapier zu den Grundrechten in den europäischen Gesellschaften.

Die Probleme der Digitalisierung haben ethischen Charakter – das war die Kernaussage der Diskussionsbeiträge, vor allem des von Ulrike Schäfer, der Würzburger Schriftstellerin. Sie formulierte ihr Unwohlsein mit einem Eingeständnis und einer Fragestellung: „Den Zwiespalt zwischen Bürgerin und Nutzerin kenne ich gut, er verläuft mitten durch mich hindurch. Ich schlingere und arbeite mit Verdrängung. Nur dass die Verdrängung brüchig ist. Und dass die Frage vielfältig wiederkehrt. Nicht nur: Was machen andere mit meinen Daten? Sondern auch: Was mache ich mit den Daten anderer?“ Ausgehend von Erfahrungen mit der Digitalisierungsaktion im Jahr 2013 und der Charta von 2016 plädierte sie für einen breiten und umfassenden Widerstand „gegen staatliche und wirtschaftliche Ausspähung“, unter Vermeidung von Polemik und Häme untereinander. Und parallel dazu ein Streit um Lösungen der Frage: „Wie wollen wir die digitale Zukunft gestalten?“

Der Schriftsteller Andreas Heidtmann, der in Leipzig lebt und dort die Plattform „Poetenladen“ gründete, die heute als ein literarischer Buchverlag funktioniert, ist weitaus optimistischer. Er vertraut seinen Erfahrungen, auch den Büchern in „ansprechender Aufmachung“: Schriftstellerinnen und Schriftsteller „ohne Buch droht es früher oder später, im digitalen Nirwana zu verschwinden“. Die neuen Medien böten Dialogmöglichkeiten. Eine Demokratie sei im Gange. „Die Idee des Künstlerindividuums verblasst, und die Differenz zwischen Schreibenden und Lesenden verringert sich.“ Wie eine Ergänzung wirkten Susanna Wolfs Ausführungen: Der Prozess sei nur mit Bildung und Transparenz zu steuern; Datenschutz müsse ein Schulfach werden. Eindringlich empfahl sie den Schriftstellern, die »Charta der digitalen Grundrechte der EU« zu unterstützen.

In der sich anschließenden sehr lebendigen Diskussion wurden verschiedene Aspekte der vorher genannten Inputs aufgenommen und hinterfragt. Eines der Hauptthemen war der Frage gewidmet, wie wir unsere individuelle Privatheit retten können. Ebenfalls wurde in der anschließenden Diskussion zum Ausdruck gebracht, welche Rolle die Banken und IT-Konzerne spielen.

ReferentInnen


Impulsreferat
Susanna Wolf, M.A.
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Christliche Publizistik an der Universität Erlangen-Nürnberg

Diskussion
Ulrike Schäfer
Schriftstellerin
Dr. Werner Meixner
TU München, Institut für Informatik
Andreas Heidtmann
Schriftsteller

Moderation
Eva Leipprand
Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS)

Klavier
Udo Agnesens

Veranstaltungsort
Aschaffenburg


Partner

Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS)


Art der Veranstaltung
Diskussion



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04.02.2017

Geistiger Widerstand durch Kunst

Die Funktion der Kunst

In seinem Vortrag "Die Funktion der Kunst" warf Professor Dr. Armin Nassehi (Institut für Soziologie an der LMU München) einen scharfen Blick auf die Bereiche von Wissenschaft, Kunst und Politik der heutigen Zeit und fokussierte den individuellen Blick auf das Bild, das sich ein jeder Mensch von jeder Sache mache: Wir sehen nicht das Bild, sondern das Bild vom Bild. Wir machen uns ein Bild vom Bild. Wahrnehmung ist nur möglich durch die Fähigkeit, die Wahrnehmung wahrzunehmen.

Ein Beispiel dafür: Bei einer Ausstellung von Matisse stand eine Besucherin vor dem Portrait einer Frau und fragte den Maler, wer diese Frau sei? Die Antwort von Matisse: "Das ist keine Frau, das ist ein Bild."

Fazit: Kreatives Denken ist gefragt, der Mensch ist der Schöpfer aller Dinge.

Der Filmabend stand im Zeichen des Nazi-Terrors. Gezeigt wurden die Dokumentarfilme "Die Architektur des Untergangs" (von Peter Cohen, 1989) und "NEIN! Zeugen des Widerstandes in München 1933-1945" (von Katrin Seybold, 1998). Im ersten Film wurde der Naziterror durch die Brille der Kunst betrachtet, im zweiten durch die Widerstandskraft einzelner Persönlichkeiten. Dem Publikum eröffnete sich ein neuer, erschreckender Blick auf das Funktionieren des NS Regimes. Im Gespräch danach wurde eine Parallele zur Akzeptanz rechter Parteien von heute gezogen mit gleichzeitigem Appell an Wachheit und Zivilcourage zu geistigem Widerstand. „Wie konnte das passieren? Wie können wir heute Schlimmes verhindern?“

ReferentInnen

Professor Dr. Armin Nassehi
Institut für Soziologie, LMU, die Forschungsgebiete von Prof. Dr. Armin Nassehi liegen im Bereich Kultursoziologie, Wissenssoziologie und politische Soziologie mit zahlreichen Publikationen. Er ist Herausgeber der Kulturzeitschrift „Kursbuch“.

Veranstaltungsort
München


Partner

Soziale Skulptur München


Art der Veranstaltung
Vortrag / Filmabend



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23.01.2017 - 18:30

Filmreihe Kino Europa: Familienfilm (Rodinný film)

Eröffnungsfilm

Am 23.01. wurde der erste Film dre Filmreihe Europakino gezeigt: Familienfilm (Rodinný film) des Regisseurs Olmo Omerzu, mit Karel Roden, Vanda Hybnerová, Daniel Kadlec, Jenovéfa Boková, Eliška Křenková, Martin Pechlát.


Dr. Zuzana Jürgens (EUROPE DIRECT Informationszentrum München&Oberbayern) begrüßt im gut gefüllten Vortragssaal der Münchner Stadtbilbiothek.


Das Programm der Filmreihe finden Sie ab Januar hier.

Über die Filmreihe:

Die Filmreihe Kino Europa zeigt die Vielfalt und Qualität des europäischen Kinos, die nicht zuletzt auch durch europäische Förderung ermöglicht wird: Durch die Programme MEDIA und Eurimages wird seit mehr als 25 Jahren die Konkurrenzfähigkeit des europäischen Films auf dem internationalen Feld als auch innerhalb Europas erfolgreich unterstützt. Die europäischen Spiel- und Dokumentarfilme gewinnen Preise auf Festivals und locken wieder mehr Publikum in die Kinosäle.

Gezeigt werden herausragende Spiel- oder Dokumentarfilme, in der Regel kurz vor ihrem offiziellen Kinostart. Im anschließenden Filmgespräch sprechen die Gäste über die Gegenwart und Zukunft der europäischen Filmkunst und darüber, warum Europa den europäischen Film braucht und der europäische Film Europa.

ReferentInnen

Eröffnung durch den 2. Bürgermeister Josef Schmid und Stehempfang

Veranstaltungsort
München, Münchner Stadtbibliothek am Gasteig, Forum, Ebene 1.1


Kosten
Eintritt frei, Platzkontingent begrenzt!


Partner

europe direct Informationszentrum München & Oberbayern

 

 


Art der Veranstaltung
Filmvorführung



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17.12.2016 - 20:00

good night white pride

 

„Good night white pride” ist eine Kampagne von Mitgliedern der Hardcoreszene, die sich gegen Rassismus und Faschismus wendet. Ziel war und ist es, Faschismus und Rassismus „keinen Millimeter Platz einzuräumen“. In Rosenheim veranstaltet die infogruppe seit 2002 jährlich ein Konzert unter diesem Motto. Inzwischen ist das Rosenheimer „good night – white pride“ Konzert eine feste Institution in der oberbayerischen Alternativkultur geworden. 

Eröffnet wurde der Abend mit Angry Crust-Grind-Punk aus München von der Band PER CAPITA. Diese sprangen kurzfristig für „Volxverätzung“ ein, welche leider aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten.

Die zweite Band (VICIOUS FOOL) bot klassischen Hardcore. Die noch sehr junge fünfköpfige, aus Traunreut stammende Band ist mit ihrem modernen, aber melodischen Stil ein fester Bestandteil der lokalen Hardcore-Szene. 

Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich der Auftritt der Münchner Band ÄMBONKER, welche ihren Stil selbst als „ raw and pissed off hardcore punk“ beschreiben. Durch verschiedeneste musikalische Einflüsse entstand bald ein harter, wütender, eigenwilliger und direkter Punk-Sound. Ämbonker behandeln in ihren Texten soziale und politische Themen wie Krieg, Missstände in der eigenen Subkultur-Szene, Gier, Macht, Geld, Armut, Ungerechtigkeit, Faschismus, (zwischen)menschliche Idiotismen und alles, was damit einhergeht.

Der Headliner DEMENZIA KOLEKTIVA bot Punkrocksongs mit catchy Melodien, eingängig, packend, extrem hitlastig und getragen durch die Stimme der aus Chile stammenden Sängerin. Musikalisch ist die Wiener Band zwischen klassischem Punkrock, etwas frühem Anarcho-Punk und ganz viel 77er-Sound zu verorten. Gleichzeitig sind Demenzia Kolektiva durch den Gesang und die spanischen und englischen Songtexte aber extrem eigen, vielseitig und abwechslungsreich.

Im Rahmen des Konzertes wurden an einem umfangreichen Infostand Hintergrundinformationen angeboten und die Besucher*innen motiviert, sich über den Konzertabend hinaus inhaltlich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Über das niederschwellige Medium Musik ist es gelungen, über 100 junge Menschen auf ein Konzert mit einem klaren antifaschistischen Statement zu mobilisieren und damit klar Stellung gegen jede Form von rechtem Gedankengut zu beziehen. Gerade in einer Zeit, in der Neonazis mehrmals in Rosenheim versuchten, öffentlich aufzutreten, und in der es auch im Raum Rosenheim zunehmend rechte Gewalt gibt, ist dies besonders wichtig.

Veranstaltungsort
Rosenheim


Partner

Infogruppe Rosenheim


Art der Veranstaltung
Antifaschistisches Konzert



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02.10.2016 - 18:00

Rage against Abschiebelager

20 Jahre Rage Against Abschiebung

Das Rage Against Abschiebung ist das größte, regelmäßig stattfindende antirassistische Benefiz-Bandfestival im süddeutschen Raum. Der Bayerische Flüchtlingsrat organisiert es in München seit 1996. Seit 2004 mit und im Feierwerk München. Im Jahr 2016 hatte das Rage Against Abschiebung Festival die Themen:

  • europäische Abschiebemaschinerie
  • Festung Europa
  • Abschottungspolitik
  • Ausgrenzung von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sowie Illegalisierten
  • alltäglicher Rassismus

Auf Grund des schlechten Wetters fand das Rahmenprogramm, mit dem diese Themen den zahlreichen Besucher*innen vermittelt wurde, in diesem Jahr in der halle selbst statt. Neben einem Stand des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde in einem Pavillon und daran anschließend die Ausstellung zum Thema Abschiebelager präsentiert. Das Ziel der Ausstellung: auf das inhumane System der sogenannten „Ankunfts-und Rückführungseinrichtungen“ (ARE) in Bayern aufmerksam machen, d.h. auf die Praxis, Menschen nach Herkunftsländer zu sortieren, in Lagern zu sammeln und isoliert von Informationen und ohne Unterstützung in Schnellverfahren zu bearbeiten und letztendlich ohne ein faires, individuelles Asylverfahren in sog. „sichere Herkunftsländer“ abzuschieben. Hierzu wurde im Pavillon das Innenleben in den AREs nachgestellt. Absperrband wurde um den Pavillon gespannt, um so das Leben hinter Zaun zu verdeutlichen. Ein Metallhochbett und Malervlies als Bettdecke standen symbolisch für die triste und karge Einrichtung. Aussagen der Bewohner*innen über die Lebensumstände waren aufgemalt auf Karton an den Wänden angebracht und diese mit Infotext und Fotos versehen. Neben dem Pavillon stand eine Tafel mit realgroßen Fotos der täglichen Mahlzeiten in der Kantine. Mehrere Infotafeln informierten über weitere Aspekte, wie Arbeitsverbote, Residenzpflicht und „sichere Herkunftsstaaten“. Auch der Infobus, ein Angebot, das in naher Zukunft Betroffenen Beratung direkt vor den „Abschiebelagern“ in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen bieten wird, wurde in Szene gesetzt: So konnten die Besucher*innen diesen vor dem Festivalgelände besichtigen und hatten gleichzeitig drinnen die Möglichkeit, mehr Informationen zu bekommen und ihr Interesse an Mitarbeit zu bekunden. 

Veranstaltungsort
München, Feierwerk, Hansastr. 39-41


Kosten
9,50 Euro


Partner


Art der Veranstaltung
Solidaridätsfestival



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23.09.2016 bis 09.10.2016

AusARTen - Perspektivwechsel durch Kunst

 

Die ausARTen sind ein Projekt, bei dem sich alles um Kunst dreht. Als Kunstarten waren vertreten: Tanz, Fotografie, Calligraffiti, Poetry-Slam, Musik, Filmkunst, ein Vortrag über den Koran als Poesie sowie eine Vernissage muslimischer Künstler. Das Projekt zeigte: Deutsche und europäische Muslime haben ein tiefes, erfrischendes Potential. Sie sind mehr als das Objekt von Kopftuchdiskussionen. Muslime bereichern Deutschland und Europa mit ihrer Arbeit, ihrem Glauben, ihrer Lebensgeschichte, ihrer Kreativität und ihrer Kunst. 

3./4.9.: Straßenfotografie-Workshop mit der Fotografin Sandra Singh
An dem Workshop nahmen 12 junge geflüchtete Menschen teil, die ihre neue Heimat München aus ihrer Sicht fotografiert haben. Die Werke wurden im Münchner Forum für Islam, sowie bei dem AnderArt Festival am Odeonsplatz ausgestellt.

25.9.: Tanz-Workshop für Frauen mit der Künstlerin Nadina MeMagic
In den Mailinger Studios, „Wenn die Emotion zu stark ist um zu sprechen, dann singe, wenn sie zu stark ist um zu singen, dann tanze!“

25.9.: i,Slam - Poetry-Workshop mit Waseem Achim Seger
Dieser Workshop vermittelte - abgesehen vom Grundwissen über Poetry Slam - verschiedene Schreibtechniken und lyrische Stilmittel, die dabei helfen, Texte zu erstellen und sie performativ vorzustellen.
Ziel des Workshops war es, mit den Teilnehmenden Texte zu verfassen, verschiedene Schreibtechniken und lyrische Stilmittel kennenzulernen und dann über mögliche Performance-Möglichkeiten zu sprechen. Die Leitfrage des Workshops war: „Wie schaffe ich es, etwas so auszudrücken, dass es sich andere gerne anhören?“

30.09.: Vortrag „Der Koran als Poesie Gottes“  mit Professor Ahmad Milad Karimi im MFI
Der Koran gilt im Islam als Offenbarung Gottes. Diese Offenbarung ist zugleich ein poetisches Kunstwerk. Der Koran lässt sich nicht als ein schlichter Informationstext begreifen; vielmehr hat der Koran Klang, Melodie, Rhythmus, Reim und Takt. Die Weise wie die Offenbarung Gottes den Menschen erreicht, ist die Schönheit. Der Koran erobert die Herzen der Gläubigen. In diesem Vortrag geht es um die Schönheit der Sprache, der Zwischenräume, der Leerstellen des Koran, es geht um die Poesie Gottes und wie sie sich im Leben des Menschen ereignet.

07.10.: Vorführung des Films „Leiden schafft“ mit anschließendem Gespräch mit dem Filmemacher Mirza Odabaşı im MFI
Mirza Odabaşı ist ein junger deutscher muslimischer Filmemacher. Am 07.10. war er bei uns in München und nach der Vorführung seines Films war Gelegenheit Ihn persönlich zu diesem zu befragen.
Konzert: Vor dem Film:  Das DingDSDNG
So heißt die Crew um die MCs Cheb aka Cheb Turner alias der Funky Palestino, Akh Waas aka Waseem alias Monaco Freshprinz, die gekommen sind, um die Welt zu verändern. Eine Mischung aus straightness und realness trifft hier auf reflektierte Lyrics und pure Frische. Das Ding sind dabei, ein weltweites Netzwerk aufzubauen. Come join the bandwagon!
Konzert: Nach dem Film: Jisr
Jisr ist Arabisch und bedeutet „Brücke“. Ehab Abou Fakhar und Abathar Kmash sind über die Balkanroute von Syrien nach München gekommen. Im Gepäck: ihre Instrumente. Mit Mohcine Ramdan spielen sie Stücke aus Syrien, Ägypten, der Türkei, Tunesien, Algerien, Marokko und Andalusien.

08/09.10.: Calligraffiti-Workshop mit dem Künstler Calimaat El-Bedouiné im MFI und im Freien.
Neben der Einführung lernten die Teilnehmenden die Verwendung der Werkzeuge und der eigenen Schrift-Methode von Calimaat kennen. Das Ziel ist es am Ende des Tages einen Entwurf bzw. den eigen entwickelten Calligraffiti-Schriftzug zu entwickeln, und diesen nach dem zweiten Workshop Tag mitzunehmen.

23.09 – 08.10.2016 15:00-20:00 Vernissage / Ausstellung
Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern wurden den Räumen des MFI ausgestellt: Tasnim Baghdadi, Solara, Comic-Zeichnerin Soufeine / Soufeina "Tuffix"
 Calimaat stellte einige seiner Werke aus, die eine Kombination von Kalligraphie und Graffitti sind, Don't B.A. Brand sowie ausgewählte Fotografien aus dem Fotografie-Workshop von Fotografin Sandra Singh.

08.10.: Podiumsdiskussion und Abschluss im MFI
Am 8. Oktober fand schließlich die Podiumsdiskussion statt, an der einige der ausstellenden KünstlerInnen teilnahmen: Tasnim Baghdadi (Kunsthistorikerin), Calimaat (Calligraffiti-Artist), Mirza Odabaşı (Filmemacher), Amira Zarari (I,Slam Poetin), Achim Seger (Musiker), Musik: Miriam Green 

Veranstaltungsort
München


Partner

Münchner Forum für Islam


Art der Veranstaltung
Kunstprojekt



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26.05.2016 bis 29.05.2016

KONTAKT - DAS KULTURFESTIVAL: >aufbrechen<

 

Das diesjährige Festival fand auf dem Gelände der Lagarde Kaserne in Bamberg statt. Nicht nur die Festivalorte und die Besucher*innenanzahlen sind in den vergangen Jahren größer geworden, auch das ausschließlich ehrenamtlich arbeitende Team ist stetig angewachsen. So engagieren sich gemeinsam ca. 30 Erwerbstätige, Rentner*innen, Auszubildende und Studierende mit jeweils ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen. Organisiert ist die Projektgruppe basisdemokratisch in verschiedenen Arbeitskreisen (z.B. Programmgestaltung, Logistik und Infrastruktur, Finanzen, Getränke, Gastronomie, Kulturpolitik), in denen die Planungsarbeiten der unterschiedlichen Schwerpunkte erfolgen. Alle Arbeiten, die zur Vorbereitung und Durchführung des Festivals notwendig sind, erfolgen fast ausschließlich in Eigenregie. Dazu zählen umfangreiche Umbaumaßnamen auf dem Festivalgelände, die Finanzierung, der Aufbau, die Programmdurchführung, Versorgung, Sicherheit und Abbau.

Das Festivalgelände ist seit 2013 nach dem Abzug der U.S. Army ungenutzt und steht leer. Mit kontakt – Das Kulturfestival wurde dieses Gelände temporär neu belebt. Eine ehemalige Schreinerei wurde in ein Festivalcafé verwandelt, die alte Schlosserei und Klempnerei wurden zur Ausstellungsfläche, eine leerstehende Posthalle nach umfangreichen Abrissmaßnahmen zum großen Veranstaltungssaal und eine Turnhalle Bühne für Tanz, Theater und Performance. In einem ehemaligen Lagerschuppen wurden unterschiedliche vegetarisch-kulinarische Köstlichkeiten angeboten und die große Freifläche in der Mitte des Geländes durch das Kinderprogramm und eine Hofbühne belebt. Es gab somit für alle Besucher*innen Platz zum Verweilen, Spielen, Sich-Ausruhen und für das gute Leben an sich.

Die Besucher*innen von kontakt – Das Kulturfestival waren dabei allerdings keineswegs passive Rezipient*innen dargebotener Kunst; vielmehr wurde allen Anwesenden die Möglichkeit gegeben, aktiv am Festival teilzuhaben und dessen Verlauf in Workshops und Diskussionen mitzubestimmen. Dies macht das Festivalmotto 2016 deutlich: >aufbrechen<. Das bedeutet für uns ein Losgehen zu Neuem, zu neuen Orten, zu neuen Ideen, zu neuen Zielen. >aufbrechen< ist gleichzeitig ein Akt des Öffnens, dem Aufbrechen von alten, eingespielten und verkrusteten Strukturen, von bestehenden Räumen und von noch selten überdachten Denkweisen. Ein Aufbruch kann innerlich oder äußerlich passieren, freiwillig oder erzwungen sein.

Symposion

Das diesjährige Symposion zum Festivalmotto bot spannende Vorträge, Workshops und Diskussionen zum >aufbrechen< aus verschiedensten Perspektiven: als eine Bewegung hin zu Neuem, als gewollte oder gezwungene Migration, als das Setzen von Impulsen in der Stadtentwicklung und der Transformation von herkömmlichen Gesellschaftsmodellen.

Kulturzentrum freiLand – Ein Beispiel für die Lagarde-Kaserne?
Do. 26.5., 19:00 Uhr – Schreinerei

Dass Räume für Kultur erstritten werden müssen, ist nicht nur ein Bamberger Problem. Was dabei herauskommen kann, zeigt das größte selbstverwaltete Kulturzentrum in Potsdam: freiLand. Es wird basisdemokratisch verwaltet und auf vielfältige Weise genutzt. Eingeladen waren Weisi und Wendy, die Einblicke in ihre Arbeit gaben, wie ein Kulturzentrum aufgebaut und geführt werden kann. Die Kolleg*innen aus Potsdam haben sehr gut und pointiert Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein Kulturzentrum erstritten und wirtschaftlich betrieben werden kann. Nach dem Vortrag kam es zu reger Diskussion hauptsächlich um mögliche Finanzierungen eines Kulturzentrums. Ein gelungener Start für das Festival in Bamberg, das die Möglichkeiten aufzeigte, wie ein solches kulturelles Zentrum vor Ort aussehen könnte.

Fluchtgeschichten
Fr. 27.5., 17:00 Uhr – Schreinerei

Unter dem Thema Migration wurde in Zusammenarbeit mit der Asylinitiative Solidarität mit den Geflüchteten vom Balkan und zwei Theatergruppen aus Bamberg das Leben und die Geschichten der Bewohner*innen in der so genannten „Ankunfts- und Rückführungseinrichtung II“ (ARE II) in Bamberg thematisiert. Dabei wurden Einzelschicksale theatralisch aufgearbeitet. Das Thema ARE II ist in Bamberg sehr aktuell. Nicht erst seit dem vereitelten Anschlag von Rechtsextremisten oder durch das Protestcamp; auch fehlende Asylsozialberatung und auf ein Minimum reduzierte Beschulung der Kinder dort bewegen die Bamberger Bürger*innenschaft. Mit dem Programmpunkt Fluchtgeschichten sollte den Geflüchteten eine Stimme gegeben und Einzelschicksale nachvollziehbar gemacht werden. In der anschließenden Diskussion wurde über die verheerenden Zustände in der ARE II berichtet und gemeinsam überlegt, wie man den Geflüchteten dort eine Perspektive und Hilfe bieten kann. Gemeinsam mit anwesenden Geflüchteten wurden weitere Treffen und Aktionen verabredet um auf die Situation in der ARE II aufmerksam zu machen.

Kulturrundgang - Kultur braucht Raum
Sa. 28.5., 14:00 Uhr - Schreinerei (Treffpunkt)

Nach wie vor herrscht ein enormer Mangel an Räumen für nicht-kommerzielle kulturelle Inhalte und Veranstaltungen in Bamberg. Doch die freie Kunst- und Kulturszene ist groß und setzt sich mit verschiedensten Vorstößen für ein (sozio-)kulturelles Zentrum, ein Bürger*innenhaus oder eine freie Ausstellungshalle u.a. auf der Lagarde-Kaserne ein. Diese Initiativen hatten die Möglichkeit, ihre Ideen bei einem Rundgang auf dem Gelände dem Kultursenat der Stadt und einem öffentlichem Publikum vorzustellen.

Es war ein hehres Ziel den Konversions- und den Kultursenat der Stadt Bamberg auf das Festivalgelände zu bringen, damit sich die Stadträt*innen ein Bild davon machen können, wie eine kulturelle Nutzung des Kasernengeländes möglich sein kann und welche Initiativen daran Interesse haben. Immerhin hatten Oberbürgermeister und Kulturbürgermeister die Einladung weitergeleitet. Dieser folgten allerdings nur fünf Stadträt*innen, dafür umso mehr Bürger*innen. Mit einer Gruppe von ca. 40 Interessierten gingen wir exemplarisch Gebäude auf dem Gelände ab und einzelne Initiativen erläuterten ihre jeweiligen Vorstellungen einer kulturellen Nutzung.

Mit dabei waren:

  • die Initiative freund statt fremd und kosmos ost, die neben einer Kleidersammelstelle einen Begegnungsraum für Geflüchtete und andere errichten wollen,
  • der Kunstverein Bamberg, der auf fehlende Ausstellungsmöglichkeiten für zeitgenössische Kunst in der Stadt aufmerksam mache,
  • der Bürgerverein Ost, der sich ein städtebauliches Zentrum für Bambergs größten Stadtteil wünscht und ein soziokulturelles Zentrum, in dem Konzerte und Begegnungen stattfinden können.
  • Und auch Mitglieder von kontakt – Das Kulturfestival haben ihre Ideen für einen kulturellen Aufbruch Bambergs vorgestellt.

Deutlich wurde, dass ein großer Bedarf an Räumen und Flächen vorhanden ist für eine kulturelle Nutzung; ebenso wurde deutlich, dass auf dem Konversionsgelände, also dem Festivalgelände, viele gut geeignete Räumlichkeiten vorhanden sind. Woran es fehlt, ist die Entscheidung der Stadt Bamberg, diese Flächen auch zur Verfügung zu stellen. Darüber wurde mit den anwesenden Stadträt*innen diskutiert. Als Ergebnis entstand ein fraktionsübergreifender Antrag, der sich mit der kulturellen Nutzung von Teilen des Geländes beschäftigt, eine Fahrt nach Potsdam ins Kulturzentrum freiLand wurde vereinbart und die Stadträt*innen forderten die Interessierten auf ihre Ideen einzureichen, damit sie besprochen werden können.

Sonic Migrations - Migration und Pop
Sa. 28.5.,17:00 Uhr – Schreinerei

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Migrationsbewegungen nach Europa fallen häufig Begriffe wie “Kulturkonflikt” und “Überfremdung”, die Ängste und Ablehnung transportieren. Dabei wird viel zu oft übersehen, wie sich schon längst überall im Alltag Spuren von Migrationsbewegungen finden lassen. Ein Feld mit besonders nachhaltigen Einflüssen dieser Art stellt die Popkultur dar. In Zusammenarbeit mit den Vereinskolleg*innen von der freien uni bamberg wurde diese Thematik mit einem intimen Kenner diskutiert: Didi Neidhart (skug - Journal für Musik). Ein besonders spannender Vortrag, der eine ganz andere Perspektive auf Migration wirft. Didi Neidhardt erläuterte, dass und wie Popmusik von (gegenseitigem) Diebstahl, von Aneignung, Bastardisierung und dem produktiven Missverständnis des Anderen geprägt war. Dadurch werden starre Identitätsvorstellungen und kulturelle Zuschreibungen permanent in Frage gestellt und verschoben. Popmusik ist somit bereits in ihren Anfängen die genuine Kulturform der Migration. Weil sie stets in Bewegung bleibt, können in ihr andere Identitäten entstehen als jene, die aufgrund von Kategorien wie »race«, »gender«, »class« scheinbar vorgegeben sind. In diesem Sinn besteht die »politische« Funktion von Pop im Transportieren und Formulieren utopischer Gesellschaftsentwürfe, ohne deren realpolitische Umsetzung gleich stemmen zu müssen. Bereichert wurde der Vortrag anhand ausgewählter Musik-Beispiele, die gleichsam eine Reise sind durch exemplarische Momente der Pop-History, bei denen Grenzen keine Rolle mehr spielen.

Solidarwirtschaft
So. 29.5., 14:00 Uhr – Klempnerei

Wer gehört dazu, wer hat nichts zu melden? Was sollte unterstützt werden, was nicht? Dies sind essentielle Fragen, die sich eine Gesellschaft stellen muss. Ein kleines Unternehmen findet, dass dies auch Fragen des fairen Wirtschaftens sind: Gregor May von Premium Cola erklärte, wie Solidarwirtschaft in einem Kollektiv funktioniert, das auch Verbraucher- und Händleranliegen in seine Entscheidungen mit einbezieht. Wir überlegen gemeinsam, wie eine alternative Wirtschaftsform aussehen kann, die nicht auf dem Paradoxon beruht, dass sich unendliches Wachstum aus endlichen Ressourcen ergeben soll. Auf dem Festival selbst wurde auch bewusst Premium Cola als ein Getränk angeboten. Somit konnten die Besucher*innen direkt etwas über das Getränk erfahren, dass sie konsumieren. Dabei ging es allerdings nicht um das Rezept der Cola, sondern der Blick wurde von Gregor May auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge geworfen. Wie ein kollektiver Prozess und gemeinsames faires wirtschaftliches Handeln aussehen kann, welche Herausforderungen dabei bestehen und wie mit diesen im Kollektiv von Premium Cola umgegangen wird. 

Workshops

Der Mitmachaspekt des Festivals wurde am deutlichsten bei den angebotenen Workshops.

Tanzworkshop frei.tanzen
Do. 26.5., 18.30 Uhr – Turnhalle

Aufbruch? Was löst das aus? In mir, um mich herum? Was braucht ein Aufbruch? Was brauche ich, um aufzubrechen? Mit diesen und ähnlichen Fragen in Bewegung kommen, frei tanzen, mit sich und anderen über den Tanz in Kontakt sein und Neues in sich (wieder)entdecken. Der Tanzworkshop der Tanztherapeutin Christine Honikel war eine spielerische Entdeckungsreise zu sich selbst. Tanzvorkenntnisse oder besondere tänzerische Begabung waren nicht erforderlich.

Repair Café
Samstag, 28. Mai - 14:00 bis 23:00 Uhr - Hof

Das Fahrrad streikt? Der Wohlstandsmüll wächst? Wir begrüßten das Repair Café der Transition Bewegung Bamberg auf unserem Festival! Gemeinsam mitgebrachte kaputte Dinge reparieren oder »upcyceln« statt wegwerfen, lautete hier die Devise. Im Rahmen des Festivals gab es zwei Angebote: Die Fahrradwerkstatt und der Upcycling Treff – aus altem Ballast werden neue Lieblingsstücke! Aufgrund des großen Andrangs machten die Menschen vom Repair Café „Überstunden“; bis spät in die Nacht am Samstag wurden Reifen geflickt, Ketten geölt, Pedale justiert und Lichter geprüft.

Gaderobentausch
Donnerstag, 26. Mai bis Sonntag, 29. Mai - Schreinerei - täglich bis 20 Uhr

Wir luden zusammen mit Greenpeace Bamberg ein, längst vergessene Kleidungsstücke gegen neue Lieblingsteile zu tauschen. Rund 40 Prozent der Kleidung in unserem Schrank tragen wir selten oder nie. Trotzdem kauft jeder Deutsche im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr hinzu. Doch mit jedem neuen T-Shirt oder Kleid landen giftige Chemikalien in den Gewässern der Produktionsländer wie China, Indonesien, Bangladesch oder Mexiko. Über 50 Prozent des Frischwassers in China ist mit Chemikalien verunreinigt. Billige Massenware heizt den Konsum neuer Kleidungsstücke an und verschärft das Problem. Kleidung tauschen statt neu kaufen ist eine von vielen Alternativen. Statt im Müll zu landen, erhält die alte Kleidung ein neues Leben. Das befriedigt unsere Lust auf Neues, ohne die Gewässer zu vergiften oder gewaltige Müllberge zu produzieren und es schont den Geldbeutel. Der Garderobentausch war ein Hit auf dem Festival. So gab es an jedem der vier Festivaltage abends noch eine spontane Verkleidungsparty. Es wurde angeregt, im Umsonstladen in Bamberg eine solche permanente Tauschbörse einzurichten.

Alois Nebel (CZE)
Sa. 28.5., 22:00 Uhr – Hofbühne

Der rotoskopische Spielfilm des tschechischen Regisseurs Tomáš Luňák basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Jaroslav Rudiš und Jaromír Švejdík. Die Geschichte handelt von dem einsamen und melancholischen Fahrdienstleiter Alois Nebel, der 1989 – die Zeit der großen Wenden – gegen die Schatten seiner Vergangenheit kämpft und sich ganz nebenbei verliebt. Alois Nebel erhielt 2012 den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Bester Animationsfilm.

Empfohlene Weblinks

kontakt-bamberg.de

Veranstaltungsort
Bamberg, Lagarde-Kaserne


Partner

ASTA Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Kultur-Festival



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