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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

28.11.2014 - 15:15 bis 29.11.2014 - 17:15

Wachsam und abwehrbereit!

Wie Kommunen kreativ der rechtsextremistischen Gefahr begegnen

Die Erkenntnis ist nicht neu und bestätigt sich immer wieder: Seit Jahren versuchen Rechtsextremisten dort Fuß zu fassen, wo sie unmittelbar auf die Bürgerinnen und Bürger treffen – in den Kommunen, in der Politik vor Ort. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung mit dieser Ideologie und Politik auf dieser Ebene, auf der die Konfrontation direkt und unmittelbar stattfindet. In Zusammenarbeit mit der Akademie für Politische Bildung veranstalteten wir eine Tagung, bei der kommunale Entscheidungsträger und engagierte Bürger mit Wissenschaftlern und Verantwortlichen von Gegeninitiativen Entwicklungstendenzen und Gegenstrategien diskutierten.

Mehr als zwei rechtsextreme Gewalttaten in Bayern am Tag, 33 Prozent ausländerfeindliches Potenzial in Bayern und bundesweit 184 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 – das sind erschreckende Zahlen, die Birgit Mair (im Bild in der Mitte zwischen den Tagungsleitern Dr. Manfred Schwarzmeier, links, von der Akadmie für Politische Bildung und Dr. Gerd Rudel) vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung in Nürnberg in ihrem Überblick erläuterte. Untersuchungen zu den rassistischen Einstellungen der Bevölkerung belegen zudem ein nicht zu unterschätzendes Potential an stillen Befürwortern. Wobei interessant sei, dass jüngere Menschen für Rassismus weniger anfällig sind als die Generation der über 60-Jährigen. Rechtsextremisten versuchen dabei oft, durch "normale, vordergründig harmlose Themen" als Akteur die kommunale Politikdiskussion mitzugestalten, um dann im nächsten Schritt ihre Ideologie zu propagieren. Wachsam zu sein, gilt hier als das Gebot der Stunde. Birgit Mair skizzierte die vielfältigen Erscheinungsformen rechtsextremistischer Aktivitäten – von Konzerten über Aufmärsche bis hin zu diversen Versuchen, Immobilien für Schulungszwecke anzukaufen oder anzumieten. Sie berichtete aber auch von erfolgreichen Gegenbewegungen und benannte etliche Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen. 

Das Buch „Strategien gegen Neonazismus", zu dem Birgit Mair als Herausgeberin und Autorin beigetragen hat, ist zwar vergriffen, steht aber als PDF-Datei zum unentgeltlichen Herunterladen zur Verfügung. 

Dr. Britta Schellenberg vom Centrum für Angewandte Politikforschung (CAP) an der Ludwig-Maximilians-Universität München nannte systematisierend folgende Strategien gegen Rechtsextremisten:

  • Beobachten und Dokumentieren
  • Öffentlichkeitsarbeit leisten, debattieren und demonstrieren
  • Ökonomischen, sozialen und gesetzgeberischen Druck aufbauen
  • Bildung für Demokratie und Menschenrechte umsetzen 
  • Demokratische Mitbestimmung vor Ort aufbauen

Dass besonders in Bayern der Schwerpunkt beim Ausbau der staatlichen Ressourcen (Polizei, Verfassungsschutz, Staatsschutz) gesetzt werde, sieht Schellenberg kritisch. Das Beispiel anderer Bundesländer zeigt, dass es die Kombination aus staatlicher Restriktion und zivilgesellschaftlicher Gegenwehr sei, die am meisten Erfolg verspreche. Am schlagkräftigsten sind dabei Bündnisse aus verschiedenen Initiativen, da damit die Arbeit erheblich effizienter gestaltet sowie das Einflusspotential gesteigert werden kann. Als gelungenes Beispiel führte sie die "Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg" an. 

Britta Schellenberg: Strategien gegen Rechtsextremismus in Deutschland - Analyse der Gesetzgebung und Umsetzung des Rechts, C·A·P Analyse · 2 · 2008  

Britta Schellenberg: Strategien zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in Europa, C·A·P Analyse · 2 · 2009

Pfarrer Gottfried Rösch stellte das Netzwerk „Der Bunte Landkreis Deggendorf“ vor, in der viele private und öffentliche Träger, darunter auch die meisten Parteiorganisationen, vertreten sind. Allerdings machte er auch deutlich, dass trotz des vielbeschworenen Schulterschlusses aller Demokraten immer noch Berührungsängste gibt: Die in Deggendorf aktiven Antifa-Gruppen und die Partei „Die Linke“ wurden dort nämlich nicht aufgenommen. Dies war auch der Grund, weshalb sich neben dem „Bunten Deggendorf" eine weitere Initiative, Deggendorf Nazifrei, bildete. Vor diesem Hintergrund unterschiedlicher Gruppierungen einen einheitlichen und effektiven Widerstand gegen die in Deggendorf nicht unerheblichen rechtsextremen Umtriebe vor Ort zu organisieren, ist – wie Rösch sehr deutlich machte – natürlich schwierig.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiele für kommunales und regionales Engagement gegen Rechtsextremismus stellten Melanie Wager (Mitte), Dr. Gesa Büchert (rechts) und Julia Oschmann (links) vor, die alle in unterschiedlichen Funktionen am und mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg arbeiten. Dort dienen die monumentalen Nazi-Gebäude und das Gelände heute als Lernorte, die durch Einordnung, Anschaulichkeit, Gegenwartsbezug und Kommunikation wirksam gegen Rechtsextremismus vorgehen. Schulklassen und anderen Gruppen bietet das Dokumentationszentrum in Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Dienst und dem Kreisjugendring unterschiedliche Möglichkeiten, sich u.a. auch mit dem Thema Rechtsextremismus zu beschäftigen. Im Sinne des historischen Lernens wird dabei der Frage nachgegangen, was eine rechtsextreme Mehrheitspolitik für uns alle bedeuten würde. In ganz unterschiedlichen, auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmten und didaktisch durchdachten Angeboten (Führungen, Module für Schulklassen etc.) wird hier historisch-politische Bildungsarbeit geleistet. Zu wünschen wäre allerdings, dass die Erfahrungen aus dieser Arbeit auch in die alltägliche Arbeit an den Schulen einfließen und damit echte Nachhaltigkeit entfalten könnten. Insgesamt, so die Einschätzung Melanie Wagers, "hat die Präsenz der Bildungsarbeit zu einem Zurückdrängen der Neonazis auf dem Gelände geführt".  

Miro Jennerjahn, der von 2009 bis 2014 für die Grünen im Sächsischen Landtag saß, erläuterte, wie man wirkungsvoll mit Rechtsextremen (wie der NPD) und Rechtspopulisten (z.B. die AfD) in kommunalen Parlamenten umgehen könne. Dabei müsse grundsätzlich bedacht werden, dass eine demokratisch gewählte Partei nicht gleichzeitig eine demokratische Partei sei. Ein bloßes Ignorieren hält er jedenfalls für nicht ausreichend. Auch Änderungen der jeweiligen Geschäftsordnungen, die die Rechte der Rechtsextremen im Parlament beschneiden sollen, sind nicht zielführend. Zwar gibt es seiner Einschätzung nach kein Patentrezept im Umgang mit rechtsextremen Parlamentariern, dazu seien deren Persönlichkeiten zu unterschiedlich. Jennerjahn empfiehlt aber als grundsätzliche Richtschnur einen „Schulterschluss der Demokraten“, die sich nicht gegenseitig ausspielen lassen dürften und eine einheitliche Position gegenüber den Aktivitäten der Rechtsparteien einnehmen müssten, nämlich die geschlossene Ablehnung sämtlicher parlamentarischer Initiativen sowie die inhaltliche Auseinandersetzung – soweit nötig und möglich. Jennerjahn warnte nachdrücklich davor, diese rechten Parteien als Mehrheitsbeschaffer zu „benützen“. 

Siehe dazu auch Vera Henßler/Yves Müller/Ulrich Overdiek/Mathias Wörsching: „Keine Diskussion auf Augenhöhe!“ – Herausforderungen im Umgang mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der Kommunalpolitik, FES - Forum Berlin 2012  

Bianca Klose hat mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin Handlungsstrategien gegen rechte Szeneläden, Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt und bei der Raumanmietung durch Rechtsextremisten entwickelt. Sie plädierte dafür, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Solche Möglichkeiten sind unter anderem:

  • eine Verpflichtung für Mieter, keine rassistischen, antisemitischen, rechtsextreme Inhalte und/oder Accessoires zu verbreiten;
  • antirassistische Klauseln für (Gewerbe-)Mietverträge, um rechtsextreme Versammlungen zu vermeiden.

Allerdings ist zu beachten, dass die Gegenseite sehr klagefreudig ist und ein Gerichtsverfahren nicht scheut. Grundsätzlich "ist eine gute Vorbereitung das A und O". Hilfreich ist es auch, Benutzungsordnungen oder Hausordnungen öffentlicher Räume (z.B. bei Festivals und auf Sportanlagen) so restriktiv und damit für die Rechtsextremen so unattraktiv wie möglich zu machen. Aber, so Klose, "ganz entscheidend ist, dass die juristische Auseinandersetzung stumpf bleibt, wenn sie nicht mit einer politischen einhergeht." 

Die für solche konkreten Probleme äußerst hilfreichen Veröffentlichungen der MBR Berlin sind durchweg als PDF-Dateien zum unentgeltlichen Herunterladen erhältlich:

Was tun, damit’s nicht brennt? Leitfaden zur Vermeidung von rassistisch aufgeladenen Konflikten im Umfeld von Sammelunterkünften für Flüchtlinge 

Vor Ort entscheidet. Kommunale Strategien gegen Rechtsextremismus 

Rechtsextremen nicht auf den Leim gehen. Ein Ratgeber für die Gastronomie und Hotellerie 

Rechtsextremismus und Engagement im urbanen Raum 

Ladenschluss Jetzt! Kommunale Handlungsstrategien im Umgang mit rechtsextremer Infrastruktur  

Wir lassen uns das Wort nicht nehmen! Empfehlungen zum Umgang mit rechtsextremen Besucher/innen bei Veranstaltungen  

Dr. Miriam Heigl, die in München die Fachstelle gegen Rechtsextremismus leitet, erläuterte die Arbeit in der bayerischen Landeshauptstadt, bei der u.a. auch die Berliner Vorschläge aufgenommen und weiterentwickelt worden sind. Ignorieren sei jedenfalls kein guter Weg. Vielmehr ermögliche nur aktives Dagegenhalten Aufklärung und Abschreckung, "nur wenn über Rechtsextremismus gesprochen wird, können Demokraten ihre Argumente vorbringen." Das hat sich gerade auch in München, wo seit 2010 eine massive islamfeindliche Kampagne mit über 100 öffentlichen Versammlungen stattfindet, wiederholt gezeigt. Die Kommunen stehen in der Pflicht, gegen rechts engagierte Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen So zum Beispiel mit einem Fotografier-Verbot für Rechtsextreme, um diese an Hetze über Gegendemonstranten zu hindern, und mit einem Rechtsschutz für die Beauftragten gegen Rechtsextremismus der Bezirksausschüsse. Ansonsten, so Heigl, müsse "zero tolerance" vorherrschen, insbesondere bei der Vergabe öffentlicher Räume, falschen Plakatierungen für rechte Demonstrationen oder bei der Anmietung z.B. von Gaststätten. Miriam Heigl betonte auch, dass die Münchner Fachstelle in Bayern eine Ausnahme sei. Um die notwendige Beratung auch in anderen Städten und im ländlichen Raum sicherzustellen, seien mobile Beratungsteams wie in anderen Bundesländern dringend notwendig. 

Broschüre der Fachstelle: Veranstaltungsstörungen durch die extreme Rechte … und was dagegen hilft 

Mit der individuellen Seite rechtsextremistischer Aktivitäten befasste sich die Tagung im Hinblick auf die Resozialisierung von Tätern und die Beratung von Opfern. 

Das Violence Prevention Network setzt sich deutschlandweit aktiv für Vorbeugung sowie Beratung und Deradikalisierung von rechtsextremen Straf- und Gewalttätern ein. Alexander Brammann erläuterte die Vision des Netzwerkes: ideologisch gefährdeten Menschen durch Deradikalisierung wieder ein Leben in der demokratischen Gesellschaft zu ermöglichen. Die Beratung richtet sich an alle, die in ihren Arbeitsfeldern mit dieser Zielgruppe möglicherweise zu tun haben: Schulen, Jugendclubs, Sportvereine etc. In den Workshops mit Jugendlichen, aber auch mit Lehrer/inne/n und Pädagog/inn/en, wird Präventionsarbeit geleistet. Das pädagogische Konzept der Deradikalisierung beruht auf einem explizit „non-konfrontativen“ Ansatz, der es rechtsextremen Jugendlichen ermöglicht, neue Sichtweisen anzunehmen. Das kann nur gelingen, wie Brammann  deutlich machte, wenn das Umdenken aus eigenem Antrieb geschieht. Es gehe also nicht darum, zu überzeugen, sondern vielmehr um das Anstoßen eines Erkenntnisprozesses. Ein Prozess, an dessen Ende idealerweise die Deradikalisierung, Ideologiedistanz sowie die Fähigkeit zu eigenverantwortlicher Lebensgestaltung und emotionaler Intelligenz stehen.

Selbstdarstellungsfaltblatt des Projekts: Crossroads: Beratung – Vorbeugung – Deradikalisierung  

Mit der „anderen Seite“, den Opfern bzw. korrekter ausgedrückt: den von rechtsextremer Gewalt Betroffenen befassen sich die Beratungsstellen, die von der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus im Bayerischen Jugendring organisiert werden. Dabei geht es nicht nur um physische Gewalt, sondern auch um psychische (Bedrohung etc.). Tina Schmidt-Böhringer machte deutlich, dass die Ganzheitlichkeit der Beratung dabei im Mittelpunkt  steht: Dies reicht von finanzieller über psycho(soziale) Unterstützung bis hin zur Beratung im Umgang mit Medien. Nachdrücklich forderte Schmidt-Böhringer die Erweiterung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Rechtsextremismus. Sie betonte, dass die vorhandenen drei Beratungsstellen in Bayern dafür aber bei weitem nicht ausreichen und ein wesentlich höherer Personal- und Finanzbedarf bestehe. Denn die Dunkelziffer der tatsächlichen Übergriffe sei hoch. Als positives Beispiel nannte sie die Landeshauptstadt München, die plant, eine eigene Beratungsstelle mit zwei Personalstellen einzurichten.

Das Kreismuseum Wewelsburg ist der bewusste Versuch, eine ehedem der SS dienende Einrichtung so umzugestalten, dass sie nicht mehr zur Projektionsfläche für Esoteriker, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme taugt. Die auf Befehl Heinrich Himmlers von KZ-Häftlingen zu einer Trutzburg ausgebaute Wewelsburg mit der sogenannten „Schwarzen Sonne“ im Nordturm entwickelte sich seit den 1990iger Jahren zu einem starken Anziehungspunkt für die extreme Rechte. Mit einer distanzierenden Ausstellung über die Ideologie der SS sowie z.B. Sitzkissen, die im Raum der "Schwarzen Sonne"-Intarsie verstreut sind, versucht die Leiterin des Kreismuseums, Kirsten John-Stucke, die „Kultstätte“ zu entmystifizieren. „Lümmeln statt strammstehen!“ heißt die Devise. So konnte durch die „Umgestaltung der SS-Herrschaftsarchitektur“ und durch gezielte Schulung des Personals sowie Aufklärung der Besucher die als nationalsozialistischer Kult-Raum geplante Burg für Pilgerfahrten Rechtsextremer unattraktiv gemacht hat.

Pressetext zum Kreismuseum Wewelsburg: Refugium der Henker 

 „Es gibt keine guten Nazis!“ - Klare Position zu beziehen, ist deshalb die Empfehlung des Wunsiedler Bürgermeisters Karl-Willi Beck. Davor jahrelang mehr oder minder ignoriert (was dazu geführt hatte, dass sich Wunsiedel zu einem Mekka der Neonazis entwickelte), setzte ab 2001 ein Umdenken ein: Die Wunsiedler wollten den Nazi-Gedenkmärschen zum Grab von Rudolf Heß etwas entgegensetzen. Alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte wurden zusammengeholt und gründeten 2004 die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt, nicht braun!" Die Projektstelle gegen Rechtsextremismus wurde mit Unterstützung der Stadt eingerichtet, Aufklärungs- und Bildungsprogramme initiiert und am Tag des Aufmarsches wurden "die öffentlichen Räume eng gemacht" – bis hin zu einer Sitzblockade im Jahr 2004. Beck unterstrich ausdrücklich das Tagungsmotto „Wachsam und abwehrbereit“. Nur dann könne es gelingen, rechtsextremistischen Aktivitäten wirksam entgegenzutreten. 2014 ist den Initiatoren ein ganz besonderer Coup gelungen: der "Lauf der Rechten für EXIT!" Mit jedem zurückgelegten Schritt haben die rechten Aufmarschteilnehmer Geld gesammelt für die Aussteigerinitiative EXIT – was sichtlich zu deren schlechter Laune führte. Der unfreiwillige Spendenlauf der Rechten „gegen sich selbst“ ist in der Öffentlichkeit auf breiteste Resonanz gestoßen ist. Das entsprechende YouTube-Video wurde bereits rund 1,4 Mio. Mal angeklickt. 

Die Referierenden des Samstagnachmittags auf einen Blick: 
Karl-Willi Beck (2.v.l.)
Alexander Brammann (3.v.l.)
Kirsten John-Stucke (3.v.r.)
Tina Schmidt-Böhringer (2.v.r.)

(Alle Fotos: mit freundlicher Genehmigung der Akademie für Politische Bildung Tutzing)

Weiterführende Literatur:

Sabine Behn/Irina Bohn/Kari-Maria Karliczek/Albrehct Lüter/Till Sträter: Lokale Aktionspläne für Demokratie. Zivilgesellschaft und Kommune in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus. Weinheim und Basel 2013

 

Andrea Röpke/Andreas Speit (Hrsg.): Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland. Bonn 2013 (bpb Schriftenreihe 1341)

Stefan Glaser/Thomas Pfeiffer (Hrsg.) Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert. Hintergründe – Methoden – Praxis der Prävention. Bonn 2013 (bpb Schriftenreihe 1381)

Julia Hasse/Gregor Rosenthal (Hrsg.): Wider die Gleichgültigkeit! Aktiv gegen Rechtsextremismus: Perspektiven, Projekte, Tipps. Berlin 2013 (bpb Schriftenreihe 1396)

 

Oliver Decker/Elmar Brähler: Rechtsextreme Einstellungen in Bayern. Ergebnisse der Mitte-Studie der Universität Leipzig. München 2014

Roland Roth: Demokratie braucht Qualität! Beispiele guter Praxis und Handlungsempfehlungen für erfolgreiches Engagement gegen Rechtsextremismus. Berlin 2010

Dietmar Molthagen/Lorenz Korgel (Hg.): Handbuch für die kommunale Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Berlin 2009

Benno Hafeneger/Sven Schönfelder: Politische Strategien gegen die extreme Rechte in Parlamenten. Folgen für kommunale Politik und lokale Demokratie. Berlin 2007

Empfohlene Weblinks

www.apb-tutzing.de

ReferentInnen


Veranstaltungsort
Tutzing


Partner


Art der Veranstaltung
Tagung



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18.11.2014

Lokale Medienlandschaft und kommunale Demokratie

Zwischen "Hofberichterstattung" und kritischer Öffentlichkeit

Die Vielfalt medialer Produkte ist heute wohl so groß wie nie zuvor – das zeigt jedenfalls der oberflächliche Blick in den Presse-Kiosk, das Kanalverzeichnis des Fernsehgeräts und die Internet-Suchfunktion. Also alles paletti?

Ein kritischer Blick hinter die Kulissen zeigt anderes: Die Pressekonzentration ist schon seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem sehr hohen Niveau angekommen und geht mit vertikalen Kooperationen (Übernahme von Mantel- und/oder Lokalteilen) unvermindert weiter. Hinter der Vielzahl von TV-Kanälen stecken nur einige wenige, letztlich marktbeherrschende Unternehmen. Und auch das Internet wird von eben diesen Medienkonzernen dominiert.

Dazu kommt eine „Boulevardisierung“ der Medien, die  längst auch die Lokalteile der Zeitungen erreicht hat und auch vor den sogenannten Leitmedien nicht halt macht. Kritische Lokalberichterstattung als Voraussetzung lebendiger kommunaler Demokratie wird immer seltener.

In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass die zunehmende Unzufriedenheit mit dem Zustand des bundesdeutschen Lokaljournalismus auch Gegenbewegungen anstößt: Das Internet mit seinen vergleichsweise kostengünstigen Produktionsbedingungen wird mittlerweile vielerorts als Instrument kritischer Lokalberichterstattung genutzt. Dennoch ist zu fragen, ob nicht auch andere, z.B. öffentlich-rechtliche, Trägerschaften für Lokalmedien notwendig sind, um die für eine funktionierende Kommunaldemokratie unabdingbare kritische Öffentlichkeit (wieder) herzustellen.

Unsere Podiumsdiskussion beleuchtete die Entwicklung auf dem Markt der Lokalmedien und ihre Folgen für die kommunale Demokratie, fragte nach den Bedingungen kritischer Lokalberichterstattung und diskutierte alternative Betreiber-Modelle.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des Verbundprojekts der Heinrich-Böll-Stiftung "Gut vertreten? Update für Demokratie".

Die Präsentation zum einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Klaus Meier kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Der Beitrag von Klaus Meier ist mittlerweile, in leicht überarbeiteter Form, auch in Schriftform erschienen und bei uns als PDF-Datei zum unentgeltlichen Herunterladen erhältlich.

Einige Literaturhinweise und weiterführende Links

Politik, Medien, Öffentlichkeit. Aus Politik und Zeitgeschichte 22-23/2014

Die neue Architektur des Lokaljournalismus. 19. Forum Lokaljournalismus 2011 in Waiblingen

Qualitätsjournalismus. Aus Politik und Zeitgeschichte 20-31/2012

Florian Meyer-Hawranek: Wie sich die Tegernseer Stimme als Gegenöffentlichkeit etabliert hat

Interview mit Michael Husarek. In: drehscheibe. Aus Lokalredaktionen für Lokalredaktionen

Mandy Buschina: Bürger berichten, was vor Ort bewegt. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 04/2014 vom 28.02.2014

CORRECT!V - Recherchen für die Gesellschaft: https://www.correctiv.org/

Tegernseer Stimme: http://www.tegernseerstimme.de/

Nürnberger Nachrichten:  http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten

Prof. Dr. Klaus Meier: http://www.ku.de/slf/jour/mitarbeiter/professoren/prof-dr-klaus-meier/


ReferentInnen

Prof. Dr. Klaus Meier
Lehrstuhl für Journalistik I, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Kontakt: klaus.meier@ku-eichstaett.de

Michael Husarek
Leiter Lokalredaktion, Nürnberger Nachrichten
Kontakt: michael.husarek@pressenetz.de

Robin Schenkewitz 
Redaktionsleiter, tegernseerstimme.de
Kontakt: robin@holzkirchnerstimme.de

Daniel Drepper
Senior Reporter, CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft, gemeinnützige GmbH 
https://www.correctiv.org/wer-wir-sind/
Kontakt:  daniel.drepper@correctiv.org
Twitter: @danieldrepper 

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung


Art der Veranstaltung
Vortrag & Podiumsdiskussion



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14.11.2014

Frieden und Gerechtigkeit in einer postkolonialen Welt

Vortrag im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen der

Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V.

 

María do Mar Castro Varela erläuterte zunächst den Begriff des Kolonialismus: Grundlegend für den Begriff und die Funktionsweise des Kolonialismus ist ein normatives Verständnis der eigenen historischen Gewordenheit. Die eigene geschichtliche Entwicklung wird zur moralischen Norm erklärt und dient in Folge der Legitimation zur Ausübung von Macht auf die somit diskursiv erzeugte „Peripherie“.

Ein Beispiel hierfür stellt der historische Kolonialismus im 19. Jahrhundert dar. Die Konstruktion und Betrachtung eines „Anderen“ wird zur Projektionsfläche des „Eigenen“ und dient somit zur Selbstversicherung einer eigenen – vermeintlichen – kulturellen Überlegenheit. Der Literaturtheoretiker Edward Said beschreibt eindrücklich, welche zentrale Rolle die Produktion und Vermittlung von Wissen für die, sowohl metaphysische als auch physische Unterdrückung der Kolonisierten spielt. Durch die „wissenschaftliche“ Verfestigung rassistischen Denkens und durch die Erklärung imperialer Bestrebungen zur zivilisatorischen Mission konnte der koloniale Diskurs gestützt und die machtvolle Besetzung, Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen in Territorien der „Peripherie“ legitimiert werden. 

Der Begriff von Kolonialisierung, so María do Mar Castro, beschränkt sich daher nicht auf die politische Sphäre – beispielsweise die Form des historischen Kolonialismus im 19. Jahrhundert. Denn die beschriebenen Formen einer selbstversichernden Wissens- und Kulturproduktion scheinen auch heute noch in Bildungs- und Wissenschaftsprozessen fortgeführt zu werden. Nach der postkolonialen Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak werden Bildungsprozesse (ebenso wie die Institutionen, in denen sie stattfinden) nicht eindimensional als emanzipatorisch und befreiend angesehen. Von Bildung und Wissensvermittlung geht daneben auch immer auch die Gefahr aus, koloniale Denkmuster im Zeichen des zivilisatorischen Fortschritts zu reproduzieren – und damit Unterdrückung zu rechtfertigten.

In heutigen – schulischen – Bildungsprozessen manifestieren sich Formen kolonialer Wissensproduktion nicht zuletzt im hierarchischen Verhältnis von Lehrkräften und Jugendlichen. Das „Nicht-Wissen“ – bezogen auf die Reproduktion kolonialen Wissens – der Jugendlichen wird als grundlegend defizitär dargestellt. Und das Denken der Jugendlichen soll in der Folge nach den Vorstellungen der Lehrkraft „geordnet“ werden. Dies führt, so María do Mar Castro Varela, zu einer Disziplinierung des Geistes der Jugendlichen, der dadurch die Fähigkeit einer kritischen Hinterfragung gesellschaftlicher Zustände verliert. Eine friedenspädagogische, d.h.emanzipatorische Bildung, welche die enge Beschränkung auf die eigene Perspektive und die damit verbundenen machtvolle Unterdrückung anderer, unbekannter Perspektiven überwinden soll, benötigt aber eben eine solche kritische Geisteshaltung: Wie bin ich zu dem geworden was ich bin? Worauf begründen sich die eigenen Privilegien? Welche historischen und sozialen Voraussetzungen hat meine Perspektive? 

Es liegt somit nicht zuletzt an der Bereitschaft der Lehrkräfte, sich im Bildungsprozess selbst als Lernende zu begreifen und den Jugendlichen die Räume für Widerstand gegen kolonisierende Bildungsprozesse zu eröffnen. Auf diese Weise sollen neue, alternative Lernprozesse verwirklicht werden, die sich einer (kolonialen) Disziplinierung des Geistes widersetzen. Auf diese Weise ist María do Mar Castro Varelas abschließende Forderung nach einer „Dekolonisierung des Geistes“ zu verstehen.

 

 

ReferentInnen

Frau Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela
Alice-Salomon-Hochschule, Berlin

Veranstaltungsort
München


Partner

Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag



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08.11.2014

good night – white pride

 

Auch 2014 fand in der Rosenheimer Vetternwirtschaft unter dem Motto „good night – white pride” ein antifaschistisches Hardcorekonzert mit vier Bands statt. Beim Booking der Bands wurde neben den musikalischen Qualitäten vor allem auf die klare politische Positionierung der Bands geachtet.    

Neben dem Headliner der Tübinger Thrashpunk-Hardcoreband „danger! danger!“, trat die Dortmunder Punkband „Großebombeallesweg“ sowie die Hardcorebands „Contrasts“ und „No God Innocent“ auf.

Anlässlich des Jahrestags der Pogromnacht wurde das Konzert in diesem Jahr in den Kontext des internationaler Tags gegen Faschismus und Antisemitismus gestellt. Aus diesem Grund fand am Sonntag vor dem Konzert als Vorfeldveranstaltung eine Filmvorführung zum Thema „Antisemitismus“ statt, welche auch auf den Konzertflyern beworben wurde.

Das im Vorfeld umfangreich beworbene Konzert wurde von ca. 100, überwiegend jungen, Menschen besucht. Durch die Einbettung in den International Day Against Fascism and Antisemitism 20141 und einem antifaschistischen Rahmenprogramm gelang es über das Medium Musik nicht nur Position zu beziehen, sondern auch Inhalte zu vermitteln. 

Inzwischen ist das Rosenheimer „good night – white pride“ Konzert eine feste Institution in der oberbayerischen Alternativkultur geworden. Im Rahmen des Konzertes wurden an einem  umfangreichen Infostand auch Hintergrund-Informationen angeboten und die Besucher/innen motiviert, sich über den Konzertabend hinaus inhaltlich mit der Thematik auseinander setzen. Unter anderem gab es Infomaterial der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“. Die ersten 20 Besucher/innen erhielten einen „Kein Bock auf Nazis“-Sampler.

Headliner des Abends war die Tübinger Thrashpunk-Hardcoreband „danger! danger!“. Die Band ist seit Jahren durch ihre politischen Texte bekannt. In diesen kritisieren sie auch Teile der Punkszene, welche nicht immer einen emanzipatorischen Ansatz hat. Im Text zu „Conservative punk“ heißt es besipielsweise: „Patriotic, homophobic, sexist shit / You won’t get away with it“.

Empfohlene Weblinks

goodnight-whitepride.beepworld.de

www.infogrupperosenheim.tk

ReferentInnen


Veranstaltungsort
Rosenheim


Partner

Infogruppe Rosenheim


Art der Veranstaltung
Konzert



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04.05.2014 bis 25.05.2014

"Willkommen, Petra Kelly!"

Begegnung mit der Friedenskämpferin Petra Kelly (1947–1992), Namensgeberin der neuen Straße im Ackermannbogen zwischen Hohenzollernplatz und Olympiapark

Fotos: © Renate Mohr (1983), © Folklore Film (1982), © Jean Guyaux (1979)

In der neuen Petra-Kelly-Straße im Ackermannbogen in Schwabing-West werden die Häuser auf dem ehemaligen Militärareal nach und nach bezogen. Wer Petra Kelly (1947–1992), Symbolfigur und eine der bekanntesten Frauen der 70er und 80er Jahre, im Bild kennenlernen oder sich an sie erinnern möchte, kann der Namensgeberin der kleinen Straße drei Wochen lang im Ausstellungsraum des Wohnquartiers begegnen. Als außergewöhnlich engagierte Aktivistin für Frieden, gegen Atomkraft und für Ökologie war Petra Kelly für die Grünen im Bundestag.

Die großformatigen Ansichten stellte die Gestalterin Irmgard Voigt für diese Rauminstallation zusammen, zumeist aus dem Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung. 

Die Austellung wurde am Sonntag, 4. Mai, offziell eröffnet. U.a. mit Margarete Bause, MdL, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, die sich an die couragierte Mitgründerin der Grünen erinnerte.

Margarete Bause bei der Ausstellungseröffnung

Die Rede von Margarete Bause können Sie auf ihrer Website nachlesen.

Hier können Sie außerdem ein kurzes Statement von Margarete Bause zur Ausstellungseröffnung sehen.

Empfohlene Weblinks

www.ackermannbogen-ev.de

Veranstaltungsort
München


Partner

SchauRaum im Ackermannbogen e.V., Projektgruppe Kultur


Art der Veranstaltung
Ausstellung



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19.04.2014 bis 01.05.2014

Kunst als (Über)Lebensmittel

Reise zu Kulturprojekten in Palästina und Israel

Jenseits der Politik gibt es in Israel und Palästina eine lebendige Kulturszene, die bei uns wenig bekannt ist. Inmitten des Konflikts weckt sie kreative Kräfte und  Möglichkeiten, mit den eigenen Erfahrungen produktiv umzugehen.

Auf dieser Reise wollten wir daher nach Kunst und Kreativität in beiden Gesellschaften fragen. Wir besuchten kulturelle Projekte und Einrichtungen, trafen KünstlerInnen und Initiatoren. 

 Von der Reise berichteten Jutta Höcht-Stöhr von der Evangelischen Stadtakademie und unser Mitarbeiter Jonas Jarass sozusagen tagesaktuell auf dem Blog der Stadtakademie über Eindrücke, Erlebnisse und Projekte. 

Hier geht's zum Blog...

 

ReferentInnen

Reiseleitung:

Gesa Tiedemann, Petra-Kelly-Stiftung

Jutta Höcht-Stöhr, Evangelische Stadtakademie München

Veranstaltungsort
Reise durch Palästina und Israel


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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31.03.2014

10 Jahre nach dem Bombenanschlag des NSU in Köln

Die Keupstraße kommt nach München

Die Keupstraße ist bekannt als die zentrale Geschäfts- und Ladenstraße der türkischen Community in Köln - weit über die Stadtgrenzen hinaus. Am 9. Juni 2004 explodierte am helllichten Tag auf der Keupstraße eine von Nazis gezündete Nagelbombe mit dem Ziel, möglichst viele, vermeintlich nicht-deutsche Menschen zu töten und zu verletzen und deren anliegende Geschäfte und Häuser zu zerstören. Dieser Anschlag des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der nur durch glückliche Zufälle keine Todesopfer gefordert hat, steht in der Kontinuität einer rassistischen Konjunktur, die seit dem Mauerfall hunderten von Menschen das Leben kostete und nicht nur unter Migrantinnen und Migranten entsetzliches Leid verursachte. 

Bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 ermittelten die Behörden ausschließlich gegen die zum Teil schwer Verletzten und Geschädigten der Bombe und machten aus Opfern Täter. Die Medien und die Öffentlichkeit flankierten diese Handlungen mit dem Gerede von kriminellen Ausländermilieus. Der rassistische Anschlag, der für die Keupstraße mit der Bombe von 2004 begann, fand dadurch seine Fortsetzung.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Initiative „Keupstraße ist überall“ gegründet, um in Vorbereitung auf die Verhandlungstage zur Keupstraße im NSU-Prozess in München offensiv zu werden. Die veranstaltung informierte über die spezielle geschichte des Kölner Attentats und versuchte eine Analyse der darauf folgenden "Ermittlungen".

 

In der Diskussion ging es zunächst um den Rassismus-Begriff. So ging der Referent Massimo Perinelli darauf ein, was Rassismus aus der Sicht eines Migranten bedeute. Er differenziere nicht in alltäglichen, gesellschaftlichen und institutionellen Rassismus, denn als ein Migrant müssen man sich täglich mit Rassismus auseinandersetzten, daher sei eine Differenzierung falsch. Auch kritisierte er die Antifa, die von Verschwörungstheorien sprach, als Migrant*innen bereits 2006 in Kassel bei einer Demonstration „kein 10. Opfer“ auf einen rechtsradikalen Hintergrund bei den Morden hingewiesen hatten. Darauf wurde erwidert, dass es „die“ Antifa nicht gebe und es verschiedene Meinungen innerhalb der autonomen Szene gebe. Auch die Differenzierungen wurden als sinnvoll erachtet, da so Rassismus genauer dargestellt und bekämpft werden könne.

 Zum Schluss wurde gemeinsam überlegt, wie weiter vorgegangen werden könnte. Es war allgemeine Meinung auf dem Podium, dass der NSU-Prozess Rassismus nicht verhindern kann und dass der Naziterror mit dem Prozess sicher nicht beendet ist. Es wurde auf die wertvollen Protokolle der Gruppe „NSU-Watch“ verwiesen, die nach dem Prozess ausgewertet werden müssten, um das Netzwerk rund um die Angeklagten des NSU-Prozesses zu enttarnen und um das Thema auch auf den gesellschaftlichen Rassismus hin auszuwerten. 

ReferentInnen

Mitat Özdemir
Interessengemeinschaft Keupstraße
(Keupstraße Dayanışma Grubu)
Massimo Perinelli
Dostluk Sineması / Kanak Attak
A. Sembol
NSU Watch / Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München
(Münih Aşırı Sağ Bilgilendirme Dairesi)
Kutlu Yurtseven
Dostluk Sineması / Microphone Mafia

Veranstaltungsort
München


Partner

Kurt-Eisner-Verein

Bündnis gegen Naziterror und Rassismus München


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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22.11.2013 bis 23.11.2013

Grenzenlos: Rechtsextremismus als internationales Phänomen

Vernetzungen – Strategien – Gegenmaßnahmen

Grenzenlos: Die internationale Dimension des Rechtsextremismus

Rechtsextremismus macht nicht an Grenzen halt. Trotz vieler ideologischer und organisatorischer Unterschiede hat die internationale Vernetzung rechter Populisten, Neonazis, aber auch rechtsterroristischer Gruppierungen in den letzten 20 Jahren europaweit stark zugenommen. Zunehmend intensiver entwickelt sich die transnationale Musik- und Konzertszene, zunehmend umsatzstärker wird der Handel mit einschlägigen NS-Produkten – stark befördert durch die Möglichkeiten des Internets. Dieser internationalen Dimension des Rechtsextremismus widmete sich unsere Tagung, die wir in Zusammenarbeit mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing veranstalteten.

In nahezu allen europäischen Ländern existiert ein zwischen 10 und 20 Prozent angesiedeltes Wählerreservoir, aus dem rechte Parteien schöpfen können. Dabei, so Michael Minkenberg von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, stellt Ostmitteleuropa “den dynamischsten Nährboden für rechte Parteien” dar. Dort sei die Membrane zwischen Rechts und Mainstream inzwischen sehr durchlässig geworden und die Zusammenarbeit von Parteien, Bewegungen und subkulturellen Milieus weit fortgeschritten. Rechtsextreme Parteien werden dort inzwischen als „normaler“ Teil des politischen Spektrums wahrgenommen.  Allerdings wendet sich der Nationalismus und Rassismus, der dort wiederbelebt wurde, anders als in Westeuropa nicht so sehr gegen Immigranten als gegen ethische Minderheiten wie die Roma.

Dass die Trennlinie zwischen Rechtsparteien und politischem Mainstream  in den meisten westeuropäischen Ländern noch weitgehend dicht hält, hängt Minkenberg zufolge in erster Linie damit zusammen, dass sich die anderen, insbesondere konservativen Parteien bisher einer Zusammenarbeit mit rechten Parteien verweigert haben. Dies müsse auch weiterhin so bleiben und darüber hinaus sei ein neuer öffentlicher Diskurs über Immigration und Multikulturalismus zu führen, so Minkenbergs Apell.

Rainer Fromm, Autor vieler Filmbeiträge zum Thema Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus, machte im Anschluss an seine Dokumentation „Propaganda. Hass. Mord. Die Geschichte des rechten Terrors in Europa“ deutlich, dass der Rechtsterrorismus lange Zeit als nicht so ernst eingestuft wurde wie der Terror von links. Immer wieder registriere er den fatalen Hang verantwortlicher Stellen, so Fromm, Attentate wie das auf das Oktoberfest 1980 oder auch die NSU-Mordserie als die Taten Einzelner, losgelöst von Netzwerken zu sehen. Dabei hätte jeder, „der [bei Interviews mit Neonazis] genau zuhörte, wissen müssen, dass es Untergrundstrukturen gibt.“ Problematisch sah Fromm, dass z.B. der Weg von Waffen über Ländergrenzen hinweg nicht intensiv genug aufgeklärt werde. Ebenso kritisch schätzte er die Rolle von V-Leuten ein: Einige hält Fromm für „Turbobeschleuniger“ bei Straftaten.

Tagungsleiter Manfred Schwarzmeier, Autor Rainer Fromm, Tagungsleiter Gerd Rudel

Mit der „Neuen Rechten“ beschäftigte sich Armin Pfahl-Traughber von der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl. Dabei, so der Rechtsextremismusexperte, handele es sich dabei weniger um etwas “neues”, als vielmehr um Reproduktionen von Positionen z.B. des Antiparlamentarismus aus den 1920er Jahren.  Antipluralistische Konzeptionen (Oswald Spengler, Carl Schmitt u.a.) stehen dabei unverkennbar Pate. Ziel der Protagonisten ist es, erst geistiger Sieger in der politisch-kulturellen Auseinandersetzung zu werden, um anschließend politische Siege anzustreben. Ihre Absicht ist es nicht, Parteien zu gründen, sondern gesellschaftliche Multiplikatoren (Lehrkräfte, Journalisten etc.) für sich zu gewinnen. Beispielhaft steht für die geistige Aufrüstung das private “Institut für Staatspolitik (IfS)”, das entsprechende Schulungen anbietet. Aber auch die “Neue Rechte” ist in sich gespalten: Der “Fundamentalismus-Variante” (offene Ablehnung der Normen und Regeln des demokratischen Verfassungsstaates) steht die “Mimikry-Variante” gegenüber, die sich gemäßigter gibt, um so breiter in die Öffentlichkeit hinein wirken zu können. Während man vor allem in der NPD Anhänger ersterer Richtung findet, finden sich zweitere vor allem im Autorenkreis der “Jungen Freiheit” sowie unter den Mitarbeitern des “IfS”.

“In Deutschland”, so konstatierte Werner T. Bauer von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und -entwicklung, “sind Sie noch in der komfortablen Lage, sich mit keiner erfolgreichen [rechtspopulistischen] Partei auseinandersetzen zu müssen.” Denn auch für Österreich träfe zu, was Minkenberg für die ostmitteleuropäischen Staaten konstatierte: Die starke Durchlässigkeit der gesellschaftlichen Membrane zwischen Rechts und dem Mainstream. Eine Entwicklung, die Bauer für Gesamteuropa kommen sieht, ist die starke Zunahme rechtspopulistischer Strömungen. Diese kommen meist sozialpopulistisch daher und stückeln ihre Programmatik relativ beliebig zusammen. Dabei spielt Kapitalismuskritik eine gewisse Rolle. Kapitalismus wird mit “multikulturellem Einheitsbrei” gleichgesetzt, gewürzt mit etwas Antisemitismus. Rechtspopulistische Parteien sind in der Hinsicht modern, dass sie auf eine sehr volatile Wählerschaft eingestellt sind.

Werner T. Bauer: Rechts wird zum Mainstream

Welch wichtige Rolle der Musik für die Internationalisierung der rechtsextremistischen Jugendkultur zukommt, darauf wies Jan Raabe (Argumente und Kultur gegen rechts e.V.) hin. Mit der Übernahme eines jugendkulturellen Stils (Hardcore) in die extreme Rechte gelang es, Zugang zu jugendlichen Subkulturen zu finden. Wegbereiter dafür war die Band “Screwdriver” Ende der 1970er Jahre mit der Platte „Hail the New Dawn“, die Punk-Rock mit rechten Inhalten verband.  Insbesondere dieser “White-Power-Rock” trug seitdem zur Internationalisierung der Szene bei. Konzerte mit rechtsextremen Bands, die zu einem großen Anteil z.B. in der Tschechischen Republik oder Ungarn stattfinden, hält Raabe für die bedeutendste Dimension. Der dort geschaffene Erlebnisraum verbunden mit den Liedtexten trage entscheidend zur Verankerung rechtsextremistischen Gedankenguts bei den Jugendlichen bei. Allerdings setzten rassistische Vorurteile sowie Revanchismus der transnationalen Zusammenarbeit auch Grenzen. So fanden zwischen 2008 und 2012 nur zwei Konzerte in Polen statt mit deutscher Beteiligung.

Nach Einschätzung Robert Andreaschs (a.i.d.a. e.V. – Antifaschistische Informations-, Dokumantations und Informationsstelle) spielen bei diesen Konzerten auch wirtschaftliche Interessen eine bedeutende Rolle. Neben dem Verkauf von CDs werden dort Anstecker oder Aufkleber sowie Kleidung entsprechender Labels gehandelt. Der größte Umsatz mit dem Verkauf einschlägiger NS-Produkte erfolgt allerdings über den Online-Handel. Insgesamt wird das jährliche Volumen auf einige Millionen € geschätzt – Geld, das zum Teil wieder in den Aufbau organisatorischer Strukturen fließt, nach dem Motto „Für die Szene arbeiten, an der Szene verdienen“. Dabei spielen Marken wie „Thor Steinar“ und online-Portale wie walhall-athletik.com , svastone.com oder musclemaker.sk eine wesentliche Rolle, um „national befreite Zonen“ des Konsums zu schaffen.

Dass rechtsextremistische Organisationen das Internet intensiv zu nutzen wissen, ging aus dem Beitrag von Johannes Baldauf (Amadeu Antonio Stiftung, Berlin) hervor. So weist die NPD bei Facebook über 50.000 “Gefällt mir”-Bekundungen auf, ein Wert, der nur von CDU, SPD und den GRÜNEN übertroffen wird. Über 7000 rechtsextreme Webangebote, davon 5500 im Social Web verbreiten Propaganda und spielen eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung bestehender Anhänger sowie der Rekrutierung neuer Anhänger. Wenn Angebote gelöscht werden, weichen die Anbieter auf amerikanische, russische Server aus, so zum Beispiel auf die russische Facebook-Variante VK, oder kreieren einen eigenen E-Mail-Dienst. Die REX Internet-Bibliothek enthält jede denkbare Form rechtslastiger Literatur zum Herunterladen als PDF-Dateien. Und „politically incorrect“ steht mittlerweile auf Platz 9 aller deutschsprachiger Blogs.
Manfred Schwarzmeier / Gerd Rudel

Im Folgenden dokumentieren wir die Tagungsbeiträge und geben Hinweise auf weitere interessante Links und Veröffentlichungen. 

Michael Minkenberg: Die europäische radikale Rechte und Fremdenfeindlichkeit
in West und Ost: Trends, Muster und Herausforderungen. In: Ralf Melzer/Sebastian Serafin (Hrsg.): Rechtsextremismus in Europa. Länderanalysen, Gegenstrategien und arbeitsmarktorientierte Ausstiegsarbeit. Berlin 2013, S. 9-38
Die gesamte Studie gibt es zum Herunterladen als PDF-Datei.

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Die neue rechte Herausforderung. Rechtsextremismus in Deutschland und Europa, Berlin 2005
Download als PDF-Datei 

Propaganda, Hass, Mord. Die Geschichte des rechten Terrors in Europa. 
Dokumentarfilm von Rainer Fromm
Der Film ist u.a. bei YouTube zu sehen: http://youtu.be/p276tC5_AkM

Weitere Dokumentationen von Rainer Fromm zum rechtsextremistischen Terror:

Doku zu V-Leuten in der rechten Szene "Brandstifter im Staatsauftrag": http://www.youtube.com/watch?v=Ud6ez57RvUg
Doku über Beate Zschäpe: http://www.youtube.com/watch?v=CEQXqtK--mw

Armin Pfahl-Traughber: „Kulturrevolution von rechts“ – Fraktionen, Positionen und Wirkung der „Neuen Rechten“ als Strömung des intellektuellen Rechtsextremismus (25 Thesen zum Vortrag)

Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.): Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2013. Statistisches Bundesamt, Brühl / Rheinland 2013

Werner T. Bauer: Antikapitalismus und Globalisierungskritik von rechts –
Erfolgskonzepte für die extreme Rechte? (Zusammenfassung des Vortrags)

Werner T. Bauer: Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien in Europa. Wien 2013
Download als PDF-Datei

Christina Kaindl: Antikapitalismus und Globalisierungskritik von rechts –
Erfolgskonzepte für die extreme Rechte? In: Peter Bathke/Susanne Spindler (Hrsg.): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenhänge – Widersprüche – Gegenstrategien, Berlin 2006, S. 60-75
Die gesamt Studie zum Herunterladen als PDF-Datei

Jan Raabe: “white power worldwide” - RechtsRock & Jugendkultur(en)
Die Präsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden.

Christian Dornbusch/Jan Raabe (Hrsg.): Rechts-Rock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategie. Unrast Verlag, Münster 2002

Johannes Baldauf: Web 2.0: Instrument zur Internationalisierung des Rechtsextremismus 
Die Präsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden.

jugendschutz.net (Hrsg.): Rechtsextremismus online. Beobachten und nachhaltig bekämpfen. Mainz 2013
Bericht als PDF-Datei

Amadeu-Antonio-Stiftung (Hrsg.): Zwischen Propaganda und Mimikry. Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken. Berlin 2011
Broschüre als PDF-Datei

Anna Verena Münch/Michaela Glaser (Hrsg.): Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Europa. Erscheinungsformen, gesellschaftliche Reaktionen und pädagogische Antworten. Halle 2011
Buch als PDF-Datei 

Empfohlene Weblinks

www.aida-archiv.de

www.amadeu-antonio-stiftung.de

www.bayerisches-buendnis-fuer-toleranz.de

www.bayern-gegen-rechtsextremismus.de

www.bpb.de/themen/R2IRZM,0,Rechtsextremismus.html

www.exit-deutschland.de

www.lks-bayern.de

 

ReferentInnen

Prof. Dr. Michael Minkenberg
Europa-Universität Viad­rina,  Lehrstuhl für Politikwissenschaft
Große Scharrnstr. 59
15230 Frankfurt (Oder) 
minkenberg@euv-frankfurt-o.de

Dr. Rainer Fromm
Regisseur von „Propaganda. Hass. Mord. Die Geschichte des rechten Terrors in Europa“
Postfach 12 06 35
65084 Wiesbaden 

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber
Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl)
Willy-Brandt-Str. 1
50321 Brühl  
Armin.Pfahl-Traughber@fhbund.de

Dr. Werner T. Bauer
Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung
Gregorygasse 21-27/7/1
A-1230 Wien
werner.bauer@politikberatung.or.at

Jan Raabe
Journalist, Autor
Argumente & Kultur gegen rechts e.V.
Postfach 10 29 48
33529 Bielefeld 

Robert Andreasch
Journalist
a.i.d.a. e.V. - Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V.
Postfach 40 01 23
80701 München 
info@aida-archiv.de

Johannes Baldauf
Wissenschaftlicher Mitarbeiter für netz-gegen-nazis.de und no-nazi.net
Amadeu-Antonio-Stiftung
Linienstr. 139
10115 Berlin 

Veranstaltungsort
Tutzing


Partner

Akademie für Politische Bildung Tutzing


Art der Veranstaltung
Tagung



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21.11.2013 - 19:30

Pakistan: Wie leben die Menschen im "gefährlichsten Land der Welt"?

Die Veranstaltung muss wegen anderweitiger beruflicher Verpflichtungen der Referentin leider abgesagt werden.

Atombombe, Taliban, Drohnenkrieg, Selbstmordanschläge von Islamisten, verheerende Naturkatastrophen – wir  Menschen im Westen verbinden mit Pakistan meist Angst und Schrecken. Manche nennen Pakistan ganz einfach das gefährlichste Land der Welt. Unser Blick ist von Angst geprägt. Das merken leider auch viele Pakistaner, die mit großen Hoffnungen nach Deutschland kommen und hier mit den Urteilen zu kämpfen haben, die meist aus Unwissenheit entstanden sind, denn sie beruhen meist nur auf den Bildern der Fanatiker, die so oft in den Nachrichten zu sehen sind. 

Wie aber ticken die Menschen in dem riesigen Staat? Dem Land, das im Sommer 1947 als Heimatland für Muslime startete, als die Briten den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit entließen, und das sich neun Jahre später zur islamischen Republik erklärte. Was bewegt die 180 Millionen Menschen, von denen viele sehr jung sind?

ReferentInnen

Ingrid Müller
Journalistin, leitende Redakteurin beim Tagesspiegel, Berlin.
Ingrid Müller ist in den vergangenen Jahren immer wieder in Pakistan gewesen: Im strengen Peshawar nahe der afghanischen Grenze, im von der Taliban-Herrschaft gezeichneten Swat-Tal, im kulturell-lebhaften Lahore nahe Indien und in der quirligen Wirtschaftsmetropole Karachi am Meer im Süden. Die Berliner Journalistin hat dort mit Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Stadtplanern, Künstlern, Musikern und vielen jungen Leuten gesprochen. Sie hat beeindruckende, liebenswürdige und neugierige Menschen getroffen – und unterwegs allerlei Überraschungen erlebt. Von den unbekannten Seiten Pakistans wird sie berichten und auch Bilder von ihren Reisen zeigen.

Veranstaltungsort
München, EineWeltHaus, Schwanthalerstr. 80, Kleiner Saal (Raum 211 + 212)


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Interkulturelles Forum e.V.

Kulturreferat der Landeshauptstadt München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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19.11.2013 - 20:00

Direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung

 

Hintergrund und Anlass dieser Veranstaltung wardie von unserem Kooperationspartner Medienladen e.V. im Frühjahr 2013 übernommene Trägerschaft für die Kulturbühne 'ArtiSchocken' im leerstehenden Südstadt-Kaufhof. Dieser Gebäudekomplex soll Anfang 2015 abgerissen und durch eine Shopping-Mall ersetzt werden. Durch die kulturelle Zwischennutzung ist der Trägerverein konfrontiert mit Stadtplanung und Stadtentwicklung, Quartiersmanagement und Bürgerbeteiligung, Stadtteilarbeit und Soziokultur. Die Beschäftigung mit diesen Themen war der konkrete Anlass für die Veranstaltung über 'Direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung'.

Im Vorfeld waren gezielt Dienststellen wie Baureferat, Stadtplanungsamt und Hochbauamt sowie der Bund Deutscher Architekten/innen BDA, Sektion Mittelfranken, eingeladen worden. Für das Podium konnte Sarah Händel von 'Mehr Demokratie e.V.',  Landesgeschäftsstelle Baden-Württemberg, gewonnen werden.Sie stellte zunächst die Möglichkeiten von direkter Demokratie dar und zeigte erfolgreiche Beispiele auf. Die Referentin skizzierte dabei vor allem die gesellschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen für die Schaffung einer Kultur von Mitbestimmung und Mitgestaltung. An ihr Referat schlossen sich Kurzstatements der vier Parteienvertreter/innen an. SPD, Grüne und Linke forderten mehr Rechte für die Bürger und eine stärkere Einbeziehung bei wichtigen politischen Entscheidungen. Leichte Verwunderung erregte der OB-Kandidat der Piraten, da er den Bürgern die Entscheidungskompetenz bei komplizierten Problemlagen absprach.

In der offene und sehr lebhaften Diskussion wurde gefordert, dass Polarisierungen im Vorfeld von Planungen durch sachliche Information vermieden werden sollten. Anwesende Vertreter von Bürgerinitiativen kamen zu Wort. Schnell kam die Diskussion auf den seit 20 Jahren heftig umstrittenen Ausbau bzw. die Einhausung des autobahnähnlichen Frankenschnellweges im Nürnberger Zentrum. Einige waren sich Podium und Publikum dass Volksentscheide auf Bundesebene ein Gewinn für die Demokratie in Deutschland wären. 

ReferentInnen

Sarah Händel
Pressereferentin, 'Mehr Demokratie', Landesgeschäftsstelle Stuttgart 

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Medienladen e.V., Nürnberg 


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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