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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

22.10.2004

Wanderinnen zwischen den Kulturen

Kunst, Lesben, Migration!

22.10./ 05.11. Vernissage – Finissage der Ausstellung "Migration – Integrität – Individualität" in der Arte Galerie N

Zur Vernissage der Ausstellung in der von Migrantinnen betriebenen Galerie wurde die Veranstaltungsreihe durch Maria Virginia Gonzalez Romero von Visiones vorgestellt und einführende Worte zur Ausstellung und zu den Künstlerinnen gesagt. Es wurden Werke von Jucelia Oliveira, Ana Judith Haugwitz und Cecilia Herrero gezeigt, die Künstlerinnen waren anwesend und stellten sich der Diskussion mit dem Publikum. Ana Judith Haugwitz bot eine Performance mit ihrer Textilkunst.
Die Ausstellung wurde mit einer Finissage beschlossen, auf der Sigi Kreiner eine Performance mit dem Titel "rumänische Klangbilder" gab, in der sie rumänische Texte und Gedichte vortrug.

Durch die Ausstellung wurden viele kreative Ideen aufgeworfen: Am Abend der Vernissage wurde schon durch eine Migrantinnenorganisation die Möglichkeit aufgegriffen, im nächsten Jahr eine gemeinsame Arbeit mit Ana Haugwitz zu ihrem Thema durchzuführen. Überlegt wurde auch, mit den Arbeiten von MAIZ weiter zu machen. Zur Finissage wurde auch die Möglichkeit diskutiert, im nächsten Sommer ein gemeinsames Projekt mit KünstlerInnen aus der afrokaribischen Kultur anzustreben.

3.11. Podiumsdiskussion in den Räumen von LeTra, Lesbenberatungsstelle

Thema der Diskussion waren verschiedene Aspekte des Lebens als lesbische Migrantin in Deutschland, in der Herkunftskultur und in der lesbischen Community. Die Podiumsteilnehmerinnen hatten unterschiedliche kulturelle Hintergründe:
Kornelija Rade, in Kroatien geboren, lebt seit ihrem 16. Lebensjahr in Deutschland; Ene Kukk, in Estland geboren, lebt seit wenigen Jahren in Deutschland, Saideh Saadat Taghroudi, im Iran geboren, lebt in Berlin und Maria Virginia Gonzalez Romero, in Venezuela geboren, lebt in München.
Moderiert wurde das Podiumsgespräch von Rita Braaz, Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit bei LeTRa. Interessante Diskussionsinhalte waren die Gemeinsamkeiten des Lebens als lesbische Migrantin im Gegensatz zu den Unterschiedlichkeiten des kulturellen Hintergrunds, die Bedeutung von Gruppen für lesbische Migrantinnen und der Umgang der lesbischen Community mit dem Thema.
Auch die individuellen unterschiedlichen Sichtweisen wurden deutlich und brachten eine Differenzierung in das verallgemeinernde Wort "lesbische Migrantin". Die Bedeutung von Kunst im Leben ( lesbischer ) MigrantInnen wurde ebenso thematisiert unter der Prämisse, dass Kunst kein Monopol der Künstlerinnen ist, sondern dass es durch künstlerische Darstellung sehr wohl möglich ist, unsere Vision einer/dieser Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.

4.11. Vortrag und Film: "Migrantin sein, Lesbe sein" in den Räumen von LeTRa

Die Referentin Saideh Saadat Taghroudi, selbst Lesbe mit iranischem Hintergrund und Mitarbeiterin der Lesbenberatung Berlin, stellte das Projekt LesMigraS vor und berichtete über die Situation lesbischer Migrantinnen in Berlin. LesMigraS ist ein Zusammenschluss lesbischer Migrantinnen und Schwarzer Lesben, die im Rahmen ihrer politischen Arbeit zusammen einen Videofilm zum Thema "lesbische Migrantinnen" in Berlin gedreht haben, welcher an diesem Abend gezeigt wurde. Anschließend gab es eine Diskussion über die Inhalte. Besonders thematisiert wurden die Bedeutung des Projekts und die künstlerische Umsetzung des Themas in dem Video. In Arbeit ist zudem ein Buch mit Autobiographien von lesbischen Migrantinnen, aus dem ein Text gelesen wurde. Es wurde der Wunsch geäußert, weitere Videofilme von anderen Migrantinnengruppen zu sehen, um die verschiedenen Lebensbedingungen in anderen Ländern zu betrachten. Da der Film im Rahmen eines EU-Projektes entstand, gibt es zum gleichen Thema weitere Filme aus Frankreich und aus Österreich. Den Wunsch nach einer solchen Veranstaltung möchten wir gerne im nächsten Jahr aufgreifen. Außerdem wurde viel über die alltägliche Diskriminierung in Deutschland und unter Lesben gesprochen. Es wurden die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern und die Lebensbedingungen in Deutschland verglichen.

 

5.11. Podiumsgespräch/Vortrag: Erlebnisberichte aus dem Kulturchaos – Jugo Lesben packen aus in den Räumen von LeTRa

Die Lesben der Jugo–Lesben–Gruppe stellten sich mit ihren verschiedenen Hintergründen aus den exjugoslawischen Republiken vor und nahmen zu verschiedenen Fragen Stellung. Inhalte der Diskussion waren zum Beispiel welche Unterschiede die verschiedenen Herkunftsregionen aufweisen, welche Bedeutung der Krieg in ihrem Miteinander spielt, wie sie als Lesben in ihrer Herkunftskultur auftreten können und wie es ihnen in der deutschen Lesbencommunity geht. Es wurde auch auf die Lebenssituation in ihrem Herkunftsland eingegangen und was es in diesem Zusammenhang für die Einzelne bedeutet, in Deutschland zu leben. Anschließend konnten Fragen aus dem Publikum beantwortet werden. Die besondere Situation von Migrantinnen aus den exjugoslawischen Republiken wurde dargestellt und damit der Ansatz der "Jugolesben Gruppe", sich nicht durch die nationalen Unterschiede trennen zu lassen. Der Name "Jugolesben" wurde erläutert: hier wurde ein stigmatisierend besetzter Ausdruck im Sinne des Empowerment positiv und identitätsstiftend besetzt.

 

6.11. "Fest zwischen den Kulturen" im Feierwerk

Das Fest sollte die Möglichkeit bieten, sich zu begegnen, sich zu unterhalten und die Musik anderer Kulturen als Ausdrucksform kennen zu lernen. Zu Anfang gab es einen Auftritt der lateinamerikanischen Band Tierra Nueva mit politischen Liedern und Tanzmusik. Anschließend legten Djanes Musik aus ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen heraus auf. Es gab Musik aus dem griechisch-türkischen Raum, vom indischen Subkontinent, Balkan-Mix, sowie gemischte Musik. Die Veranstalterinnen (LeTRa und Visiones) stellten sich auf der Bühne vor und sorgten so für den Öffentlichkeitsaspekt.

 

11.11. Filmabend im Maxim

Dieser Filmabend fand im Rahmen der Filmreihe "Borderline–Filme gegen Grenzen" des Ökumenischen Büros und des bayerischen Flüchtlingsrates statt. Es wurden drei Filme gezeigt: "Migrantinnen in Berlin", Dokumentation; "Die leere Mitte", Dokumentation; "Lola und Bilidikid", Spielfilm.
Der Wunsch vieler Anwesenden, "Die leere Mitte" noch einmal zu sehen und dabei Hito Steyerl einzuladen, wurde ausgedrückt. Es wird überlegt, ob und wie dies im nächsten Jahr ermöglicht werden könnte.

 

12.–14.11. Workshop "Kartographische Eingriffe" in den Räumen der ESG

Dieser Workshop richtete sich explizit an Migrantinnen. Es wurden die Wege der Migration und des Lebens in München künstlerisch aufgearbeitet, sowie ein Forum für Austausch geschaffen.
Es wurde der Unterschied zwischen Utopie, Phantasie und Fiktion dargestellt. Eine kartographische Fiktion trägt zur politischen Bewusstseinsbildung bei durch die Fragestellung nach der Vereinbarkeit der Stadt in der wir leben mit der Stadt, mit der wir uns identifizieren könnten. 
Es wurden neue Grenzen definiert, Orte neu bezeichnet. Es wurde eine Kartografie von Innen, die durch "kartografische Eingriffe" nach Außen kommuniziert wurde, geschaffen. Zum Beispiel wurden Behördengänge mehrfach mit traumatisierenden Erlebnissen in Zusammenhang gebracht. Durch die Arbeit wurden diese Erlebnisse neu und anders besetzt.
Ziel dieses Seminars war, Fragen aufzuwerfen, Diskussion zu fördern und so einen Rahmen zu schaffen, in dem Migrantinnen und Deutsche gemeinsam Lösungen / Änderungsvorschläge machen können.
Welche Strategien gibt es, um die Sichtbarkeit von Migrantinnen im öffentlichen Raum zu verstärken? 
Im Januar soll mit der Gruppe noch einmal die Möglichkeit diskutiert werden, dieses Seminar im Laufe des nächsten Jahres immer wieder stattfinden zu lassen (eventuell einmal pro Quartal) und am Ende des Jahres eine Ausstellung inklusive offener Diskussion zu organisieren.

 


Partner

LeTRa, Lesbentelefon e.V.

Visiones e.V. (i.G.)



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07.07.2004

Ladies Lunch: Rabenmütter

 

Die Reihe Ladies Lunch fördert die Vernetzung, den Informationsaustausch und den Meinungsbildungsprozess zu gesellschaftliche aktuellen Themen zwischen engagierten Frauen. In diesem Jahr ging es beim 3. Ladies Lunch der Petra-Kelly-Stiftung um das Thema "Rabenmütter".

Dazu hatten wir eingeladen:

Herrad Schenk, Sozialpsychologin und Schriftstellerin, Autorin von "Wieviel Mutter braucht der Mensch? Der Mythos der guten Mutter"

In ihrer Einleitung erklärte Silke Rapp mit Bezug auf Brehms Tierleben den Begriff "Rabenmütter" – die Raben würden ihre Jungen zwar füttern, sich jedoch nicht so liebevoll um sie kümmern wie anderen Singvögel. Theresa Schopper ergänzte diese These in ihren Grußworten mit dem Hinweis, dass Raben ihre Jungen zwar durchaus aus dem Nest verjagen würden, wenn sie groß genug seien - sollte sich jedoch herausstellen, dass die Kleinen sich doch noch nicht alleine versorgen können, würden die Eltern sie auch weiterhin füttern und sich um sie kümmern.

In ihrem Vortrag leitete Herrad Schenk historisch her, dass Frauen immer gearbeitet und dies mit dem Muttersein kombiniert haben. Früher waren Familien anders strukturiert und Kinderhaben hatte nichts mit freier Wahl zu tun. Zugleich waren nicht nur die Mütter, sondern auch Freunde, Verwandte, die Gemeinschaft und Geschwister an der Erziehung der Kinder beteiligt. Wie das Kind aufwuchs, war also nicht nur von der Mutter abhängig. Mit der Pille hat sich dies geändert. Seither haben Frauen die Freiheit, Kinder nur zu haben, wenn sie wollen. Frauen können die perfekte Zeit zum Kinderhaben auswählen und auf die perfekten Bedingungen warten. Aber was sind die perfekten Bedingungen?

Verbunden damit kam es im deutschsprachigen Raum zu einem neuen Ideal des Mutterseins - die Mutter soll immer für das Kind da sein und dieses auch als ihren ureigenen Wunsch betrachten. Liebe, Aufmerksamkeit und positive Bestätigungen sollen zu einem glücklichen Leben für das Kind führen.  Die Erziehung des Kindes hing demnach immer mehr von der Mutter ab. Frauen bekamen mehr Kontrolle über die Erziehung des Kindes, und sie üben diese Kontrolle auch als Machtmittel gegenüber Anderen aus, aber sie bekommen dafür auch die Verantwortung und die Schuld, falls es Probleme gibt. 
Das Bild der Mutter basiert heute auf diese Idee der "guten Mutter". Das Kind wird als Spiegelung der Erziehung gesehen; dies erfordert, so viel Zeit wie möglich mit dem Kind zu verbringen.

Die Welt des Kindes hängt fast komplett von der Mutter ab. Darunter leiden sowohl Mutter, als auch Kind - vom Vater mal ganz abgesehen. Doch diese so "bemutterten" Kinder sind nicht glücklicher als die Kinder vor ihnen. Im Prinzip ist der Mutter alles erlaubt, aber wehe, die Kinder geraten nicht wohl! Da die Entscheidung für Kinder eine freie Wahl ist, ist es Tabu, sich über die Schwierigkeiten, Muttersein und Beruf zu vereinbaren, zu äußern. Wenn sich eine Mutter über das "Muttersein" beschwert, ist sie plötzlich von Schuldgefühlen ergriffen. Noch nie haben Frauen so viel Fürsorge- und Erziehungsleistungen auf so wenige Kinder konzentriert – und doch haben sie nie so viele Schuldgefühle gehabt wie heute.

Diese Schuldgefühle müssen erkannt und abgebaut werden, da sie den Kontakt zu den Kindern schwer belasten können. Kinder sind nicht ausschließlich die Angelegenheit der Mütter sondern von allen, was in anderen europäischen Ländern durchaus so gesehen wird - und deren Kinder geraten mitnichten schlechter. Im Laufe der Jahre hat sich eine Konkurrenz entwickelt zwischen den Müttern, die daheim bleiben und denen, die erwerbstätig sind; so ist zu beobachten, dass die beiden Gruppen oftmals unter sich bleiben.


Art der Veranstaltung
Ladies Lunch



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06.02.2004

Wer Macht Frieden

Frauen und Männer in Friedensprozessen

Frauen kommt eine wichtige Rolle bei der Verhütung und Beilegung von Konflikten zu, das erklärt der UN-Sicherheitsrat in der Resolution 1325, verabschiedet im Oktober 2000. Diese Resolution fordert die Mitgliedsstaaten dazu auf, "dafür zu sorgen, dass Frauen in den nationalen, regionalen und internationalen Institutionen und Mechanismen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten auf allen Entscheidungsebenen stärker vertreten sind"

1. Warum gibt es diese Resolution? Was ist zu erwarten, wenn Frauen "in allen Anstrengungen zur Wahrung und Förderung von Frieden und Sicherheit gleichberechtigt und in vollem Umfang teilhaben"

2. Machen Frauen andere Friedensarbeit als Männer?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Tagung "WEHR MACHT FRIEDEN?". 

Informationen zur Veranstaltung und den Referentinnen sowie Bilder von der Tagung sind zu erhalten unter: http://wermachtfrieden.agfp.de

 


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (WILPF)

Evangelische Stadtakademie München

Frauensicherheitsrat

Frauengleichstellungsstelle der evangelischen Kirche in



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29.01.2004

Die Praxis des Gender Mainstreaming auf dem Prüfstand

Stärke und Schwächen er nationalen Umsetzungspraxis

Heinrich-Böll-Stiftung Hessen, Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg, Petra-Kelly-Stiftung Bayern, Dörthe Jung Unternehmensberatung, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE):

Die Praxis des Gender Mainstreaming auf dem Prüfstand

Stärken und Schwächen der nationalen Umsetzungspraxis

Hrsg.: Dörthe Jung/ Margret Krannich 
Dokumentation der gleichnamigen Fachtagung vom 29. Januar 2004 
in Frankfurt am Main,122 Seiten, Paperback, 2005, Euro 8,00
ISBN 3-930832-10-0

Die Publikation geht auf eine gleichnamige Fachtagung zurück, deren Ziel es war, die Umsetzungserfahrungen von Gender Mainstreaming in verschiedenen Praxisfeldern kritisch zu reflektieren, Schwachstellen und strukturelle Schwierigkeiten zu benennen und zu beginnen, Qualitäts- und Erfolgskriterien für eine nachhaltige Umsetzung zu entwickeln.

Die große Resonanz, auf die die Fachtagung stieß, macht nicht nur deutlich, dass es einen regelrechten Gender Mainstreaming Boom gibt, wie mehrfach auf der Tagung angemerkt, sondern zeigt auch, dass jenseits dieses Booms ein großer Bedarf besteht, die bisher gemachten Erfahrungen systematisch aus-zuwerten und in eine Gender Mainstreaming Qualitätsdebatte einzusteigen. Die vorliegende Publika-tion möchte dazu anregen, die Debatte um Blockaden und Erfolge, methodische Voraussetzungen und Qualitätskriterien bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming systematisch weiter zu entwickeln.

Inhalt:

Dörthe Jung, Gender Mainstreaming als Lernprozess – Methodische Voraussetzungen zur nachhaltigen Umsetzung

Doris Hayn, Gute Praxis Gender Mainstreaming – Die Vielfalt der Aktivitäten in einer Bundesbehörde

Ute Weinmann, Anmerkungen zur Implementierung von Gender Mainstreaming / Gender Budgeting in der Berliner Politik und Verwaltung

Anne Rösgen/ Ronald Schulz, Männer (-beteiligung) und Gender Mainstreaming. Garant für Erfolg oder neuer Mythos?

Ute Wanzek, Auf der Suche nach Erfolg – Erfolge und Blockaden im Umsetzungsprozess von Gender Mainstreaming

Susanne Baer, Wie entsteht Gender-Kompetenz? Beratung zu Gender Mainstreaming zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Angelika Blickhäuser/ Henning von Bargen, Gender Kompetenz – Qualitätsanforderungen an Gender-Trainings

Dörthe Jung, Tagungsbilanz

Zu beziehen bei:
Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V., Niddastr. 64, 60329 Frankfurt/M.
FAX: 069/ 23 94 78, E-mail: info@hbs-hessen.de, www.hbs-hessen.de


Partner

HGDÖ Hessische Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung

Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg

Dörthe Jung Unternehmensberatung

Institut für sozial-ökologische Forschung



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02.07.2003

Ladies Lunch: Frauen und Karriere

 

Die Reihe Ladies Lunch fördert die Vernetzung, den Informationsaustausch und den Meinungsbildungsprozess zu gesellschaftliche aktuellen Themen zwischen engagierten Frauen. In diesem Jahr ging es beim 2. Ladies Lunch der Petra-Kelly-Stiftung um das Thema "Frauen und Karriere"

Dazu hatten wir eingeladen:

Sabine Asgodom, Journalistin, Autorin, Management-Trainerin

und

Barbara Bierach, Wissenschaftsjournalistin, Autorin

die unter der Moderation von

Margarethe Bause, der Vorsitzenden des Landesverbands von Bündnis 90/Die Grünen,

diskutierten.

Zur Ausgangslage: Mit einem Frauenanteil von elf Prozent in Leitungspositionen bildet Deutschland das Schlusslicht in Europa. Weil die Frauen es nicht anders wollen? 
Weil sie "dämlich, faul und unaufrichtig sind" und Kinder als "Heldennotausgang" benutzen - wie Barbara Bierach es in ihrem Buch "Das dämliche Geschlecht" provozierend behauptet hat? Weil Frauen eigentlich gar keine Karrieren machen wollen?
Liegt es an den Männern, die Frauen nicht als Vorgesetzte ertragen können und unter sich sein wollen in den Führungsetagen? Oder haben Frauen schlicht nicht die richtigen Strategien, fehlt es an Vernetzung, an Coaching und an jemandem wie Sabine Asgodom, die Menschen lehren möchte "wie sie die Sterne erreichen können"?!

Beide Referentinnen nahmen ausführlich Stellung zum genannten Komplex und unter der kompetenten Leitung der Moderatorin entspann sich eine anregende, informative, interessante und grundlegende Debatte, an der sich auch die anwesenden ca. 110 Teilnehmerinnen rege beteiligten.


Partner

Feministisches Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin



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19.06.2002

Ladies Lunch: Frauen & Geld

Podiumsdiskussion mit Christine Scheel und Svea Kuschel

Auf dem Podium: Christine Scheel und Svea Kuschel sowie Moderatorin Dagmar Deckstein

Wie gehen Frauen mit dem Thema Geld um?

Welche speziellen Anlage-Bedürfnisse haben Frauen?

Welche Anlageformen gibt es für Frauen?

Welche Anforderungen müssen an die Politik gestellt werden?

Welche rechtlichen und politischen Hindernisse gibt es?

Wie kann die Situation für Frauen verbessert werden?

Spielen Frauen eine Rolle im Gesetzgebungsverfahren?

Werden die Lebenssituationen von Frauen in der Steuergesetzgebung berücksichtigt?

Gibt es rechtliche Rahmenbedingungen für die finanzielle Absicherung von Frauen?

In unserer Veranstaltung ging es darum, spezielle finanzielle Bedürfnisse von Frauen zu benennen, rechtliche und politische Hindernisse aufzuzeigen, Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten und einen Handlungsdruck zu erzeugen bzw. Handlungsbedarfe zu konkretisieren.

 

ReferentInnen

Christine Scheel
Vorsitzende des Finanzausschusses, MdB, Bündnis 90/Die Grünen

Svea Kuschel
Versicherungs- und Finanzdienstleistungen für Frauen GmbH, München

Moderation:
Dagmar Deckstein
Journalistin, Süddeutsche Zeitung, München


Partner

Feministisches Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin


Art der Veranstaltung
Nachmittagsveranstaltung



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08.06.2002

Feminismus ade? Gender politics welcome?

Eine Diskussion in Ost und West

Bozena Choluj (Warschau/Oldenburg): 
Gender - Chance oder Gefahr für den Feminismus?

Gender würde es als eine analytische Kategorie ohne den Feminismus nicht geben. Ihre Einführung in den öffentlichen Diskurs ist eine Leistung jahrelanger Bemühungen der Frauenbewegung und der feministischen Forschung. Die Förderung von gender-mainstream-Politik durch die EU, die den Richtlinien der "Aktionsplattform" von 1995 folgt, wirkt beunruhigend, weil die Geschlechtergleichheit zum ersten Mal in der Geschichte von oben konkret verordnet wird. Viele Bedenken sind berechtigt, wichtiger jedoch wäre, Strategien zu entwickeln, die den Frauen helfen würden, auf den unterschiedlichen Ebenen ihrer Aktivitäten mit dieser Art der Politik umzugehen. 

In Polen sind die staatlichen Institutionen weit davon entfernt, die Richtlinien der EU in bezug auf die Geschlechtergleichheit zu befolgen. Im Jahre 2002 ist es dort zu Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung und der katholischen Kirche gekommen, in deren Folge die Kirche versprach, sich bei der polnischen Landbevölkerung für den EU-Beitritt einzusetzen (die Bauern sind bisher die stärkste Gegnergruppe des Beitritts), unter der Grundbedingung, daß an dem restriktiven Abtreibungsgesetz nichts geändert und das Gleichstellungsgesetz nicht eingeführt wird. Der Protest von vielen bekannten Frauen hat daran nichts geändert. Die polnische Regierung kennt - unabhängig von der politischen Option - mittlerweile die Verhandlungsprinzipien mit der EU. Die rechtliche Angleichung muß zwar formal vollzogen werden, ihre Realisierung kann aber zeitlich um viele Jahre verschoben werden. Die polnische Regierung versucht außerdem, die Karte der kulturellen Eigenheit in bezug auf Frauen und die katholische Tradition in den Verhandlung mit der EU auszuspielen; mit anderen Worten: Frauendiskriminierung als nationales Kulturgut.

Gender-mainstream-Politik ist für polnische Frauen zur Zeit nur eine entfernte Möglichkeit der Verbesserung der Situation von Frauen und sicher keine Bedrohung. Die EU-Richtlinien spielen eine wichtige Rolle unter den Frauen in den NGOs. Sie lernen an ihnen entlang nicht nur die Chancen für sich im vereinten Europa kennen, sondern auch die institutionellen Strukturen der EU, was für die polnische Frauenbewegung von besonderer Bedeutung ist, wenn man bedenkt, daß es bis heute immer noch keine geregelten Wege der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den NGOs und der Regierung gibt. Die NGOs bilden ihren vorrangigen Wirkungsraum. In der Spannung zwischen diesen NGOs und den staatlichen Institutionen liegt trotz aller Schwierigkeiten aber ein politisches Potential, das von Frauen genutzt werden kann. 

Mit der "Aktionsplattform" von 1995 ließ sich nach der IV. Weltfrauenkonferenz im Bereich der NGOs von Frauen politisch mehr bewirken als heute mit den Richtlinien der EU. Bei der Gründung von Gender Studies in den Jahren 1993-95 stieß ich unter Akademikerinnen an der Warschauer Universität auf eine Abneigung gegen Women´s Studies. Heute, nach 7 Jahren, läßt sich feststellen, daß viele der von ihnen im Bereich Gender Studies angebotenen Seminare eher den Women´s Studies zuzurechnen wären. So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Gender Studies am Anfang als ein Tarnname gelten sollte. Heute sind das weitgehend Seminare zu Gender Studies, wo kritische Analyse der Tradition und mit ihr der historisch gewachsenen Geschlechterverhältnisse geleistet wird. Die heutige Erkenntnis wäre jedoch, daß solange beides - Women´s und Gender Studies - zusammengedacht wird, die Aneignung der gender-Problematik durch UNO und EU-Gremien nicht als Gefahr angesehen werden muß. Gender-mainstream darf jedoch nicht als ein vom Feminismus abgelöstes Phänomen aufgefaßt werden. Die Geschlechtergleichheit läßt sich ohne das aktive Engangement von selbstbewußten Frauen von oben nicht einführen. Kommunistische Länder haben es lange genug versucht und heute wissen wir, daß die Mentalität bezüglich der Geschlechtergleichheit sich über all die Jahre weder bei Männern noch bei Frauen beträchtlich verändert hat. Beide Kategorien, Weiblichkeit und gender, sollten weiterhin ihre Dienste leisten, auch wenn gender-mainstream angesagt ist. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, die feministische Theorie mit der politischen Praxis parallel zu entwickeln. In Polen versuchen wir es in Gender Studies an der Warschauer Universität zu tun, wo Studierende verpflichtet sind, nicht nur Seminare zu absolvieren, sondern auch ein Praktikum in einer Frauenorganisation absolvieren, und in den Feministischen Sommerschulen, wo akademische Vorträge und Seminare mit NGO-Workshops und Trainings verbunden werden. Diese Verbindung scheint gerade in einer Zeit vonnöten zu sein, in der um die Interpretation des gender-Begriffs gerungen wird.

 

Renate Sadrozinski: 
Sind die USA mal wieder ein paar Jahre voraus?

"Its purpose would be to take the actions needed to bring women into the mainstream of American society, now".
(Betty Friedan bei der Gründung von NOW, 1966)

1. "Die" Frauenbewegung gibt es in den USA schon seit einiger Zeit nicht mehr. Allerdings gibt es eine Reihe von Frauenbewegungen, die sich auf jeweils verschiedene Schwerpunkte konzentrieren. Frauenprojekte existieren zumeist am Rande des Untergangs. Viele von ihnen haben ihre "radikalen" Standpunkte aufgegeben, wenden sich an oder beraten auch Männer. 
NOW (National Organization for Women) ist eine anerkannte Interessengruppe geworden, die in Washington eine nicht unbedeutende Rolle spielt, wenn es um "Frauen-Fragen" geht - vor allem um Abtreibung, Frauengesundheit, internationale Fragen (z.B. Frauen in Afghanistan, Kriegsvergewaltigungn, Beschneidung), und Personalpolitik (Besetzung von Regierungsposten und Ernennung von Richtern).

2. An den Universitäten gibt es immer weniger "Women's Studies" Programme, immer häufiger "Gender Studies" und "Gender and Women Studies"; "Feminist Studies" sind beinahe ganz verschwunden. Das ist nicht nur ein Etiketten-Austausch. "Gender Studies" sind inzwischen ein unbestrittener Teil beinahe jeder Universität, mit entsprechenden Posten, Einkommen, Karrieren, Veröffentlichungen, Aufstiegschancen. Zwar immer noch Frauen-dominiert - und d.h. mit weniger Geld und Prestige ausgestattet als andere Studiengänge -, finden doch immer mehr Männer (Studenten wie Professoren) ihren Platz in dieser ehemals "women only" Domäne. Das hat selbstverständlich Einfluss auch auf die Inhalte. Gender Studies Programme beschäftigen sich vor allem mit "Queer Politics", Rassismus, Armut, Religion und der Familie - weniger mit Macht und dem Geschlechterkampf.

3. In 1964 wurde das Verbot erlassen, wegen "Rasse, Farbe, Religion, nationaler Herkunft oder Geschlecht" zu diskriminieren. Vorausgegangen war eine bedrückende Niederlage der Frauenbewegung: der Kampf um ERA war verloren. Die Ergänzung der Verfassung der USA um die Gleichheitsrechte von Frauen (Equal Rights Amendment) war abgelehnt.
"Affirmative Action", der Versuch, durch "positive Diskriminierung" gesellschaftlich verursachte Ungleichheit zu überwinden, erwies sich als ein Hebel für Frauen, in der Wirtschaft und an den Universitäten etwas schneller voran zu kommen und Boden zu gewinnen. (Übrigens mehr als für African-Americans, für die "Affirmative Action" ursprünglich ersonnen war.) In 2000 wurde die bevorzugte Behandlung von Frauen bei gleicher Qualifikation (ebenso wie von "rassischen Minderheiten") in Kalifornien als erstem Bundesstaat abgeschafft. Andere folgten und werden in der Zukunft folgen. NOW konnte keine machtvolle Gegenbewegung in Gang setzen.
"Affirmative Action" Programme haben die politische Vertretung von Frauen durch Frauen nicht verbessert: sie stellen noch immer nur eine kleine Minderheit im Congress und in den "Häusern" der Bundesstaaten. (Senate 13 von 100 = 13%, House 62 von 435 = 14%; Governors 6 von 50 = 12%, davon 2 nicht gewählt sondern ernannt.)
"Gender Mainstreaming" als politische Forderung wird nicht erhoben. Nur die UNO hat ihre eigenen Organisationen darauf verpflichet.

4. Feministische Theorie und Politik ist parteilich: Frauen wollen (und sollen) als Gruppe, 
die im Patriarchat benachteiligt ist, durch politische, rechtliche, kulturelle, wissenschaftliche und soziale Auseinandersetzungen ihr Recht erlangen, als volle Menschen am gesellschaftlichen Prozess sich zu beteiligen und ihr Leben entsprechend ihren persölichen Fähigkeiten zu gestalten. Die Frage, ob Frauen und Männer grundsätzlich verschieden oder gleich sind, muss nicht beantwortet werden, um diesen Kampf aufzunehmen.
Gender Mainsteaming ist neutral: Kein Geschlecht wird (scheinbar) bevorzugt. Benachteiligungen und Bevorzugungen werden nicht auf patriarchalische Machtverhältnisse zurückgeführt.

5. "Gender Mainstreaming", eine Forderung der Welt-Frauen-Konferenz in Peking 1995, 
strebt an, dass beide Geschlechter mit gleichem Gewicht in allen gesellschaftlichen Fragen eine Rolle spielen. Davon sind wir nach wie vorallerdings weit entfernt. Frauen werden weiterhin als der "Sonderfall" betrachtet. Wir beschäftigen uns (zu Recht!) damit, wie wir Frauen fördern, wie wir die weltweite Benachteiligung von Mädchen abschaffen können; wie Geld und andere Resourcen in weibliche Hände geraten, und wie wir die politischen Entscheidungen zugunsten von Frauen beinflussen können. Wir schauen auf die "Unterbewertung" von Frauen.

Zwar sind Männer, insbesondere "Männlichkeit", inzwischen auch zum Studienobjekt geworden; die Tatsache aber, dass Männer generell überbezahlt, überrepräsentiert und überbewertet werden, dass sie sich nicht eignen als Maßstab für die Menschheit, ist noch immer nicht allgemein anerkannt. Wir schauen nicht auf die "Überschätzung" von Männern.

Solange wir noch so viel Ungleichheit zu bekämpfen haben, kommt mir "Gender Politics" wie Etikettenschwindel vor. Ich bleibe vorläufig bei Feminismus.

 

Prof. Dr. G. Spieß:
Feminismus Adé? Genderpolitcs welcome? Eine Diskussion in Ost und West

Ein Blick zurück:
Feminismus bedeutete für uns Frauenbewegte der Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung. Das Patriarchat sollte abgeschafft werden, "bevor es uns abschafft".... jedenfalls im Westen Deutschlands. - Für die meisten Frauen in der DDR dagegen war der Feminismus spalterisch, gegen das Kollektiv und den Mann gerichtet. Sie verstanden sich als ökonomisch unabhängig und gleichberechtigt.

Festzustellen ist heute: die westdeutsche Frauenbewegung führte zu vielen praktischen Erfolgen von der Frauenprojektbewegung bis hin zur institutionellen Gleichstellungspolitik. Doch der große Umbruch im Geschlechter- Machtgefälle und der Verteilung von Geld und Einfluss blieb aus. Ist die Schlussfolgerung: Feminismus Adé, Gender Mainstreaming her!

Feminismus Adé - stattdessen eine Geschlechter- Revolution von oben?
Zur Geschichte und zum Anspruch: "Gender Mainstreaming" wurde während der Weltfrauenkonferenz in Nairobi 1985 geboren, in Peking 1995 weiterentwickelt und im Amsterdamer Vertrag von 1999 festgeschrieben. Für die Europäische Union, also auch Deutschland, soll Gender Mainstreaming qua Gesetz für die gerechte Verteilung der Ressourcen Geld, Zeit und Raum sorgen. Bisher wurden Entscheidungen nach den Kriterien -Sachgerechtigkeit - Machbarkeit - Kosten getroffen. Gender Mainstreaming will die Kategorie "Geschlecht" systematisch als Prüf- und Handlungsauftrag einbringen. Der Dreierschritt des "Gender TÜVs" ist feststellen des Bedarfs an Geschlechtergerechtigkeit, beheben des Gleichstellungsdefizit, überprüfen, ob sich was im Sinne der Chancengleichheit verändert hat.

Gender Mainstreaming hat weitere Vorteile, es macht die Geschlechterdiskriminierung zum Bestandteil des normalen politischen Geschäfts. Der Auftrag Chancengleichheit ist nicht länger eine Frage des guten Willens Einzelner, keine Frage der Arbeitskapazität oder des Ideenreichtums der Frauenbeauftragten, sondern er ist Gesetz. Die Führungskräfte eines Ressorts werden für die Umsetzung verantwortlich gemacht. In hierarchischen Institutionen ist das "Gold wert". Gender Mainstreaming entspannt zudem die Auseinandersetzung im Geschlechterverhältnis! Die Genderperspektive sucht nicht nur nach den Unterschieden, sondern auch nach den Gemeinsamkeiten; sie schließt Männer ein, indem sie nach dem "Arrangement im Geschlechterverhältnis" fragt.

Ist die Schlussfolgerung: Feminismus und Genderpolitik fließen zusammen?

Die Frage, ob der große Gender- Strom den "feministischen Wildbach", der auch in Deutschland so mitreißend war, verdrängt, beantworte ich mit Nein! Die eine Strömung ist aus der anderen entstanden - beide sind aufeinander verwiesen. Feministischer Druck von unten und der Handlungsdruck von oben ergänzen sich. 

Gender Studien und Geschlechterverhältnisse im Widerspruch zwischen Gleichheit und Differenz

Der allgemeine Paradigmenwechsel von den Feministischen Studien oder den Frauen- zur Genderforschung spiegelt sich auch in der Namensänderung unseres Schwerpunkts: die Frauen- und Mädchenarbeit wurde zum Schwerpunkt Geschlechterverhältnisse. Das Lehrangebot hat sich dadurch nicht verändert. Die Geschlechterfrage wird in eigenen Lehrangeboten, aber auch interdisziplinär in den restlichen Angeboten berücksichtigt.

Die Studierenden verbinden heute mit dem Begriff Feminismus u.a. Selbstbestimmung, politische Freiheit, Emanzipation, Autonomie, und "Besinnung auf die eigene Notwendigkeit" (Umfrageergebnisse vom 19.12.01). Die Einschätzung entspricht dem Ergebnis einer bundesdeutsche Umfrage durch das Allensbacher Institut. Die Hälfte der befragten 16- bis 29jährigen reagierte spontan positiv auf das Wort Feminismus. Wahrend der Begriff "Gender" große Verständnis- und Akzeptanzprobleme hat, ist der Begriff Feminismus keineswegs "out".

Trotzdem: nach wie vor muss der Schwerpunkt gesichert werden. Denn trotz der allgemeinen Akzeptanz bei Studierenden und Lehrenden, trotz interdisziplinären Repräsentanz des Themas "Geschlecht" und des persönlichen Nutzens, den auch die männlichen Lehrenden durch die Frauenförderung erfahren, bleibt das Lehrgebiet "Gender" in der Wissenschaft labil und die Verhältnisse sind nach wie vor ungesichert (eine Thema wie "empirische Sozialwissenschaft" steht dagegen "fest").

Rahmenbedingungen von Gender Studien im "Frauenstudiengang" Sozialarbeit

Interessant ist der Blick auf die Geschlechterverhältnisse im Fachbereich Sozialwesen. Sie bilden den "heimlichen Lehrplan" von Gender Studien. 
Sozialarbeit/ Sozialpädagogik ist ein Frauenberuf, das Studium ein Frauenstudium . Die Mehrheit der Studierenden im Fachbereich Sozialwesen sind Frauen. Ihre künftige Arbeit wird sich hauptsächlich an Frauen richten. Die weibliche Mehrheit studiert jedoch mehrheitlich bei Professoren, hat also männliche Vorbilder und wird auf den Frauenberuf der Sozialen Arbeit durch Männern vorbereitet. 

Männliche Studenten bereiten sich als deutliche Minderheit auf einen Frauenberuf vor. Allerdings erhalten sie (aus der Sicht der Studentinnen) eine überproportional hohe Aufmerksamkeit von den Lehrenden. Berufsstatistiken zeigen darüber hinaus, dass sie es sind, die künftig die meisten Führungspositionen einnehmen.

Eine "Arbeitsteilung" fällt bei den Lehrenden auf: die Frauen engagieren sich in den Gremien sie halten das Haus in Ordnung. Die Männer engagieren sich deutlich mehr (als Frauen) aushäusig, z.B. in der Forschung und veröffentlichen mehr. Männliche Lehrende nutzen aktiv die von Frauen erkämpften Mittel der Frauenförderung. Sie beantragen Projekte und fördern wiederum den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs. Der wiederum wird von Männern sozialisiert. 

In den Gender Studien gerät die Geschlechter - Ordnung in Unordnung

Gender Studien bringen aus meiner Sicht eine Reihe von Widersprüchen mit. Ein Grundwiderspruch ist: Die Forderung nach Geschlechter- Gleichheit beinhaltet zugleich die Entdeckung und Betonung von Geschlechterunterschieden. Das Ziel "Genderthinking" schließt ein, das bipolare Denken zu verändern. Gleichzeitig wird diese Bipolarität in der Lehre betont. Konkret: Wir klären über die geschlechtsspezifische Diskriminierung (oder Privilegierung) auf und fordern auf, die Geschlechterkategorie zu "dekonstruieren".... also das, was viele Studierenden gerade erst entdeckt haben.

Die Lehre thematisiert vor allem Mißstände zwischen den Geschlechtern. Die Häufung des strukturellen Unrechts, von Ungleichheit, Herrschaft und Unterdrückung ruft Abwehr hervor.

Die Fakten der Geschlechter- Ungleichheit und der Unterdrückung stoßen ab, und die Lehre schafft Distanz zwischen den Studierenden, die jedoch in einem Alter der sexuellen Anziehung sind.

Die Umsetzung von Menschenrechten erfordert, für entrechtete Frauen Partei zu ergreifen. Die Parteinahme schließt die Ablehnung derjenigen ein, die diese Menschenrechte oft so grausam antasten: Männer, Männerbünde. Frauenparteilichkeit stört den scheinbaren "Geschlechterfrieden".

Gender Studien erfordern m.E. eine Menge an meta-kommunikative Strategien! Ob die Studien nun Frauenstudien, bzw. feministische Studien oder Gender Studien genannt werden, beide Perspektiven bergen eine Menge Konfliktstoff in einem konflikthaften Geschlechter-Umfeld. Ins Licht geraten so oder so die Geschlechterhierarchie, die Bevorzugungen und Benachteiligungen, Macht- und Ohnmachtsverhältnisse, Recht und Unrecht. Die Lehre - ob nun von den Frauen ausgehend oder von der Genderperspektive - führt gleichermaßen zum "alten" Gleichheitspostulat und zu den Frauenrechten. 

Gender Studien bereiten den Boden, ungerechte Verhältnisse zu erkennen und zu verändern. Dabei sind der Gleichheitsanspruch und das Entdecken der Differenzen die Inhalte und zugleich die Instrumente, die sich in Forschung und Lehre gegenseitig bedingen.
Ich komme daher zum guten Schluss: feministische Studien und Genderstudien sind - mit der nötigen Wachsamkeit - beide willkommen!


Partner

Die Frauenbeauftragte der LMU München, Frau Dr. Mitzdorf



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