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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

04.12.2017 bis 09.12.2017

Grenzgaenge: Mut zu Widerstand und Vielfalt

 

Das Grenzgaenge Filmfest zeigte elf Filmprojekte, deren gemeinsamer Kristallisationspunkt es ist, Grenzen in ihren verschiedenen Bedeutungen und Dimensionen nachzuspüren. Die Filme zeichneten Bilder und Perspektiven aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Sie zeigten Menschen, die in kleinen Alltäglichkeiten oder in global gedachten Maßstäben Mut beweisen, Vielfalt verteidigen oder Widerstand leisten. Die Filmgespräche und Veranstaltungen erzählten Geschichten von Menschen, die auf der Suche sind und dabei Möglichkeiten finden, mit Hürden umzugehen und Grenzen zu überwinden. Sie hielten Eindrücke fest, die Impuls sein können zu Reflexion und aktivem Handeln. 

Ziel aller Filme war es, die Potentiale und die Bereicherung von Diversität zu erkennen. So sollten Gemeinsamkeiten zu einem Mitglied einer bislang diskriminierten Gruppe erkennbar und Handlungsansätze für bestehende Problematiken gefunden werden.

Bei vier der Filmvorführungen waren außerdem externe Gäste eingeladen, die zu einer Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung standen. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung mit dem Film "Women Sense Tour" waren auch die beiden Regisseurinnen Sarah Zouak und Justine Devillaine anwesend. Sie waren ein halbes Jahr mit der Kamera durch sechs muslimisch geprägte Länder gereist, um dort feministische Muslima zu porträtieren. Auf dem Filmfest zeigten sie die erste Etappe, Marokko. In der Diskussionstand nicht nur der  Film selbst zur Debatte, sondern auch die Situation von Muslima in Frankreich und die Korrelation zwischen Feminismus und dem muslimischen Glauben.

Im Anschluss an den Film "Gayby Baby" konnte mit Vertreter*innen der Münchner Organisation LesMamas und von Pro Familia Passau über die Erfahrungen von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert werden. 

Zu dem georgischen Film "I didn’t cross the border, the border crossed me", der sich mit dem Grenzkonflikt zwischen Georgien und Südossetien befasste, war der Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik, Prof. Dr. Bernhard Stahl der Universität Passau, als sachkundiger Gesprächspartner eingeladen. Er gab nicht nur grundlegende Informationen zum Grenzkonflikt, sondern trug auch dazu bei, die subjektive Wahrnehmung der in der Dokumentation dargestellten Protagonisten kontextuell einzubetten.

Im Anschluss an die Dokumentation "Seefeuer", die sich mit dem Zusammenleben von Geflüchteten und "Alteingesessenen" auf der Insel Lampedusa beschäftigt, war es ein Repräsentant der Organisation SeaWatch, der die Fragen des Publikums zur Seenotrettung und zur anschließenden Unterbringung von Geflüchteten beantwortete.

Vor der offiziellen Eröffnung des Filmfests fand bereits eine Filmvorführung der Dokumentation "Tomorrow" statt, die vor allem an Schulklassen gerichtet war. Die Kooperation mit einer Schulklasse und einer Schülervertretung sah in einem ersten Schritt das gemeinsame Schauen der Dokumentation vor, die sich in fünf Kapiteln mit globalen Problemen beschäftigt und lokale Lösungsansätze und Projekte vorstellt. In einem zweiten Schritt fanden in der Woche nach dem Filmfest zweistündige Workshops mit den einzelnen Schulklassen statt, in denen sich die Schüler*innen vertieft mit den einzelnen Kapiteln des Films beschäftigten.

Zum Abschluss der Filmfest-Woche wurde erstmals ein "Public Living Room" im Cafe Museum durchgeführt. In insgesamt zwei Durchläufen wurde hierbei die Kurzfilmreihe "Out of Place" gezeigt, ein deutsch-israelisches Filmprojekt mit vielfältigen Themen wie Religion, Behinderung oder Migration. Das Konzept des Public Living Room ermöglichte es den Anwesenden, in entspannter Atmosphäre die gezeigten Filme zu diskutieren.

Empfohlene Weblinks

filmfestgrenzgaenge.wordpress.com

Veranstaltungsort
Passau


Partner

AStA/SprecherInnenrat der Universität Passau


Art der Veranstaltung
Filmfest



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13.10.2017 - 20:00

Die Anden

Fairer Handel - Trekking - Schamanismus: Multivisionsshow

Die Verbindung von grandioser Berglandschaft, persönlichen Reiseerlebnissen und Fairem Handel macht den besonderen Reiz der Multivisionsshow aus. Mit ausdrucksstarken Fotos entführen Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner die Zuschauer in die eisigen Höhen der Anden. Für den Vortrag haben sie sieben Reisen nach Peru, Bolivien und Chile unternommen.

Im Valle Sagrado besuchten die beiden Fotojournalisten mystische Inka-Ruinen und eine Kleinbauernfamilie, die fair gehandelten Kaffee mit dem sagenumwobenen Namen Machu Picchu produziert. Sie schlenderten durch Cuscos reich verzierte Kolonialkirchen, stiegen in eine Fairtrade-gesiegelte Goldmine hinab, tauchten in Perus farbenprächtigsten Karneval ein und schliefen auf einer Schilfinsel im tiefblauen Titicacasee.
Nach einer viertägigen Trekkingtour in Boliviens abgelegener Apolobamba-Region zelebrierte ein Kallawaya-Arzt ein bewegendes Opferritual für die zwei.
Dass der Faire Handel nicht nur Armut reduzieren, sondern auch uralteTraditionen bewahren kann, erlebten Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner beim Besuch von Aymara-Indigenas, die am Ufer des gigantischen Salar de Uyuni das Wunderkorn Quinoa kultivieren.
In der glasklaren Luft der Atacamawüste war das Fotojournalisten-Duo von spuckenden Geysiren, malerischen Lagunen und den wissenschaftlichen Sternwarten ALMA und La Silla begeistert. Weiter im Süden Chiles verkosteten die beiden bei Kleinwinzern fair gehandelten Wein, und sie lebten ein paar Tage naturnah mit Mapuche-Indigenas in einem winzigen Dörfchen.
Die Multivisiossshow ist eine Kombination aus faszinierenden Fotos auf Großleinwand, live erzählten Geschichten, stimmungsvoller Musik und Originaltonaufnahmen. So entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, die die Zuschauer zum entspannten Globalen Lernen, Schmunzeln, Genießen und Träumen einlädt.

ReferentInnen

lobOlmo
Michael Wolfsteiner und Jutta Ulmer (Freie Journalisten und Fotografen)

Veranstaltungsort
Bayreuth, Evang. Gemeindehaus, Großer Saal, Richard-Wagner-Str. 24


Kosten
AK: 10.- / 6.- (erm. für Studierende); im VVK: 9.- / 5.- (erm. für Studierende)


Partner

Weltladen Bayreuth "Die Brücke" e.V.


Art der Veranstaltung
Multivisionsshow



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08.10.2017 - 10:00 bis 18:00

Togetthere-Xperience

Aktionstag in der Pinakothek der Moderne

Mit dem Aktionstag Togetthere-Xperience öffnete die Pinakothek der Moderne ihre Türen für ein außergewöhnliches Format: In interaktiven Talks, Workshops und neuen Formaten der Kunstvermittlung wurden aktuelle, soziale Themen erörtert und erfahrbar gemacht. Weltweite Veränderungen in allen Bereichen – Umwelt, Ressourcen, Gesellschaft, Bildung und Kultur etc. – machen eine direkte Auseinandersetzung mit den Themen sowie einen interkulturellen Dialog erforderlich. Und so konnte Togetthere-Xperience als Seismograph für gesellschaftliche Verantwortung diesem Aufruf zum Dialog viele Stimmen verleihen. 

Über 7.000 Besucher*innen, bunt gemischt nach Alter, Herkunft und Geschlecht, konnten RednerInnen und Projekte kennenlernen, die zum Gelingen einer besseren Welt beitragen. Im Folgenden können wir nur einen kurzen Überblick über Ablauf, Projekte und Referent*innen geben. 

Von 10 bis 18 Uhr wurden parallele Aktivitäten angeboten:

INTERACTIVES: Mitmach-Angebot im Vermittlungsraum: Ohne Vorkenntnisse an einem gemeinschaftlichen Bild mitzuwirken, das über den Tag hinweg entsteht.

ART POINTS: Führungslinie zu ausgewählten Ausstellungsstücken des Museums und Angebot von Darstellern unterschiedlichen Alters, mit einandern ins Gespräch zu kommen, um das Werk gemeinsam zu erfahren.

HIGH WIRE: Mitmach-Aktion in der Rotunde (im Wechsel mit den Bee Moves): Ein Stern aus Seilen trägt, aber nur wenn sich viele beteiligen.

BEE MOVES: Tänzerinnen und Tänzer mit einer Interpretation des Bienentanzes.

Kinder können Kunst: Für jeweils eine Stunde zwischen 13.00 bis 17.00 Uhr erleben Kinder zwischen 5 und 12 Jahren das Museum und werden auch selbst kreativ tätig.

Ein Hauptelement waren die Talks auf der großen Treppe, moderiert von Dietlinde Behnke, die durch rege Diskussionen mit dem Publikum bereichert wurden.

10:30-11:30 GESELLSCHAFT

10:30-10:45 – Sozialstaat der Bienen
Gespräch mit Viktoria Schmidt,Gründerin/Geschäftsführerin nearBees – Honig von Nebenan

10:50-11:00 – Wie sozial ist Design?

Was ist ehrliche Nachhaltigkeit?
Gespräch mit Konstantin Landuris, Designer, Gründer OTTO BAR, München

11:00-11:15 – Lasst uns gemeinsam eine Gesellschaft der Zukunft gestalten
Gespräch mit Dr. Elisabeth Hartung, kunst-buero, München

11:15-11:30 – Artificial Intelligence: How does it help society?
Statement by Prof. Dr. Gordon Cheng, TUM Lehrstuhl für Kognitive Systeme, München

11:30-12:30 UNGLEICHHEIT

11:30-11:45 – Ungleichheit philosophisch überwinden?
Gespräch mit Dr. Celina von Bezold, Mitbegründerin „street philosophy“, München

11:45-12:05 – Wie überlebt man 134 Jahre?
Gespräch mit Gerhard Müller-Rischart, Medaille „München leuchtet“ in Gold, Bundesverdienstkreuz

12:05-12:10 – Wo ist Sport sozial?
Gespräch mit Anica Heinlein, Marathon-Staffel-Läuferin „CARE für Menschen in Not im Jemen“, Bonn

12:10-12:30 – Wie müssen wir uns vermitteln?
Gespräch mit Jochen Meister, Leiter des Referates Kunstvermittlung

13:30-14:45 KULTUR

13:30-13:50 – Wer bekommt am Ende den letzten Stuhl?
Gespräch mit Dr. Angelika Nollert, Direktorin Die Neue Sammlung – The Design Museum

13:50-14:05 – Die Flucht und der Krieg: Wie die Literatur hilft
Poesie Lesung von Yamen Hussein, Syrischer Schriftsteller, Journalist und PEN. Stipendiat, München

14:10-14:25 – Die Kunst des Widerstands
Kulturarbeit in der Sahara Vision von Désirée von Trotha, Autorin, Fotografin und Filmemacherin,

14:30-14:45 – Joseph Beuys: Kunst = Gesellschaft
Gespräch mit Prof. Dr. Bernhart Schwenk, Kurator für Gegenwartskunst, Pinakothek der Moderne

15:00-16:00 RESSOURCEN/UMWELT

15:00-15:15 – Disrupting hunger: How entrepreneurs can solve the world‘s greatest challenge
Talk with Alex Sloan, Communications Consultant @UN World Food Programme (WFP)

15:15-15:25 – Wer pflanzt heute einen Baum?
Statement von Botschaftern „Plant-for-the-Planet“, München

15:30-15:45 – Zero waste
Gespräch mit Hannah Sartin,Gründerin „Ohne – der verpackungsfreie Supermarkt“,

15:45-16:00 – Was ist eine Stadt?
Gespräch mit Mathieu Wellner, Architekt, Mitwirkender der Ausstellung „Does Permanence Matter?"

16:15-17:00 KONFLIKTE

16:15-16:30 – Trauma und Migration
Gespräch mit Dr. phil. Alexandra Liedl, Psychotherapeutin, REFUGIO, München

16:30-16:40 – Mein Leben in München
Gespräch mit Festus Ogieayevbona, Bäcker/ Asylbewerber aus Nigeria, und Betreuerin Sonja Kramer

16:40-17:00 – Haben Kinder eine Zukunft in der Altersgesellschaft?
Thesen von Prof. Dr. med. Stefan Burdach, Direktor der Klinik und Chefarzt Kinderklinik München

17:15 ABSCHLUSS: Statement in Form eines Poetry-Slam-Textes von Meike Harms (Poetry Slam, Bayerische Meisterin 2014)

Empfohlene Weblinks

www.sueddeutsche.de/kultur/togetthere-xperience-rein-in-den-elfenbeinturm-1.3695599

www.youtube.com/watch

www.youtube.com/watch

Veranstaltungsort
München, Pinakothek der Moderne


Partner

Pinakothek der Moderne


Art der Veranstaltung
Aktionstag



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04.10.2017

"Meine Seele kriegt ihr nie!"

Als Geisel verschleppt, gefoltert und zum Islam gezwungen

Der aus Kanada stammende Jurist und Philosoph Carl Campeau (im Bild sitzend ganz links. Am Redepult der Schauspieler Burchard Dabinnus, der einige Passagen aus dem unlängst auf Deutsch erschienenen Buch vortrug) ist seit fast 20 Jahren für die UN in den gefährlichsten Ländern der Welt im Einsatz. In Syrien wurde er 2013 von der al-Nusra-Front entführt, gefoltert und gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Nach acht Monaten gelang ihm die Flucht. Zunächst gelangte er in ein Gebiet, das von der syrischen Armee kontrolliert wurde. Von dort schaffte er trotz großen Misstrauens (so gab es den Verdacht, er sei ein israelischer Spion) den Weg in die Freiheit.

Dieser Weg kreuzt sich mit dem eines seiner Geiselnehmer, der als anerkannter Flüchtling in Deutschland aufgenommen worden war. 2016 kommt es zum Prozess gegen den jungen Syrer wegen erpresserischen Menschenraubs und Kriegsverbrechen in Syrien. In der Woche vor der Veranstaltung wurde das Urteil gefällt: Sein Geiselnehmer hat eine Strafe von dreieinhalb Jahren Gefängnis bekommen.

Seine persönliche Geschichte veranschaulicht die psychologischen Aspekte solcher Erfahrungen und wie die Beziehungen in der Region kompliziert sind: seine Beziehung zu den Geiselnehmern, deren religiöse und militärische Vorstellungen (beispielsweise auch den Zivilen gegenüber) wurden thematisiert. Besonders interessant war seine Erfahrung, wie die Terrors-Organisation gezielt die "social media" einsetzen: Seine Geiselnehmer hatten ein Video von ihm gedreht, in dem er so tun sollte, als ob man ihm eine Beine amputiert hätte. Und er hat sich bemüht, zur Glaubwürdigkeit dieses Videos beizutragen, um seine Befreiung zu begünstigen. Er konnte dieses Video sogar während der Veranstaltung zeigen, weil es bei der UNO gelandet war, um die kanadische Regierung und die UNO selbst dazu zu bewegen, ihn freizukaufen.

In der Diskussion mit dem Publikum wurden einige kritische Punkte angesprochen: die Haltung von Campeau gegenüber dem Islam und seine Ängste vor den Flüchtlingsströmen nach Europa und die Schwierigkeit, zu überprüfen, welche Personen dem islamistischen Terror angehören. Dabei stellte Campeau klar, dass er sich für keinen Islamexperten hält und deutlich zwischen dem Islam und diese radikalisierten Form unterscheidet. Zur Flüchtlingspolitik und den juristischen Rahmenbedingungen der Terrorismusbekämpfung konnte er im Hinblick auf den Prozess in Stuttgart berichten (wo er als Hauptzeuge auftrat): Dieses Verfahren basierte auf einem Gesetz, dass eine internationale Jurisdiktion für Kriegsverbrechen in Deutschland ermöglicht. Dieses Gesetz wurde bislang nur selten angewandt, könnte aber in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Terrorismusbekämpfung spielen.

ReferentInnen

Carl Campeau
Jurist und Philosoph, Mitarbeiter der UN, Einsätze in Bosnien, Albanien, Kosovo, Liberia, Syrien

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München

Landesverband Bayern der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen


Art der Veranstaltung
Buchvorstellung



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02.10.2017 - 19:45

Doktor Murkes gesammeltes Schweigen | Doktor Murkes gesammelte...

100 Jahre Heinrich Böll

Als geniale Satire auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entstanden diese beiden Filme nach den Erzählungen von Heinrich Böll in den Jahren 1963/64 beim Hessischen Rundfunk, der mit seinem Frankfurter Funkhaus auch gleich den Schauplatz lieferte. 

Mitte der fünfziger Jahre in einer Rundfunkanstalt der Bundesrepublik. Im Spannungsfeld zwischen Sportsendungen und Quizshows versucht sich die Kulturredaktion zu behaupten. Erschwert wird dies durch „Koryphäen der Kultur“, die ihre Textbeiträge aus der Zeit des Nationalsozialismus für die Gegenwart „aktualisiert“ haben möchten. Dr. Murke, Redakteur der Kulturabteilung einer solchen Rundfunkanstalt, sammelt Tonbandsequenzen, auf denen nicht gesprochen wird. Für ihn haben Worte mit ihrer technischen Manipulation durch den Rundfunk ihren Sinn verloren. Die Sprache hat sich zur Verkaufsware entwickelt. Nur das Schweigen besitzt noch Aussagekraft.

Ein Jahr später wurde Dr. Murke zum Fernsehen befördert: dort arbeitet er in der Abteilung für Nachrufe. Um auf Todesfälle bekannter Personen tageskatuell reagieren zu können, wird fleißig im Voraus produziert.

 

 

ReferentInnen

Markus Schäfer
Heinrich-Böll-Archiv, Köln

Veranstaltungsort
Regensburg, FilmGalerie - Kino im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9


Kosten
8,- Euro


Partner

Arbeitskreis Film e.V.


Art der Veranstaltung
Filmvorführung mit Gespräch



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27.09.2017 - 19:00

Tigris Rebellen

Filmvorführung und Gespräch mit Nedim Hazar

1978 erklärten feudale Großgrundbesitzende einem kleinen Dorf in den kurdischen Gebieten der Türkei den Krieg. Sie wollten sich die Ländereien der Dorfbewohner_innen aneignen, die wenige Jahre zuvor noch in Höhlen lebten und sich zur Wehr setzten. Damit begann die unendliche Rebellion der 380 kurdischen Bewohner_innen von Schkefta am Fluss Tigris.

Repression, Krieg und Verhaftungen durch die Armee formten die letzten Jahrzehnte und dennoch entwickelte sich Schkefta zum vermutlich schönsten Dorf am Tigris. Dann kam der Bau des Ilisu-Staudamms 60 km flussabwärts. Wenn er in Betrieb geht, werden über hundert Dörfer, darunter Schekfta und die benachbarte antike Stadt Hasankeyf überflutet.
In dieser Phase trafen die Bewohner_innen Schkeftas mit dem türkisch-deutschen Dokumentaristen Nedim Hazar und seinem Team zusammen. Gemeinsam begaben sie sich auf eine 18-monate-lange Filmreise, angefangen von ihrer eigenen Geschichte, über Ereignisse des armenischen Völkermordes, bis hin zum Krieg in Syrien und der aktuellen autoritären türkischen Politik. Mit Stationen u.a. in einem irakisch-kurdischen Flüchtlingslager und dem damals umkämpften Kobane erzählt dieser Film die Geschichte von einfachen Menschen, die darauf bestehen – wie der Dichter sagt – zu “Leben! Frei und einzeln wie ein Baum, brüderlich wie ein Wald.”

ReferentInnen

Nedim Hazar
Dokumentarfilmer, Künstler und Journalist

Veranstaltungsort
Augsburg, Liliom Kino, Unterer Graben 1


Kosten
8,50/ erm. 7,00 Euro


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung


Art der Veranstaltung
Filmvorführung mit Gespräch



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22.09.2017 bis 08.10.2017

AusARTen 2017

Perspektivwechsel durch Kunst

2017 steht das Festival unter dem Motto „Ausgrenzung und Diskriminierung? Ohne uns!“. Dabei wird aus künstlerischer und fachspezifischer Perspektive sowohl die Diskriminierung und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft als auch unter Muslimen beleuchtet.
AusARTen ist ein Projekt, bei dem sich alles um Kunst dreht. Das Projekt zeigte: Deutsche und europäische Muslime haben ein tiefes, erfrischendes Potential. Sie sind mehr als das Objekt von Kopftuchdiskussionen. Muslime bereichern Deutschland und Europa mit ihrer Arbeit, ihrem Glauben, ihrer Lebensgeschichte, ihrer Kreativität und ihrer Kunst. Und für ihre Kunst, Tanz, Fotografie, Calligraffiti, Poetry-Slam, Musik, Film, Theater und vieles mehr bieten wir im Rahmen unseres AusARTen eine Bühne um sich zu entfalten.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Flyer und auf der Facebook-Seite des Festivals.

Veranstaltungsort
München, Münchner Forum für Islam e.V., Hotterstraße 16


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Kritisch Denken


Art der Veranstaltung
Festival



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16.07.2017 - 11:00

Dance Mob

 

Am 16. Juli ertönte Musik über dem Max-Josephs-Platz – gesungen von Kantor Nikola und gespielt von den Klezmer-Gruppen Massel Tov und Music for One God. Dazu tanzten Menschen in all ihrer Vielfalt: Juden, Muslime, Christen, Buddhisten und viele mehr, Afrikaner, Europäer, Asiaten, Hetero- und Homosexuelle, Professionelle und Laientänzer, Mitglieder von Scots Pipes and Drums und Reggae Bands...

Unser „Dance Mob“ warb für die Freude an einem immer stärkeren, weil immer bunteren Deutschland. Und wir settzen damit ein Zeichen gegen die um uns greifende Angst und Ausgrenzung. 

 

Veranstaltungsort
München, Max-Josephs-Platz



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17.06.2017

Identität Muslima

 

Migranten werden in Deutschland oft als muslimisches Kollektiv wahrgenommen. Wie viel Raum lässt das für individuelles Glück? Was hat das mit einem Respekt für andere Kulturen zu tun?

Wie die Moderatorin Soma Assad eingangs erläuterte, ist Identität in der Regel etwas Vertrautes. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, sehen wir uns identisch damit. Von Identität ist laut dem Soziologen Stuart Hall immer dann die Rede, wenn sie in der Krise steckt, wenn die vorher anerkannten Werte einer Gemeinschaft nicht mehr geteilt werden, die Selbstverständlichkeiten sich auflösen. Identität ist dann „dezentralisiert“ und „entortet“ und kann daher immer mehr zu einer politischen Ressource werden und umgekehrt wird Politik immer mehr zur Identitätspolitik. Identität wird also immer mehr angeeignet oder abgelehnt, um sich abzugrenzen und zu positionieren und auch genutzt, um politische Inhalte zu transportieren. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage was „Identität Muslima“ bedeutet. Ist „Identität Muslima" eine Fremd- oder Selbst-Zuschreibung oder beides? Ist sie eine Glaubensidentität oder eine kulturelle? Ist der Feminismus mit einer „Identität Muslima“ vereinbar?

Deniz Baspinar, die sich als muslimische Atheistin bezeichnet, erklärte, die „Identität Muslima“ entstehe durch den „Blick der Anderen“. Es werde also passiv festgelegt, was die Muslima so zur Projektionsfläche für Opfer von patriarchalen Strukturen mache. Die muslimische Identität wird allerdings auch angenommen, wobei vorher bereits bestimmte Werte vermittelt wurden. Es ist also beides. Das Problem ist laut Baspinar, dass die kulturelle Praxis sich im Islam mit der religiösen Praxis vermischt hat.

Die Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung, denn in Europa würden Muslima als „weibliche muslimische Terroristinnen“ ausgegrenzt. Ebenso erwähnte sie in der Gegenüberstellung von islamischen Ländern und Europa die Radikalisierung von Jugendlichen in Deutschland, wobei ihr von Merve Kayikci widersprochen wurde, die den Extremismus nicht im Zusammenhang mit dem Islam gesetzt sehen wollte.

Merve Kayikci sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung und begründete dies mit ihren eigenen Erfahrungen: wenn sie beispielsweise eingeladen wird, um über den „Islam“ zu reden, obwohl sie gar keine Islamwissenschaftlerin ist. Für sie wird die Islam-Debatte in der deutschen Öffentlichkeit zu emotional geführt. Sie erwähnte, dass ihr Lebensgefährte Atheist ist und sie selbst gläubige Muslima und das trotzdem klappt.

In der 90-minütigen Diskussion, bei der auch das Publikum mit beteiligt war, wurde deutlich, dass es auf die Frage nach der „Identität Muslima“ keine einfachen Antworten gibt. Dass es in muslimischen Communities gravierende Missstände gibt, wurde ebenso herausgearbeitet wie die Gefahr, Menschen mit ihrem Glauben zu identifizieren. 

ReferentInnen

Deniz Baspinar
Journalistin (DIE ZEIT), Psychotherapeutin
Merve Kayikci

Bloggerin
Khola Maryam Hübsch

Journalistin und Publizistin

Moderation: Soma Mohammad Assad (Politikwissenschaftlerin)

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Deutscher Humanistentag gGmbH


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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14.06.2017

Bischof sag, was soll ich lehren?

Campustour 2017

Konkordatslehrstühle sind Lehrstühle außerhalb der theologischen Fakultät, bei deren Besetzung die katholische Kirche ein Mitbestimmungsrecht hat. Meistens handelt es sich dabei um Lehrstühle für Philosophie, Gesellschaftswissenschaften oder Pädagogik. Diese Regelung geht zurück auf Verträge zwischen Staat und Kirche (Konkordate), die das Verhältnis zwischen Staat und Kirche regeln. In Bayern wurde dieser Vertrag 1924 zwischen dem Freistaat Bayern und dem Vatikan geschlossen. Er regelt unter anderem den Rückzug der Kirche aus der Lehrerausbildung. Im Gegenzug wurde ihr das Mitbestimmungsrecht bei der Besetzung von Lehrstühlen eingeräumt, die im weitesten Sinne zur Lehrerausbildung beitragen.

In Würzburg fällt je ein Lehrstuhl in der Politikwissenschaft, der Philosophie und der Pädagogik unter diese Regelung; andere bayerische Hochschulen mit Konkordatslehrstühlen sind Augsburg, Erlangen-Nürnberg, München, Passau, Regensburg und Bamberg. Außerhalb Bayerns gibt es in Freiburg und Mainz Konkordatslehrstühle.

Letztmalig wurde das Vetorecht im Fall der Philosophie-Professorin Ulla Wessel angewandt, die sich im Jahr 2007 auf den Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Universität Erlangen beworben hatte und abgelehnt wurde. Sie hatte sich in ihrer Dissertation mit dem Thema Abtreibung beschäftigt und eine Haltung vertreten, die der der katholischen Kirche widersprach. Ihre Klage gegen die Ablehnung wies das Bundesverfassungsgericht allerdings in letzter Instanz jedoch als unzulässig ab.

Die Bischofskonferenz verzichtet seit dem Jahr 2013 auf ihr Vetorecht. Die dieses Recht grundsätzlich garantierenden Verträge sind aber nach wie vor rechtskräftig. Aus der Bischofskonferenz selbst hieß es dazu im selben Jahr, das Konstrukt der Konkordatslehrstühle sei nicht mehr zeitgemäß.

Dennoch besteht die Kritik an dem Konstrukt der Konkordatslehrstühle weiterhin. Diese Kritik an bezieht sich vor allem auf Art. 33 (3) GG, in dem es heißt, dass das religiöse Bekenntnis einer Person deren Chancen bei der Zulassung zu öffentlichen Ämtern nicht mindern dürfe. Alleine die Möglichkeit, dass ein*e strittige*r Kandidat*in Kandidatin blockiert werden könnte, könnte bei manchen Lehrstuhlbesetzungen dazu führen, sich für einen andere Kandidaten zu entscheiden.

Diese Kritik wurde auch von Verena Osgyan geteilt, die Konkordatslehrstühle an Universitäten als ein Vehikel aus dem letzten Jahrhundert ansieht. Sie forderte deshalb, die bestehenden Konkordatslehrstühle zum nächstmöglichen Zeitpunkt in normale Lehrstühle umzuwandeln.

Burkhard Hose möchte das Problem der Konkordatslehrstühle, das durch den Verzicht der Bischofskonferenz faktisch nicht mehr aktuell sei, im größeren Kontext der Frage des Verhältnisses von Staat und Kirche betrachten. In einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft müsse offen darüber gesprochen werden, worauf sich der Dialog und auch die Zusammenarbeit von öffentlichen Einrichtungen und Religionsgemeinschaften gründe. 

Empfohlene Weblinks

www.campusgruen.de/aktuelles/10241043.html

www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Lehrstuehle-Podiumsdiskussionen;art735,9619031

www.wuerzburgerleben.de/2017/06/13/konkordatslehrstuehle-soll-kirche-ueber-lehrstuhlbesetzung-entscheiden/

ReferentInnen

Verena Osgyan MdL
Bündnis 90/ DIE GRÜNEN, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des bayerischen Landtags
Burkhard Hose
Bistum Würzburg, Hochschulpfarrer
Dr. Thomas Goppel MdL
CSU, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des bayerischen Landtags


Veranstaltungsort
Würzburg


Partner

Grüne Hochschulgruppe Würzburg


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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