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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

01.06.2017

„Wir sind noch nicht am Ende“

Veranstaltungsreihe: Eine Welt ohne Visionen geht zu Grunde

Ausgangspunkt der Veranstaltung war die These, dass es zwei Kulturen gebe, die miteinander in Konflikt geraten: die "alte" Kultur, die ausbeute aus und Kriege um Ressourcen führe, die "neue" Kultur, die auf Verbundenheit, Vielfalt, Potenzial-Entfaltung, inneren wie äußeren Frieden baue. Im Rahmen des Vortrag sollten dabei aktuelle Politik ebenso beleuchtet werden wie auch grundsätzliche Fragen und “tektonische“ Linien in der Gesellschaft werde.

Vor dem Hintergrund von NATO- und G7-Gipfeln zeigten - so der Referent - sich die deutlichen Gräben in der Bewertung der Werte. Dies eröffne eine "Diskussion um die europäischen Werte". In dem vom US-Präsidenten Trump verkündeten Ausstieg aus dem 2015 in Paris von 195 Staaten unterzeichneten Klimaschutzabkommen  sah G. v. Lüpke ein Anzeichen dafür, dass wir uns weltweit in einer Schwellen- oder Übergangsphase befinden, wie es auch schon die amerikanische Tiefen-Ökologin Joanna Macy beschrieben habe.  Diesen Wandel zur kulturellen Wende machte der Referent am Beispiel des Indian Reservation protest camps in Dakota deutlich. Ein anfänglich kleiner Widerstand gegen eine Pipeline sei Ausgangspunkt für eine weltweite Solidarisierung zum Wasserschutz geworden und habe letztlich zu einer Routenänderung der Pipeline geführt.

Geseko von Lüpke ist überzeugt, dass sich die Frage nach Krieg oder Frieden an den Konflikten in der Gesellschaft entscheide. Ein nachhaltiger Frieden brauche eine kulturelle Vielfalt, die Sicherung der Grundbedürfnisse und eine solide Umwelt. In diese Richtung habe sich in den letzten 60 Jahren schon die größte soziale Bewegung in der Geschichte der Menschheit vollzogen. Millionen von Menschen versuchten dies schon individuell zu erreichen und sich für Frieden, Frauenrechte, Umweltbelange und den Eine-Welt-Gedanken zu engagieren.

An verschiedenen Beispielen der letzten Jahrhunderte zeigte der Referent, dass von einer vermeintlichen Alternativlosigkeit" nicht gesprochen werden könne. Die getroffenen Entscheidungen allerdings führten in allen Fällen zur Abwertung der Natur. Die Folgen waren Patriarchat, Imperialismus, Rassismus und Sexismus. Diese fundamentale Wahrnehmungsstörung der westlichen Kultur führe dazu, dass wir uns nicht als Teil der Natur verstehen, sondern als abgetrennte Wesen, die sie ausbeuten und manipulieren können. So erkläre sich auch die Sichtweise eines Donald Trump. Er gelte als Inkarnation des alten Weltbildes, der aus Angst sich schwach zu zeigen, Mauern errichten müsse. Diese Haltung Trumps könne aber auch einen Chance sein und zu zivilem Ungehorsam führen. So habe sich allein in den letzten drei Monaten in den USA die Zahl der sozialen Initiativen verdreifacht, so wie M. Gandhi es forderte: „Du musst der Wandel sein, den du in der Welt sehen willst.“

An der Metapher der „Imagozelle“ machte G. Von Lüpke anschaulich, wie vereinzelte, verwundbare Zellen zu immer umfangreicher werdenden vernetzten Gebilden wachsen,  und letztlich eine komplette Verwandlung herbeiführen können. Was wir heute begreifen, schaffe die Möglichkeit, dass unsere Urenkel den Verwandlungsprozess beenden. Wir dürften nicht den Kopf verlieren in der Zeit der Unsicherheit, sondern sollten den Weg mit Einsicht, Empathie und Liebe begleiten.

In der anschließenden Diskussion wurde vor Schwarz-Weiß-Denken gewarnt und zur Überprüfung der eigenen Standpunkte aufgefordert. Europas neue Chance, z.B. beim Klimaschutz eigene Wege zu gehen, kam ebenso zur Sprache wie ein positives Resümee des Abends mit dem Vorsatz, die Grundgedanken an die eigenen Enkel weiterzugeben.

ReferentInnen

Geseko von Lüpke
Dr. rer. pol., geb. 1958, studierte Politologie und Ethnologie, arbeitet als Journalist für Rundfunk und Printmedien und ist Autor zahlreicher Buchpublikationen. Im bayerischen Rundfunk und anderen öffentlich-rechtlichen Funkhäusern machte er sich einen Namen durch Features über alternative Lebensformen, interkulturellen Dialog, ganzheitliche Wissenschaft und Spiritualität.

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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10.05.2017

„Mein Isl@m“

Vom radikalen Islamismus in die Freiheit

Der im Sudan geborene Amir Ahmad Nasr wuchs in Katar und Malaysia auf, kam früh mit dem radikalen Islamismus in Kontakt und konnte sich erst in einem langen Prozess der inneren Transformation daraus lösen. Seine Rettung waren das Internet, die neuen Medien und ein Netzwerk junger Aktivisten, die ihre eigene Tradition hinterfragten und schließlich zur Kraft hinter dem Arabischen Frühling wurden. Einige Jahre lang war er der Mann hinter dem ehemals anonymen Blog „The Sudanese Thinker“ und hielt dann seine Geschichte fest in dem nun vorliegenden Buch. Da er damit öffentlich und sein Name bekannt war, musste er Malaysia verlassen und ging nach Kanada. Dort lebt es heute mit seiner Frau, schreibt an einem Theaterstück und engagiert sich für Friedensprozesse und Menschenrechte weltweit.

Nasr reflektierte kurzweilig, geistreich und sachkundig über seine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam, die ihn über die radikale Ablehnung jedes religiösen Dogmatismus zu einem differenzierten Blick auf Religion und Spiritualität in unserer säkularen Welt führten. Seine Geschichte eröffnet den Blick auf eine ganze Generation junger Muslime, die sich mithilfe moderner Technologie an engen fundamentalistischen Strukturen vorbei ihren ganz eigenen Weg suchen.

Im hier verlinkten Facebook-Video spricht er darüber, wie die sozialen Medien ihm und vielen anderen jungen Muslimen 2006 eine öffentliche Stimme gegeben haben. Auch über die immer noch anhaltende revolutionäre Wirkung, die z. B. YouTube in Saudi-Arabien hat. Über die jungen Frauen in der arabischen Welt, die online die kulturelle Emanzipation wagen. Amir hofft, dass sie eines Tages in die politische Emanzipation umschlägt.

Empfohlene Weblinks

www.amirahmadnasr.com/blog/

ReferentInnen

Amir Amad Nasr
Blogger und Autor von Mein Isl@m 2016

Einführung und Übersetzung: Mike Kauschke

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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10.03.2017 - 18:00

Ende der Privatheit

Brauchen wir eine neue Reformation?

Die Reformation von 1517 ist undenkbar ohne die Medienrevolution des Buchdrucks. Sie hat Gesellschaft und Kultur fundamental verändert und das Individuum aus den Dogmen der Kirche befreit.
Heute ist es die Digitalisierung, die auf Gesellschaft und Kultur einwirkt, auf Sprache und Bilder, auf unsere Haltung zur Welt. Wird sie das Ende der Privatheit bringen, hat das Individuum ausgedient?

Die VS-Vorsitzende Eva Leipprand wies in ihrer Einführung zur Diskussionsrunde darauf hin, wie sehr sich die Zeiten ähnelten: „Wir leben in einer Umbruchszeit“, einer wie im 16. Jahrhundert. Schreibende, so Leipprand, stünden heute vor einer „besonders drängenden Frage“: Denn sie schafften „Bilder und Symbole“ für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. „Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Schrankenlose Möglichkeiten bei der Verbreitung ihrer Werke? Angst vor Überwachung und Anpassung?“

In ihrem Impulsreferat sprach Susanna Wolf von der Universität Erlangen über »(Digitale) Grundrechte stiften und erhalten: Vom Wertcharakter der Privatheit in liberalen Demokratien«. Sie strich die Angst vor Überwachung heraus – ein Risiko für die Pluralität. Es würde ein Konformitätsdruck erzeugt, also eine Verhaltensänderung. Zu fragen sei, was die Privatheit, ein Ideal der Französischen Revolution, heute wert ist und damit verbunden Würde, freie Entfaltung und das Recht auf Rückzug in die individuelle Privatsphäre. Susanna Wolf umriss die Ziele der »Charta der digitalen Grundrechte der EU«, an der Netzwerkaktivisten, Schriftsteller, Journalisten, Bürgerrechtler, Politiker und Wissenschaftler bis zum Dezember 2016 gearbeitet hätten – kein verfassungsgebender Text, sondern ein Diskussionspapier zu den Grundrechten in den europäischen Gesellschaften.

Die Probleme der Digitalisierung haben ethischen Charakter – das war die Kernaussage der Diskussionsbeiträge, vor allem des von Ulrike Schäfer, der Würzburger Schriftstellerin. Sie formulierte ihr Unwohlsein mit einem Eingeständnis und einer Fragestellung: „Den Zwiespalt zwischen Bürgerin und Nutzerin kenne ich gut, er verläuft mitten durch mich hindurch. Ich schlingere und arbeite mit Verdrängung. Nur dass die Verdrängung brüchig ist. Und dass die Frage vielfältig wiederkehrt. Nicht nur: Was machen andere mit meinen Daten? Sondern auch: Was mache ich mit den Daten anderer?“ Ausgehend von Erfahrungen mit der Digitalisierungsaktion im Jahr 2013 und der Charta von 2016 plädierte sie für einen breiten und umfassenden Widerstand „gegen staatliche und wirtschaftliche Ausspähung“, unter Vermeidung von Polemik und Häme untereinander. Und parallel dazu ein Streit um Lösungen der Frage: „Wie wollen wir die digitale Zukunft gestalten?“

Der Schriftsteller Andreas Heidtmann, der in Leipzig lebt und dort die Plattform „Poetenladen“ gründete, die heute als ein literarischer Buchverlag funktioniert, ist weitaus optimistischer. Er vertraut seinen Erfahrungen, auch den Büchern in „ansprechender Aufmachung“: Schriftstellerinnen und Schriftsteller „ohne Buch droht es früher oder später, im digitalen Nirwana zu verschwinden“. Die neuen Medien böten Dialogmöglichkeiten. Eine Demokratie sei im Gange. „Die Idee des Künstlerindividuums verblasst, und die Differenz zwischen Schreibenden und Lesenden verringert sich.“ Wie eine Ergänzung wirkten Susanna Wolfs Ausführungen: Der Prozess sei nur mit Bildung und Transparenz zu steuern; Datenschutz müsse ein Schulfach werden. Eindringlich empfahl sie den Schriftstellern, die »Charta der digitalen Grundrechte der EU« zu unterstützen.

In der sich anschließenden sehr lebendigen Diskussion wurden verschiedene Aspekte der vorher genannten Inputs aufgenommen und hinterfragt. Eines der Hauptthemen war der Frage gewidmet, wie wir unsere individuelle Privatheit retten können. Ebenfalls wurde in der anschließenden Diskussion zum Ausdruck gebracht, welche Rolle die Banken und IT-Konzerne spielen.

ReferentInnen


Impulsreferat
Susanna Wolf, M.A.
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Christliche Publizistik an der Universität Erlangen-Nürnberg

Diskussion
Ulrike Schäfer
Schriftstellerin
Dr. Werner Meixner
TU München, Institut für Informatik
Andreas Heidtmann
Schriftsteller

Moderation
Eva Leipprand
Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS)

Klavier
Udo Agnesens

Veranstaltungsort
Aschaffenburg


Partner

Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS)


Art der Veranstaltung
Diskussion



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02.02.2017 - 19:00

Hass, Menschenfeindlichkeit und Gewalt in Deutschland

Gesellschaftliche Ursachen und politische Gegenstrategien

 

Auf dem Podium: Werner Fröhlich, Dr. Florian Herrmann (MdL), Franziska Holzschuh (Moderation), Katharina Schule (MdL), Prof. Dr. Elmar Brähler

Deutschland heute: Die Zahl von Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund steigt, Ausländerfeindlichkeit und Hass-Parolen werden salonfähig, Rechtspopulisten erzielen ungeahnte Wahlerfolge. Wo liegen die gesellschaftlichen Ursachen für diese besorgniserregenden Entwicklungen? Wie kann und soll man damit umgehen? Welche politischen Handlungsmöglichkeiten und Strategien gibt es?

Wer die Langzeit-Studien kennt, die sich seit Jahren mit diesen Phänomenen beschäftigen, wird weniger überrascht sein. Die „Mitte-Studien“ und die Untersuchungen zur „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ haben immer wieder gezeigt, dass es ein erhebliches Potenzial für die genannten Haltungen und Einstellungen gibt.

Wir stellten die aktuellen Studien vor und diskutierten mit bayerischen Politiker*innen über die politischen Konsequenzen.

Prof. Dr. Elmar Brähler (seit Jahren der Kopf hinter den Mitte-Studien) stellte die wesentlichen Ergebnisse der aktuellen Untersuchung („Die enthemmte Mitte“) vor. Rechtsextreme Einstellungen und Ausländerfeindlichkeit haben – das zeigt vor allem Vergleich mit den Mitte-Studien der vergangenen Jahre – demnach nicht signifikant zugenommen, sondern bewegen sich auf einem seit längerem besorgniserregend hohem Niveau.  Was in der Tat zugenommen habe, ist die Lautstärke, mit der solche Positionen geäußert werden, und die Bereitschaft, diese auch öffentlich deutlich zu artikulieren. Auch die aktuelle Studie bestätigt zum wiederholten Mal die Tatsache, dass – einigermaßen paradox - die Ausländerfeindlichkeit dort am höchsten ist, wo es am wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund gibt.

Ergebnispräsentation (PDF-Datei)

Werner Fröhlich vom soziologischen Institut der LMU betonte, dass die ebenfalls 2016 durchgeführte Untersuchung zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland keine wesentlichen Unterschiede zur deutschlandweiten Mitte-Studie aufweise. Nur in einem Punkt gebe es eine signifikante Differenz: Obwohl in Bayern relativ viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, gibt es einen ziemlich hohen Prozentsatz  an Muslimfeindlichkeit (20%).  Dennoch könne keine Rede davon sein, dass es in Bayern ein umfassendes menschenfeindliches Weltbild gebe.

Was sehr stark zu Abwertungstendenzen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen fördere, sei eine starke Identifikation mit Deutschland, ein nationalistisches bis chauvinistisches Weltbild also. Faktoren, die solche Abwertungstendenzen abschwächen oder verhindern, sind das weibliche Geschlecht (Frauen haben eine signifikant niedrigere Tendenz zur GMF als Männer!) und ein hoher Bildungsgrad.

Ergebnispräsentation (PDF-Datei)

Katharina Schulze, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, wies darauf hin, dass die hohe Zahl fremdenfeindlicher und rassistischer Straftaten (auch in Bayern) zeige, dass rechtsextreme Einstellungen irgendwann in tatsächliche Handlungen umschlagen. Dies erfordere eine Reaktion in zweierlei Hinsicht: sicherheitspolitisch durch Verfassungsschutz und Polizei, demokratiepolitisch durch Aufklärung und Bildung. Insbesondere hinsichtlich des zweiten Punkts sah sie in Bayern noch erhebliche Defizite. „Demokratie ist etwas Großartiges, das muss erlebbar werden“, forderte sie. Für entsprechende Förderprogramme müsse deshalb endlich auch Geld in die Hand genommen werden.

Auch Dr. Florian Herrmann, CSU-MdL und Vorsitzender des Innenausschusses des Landtags, betonte die Wichtigkeit einer „wehrhaften“ Demokratie als Reaktion auf manifeste Straftaten. Das GMF-Konzept bezeichnete er hingegen als „Arbeitshypothese“, die als Grundlage für die Arbeit von Verfassungsschutz und Polizei nur bedingt geeignet sei. Zudem sei das Handlungsfeld Prävention in ständiger Veränderung.

Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer über die Wichtigkeit von Präventionsstrategien. Nur so könne verhindert werden, dass rechtsextreme Einstellungen in entsprechende Handlungsweisen umschlagen. Fröhlich betonte, wie wichtig es sei, die Menschen, die einer GMF-Einstellung zuneigen, wieder in den politischen Diskurs einbeziehen.

Das – sehr zahlreiche - Publikum bereicherte die Diskussion durch kompetente und allesamt erfreulich sachliche Diskussionsbeiträge und Fragen. Mehrfach wurde betont, dass die Zunahme von GMF und rechtsextremen Einstellungen nur dann wirksam bekämpft werden könne, wenn endlich die zunehmende soziale Spaltung in Deutschland als politisches Handlungsfeld betrachtet werde. 

Weiterführende Literatur und Links:

Langzeituntersuchung der Uni Leipzig zu rechtsextremen und antidemokratischen Einstellungen in Deutschland

Ergebnisse der bayerischen GMF-Studie: Soziologisches Institut der LMU München

Projektseite zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit an der Uni Bielefeld

Themenseite zum Rechtsextremismus der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Volles Haus im Nürnberger Presseclub

ReferentInnen

Prof. Dr. Elmar Brähler
langjähriger Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig, Mitverfasser der Studie „Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland“

Werner Fröhlich
Diplom-Soziologe, Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Soziologie, Mitverfasser der bayerischen GMF-Studie

Katharina Schulze
MdL, stv. Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus

Dr. Florian Herrmann
MdL, CSU, Vorsitzender des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport

Moderation:
Franziska Holzschuh
Redakteurin, Nürnberger Nachrichten

v.l.n.r.: Dr. Florian Herrmann, Franziska Holzschuh, Katharina Schulze

Veranstaltungsort
Nürnberg, Marmorsaal im Presseclub Nürnberg, Gewerbemuseumsplatz 2


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Projektstelle gegen Rechtsextremismus im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad

Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Podiumsdiskussion



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01.02.2017

Jasmin Siri: Parteiensoziologie: Grundlagen, Herausforderungen,...

 

Die Diskussion um die Unzulänglichkeiten und Krisen von Parteien ist so alt wie  die Partei selbst. Wozu brauchen wir in der modernen Gesellschaft überhaupt noch Parteien? Welche Funktion nehmen sie in unserer Demokratie ein? Und was folgt daraus für die Menschen innerhalb dieser Organisation?

In ihrem Beitrag untersucht Jasmin Siri die Funktion der Parteien im politischen System, die Bedeutung ihrer Mitglieder sowie deren künftige Herausforderungen – vom erstarkenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus über den Wandel  der politischen Öffentlichkeit bis hin zur sozialen Ungleichheit als Problem für  deren Legitimation.

Jasmin Siri ist Soziologin an der Ludwig-Maximilians-Universität  München und vertritt seit April 2016 die Professur für Politische  Soziologie an der Universität Bielefeld. Ihre Arbeitsschwerpunkte  sind politische Soziologie, Gesellschaftstheorie, empirische  Parteienforschung und Organisationssoziologie. 

Ihr Beitrag ist als Policy Paper 19 im Rahmen des Projekts "Gut vertreten? Update für Demokratie" des Heinrich-Böll-Stifttungsverbundes erschienen und kann hier als PDF-Datei unentgeltlich heruntergeladen werden.


Kosten
Download unentgeltlich!


Art der Veranstaltung
Veröffentlichung



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23.11.2016

nie wieder! schon wieder? niemals weg.

Antisemitismus in Deutschland

Im Einführungsvortrag "Antisemitismus: „Wahn-Sinn“ im kollektiven Gedächtnis" von Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel wurde dargestellt, dass Antisemitismus nicht bloß ein Vorurteilssystem ist, sondern ein auf judeophoben Stereotypen basierendes Weltdeutungssystem, das in den abendländischen Denk- und Gefühlsstrukturen verankert ist. Über Sprachgebrauchsmuster werden judenfeindliche Stereotype ständig reproduziert und bleiben damit im kollektiven Bewusstsein. Auch die Erfahrung des Holocaust hat diese Tradition nicht gebrochen: In aktuellen antisemitischen Texten spiegelt sich das uralte Ressentiment gegenüber Juden wider. Anhand empirischer Daten wurde die kulturhistorische Dimension von Judenfeindschaft thematisiert sowie der moderne Antisemitismus in seinen derzeit dominanten Manifestationen des Anti-Zionismus und Anti-Israelismus erörtert. Erläutert wurde auch, wie vehement sich heute Antisemiten gegen den Vorwurf des Antisemitismus wehren und zugleich fakten- und realitätsresistent an ihrem konzeptuell geschlossenen „Wahn-Sinn“ festhalten.

Den Vortrag von Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel können Sie auf unserer Soundcloud-Seite nachhören und herunterladen.

Weiterführende Links zum Vortrag:
Aktueller Antisemitismus - Konzeptuelle und verbale Charakteristika
Antisemitismus erklärt: Interview mit Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel

 

Antisemitismus in der extrem Rechten Münchens
Robert Andreasch, a.i.d.a Archiv München

 

Zivilgesellschaftliche Erfassung antisemitischer Vorfälle in Berlin
Benjamin Steinitz, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin

Die Präsentation von Benjamin Steinitz können Sie hier als PDF-Datei herunterladen (3 MB).

 

AG "Antisemitismus in Verschwörungstheorien und Kapitalismuskritik" 

In der AG wurden die Funktionen und Ursachen von Verschwörungstheorien vorgestellt und ihr Zusammenhang Antisemitismus und völkischer Kapitalismuskritik analysiert.

Kurzprotokoll der AG
Broschüre zum Umgang mit antisemitischen Verschwörungstheorien

 

AG "Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft"

Wenn gegenwärtig über Antisemitismus in Deutschland gesprochen wird, dann wird vor allem über so genannte „Extremist*innen“ sowie über – vor allem „muslimische“ - Migrant*innen“ gesprochen; und damit nur ein Teil des Antisemitismusproblems in Deutschland in den Blick genommen. Auf Basis eines Verständnisses der gesamten deutschen Gesellschaft als Einwanderungsgesellschaft, wurden im Rahmen der Arbeitsgruppe einige zentrale antisemitische Erscheinungsformen samt entsprechender Kontroversen und Erkenntnisse der Antisemitismusforschung vorgestellt. Es wurde deutlich, dass antisemitische Denk- und Deutungsmuster in unterschiedlichen Kontexten von Bedeutung sind und dass ganz unterschiedliche Motive und auch Träger*innen eine Rolle spielen. 

Präsentation von Mirko Niehoff, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, hier zum Herunterladen.
Kurzprotokoll der AG-Diskussion als PDF

 

AG "Klassischer Antisemitismus“

Zusammenfassung des Vortrags von Richard Volkmann, Europäische Janusz-Korczak-Akademie München, als PDF-Datei.
Kurzprotokoll der AG-Diskussion als PDF

 

Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute
Projektvorstellung

Isabel Enzenbach, die Kuratorin der ab 09. März 2017 im NS Dokumentationszentrum zu sehenden Ausstellung „Angezettelt“ gab einen Überblick über das Konzept und die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausstellung, die Judenfeindlichkeit, Rassismus und andere aktuelle Feindbilder anhand von außergewöhnlichen Exponaten dokumentiert. Zu der Münchner Präsentation gehören zahlreiche aktuelle Sticker sowie Dokumente der Gegenwehr gegen Antisemitismus und Rassismus. Wann, wo, von wem und zu welchem Zweck und mit welcher Wirkung wurden die Aufkleber produziert und verwendet? Welche Reaktionen auf diese Verbreitung von Hass im Kleinformat sind überliefert? Welchen gestalterischen Prinzipien folgt die Ausstellung bei der Präsentation dieser nicht-musealen Exponate?

Seit dem Kaiserreich zeugen massenhaft verbreitete Klebezettel, Sammelbilder, Briefverschlussmarken und Sticker von menschenfeindlichen Ressentiments gegen Juden und andere Gruppen. Die vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, dem Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und dem NS-Dokumentationszentrum München konzipierte Ausstellung beschreibt die soziale Praxis, mit deren Hilfe antisemitische und rassistische Feindbilder geschürt wurden und werden. Aber auch die Gegenwehr der Betroffenen und der Zivilgesellschaft findet Ausdruck in diesem kleinformatigen sozialen Medium.

Fotodokumentation von Ausstellungsexponaten (2 MB)

ReferentInnen

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel
Kognitionswissenschaftlerin und Antisemitismusforscherin an der TU Berlin. Publikationen zum Thema u.a.: Aktueller Antisemitismusein Phänomen der Mitte (Hrsg. mit J. Reinharz/E. Friesel, 2010), Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert, 2013 (mit J. Reinharz),  Gebildeter Antisemitismus (Hrsg., 2015); seit 2014 Leitung des DFG-Projekts „Verbal-Antisemitismus im World Wide Web“.

Jan Rathje
Politikwissenschaftler, er studierte in Potsdam und Greifswald mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus und Politische Theorie. Für die Amadeu-Antonio-Stiftung verfasste er 2014 die Broschüre „‚Wir sind wieder da‘. Die ‚Reichsbürger‘: Überzeugungen, Gefahren und Handlungsstrategien“. Seit 2015 arbeitet er im Projekt zur Auseinandersetzung mit „Verschwörungstheorien“.

Mirko Niehoff 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Politikdidaktik am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und politischer Bildner bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. Er promoviert zu sozialen Deutungsmustern unter Jugendlichen zum Nahostkonflikt. Autor von „Nahostkonflikt kontrovers – Perspektiven für die politische Bildung“.

Richard Volkmann
Studierte jüdische Geschichte der Neuzeit in München, Turin und Jerusalem. Er promoviert in München zum deutschen Judentum in der Revolution von 1848 und arbeitet bei der Europäischen Janusz Korczak Akademie als Vorstandsreferent. 

Benjamin Steinitz
Projektleiter, "Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin" (RIAS), Berlin

Robert Andreasch
a.i.d.a Archiv, München

Isabel Enzenbach
Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin

Marian Offmann
Stadtrat, München

Moderation: Dr. Martina Ortner

Veranstaltungsort
München


Partner

Landeshauptstadt München

Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (FIRM)

Netzwerk demokratische Bildung München


Art der Veranstaltung
Fachtag



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08.10.2016 - 11:00 bis 18:00

Aktualität und Erneuerung: Ein Update der Parteien in Zeiten des...

 

Volles Haus beim Eröffnungsvortrag von Winfried Kretschmann

Unter dem Titel "Aktualität und Erneuerung: Ein Update der Parteien in Zeiten des Populismus" fand am 8. Oktober 2106 im Stuttgarter Literaturhaus ein Demokratiedialog statt. Auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, der Petra Kelly Stiftung und des Heinrich-Böll-Stiftungsverbunds diskutierten über 150 Zuhörerinnen und Zuhörer über die Zukunft der politischen Parteien vor dem Hintergrund, dass europaweit – und in jüngster Vergangenheit massiv auch in Deutschland – rechtspopulistische Parteien wie die AfD erstarkt sind und damit auch die demokratischen Parteien vor neue Aufgaben stellen. Die ganztägige Veranstaltung in Stuttgart war Teil des bundesweiten Projekts „Gut vertreten? Update für Demokratie" des Heinrich-Böll-Stiftungsverbunds, das jetzt nach drei Jahren intensiver Diskussion in fünf bundesweiten Demokratiedialogen zu den Themenschwerpunkten "Beteiligung", "Parteien" und "Inklusion" eine Bilanz zog.

Einen ausführlichen Veranstaltungsbericht von Christoph Ruf können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Die Fotogalerie auf der Homepage unserer Kolleg*innen von der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg gibt einen schönen Einblick in den Ablauf der Veranstaltung.

Das Abschlusspodium u.a. mit Margarete Bause (2.v.r.)

Veranstaltungsort
Stuttgart


Partner

Heinrich-Böll-Stiftungsverbund

Heinrich-Böll-Stiftung, Baden-Württemberg


Art der Veranstaltung
Tagung



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02.10.2016 - 18:00

Rage against Abschiebelager

20 Jahre Rage Against Abschiebung

Das Rage Against Abschiebung ist das größte, regelmäßig stattfindende antirassistische Benefiz-Bandfestival im süddeutschen Raum. Der Bayerische Flüchtlingsrat organisiert es in München seit 1996. Seit 2004 mit und im Feierwerk München. Im Jahr 2016 hatte das Rage Against Abschiebung Festival die Themen:

  • europäische Abschiebemaschinerie
  • Festung Europa
  • Abschottungspolitik
  • Ausgrenzung von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten sowie Illegalisierten
  • alltäglicher Rassismus

Auf Grund des schlechten Wetters fand das Rahmenprogramm, mit dem diese Themen den zahlreichen Besucher*innen vermittelt wurde, in diesem Jahr in der halle selbst statt. Neben einem Stand des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde in einem Pavillon und daran anschließend die Ausstellung zum Thema Abschiebelager präsentiert. Das Ziel der Ausstellung: auf das inhumane System der sogenannten „Ankunfts-und Rückführungseinrichtungen“ (ARE) in Bayern aufmerksam machen, d.h. auf die Praxis, Menschen nach Herkunftsländer zu sortieren, in Lagern zu sammeln und isoliert von Informationen und ohne Unterstützung in Schnellverfahren zu bearbeiten und letztendlich ohne ein faires, individuelles Asylverfahren in sog. „sichere Herkunftsländer“ abzuschieben. Hierzu wurde im Pavillon das Innenleben in den AREs nachgestellt. Absperrband wurde um den Pavillon gespannt, um so das Leben hinter Zaun zu verdeutlichen. Ein Metallhochbett und Malervlies als Bettdecke standen symbolisch für die triste und karge Einrichtung. Aussagen der Bewohner*innen über die Lebensumstände waren aufgemalt auf Karton an den Wänden angebracht und diese mit Infotext und Fotos versehen. Neben dem Pavillon stand eine Tafel mit realgroßen Fotos der täglichen Mahlzeiten in der Kantine. Mehrere Infotafeln informierten über weitere Aspekte, wie Arbeitsverbote, Residenzpflicht und „sichere Herkunftsstaaten“. Auch der Infobus, ein Angebot, das in naher Zukunft Betroffenen Beratung direkt vor den „Abschiebelagern“ in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen bieten wird, wurde in Szene gesetzt: So konnten die Besucher*innen diesen vor dem Festivalgelände besichtigen und hatten gleichzeitig drinnen die Möglichkeit, mehr Informationen zu bekommen und ihr Interesse an Mitarbeit zu bekunden. 

Veranstaltungsort
München, Feierwerk, Hansastr. 39-41


Kosten
9,50 Euro


Partner


Art der Veranstaltung
Solidaridätsfestival



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27.09.2016 - 19:00

"Ich war ein Salafist"

Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

Dominic Musa Schmitz befand sich als 17-Jähriger auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und beschäftigte sich mit Fragen wie „Was soll ich tun?“ „Warum passiert so viel Schlechtes in der Welt?“ „Was ist Gerechtigkeit?“....

Er traf auf einen alten Freund, der ihm vom Islam vorschwärmte; er ging darauf ein, begleitete den Freund in die Moschee und fand dort Antworten. Er bekam ein warmes Zusammengehörigkeitsgefühl, Spiritualität, Zuwendung – durch die Menschen, die er kennenlernte, die ihm zuhörten, ihn verstanden, auf ihn eingingen, erfuhr er Brüderlichkeit und so einen Halt im Leben.

In dieser Zeit hat Dominic Musa Schmitz sehr viel gelesen, sich intensiv mit dem Islam beschäftigt. Und er fand die Kraft, sich von alten schlechten Angewohnheiten zu lösen. Dadurch sah er wieder einen Sinn im Leben. Langsam veränderte er sich auch äußerlich, er legte seine westliche Kleidung ab und ließ sich einen Bart wachsen. Zusammen mit anderen begann er für den Salafismus auch öffentlich zu werben.

In der Zeit, in der sich Schmitz als einen „rebellische Eiferer“ beschreibt, hielt er sich strikt an alle Regeln des Islam (oder dies zumindest versuchte). Es gab keine Kompromisse beim Verhalten, Gebetszeiten, Speisen, Reden. Den Handlungen des Propheten sollte 1:1 nachgefolgt werden. Da er ein gottgefälliges Leben führen wollten, führte das in der letzten Konsequenz zum Abbruch der Kontakte zu Andersdenkenden.

Nach dem Konvertieren hat der Schmitz nichts anderes mehr gemacht – keine Schule besucht, hat keinen Beruf erlernt und ist keiner Arbeit nachgegangen; er konzentrierte sich ganz aufs „Nichtsündigen“. Gelebt hat er in der Zeit von staatlicher Unterstützung. Innerhalb seiner Gemeinde wurde er sehr ernst genommen; da er sehr belesen war und sich ein großes religiöses Wissen aneignete, wurde er von anderen Moscheebesuchern auch zunehmend um Rat gefragt. Auch begann er gemeinsam mit anderen im Internet tätig zu werden, um für den Salafismus zu werben. „Die Ideologie diktiert dir, was du denken, tun, lieben sollst“, so Schmitz.

Für den Ausstieg aus der salafistischen Szene spielte ein Sozialpädagoge, den Schmitz im Rahmen eines vom Arbeitsamt vorgeschriebenen Kurses traf, eine wichtige Rolle: Dieser nahm ihn ernst und brachte ihm die Idee nahe, eine Brücke zu sein - eine Brücke zwischen der muslimischen Welt und der deutschen Lebensweise.

Zu der Zeit begann Schmitz auch, die strikten Regeln zu hinterfragen, die er in Teilen als nicht richtig und nicht tragbar erkannte. Zumal einige seiner Mitbrüder sich immer mehr abkapselten von dem Leben und sich eher dem Gedankengut von ISIS näherten.

Ein friedliches Miteinander, dass er nun anstrebte, entspricht nach seinen Worten nicht dem salafistischen Gedankengut. So begann sein allmählicher Ausstieg aus dem Salafismus. Heute ist Schmitz zwar immer noch Moslem, aber kein Salafist mehr.

Dominic Musa Schmitz: Ich war ein Salafist. Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt. Econ, Berlin 2016, 256 Seiten

ReferentInnen

Dominic Musa Schmitz
Autor von Ich war ein Salafist. Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,- / erm 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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25.08.2016

Studie zu Programm und Praxis der AfD

 

Die politische Entwicklung, die programmatischen Inhalte und die außerparlamentarische Arbeit wie auch die parlamentarische Praxis der AfD stehen im Zentrum einer umfangreichen Analyse, die vom Stiftungsverbund der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Alexander Häusler (Sozialwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus / Neonazismus der Hochschule Düsseldorf), Rainer Roeser (freier Journalist vom Internetportal „Blick nach rechts“) und die Soziologin Lisa Scholten analysieren auf über 200 Seite akribisch das "Wirken" der rechtspopulistischen Partei.

Das Buch liegt als PDF-Datei vor und kann bei unentgeltlich heruntergeladen werden (1,2 MB).

Alexander Häusler / Rainer Roeser / Lisa Scholten: Programmatik, Themensetzung und politische Praxis der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Heinrich-Böll-Stiftung, Dresden, Juni 2016



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