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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

18.10.2012

Land in Sicht!? - Zukunft leben auf dem Lande

 

"Zukunft leben auf dem Lande"? - Wer die aktuelle Diskussion verfolgt, wird diesen Satz vielleicht skeptisch betrachten. Denn allzu oft ist im Zusammenhang mit ländlichen Räumen eher von einer wirtschaftlichen Abkopplung der “Peripherie” von den “Metropolen”, vom demographischen Wandel, ja gar von einer möglichen "Entvölkerung" die Rede.

Aber jenseits der Schwierigkeiten und kritischen Entwicklungen, die manche ländlichen Regionen in Deutschland - und auch in Bayern - durchmachen: Es wird vielerorts an zukunftsweisenden, innovativen und kreativen Problemlösungen gearbeitet. Unsere Tagung wollte dazu einen Beitrag leisten und für zentrale Politikbereiche und Handlungsfelder Ansatzpunkte für eine nachhaltige Zukunft des ländlichen Raums aufzeigen. 

Dr. Steffen Maretzke gab einleitend einen Überblick über den Stand der Entwicklung in den ländlichen Räumen Bayerns. Bayern gehört in Deutschland zu den Bundesländern mit dem größten Anteil an Einwohnern im ländlichen Raum. Die Einwohnerdichte ländlicher Kreise liegt dabei mit 118 Einwohnern pro Quadratkilometer etwas über dem Bundesdurchschnitt (97 Ew/km2 ). Im Norden und Nordosten gibt es erhebliche Mobilitätsdefizite. Trotzdem: Die wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Eckdaten der ländlichen Räume in Bayern gestalten sich im bundesweiten Vergleich immer noch relativ günstig. Innerhalb Bayerns konzentrieren sich die wirtschaftlichen und sozialen „Problemlagen“ vor allem auf die Regionen Main- Rhön, Oberfranken- Ost und Oberpfalz- Nord. Die strukturschwächeren bayerischen ländlichen Räume sind beim leistungsfähigen Breitband deutlich unterversorgt. Wichtig: Die disparitäten innerhalb Bayerns zwischen äußerst strukturstarken und dynamischen ländlichen Regionen sind sehr groß.

Ländliche Räume in Bayern heute - eine (Zwischen-) Bilanz
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Dr. Steffen Maretzke
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Deichmanns Aue 31-37
53179 Bonn
Referat I 4 - Regionale Strukturpolitik und Städtebauförderung
Fon: 0228/99401-2326
steffen.maretzke@bbr.bund.de

Prof. Dr. Otmar Seibert knüpfte hier an und betonte, dass die ländlichen Räume in Nordostoberfranken und in der Oberpfalz vor riesigen strukturellen Problemen stünden, die sie nicht allein bewältigen könnten. Mit einem einheitlichen Förderangebot könnten diese Probleme jedoch nicht gelöst werden. Notwendig sei deshalb eine  viel stärkere Regionalisierung der Förderprogramme, bei der die Qualität vor Ort und eine inegrierte ländliche Entwicklung im Vordergrund stehen müsse. Wichtig sind gebietsbezogene Strategien und Konzepte sowie eine systematische Beteiligung und Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Dies sei am LEADER-Programm klar positiv zu bewerten.  Seibert stellte auch die herkömmlichen Kriterien für den  "Erfolg" von Förderprogrammen (Beschäftigungswirkung, Güterexport) in Frage. "Häufig ist es schon ein großer Erfolg, wenn die Abwanderung gestoppt werden kann", betonte er. Für zukünftige Förderprogramme forderte Seibert mehr Vielfalt und Flexibilität, mehr Beteiligung und regionale Verantwortung sowie mehr Mut zu neuen Strukturen.

Regionalpolitik auf dem Prüfstand
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Prof. Dr. Otmar Seibert
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - Fakultät Landwirtschaft
Steingruberstraße 2
D-91746 Weidenbach
Fon: 09826/654-204
Fax: 09826/654-4204
E-mail: otmar.seibert@hswt.de

Forschungsgruppe Agrar- und Regionalentwicklung Triesdorf (ART)
Internet: http://www.fg-art.de/

 

Workshop 1: Die Rückkehr von "Tante Emma"?  - Versorgungs- und Einzelhandelshandelskonzepte für den ländlichen Raum
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Wolfgang Gröll plädiert nachdrücklich für Dorfläden. Das Konzept dafür fußt auf drei Säulen. 

Der Preis: Der Einkauf in Dorfläden ist bei Berücksichtigung aller Kosten nicht teurer als der in Discountern. In Dorfläden gibt es aber bislang häufig eine zu geringe Preiskontrolle. Häufig muss man nachjustieren, um einen marktgängigen Preis zu finden; Discounter und Vollsortimenter passen ihre Preise regelmäßig an – das müssen Dorfläden auch. Es gibt wenig Spielraum bei der Anordnung der Sortimente.

Individuelle Konzepte: Es gibt nicht „die“ beste Lösung bei der Errichtung eines Dorfladens; nur passgenaue Konzepte führen zum Erfolg. Mischmodelle sind möglich - Private, die Kommune, Initiativen oder soziale Träger können nicht nur alleine auf, um einen Dorfladen zu betreiben. Elementar ist die Akzeptanz des Ladens durch die Bevölkerung.

Umsetzungsprozesse: Die Individualität von regionalen Konzepten ist die Stärke der Dorfläden. Der Umsetzungsprozess läuft in mehreren Phasen ab; dieser Prozess ist nachvollziehbar und hat mehrere „Sollbruchstellen“, also die Möglichkeit für die zukünftigen Betreiber auszusteigen. Erster Schritt ist die Beratung vor Ort; danach folgt eine Art Auftaktveranstaltung, aus der auch erkennbar wird, ob ein Dorfladen Aussicht auf Erfolg haben könnte. 

Wolfgang Gröll
new WAY GmbH
Buchhofstraße 3
82319 Starnberg
Fon: 08151-7467290
Fax: 03222-370 64 29
Mobil: 0171-6847649
E-mail: wimgroell@t-online.de
Internet: http://www.dorfladen-netzwerk.de/

 

Workshop 2: Alt, krank, pflegebedürfig und auf dem Land - Gesundheits- und Pflegekonzepte für ländliche Räume 
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Dr. Gitte Händel zeigt eine Reihe von Ansatzpunkten für die Verbesserung der medizinischen Versorgung auf. In der anschließenden lebhaften Diskussion bilden sich drei Schwerpunkte heraus:

Versorgung erfordert Mobilität: Ein Hauptproblem der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum ist die Frage der Erreichbarkeit. Die Abhängigkeit vom eigenen Auto erschwert insbesondere für Alte, Kranke oder Pflegbedürftige den Zugang zu Versorgungsangeboten. Abgestimmte öffentliche Nahverkehrsangebote, z.B. mit ergänzenden AnrufSammelTaxis, können hier zu einer Verbesserung beitragen.

Neue Pflegekonzepte: Der Anteil häuslicher Pflege wird aufgrund sich verändernder Familienstrukturen auch auf dem Land abnehmen. Alternative Konzepte wie 'Wohnraum gegen Pflege' oder Seniorenwohngemeinschaften können geeignet sein, diese Lücke zu füllen.

Ärztliche Versorgung als Gemeinschaftsaufgabe: Die medizinische Versorgungsdichte im ländlichen Raum nimmt aus verschiedenen Gründen zunehmend ab. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, fördert die Staatsregierung die Ansiedlung von Hausärzten mit finanziellen Anreizen. Im Workshop wird auch über kommunale Ansätze zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung diskutiert. Dies können finanzielle Anreize sein wie Zuschüsse oder kostenlose Praxisräume, oder auch die Anstellung von 'Gemeindeärzten' durch eine oder mehrere Gemeinden.

Dr. Gitte Händel
diessenz
Neuburger Str. 26
86167 Augsburg
Mobil-Fon: 0171/1936164
E-mail: haendel@diessenz.de
Internet: www.diessenz.de

Workshop 3: Weniger Menschen - mehr Autos?  - Mobilitäts- und Verkehrskonzepte für den  ländlichen Raum
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Die Mobilitätsentwicklung in einem großen Teil ländlicher Regionen ist heute gekennzeichnet durch geringe Bevölkerungsdichte, Bevölkerungsrückgang, sinkende Schülerzahlen und einen wachsenden Anteil älterer Menschen. Die daraus resultierende sinkende Nachfrage im ÖPNV erschwert es, die Nachfrage zu bündeln. Ein zunehmend defizitärer Betrieb und ein lückenhaftes Mobilitätsangebot im ÖPNV sind die Folge. Die ohnehin auf dem Land starke Autoorientierung der Menschen nimmt noch zu. 

Auf diese Situation kann - wie Susanne Böhler aufzeigte - in verschiedener Weise reagiert werden:
- durch eine Flexibilisierung des liniengebundenen ÖPNV mit Rufbussen, Anrufsammeltaxis und einer verstärkten Flächenbedienung;
- durch Alternativen wie selbst-organisierte Mobilität (Car-Sharing, Nachbarschaftsautos auf vertraglicher Basis usw.) und private Mitnahme;
- durch den Versuch, das Angebot zur Nachfrage zu bringen, um Mobilität zu ersetzen (fahrende Einkaufsläden, fahrendes Bürgeramt, fahrende Bank und Bücherei, fahrendes Kino etc.).

Auch eine verkehrsreduzierende Siedlungsentwicklung und das Rad als individuelles verkehrsmittel müssen im ländlichen Raum als Handlungsoptionen berücksichtigt werden.

Für all diese Bereiche gibt es mittlerweile "good practice"-Kataloge, für die flexiblen Bedienungsformen sogar eine hilfreiches Handbuch. Für viele Kommunen ist allerdings die Finanzierung ein großes Problem. Eine Nahverkehrsabgabe, Job-Tickets, Semester-Tickets könnten in dieser Hinsicht hilfreich sein.

Dr.-Ing. Susanne Böhler-Baedeker
Forschungsgruppe Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt Energie GmbH
Döppersberg19
42103 Wuppertal
Fon:  0202/2492-259
Fax: 0202/2492-263
E-mail susanne.boehler@wupperinst.org

Workshop 4: Kommunale Bildungslandschaften - Ausweg aus der Schulkrise im ländlichen Raum?
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Mario Tibussek
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH (DKJS)
Tempelhofer Ufer 11
10963 Berlin  
Fon:030/257676-43
Fax:030/257676-10
E-mail: Mario.Tibussek@dkjs.de
Internet: www.dkjs.de /

Workshop 5: Neue ökonomische Perspektiven fürs Land  - Agrar- und Energiewirtschaft der Zukunft
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Hans-Michael Pilz stellte aktuelle Tendenzen innerhalb des landwirtschaftlichen Wirtschafssektors dar und erörterte aktuelle politische Strategien der Förderung im Agrar- und Energiesektor im ländlichen Raum. Dabei wurde klar, dass der Bereich der erneuerbaren Energien bereits heute eine große Bedeutung als Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe hat, die in Zukunft noch zunehmen wird. Die Produktion von Energie aus Solar- und Biogasanlagen sowie der Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Treibstofferzeugung erschließen dabei neue Einkommensquellen, die weit mehr zur Diversifizierung in der Landwirtschaft beitragen können als andere Erwerbszweige wie z.B. der Tourismus („Urlaub auf dem Bauernhof“).

Neben den Grundstrukturen der EU-Agrarpolitik und der im Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) zusammengefassten Förderprogramme erläuterte Pilz auch das Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung („Energie innovativ“), das zum Ziel hat, den aktuellen Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2021 zu mehr als 50% durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich die Agrarlandschaft im Zuge der Umsetzung der Energiewende deutlich verändert. Zu den bereits heute sichtbaren Entwicklungen zählen

  • Zunahme der Silomaisanbaufläche

  • Errichtung von Biogasanlagen

  • Windkraftanlagen als neue Dominanten im Landschaftsbild

  • „Solaräcker“ (Freiflächen-Photovoltaikanlagen; hier jedoch aufgrund der aktuellen Förderkulisse kaum Zuwachs)

  • Installation von Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden

Die vorgestellten Statistiken zeigten auch, dass die bekannten Tendenzen des Strukturwandels in der Landwirtschaft zwar weiter zu beobachten sind, die aktuelle wirtschaftliche Lage jedoch aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach der Ressource Boden und der seit 2009 gestiegenen Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte vergleichsweise gut ist.  

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass dies jedoch auch negative Auswirkungen haben kann („land grabbing“ durch international agierende Konzerne, massive Preisschwankungen durch Börsenspekulation mit Ernteerträgen). Außerdem wurden Notwendigkeit und Möglichkeiten steuernder Eingriffe in die Entwicklung der Kulturlandschaft vor dem Hintergrund der Energiewende kontrovers diskutiert.

Hans-Michael Pilz
Leader-Manager für die Oberpfalz
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt
Dr. Grundler-Straße 3
92318 Neumarkt
Fon: 09181/4508-204 oder 09402/9479868
Mobil-Fon: 0173/7124257
E-mail: hans-michael.pilz@aelf-ne.bayern.de

Workshop 6: Siedlungsentwicklung und technische Infrastruktur auf dem Land - Zukunftsperspektiven unter schwierigen Bedingungen
Die Präsentation ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.

Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis skizzierte die Probleme und Herausforderungen, die sich aufgrund geänderter Rahmenbedingungen (z.B.: demographischer Wandel) im Hinblick auf die kommunale Siedlungsentwicklung vor allem im ländlichen Raum ergeben. Dies werden vor allem die steigenden Kosten für die Aufrechterhaltung der sozialen Infrastruktur sein. Es sind also bei  Baugebietsplanungen vor allem die Folgekosten, die noch viel zu wenig in Betracht gezogen werden und die künftig rapide ansteigen werden.

Als Ergebnis der Workshop-Diskussionen (ausführliche Dartellung als PDF-Datei!) ist festzuhalten, dass in den Kommunen wieder längerfristig geplant werden muss und dabei sämtliche Kosten in die Planungsprozesse einzubeziehen sind. Die Sensibilisierung für die Probleme durch Beratung, Information und schließlich Überzeugung ist Grundvoraussetzung, um sich über die jeweils ortsspezifischen geeigneten Instrumente Gedanken zu machen

Prof. Dr.-Ing. Alfred Ruther-Mehlis
Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
Schelmenwasen 4-8
72622 Nürtingen
Fon: 07022/786303-4
E-mail: ifsr@hfwu.de

 

Materialien - Links - Literatur:

Regionale Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen stärken. Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag. Drucksache 17/7249 vom 28.09.2011.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/072/1707249.pdf

Zukunftsrat der Bayerischen Staatsregierung (Hrsg.): Zukunftsfähige Gesellschaft. Bayern in der fortschreitenden Internationalisierung. Bericht des
Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung. München 2010. 
http://www.bayern.de/Anlage10337216/BerichtdesZukunftsratsZukunftsfaehigeGesellschaft.pdf

Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften u.a. (Hrsg.): CHANCE! Demografischer Wandel vor Ort. Ideen, Konzepte, Beispiele. Bonn 2012. 
http://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/fileadmin/sites/ELER/Dateien/05_Service/Publikationen/broschuere_demografie_web.pdf

Dorfladen Otersen GbRmbH (Hrsg.): Handbuch zum Erhalt und zur Sicherung der Nahversorgung im ländlichen Raum. Kirchlinteln-Otersen 2008

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Differenzierte Bedienung im ÖPNV. Flexible Bedienungsweisen als Baustein eines marktorientierten Leistungsangebots. Köln 2009

Christine Ahrend/Melanie Herget (Hrsg.): Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Handbuch für nachhaltige Regionalentwicklung. Berlin 2012. 
http://www.verkehrsplanung.tu-berlin.de/ufm-handbuch.pdf

Susanne Böhler u.a.: Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV. Ein Beitrag zur Sicherung der Daseinsvorsorge in nachfrageschwachen Räumen. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bonn 2009. 
http://www.laendlicherraum.bayern.de/fileadmin/Dokumente/PDF/Demographischer_Wandel/DL_HandbuchPlanungNeu.pdf

Carolin Schäfer-Sparenberg: Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Good-Practice-Beispiele. Wuppertal 2011. 
http://www.wupperinst.org/uploads/tx_wiprojekt/UmFamMob_GP_TB1.pdf

Barbara Steinrück/Patrick Küpper: Mobilität in ländlichen Räumen unter besonderer Berücksichtigung bedarfsgesteuerter Bedienformen des ÖPNV. Institut für Ländliche Räume. Braunschweig 2010.
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/bereich/ab_02_2010_de.pdf

Neeltje van den Berg: Regionale Versorgungskonzepte für ländliche Regionen - gemeinsame Herausforderungen für Medizin und Pflege. München 2010. 
http://www.gruene-fraktion-bayern.de/sites/default/files/downloads/pdf/fg_gesundheit_auslaufmodell_landarzt_van_3739.pdf

Gabriele von Laufenberg: Medizinische Versorgung im ländlichen Raum.  Regionale Steuerungsmöglichkeiten bei drohendem Ärztemangel - das Beispiel Vogelsbergkreis. Dipolomarbeit. Gießen 2010. 
http://fss.plone.uni-giessen.de/fss/fbz/fb07/fachgebiete/geographie/bereiche/lehrstuhl/planung/pdf-bilder/Diplomarbeit%20Laufenberg/file/Medizinische%20Versorgung%20im%20ländlichen%20Raum.pdf

Anika Duveneck/Sybille Volkholz: Kommunale Bildungslandschaften. Heinrich-Böll-Stiftung. Berlin 2011.
http://www.boell.de/downloads/2012-02-Kommunale_Bildungslandschaften.pdf

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht`s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps. Seelze 2012

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.):  Bildungslandschaften zwischen den Meeren. Bildung gemeinsam verantworten! Ein Programm - Drei Kommunen - Drei Antworten. Arbeitshilfe mit Erfahrungen und Anregungen aus der Praxis für die Praxis. Berlin 2012. 
http://www.dkjs.de/uploads/tx_spdkjspublications/2012_03_23_Broschuere_Bila.pdf

Wolfgang W. Weiß: Kommunale Bildungslandschaften. Chancen, Risiken und Perspektiven. Weinheim/München 2011

Forschungsprojekt  "Elternbeteiligung und Gewaltprävention in kommunalen 
Bildungs- und Erziehungslandschaften":
http://www.kommunale-bildungslandschaften.de/

Förderprogramm "Lernen vor Ort": http://www.lernen-vor-ort.info/

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.): Leader in Bayern. Bürger gestalten ihre Heimat. München 2012. 
http://www.verwaltung.bayern.de/egov-portlets/xview/Anlage/4040770/Blickpunkt%202012%20-%20Leader%20in%20Bayern.pdf

Leibnitz- Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden: Siedlungsentwicklung und Infrastrukturfolgekosten. Ein Beitrag zur Abschätzung der Folgekosten alternativer Bevölkerungs- und Siedlungsszenarien für soziale und technische Infrastrukturen. o.O. o.J.
http://www.havelland-flaeming.de/PDF/ioer_hp_2.pdf

Stefan Siedentop u.a.: Siedlungsentwicklung und Infrastrukturfolgekosten – Bilanzierung und Strategieentwicklung.  Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn2006.
http://www.bbsr.bund.de/cln_030/nn_23582/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BBSROnline/2002__2006/DL__ON032006,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/DL_ON032006.pdf

 

Empfohlene Weblinks

www.srl.de

Veranstaltungsort
Amberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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12.05.2012 bis 13.05.2012

Energiewende in Bayern: Die Kommunen werden aktiv!

Im Rahmen des 26. kommunalpolitischen Kongresses

Das enorme Interesse an unserer Tagung - 105 Teilnehmende! - zeigt: Die Energiewende in Bayern wird kommen. Und sie wird weiterhin "von unten", von den Bürger/innen und den Kommunen, in die Wege geleitet. Und: Wenn die Betroffenen frühzeitig in die Planung einbezogen werden und ihnen die wirtschaftlichen Vorteile für die Region (Stichwort: regionale Wertschöpfung!) klar gemacht werden, dann braucht man sich auch um die Akzeptanz keine Sorgen machen.

Ludwig Hartmann betonte, dass der relativ strenge Winter gezeigt habe, dass in Deutschland die Lichter nicht ausgehen, wenn Atomkraftwerke abgeschaltet seien. Die Energiewende sei bereits in vollem Gang – was aber wesentlich dem Engagement der Bürger/innen zu verdanken sei, die sich in vielen Energiewende-Projekten engagieren. Demgegenüber lasse die Politik der Bayerischen Staatsregierung immer noch viel zu wünschen übrig. Der Windenergieatlas, den sie herausgegeben hat, zum Beispiel sei eine unzureichende Planungsgrundlage. Hinweise dafür, wie man für eine Akzeptanz von Energiewende-Planungen schaffen könne, fehlen ebenso wie verbindliche Vorgaben für die notwendigen Ausgleichszahlungen.

Da die Höchstlast derzeit nur an 21 Stunden im Jahr gebraucht wird, ist es laut Hartmann völlig unwirtschaftlich, die Auslegung des Netzes und des Kraftwerkparks an diesen Spitzenwerten zu orientieren. Notwendig seien dagegen wesentlich größere Anstrengungen für Energieeffizienz und Energiesparen.

Weitere Informationen:
Energiewende jetzt! Eine Grüne Energiepolitik für Bayern
Kommentar zu den „Hinweisen zur Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen“ (Winderlass)
http://www.energiekommission.de/

Dr. Peter Pluschke gab einen informativen Überblick über die Bemühungen in der Metropolregion Nürnberg, die Energieversorgung der Zukunft zu organisieren. Ausgehend von einer detaillierten Endenergiebilanz will man dort den Wärmeverbrauch bis zum Jahr 2050 auf die Hälfte reduzieren und 30% dieses Wärmebedarfs aus regenerativen Energiequellen erzeugen. Beim Strom soll die Ökostromquote bis 2050 auf 80% erhöht werden. Große Anstrengungen sind auch bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands geplant. Denn – so Pluschke – das "Energiesparen ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende". Erste Erfolge dieser Klimaschutzstrategie sind schon zu verzeichnen. Die Stadtwerke spielen dabei mit ihren vielfältigen Beteiligungen und Tochtergesellschaften eine zentrale Rolle. So ist die N-ERGIE AG am Integra-Konsortium beteiligt, dem über 100 kommunale Stadtwerke angehören und das für die dezentrale Struktur der Energiewende von besonderer Wichtigkeit ist. Pluschke plädierte nachdrücklich für die Schaffung eigener Stadtwerke, weil diese als energiepolitisches Steuerungsinstrument unverzichtbar seien und zudem große finanzpolitische Bedeutung für die kommunalen Haushalte hätten.

Weitere Informationen: Die Präsentation von Peter Plüsche können Sie als PDF-Datei bei uns bestellen. Dort finden sich auch viele weiterführende Links.

Dieter Gewies zeigte demgegenüber am Beispiel seiner Gemeinde Furth, in der er seit 1998 Bürgermeister ist, auf, dass auch in ländlich strukturierten Regionen die Energiewende vorangetrieben werden kann. Entscheidend dafür sei letztlich der politische Wille, der sich in Furth in einem einstimmigen Ratsbeschluss aus dem Jahr 1999 (!!) niedergeschlagen habe, sich zu 100% mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Alle seither ergriffenen Maßnahmen seien wirtschaftlich und in den Händen der Gemeinde selbst geblieben. Das habe nicht zuletzt zur kommunalen Wertschöpfung beigetragen. Gewies: „Wer jetzt noch nicht mit der Energiewende begonnen hat, handelt zum Nachteil der eigenen Gemeinde.“ Denn die Energiewende sei ein ungeheurer wirtschaftlicher Faktor. Und wenn die Menschen, die vor Ort wohnen, von den Energiewende-Projekten selbst profitieren, dann sind sie dafür auch leichter zu gewinnen. Die Umsetzungsplanung müsse vor Ort selbst erstellt werden und die jeweiligen spezifischen Verhältnisse berücksichtigen. Die Finanzierung könne zu einem Großteil von den Bürger/inne/n selbst übernommen werden. Für größere Investitionen empfahl Gewies Genossenschaften, GmbHs oder Mischformen. In den letzten Jahren wurden so in der Gemeinde über 10 Millionen Euro in Erneuerbare und Energieeinsparung investiert und damit die lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe ganz erheblich und spürbar gefördert. Das Geld dafür stammt überwiegend und direkt von verantwortungsbewussten Bürger/inne/n aus dem nahen Umkreis. 

Weitere Informationen:
http://www.furth-bei-landshut.de/92-0-Energie.html
http://www.furth-bei-landshut.de/95-0-Further-Energiekonzept.html

Erich Maurer stellte mit dem Energienutzungsplan ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen vor. Er empfahl dringend, ein so komplexes Thema wie die Bestands- und Potenzialanalyse nicht von der Kommune selbst erstellen zu lassen, sondern dafür externen Sachverstand einzuholen. Sehr wichtig, wenn auch relativ schwierig sei es, dabei auch Gewerbe und Industrie einzubeziehen. Und: Stadt und Land müssten unbedingt zusammenarbeiten, um die unterschiedlichen Potentiale gemeinsam zu erschließen. Es genüge nicht, "Inseln der Glückseligkeit" zu schaffen, auf denen die Versorgung mit erneuerbaren Energien doppelt oder dreifach erreicht wird, sondern es müssten größere Verbünde geschaffen werden. Auch Maurer sieht in den örtlichen Verbrauchsschwerpunkten den wesentlichen Ansatz- und Ausgangspunkt sowohl für Maßnahmen für eine bessere Energieeffizienz als auch für den Einsatz erneuerbarer Energien. Die eigenen Liegenschaften der Kommune haben dabei für ihn Vorzeige- und Vorbildcharakter.

Weitere Informationen: Die Präsentation von Erich Maurer ist als PDF-Datei bei uns erhältlich.
Leitfaden Energienutzungsplan

Wolfdieter von Trotha skizzierte den Beitrag, den genossenschaftliche Konzepte bei der Umsetzung der Energiewende leisten können. So ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg bei den Energiegenossenschaften zu verzeichnen, vor allem im Bereich Photovoltaik und Wärmeversorgung. 2011 wurde die erste Windgenossenschaft gegründet. In Bayern gibt es mittlerweile 127 Energiegenossenschaften – Tendenz steigend. Als demokratische Eigentumsform, in der jedes Mitglied unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung eine Stimme hat, bietet sich die Genossenschaft zur Einbindung bürgerlichen Engagements bei der Energiewende an. Durch unterschiedliche Gestaltung der Genossenschaftsstruktur ist es auch möglich, Kommunen und evtl. Regionalversorger wie auch die Bürger/innen einzubinden. Es besteht großes Potenzial für mehr Energie-Genossenschaften zur Umsetzung der regionalen Energieautarkie. Für jedes Energiethema existiert eine vorteilhafte genossenschaftliche Konzeption. 

Weitere Informationen: Sie können die Präsentation von Wolfdieter von Trotha als PDF-Datei bei uns bestellen.
http://www.gv-bayern.de/GVB-Site/Public/Genogruendung/Homepage
Genossenschaftsverband Bayern: Gestaltung der Energiewende nach genossenschaftlichen Prinzipien

Irina Rau gab einen interessanten Überblick über die Ergebnisse von Forschungsprojekten, die sich mit der Akzeptanz von Energiewende-Projekten von Seiten der Bürger/innen befassten. Grundsätzlich ist diese Akzeptanz sehr groß: 70,7 % befürworten solche Projekte, 10,8 % engagieren sich sogar aktiv für deren Umsetzung. Dagegen werden sie nur von 15,3 % abgelehnt und von 3,2 % mit aktivem Widerstand begleitet. Je nach der angewandten Technologie, dem Standort und den spezifischen Planungsverfahren kann die Akzeptanz jedoch durchaus unterschiedlich ausfallen. Die Transparenz des Planungsverfahrens ist für die Akzeptanz von besonders großer Bedeutung. Auch Bürgerinitiativen spielen eine wichtige vermittelnde Rolle, weil sie als Ansprechpartner großes Vertrauen genießen. Auch die Frage der regionalen Gerechtigkeit ist für die Akzeptanz von großer Bedeutung. Es empfiehlt sich deshalb zum einen eine möglichst frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung am Planungsprozess auch durch informelle Verfahren. Außerdem sollte deutlich gemacht werden, dass solche Projekte für die Region von wirtschaftlichem Vorteil sind.  Die Untersuchungen zeigen ganz deutlich, dass die Opposition gegen Energiewende-Projekte am stärksten ist, wenn auswärtige Initiatoren ohne wirkliche Bürgerbeteiligung handeln und eigenen Profit generieren wollen. Haben jedoch glaubwürdige Kräfte der heimischen Region Planung, Betrieb und Ökonomie in der Hand, steigt die Akzeptanz wesentlich; damit ist meist auch die Perspektive günstigerer Strompreise verbunden.

Weitere Informationen: Die Präsentation von Irina Rau gibt es bei uns als PDF-Datei.
Irina Rau/Götz Walter/Jan Zoellner: Wahrnehmung von Bürgerprotesten im Bereich erneuerbarer Energien - Von NIMBY-Opposition zu kommunaler Emanzipation. Umweltpsychologie 2/11, S. 37-51
Aktivität und Teilhabe – Akzeptanz Erneuerbarer Energien durch Beteiligung steigern. Projektabschlussbericht
http://www-e.uni-magdeburg.de/upsy/akzeptanz/index.php

Claudia Bosse und Markus Büchler beschäftigten sich v.a. mit den Zielkonflikten zwischen Landschafts- und Naturschutz auf der einen und dem Einsatz erneuerbarer Energien auf der anderen Seite. Man müsse dabei die emotionale Bindung viele Bürger/innen an die Landschaft, die stark mit Identitäts- und Heimatgefühlen verbunden sei, ernst nehmen. Zu bedenken sei aber auch, dass es in unseren Regionen sicherlich keine echte Naturlandschaft mehr gibt, sondern eine Kulturlandschaft. Und diese habe sich schon immer verändert und werde sich natürlich auch durch Energiewende-Projekte weiter verändern. Zudem - so Büchler – ist die Energienutzung schon immer ein selbstverständlicher und auch landschaftsprägender Landschaftsbestandteil (z.B.: AKW, Kohlekraftwerke und Braunkohleabbau, Stromtrassen, Wasserkraftnutzung). Da es eine grundsätzliche Sympathie für die Energiewende gibt, kommt es v.a. auch darauf an, etwaige Irrtümer und Vorurteile gegenüber bestimmten EE-Projekten auszuräumen und die Vorteile gerade für die jeweiligen Regionen (Wertschöpfung vor Ort) herauszuarbeiten. Wichtig: Wenn die Bürger/innen selbst beteiligt sind, dann erhöht das die Akzeptanz erheblich.

Weitere Informationen: Die Präsentation von Markus Büchler und Claudia Bosse ist bei uns als PDF-Datei erhältlich.
Leitfaden zur Zulassung von Photovoltaik-Freiflächen-Anlagen. Anregungen für Gemeinden
Positionspapier zur Windenergie im Landkreis Freising
Weiterentwicklung der BN-Positionen zu Erneuerbaren Energien in den Bereichen Photovoltaik-Freiland-Anlagen und Windkraftwerken

Johann Gerdenitsch befasste sich – am Beispiel der „Solar- und Denkmalstadt“ Fürth mit dem Zielkonflikt zwischen Denkmalschutz und Solaranlagen. In Fürth ist dies v.a. deshalb ein Problem, weil große Teile der Innenstadt als Einzeldenkmäler oder im Ensemble unter Denkmalschutz stehen. Zwar ist es in Fürth dennoch gelungen Solaranlagen mit 15 MW Leistung zu installieren. Aber die Konflikte mit dem Denkmalschutz waren vorprogrammiert und wurden in aller Regel zuungunsten der energetischen Nutzung „gelöst“. So wurde die Gewinnung von Sonnenstrom vom Rathausdach nicht genehmigt. Im Ortsteil Unterfarrnbach dagegen konnten trotz des Ensembleschutzes viele Solardächer auf den von der Straße abgewandten Dachseiten installiert werden (v.a. auf Scheunen und Ställen in diesem landwirtschaftlich geprägten Ortsteil, aber auch auf einigen Wohngebäuden). Gerdenitsch zeigte sich enttäuscht, dass es bisher nicht gelungen sei, den Denkmalschutz von der Denkmalverträglichkeit von Solaranlagen zu überzeugen, appellierte jedoch, den Kampf noch nicht aufzugeben.

Weitere Informationen: Die Präsentation von Johann Gerdenitsch gibt es bei uns als PDF-Datei.
Johann Gerdenitsch: Solar- und Denkmalstadt Fürth. Konflikte zwischen Solarenergienutzung und historischem Städtebau. In:  DIFU (Hrsg.): Klimaschutz und Denkmalschutz. Schutz für Klima und Denkmal – kommunale Praxisbeispiele zum Klimaschutz bei denkmalgeschützten Gebäuden. DIFU. Köln 2011, S. 55-64

 

Literaturhinweise - Materialien - Links:

Bayerisches Staatsministerium des Innern: Baurechtliche Behandlung von Maßnahmen zur nachträglichen Wärmedämmung an Außenwänden und Dächern. Schreiben an die Bezirksregierungen vom 04.02.2011

Helmut Bröll: Baurechtliche Erleichterungen für energetische Maßnahmen an Gebäuden. In: Bayerischer Gemeindetag 2/2012, S. 66-68

Bund deutscher Landschaftsarchitekten: Windkraft in Bayern – Positionen. Stellungnahme vom 15.12.2011

Bundesverband Solarwirtschaft e.V.: EEG-Solarstromförderung. Marktentwicklung und aktuelle Kostendebatte, 26.01.2012

DIFU (Hrsg.): Klimaschutz und Denkmalschutz. Schutz für Klima und Denkmal – kommunale Praxisbeispiele zum Klimaschutz bei denkmalgeschützten Gebäuden. DIFU. Köln 2011 (auch als PDF-Datei zum Herunterladen!)

Wolfgang George/Thomas Berg (Hrsg.): Energiegenossenschaften gründen und erfolgreich betreiben. Pabst, Lengerich/Berlin/Wien 2011

Bernd Hirschl/Steven Salecki/Timo Böther/Katharina Heinbach: Wertschöpfungseffekte durch Erneuerbare Energien in Baden-Württemberg. Endbericht. Berlin 2011

Stefan Pützenbacher: Erneuerbare Energien vs. Denkmalschutz. Steht das Denkmalschutzrecht dem Umweltschutz entgegen? In: Publicus 2012.2, S. 18f.

Andreas Schröder/Pao-Yu Oei/Christian v. Hirschhausen/Clemens Gerbaulet: In Ruhe planen: Netzausbau in Deutschland und Europa auf den Prüfstand. In: DIW Wochenbericht 20/2012, S. 3-12 (auch zum Herunterladen als PDF-Datei!)

Umweltbundesamt: Aufbruch ins neue Zeitalter – Elemente einer nachhaltigen Energieversorgung. In: Schwerpunkte 2012

http://relaunch.100-prozent-erneuerbar.de/

http://www.100-ee.de/

http://www.100-ee-kongress.de/

http://www.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukunft/index.php

http://www.deenet.org/

http://www.ee-regionen.de/

http://www.eneff-stadt.info/

http://www.bioenergiedorf.info/

http://www.kommunal-erneuerbar.de/

http://www.regiosolar.de/

http://www.wege-zum-bioenergiedorf.de/

http://www.energiegenossenschaften-gruenden.de/67.html

ReferentInnen

Claudia Bosse
Dipl.-Ing., Landschaftsarchitektin, Gemeinderätin, Neufahrn
Grontmij GmbH Raum & Umwelt München, Valpichlerstr. 49, 80686 München, Fon: (089) 889497-76
E-Mail: claudia.bosse@grontmij.de
Internet: http://www.grontmij.de/DE/Muenchen/Pages/muenchen.aspx

Markus Büchler
Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur, M.A. Geschichte und Philosophie, Mitarbeiter bei Dr. Anton Hofreiter MdB
 slius GmbH - Werkstatt für Webdesign & Grafik,  Freisinger Str. 7, 85764 Oberschleißheim,  Fon: (089) 31597215, Fax: (089) 31594561
E-Mail:  buechler@slius.de
Internet:  www.slius.de

Johann Gerdenitsch
Dipl.-Ing.,  Solarbeauftragter der Stadt Fürth, Amt für Umweltplanung, Abfallwirtschaft und städtische Forste
Königsplatz 2, 90762 Fürth, Fon: (0911) 974-1250, Fax: (0911) 974-1252
E-Mail: johann.gerdenitsch@fuerth.de

Dieter Gewies
1. Bürgermeister, Furth bei Landshut, GRIBS-Vorstand
Am Rathaus 6, 84095 Furth, Fon: (08704) 9119-27
E-Mail: dieter.gewies@vg-furth.de
Internet: http://www.furth-bei-landshut.de/

Ludwig Hartmann
MdL, energiepolitischer Sprecher Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, Stadtrat, Landsberg/Lech
Maximilianeum,  81627 München, Fon: (089) 4126-2989
E-Mail: ludwig.hartmann@gruene-fraktion-bayern.de
Internet: http://www.ludwig-hartmann.de/ und http://www.gruene-fraktion-bayern.de/abgeordnete/ludwig-hartmann

Erich Maurer
Geschäftsführer, Energieagentur Nordbayern
Geschäftsstelle Nürnberg, Landgrabenstr. 94, 90443 Nürnberg, Fon: (0911) 994396-0, Fax: (0911)  994396-6
E-Mail: maurer@ea-nb.de
Internet: www.energieagentur-nordbayern.de

Dr. Peter Pluschke
Dipl.-Chemiker, Dr. rer. nat., Umweltreferent, Stadt Nürnberg, Lenkungskreis Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN)
Hauptmarkt 18, 90403 Nürnberg
Internet: http://www.nuernberg.de/internet/umweltreferat/

Irina Rau
Dipl.-Psychologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Forschungsgruppe Umweltpsychologie an der Universität des Saarlandes, Außenstelle an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fon:  (0391) 811-153
E-Mail: irina.rau@fg-upsy.com
Internet: www.fg-umwelt.de

Wolfdieter von Trotha
Gründungsberatung, Genossenschaftsverband Bayern e. V.
Türkenstraße 22-24 80333 München, Fon: (089) 2868-3562, Fax: (089) 2868-3575
E-Mail: gruendungsberatung@gv-bayern.de
Internet: www.gv-bayern.de

Veranstaltungsort
Abensberg


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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10.05.2012 bis 11.05.2012

Stadtentwicklung im historischen Stadtgefüge

 

Das baukulturelle Erbe unserer Städte unterliegt vielfältigen Ansprüchen Dritter: der ökonomischen Verwertung, der energetischen Ertüchtigung, der adäquaten Nutzung für die Stadtbürger, um nur einige zu nennen. All dies löst städtebauliche Spannungen aus und - planerisches Handeln. Konzepte für die Zukunftsfähigkeit der historischen Städte im Sinne einer Erhöhung der Alltagstauglichkeit jenseits einer Festivalisierung sind gefragt.  

Im Mittelpunkt der Tagung stand deshalb die Frage der planerischen Bewältigung von Problemen des gesellschaftlichen Wandels in Städten mit starkem historischen Kontext.  

Bamberg wurde als Tagungsort gewählt, weil diese Stadt nicht nur exemplarisch für eine typische deutsche Welterbestadt steht, sondern weil hier 2012 die Landesgartenschau stattfindet, die die die Frage einer Nachnutzung einer Industrieanlage stellt, die bedeutendes Beispiel der industriellen Architekturggeschichte der Stadt war.

Die Tagungsbeiträge sind auf der Internetpräsenz unseres Kooperationspartners SRL ausführlich dokumentiert. Bitte klicken Sie hier!

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:

Forschungsvorhaben "Kommunale Kompetenz Baukultur"

Bundestransferstelle "Städtebaulicher Denkmalschutz"

Empfohlene Weblinks

www.srl.de

ReferentInnen

Dr. Ulrike Laible, Welterbemanagement Bamberg

Carola Neugebauer, TU Dresden

Hathumar Drost, Transferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz, Potsdam

Harald Lang, Leiter Stadtplanungsamt Bamberg

Peter Boie, SES Stadtentwicklungsgesellschaft Stralsund GmbH

Dr. Ulrike Wendland, Landesamt für Denkmalpflege, Halle

Nadya König-Lehrmann, Geschäftsstelle des Zweckverbands Oberes Mittelrheintal

Richard Mühlmann, Projektleiter Welterbekoordination, Stadt Regensburg

Dr. Marta Doehler-Behzadi, BM für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Berlin

André Zaman, LUWOGE, Ludwigshafen

Kerstin Camenisch, Geschäftsführerin Stiftung Ferien im Baudenkmal, Zürich

Michael Bräuer, Architekt, Rostock 

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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09.05.2012 - 19:30

Politik zum Selbermachen - Eine Gebrauchsanweisung

 

 

Die Paasauer Neue Presse berichtete am 11. Mai über unsere Veranstaltung - wir zitieren im Folgenden den Bericht:

Fassade, Intrigen, Macht

Über den Alltag in der Kommunalpolitik

Von Stella Smentek

Zwei rote Ampeln auf dem Weg zur Arbeit – eigentlich kein Drama. Doch auf so mancher Bürgerversammlung wird das zum Thema Nummer Eins. "Es ist wirklich armselig, was ich auf solchen Veranstaltungen bereits erlebt habe", verrät Eva Leipprand. Das soll sich ändern.

Deshalb hat die Grünen-Politikerin ein Buch geschrieben, in einer Lesung hat sie dies am Mittwochabend in der Europa-Bücherei vorgestellt. "Politik zum Selbermachen. Eine Gebrauchsanweisung." Hier beschreibt die 65-Jährige, die von 2002 bis 2008 Augsburgs erste grüne Kulturbürgermeisterin war, den Alltag in der deutschen Kommunalpolitik. Ein Bericht von der Basis.

"Ich bin selbst als Quereinsteigerin in die Politik gekommen und möchte in diesem Buch meine Erfahrungen schildern", so Leipprand. Von der ersten Sitzung im Ortsverein über den Wahlkampf bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse – die Politikerin beschreibt die täglichen Arbeitsabläufe "sehr anschaulich", wie Stimmen aus dem Publikum anerkennend bemerken.

Bei Leipprand kommen auch die zahlreichen Hürden nicht zu kurz – Fassade, Intrigen, Macht. "Die Realität ist manchmal unglaublich", weiß die ehemalige Gymnasiallehrerin.

Macht Politik dann überhaupt Spaß? "Auf jeden Fall", entgegnet Leipprand, "es betrifft ja auch jeden von uns." Der Leser darf in ihrem Buch selbst aktiv werden. In den jeweiligen Kapiteln werden alltägliche Geschehnisse dargestellt, am Ende steht dann die Frage: Was würdest du tun? Vier Antwortmöglichkeiten gibt es, einen Lösungsteil auch. Bestens informiert, steht der Karriere in der Kommunalpolitik nun nichts mehr im Wege. Doch wozu sollten sich die Bürger überhaupt politisch beteiligen? "Es ist fahrlässig, sich im Sessel zurückzulehnen und nur über die Politiker zu schimpfen", so die Autorin. "Immerhin bestimmen sie über uns." Und die meisten Entscheidungen seien immer noch von der Basis abhängig.

Klar, alle Wähler werden niemals zufrieden sein. "Es können eben nicht alle gleichzeitig eine grüne Ampel haben", sagt Leipprand, "sonst funktioniert das System nicht mehr."

Die Lesung zum "Nachhören": auf unserem Soundcloud-Account.

 

 

ReferentInnen

Eva Leipprand wurde 1947 in Erlangen geboren und ist in Nürnberg und München aufgewachsen. Sie studierte Anglistik und Geschichte in Würzburg und München, war dann Gymnasiallehrerin in Stuttgart. Seit 1989 lebt sie in Augsburg und war (von 2002 bis 2008) die erste grüne Kulturbürgermeisterin der Stadt. Sie arbeitet als freie Autorin und Literaturkritikerin und ist stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion.

Eva Leipprand ist außerdem Mitglied im Stiftungsrat der Petra-Kelly-Stiftung und sitzt auch in unserer Mitgliederversammlung.

Veranstaltungsort
Passau


Partner

Europabücherei Passau



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26.04.2012

Innovation und Bürgerprotest - Großprojekte und "Wutbürger" auf dem...

 

Die Zeit ist reif für eine Weiterentwicklung der demokratischen Kultur, für mehr Partizipation, für Transparenz und Offenheit bei Planungsverfahren, auch und gerade bei Infrastrutkur-Projekten. So lassen sich die Ergebnisse unserer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Nürnberger Eckstein zusammenfassen.

Stine Marg vom Göttinger Institut für Demokratieforschung berichtete über die Ergebnisse einiger empirischer Studien (die wichtigsten Ergebnisse finden sich in der Präsentation, die Sie als PDF-Datei bei uns bestellen können), die sich mit der Analyse aktueller Protestbewegungen befasst hatten. Knapp zusammengefasst handelt es sich bei der Mehrzahl der dort aktiven Menschen um eher ältere, überdurchschnittlich gut ausgebildete Menschen mit gesichertem Einkommen und meist längerer Protesterfahrung. Grün-Wähler sind unter ihnen deutlich überrepräsentiert. Insgesamt handelt es sich überwiegend um besserverdienendes Bürgertum, Arbeiter sind höchst selten. Obwohl in den Protestbewegungen ein deutliches Bekenntnis zu demokratischen Werten feststellbar ist, gibt es gleichzeitig aber auch eine große Skepsis gegenüber der Funktionsweise der politischen Institutionen und große Unzufriedenheit mit den handelnden Politikern. Dem korrespondiert ein großer Wunsch nach Ausweitung der demokratischen Partizipation. 

Stine Marg warnte aber davor, zusätzliche oder verstärkte Beteiligungsangebote als Erfolgsgaranten gegen anzusehen, die ein aufkommen von Protestbewegungen von vornherein vermeiden würden. Zudem würden diese Beteiligungsangebote nur selektiv von bestimmten Bevölkerungsschichten wahrgenommen. Es stelle sich deshalb die Frage, was mit denen passiere, die dabei „außen vor“ blieben. Auch Volks- und Bürgerentscheide sind ihrer Ansicht nach keine Allheilmittel, da dabei oft sehr komplexe Sachverhalte auf Ja-/Nein-Fragen verkürzt werden müssten.

Weitere Informationen:
Stine Marg: Alles nur Nimbys?
Göttinger Institut für Demokratieforschung: Stuttgart 21 nach dem
Schlichtungsverfahren. Ergebnisse einer zweiten Untersuchung zu den Protesten gegen Stuttgart 21
(PDF-Datei)
Göttinger Institut für Demokratieforschung: Die Proteste gegen den Flughafen Berlin Brandenburg (BER/BBI). Eine explorative Analyse der Protestteilnehmer (PDF-Datei)

 

Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Bayerischen Landtag, sprach sich demgegenüber sehr dezidiert für eine Verbesserung der Partizipation der BürgerInnen aus. Gerade bei den brennenden Zukunftsfragen sei es wichtig, die Kompetenz der BürgerInnen ganz bewusst einzubeziehen. Ganz entscheidend sei dabei, dass faire Verfahren zum Einsatz kämen. Eine so geartete bessere Partizipation sei schon an sich eine echte Innovation. Und mit ihrer Hilfe könne die anstehende Frage angegangen werden, was denn im 21. Jahrhundert als zukunftsfähige Infrastruktur betrachten werden müsse.

Für Bause ist eine entscheidende Voraussetzung gelingender Partizipation, dass die BürgerInnen alle notwendigen Informationen so frühzeitig wie möglich zur Verfügung gestellt werden. Transparenz und Offenheit auf Seiten der Verwaltung und der Politik seien unabdingbar. Nur auf diese Weise könne das Misstrauen, das derzeit oft noch das Verhältnis zwischen Planenden und Betroffenen beherrsche, nachhaltig abgebaut werden. Ein Informationsfreiheitsgesetz, das den BürgerInnen das Recht auf diese Informationen einräumt, nannte Margarete Bause einen ganz wichtigen Schritt auf diesem Weg.

Sie empfahl, öfters auf das Verfahren der Planungszelle zurückzugreifen, mit dem ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt auf der Basis optimaler Fachinformationen Lösungswege für Probleme ausarbeiten könne, bei denen sich die Politik oft überfordert zeige. Allerdings müssten so zustande gekommene Ergebnisse von der Politik auch ernst genommen werden. Wenn partizipativ gewonnene Empfehlungen dagegen in der Schublade verschwinden, würde sich dies demotivierend auf die BürgerInnen auswirken.

Verbesserte Verfahren und faire Regeln bei der Bürgerbeteiligung könnten – so das Fazit von Margarete Bause – zu einer veränderten Planungskultur führen, die auf gegenseitigem Vertrauen beruhe und so eine befriedende Wirkung habe.

ReferentInnen


Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Evangelische Stadtakademie Nürnberg



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21.03.2012 - 19:30

Politik zum Selbermachen - Eine Gebrauchsanweisung

 

Lesung mit Eva Leipprand

Einsichten einer kommunalpolitischen Insiderin

„Ja, so erleben wir das hier in Fürth auch!“ – Das war die spontane Reaktion mancher Besucher/in nach der Lesung aus Eva Leipprands Buch „Politik zum Selbermachen“. Die grüne Stadträtin und ehemalige Bürgermeisterin aus Augsburg hatte – gleichermaßen lehrreich, unterhaltsam wie auch nachdenklich stimmend – die wichtigsten Kapitel aus ihrem kommunalpolitischen Insiderbericht vorgetragen.

Eva  Leipprand war in die Buchhandlung Jungkunz nach Fürth gekommen, um ihre „Gebrauchsanweisung“ für die Kommunalpolitik in 22 Lektionen vorzustellen. Es ging um die ersten Schritte der „Seiteneinsteigerin“ in die Politik, wie sich die Autorin und Literaturkritikerin Leipprand selbst bezeichnete, um die Gedanken und Gefühle am Wahlabend, um die Frage, ob man als in die Stadtspitze gewählte Politikerin sich einen Dienstwagen „gönnen“ soll oder eben doch lieber nicht. Das Kapitel über ihre Erfahrungen am Info-Stand ließ sie jedoch bewusst aus: „Ich will ja niemanden demotivieren, der sich vielleicht mit dem Gedanken trägt, in die Kommunalpolitik einzusteigen“, erklärte sie schmunzelnd. Am wichtigsten war Eva Leipprand das Kapitel, das sich mit dem „Bürgerwillen“ befasst. Der nämlich ist gar nicht so einfach zu begreifen, weil er sich allzu oft in widerstreitenden Aussagen von divergierenden Interessengruppen manifestiere. Das Gemeinwohl, der Blick auf das Stadtinteresse als Ganzes, komme dabei sehr oft zu kurz. Aber darum müsse es in der Kommunalpolitik – so ihr Plädoyer in der engagiert geführten Diskussion – letztlich immer gehen. Bürgerbeteiligung muss deshalb ihrer Meinung nach möglichst frühzeitig und mit offenen Formen (Planungszellen, runde Tische und ähnliches) durchgeführt werden. Gerade in diesem Punkte konnte sie sich der Zustimmung des Fürther Publikums sicher sein, das von den Erfahrungen im Zusammenhang mit den Planungen für die „Neue Mitte“ berichtete. 

ReferentInnen

Eva Leipprand wurde 1947 in Erlangen geboren und ist in Nürnberg und München aufgewachsen. Sie studierte Anglistik und Geschichte in Würzburg und München, war dann Gymnasiallehrerin in Stuttgart. Seit 1989 lebt sie in Augsburg und war (von 2002 bis 2008) die erste grüne Kulturbürgermeisterin der Stadt. Sie arbeitet als freie Autorin und Literaturkritikerin und ist stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion.

Eva Leipprand ist außerdem Mitglied im Stiftungsrat der Petra-Kelly-Stiftung und sitzt auch in unserer Mitgliederversammlung.

Veranstaltungsort
Fürth


Partner

Buchhandlung Jungkunz, Fürth


Art der Veranstaltung
Lesung und Diskussion



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08.03.2012

Shared Space

Ein Konzept für lebenswerte öffentliche Straßenräume

Shared Space ist ein verkehrsplanerisches Konzept mit Zukunft – das ist das optimistische Fazit einer Tagung der Petra-Kelly-Stiftung und des Planerverbands SRL in der Würzburger Kolping-Akademie. Fast 100 Planer/innen, Kommunalpolitiker/innen, Verwaltungsfachleute und NGO-Mitglieder aus ganz Deutschland waren gekommen, um sich über die Philosophie dieses Verkehrskonzepts und die damit im In- und Ausland gemachten Erfahrungen zu informieren.

Sabine Lutz, langjährige Mitarbeiterin des Shared Space-„Erfinders“ Hans Mondermann, gab einen Überblick über die Gestaltungsgrundlagen und Ziele des Konzepts, das sich am besten als „Verkehrsraum für alle“ übersetzen lässt. Denn in Shared-Space-Bereichen wird der öffentliche Raum geteilt, alle Verkehrsteilnehmenden sind gleichberechtigt. Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme werden großgeschrieben, auf Verkehrzeichen wird weitgehend verzichtet. Ganz wichtig war Lutz die „Prozesshaftigkeit“ der Shared-Space-Idee: Es gehe dabei nicht darum, ein fertiges Konzept einfach umzusetzen, sondern es müssten Lösungen immer wieder optimiert werden, in steter Zusammenarbeit mit den Betroffenen und Beteiligten.

Die Präsentation von Sabine Lutz kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden.

Wie gut dieses Konzept auch in Großstädten mit hoher Verkehrsbelastung funktioniert, demonstrierte der Verkehrsplaner Dr. Michael Frehn am Beispiel Duisburgs. Dort wurden in den vergangenen Jahren der zentrale Opernplatz und mehrere Stadtteilzentren nach dem Shared-Space-Prinzip umgestaltet. Mit insgesamt sehr großem Erfolg, sowohl was die Verkehrssicherheit angeht als auch hinsichtlich der Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Die Präsentation von Michael Frehn ist als PDF-Datei bei uns erhältlich.

Einen sehr pragmatischen und in mittlerweile zehnjähriger Praxis bewährten Weg zur Umsetzung des Shared-Space-Gedankens hat die Schweiz gefunden: die sog. „Begegnungszone“, die Thomas Schweizer, der Geschäftsleiter des Verbands „Fussverkehr Schweiz“ vorstellte. Drei einfache Regeln gelten dort: Tempo 20, Vorrang für die Fußgänger, die die gesamte Fläche benutzen dürfen, sowie Parken nur auf den dafür markierten Flächen. Diese Begegnungszonen haben sich in ganz unterschiedlichen städtebaulichen Situationen bewährt: in Wohngebieten ebenso wie auf zentralen städtischen Plätzen mit hoher Kfz-Belastung.

Die Präsentation von Thomas Schweizer ist als PDF-Datei bestellbar.
Text von Thomas Schweizer zu den Begegnungszonen (ca. 700 KB)

Ob und wie Shared Space in Deutschland straßenverkehrsrechtlich umgesetzt werden kann, steht im Mittelpunkt einer von der „Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen“ herausgegebenen Handreichung, die einer der Mitverfasser, der Verkehrsplaner Dr. Wolfgang Haller vorstellte. Seine Antwort war klar: Es geht und es ist sinnvoll, weil Shared Space die Aufenthaltsqualität stärkt und die Überquerbarkeit der Straßen verbessert. Aber das Konzept sollte nicht flächenhaft und nicht ohne eindeutige Regeln umgesetzt werden. Und eine Umgestaltung des Straßenraums ist für den Erfolg in der Regel Voraussetzung. 

Die Präsentation von Wolfgang Haller können Sie als PDF-Datei bei uns bestellen.
Text von Wolfgang Haller zu Shared Space in den Regelwerken (ca. 80 KB)

In der Praxis ist es allerdings immer noch vielerorts schwierig, Shared-Space-Pläne umzusetzen, wie Martin Kaufmann, Bürgermeister im baden-württembergischen Rudersberg, am Beispiel seiner Gemeinde deutlich machte. Er versucht seit einigen Jahren, eine Durchgangsstraße im Ortszentrum als Shared-Space-Bereich zu gestalten und muss dabei mit vielfältigen Widerständen vor allem in der Ministerialbürokratie kämpfen.

Die Präsentation von Martin Kaufmann ist bei uns ebenfalls als PDF-Datei bestellbar.

Dass es aber auch viele optimistisch stimmende Beispiele für eine große Vielfalt von ganz verschiedenen und auf die jeweiligen städtebaulichen Gegebenheiten abgestimmten Shared-Space-Bereichen gibt, zeigte Jörg Thiemann-Linden vom Deutschen Institut für Urbanistik mit seiner abschließenden virtuellen Rundreise durch Deutschland, England, die Schweiz, Frankreich, Holland und Italien. Interessanterweise gibt es auch in Bayern, in dem die Staatsregierung dem Shared-Space-Gedanken eher distanziert gegenübersteht, etliche Beispiele für sehr gelungene Shared-Space-Umsetzungen. Thiemann-Linden verwies dabei auf Ingolstadt, Memmingen und Rosenheim sowie – im Bezirk Unterfranken – auf Aschaffenburg und Ochsenfurt.

Die sehr sehenswerte Präsentation von Jörg Thiemann-Linden können Sie als PDF-Datei bei uns bestellen.


Abschlussdiskussion mit allen Referent/inn/en - von links nach rechts: Dr. Michael Frehn, Thomas Schweizer, Dr. Wolfgang Haller, Katalin Saary (Moderation), Sabine Lutz, Jörg Thiemann-Linden, Martin Kaufmann.

Weitere Materialien und Literaturhinweise

Cornelius Bechtler u.a. (Hrsg.): Shared Space. Beispiele und Argumente für lebendige öffentliche Räume. AKP, Bielefeld 2010
Eine Rezension dieses Standardwerks finden Sie hier auf unserer Homepage.

Cycling Expertise I: Infrastructure. 4/2012: Shared Space (engl.)

Fussverkehr Schweiz: http://www.fussverkehr.ch/

Begegnungszonen in der Schweiz: http://www.begegnungszonen.ch/home/index.aspx

Stellungnahme der Bayerischen Staatsregierung zu Shared Space in Bayern (Juni 2010)

Jürgen Gerlach/Dirk Boenke/Jens Leven/Rob Methorst: Sinn und Unsinn von Shared Space – Zur Versachlichung einer populären Gestaltungsphilosophie

Jürgen Gerlach/Jörg Ortlepp/Heiko Voß : Shared Space - eine neue Gestaltungsphilosophie für Innenstädte? Beispiele und Empfehlungen für die Praxis

Städtebauliches Planungsverfahren Ortskern Bohmte im Rahmen des EU-Projekts Shared Space - Abschlussdokumentation 

Shared Space. Raum für alle - Neue Perspektiven zur Raumentwicklung 

Empfohlene Weblinks

www.srl.de

In Verbindung stehende Veranstaltungen
Shared Space: Hoffnung für den öffentlichen Raum!?


ReferentInnen

Dr.-Ing.Michael Frehn
Planersocietät - Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation
Gutenbergstraße 34
44139 Dortmund
Fon: 0231/589696-10
Fax: 0231/589696-18
E-Mail: frehn@planersocietaet.de
Internet: http://www.planersocietaet.de/


Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Haller
SHP Ingenieure
Plaza de Rosalia 1
30449  Hannover
Fon:  0511/3584 450
Fax:  0511/3584 477
E-Mail: W.Haller@shp-Ingenieure.de
Internet:  www.shp-ingenieure.de


Martin Kaufmann

Bürgermeister
Gemeinde Rudersberg
Backnanger Str. 26
73635 Rudersberg 
Fon: +49 (0)7183/3005-11
Fax: +49 (0)7183/3005-57
E-Mail: m.kaufmann@rudersberg.de
Internet: www.rudersberg.de


Sabine Lutz
SHARE Foundation, Groningen (NL)
Fon: 0031 6 4981 66 27
E-Mail: s.k.lutz@zonnet.nl


Thomas Schweizer

Fussverkehr Schweiz
Klosbachstrasse 48, 8032 Zürich
Fon:  043 488 40 32 
E-Mail: thomas.schweizer@fussverkehr.ch
Internet: www.fussverkehr.ch


Jörg Thiemann-Linden

Dipl.-Geograf, Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, Arbeitsbereich Mobilität und Infrastruktur
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin
Fon: +49 (0)30-39001-138; Fax: +49 (0)30-39001-241
E-Mail: thiemann-linden@difu.de


Veranstaltungsort
Würzburg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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06.10.2011

URBANITÄT STAT(D)T ÖL - Kommunale Planung für die post-fossile Stadt

 

Die Stadtentwicklung des 20. Jahrhunderts beruhte nicht zuletzt auf den fossilen Energien: Heizung, Strom, Verkehr - all dies war (und ist derzeit) ohne Öl und Kohle kaum vorstellbar. Doch die Zeiten der fossilen Stadt sind erkennbar vorbei, “Peak-Oil” ist bereits überschritten. Stadtentwicklung und Stadtplanung müssen sich auf das post-fossile Zeitalter ein- und umstellen.

Unsere Tagung stellte für diesen gewiss nicht einfachen Weg ins post-fossile Zeitalter einige konkrete Wegweiser auf. 

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Pietsch von der HafenCity Universität Hamburg gab einleitend einen historisch grundierten Überblick über die Herausforderungen und Handlungsfelder beim Übergang zur post-fossilen Stadt. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat laut Pietsch dieser Übergang zu intelligenten Ökosystemen einer post-fossilen nachhaltigen Entwicklung begonnen. Ein wesentliches Element dieser Entwicklung sieht er im intelligenten Energiemanagement („smart grid“). Auf den Weg der nachhaltigen Stadtentwicklung hätten sich mittlerweile auch industrielle Akteure wie die Siemens AG gemacht, die entsprechende Lösungen für Gebäude, Verkehr, Versorgung u.a. anbieten. Pietsch betonte: “Ein Denken in Lebenszyklen von Bauwerken, Infrastrukturen und Technologien wird idealerweise zu einer Mosaik-Zyklus-Kultur zur Bewirtschaftung urbaner Ressourcenfelder führen, in der unterschiedliche Entwicklungs- und Reifestadien nebeneinander einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess ermöglichen.“ Und weiter: „Notwendig wird ein anderes verständnis von (Stadt-) Planung. Der neue Ansatz überwindet das industriegesellschaftlich-fossile Denken und will nicht nur ‚ideale’ Zustände fixieren.“

Die Präsentation zum Vortrag kann bei uns als PDF-Datei bestellt werden.

Kontakt: 

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Pietsch
HCU Hamburg
Winterhuder Weg 31
22085 Hamburg
Tel.: 040/42827-4580
E-Mail: juergen.pietsch@hcu-hamburg.de
Internet: http://www.hcu-hamburg.de/research/forschung-personen-a-z/juergen-pietsch/

Ulrike Janssen, Geschäftsführerin des Klima-Bündnis, informierte in ihrem anschaulichen Vortrag über die aktuellen Rahmenbedingen, mögliche Strategien und erste Umsetzungsschritte beim Umbauprozess zur post-fossilen Stadt und konnte dabei auf zahlreiche konkrete Ansatzpunkte in den Klimabündnis-Städten verweisen. Sie wies sehr deutlich darauf hin, dass die eigentliche Energiewende nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft erst noch bevorstehe und sich entscheide, ob diese Wende dezentral, vor Ort und mit Beteiligung der Bürger/innen umgesetzt werde oder wieder nur die Energiekonzerne zum Zuge kämen. Für den ersten, von ihr favorisierten Ansatz gibt es bereits hoffnungsvolle Ansätze: Rekommunalisierung der Stromnetze, Stadtwerke, die auf erneuerbare Energien setzen, Städte und Gemeinden, die Energieeffizienz und Energiesparen Ernst nehmen. Das Leitbild all dieser Entwicklungen sieht Ulrike Janssen im Ziel der Versorgung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie.

Die Präsentation zum Vortrag kann bei uns als PDF-Datei bestellt werden.

Kontakt:

Ulrike Janssen
Klima-Bündnis - Climate Alliance - Alianza del Clima e.V.
Galvanistr. 28
60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069/717139-21
E-Mail: u.janssen@klimabuendnis.org
Internet: http://www.klimabuendnis.org

Olaf Hildebrandt von der Tübinger ebök GmBH schilderte die Notwendigen und Handlungsansätze für einen Übergang zur post-fossilen Stadt im Handlungsfeld Gebäudesanierung und Siedlungsentwicklung. Energieeinsparung und erneuerbare Energien sind die für ihn die zentralen technischen Bausteine zum Klimaschutz. Innerhalb der Stadt (-verwaltung) sollten deshalb alle Planungsebenen verzahnt werden. „Klimaschutz ist eine kommunikative Aufgabe, um Verbindlichkeit und Akzeptanz herzustellen“, betonte Hildebrandt.

Der Plenumsinput und der Workshop-Beitrag sind jeweils als PDF-Dateien bei uns zu bestellen.

Kontakt: 

Dipl.-Ing. Olaf Hildebrandt
IB ebök GmbH
Schellingstr. 4/2
72072 Tübingen
Tel: 07071/9394-0
E-Mail: mail@eboek.de
Internet: http://www.eboek.de/

Dr. Wolfgang Schade vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) skizzierte die Vision einer zukünftigen, gleichermaßen post-fossilen wie urbanen Mobilität, die darauf beruht, je nach Mobilitätszweck und –ziel unterschiedliche Verkehrsmittel (Stichwort: „multi-modal“!) gezielt zu nutzen. Wobei auch bei der Kfz-Nutzung die Betonung auf „nutzen“ liegen wird und nicht mehr auf Autobesitz“. Beim MIV wird man auf eine Vielzahl unterschiedlicher elektrischer Kleinfahrzeuge zurückgreifen können. Der Straßenraum wird immer häufiger zum „Shared Space“, zum von allen Verkehrsmitteln gleichberechtigt genutzten Raum. In den dadurch wachsenden Freiräumen können „grüne Städte“ mit hoher urbaner Lebensqualität entstehen.

Der Plenumsinput und der Workshop-Beitrag sind jeweils als PDF-Dateien bei uns zu bestellen.

Wolfgang Schade/Anja Peters/Claus Doll/Stefan Klug/Jonathan Köhler/Michael Krail: VIVER - Vision für nachhaltigen Verkehr in Deutschland. Working Paper Sustainability and Innovation No. S 3/2011: http://isi.fraunhofer.de/isi-de/n/download/publikationen/VIVER_Working_Paper.pdf

Zusammenfassung der Workshop-Diskussion

Kontakt:

Dr. Wolfgang Schade
Leiter des Geschäftsfeldes Verkehrssysteme
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Breslauer Strasse 48
76139 Karlsruhe
Tel.: 0721/6809-353
Fax: 0721/6809-135
E-Mail: w.schade@isi.fraunhofer.de
Internet:  http://isi.fraunhofer.de/isi-de/n/mitarbeiter/ws.php

Harald Rapp, Bereichsleiter Stadtentwicklung beim AGFW, erläuterte den Zusammenhang des Handlungsfelds Energieversorgung mit den zu treffenden stadtplanerischen Entscheidungen. Er betonte die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Bewertung hinsichtlich der prioritär zu realisierenden Maßnahmen. Dabei darf keiner der Faktoren energetische Effizienz (Energiebilanz, Vversorgungssicherheit), ökonomische Effizienz (Amortisationszeiten, Kosten- und Preisniveau), die soziale Verträglichkeit (Akzeptanz, Auswirkungen auf die Mietpreise) sowie ökologische Effizienz (CO2-Minimierung, Vermeidungskosten) vernachlässigt werden.

Den Workshop-Beitrag gibt es als PDF-Datei bei uns.

Kontakt:

Harald Rapp
Bereichsleiter Stadtentwicklung, Koordination Ost und Wissensmanagement
AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.
Stresemannallee 28
60596 Frankfurt/Main
Tel.: 069/6304-418
Fax: 069/6304-391
E-Mail: h.rapp@agfw.de
Internet: http://www.agfw.de/stadtentwicklung/

Dr. Hannah Büttner, Senior-Beraterin der in Beteiligungs- und Mediationsverfahren international aktiven IFOK GmbH, zeigte in ihrem Vortrag anschaulich auf, warum gerade in dem von Interessen- und Zielkonflikten gekennzeichneten Prozess des Übergangs zur post-fossilen Stadt eine intensive Bürgerbeteiligung von großer Bedeutung ist. Anhand mehrerer Fallbeispiele stellte sie dar, wie solche Beteiligungsverfahren erfolgreich organisiert werden können und welche Erfolgsfaktoren dabei systematisch zu berücksichtigen sind.

Die Vortragspräsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden.

Kontakt:

Dr. Hannah Büttner
IFOK GmbH
Tal 21
80331 München
Tel.: 089/2422352-11
Mobil: +49-170-7901562
E-Mail: hannah.buettner@ifok.de
Internet: http://www.ifok.de

Einige weiterführende Links:

100% Erneuerbare-Energie-Regionen: http://www.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukunft/index.php

Studienradar Erneuerbare Energien: http://www.energie-studien.de/

EE-Regionen - Sozialökologie der Selbstversorgung: http://www.ee-regionen.de/

EnEff:Stadt und EnEff:Wärme - Forschung für Energieeffizienz: http://www.eneff-stadt.info/

Kommunen mit erneuerbaren Energien: http://www.kommunal-erneuerbar.de/

Netzwerk RegioSolar: http://www.regiosolar.de/

Strategische kommunale Energiepolitik (SKEP): http://www.izt.de/skep/

Servicestelle Kommunaler Klimaschutz: http://www.kommunaler-klimaschutz.de/

Mobilität 21 - Kompetenznetzwerk für nachhaltige Mobilität: http://www.mobilitaet21.de/

Verkehrsportal des Umweltbundesamtes "Kommunal mobil": http://www.umweltbundesamt.de/verkehr/mobil/index.htm

Bürgerdialog Energietechnologien für die Zukunft: http://www.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukunft/index.php

deENet - regionales Unternehmens- und Technologienetzwerk der dezentralen Energie- und Effizienztechnologien: http://www.deenet.org/


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung


Art der Veranstaltung
Tagung



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27.09.2011

Die Kommunen: aktiv für den Green New Deal!

Green New Deal in der Debatte

Der ökologisch-soziale Umbau der Wirtschaft, Innovationen in Produktion und bei Dienstleistungen, Bildung für mehr Nachhaltigkeit – alle diese Facetten eines "Green New Deal" müssen "vor Ort", in den Kommunen, umgesetzt werden. Die Kommunen sind im Rahmen des Green New Deal in vielfältiger Weise gefordert:

  • Sie können den Umbau fördern, steuern, als Vorbild wirken und Netzwerke mit anderen Akteuren aufbauen.
  • Sie können mit ihren wirtschaftlichen Unternehmen, den Stadtwerken zum Beispiel, selbst unmittelbar aktiv werden.
  • Und sie sind nicht zuletzt Partner der regionalen Wirtschaft, ohne die sich ein solcher Umbau nicht realisieren lässt.

Was dies konkret heißt, zeigte unsere Veranstaltung in Würzburg an verschiedenen Beispielen sehr anschaulich auf.

Joachim Lorenz, bereits seit 1993 als Umweltreferent federführend für den ökologischen Umbau der Landeshauptstadt München, zeigte in seinem Überblick (als PDF-Datei bei uns bestellbar) über die vielfältigen Aktivitäten, Maßnahmen und Förderprogramme sehr überzeugend, dass in München eine „Green New Deal“-Politik schon betrieben wurde, lang bevor dieser Begriff überhaupt „erfunden“ wurde. Nur einige Highlights seien hier wähnt:

  • In Zusammenarbeit mit den Innungen und Kammern wurden Qualitätsstandards für die energetische Gebäudesanierung entwickelt. Mit eigenen Förderprogrammen soll das immense Einsparpotenzial in diesem Bereich aktiviert werden. So werden die Mehrkosten, die bei einer Unterschreitung der gesetzlich geforderten Mindeststandards anfallen, mit bis zu 60-80% bezuschusst.
  • Im Rahmen des Klimaschutzbündnisses werden gemeinsam mit Münchner Unternehmen für diese eigene Klimaschutzprogramme entwickelt und umgesetzt. Dabei wird v.a. auf die Wiederholbarkeit und den Vorbildcharakter der entwickelten Maßnahmen geachtet.
  • Im Rahmen der Solarinitiave München wird versucht, bisher nicht verfügbare Dächer für Solarnutzung zu akquirieren und so die Solarisierung Münchens auch bei „schwierigen“ Eigentumsverhältnissen zu beschleunigen und die Hindernisse dafür in anonymen Großstadtmilieus zu überwinden.
  • In München werden alle Neubaugebiete untersucht, wie sie optimal mit erneuerbaren Energien versorgt werden können.
  • Die Stadtwerke München beraten umliegende Gemeinden bei der Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen und führen auch die dafür notwendigen Messungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen durch.

Die Kommunen seien – so Lorenz – auch als Auftraggeber gefragt. Als ein Nachfrager mit erheblicher „Marktmacht“  könne und müsse dies auch offensiv eingesetzt werden. Entsprechende Vergabekriterien, die ökologische und soziale Standards garantieren, gelten in München für die gesamte Stadtverwaltung.

Norbert Zösch, Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt, zeigte am Beispiel der umfangreichen Aktivitäten (als PDF-Datei bei uns bestellbar) seines Unternehmens auf, wie auch in einer relativ kleinen Stadt (Haßfurt hat 14.000 EinwohnerInnen) Stadtwerke eine konsequente Politik im Sinne eines ökologischen Umbaus betreiben können. So gibt es in Haßfurt in allen städtischen Einrichtungen ein von den Stadtwerken betriebenes Blockheizkraftwerk mit einer Gesamtleistung von 1,8 MW. Die Stadtwerke bauen kontinuierlich ihre Eigenerzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen aus. Sie betreiben drei Windkraftanlagen (6,9 MW), und eine Biogas-Anlage (1,45 MW) sowie eigene PV-Anlagen und mieten auch Privatflächen für Solardächer an (insgesamt 6,5 MW). In Kooperation mit Greenpeace Energy bietet das Stadtwerk einen Tarif für zertifizierten Ökostrom an. 

Gemeinsam mit den anderen Gemeinden des Landkreises ist Haßfurt als Gesellschafter an einer landkreisweiten GmbH beteiligt, die den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben soll. Im gesamten Landkreis sind ca. 30-40 Windkraftanlagen möglich, deren Potenzial die Gesellschaft erschließen will.

Ein besonderes Highlight ist das internetgestützte Smart Metering-System, mit dessen Hilfe die Kunden ihren Energie- (und auch Wasser-) Verbrauch analysieren und ggf. anpassen können, so z.B. durch das Vermeiden der teuren Tageslastspitzen oder durch das Ausschalten des Stand-by-Betriebs von Elektrogeräten. Dort wo die Möglichkeiten dieses Smart Grids optimal genutzt werden, konnten laut Zösch Einsparerfolge bis zu 25% weniger Energieverbrauch erreicht werden.

Norbert Zösch betonte sehr nachdrücklich den Unterschied zwischen kommunalen Unternehmen und gewinnorientierten Energieversorgern: „Unsere Aufgabe als Stadtwerk ist es, die Stadt bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen, nicht aber Profite für Aktionäre zu erwirtschaften.“

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken, Rolf Lauer, betonte die wichtige Rolle des Handwerks bei der Umsetzung von ökologischen Modernisierungen: „Wir sind problemorientiert, wir arbeiten direkt am Kunden für konkrete Lösungen.“ So gebe es für den immens wichtigen Bereich der Wärmedämmung und energetischen Sanierung in Unterfranken zertifizierte Betriebe, die effiziente und wirtschaftliche Lösungen anbieten. Aber auch in den Betrieben selbst werde einiges getan: von der Abwärmenutzung in Bäckereien bis hin zum Wasserrecycling in Reinigungen. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Beratungszentrum der Handwerkskammer, das auf dem neusten Stand der Technologie die eigenen Betriebe, aber auch Architekten und Privatleute berate. Lauer betonte, dass sich eine Berücksichtigung ökologischer Ziele in Gewerbetrieben immer an der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen orientieren müsse. Deshalb gebe es bei der Wärmedämmung von Betriebsgebäuden immer noch ein großes Defizit, während auf die Energieeffizienz eingesetzter Maschinen in der Regel sehr hoher Wert gelegt werde.

Lauer forderte (von Joachim Lorenz ausdrücklich unterstützt) deutliche steuerliche Anreize, um die energetische Sanierung von Gebäuden wirklich nachdrücklich voranzubringen. Wenn – wie derzeit – nur rund 0,6% des Gebäudebestands pro Jahr energetisch saniert werde, sei das viel zu wenig und geradezu „irrational“ (Lorenz) in Bezug auf das immense Einsparpotenzial.


Die Podiumsdiskutanten: Rolf Lauer, Barbara Markus (Moderation), Norbert Zösch, und Joachim Lorenz (von links nach rechts)

Joachim Lorenz fasste – vom Publikum sehr beifällig aufgenommen - das Fazit der Diskussion zusammen: „Stadtverwaltung, Stadtwerke und andere kommunale Betriebe müssen als Vorbilder agieren, die die anderen Akteure der kommunalen Zivilgesellschaft ‚mitnehmen’“.

Ein kurze Zusammenfassung der Diskussion bietet auch unser Video auf YouTube.

ReferentInnen

Joachim Lorenz
Berufsmäßiger Stadtrat, Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt
Bayerstr. 28a
80335 München
Telefon: 089-2334 75 00
Telefax: 089-2334 75 05
E-Mail:  joachim.lorenz@muenchen.de

Norbert Zösch
Geschäftsführer, Stadtwerk Haßfurt GmbH
Augsfelderstr. 6
97437 Haßfurt
Telefon : 09521-949435
Telefax : 09521-949441
E-Mail : zoesch@stwhas.de
http://www.stwhas.de

Dipl.-Kfm. Rolf Lauer
Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Unterfranken
Rennwegerring 3
97070 Würzburg
E-Mail: r.lauer@hwk-ufr.de
Tel: 0931-309081116



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31.08.2011

Die Wirtschaft wird grün!

Eine Bildungsreise durch Bayern und Baden-Württemberg

„Die Wirtschaft wird grün!“ – Dass das Motto unserer Bildungsreise keineswegs ein visionäres Postulat, sondern vielerorts konkrete Realität ist, das zeigten die Besuche bei Unternehmen und Projekten aus verschiedensten Wirtschaftsbereichen sehr anschaulich.

 Eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung der Wirtschaft braucht ein verlässliches Umfeld, eine entsprechende Infrastruktur, qualifiziertes Personal und nicht zuletzt ein „Klima“, in dem sich innovative Ansätze entfalten können. Dafür sind auch und vor allem die Kommunen als Standorte zuständig. Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz ist hierfür in vieler Hinsicht vorbildlich: Nachhaltigkeit ist die Kernbotschaft des Stadtleitbilds. Neumarkt wurde für seine Anstrengungen mehrfach ausgezeichnet, so von der UNESCO als "Stadt der Weltdekade für nachhaltige Bildung" und mit dem Gütesiegel „nachhaltige Bürgerkommune“. Außerdem ist Neumarkt seit 2009 die erste Fair-Trade-Stadt Bayerns.

Mit dem Beitritt zum Klimabündnis 2007, der Gründung des Klimaforums 2008 und der Unterzeichnung des Konvents der Bürgermeister in Brüssel im Jahr 2009 hat Neumarkt deutlich gemacht, dass es die Ziele Klimaschutz und Nachhaltigkeit ernst meint. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder eingeleitet. Das 100-Dächer-Solar-Programm ist hier ebenso zu nennen wie das Förderprogramm Gebäudesanierung und energetisches Bauen, das immerhin mit der für eine Stadt in Größenordnung Neumarkts beträchtlichen Summe von 2 Mio. Euro im Jahr dotiert ist. Nachhaltigkeit im Bauen wird mit der „Grünen Hausnummer“ auch öffentlich „belohnt“.

Die Einbeziehung der Bürgerschaft in die Nachhaltigkeitsprozesse ist ein zentrales Anliegen in Neumarkt, wie Ruth Dorner (oben im Bild), 2. Bürgermeisterin und Agenda 21-Beauftragte der Stadt, betonte. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Bürgerhaus: als Servicezentrale, Beteiligungsnetzwerk und Projektschmiede.

Eine Übersicht über die vielfältigen Aktivitäten Neumarkts auf dem Feld der Nachhaltigkeitspolitik gibt die Präsentation von Ruth Dorner im Rahmen unseres Besuchs, die als PDF-Datei bei uns bestellt werden kann.

Details: http://www.neumarkt.de/de/wirtschaft/nachhaltigkeit-und-klimaschutz.html

Kontakt:
Ruth Dorner, Bürgermeisterin, Stadtverwaltung Neumarkt i.d.OPf., Rathausplatz 1, 92318 Neumarkt i.d.OPf., Tel.: 09181-511038, Fax: 09181-510852, E-Mail: ruth.dorner@neumarkt.de
Ralf Mützel, Bürgerhaus Stadt Neumarkt i.d.OPf., Leiter Büro für Soziale Stadt und Lokale Agenda 21, Fischergasse 1, 92318 Neumarkt i.d.OPf., Tel.: 09181-512266, Fax: 09181-510852, E-Mail: ralf.muetzel@neumarkt.de

Ein weites Feld für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaft ist der Anbau und die Vermarktung von Bio-Produkten in der Landwirtschaft. Im Kloster Plankstetten, als Öko-Kloster auch überregional bekannt geworden, gab Frater Richard (links im Bild) einen Überblick über die Aktivitäten der Benediktiner-Mönche und die Entwicklung ihrer landwirtschaftlichen Güter. Interessant dabei war seine Aussage, dass die Abtei, nachdem sie über Jahrzehnte hinweg alle landwirtschaftlichen „Moden“ bis hin zur industrialisierten Produktion mitgemacht habe, in den 80er Jahren vor der Alternative stand, den Betrieb ganz aufzugeben oder eben auf eine ökologisch verträgliche Wirtschaftsweise umzusteigen. Dieser Umstieg, der 1994 abgeschlossen war, erwies sich in mehrfacher Hinsicht als Erfolg. So sei das Kloster mittlerweile der Mittelpunkt für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in der gesamten Region und habe eine Vorbildwirkung, die weit ausstrahle. Zum anderen könne das Kloster ökologisch wirtschaftende Nebenerwerbsbauern unterstützen, durch die Abnahme ihrer Produkte, aber auch durch die Bereitstellung von Lagerkapazitäten zum Beispiel für Bio-Getreide.

Details:
http://www.kloster-plankstetten.de/html/klosterbetriebe.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Plankstetten
Uwe Ritzer: Beten und Ernten. Mönch als Unternehmer (SZ-Artikel) 

Kontakt: Klostergut Plankstetten, Staudenhof 3, 92334 Berching, Tel. 0 84 62-90 66 94 oder 90 600-52, Fax: (0 84 62) 90 600-53, E-Mail: klostergut@kloster-plankstetten.de

In erheblich größerem Maßstab befasst sich die Rapunzel GmbH mit Bio-Lebensmitteln. 1974 wurde Rapunzel gegründet, weil Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen (bis heute in der Führungsetage der Firma tätig) das, „was wir essen wollten, was nicht kaufen konnten“. Rapunzel ist der Pionier unter den Öko-Händlern. Heute umfasst Rapunzel 15 Bio-Anbauprojekte in 11 Ländern und ist eines der führenden Unternehmen für Erzeugung, Herstellung und Vertrieb von vegetarisch-biologischen Lebensmitteln mit rund 300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Wie Heike Kirsten (rechts), Marketingleiterin des Unternehmens, sehr überzeugend darstellte, sieht sich Rapunzel von der Beschaffung der Bio-Rohstoffe bis zum Verkauf der fertigen Produkte über die gesamte Prozesskette hinweg in der Verantwortung, eine hohe Produkt- und Lebensqualität zu schaffen. Dies gilt für alle Beteiligten – vom Lieferanten über die Mitarbeitenden bis zum Fachhandel.

Beeindruckend ist vor allem die Konsequenz, mit der Rapunzel ökologische Ziele mit ökonomischer und sozialer Verantwortung verknüpft. Das HAND IN HAND-Partnerprogramm von Rapunzel verbindet die Idee des kontrolliert biologischen Anbaus mit der des Fairen Handels. Durch langfristige Lieferbeziehungen haben die Partner neue Zukunftschancen, den Kunden wird dadurch eine gleichbleibend hohe Bio-Qualität garantiert. Außerdem engagiert sich Rapunzel in den Partnerregionen durch die Unterstützung sozialer und ökologischer Projekte. Insbesondere Bildungsprojekte, die den Menschen in den Partnerregionen in Südamerika, Afrika und Asien eine dauerhaft nachhaltige Zukunft sichern sollen, stehen dabei im Vordergrund. Begonnen hatte diese auf Dauer angelegte Zusammenarbeit bereits 1985 in der Türkei. 1991 eröffnete Rapunzel dann in Izmir ein Beratungsbüro. 1997 wurde daraus eine Tochterfirma gegründet.

Details: http://www.rapunzel.de/index.html

Kontakt: Heike Kirsten, RAPUNZEL Naturkost, Rapunzelstr. 1, 87764 Legau, Tel.: 08330-5291134, Fax: 08330-5291678, E-Mail: heike.kirsten@rapunzel.de

Mit nur einem, dafür nicht nur in Bayern um so wichtigeren Lebensmittel befasst sich die Brauerei Härle in Leutkirch im Allgäu. Dort bezieht sich das Umweltengagement nicht nur auf das Produkt und seine Bestandteile (Das „LandZüngle“, ein naturtrübes Fassbier, wird aus rein ökologischen Rohstoffen gebraut), sondern auch und vor allem auf den Produktionsprozess. Dafür ist die Brauerei im Jahr 2010 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Da die Brauerei Härle ausschließlich erneuerbare Energieträger einsetzt (Holzhackschnitzel aus der Region sowie Strom aus Wasserkraft, Wind, Biomasse und Sonne), darf sie sich als erste Brauerei in Deutschland bezeichnen, die ihre Biere zu 100% klimaneutral herstellt und vertreibt. 

Details: http://www.haerle.de/5.html 

Kontakt: Bernhard Walberer (siehe Bild rechts), Braumeister, Brauerei Clemens Härle KG, Am Hopfengarten 5, 88299 Leutkirch im Allgäu, Tel.: 07561-982825, Mail: bernhard.walberer@haerle.de

Wer ein ökologisches, der Nachhaltigkeit verpflichtetes Unternehmen aufbauen will, der kann dies in aller Regel nicht aus eigener Kraft, sondern braucht dafür Kapital. Die Finanzierung ökologischer Projekte zur Geschäftsidee zu machen, war der Ausgangspunkt für die Entstehung der Nürnberger Umweltbank. Als einzige Bank Deutschlands finanziert sie ausschließlich Umweltprojekte – Erneuerbare Energien, Bio-Landbau und Ökohäuser. Und sie hat den Umweltschutz als Unternehmensgegenstand in ihrer Satzung verankert. Das heißt auch: Jeder Anleger hat die Garantie, dass sein Geld nur an solche Projekte vergeben wird. Wie Marketing-Leiter Oliver Brandt und Ilona Klingele (im Bild links) von der Projektfinanzierung erläuterten, hat die Umweltbank mittlerweile ein Geschäftsvolumen von 2,1 Mrd. EUR. 150 Mitarbeiter/innen betreuen rund 90.000 Kunden und haben 16.000 Projekte abgewickelt. Ein sehr beträchtlicher Teil des Kreditvolumens (insgesamt über 45%) fließt derzeit in Solar-Projekte, ökologisches Bauen (Neubau und Sanierung) steht mit knapp 33% an zweiter Stelle. Beispielhafte Projekte sind der Solarpark Zerre auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks, das mit einer Leistung von 8 MW Strom für 3.000 Haushalte produzieren wird.

Details: http://www.umweltbank.de/umweltbank/default.html

Kontakt: Oliver Brandt, UmweltBank AG, Kommunikation, Laufertorgraben 6, 90489 Nürnberg, Tel: 0911-53 08261, Fax: 0911-53 08269, E-Mail: kommunikation@umweltbank.de

Eine moderne Industriegesellschaft ist ohne Mobilität nicht denkbar. Gleichzeitig ist der dafür notwendige Verkehr eines der größten Probleme (CO2-Belastung, Flächenverbrauch etc.) für eine wirklich nachhaltige Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Um so wichtiger sind gerade in diesem Sektor zukunftsweisende und innovative Projekte. Car2Go, von der Daimler AG vor einigen Jahren in Ulm als Experiment gestartet, gehört sicher in diese Kategorie. Als individualisiertes, standortunabhängiges Car-Sharing bietet es allen Car2Go-Teilnhmer/innen die Möglichkeit, jederzeit und ohne Voranmeldung ein Auto der Car2Go-Smart-Flotte zu benutzen und es an einem beliebigen Ort im Geschäftsgebiet (hier: Ulm und Neu-Ulm) wieder abzustellen. Im Gegensatz zu anderen Car-Sharing-Modellen (bei denen das Auto wieder zum ursprünglichen Standplatz zurückkehren muss) sind auf diese Weise auch Ein-Weg-Fahrten möglich. Die Abrechnung erfolgt ausschließlich nach der Dauer der Nutzung. Der Erfolg dieses Modells in Ulm führte inzwischen dazu, dass Car2Go-Projekte auch in Austin/Texas, San Diego, Vancouver, Amsterdam und Hamburg eingerichtet wurden.

Bemerkenswert an diesem Projekt ist zweierlei: Es wird vom Hersteller jener Automobile durchgeführt, der sich bislang vornehmlich auf die Produktion typischer „Renn-Reise-Limousinen“ konzentriert hatte. Und es versucht ganz bewusst neue Mobilitätstrends gerade in urbanen Räumen (Motto: „Auto nutzen statt Auto besitzen“) aufzugreifen. Ein Trend, der im übrigen auch von anderen Automobilherstellern erkannt und aufgegriffen wird, so z.B. von BMW in München (DriveNow) und von der Volkswagen AG in Hannover („Quicar“).

Details: http://www.car2go.com/ulm/de/

Kontakt: Andreas Leo, Car2Go, Pressesprecher (Deutschland, Unternehmenskommunikation), E-Mail: presse@car2go.com oder andreas.leo@daimler.com

Ganz anders schaut die Problemlage im ländlichen Raum aus. Hier ist es schwierig, überhaupt genügend Fahrgäste für öffentliche Verkehrsmittel zu finden. Im schwäbischen Krumbach (Lkr. Günzburg) geht man mit dem Flexibus neue Wege: Wie Harald Lenz, grüner Kreisrat vor Ort, erläuterte, ist der Flexibus ein nicht liniengebundenes Rufbus-System: Der Flexibus fährt innerhalb der Stadt und der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach in drei Zonen und holt die Fahrgäste mit einem Kleinbus (6-8 Sitzplätze) von über 300 Haltestellen ab und bringt sie zur dem Zielort nächstgelegenen Haltestelle. Die Rufbereitschaft für die Bestellung ist von Montag bis Sonntag von 7.00 bis 18.00 Uhr. Die Betriebszeiten sind von 5.00 bis 21.00 Uhr, freitags und samstags bis 24.00 Uhr. Die Fahrgäste sollten ihren Fahrtwunsch mindestens eine halbe Stunde vor dem gewünschten Fahrtermin telefonisch angemeldet haben. Im zweiten Betriebsjahr wurden über 25.000 Fahrgäste verzeichnet. Das Flexibus-System (dem allerdings der bisherige Stadtbus in Krumbach zum Opfer gefallen ist) wurde mit dem Innovationspreis des Verkehrsclubs Deutschland ausgezeichnet.

Details: http://www.flexibus.net/index.html
Infobroschüre als PDF-Datei
Zusammenfassung von Harld Lenz

Kontakt: BBS Schapfl KG, Hans-Lingl-Straße 1, 86381 Krumbach, Tel. 08282-9902100

Was Nachhaltigkeit im Energiesektor bedeutet, wurde beim Besuch der Energieregion Merkendorf deutlich. Das gilt für die Kleinstadt Merkendorf, die sich im Jahr 2010 zu 217% (!!) mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen selbst versorgte, genauso wie die sie umgebende Energieregion, die sich die Reduzierung des Energieverbrauchs und die Erhöhung des Einsatzes regenerativer Energien auf die Fahnen geschrieben hat. Damit wird die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen vermindert, die regionale Wertschöpfung gesteigert und nicht zuletzt ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Im „Energiepark“, dem Gewerbegebiet Merkendorfs, haben sich zudem einige innovative Unternehmen aus der Solar- und Energiebranche angesiedelt, die qualifizierte Arbeitsplätze bereitstellen und zur gesunden ökonomischen Basis Merkendorfs beitragen, wie Bürgermeister Hans Popp (im obigen Bild rechts neben Peter Gack) mit einigem Stolz feststellte (seine Präsentation kann als PDF-Datei bei uns bestellt werden!). In Merkendorf gibt es neun als Blockheizkraftwerke betriebene Biogasanlagen, die also nicht nur Strom erzeugen, sondern deren Wärme in ein Nah- und Fernwärmenetz eingespeist wird. Aus einer Bürgersolaranlage und einer Bürgerfreiflächenanlage wird regenerativer Strom ins Netz gespeist.

Die wirtschaftliche Bilanz dieser Nachhaltigkeitsstrategie kann sich sehen lassen: Über 260 Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare Energien wurden geschaffen, über 70 % der Gewerbesteuereinnahmen entstammen dem Bereich Erneuerbare Energie. Durch die enorme regionale Wertschöpfung werden die Erwerbsstrukturen für kommende Generationen gesichert und der ländliche Raum gestärkt.

Details: http://www.merkendorf.de
Kommune des Monats auf "Kommunal erneuerbar"
Klimaschutzkommune 2009 der Deutschen Umwelthilfe
Film "Merkendorf: Zeigt Energiegröße"

Kontakt: Dipl.-Kfm. Univ. Hans Popp, Erster Bürgermeister, Stadt Merkendorf, Marktplatz 1, 91732 Merkendorf, Tel.: 09826-6500, Fax.: 09826-65055, Mobil: 0172-8412329, E-Mail: buergermeister@merkendorf.de

Am Schluss der Bildungsreise stand ein Besuch bei der Firma „Bau-Fritz“, die vor über einem Jahrhundert als traditionelle Schreinerei begann und heute eines der innovativsten Holzhaus-Unternehmen Europas ist. Der Umstieg auf das Konzept des „Vollwert-Hauses“ (im Bild eines der Musterhäuser) hatte einen tragischen familiären Hintergrund: die Krebserkrankung der Frau des Unternehmenschefs Hubert Fritz, der bereits 1995 zum Ökomanager des Jahres gewählt wurde. Heute baut das Unternehmen – wie Yvonne Nieberle ausführte – pro Jahr ca. 180 ökologische Holzhäuser (vor allem Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser, aber auch ganze Siedlungen, Kindergärten, Schulen, Hotelanlagen, Feriendörfer und Gewerbebauten) in ganz Europa und beschäftigt rund 240 Mitarbeiter. Das Unternehmen engagiert sich auch in sozialer Hinsicht: Dazu gehören diverse Hilfsprojekte im In- und Ausland sowie eine der ersten eigenfinanzierten betrieblichen Kindertagesstätten in Bayern. 2008 wurde Bau-Fritz als familienfreundlichstes Unternehmen im Mittelstand ausgezeichnet.

Details: http://www.baufritz.com/de/qualitaet-und-kompetenz/oekologie/text/

Kontakt: BAUFRITZ, Alpenweg 25, 87746 Erkheim/Allgäu, Tel.: 08336-9000, Fax: 08336-900260, E-Mail: info@baufritz.de



Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Heinrich Böll Stiftung


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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