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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

18.11.2015 - 19:00

Trump, Clinton und andere Millionäre: wer regiert die USA nach Obama?

 

Der Aufstieg des Immobilien-Milliardärs Donald Trump zum „Frontrunner“ bei der Kür des Präsidentschaftskandidaten 2016 der Republikaner lässt die Alarmglocken schrillen: Spielt Geld eine manipulative Rolle in US-Wahlkämpfen? Auch sein innerparteilicher Konkurrent Jeb Bush und die mutmaßliche Gegenkandidatin bei den Demokraten, Hillary Clinton, sind Millionäre.

In seinem Vortrag warf der Amerika-Experte Christoph von Marschall einen Blick auf die Präsidentschaftswahl 2016 und die entscheidenden Dynamiken amerikanischer Kampagnen. Er war von 2005 bis 2013 USA- und White-House-Korrespondent, hat Barack Obama in seinen Wahlkämpfen begleitet und ist derzeit Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des in Berlin erscheinenden Tagesspiegel.


Den Mitschnitt des Vortrages können Sie hier nachhören und herunterladen.
Ein Video bestehend aus der Powerpoint des Referenten und seines Vortrages können Sie hier ansehen.
Die Powerpoint kann hier heruntergeladen werden.

ReferentInnen

Christoph von Marschall
Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion, „Der Tagesspiegel“, von 2005 bis 2013 White-House-Korrespondent des Tagesspiegel in Washington;
Autor u.a. folgender Bücher „Barack Obama. Der schwarze Kennedy“ und "Der neue Obama. Was von der zweiten Amtszeit zu erwarten ist“

Veranstaltungsort
München, Amerikahaus, Karolinenplatz 3


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Stiftung Bayerisches Amerikahaus gGmbH


Art der Veranstaltung
Vortrag



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12.11.2015 - 19:00

Salim Altori: Die Situation der Beduinen in Israel

Veranstaltungsreihe "Palästina/Israel - Herbst 2015"

Salim Altori, Beduine mit israelischer Staatsbürgerschaft, hat in Deutschland Wirtschaftswissenschaften
studiert und lebt in Rahat, Israel. Jahrzehntelang zeichnete sich die beduinische Bevölkerung durch Loyalität zum Staat Israel aus. Diese Epoche hat sich durch Vorgänge der sozialen Diskriminierung
erledigt. Besonders im Negev sind große Teile der Beduinen in ihrer traditionellen Lebensweise
bedroht.


Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Salim Altori

Veranstaltungsort
München, Gasteig Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5


Kosten
7,- Euro


Partner

Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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11.11.2015 - 19:00

Der Nahe Osten als Herausforderung der internationalen Diplomatie

Veranstaltungsreihe "Palästina/Israel - Herbst 2015"

Im Mittelpunkt der Veranstaltung soll der Einfluss der Zivilgesellschaft auf Entscheidungen der internationalen Diplomatie im Kontext der Umbrüche im Nahen Osten stehen.


Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Prof. Dr. Udo Steinbach
Gründer des „Governance Center Middle East/North Africa“ (Berlin)
Dr. Reiner Bernstein
Nahost-Historiker.

Veranstaltungsort
München, Gasteig Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5


Kosten
7,- Euro


Partner

Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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08.11.2015 - 19:00

Der jüdische Fundamentalismus in Israel und die Palästinenser

Veranstaltungsreihe "Palästina/Israel - Herbst 2015"

Dr. Khalil Nakhleh, Anthropologe, Palästinenser aus Israel, lebt zur Zeit in Ramallah.
Er hat viele Jahre in Palästina, Israel und USA an Hochschulen unterrichtet. Als Anthropologe befasste er sich vor allem mit der Frage, wie sich die palästinensische Gesellschaft unter der Besatzung verändert. Er war jahrelang Berater für Hochschulbildung in Palästina und leitete mehrere Bildungsprojekte u.a. auch für
die Europäische Kommission.
Dr. Nakhleh publizierte u. a. „Globalized Palestine: The National Sell-Out of a Homeland“ (Trenton 2012)
und „Professor Israel Shahak: An Unwavering Critic of Jewish-Zionist-Israeli Hypocrisy“ (Ramallah 2014). Beide Bücher in Englisch und Arabisch.

 

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Dr. Khalil Nakhleh
Anthropologe

Veranstaltungsort
München, Gasteig Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5


Kosten
7,- Euro


Partner

Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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07.11.2015 - 19:00

Hintergründe zur Entwicklung und Wirkung der weltweiten und...

Veranstaltungsreihe "Palästina/Israel - Herbst 2015"

Christopher Ben Kushka ist Menschenrechtsaktivist und engagiert sich seit Jahren für einen gerechten Frieden auf dem Gebiet des historischen Palästina. Er hat in den 90er Jahren zwei Jahre in der Region gelebt und frischt diese Verbindung so oft wie möglich auf.


Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Christopher Ben Kushka

Veranstaltungsort
München, Gasteig Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5


Kosten
7,- Euro


Partner

Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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28.10.2015 - 19:30

Nigeria. Macht und Ohnmacht am Golf von Guinea

 

In seiner brillanten Analyse der innenpolitischen Lage geht der ausgewiesene Nigeria-Kenner Heinrich Bergstresser den Gründen für die vielfältigen Verwerfungen des »Systems« Nigeria nach und erklärt, wie es zu den konfliktreichen Verhältnissen kommen konnte. Dabei spielt der Kampf um die politische Macht und die Sicherung des Zugangs zu den Ressourcen Erdöl und Erdgas insbesondere im Niger-Delta die zentrale Rolle. Heinrich Bergstresser gelingt es, sowohl die verworrene jüngere Geschichte als auch die aktuellen, sehr komplexen Problemfelder des Vielvölkerstaates und dessen Perspektiven anschaulich und dabei kritisch zu beschreiben.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf dem Flyer.

ReferentInnen

Heinrich Bergstresser
geb. 1949, Studium der Politikwissenschaft und Afrikanistik in Hamburg, langjähriger Redakteur bei der Deutschen Welle in Köln und Bonn. Viele Berichte, Reportagen und Features über Nigeria und andere afrikanische Staaten sowie über die Medienentwicklung in Afrika. Arbeitet als freier wissenschaftlicher Autor und Journalist
Autor des Buches „Nigeria. Macht und Ohnmacht am Golf von Guinea“, Verlag Brandes und Apsel, 2010

Veranstaltungsort
München, IG-InitiativGruppe e.V., Karlstr. 48-50, Hinterhaus


Kosten
6,- Euro / ermäßigt: 4,- Euro


Partner

Inititativgruppe e.V.


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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21.10.2015 - 19:00

Anspruch auf heiligen Boden - Der israelisch-palästinensische...

In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtakademie und der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München

Für jüdische Nationalreligiöse war der muslimische Tempelberg lange ein Tabu. Heute pilgern sie dorthin und fordern, dort beten und sogar eine Synagoge bauen zu dürfen. Die Palästinenser fühlen sich provoziert, zumal die Eiferer durch ranghohe rechtsgerichtete israelische Politiker wie Uri Ariel oder Ayelet Shaked und Miri Regev unterstützt werden. Letztere sind mittlerweile zu Ministerinnen aufgestiegen und könnten den Konflikt weiter anheizen. Neben der Geschichte des Verhältnisses der jüdischen wie der palästinensischen Seite zum Tempelberg beleuchtet der Vortrag auch die jüngsten Entwicklungen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im Flyer.

ReferentInnen

Dr. Joseph Croitoru
Historiker und Journalist, geb. 1960 in Haifa, Studium in Jerusalem und Freiburg i. Breisgau, journalistisch tätig für FAZ, NZZ, SZ, DLF, WDR mit Schwerpunkt Nahost und Osteuropa, Autor von Der Märtyrer als Waffe. Die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats, 2006 und Hamas. Auf dem Weg zum palästinensischen Gottesstaat, 2010

Veranstaltungsort
München, Seidlvilla, Nikolaiplatz 1


Kosten
8,- / erm. 7.- Euro; Studierende frei


Partner

Evangelischen Stadtakademie
Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag



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16.10.2015 - 20:00

Senegalanter und saarkastischer Abend...

... mit dem Saarländer Ibrahima Ndiaye aus dem Senegal

In einer Mischung aus Erzählkunst, Pantomime, Percussion, Tanz und Gesang will uns der Autor, Musiker und Schauspieler “Ibou” die afrikanische Kultur der Toleranz und des respektvollen Umgangs mit den Mitmenschen näher bringen. Ganz in der Tradition der Griots, der afrikanischen Märchenerzähler, gestaltet er seine Veranstaltungen als interaktive Begegnungen.

Da er neben 7 weiteren Sprachen auch saarländisch beherrscht, bereichert er außerdem mit allerlei Geschichten im Originalton seine Erfahrungen beim Erlernen der Sprache von Goethe und Schiller in Saarbrücken.

ReferentInnen

 


Ibrahima Ndiaye
Autor, Musiker und Schauspieler
Weitere Infos auf seiner Homepage: http://www.ibrahima.de/ibou_web_dt.html


Veranstaltungsort
Bayreuth, Iwalewa-Haus, Wölfelstraße 2


Kosten
Vorverkauf: 5,- / erm. 3,- Euro - Abendkasse: 7,- / erm. 5,- Euro


Partner

Weltladen Bayreuth

ESG

KHG

Evangelisches Bildungswerk

Katholische  Erwachsenenbildung

Weltladen Kulmbach



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16.10.2015 bis 18.10.2015

2. Internationale
 Schlepper- & Schleusertagung


 

Von Irene Messinger und Matthias Weinzierl


Die Inhalte, Gäste und Diskussionen…

Schlepper werden gemeinhin als Kriminelle dargestellt, die in Banden agieren und für ihren Profit buchstäblich über Leichen gehen. Durch die ausschließliche Fokussierung auf diese Personengruppe geraten die vielschichtigen Facetten der „Mobilitätshilfe“ aus dem Blickfeld. Es stellt sich die Frage, warum Schlepperei  als kriminelles Delikt und nicht als nachgefragte Dienstleitung unter riskanten Bedingungen bewertet wird?

Eine Fachtagung zum Phänomen Fluchthilfe soll zur „Image-Aufwertung sowie der damit einhergehenden Neubewertung der Dienstleistungen Schleppen und Schleusen“ beitragen, wie die Kurzbeschreibung auf der Website im eleganten Design wissen lässt. „Die ISS 2015 präsentiert sich erneut als die relevante Fachtagung der weltweit agierenden Fluchthilfe-Unternehmen“ und war als Teil des Open Border Kongresses an den Kammerspielen in München eingebunden.

Die Strategie der Provokation ging bereits im Vorfeld auf: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann empörte sich über die „fehlgeleitete Politpropaganda“, und die Tagung schaffte es in die Schlagzeilen großer Zeitungen in Deutschland, und sogar in Österreich titelte die Gratiszeitung „Heute“: „Großes Schlepper-Treffen in Bayern!“. 

Doch was geschah wirklich? Die vier Panels zu den Themenbereichen Geschichte, Praxis, Kriminalisierung und Kunst waren mit Vortragenden aus Wissenschaft, Journalismus und Aktivismus besetzt. Sie gingen der Frage nach, was der historische und begriffliche Perspektivenwandel bedeutet, wie aktuell gelebte Fluchthilfe-Praxis aussehen kann, sie thematisierten die juristischen Interpretationen und die damit einhergehende Kriminalisierung und gaben einen Einblick in aktuelle Kunstprojekte und Kampagnen. Nicht zuletzt wurde der Lisa-Fittko Preis für Fluchthilfe in verschiedenen Kategorien vergeben.


Was können wir aus der Vergangenheit lernen? (Podium 01)

Lisa Fittko, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrem Mann Hans als Fluchthelferin über die Pyrenäen zwischen dem NS-besetzten Frankreich und Spanien aktiv war, wurde von der Historikerin Dr. Anne Klein vorgestellt. Dr. Stefan Keller forscht als Historiker zum Schweizer Polizeikommandanten Paul Grüninger, der in den Jahren 1938 und 1939 Hunderte Menschen aus Deutschland in die Schweiz einreisen ließ. Grüninger wurde damals fristlos entlassen, wegen Verletzung seiner Amtspflicht und Urkundenfälschung verurteilt und ist erst 1993 posthum rehabilitiert worden. Keller vermutet, dass sich Grüningers Rehabilitation auch deshalb so lang gezogen hat, weil man befürchtet habe, PolizistInnen könnten sich ein Vorbild an ihm nehmen und Abschiebungen verweigern. „Die Angst der Regierung war, dass man aus der Geschichte lernt.“ Thematisiert wurde die Gefahr der Romantisierung der Fluchthilfe in der NS-Zeit, denn auch in den 1930er Jahren gab es Ausbeutung und Erpressung. Dennoch wäre der Weg ins Exil ohne Fluchthilfe schwieriger oder gar nicht zu bewältigen gewesen.

In der deutschen Geschichte waren Schleuser nicht nur in der NS-Zeit, sondern auch zur Flucht aus der DDR relevant. Stefan Buchen, Journalist, berichtete über den Fall eines Schleppers, der seinen Lohn einklagte und vor dem Bundesgericht Recht bekam, da es nicht anstößig sei, eine Hilfeleistung von einer Bezahlung abhängig zu machen. Diese Entscheidung steht in einem deutlichen Missverhältnis zur Rechtspraxis von heute und verdeutlicht die Veränderung der gesellschaftlichen Bewertung.
 

Praxis der Fluchthilfe heute (Podium 02)

Der Journalist Giampaolo Musumeci, der im Schleuser-Milieu rund um das Mittelmeer recherchiert und viele inhaftierte Schlepper getroffen hat, betonte, dass sie Geschäftsleute seien, die ähnlich wie ein Reisebüro Netzwerke verschiedener Menschen aufbauen, welche die Logistik für den Transport an bestimmte Orte und die Versorgung übernehmen. Er warnte vor einer Situation wie derzeit in Libyen, wo vier Netzwerke den Markt dominieren, deren Absprachen zu überhöhten Preisen, Ausbeutung und Gewalt führen.

Die Migrationsforscherin Zeynep Kaşlı beschäftigt sich mit Entwicklungen an der türkisch-griechischen Landesgrenze. Lange Zeit nutzten lokale LandarbeiterInnen ihr Wissen über die Gegend und die Beziehungen zu Soldaten, um Menschen bei der Grenzüberschreitung zu unterstützen. Ab 2012 kam es im Rahmen von „Cooperations against migrants“ zur Zusammenarbeit von GrenzbeamtInnen beider Staaten, unterstützt durch Frontex. Dadurch wurden die lokalen Netzwerke der Fluchthilfe verdrängt und professionellere, international agierende und teurere Netzwerke auf den Plan gerufen.

Wie leicht es ist Schlepper in sozialen Medien zu finden, zeigte der Journalist Sammy Khamis. Wer das arabische Wort für „Schlepper“ auf Facebook eintippt, erhält zahlreiche Angebote und Routen in unterschiedlichen Preisklassen, abhängig von Komfort und Geschwindigkeit. Die Antworten auf Anfragen erfolgen innerhalb weniger Minuten. Diese Flexibilität ist notwendig, da die Routen an das Wetter oder die Politik angepasst werden müssen. SchlepperInnen sind von guter Reputation und zufriedenen KundInnen abhängig. Wegen der zunehmenden Konkurrenz werben sie mit kurzen Werbevideos und Selfies. Wenn sie ihre Aufgabe erneut gut erledigt haben und über WhatsApp die Ankunft bestätigt ist, wird der Lohn über neutrale Mittelspersonen übergeben.

Zwei AktivistInnen des Kollektivs „Erzsébet Szabó“ stellten ihr Projekt „Refugeekonvoy. Schienenersatzverkehr für Flüchtlinge“ vor, mit welchem am 6.9.2015 in ca. 170 Autos 380 Menschen von Ungarn nach Wien gebracht wurden. Betont wurde, dass die Idee von den Flüchtenden selbst kam.

Staatliche Versuche zur Unterbindung von Fluchthilfe (Podium 03)

Der Rechtsanwalt Axel Nagler stellte die Frage, ob es angemessen ist, Schlepperei überhaupt als Straftat zu qualifizieren. Für ausbeuterische Schlepperei, Misshandlung, Erpressung usw. gibt es eigene strafrechtliche Bestimmungen, daher ist eine Bestrafung der Fluchthilfe an sich seiner Ansicht nach nicht erforderlich.

Stefan Schmidt, Kapitän der Cap Anamur, erzählte über seine Anklage und Inhaftierung als Schlepper in Italien im Jahr 2004. Das Schiff Cap Anamur rettete 37 Menschen aus Seenot, drei Personen wurden wegen Beihilfe zur illegalen Einreise einige Tage inhaftiert, erst 2009 erfolgten die Freisprüche.

Die Künstlerin und Aktivistin Katarzyna Winiecka, bekannt durch die Kampagne „Fluchthilfe & Du“, berichtete vom Prozess gegen AktivistInnen der Refugee Protest Bewegung. Obwohl die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner von „Millionengewinnen der skrupellosen Bande“ sprach, blieb vor Gericht wenig davon übrig, die meisten Angeklagten wurden trotzdem verurteilt. Winiecka erzählt von schlampigen Ermittlungen und falschen Übersetzungen und betont, dass sich das Bild der Angeklagten vor Gericht ändern würde, wenn auch die Stimmen der „Geschleppten“ gehört würden. Sie zeigte eine Videobotschaft von einem Fluchthelfer, der 2014 als eine von acht Personen in Wiener Neustadt angeklagt war. Er beschreibt wie er seine Landsleute unterstützt hat und dafür in einem Verfahren wegen Schlepperei schuldig gesprochen wurde.

Einhellig wurde festgestellt, dass die Grenzsicherung nicht dazu führte, dass weniger Menschen einwandern. Die Folge sei lediglich, dass die Einreise für Flüchtlinge teurer und gefährlicher wurde. Strenger kontrollierte Grenzen „beleben“ daher das Feld der Schlepperei. Dies führt zu dem folgenden Paradox: Je mehr Europa sich zu schützen versucht, desto mehr profitiert das Schleppungsbusiness. Deshalb setzt sich auch bei PolitikerInnen die Erkenntnis durch, dass die Schlepperbekämpfung lediglich eine Scheinlösung darstellt. Im Rahmen des Open Borders Kongresses referierte François Gemenne über seine zehn Thesen, welche die Notwendigkeit der Öffnung der Grenzen argumentieren, die zukünftige Politikgestaltung inspirieren könnten.


Verleihung des Lisa-Fittko-Preises

In feierlichem Rahmen wurde am Samstagabend erstmals die undotierte „Goldene Lisa“, der Lisa-Fittko-Preis, in drei Kategorien verliehen. Die PreisträgerInnen sind Maria Eitz für ihr Lebenswerk, die schwedische Kampagne „Refugee Air" in der Kategorie „Fluchthilfe innovativ“ und das Wiener Kollektiv „Erzsébet Szabó“ für ihren Konvoi Budapest-Wien in der Kategorie „Fluchthilfe konkret“. Die ehemalige Fluchthelferin Maria Eitz, aufgewachsen in Deutschland, als Hausmädchen dem NS-Regime entflohen, lebt heute in den USA. Sie hat bereits seit den späten 1950 Jahren Kindern zur Flucht verholfen und war in zahlreichen asiatischen und afrikanischen Ländern aktiv, um vor allem Kinder über Grenzen zu bringen. Sie war bei der Preisverleihung sichtlich gerührt und stellte Bezüge zur aktuellen Situation her: „Ich kenne Deutschland als Land, das Flüchtlinge macht, und dass es nun eines ist, das Flüchtlinge aufnimmt, das macht mich froh, so froh“. Abgerundet wurde die festliche Gala mit einem Auftritt der Jazzsängerin Jelena Kuljic und dem Pianisten Konstantin Kostov, die gemeinsam ein sehr passendes Lied vortrugen: „With a little help from my friends“.

Kunst und Connections (ISS-Connect-Brunch) (Podium 04)

Beim ISS-Brunch am Vormittag konnten Interessensgemeinschaften entstehen oder bestehende gepflegt werden. Die möglichen Kunst- und Kampagnenformate standen am Nachmittag im Mittelpunkt.

Ricardo Dominguez, Co-Gründer des “Electronic Disturbance Theater”, steht für “Cyber Activism”. Seine aktuellste Arbeit ist die Smartphone-App “Transborder Immigrant Tool”, die für die Grenze Mexico - USA verschiedene praktische Tools zur Verfügung stellt, aber auch ein Poesie-Feature.

AktivistInnen des „Watch the Med Alarm Phone“ stellten das im Oktober 2014 gestartete Projekt vor: eine Telefonnummer, die Menschen in Seenot anrufen können. Rund 100 AktivistInnen in Europa und Nordafrika kommunizieren mit den AnruferInnen und mit den Küstenwachen, um ihre Rettung auf See sicher zu stellen, all diese Fälle werden genau dokumentiert.

Tanja Ostojić befasst sich in ihren Arbeiten mit frauenspezifischer Migration. So startete sie zwischen 2000 die Internetkampagne „Looking for a husband with EU-passport“. Sie heiratete einen Kölner Künstler von dem sie sich 2005 erneut als Kunstaktion wieder scheiden ließ. In ihren jüngsten Arbeiten befasst sich die Künstlerin mit Abschiebungen. Tanja Ostojic zeigte ihre Video Performance “Naked Life“, in der sie sich mit der Situation von Roma und Sinti auseinandersetzt.

Der Verein Sea-Watch, der ein Schiff zur Ersthilfe in Seenot geratener Flüchtlingsboote auf das zentrale Mittelmeer entsandt hat, wurde von Ruben Neugebauer vorgestellt. Das Rettungsschiff konnte seit Einsatzbeginn im Juni mehr als 2000 Menschen aus Seenot retten und macht auch medial auf die Situation im Mittelmeer aufmerksam.

Den Abschluss bildete die Kampagne „fluchthelfer.in“, die von der Filmemacherin Lou Huber-Eustachi präsentiert wurde. Sie versteht die Kampagne nicht als Kunstaktion sondern als politischen Aufruf zum Schleppen, daher finden sich auch viele Tipps und Tricks auf der Kampagnenseite www.fluchthelfer.in. Den Abschluss des Videos bildet ein Zitat von Lisa Fittko: „Wir müssen versuchen uns gegenseitig zu retten. (..) Und was dann? Was dann kommt wird sicher nicht immer glatt gehen. Es wird in den Händen künftiger Generationen liegen.“ Wir wissen noch nicht, wie diese darüber urteilen werden und wie das Phänomen Fluchthilfe und die Ignoranz gegen das tägliche Sterben im Mittelmeer, an Grenzzäunen und in Lastwägen retrospektiv bewertet werden wird.

 

Ein ausführlicher Pressespiegel befindet sich in Arbeit und wird unter www.iss2015.eu  zeitnah abrufbar sein. Schon jetzt finden sich zahlreiche Beiträge unter www.facebook.com/ISS2015munich

 

Veranstaltungsort
München, Kammerspiele, Maximilianstraße 28


Art der Veranstaltung
Tagung



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02.10.2015 - 19:30

Grenzen öffnen für Menschen – Grenzen schließen für Waffen

Lesung zum „Schwarzbuch Waffenhandel“

Die Bundesrepublik ist weltweit drittgrößter Waffenexporteur. Rund um den Bodensee entwickeln und produzieren eine große Zahl von Rüstungsbetrieben Produkte für das Töten in aller Welt. Eine besonders folgenschwere Rolle in den Krisen- und Kriegsregionen spielen die sogenannten „Kleinwaffen“. Allein die Direktexporte und Lizenzvergaben der Maschinenpistolen und Gewehre von Heckler & Koch haben bis heute mindestens zwei Millionen Menschen das Leben gekostet. Unzählige Menschen müssen vor dem Einsatz der aus Deutschland exportierten Waffen aus ihren Heimatländern fliehen – manche erreichen Deutschland, wo ihnen die Abschiebung droht.

Mit der Veranstaltung werden gewaltfreie Aktionen gegen Rüstungsexporte vorgestellt und konkrete Handlungsoptionen für Gerechtigkeit aufgezeigt.

ReferentInnen

Jürgen Grässlin
Pädagoge, Buchautor, Bundessprecher der DFG-VK, Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros und Sprecher der aktuellen Kampagne „Aktion Aufschrei: Stoppt den Waffenhandel!“. Er ist Träger zahlreicher Friedenspreise, u.a. des Aachener Friedenspreises.

Veranstaltungsort
Lindau, friedens räume


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Friedensräume Lindau 

attac Lindau

Verein "Keine Waffen vom Bodensee" (KWvB) e.V. 


Art der Veranstaltung
Lesung & Diskussion



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