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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

27.01.2018 - 10:30 bis 16:45

Zäune für Afrika?

Migrationsbewegungen in und aus Afrika

Friedenspolitische Tagung zur Münchner Sicherheitskonferenz 2018

Es ist absehbar, dass die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen aus Afrika – insbesondere der Subsahara-Region – zunehmen werden. Klimawandel, starkes Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit wirken hier als Schubkräfte. Europa rüstet sich: Neben dem Frontex-Einsatz im Mittelmeer werden in Afrika selbst zunehmend Zäune und Sperranlagen errichtet, um Wanderungen zu unterbinden. Doch was als Schutz wirken soll, kann kontraproduktive Nebenwirkungen entfalten: Die Zäune entstehen in Zusammenarbeit mit fragwürdigen Regimen. Grenzen erschweren auch den innerafrikanischen Austausch. Erhöhung der Hindernisse stärkt auch das Schlepperwesen. Und die Finanzmittel – in welcher Höhe? – werden nicht in zukunftsweisende Lösungen und Entwicklungen investiert.

Die Tagung befasst sich daher mit folgenden Fragen

  • Welche Migrationsbewegungen sind aus welchen Gründen derzeit innerhalb Afrikas und von Afrika nach Europa unterwegs?
  • Wo entstehen die neuen Sperranlagen und Zäune?
  • Wer entscheidet über sie? Wer baut und wer finanziert sie? Was bewirken sie?
  • Sind sie kontraproduktiv für eine wirkliche Entwicklung? Oder sind sie zeitweise notwendig, bis eine reale wirtschaftliche Verbesserung der Lebensmöglichkeiten in Afrika geschaffen ist? Wie aber kann diese geschaffen werden?


Weitere Informationen sowie das genaue Programm finden Sie im Flyer zur Tagung.

ReferentInnen

Sophia Wirsching
Sophia Wirsching ist seit 2009 als Referentin für Migration und Entwicklung für Brot für die Welt tätig. In enger Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen engagiert sie sich für bessere Lebensbedingungen. Sie setzt sich in ihrer Arbeit gegen Menschenrechtsverletzungen und Fluchtgründe wie Gewalt, Armut und die Folgen des Klimawandels ein. Zu ihren Tätigkeiten zählt ebenfalls, den Menschenrechtsschutz für Migrantinnen und Migranten in Transit- und Zielländern zu verbessern. Sie hat politische Wissenschaften und Soziologie studiert.

Hier findet man den Mitschnitt aus ihrem Vortrag und hier die Präsentation.

Hier noch ein Protokoll der Diskussion.

Dr. Judith Vorrath
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin. Sie arbeitet zu verschiedenen Aspekten von Frieden und Sicherheit in Subsahara-Afrika, in den letzten Jahren insbesondere zu transnationaler organisierter Kriminalität in Westafrika. Unter anderem führte sie in den letzten zwei Jahren ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördertes Forschungsvorhaben zu illegalen Ökonomien in afrikanischen Grenzgebieten durch. Vor 2013 war Judith Vorrath post-doc Fellow an der SWP, dem U.S. Institute of Peace in Washington D.C. und dem European Union Institute for Security Studies in Paris. Ihre Promotion schloss sie 2010 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich ab, wo sie seit 2005 als Assistentin am Center for Security Studies beschäftigt war. Sie war zudem Mitarbeiterin in einem Projekt des Schweizer Nationalfonds zu Demokratisierung in ethnisch gespaltenen Gesellschaften, in dem sie vor allem zur afrikanischen Große Seen Region forschte. Von 2001 bis 2005 war Judith Vorrath Wissenschaftliche Referentin der Stiftung Entwicklung und Frieden in Bonn.

Hier findet man den Mitschnitt aus ihrem Vortrag und ein Protokoll des Vortrages und der Diskussion.

Barbara Lochbihler
MdEP Bündnis 90/Die Grünen, Schwerpunkt Außenpolitik und Menschenrechte

Gerald Knaus
European Stability Initiative, Berlin – Brüssel – Istanbul
Gerald Knaus (Österreich) ist Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI). Er studierte in Oxford, Brüssel und Bologna und unterrichtete Wirtschaftslehre an der Staatlichen Universität von Tschernowitz in der Ukraine und arbeitete in Bosnien fünf Jahre lang für verschiedene NGOs und internationale Organisationen. Er war Direktor der Lessons Learned and Analysis Unit (LLA) der EU-Abteilung von UNMIK in Kosovo (2001-2004). Er veröffentlichte viele Artikel, die breite Debatten hervorriefen, zuletzt "The Merkel Plan" (2015) und "The Rome Plan" zur Flüchtlingskrise und "The European Swamp" (2016) zu Korruption im Europarat. Er ist zudem Mitverfasser des Buchs "Can Intervention Work?" (2011), sowie von über 90 ESI-Berichten und 12 Film-Skripten für Fernsehdokumentationen zu Südosteuropa. Er ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und war für fünf Jahre Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard University Kennedy School of Governance in den USA, wo er 2010/2011 zu State Building und Interventionen unterrichtete. 2016/2017 war er Mercator-IPC Senior Fellow in Istanbul. Er lebt in Berlin und Istanbul und schreibt den Blog www.rumeliobserver.eu.

Weitere Informationen über die European Stability Initiative findet man unter folgenden Links:

- Wikipedia Seite

- Bericht über den "Türkeideal"

- Webseite von ESI in deutscher Sprache

Christian Jakob
Co-Autor des Buches „Diktatoren als Türsteher“

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
15,- / 10,- Euro (inkl. Imbiss)


Partner

Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik | Evangelische Stadtakademie München | Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg | Professur für Internationale Politik und Konfliktforschung der Universität der Bundeswehr München


Art der Veranstaltung
Tagung



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18.01.2018 - 19:30

Aufrüstung oder Friedenslogik?

Die Kontroverse um das Zwei-Prozent-Ziel der NATO

Beim NATO-Gipfel 2014 wurde das Ziel bekräftigt, mittelfristig zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Ein Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz greift diese Forderung im Hinblick auf eine Stärkung gemeinsamer europäischer Rüstungsanstrengungen auf. Ist dies die richtige Antwort auf die wachsende Zahl an Krisen in der Welt? Bringt eine unilaterale Aufrüstung durch die NATO- und EU-Staaten einen Gewinn an Sicherheit? Gibt es friedenslogische Antworten auf die aktuelle Weltlage?

ReferentInnen

Dr. Ute Finckh-Krämer
Bund für Soziale Verteidigung, MdB a.D., Berlin
Dr. Benedikt Franke
Chief Operating Officer, Münchner Sicherheitskonferenz
Dr. Max M. Mutschler
BICC Internationales Konversionszentrum Bonn

Moderation: Dr. Thomas Mohr (Projektgruppe "MSK verändern" e.V.)

Veranstaltungsort
München, Hotel Bayerischer Hof, Promenadeplatz 2-6


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Projektgruppe "Münchner Sicherheitskonferenz verändern" e.V.


Art der Veranstaltung
Podiumsgespräch



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04.12.2017 bis 09.12.2017

Grenzgaenge: Mut zu Widerstand und Vielfalt

 

Das Grenzgaenge Filmfest zeigte elf Filmprojekte, deren gemeinsamer Kristallisationspunkt es ist, Grenzen in ihren verschiedenen Bedeutungen und Dimensionen nachzuspüren. Die Filme zeichneten Bilder und Perspektiven aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Sie zeigten Menschen, die in kleinen Alltäglichkeiten oder in global gedachten Maßstäben Mut beweisen, Vielfalt verteidigen oder Widerstand leisten. Die Filmgespräche und Veranstaltungen erzählten Geschichten von Menschen, die auf der Suche sind und dabei Möglichkeiten finden, mit Hürden umzugehen und Grenzen zu überwinden. Sie hielten Eindrücke fest, die Impuls sein können zu Reflexion und aktivem Handeln. 

Ziel aller Filme war es, die Potentiale und die Bereicherung von Diversität zu erkennen. So sollten Gemeinsamkeiten zu einem Mitglied einer bislang diskriminierten Gruppe erkennbar und Handlungsansätze für bestehende Problematiken gefunden werden.

Bei vier der Filmvorführungen waren außerdem externe Gäste eingeladen, die zu einer Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung standen. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung mit dem Film "Women Sense Tour" waren auch die beiden Regisseurinnen Sarah Zouak und Justine Devillaine anwesend. Sie waren ein halbes Jahr mit der Kamera durch sechs muslimisch geprägte Länder gereist, um dort feministische Muslima zu porträtieren. Auf dem Filmfest zeigten sie die erste Etappe, Marokko. In der Diskussionstand nicht nur der  Film selbst zur Debatte, sondern auch die Situation von Muslima in Frankreich und die Korrelation zwischen Feminismus und dem muslimischen Glauben.

Im Anschluss an den Film "Gayby Baby" konnte mit Vertreter*innen der Münchner Organisation LesMamas und von Pro Familia Passau über die Erfahrungen von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert werden. 

Zu dem georgischen Film "I didn’t cross the border, the border crossed me", der sich mit dem Grenzkonflikt zwischen Georgien und Südossetien befasste, war der Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik, Prof. Dr. Bernhard Stahl der Universität Passau, als sachkundiger Gesprächspartner eingeladen. Er gab nicht nur grundlegende Informationen zum Grenzkonflikt, sondern trug auch dazu bei, die subjektive Wahrnehmung der in der Dokumentation dargestellten Protagonisten kontextuell einzubetten.

Im Anschluss an die Dokumentation "Seefeuer", die sich mit dem Zusammenleben von Geflüchteten und "Alteingesessenen" auf der Insel Lampedusa beschäftigt, war es ein Repräsentant der Organisation SeaWatch, der die Fragen des Publikums zur Seenotrettung und zur anschließenden Unterbringung von Geflüchteten beantwortete.

Vor der offiziellen Eröffnung des Filmfests fand bereits eine Filmvorführung der Dokumentation "Tomorrow" statt, die vor allem an Schulklassen gerichtet war. Die Kooperation mit einer Schulklasse und einer Schülervertretung sah in einem ersten Schritt das gemeinsame Schauen der Dokumentation vor, die sich in fünf Kapiteln mit globalen Problemen beschäftigt und lokale Lösungsansätze und Projekte vorstellt. In einem zweiten Schritt fanden in der Woche nach dem Filmfest zweistündige Workshops mit den einzelnen Schulklassen statt, in denen sich die Schüler*innen vertieft mit den einzelnen Kapiteln des Films beschäftigten.

Zum Abschluss der Filmfest-Woche wurde erstmals ein "Public Living Room" im Cafe Museum durchgeführt. In insgesamt zwei Durchläufen wurde hierbei die Kurzfilmreihe "Out of Place" gezeigt, ein deutsch-israelisches Filmprojekt mit vielfältigen Themen wie Religion, Behinderung oder Migration. Das Konzept des Public Living Room ermöglichte es den Anwesenden, in entspannter Atmosphäre die gezeigten Filme zu diskutieren.

Empfohlene Weblinks

filmfestgrenzgaenge.wordpress.com

Veranstaltungsort
Passau


Partner

AStA/SprecherInnenrat der Universität Passau


Art der Veranstaltung
Filmfest



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03.12.2017 - 08:00 bis 07.12.2017 - 19:00

Das politische Brüssel vor Ort erleben: Wie funktioniert das...

Bildungsreise nach Brüssel

Sechzig bis achtzig Prozent der Rechtsetzung – auch jene auf der Ebene der Nationalstaaten – sollen ihren Anfang in der EU haben. Ob diese Zahl nun wirklich valide ist oder nicht: Die europäische Politikebene wird für die UnionsbürgerInnen immer wichtiger, auch wenn Brüssel oft weit entfernt und undurchschaubar erscheint.

Die Bildungsreise wird zunächst der Auseinandersetzung mit der Arbeitsweise der Hauptorgane der EU dienen. Zudem wird sie den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, über die Funktionsweise des Dreigestirns Rat, Kommission und Parlament hinaus zu blicken. Neben einem Treffen mit Barbara Lochbihler, der Teilnahme an einer Fraktionssitzung und Besuchen des Büros der Heinrich Böll Stiftung und der Green European Foundation in Brüssel, wird die Arbeit von Medien in einer europäischen Öffentlichkeit ebenso thematisiert, wie die Tätigkeit von Lobbyorganisationen und deren Legitimität in Brüssel am Beispiel des DGB.   

Weitere Informationen zur Reise finden Sie in unserem Programm.

Anmeldeschluss ist der 24.10.2017

Veranstaltungsort
Brüssel


Kosten
275,- Euro (EZ-Zuschlag: 140,- Euro | Ermäßigung für Studierende, Auszubildende etc.: 50,- Euro) Inklusive Ü/F, An- und Abreise im modernen Reisebus, zwei gemeinsamen Abendessen, Mittagessen im Parlament und allen Eintritten


Partner

Europäische Akademie Bayern e.V.


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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28.11.2017 - 19:00

Trump und Putin, Nordafrika und der Nahe Osten

Wie wirken sich neue politische Konstellationen auf die Krisenregionen aus?

Seit Donald Trump US-amerikanischer Präsident ist, bekommt das weltpolitische Beziehungsgeflecht eine ganz neue Dynamik. Gerade das Zusammenspiel mit Wladimir Putin und der russischen Regierung hat besondere Auswirkungen auf jene Länder, in denen vor einigen Jahren die Arabellion eine optimistische Entwicklung versprach. Ob wir nach Nordafrika oder in den Nahen Osten schauen, nach Syrien und zur Türkei mit den jeweils spezifischen Konfliktlagen, sehen wir schier unlösbare konflikthafte Verflechtungen.

Wird durch Trump und Putin alles schlimmer? Oder weist deren unorthodoxe Herangehensweise vielleicht sogar einen Weg zum Frieden?

Unter diesem Link finden Sie unseren Veranstaltungsrückblick mit weiteren Literaturempfehlungen

ReferentInnen

Andreas Zumach
freier Journalist, Genf, internationaler Korrespondent der taz.

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,-/ erm. 7,- Euro (SchülerInnen und Studierende bis 30 Jahre frei)


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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23.11.2017

Der Gazastreifen

Seine wechselvolle Geschichte von den Anfängen bis zur Hamas-Diktatur

Die Geschichte des Gazastreifens ist wenig bekannt. Dazu gehört die Vertreibung der Bewohner im Ersten Weltkrieg, ihr Schicksal während der britischen Mandatszeit und unter ägyptischer Herrschaft (1948 - 1967). Damals etablierte sich der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft in Gaza.

Die israelische Okkupation ab 1967 wirkte als Katalysator für den Aufstieg der Hamas. In jüngster Zeit ist bei der Islamisten-Organisation der Trend zu beobachten, sich - zu Imagezwecken, aber auch als Antwort auf den Druck des ägyptischen Nachbarn - von den ägyptischen Muslimbrüdern loszusagen. Nach wie vor tabu ist die Anerkennung des israelischen Staates. Diese beiden Tendenzen sind nun auch in dem Anfang Mai veröffentlichten neuen Grundsatzpapier der Hamas zu erkennen.

"Die Nabelschnur ist gekappt": Unter dieser Überschrift finden Sie einen Gastbeitrag unseres Referenten Joseph Croitoru in der NZZ. 

ReferentInnen

Dr. Joseph Croitoru
Historiker und Journalist, geb. 1960 in Haifa, Studium in Jerusalem und Freiburg i. Breisgau, journalistisch tätig für FAZ, NZZ, SZ, DLF, WDR mit Schwerpunkt Nahost und Osteuropa.

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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16.11.2017 - 19:00

Auf Sand gebaut

Saudi Arabien - Ein problematischer Verbündeter

Buchvorstellung

ReferentInnen

Sebastian Sons, M.A.
Experte für Saudi-Arabien in der Abteilung Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, studierte Islamwissenschaft, Neuere Geschichte und Politikwissenschaft in Berlin und Damaskus.

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,-/ erm. 7,- Euro (SchülerInnen und Studierende bis 30 Jahre frei)


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Buchvorstellung



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25.10.2017 - 19:30

Neben uns die Sintflut!?

Wie und warum wir über die Verhältnisse anderer leben

Prof. Dr. Stephan Lessenich (im Bild links) erläuterte zunächst die Grundthese seines Buchs: Die Lebensverhältnisse der Menschen in verschiedenen Weltregionen stehen in Beziehung zueinander, in einer Wechselwirkung. Diese „Relationalität“ der Lebensverhältnisse bedeutet für die kapitalistische Weltgesellschaft der Gegenwart: Die Lebensverhältnisse in den Ländern des globalen Nordens sind – jedenfalls für die große Mehrheit dort – gut, während es in den Ländern des globalen Südens darum mehrheitlich schlecht bestellt ist. Wir leben gut, weil wir von anderen leben – von dem, was andere leisten und erleiden, tun und erdulden. Die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder leben also nicht über ihre Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse anderer. Der Reichtum hierzulande beruht demnach auf doppelter Ausbeutung: hier und anderswo.

Externalisierung bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass die reichen hochindustrialisierten Gesellschaften die negativen Effekte ihres Handelns auf Länder und Menschen in ärmeren, weniger entwickelten Weltregionen auslagern. Mit dem Begriff der Externalisierung knüpft Lessenich bewusst an die Begrifflichkeit der Ökonomik („externe Kosten“) wie auch der Sozialpsychologie („Das eigene Bewusstsein und Selbstbild wird vor Beeinträchtigungen und inneren Konflikten geschützt.“) an. Gerade der zweite Aspekt ist wichtig: Die Voraussetzungen für die hiesigen Verhältnisse werden nicht erkannt und nicht anerkannt, sondern sie werden systematisch ausgeblendet. In seinem Buch gibt Lessenich eine Vielzahl von Beispielen für diese Externalisierungsstrategie. Am Veranstaltungsabend befasste er sich aus aktuellem Anlass (die Diskussion über das Verbot von Glyphosat) lediglich mit der Sojaproduktion in Argentinien. Denn dort wird Glyphosat in riesigen Mengen für die Sojaproduktion angewandt. Wobei der Monsanto-Konzern sowohl das gentechnisch veränderte Saatgut für die Sojaproduktion liefert als auch das Glyphosat, das alles vernichtet außer eben dieses gentechnisch veränderte Soja, das in Argentinien auf immensen Flächen angebaut wird. Soja (als Fleischvorprodukt) hat in Argentinien die traditionelle Rinderzucht weitgehend verdrängt. Der massenindustrielle und monokulturelle Anbau von Soja hat zudem Kleinbauern vertrieben und die Landflucht in die städtischen Agglomerationen verstärkt.

Dieser Sojaanbau ist insofern ein typisches Beispiel für die Externalisierungsstrategie, als er vor Ort, in Argentinien, eine Flächenaneignung darstellt für Produkte, die hier im globalen Norden nachgefragt werden (Fleisch). Die schädlichen Folgen dieses Agrarkapitalismus (ökologisch, sozial und politisch!) verbleiben aber dort. Und diese Folgen werden hier beim Fleischkonsum natürlich ausgeblendet, die Externalisierung der Kosten wird akzeptiert.  

Die erwähnten Aspekte der Externalisierung sind laut Lessenich auch deshalb von Bedeutung, weil sie auf zwei Ansätze für mögliche Gegenstrategien verweisen: Zum einen sei „klassische“ Kapitalismuskritik notwendig. Zum anderen müsse aber immer auch die große Bevölkerungsmehrheit mit ihren Alltagspraktiken bedacht werden, weil es eben diese Praktiken sind, die die Externalisierung stabilisieren. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen diese alltäglichen Handlungsweisen in Verbindung gebracht werden mit den gesellschaftlichen Strukturen, so Lessenich.

Für das gegenwärtige Stadium der Externalisierung ist nach Lessenich kennzeichnend, dass die Externalisierungseffekte „zurückschlagen“, dass deren soziale und ökologische Folgen also immer stärker auch in den reichen Industriegesellschaften sichtbar werden. Die Auswirkungen des Klimawandels und die Migrationsbewegungen seien hierfür die augenfälligsten Beispiele.

Auf die selbst gestellte Frage „Was nun? Was tun?“ wollte der Soziologe Lessenich keine politische Handlungsanleitung geben. Wichtig sei aus seiner Sicht zunächst und vor allem, die Verhältnisse so darzustellen, wie sie sind. Und klar zu sagen, dass wir von diesen Verhältnissen profitieren und sie durch unsere Alltagspraktiken mittragen. Es gehe jetzt darum, den „geheimen Gesellschaftsvertrag“ zu durchbrechen, auf dem diese Verhältnisse beruhen: nämlich dass diese Verhältnisse akzeptiert werden, solange es den darin agierenden Menschen gut geht und ihnen alles vom Leib gehalten wird, was diesen Zustand gefährdet. Dass dies derzeit immer weniger zu funktionieren scheint, erlaubt es laut Lessenich, von einer „Krise der Externalisierung“ zu sprechen. Immer mehr Menschen spüren offenbar, dass die gewohnten und lieb gewordenen Lebensverhältnisse ins Wanken geraten sind.

Auf den Punkt möglicher Handlungsoptionen in der Krise der Externalisierung konzentrierte sich auch die anschließende, sehr intensive Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass produktive Umgangsweisen mit dieser Krise zur Voraussetzung haben, dass Analyse und Alltagspraxis ineinander greifen müssen. Nur wenn es gelingt, das eigene Leben individuell so weit wie möglich auf nachhaltige, ressourcenschonende Weise einzurichten und gleichzeitig für eine politische Änderung der Rahmenbedingungen einzutreten, kann strukturelle Veränderung erreicht werden. Um die notwendige Reduzierung des Ressourcenverbrauchs um ca. 80% zu erreichen, muss eine langfristige kollektive Strategie entwickelt werden, die auf einem intensiven politischen Diskurs und demokratischen Entscheidungen beruht. Individuelles Handeln (Lessenich: „konsumethisches Avantgardehandeln“) kann diese Kollektiv-Strategie zwar nicht ersetzen, spielt aber wegen des Vorbildcharakters dennoch eine wichtige Rolle.

Wer den gesamten Vortrag sehen und hören möchte, kann dies auf YouTube tun. Vielen Dank für das Video an unseren Kooperationspartner attac Bamberg.

ReferentInnen

Prof. Dr. Stephan Lessenich

Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Autor von „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“
http://www.stephan-lessenich.de/

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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12.09.2017 bis 14.11.2017

Tiefgreifende Veränderungsprozesse und der Kampf um Hegemonie im...

Eine Sendereihe von Radio Lora

Die Sendereihe von Radio Lora versucht in vier Beiträgen, die unübersichtliche Situation der politischen Entwicklungen im arabischen Raum differenziert zu betrachten. Die Themen der Sendungen waren:

12. September: Blickpunkt Maghreb

31. Oktober: Menschenrechte im Nahen Osten

7. November: Der West-Maghreb auf dem Weg in eine Zivilgesellschaft

14. November: Der Libanon zwischen den Fronten

Die Sendungen stehen nach wie vor in voller Länge auf der Website von Radio Lora zum Nachhören zur Verfügung und können dort auch heruntergeladen werden.

 

 


Partner

Radio Lora, München


Art der Veranstaltung
Hörfunk-Sendereihe



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30.06.2017

Die tödlichen Strukturen der Weltwirtschaft

Veranstaltungsreihe: Eine Welt ohne Visionen geht zu Grunde

Die Welt bebt. In vielen Regionen der Erde herrschen Krieg und Gewalt. Sie werden von großen Mächten und Waffenproduzenten geschürt. Die 50 reichsten Weltbürger haben so viel Geld wie 47 Prozent der Menschheit. Massenarmut, Kriege, Klimawandel und ein Welthandel im Dienste der Mächtigen treiben Millionen Menschen in die Flucht. Dort stoßen sie an die Grenzen der Reichen, die ihren Wohlstand abschotten. Dies Zustände lassen - so der Referent - Zweifel aufkommen, ob das bekannte Zitat von Friedrich Hölderlin noch Gültigkeit habe: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ 

Kessler widmete der Ursachenanalyse für diese und andere bedrohliche Tendenzen, in der Gewalt eine immer größere Rolle spiele, breiten Raum. Er nannte dabei vor allem folgende Aspekte: 

 

  • ungebändigter Kapitalismus nach Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“;
  • Abschaffung von Begrenzungen für das Kapital, Steuersenkungen, Reduzierung der Sozialleistungen;
  • Versechsfachung des Welthandels – Verzehnfachung der Finanzumsätze weltweit.

Diese Entwicklung habe aber auch positive Auswirkungen gehabt:

  • Vorteile für Deutschland als Exportland, 
  • Schwellenländer profitieren von der Industrialisierung
  • weniger Hungernde weltweit
  • Aufbruch zur Demokratie in vielen Teilen der Welt, z.B. beim "arabischen Frühling".
  • Es ergeben sich aber viele und dramatische Probleme weltweit:
  • riesige und weiter wachsende soziale Ungerechtigkeit
  • die Kluft zwischen Arm und Reich wächst durch den Finanz-Kapitalismus
  • Die Entwicklung „wie im Westen - so auf Erden“ hält unsere Erde nicht aus.
  • Viele Folgen zeigen sich: Klimaerwärmung, Fluchtbewegungen von Millionen als Folge, massive Umweltzerstörung für Rohstoffe, Kriege um Rohstoffvorkommen.
  • „Wie im Westen – so auf Erden“ bedroht Kulturen, Religionen und andere Lebensweisen, die dem „kapitalistischen Denken“ unterworfen werden. Die islamistische Gewalt kann auch, aber nicht alleine, darauf zurückgeführt werden.
  • Kampf aller gegen alle, Handelskriege, Aufrüstung von Schwellenländern.
  • Boom des Waffenhandels, wobei Deutschland kräftig mitmischt.

Die Folgen dieser Entwicklung treffen auch Deutschland und Europa:

  • Hass und Aggression gegen alles Globale, aber auch Europäische.
  • gegen alles Fremde, gegen Flüchtlinge, andere Meinungen.
  • Hassmails, „Lügenpresse“.

Ein Klima der Verrohung bedroht auch in Deutschland die Demokratie, Angst und Verzweiflung wachsen. Aber auch Zeichen der Hoffnung gibt es nach Ansicht des Referenten. Es seien jedoch zarte Pflänzchen, die unterstützt werden müssten:

  • Trotz Trump gibt es weiterhin ein Mehrheit für eine Fortsetzung der Klimaschutzpolitik.
  • Rechtsextremisten bekommen Absagen bei Wahlen in Europa.
  • Zivilgesellschaften stehen in USA und weltweit auf.
  • Seriöse und linksliberale Zeitungen in USA verzeichnen z.T. hohe Zuwächse.
  • Jüngere Menschen von 20 bis 40 engagieren sich zunehmend politisch.

 In den nächsten Jahren müsste nach Ansicht des Referenten folgende Themen in den Mittelpunkt gestellt werden:

  • Debatte über Gerechtigkeit in Deutschland
  • Es dürfe nicht nur gegen Rechtspopulismus geschimpft werden, sondern auch dem Bedürfnis nach Stärkung der sozialen Bindungen Rechnung getragen werden.
  • Diskussion über eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaft
  • Europa als Friedensregion mit aktiver Friedenspolitik statt Aufrüstung
  • Persönliches Verhalten prüfen bzw. verändern: fair gehandelte, ökologische, regionale Waren kaufen, Geld ethisch anlegen, neue Gemeinschaften wagen, Genossenschaften gründen, saubere Energien verwenden, bewusst essen, in die Politik einmischen bei Diskussionen und Demonstrationen.

ReferentInnen

Dr. Wolfgang Kessler
Wirtschaftwissenschaftler, Chefredakteur von ‚Publik-Forum’

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

pax christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag mit Diskussion



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