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Veranstaltungen und Dokumente

24.05.2014 bis 25.05.2014

FemFest 2014

Gesellschaftskritisches Fest zum Thema Geschlecht

4. FemFest – Gesellschaftskritisches Fest zum Thema Geschlecht - Rückblick

Samstag, 24.05.2014:

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Samstag, den 24.05.2014 um 12.30 Uhr vor ca. 40 Anwesenden. Im Namen der Veranstalter_innen sprachen Aniela Hannig und Nicola Oswald ein Grußwort. Es wurde insbesondere auf Neuigkeiten des diesjährigen FemFests hingewiesen, wie z.B. den erstmals eingerichteten Medien-Raum, in dem während des gesamten Festivals Podcasts gespielt und Filme gezeigt wurden. So wurden der Film “Die andere Seite des Regenbogens” von Thomas Barthels und der Film “Lichtvögel” über das Leben und den Weg zur Geschlechtsangleichung von Katja Zeitler gezeigt. Nach dem Grußwort der Veranstalter_innen hielt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würzburg, Frau Dr. Zoreh Salali, eine ca. 30-minütige Eröffnungsrede zum Thema „Die fiktiven Vorstellungen des Okzidents über orientalische Weiblichkeit".

Im Anschluss fand direkt der erste Vortrag von Magda Albrecht (Bloggerin auf maedchenmannschaft.net), „(Mein) Fett ist politisch“, statt. Magda Albrecht zeigte auf, wie Menschen, die sich bezüglich ihres Gewichts außerhalb der geltenden Norm befinden, im Alltag diskriminiert werden und was wir alle dagegen tun können. Bei der Diskussion beteiligten sich zahlreiche der inzwischen rund 50 Anwesenden aktiv und zum Teil sehr kritisch zum Zusammenhang zwischen Fatshaming und Kapitalismus.

Stephanie Böhm (Dozentin, Akademie Frankenwarte) referierte im zweiten Vortrag zum Thema „Europäische Gleichstellungspolitik – DER Grund, zur EU-Parlamentswahl zu gehen?“. Sie verdeutlichte, welche Ziele bis dato in Bezug auf die Gleichstellungspolitik auf europäischer Ebene erreicht wurden und zeigte auf, an welchen Stellen es noch Nachholbedarf gibt. Dem ohnehin politisch interessierten Publikum wurde so noch einmal verdeutlicht, dass die Wahl zum Europäischen Parlament am 25.05.2014 von zentraler Bedeutung ist.

Nach diesem Vortrag wurde auf die Tattoo-Kunstausstellung „femtattoos“ von Anna Quappe hingewiesen, die an beiden Tagen des FemFests im Treppenaufgang zugänglich war und im Anschluss an das FemFest im Jugendkulturhaus Cairo noch für zwei Wochen zu sehen war.

Der letzte Vortrag am Samstag wurde von Dr. Laura Méritt (feministische Aktivistin, Sexaufklärerin) zur sexpositiven Bewegung gehalten. Sie sprach über die Ziele des sexpositiven Feminismus im Gegensatz zur PorNo-Bewegung, welcher die weibliche Sexualität und die Notwendigkeit echter, queerer Pornographie in den Fokus stellt. Nach dem inspirierenden Vortrag von Laura Méritt wurde angeregt darüber diskutiert, dass einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen keiner Zensur und keiner Bewertung bedarf und worin die Vorteile feministischer Pornographie in der Sexualaufklärung und im privaten Konsum bestehen.

Nach einer Essenspause mit veganem Essen, begannen um 21.00 Uhr die Theaterperformance Dandelion mit Claudia Sonntag und Anna-Sophia Zimniak und im Anschluss daran die Tanzperformance Skinstories mit Katharina Sufryd, Chiara Kastner, Alison McGreogor und Marlin Harff. Die erste Performance beschäftigte sich mit den Fragen: Wo sitzt der Widerstand? In welchen Situationen tritt er auf? Gegen wen oder was genau richtet er sich? Wohin führt er uns, wenn wir ihm nachgehen? In Einbahnstraßen oder Kreise? Wie kommen wir da raus, hin zum Leben? In Texten, Musik und Bewegung haben sich zwei Performerinnen aus Braunschweig und Dortmund mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Die tänzerische Performance Skinstories warf einen Blick auf die menschliche Haut, die kulturell geschaffenen Grenzen zwischen uns, die Oberfläche für gender, sex und den nackten Wahnsinn von Schönheit und Hässlichkeit. Wie fühlt es sich an, sich in der Haut einer dem weiblichen Geschlecht zugeordneten Frau des 21. Jahrhunderts zu bewegen?

Der erste Veranstaltungstag wurde mit einem musikalischen Abendprogramm beendet. Die Würzburger DJ Denny Garcia freute sich sehr auf dem FemFest auflegen zu können und das FemFest Publikum freute sich nach dem inputreichen Tag gemeinsam zu tanzen und zu feiern.

Sonntag, 25.05.2014

Nach einem großen veganen Brunch, welcher vom AK Welt-Fairändern aus der ESG Würzburg organisiert wurde, begann als erster inhaltlicher Programmpunkt die Lesung „Jenz liest…“ von Jenz (Künstlerin und Protagonistin im Film „häppchenweise“) mit eigenen Texten. Die Charaktere ihrer Kurzgeschichten kämpfen mit dem Irrsinn des Alltags und finden ganz unterschiedliche Wege ihm zu entfliehen. Die Lesung fand in gemütlicher Atmosphäre vor ca. 15 Teilnehmer_innen in der kleinen Studiobühne statt.

Parallel dazu fand der Workshop von Juli Avemark (Studentin der sozialen Arbeit in Würzburg) und Katharina Schreckling (Leiterin der Selbsthilfegruppe Transitas in Würzburg) zum Thema „Transidentität – ein Thema für die Schule?“ statt. In Anlehnung an die umfangreichen und hitzigen Debatten zu Beginn dieses Jahres über den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg, welcher LGBT-Themen stärker im Unterricht berücksichtigen möchte, zeigten die Vortragenden Methoden auf, wie Schüler_innen an das Thema herangeführt werden können. Außerdem sprachen sie über Homo- und Transphobie in deutschen Klassenzimmern. Der Workshop beinhaltete auch den Dialog mit einer Würzburger Transfrau, die aus ihrem Leben erzählte und gerne die Fragen der Teilnehmer_innen beantwortete.

Um 12.30 Uhr begann der interaktive Workshop von Andrzej Profus (Herausgeber_in des Zines "Wer A sagt, muss nicht B sagen") mit dem Titel „Das “A” in Queer - ein sexpositiver Blick auf Asexualität“. Mit Filmbeispielen, eigenen Comics und persönlichen Erfahrungen stellte er ein besonderes Highlight des FemFests dar. Andrzej Profus ließ uns einen Blick auf das A in Queer werfen. In queeren Kontexten begegnet es einem in der Abkürzungsreihe LGBTIQQA. Doch was bedeutet das A eigentlich? Und wie fühlen sich Asexuelle in unserer supersexy Welt? Das Publikum lernte dabei, dass die Ausprägungen von Asexualität ebenso sehr unterschiedlich sind, wie die individuelle Art, Beziehungen zu leben. Für die meisten ist es wohl ein zäher Prozess, bis sie wissen, was sie von Heterosexuellen, Homosexuellen etc. unterscheidet. Denn zum Allgemeinwissen gehört es (noch) nicht, dass es neben gängigen sexuellen Orientierungen auch Asexualität gibt. Das Publikum war sich danach einig, dass die ruhige positive lebens- und liebesbegeisterte Art von Andrzej ein Gefühl von Zärtlichkeit für unsere verrückte Menschheit, die wir alle suchen und ersehnen und dabei häufig so naiv oder blind sind, vermitteln konnte.

Im darauf folgenden Vortrag thematisierten Bettina Stošić und Stefanie Krüger (beide Diplom-Pädagoginnen) unterschiedliche Beziehungsstrukturen. Der Vortrag zu Monogamie und Polyamorie zog sehr viele Interessierte an und es wurden spannende Diskussionen angestoßen. Ziel war, dem Publikum einen differenzierteren Zugang als allgemein üblich für Lebens- und Liebensweisen zu ermöglichen.

Das FemFest-Publikum hatte im darauf folgenden Programmpunkt (nach vorheriger Anmeldung per E-Mail) die Möglichkeit, selbst queer-feministische Themen auf die Bühne zu bringen. Beim Pecha Kucha auf dem FemFest hielten Eduard Göbl, Lisa (Würzburger Bloggerin) und Nadine Antler Kurzvorträge zu den Themen „Sofja Kowaleskaja, Mathematikerin, Schriftstellerin, Sozialistin, geboren 1850 in Moskau“, „Einstieg in den interdependenten Queer_feminismus“ sowie zu „Status“.

Zu guter Letzt fand um 18.00 Uhr die Podiumsdiskussion zum Thema „Das (r)echte Geschlecht - Podiumsdiskussion zu (De-)konstruktionen von männlich und weiblich und der Frage nach dem Dazwischen“ mit Chris Köver und Katrin Gottschalk (Redakteurinnen des Missy Magazine), Katja Zeitler (Protagonistin im Film „Lichtvögel“, Transfrau) und Dr. Heinz-Jürgen Voß (Diplom Biologe, Dr. phil) statt. Die Moderation übernahm das FemFest-Mitglied Marika Levien. In der Podiumsdiskussion wurde über Geschlechterrollen diskutiert und kritisiert, dass unsere Gesellschaft stark von heteronormativem Denken geprägt ist. Bei der Geburt werden wir mit der Geschlechtsbestimmung anhand der äußeren Geschlechtsorgane sofort auch auf eine soziale Rolle festgelegt. Ihr zu entsprechen wird uns von frühester Kindheit an von Elternhaus, Schule und Medien eingeimpft. Dabei werden oft unsere Gene als Auslöser für typisch weibliche und typisch männliche Verhaltensweisen ausgewiesen, der Unterschied zwischen biologischem und sozialem Geschlecht wird verwischt. Aus seiner Kategorie auszubrechen heißt anders zu sein, belächelt und diskriminiert zu werden. Die Podiumsdiskussion machte es sich zum Ziel, den Ansatz eines binären Geschlechtersystems zu hinterfragen und aufzubrechen.

ReferentInnen

unter anderem


Dr. Laura Méritt
Kommunikationswissenschaftlerin, Lachforscherin, feministische Linguistin und Aktivistin der Frauenbewegung

Andrzej Profus
Herausgeber des Zines "Wer A sagt, muss nicht B sagen" - Ein sexpositives Zine über A_sexualität und A_romantik und Blogbetreiber von www.asexyqueer.blogsport.de

Juli Avermark
Studentin der Sozialen Arbeit in Würzburg, hat ihre Bachelorarbeit zum Thema "Transidentität und Akzeptanz in Schulen" geschrieben

Dipl. Päd. Stefanie Krüger und Dipl. Päd Bettina Stošić
Studierten Erziehungswissenschaft mit den Scherpunkten Sozialpädagogik und gender Studies

Veranstaltungsort
Würzburg


Partner

Jugendkulturhaus Cairo & Improbüro


Art der Veranstaltung
Festival



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06.05.2014 bis 10.05.2014

Aye Aye Sœur – Kulturfestival zu Gender, Gleichstellung und Feminismus

 

Das Festival wurde von der feministischen Hochschulgruppe „fACTION – feminist Action“ in Verbindung mit dem AStA/SprecherInnenrat organisiert. Das Ziel des Festivals war es, Vorurteile gegenüber dem Thema Feminismus abzubauen und die Vielfalt feministischer Handlungsbereiche und Theorien aufzuzeigen. Dabei sollten möglichst viele unterschiedliche Gesellschaftsgruppen an der Universität sowie in Passau und dem Umkreis angesprochen werden. Informative Vorträge und Workshops füllten das Programm, kulturelle Veranstaltungen am Abend rundeten es ab.

Parallel zum Festival wurde im Foyer der Zentralbibliothek der Universität Passau die Ausstellung „Ach so ist das?!“ der Comiczeichnerin Martina Schradi gezeigt Die Comics erzählen auf entspannte, witzige, aber auch sehr tiefgründige Weise von Anekdoten und Erfahrungen von LGBTI* und brachten einen einmal mehr die Frage auf: "Wer braucht diesen ganzen Geschlechterkram eigentlich?"

6.5.2014: Podiumsdiskussion
Dies war auch eine von vielen Fragen, die in der Podiumsdiskussion zur Eröffnung des Festivals angesprochen werden konnten. Zu Besuch waren viele tolle Menschen aus Berlin, Linz, Passau und in der Diskussion war für alle was dabei. Es hat sich eindrücklich gezeigt, dass ein Raum voller Menschen, die sich selbst als Feminist*innen bezeichnen, trotzdem eine große Bandbreite an Interpretationen des Begriffs "Feminismus" und der Themen haben kann, die für jede*n einzelne*n am relevantesten sind, und der Formen, diese Überzeugungen in die Praxis umzusetzen.

7.5.2014: Vortrag Geschlechterkonstruktionen 
Dr. Margrit Waid erläuterte die Grundsätze der Genderwissenschaften und referierte über alltägliche Herausforderungen durch Stereotype und vermeintliche Gewissheiten. Es entstand eine lebhafte Debatte über das persönliche Verständnis und Implikationen von Feminismus der Anwesenden und es wurden hilfreiche Tipps für Erwiderungen auf ablehnende Argumente gegeben, die einer/m jeder/n Feminist*in nicht selten entgegengebracht werden, und nicht immer hat mensch die passende Antwort parat. 

8.5.2014: Vortrag Frauenbilder in den Medien
Katrin Gottschalk vom Missy Magazine führte auf amüsante Weise die oft stereotypen Frauenbilder vor Augen, die von Mainstreammedien klassischerweise vermittelt werden. Sie erläuterte, wie das Missy Magazine eine Alternative dazu bieten will und sich um Vielfalt in der Darstellung und den Inhalten bemüht. 

8.5.2014: Lesung von Christian Seidel
Christian Seidels Lesung in der Kulturcafeteria war Anlass einer ausführlichen und lebhaften Diskussion rund um Männer- und Frauenrollen, den Selbstversuch des Buchautors, die vorgegebenen Geschlechtergrenzen zu übertreten, und die Widerstände, die ihm dabei entgegengebracht wurden.

9.5.2014: Vortrag Transidentität
Sandra Wißgott von der Beratungsstelle TransIdent e.V. und Schulleiterin, informierte und berichtete über das Thema "Transidentität". Durch ihre einladende Art entwickelt sich schnell eine Atmosphäre, in der keine Frage tabu war und alle etwas dazulernen konnten. Eigene Erfahrungen mit unterhaltenden Anekdoten, gemischt mit fundiertem Fachwissen, machten den Vortrag zu einem Erfolg, der das Verständnis für die Belange, Probleme und Gefühle von Transidenten bei allen Anwesenden enorm gesteigert hat. 

9.5.2014: Vortrag über feministische Pornos
Der Vortrag der (S)Expertin für eigentlich alles,  was Sexualität betrifft, Dr. Laura Mèritt, bot einen breiten Überblick über die Vielfalt des zeitgenössischen feministischen Pornos und stellte die wichtigsten Vertreterinnen und ihre künstlerischen, eigenwilligen und nicht selten sehr ungewöhnlichen Werke vor. Sie zeigte auf, worin sie sich von "Mainstream-Pornos" unterscheiden. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die variierenden Vorstellungen davon, was als "feministisch" gelten darf und sollte (stark vereinfacht: "Nein zu Gewalt an Frauen" VS. "Alles ist erlaubt, wenn´s im Konsens passiert"), einen enormen Einfluss darauf haben, wie die gezeigten Filme rezipiert wurden.

9.5.2014: Lesung und Spokenword mit Mieze Medusa 
Die Poetryslammerin und Autorin Mieze Medusa las im Anschluss aus ihrem zweiten Roman "Mia Messer" über eine Diebin von feministischer Kunst vor.

10.5.2014: Workshops
Den Abschluss des Festivals bildeten zwei Workshops: Laura Mèritt klärte in ihrem Workshop über weibliche Sexualität auf, während Erich Lehner neue Männlichkeitsbilder vorstellte.

10.5.2014: Party und Konzert
Im Café Museum wurde das Ende eines sehr erfolgreichen Festivals gefeiert. Zu Gast waren die Wiener Rapperin Yasmo mit DJ, sowie das DJ-Team Pete Pressure und Sally Sound, die mit Swing-und Ska-Klängen die Leute zum Tanzen brachten.

ReferentInnen

 

Veranstaltungsort
Passau


Partner

Hochschulgruppe „fACTION – feminist Action“

AStA/SprecherInnenrat an der Universität Passau

Kurt-Eisner-Verein

Universität Passau 


Art der Veranstaltung
Vorträge - Workshops - Kulturveranstaltungen



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05.07.2013 - 17:00 bis 06.07.2013 - 13:00

Frauenfeindlichkeit: Antifeministische Männerbewegungen

 

Die neue, aggressiv auftretende antifeministische Männerbewegung hat sich Frauen und ihre emanzipatorischen Errungenschaften zur Zielscheibe ihrer Angriffe erkoren. Diese Männer stören Veranstaltungen, beschimpfen und diskriminieren Frauen (oder Männer, die sich mit Frauen solidarisieren) und nutzen zunehmend das Internet als anonymen Raum für ihre extremen Positionen. Ihre Vertreter sind aber auch in den Leitmedien unserer Gesellschaft ebenso wie in Universitäten oder Verbandsvorständen präsent. Sympathisierende Frauen sind ebenfalls in den Netzwerken der Maskulisten zu finden.

 

Da es im Vorfeld der Tagung bereits einige Versuche offensichtlich aus der "Maskulinisten-Szene" gegeben hatte, die Veranstaltung als einseitig und tendenziös zu verunglimpfen, rief Mitveranstalterin Michaela Pichlbauer, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt München, gleich am Beginn dazu auf, besonders "wachsam" und sensibel für Störversuche zu sein, aber auch ein achtsames Gespräch zu führen.

Hinrich Rosenbrock verortete den Antifeminismus zunächst im Spektrum des Sexismus. Der Sexismus habe als "othering"-Strategie auch eine zutiefst politische Komponente und könne als Stabilisierungsfaktor für patriarchale Verhältnisse gesehen werden. Der Antifeminismus gepaart mit einer männlichen Opferideologie diene dem Zusammenhalt in der frauenfeindlichen Männerbewegung, sie seien insofern Vereinigungsideologien. Strategisch bedienten sich die Antifeministen einerseits ihrer Verbindungen im etablierten Politik-, Kultur- und Wissenschaftsbetrieb und andererseits der Meinungsmache z.B. in Internetforen. Ein besonders wirkungsmächtiger Teil dieser Bewegung nutze den "hate speech" und bediene sich auch in der Bildsprache der Formen, die man aus dem Rechtsextremismus kenne. Auch inhaltlich gibt es Überschneidungen zu rechter Ideologie, z.B. im Anti-Gender-Diskurs, dennoch seien beide Bewegungen nicht gleichzusetzen.

Isolde Aigner widmete sich zunächst grundsätzlich der Bedeutung von antifeministischen Denkmustern und Akteuren in den Leitmedien, um dann das Beispiel des FOCUS (2010/2011) herauszugreifen. Sie konnte an Beispielen aus der Zeitschrift belegen, wie in den Diskurssträngen "Feminismus", "Männlichkeit", "Frauenquote" und "Gender bzw. Gender Mainstreaming" mit wiederkehrenden antifeministischen Denkmustern gearbeitet wird. Es folgte ein kurzer Exkurs zur „Sexismusdebatte“; dabei machte Aigner auch deutlich, dass innerhalb dieser Debatte antifeministische Gegendiskurse erstarken.

Die anschließende Diskussion griff Impulse aus den Referaten auf, so z.B. die Patriarchatskritik oder die Sexismus-Debatte, führte darüber hinaus aber auch zu grundsätzlichen Fragen des Geschlechterverhältnisses (z.B. am Arbeitsplatz oder in der Politik) weiter. Der Anti-Feminismus oder Maskulinismus erschien vielen Diskutantinnen als verstörendes Symptom einer immer noch schwierigen Geschlechterdebatte.

Die vier Workshops am Samstagmorgen widmeten sich den Maskulinisten in den neuen Medien, der Erarbeitung von Gegenstrategien, der neuen Männerbewegung und dem Feminismus. Herausgegriffen sei hier der Workshop "Männer in Bewegung" von Bernd Drägestein. Er beleuchtete in einem Impulsreferat die historische Entwicklung der Männerbewegung seit den 1960er Jahren und schilderte dann die gegenwärtig vorherrschenden Strömungen, zu eben auch die Maskulinisten gehören. Gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitete er ein grundsätzliches Bewusstsein dafür, dass Männlichkeitskonzepte dekonstruiert und hinterfragt werden müssen. Dazu leiste z.B. die pädagogische Jungenarbeit einen Beitrag.

In der Abschlussdiskussion zur Tagung wurde die Sexismus-Debatte und vor allem die Netzdebatte "#aufschrei" thematisiert. Hier manifestierte sich ein erschreckend verbreiteter Alltags-Sexismus bis hin zur Übergriffigkeit. Als Ausdruck von Diskussionskultur (auch Netzkultur) und Bereitschaft zu politischem Handeln offenbarte die Debatte aber auch einen erheblichen "utopischen Überschuss", wie Zara Pfeiffer es ausdrückte, der Hoffnung auf einen "Übersprung" vom virtuellen in den realen Raum macht. Noch einmal kam in der Schlussdebatte zum Ausdruck, dass der Maskulinismus ein besonders zugespitztes Phänomen ist, das in einem Alltags-Sexismus, in fortdauernden patriarchalen Strukturen und mangelnder Diskussionskultur im Geschlechterdiskurs wurzelt.

Auch diese Diskussion zeigte, dass die Absicht der Veranstalterinnen, mehr Licht in die Hintergründe und Absichten der Maskulinisten-Bewegung zu bringen, aufgegangen ist. Während der Tagung wurden nicht nur Denkmuster und Argumentationsstrategien der Maskulinisten an vielen Beispielen aufgezeigt und analysiert, sondern auch Aufmerksamkeit dafür erzeugt, dass die Geschlechterdebatte in unserem Land noch nicht beendet ist und auf der Basis gegenseitiger Anerkennung weitergehen muss.

Gesamtfazit: Die Tagung bot eine gelungene Mischung aus fundiertem Input von ExpertInnen-Seite und alltagsbezogenem Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Die hier geführten Debatten waren ebenso aktuell wie gesellschaftspolitisch wichtig. Einmal mehr wurden die vielen Facetten des Geschlechterdiskurses in Deutschland deutlich und dass noch immer Handlungsbedarf für feministische und gleichstellungspolitische Arbeit besteht. 

Downloads zum Artikel

rosenbrock_kurzfassung_antifeminismus.pdf193 K


ReferentInnen

Isolde Aigner
Dipl. Sozialpädagogin, Redakteurin bei „Wir Frauen“ – Das feministische Blatt, Düsseldorf

Teresa Bücker
Bloggerin, Autorin, Referentin für digitale Strategie und soziale Medien bei der SPD-Bundestagsfraktion, Berlin

Bernd Drägestein
Bildungsreferent, mannigfaltig-Institut für Jungen- und Männerarbeit, München

Jörg-Simon Löblein
Dipl. Sozialpädagoge, Diakon, Anti-Aggressivitäts-Trainer, München

Zara Pfeiffer
Sozialwissenschaftlerin, Autorin, München

Michaela Pichlbauer
Leiterin der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München

Hinrich Rosenbrock
M.A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Philipps-Universität Marburg

Moderatorinnen

Dr. Ulrike Haerendel
Stellv. Direktorin, Evangelische Akademie Tutzing

Jutta Höcht-Stöhr
Direktorin, Evangelische Stadtakademie München

Barbara Roth
StDin., Fachbereichsleiterin am Pädagogischen Institut der Landeshauptstadt München, Mitglied des Ortsvorstands Neuhausen-Oberwiesenfeld der CSU und des Kreisvorstands der Frauenunion München-Mitte

Katharina Schulze
M.A., Politikwissenschaftlerin, Vorsitzende BÜNDNIS 90/Die Grünen München, Parteirätin der Bayerischen Grünen, München

Doris Wagner
BÜNDNIS 90/Die Grünen, Sprecherin Bundesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik, Sprecherin Landesarbeitskreis Frauen- und Gleichstellungspolitik, München

Micky Wenngatz
Kommunikationsberaterin, ASF-Landesvorsitzende Bayern, Beisitzerin im Gesamtvorstand der SPD München

Veranstaltungsort
München


Partner

Gleichstellungsstelle der Landeshauptstadt München

Evangelische Akademie Tutzing

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Tagung



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13.06.2013 - 19:00

Die Stimme der Frauen - Vor der Präsidentenwahl in Iran

 

Die Proteste nach den letzten Präsidentschaftswahlen in Iran 2009 wurden vor allem von jungen Frauen angeführt. Viele von ihnen wurden daraufhin verhaftet, andere haben das Land verlassen. Am Vorabend der iranischen Wahlen 2013 wollen wir daher fragen: 

  • Was ist aus den Stimmen der Frauen geworden?
  • Wie hat sich die Situation seit 2009 entwickelt?

Die Berichterstattung über Iran in deutschen Medien ist häufig fixiert auf den Atomkonflikt. Grundsätzliche Informationen über das Wahlsystem, die Rolle von Minderheiten und die aktive Rolle von Frauen und Frauenorganisationen fehlen.

ReferentInnen

Katayun Pirdawari
Politikwissenschaftlerin und Queer-Aktivistin, Berlin

Dr. Christl Catanzaro
Iranistin, LMU München

Narges Kalhory
Filmemacherin und Studentin an der HFF München

Moderation:
Silvia Bauer
Kulturwissenschaftlerin, München

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,-/erm. 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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08.06.2013 bis 09.06.2013

3. FemFest Würzburg: Gesellschaftskritisches zum Thema Geschlecht

 

Samstag

Julia Scholz: "Inspirationen für Aktivismus aus queer-feministischer Psychologie" 
Julia Scholz, Psychologie-Doktorandin, setzt sich in ihrer Arbeit kritisch mit der  empirischen psychologischen Forschung auseinander, die objektiv sein möchte, jedoch auf Vorannahmen basiert und diese verfestigt, wenn sie nicht kritisch hinterfragt und offengelegt werden. Besonders wenn es um Vergleiche geht zwischen bspw. Männern und Frauen oder Menschen verschiedener Herkunft, kann eine unreflektierte Forschung Vorurteile stärken oder sogar erst kreieren. Die Vortragende zeigte aber auch Wege auf, wie empirische Forschung emanzipatorisch und politisch für eine geschlechtergerechte Gesellschaft tätig werden kann.

Bettina Staudenmeyer: „Bauchtanz – zwischen Selbstermächtigung
und –objektivierung. Eine feministische Perspektive“
 
Nach einer Darstellung der Tradition des Bauchtanzes und der daraus resultierenden Kontroverse durch die gegenläufigen Interpretationsweisen, als emanzipatorisch oder objektivierend, unterzog die Referentin beide Sichtweisen einer kritischen Analyse. Daraus entwickelte sie eine eigene feministische Sichtweise, welche sowohl die systemstabilisierenden als auch die subversiven Momente des Bauchtanzes in den Blick nahm. Darüber hinaus ging es darum, wie man selbst als Tanzlehrer/in oder Schüler/in mit diesem Konflikt umgehen kann.
Der Workshop stellte eine Einführung in die Grundbewegung des Bauchtanzes dar. Im Anschluss an den vorausgehenden Vortrag konnten die Teilnehmer/Innen aufgeworfene Fragen über ihre eigene Leiblichkeit erfahren. 

Miriam Gebhardt: "Das Unbehagen im deutschen Feminismus – eine kritische Diskursgeschichte" 
In einem historischen Abriss stellte die Vortragende den Verlauf des deutschen Feminismus dar. Ihrer These nach wandelte sich die Bewegung, die sich durch Vielstimmigkeit, Bedeutungshaftigkeit und internationale Relevanz auszeichnete, zu einer Bewegung, die programmatisch unbedeutend sich auf die Aussagen der medial redeführenden Alice Schwarzer reduziert hat. Anschließend warf sie die Frage auf, ob die aktuellen Debatten einen neuen Feminismus oder nur eine Weiterführung des Feminismus der siebziger Jahre darstellen.

Sookee: "Schwule Rapper, es wird Zeit, dass wir Tacheles reden"
Der Vortrag gab einen Überblick über Entstehung, Potentiale und problematische Aspekte von Rapmusik. Aufbauend auf Theorien der Geschlechterkonstruktion und der kritischen Männerforschung stellte die Vortragende einen Zusammenhang her zwischen Männlichkeitsentwürfen und (Hetero-) Sexismus im deutschsprachigen HipHop. Dabei ging sie insbesondere auf sprachliche Mechanismen und Gepflogenheiten ein – auf ihre Mehrdeutigkeit, Tragweite und Verquickung mit Gewalt, sexualisierter Gewalt, Reproduktion nicht emanzipatorischer Geschlechterrollen und Sexismus.
Das anschließende Konzert von Sookee war ein äußerst stimmungsvoller Ausklang des ersten FemFest Tages und  stieß auf große Begeisterung bei den Zuhörer/inne/n. 

Film „And you belong“
Der Film von Julia Ostertag ist ein künstlerisch-dokumentarisches Portrait des Duos Scream Club und ein gelunges Zeitdokument aktueller Strömungen der queeren Musikszene in Berlin.

Sonntag

Tanzperformance "Empfangsverhütung"

Jagoda Rosul-Gajic: "Auf dem Weg nach Europa – Umsetzung der Gleichstellungspolitik in Kroatien"
Die Referentin stellte die aktuelle Situation Kroatiens im Kontext seiner ereignisreichen Geschichte dar. Gewalt, Krieg und Nationalismus brachten eine Marginalisierung von Frauen und ihrer Interessen hervor, ließen aber andererseits auch die Frauenbewegung aufblühen. Es wurde des Weiteren die Lebenswirklichkeit von Frauen in Kroatien dargestellt und erörtert, welchen Einfluss die Gleichstellungspolitik der EU besitzt.

Katharina Schulz & Markus Weißschnur: "Bauch raus, Brust rein – Geschlechterbilder im Fokus"
Anhand von Standbildern und anschließenden Gesprächsrunden näherten sich die
Teilnehmer/inne/n des Workshops auf kreativ-spielerische Weise dem Thema
Geschlechterstereotypen an. 

Pecha Kucha rund um das Thema Feminismus 
Diese Form der kurzweiligen Vorträge ermöglichte es den Referent/inn/en, ihr
Wissen über spezielle oder ganz allgemeine Themen zu queeren/(trans)gender/
feministischen und damit verbundenen Sachverhalten innerhalb einer kleinen Präsentation zu teilen. Themen waren u.a. die Frage nach Aufklärung über Pornografie im Unterricht, historische Persönlichkeiten Würzburgs und Sexismus in der Werbung.

Podiumsdiskussion  "Sex wie im Porno"
Die queer-feministische Podiumsdiskussion zum Thema sexuelle Selbsterfahrung vor dem Hintergrund pornographischer sowie pornographisierter Bilder und Filme wurde moderiert von Mitorganisatorin Marika Levien, Podiumsgäste waren Maike Brochhaus (Lehrbeauftragte der Kunstwissenschaft und Regisseurin des postpornographischen Experiments „Häppchenweise“), Bianca Kennedy (Studentin der Medienkunst, München), Hans-Peter Breuner (Sexual- und Genderpädagoge bei pro familia), André Wendler (Medienwissenschaftler, Weimar) sowie Anna Schillinger (Studentin der Medienwissenschaften).

Empfohlene Weblinks

femfestwuerzburg.blogspot.de

Veranstaltungsort
Würzburg


Partner

FemFest

Gleichstellungsstelle der Stadt Würzburg

Akademie Frankenwarte


Art der Veranstaltung
Queer-feministisches Fest



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04.01.2013

"Die Hure muss brennen" - Ideologiekritisches zu Reggae und...

 

Wenngleich Reggae wohl überwiegend wegen des Grooves so populär und einflussreich sein dürfte und heute eher eine Art Traditionsveranstaltung bildet, haben auch die transportierten Inhalte immer gewirkt: aufwiegelnd und kraftspendend für viele Ausgeschlossene, aber auch verheerend als Futter fürs Bedürfnis nach Glauben, Abgrenzung und Selbsterhöhung.

Daniel Kulla versuchte in seinem Vortrag, für die Diskussion um Reggae einige Navigationshilfen durch das Dickicht aus Bass & Babylon, christlichem Endzeitkult & Widerstand gegen Rassismus, Homophobie & Frauenfeindlichkeit zu geben. Das selbstverwaltete Zentrum „Z“ in Rosenheim war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das große Interesse des überwiegend jungen Publikums dürfte auf die breiten Diskussionen der vergangenen Jahre über die Auftritte homophober Musiker beim Chiemsee Reggae Festival zurückzuführen sein. 

Der Referent thematisierte zwar auch diese aktuelle Debatte. Der Schwerpunkt des Vortrags war jedoch die dahinterstehende Ideologie des Rastafarianismus. Rastafari ist, so der Berliner Autor, Sänger und Blogger, eine relativ junge, aus dem Christentum entsprungene Glaubensrichtung. Diese Religion der vom Kolonialismus ausgebeuteten Menschen weist jedoch nicht immer emanzipatorische Inhalte auf. Zentral für diese Religion ist die biblische Bedeutung von Babylon, welche von Kulla ausführlich und sehr kritisch dargestellt wurde. In den Interpretationen vieler Rastas gehe es zunächst darum, die angeblich "wahren Interessen" zu "enthüllen", die hinter der prunkvoll erscheinenden Fassade Babylons versteckt liegen sollen, ehe die "Hure Babylon" erniedrigt und dann unter der Anleitung Gottes vernichtet werden soll. Eine "Kollaboration" mit Babylon, welches oftmals als die „westliche Welt“ gesehen wird, ist unter den Rastas weiterhin sehr verpönt. Trotzdem sei laut Kulla die Annahme verfehlt, die Rastas selbst würden im Sinne ihrer Vernichtungsphantasien handeln. Jedoch erzeugen sie ein ideologisches Muster, das anderen als handlungsleitend gilt. 

Nicht nur im Kampf gegen Babylon weist der Rastafarianismus viele alttestamentliche Bezüge auf, sondern auch bei dem oft wörtlich aus der Bibel übernommenen Bild von Frauen, welche als „unrein“ gelten. Oft sind sie weiträumig marginalisiert, müssen sich an strenge Kleidervorschriften halten, sind vom rituellen Ganja-Rauchen ausgeschlossen und werden in bestimmten orthodoxen Gruppen wie den Bobos, denen so populäre Reggaekünstler wie Sizzla angehören, zeitweise in Menstruationshäuser verbannt.

Trotz seiner Religonskritik warnte der Referent davor, alle Rastas als Fundamentalisten zu sehen, und argumentierte für einen differenzierten Blick auf die Thematik. Auch war ihm wichtig zu betonen, dass die Essentialisierung von Geschlechterrollen keine Spezifika des Rastafarianismus sei, sondern in vielen Religionen und Gesellschaften weit verbreitet ist. In Bezug auf die aktuelle Kritik an homphoben Reggae Acts warnte er vor einer Selbsterhöhung gegenüber einer „schwarzen Musik aus der Karibik“, welche nicht zu einer Entlastungsstrategie werden dürfe, um von Homophobie und Sexismus in der eigenen Gesellschaft abzulenken. Er sei selbst kein „Boykottmensch“, sondern er empfahl vielmehr die „positive Aufwiegelungstradition, welche im Reggae zu finden ist“ aufzugreifen. Für Daniel Kulla sollte es nicht darum gehen, die Früchte der Zivilisation zu zerstören, sondern sich diese anzueignen und für alle Leute zugänglich zu machen.

Empfohlene Weblinks

infogrupperosenheim.tk

z-rosenheim.net

ReferentInnen

Daniel Kulla 
Autor, Sänger und Blogger aus Berlin

Veranstaltungsort
Rosenheim


Partner

infogruppe Rosenheim



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19.07.2012 bis 21.07.2012

Frau - Macht - Veränderung? - Transformationsprozesse im Nahen und...

 

Der arabische Frühling hat die gesamte Region verändert, da sind sich die ExpertInnen einig. Die Menschen erwarten nach der Revolution, dass es ihnen besser geht, stattdessen zeichnet sich zunächst eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse ab. Die Wirtschaft etwa in Ägypten leidet, weil Touristen und Investoren ausbleiben. Dementsprechend steigt die Arbeitslosigkeit und die Unzufriedenheit mit dem Übergangsregime nimmt zu. Es ist immer noch offen, ob die Revolutionen im arabischen Raum in demokratischen Systemen enden oder Bürgerkrieg und Staatsverfall die Folge sein werden.

Es wird oft übersehen, dass die arabischen Frauen seit Jahrzehnten einen beträchtlichen Beitrag zur Demokratieförderung leisten. Sie setzen sich für Menschenrechte, den interkulturellen Dialog zwischen der arabischen und der westlichen Welt und für die politische und kulturelle Teilhabe von Frauen ein. Und tatsächlich: für eine kurze Zeit erlangten Frauen eine gewisse Handlungsmacht im öffentlichen Raum, indem sie sich bei Protesten ebenso lautstark artikulierten wie Männer.

Obwohl Frauen zum Symbol der Transformation in der Region geworden sind, werden ihnen in der Realität zahlreiche Grundrechte vorenthalten. Die neue politische Elite besteht wiederum fast ausschließlich aus Männern.

Dabei ist es wichtig, dass die Stimmen der Frauen auch in diesen Reformprozessen gehört werden. Da ohne die Gleichberechtigung der Geschlechter in der öffentlichen Sphäre ein dauerhafter und demokratischer Transformationsprozess und eine gerechte Gesellschaft nicht denkbar sind.

Frauen zu stärken, sich zu vernetzen und gemeinsam Ziele zu erreichen, ist ein wichtiger und notwendiger Faktor.

Da Frauen in der Realität zahlreiche Grundrechte vorenthalten werden, führt dies zu einer strukturellen Diskriminierung von Frauen, die eine wesentliche Ursache für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in der Region ist. Die Verbesserung der sozialen und ökonomischen Situation von Frauen ist ein Schlüsselfaktor für wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Eine Zwischenbilanz der Demokratieentwicklung in der Region zeigt, dass neue Kräfte ein konservatives Modell propagieren und die politische Elite wieder ausschließlich aus Männern besteht. So gibt es beispielsweise im ägyptischen Verfassungsausschuss keine einzige Frau. Wie sich die Zukunft in den arabischen Ländern für Frauen entwickeln wird, ist nicht abzusehen. 

Auch für die Akteure in Deutschland liefert die arabische Welt seit dem Aufbruch ein neues Bild. Es entstand eine Debatte über die Rolle des Islams  bzw. der sogenannten Islamismen im Bezug auf die demokratischen Werte und die Menschenrechte. Hier stellt sich die Frage: Sind die Frauenrechte eine Ausnahme? Denn um die Frauenrechte in der arabischen Welt nachhaltig durchsetzen zu können, ist die Zusammenarbeit zwischen Politik, Zivilgesellschaft, Religion und auch internationalen Entwicklungshelfern nötig. Ein Kulturaustausch als auch die Wirtschaftsförderung zur Stabilisierung der Region, die auch Frauen miteinbeziehen soll, bietet sich hier als eine der langfristigen Strategien an. 

Werden Frauen in der arabischen Welt auch in Zukunft in der öffentlichen Sphäre eine marginale Rolle spielen? Welche Perspektiven hat eine echte Demokratie in der gesamten Region? Was kann eine revolutionäre Veränderung zur Verbesserung der Situation von Frauen beitragen? Wie können Deutschland und Europa helfen, zu einer stabilen und geschlechtergerechten Gesellschaft beizutragen?

Diese und ähnliche Fragen sollten und wurden bei der Tagung behandelt und diskutiert.

Empfohlene Weblinks

www.bpb.de/partner/foerderung/155312/frau-macht-veraenderung-transformationsprozesse-im-nahen-und-mittleren-osten

Veranstaltungsort
München


Partner

Frauenakademie München

Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Friedrich-Ebert-Stiftung - Bayernforum

Die Tagung wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Institut für Auslandsbeziehungen e.V. gefördert. 


Art der Veranstaltung
Lesung und Tagung



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10.03.2012

Konzert zum Weltfrauentag

 

Nach einer kurzen Einführung durch eine Sprecherin von United4Iran – Bayern e. V. berichteten die beiden Referentinnen über die Initiative der Mütter vom Laleh-Park und die Arbeit der Frankfurter Solidaritätsgruppe. Ursprünglich lautete der Name der Gruppe "Trauernde Mütter", jedoch habe man sich nach einem Jahr einen anderen Namen geben wollen, der positive Assoziationen weckt. Die Verbindung mit dem (Teheraner) Laleh Park, wo die Gruppe regelmäßig ihre Kundgebungen abgehalten hat, sei naheliegend gewesen. Die Solidaritätsgruppen außerhalb des Iran würden ihre Aktionen gezielt an belebten Orten wie der Frankfurter Hauptwache durchführen. So könne man viele Menschen erreichen, die sich sonst nicht über die Menschenrechte im Iran informieren würden. Im Anschluss an den ca. 20-minütigen Vortrag gingen die Referentinnen auf Fragen aus dem Publikum u.a. zu den Parlamentswahlen im Iran, zur Menschenrechtsarbeit der Vereinten Nationen und zu Verbindungen mit anderen Friedensinitiativen von Müttern, z.B. in Lateinamerika, ein.

Der Rest des Abends war der Musik gewidmet. Nasrin Khochsima lud zunächst die Zuschauer
ein, sich ganz auf die Klänge einzulassen und erinnerte mit einem Gleichnis daran, dass alle
Menschen, unabhängig von Sprache und Herkunft, letzten Endes die gleichen Motive und
Bedürfnisse haben. Für Heiterkeit im Publikum sorgte ihre Bemerkung, passend zum
Weltfrauentag, sie gehöre zu den emanzipiertesten Frauen überhaupt, weil sie einen eigenen
"Harem" besitze, nämlich ihre Band. Die Stimmung war von Anfang gut und steigerte sich während des gut einstündigen Konzerts mit Liedern in drei Sprachen noch. Beim letzten Lied durften alle mitsingen, was vom Publikum teils begeistert angenommen wurde. Die Resonanz der Zuschauer war sehr positiv, und es gab viel Lob für alle Beteiligten.

Viele weitere Details, Fotos und Hintergrundinformationen zur Oppositionsbewegung im Iran können Sie dem ausführlichen Sachbericht (PDF-Datei zum Herunterladen!) unseres Kooperationspartners entnehmen.

Downloads zum Artikel

Sachbericht_4-12-02.pdf2.5 M


Empfohlene Weblinks

united4iran-bayern.de

nasrinmusic.de

 

ReferentInnen

Turan Nazemi und Maryam Hekmatshoar
internationales Netzwerk "Solidarität mit den trauernden Müttern vom Laleh Park (Mourning Mothers)" 

Band "Nasrin"
Nasrin Khochsima (Gesang), Alex Haas (Kontrabass), Wolfgang Wallner (Gitarre), Hadi Alizadeh (Tonbak, Daf), Freddy Engel (Flöte, Saxophon, Nay)

 

 

Veranstaltungsort
München


Partner

United4Iran - Bayern e. V.

Kulturreferat der Landeshauptstadt München 


Art der Veranstaltung
Konzert



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07.11.2011 bis 11.11.2011

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

 

Das Gleichstellungsreferat der Bamberger Studierendenvertretung, die feministische plattform und der AStA Bamberg e.V. organisierten die Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie. Hier ein kurzer Rückblick auf die einzelnen Veranstaltungen:

Montag, 7. November 2011
Julia Scholz: Queer Theory – Hilft sie uns bei Politik gegen Sexismus und Homophobie?
Zur Eröffnung der Aktionswoche gab Julia Scholz eine Einführung in die Queer Theorie und versuchte die selbst gestellte Frage „Hilft sie uns bei Politik gegen Sexismus und Homophobie?“ zu beantworten. Auf allgemein verständlichem Niveau erklärte sie sehr anschaulich, mit Bezugnahme auf Judith Butler, die Themen, Erkenntnisse und Fragen der Queer Theorie. U. a. veranschaulichte sie anhand der Geschlechterdichotomie die willkürliche Setzung von Differenzen, die i. A. als natürlich erscheinen und häufig unhinterfragt bleiben. Dieser fraglosen Annahme wirkmächtiger Strategien setzt die Queer Theorie die Dekonstruktion entgegen. Diese ist für Julia Scholz entscheidend für die politische Arbeit mit der Queer Theorie: Sie hält wach. Sie motiviert beständig zum Hinterfragen von Setzungen bzw. zum Aufdecken der selbigen. In der Diskussion wurde dann auch vorgeschlagen, die Queer Theorie als Metatheorie zu begreifen, die anderen Ansätzen übergeordnet werden kann. Kritisiert wurde an der Queer Theorie das Fehlen normativer Vorgaben für die politische Arbeit. Da die Queer Theorie gerade Normen und Normalisierungen zu hinterfragen motiviert, läuft diese Kritik ins Leere.

Dienstag, 8. November 2011
Dr. Martin Weiss-Flache: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ – Die Konstruktion von Männlichkeit(en) im Blickwinkel der kritischen Männerforschung
In seinem Vortrag ging Martin Weiß-Flache der Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ nach. Dabei sollten zunächst stereotype Fotos und empirische Stichproben in unterschiedlichen Arbeitsbereichen den Zuhörer_innen einen ersten Hinweis auf Männerbilder im Alltag geben. Mit Überlegungen zu Männlichkeit und Mann - Sein gab er dann Einblick in die kritische Männerforschung, die nicht nur ein patriarchales Weltbild, sondern ebenso das Konzept der hegemonialen Männlichkeit kritisiere. So sei für viele Männer ein Idealbild von Mann zur identitären Orientierung nötig. Zugleich leiden auch viele Männer unter einem solchen Ideal, indem das Geschlecht zum Leitbild konstruiert wird. Das Ablegen dieser Leitbilder beschrieb Martin Weiß-Flache als oftmals schwierigen Prozess. Des Weiteren erklärte er, dass vor allem in pädagogischen Bereichen auf Grund der Abwesenheit von Männern ein Bild der Nicht-Männer vorherrsche, wobei das Bild der Nicht-Männer zur Konstruktion von Männlichkeit genutzt wird. In der anschließenden Diskussion wurde diese heteronormative Vorstellung thematisiert und hinterfragt.

Mittwoch, 9. November 2011
Nils Rusche: Geschichte und Geschichten der Homophobie
Nils Rusche referierte über die "Geschichte und Geschichten der Homophobie". Der historische Exkurs spannte den Bogen von der europäischen Antike über das christliche Mittelalter in die westlich-europäische Neuzeit. Abschließend gab es eine kurze Darstellung des Status Quo in Deutschland und anderen Staaten. Neben der Entwicklung der moralischen und juristischen Bewertung homosexuellen Verhaltens erzählte er anhand historischer Dokumente auch immer wieder kurze Geschichten aus der Vergangenheit. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem der Blick über die engen regionalen Grenzen hinaus geworfen und die Lage Homosexueller in anderen Regionen der Welt diskutiert. Ebenso entspann sich noch ein kurzer Dialog über die Rolle der Homosexualität in der Bibel.

Donnerstag, 10. November 2011
Charlotte Bradke: Transsexualität/ Trans*identität
Der Vortrag lieferte eine Einführung in das Phänomen der Trans*identität. Als Einstieg zeigte die Referentin den Kurzfilm "Desarmés" aus der Reihe "Fucking Different Tel Aviv", der die  Liebesgeschichte eines schwulen Transmannes und seines Partners erzählt. Nach einer Klärung der Begriffe Transsexualität, Transidentität, Transgender, Intersexualität und Transvestitismus behandelte Bradke ausführlich die Lebenssituation der Betroffenen. Interessanter Weise erleben zum Beispiel Transfrauen und Transmänner ihre Situation aufgrund gesellschaftlicher Normvorstellungen durchaus unterschiedlich. Den Weg der körperlichen Geschlechtsangleichung stellte sie anhand der "Standards of Care " der Harry Benjamin Gesellschaft vor, wobei sie betonte, dass es auch andere Möglichkeiten des Umgangs mit der eigenen Trans*identität gibt und inzwischen der Konsens herrscht, dass eine Vielfalt an Transsexualitäten existiert.
Bradke betonte, dass sie durch ihr Psychologiestudium zwar eher einen psychologischen Blick auf das Thema habe, es aber wichtig sei, Transsexualität nicht zu pathologisieren, sondern als eine der vielfältigen Erscheinungsweisen des Geschlechtserlebens zu sehen.
In der Diskussion wurde unter anderem die Frage des Umgangs mit Pathologisierungen und die Bedeutung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen weiter diskutiert.

Freitag, 11. November 2011
Film: Das verordnete Geschlecht (D: 2001)
Thema am Freitag war das Phänomen der Intersexualität. Zum Einstieg in den Abend wurde ein Gedicht von Melanie Jilg vorgelesen, welches sich mit der Thematik der Operationen an Intersexuellen auseinandersetzt. Danach wurde der Film gezeigt, eine Dokumentation. Ihn ihm geht es um Intersexuelle und den gesellschaftlichen Umgang mit ihnen. Die Existenz von nur zwei Geschlechtern als unhinterfragte  gesellschaftliche Norm ist dabei Ausgangspunkt. Auch heute werden gravierende, irreversible chirurgische Eingriffe an Kindern vorgenommen, um sie einem Geschlecht anzupassen. Im Film geht es um die Geschichte von Intersexuellen und um die weiterreichende gesellschaftliche Bedeutung, die es hat, dass die Gesellschaft nur die Existenz von zwei Geschlechtern anerkennt. Zwei Intersexuelle erzählen, welchen Preis sie dafür zahlten, dass die Vorstellung der Gesellschaft von Normalität erhalten bleibt. Die Geschichten werden durch Ansichten von Eltern und Ärzten, die eine Operation rechtfertigen, kontrastiert. Es ist eine Dokumentation über die gewalttätige Geschlechter- und Körperpolitik, ein Plädoyer für Gleichbehandlung und Anerkennung von Pluralität.
In der Diskussion, welche an den Film anschloss, wurde vor allem offensichtlich, dass sich viele Teilnehmer_innen bisher noch nicht mit Intersexualität befasst hatten, oder überhaupt noch nichts darüber wussten. Es wurde diskutiert, inwieweit es möglich sei, ein Kind ohne Geschlecht in dieser Gesellschaft aufzuziehen, und was die Konsequenzen daraus für das Kind und eventuell langfristige Folgen für die Gesellschaft sein könnten.

 

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Studierendenvertretung der Universität Bamberg

feministische plattform

AStA Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Film



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14.10.2011

Demokratiebewegungen in der arabischen Welt - Chance für eine...

 

Frauen in den Demokratiebewegungen Nordafrikas setzen sich für Freiheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen ein. In den Medien wurden sie als treibende Kraft der Revolution beschrieben. Frauen sind in der arabischen Welt zum Symbol der Transformation in der Region geworden. Es ist wichtig, dass die Stimmen der Frauen auch in diesen Reformprozessen gehört werden. Allerdings besteht die neue politische Elite wieder ausschließlich aus Männern. So gibt es beispielsweise im ägyptischen Verfassungsausschuss keine einzige Frau.

Der arabische Frühling hat die gesamte Region verändert, da sind sich die ExpertInnen einig. Die Menschen erwarten nach der Revolution, dass es ihnen besser geht, stattdessen zeichnet sich zunächst eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse ab. Die Wirtschaft etwa in Tunesien und Ägypten leidet, weil Touristen und Investoren ausbleiben. Dem Entsprechend steigt die Arbeitslosigkeit und die Unzufriedenheit mit dem Übergangsregime. Welche Regierungsmodelle nach dem Sturz eines Regimes zum Tragen kommen, ist ebenfalls unklar. Auf der Veranstaltung führte ein Vortrag über die Zukunftsperspektiven nach dem arabischen Frühling von Dr. Asiem El Difraoui, Stiftung Wissenschaft und Politik, in das Thema ein. Zur arabischen Welt gebe es zur Zeit mehr Fragen als Antworten. Er stellte mögliche Zukunftsszenarien der Demokratieentwicklung im arabischen Raum vor. Es sei völlig offen, ob die Revolutionen in demokratische Systeme enden, Bürgerkrieg und Staatsverfall die Folge seien oder neue Diktaturen entstünden. Darüber hinaus stelle sich auch die Frage, welche Rolle die religiösen Kräfte künftig spielen werden. Es kann sein, dass der politische Islam und die konservativen Mächte in der Politik mehr Einfluss bekommen. Aber es gebe Hoffnung auf mehr Demokratie. Das sei natürlich ein sehr langer Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen sei, so El Difraoui.

Anschließend referierte May Elmahdi, freiberufliche Journalistin, zum Thema „Aufbruch in die Demokratie: Was erwarten Frauen nach der Revolution?“. Sie betonte, dass die Situation von Frauen in der arabischen Welt von vielen sozioökonomischen, kulturellen, inneren und globalen Faktoren abhänge: der staatlichen Politik, den regionalen Entwicklungen, der internationalen Politik, den persönlichen Zugehörigkeiten, dem feministischen Diskurs und dem Konflikt mit dem Staat und den konservativen Kräften. Die Bürgerrechte seien nicht mit Frauenrechten gleichzusetzen. So hat Jordanien beispielsweise in der neuen Verfassung einen Artikel verändert: „Männer und Frauen sind nicht gleichberechtigte Bürger“. Es gebe aber auch gute Beispiele. Der Anteil der tunesischen Frauen ist in den meisten neuen Parteien groß. In hohen Positionen sind sie vor allem in Frauenkomitees aktiv. Das größte Problem liege in der Öffentlichkeit. So kann sich die Mehrheit der Ägypter beispielsweise nicht vorstellen, eine Frau als Präsidentin oder Polizistin zu sehen. 

Die Podiumsdiskussion mit den ExpertInnen wurde von Esther Saoub, SWR, ehemalige ARD-Korrespondentin in Kairo, moderiert. Mit einem einführenden Vortrag zur aktuellen Lage in Ägypten gab Hoda Salah, Kultur- und Politikwissenschaftlerin, Impulse für die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Demokratieentwicklung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Chancen für eine geschlechtergerechte Gesellschaft“. Frau Salah betonte, dass auch wenn die Revolution nicht alle ihre Ziele erreichen könne eines feststeht: Sie hat die Angst der ÄgypterInnen vor den alten Eliten, dem Staat, dem Sicherheitsapparat und den Religionsautoritäten gebrochen. Viele BürgerInnen betonen ihre Bürger- und Menschenrechte und agieren viel selbstbewusster. Die Revolutionen in der arabischen Welt hätten die Bevölkerungen näher zu einander geführt. Bei den Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen politischen Strömungen gehe es vor allem um die Frage, wie die Verfassung des neuen Ägyptens gestaltet werde.  Welche Rolle soll die Religion spielen? Wird Ägypten ein islamitischer Staat?

Salah hob hervor, wie selbstverständlich Frauen und Männer Seite an Seite gegen das Mubarak-Regime demonstrierten und in den Zelten auf dem Tahrirplatz übernachteten, ohne dass es zu Belästigungen kam. Das repressive Regime habe nach Einschätzung von Salah die Männer früher dazu verleitet, ihre Frustration an den Frauen auszulassen. Die Demokratiebewegung habe den Menschen nun ihre Würde zurückgegeben und den gegenseitigen Respekt zwischen den Geschlechtern befördert. Die Zivilgesellschaft sei aufgewacht und dies mache sie zuversichtlich für die Entwicklung Ägyptens. Weit weniger optimistisch äußerte sich El Difraoui. Er mahnte dringende wirtschaftliche Unterstützung und Kulturaustausch zwischen der arabischen Welt und Europa an, damit die Region nicht in Gewalt versinke. Vor allem die ökonomische Situation habe sich für die Bevölkerung seit der Revolution kein bisschen verändert, was den radikalen Kräften Vorschub leisten könne. 

ReferentInnen

May Elmahdi
freiberufliche Journalistin

Hoda Salah
Kultur- und Politikwissenschaftlerin

Dr. Asiem El Difraoui
Stiftung Wissenschaft und Politik

Veranstaltungsort
München


Partner

Frauenakademie München e.V.

BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung

Kulturreferat der Landeshauptstadt München



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