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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

26.09.2016 - 19:00

Willkommensstadt: Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden

 

Deutschland entwickelt sich zum Einwanderungsland.

Angesichts des Zuzugs von Flüchtlingen stellt sich die Frage nach ihrer menschenwürdigen Unterbringung. Während Bauträger und Architekten Bauinitiativen mit dem Motto "Wohnraum für alle" ins Leben rufen, meint Daniel Fuhrhop: "Neubau für Neubürger ist angesichts bundesweiter Leerstände nicht nötig und behindert das Ziel, eine neue Gemeinschaft zu gründen."

Wie aber lassen sich unsere Städte zu weltoffenen, lebendigen Orten der Begegnung entwickeln – zu Willkommensstädten, in denen wir selber gern leben?

ReferentInnen

Daniel Fuhrhop
Autor des Blogs und Buches Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift, 2015, und Die Willkommensstadt. Wie wir Flüchtlinge unterbringen und unsere Städte beleben, 2016

Hinrich Böttcher
Dipl. Ing. Architekt , MWUENRDK - Kommunikation für die Immobilienwirtschaft, einer der Initiatoren von "Wohnraum für alle"

Moderation:
Laura Weissmüller
Architekturkritikerin, SZ (angefragt)

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
5,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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13.07.2016 - 17:00 bis 21:00

Ladies Lunch: Frauen und Arbeit

Modelle für mehr Gerechtigkeit

Die Berufstätigkeit von Frauen und Männern unterscheidet sich nach wie vor deutlich. Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und stellen den Großteil der geringfügig Beschäftigten. In Führungspositionen und auf Vollzeitstellen dominieren nach wie vor Männer. 

  • Welche Arbeitszeitmodelle und Arbeitsformen sorgen für mehr Gerechtigkeit für alle? 
  • Welche Chancen bieten Selbstständigkeit, die sogenannte „Kleine Vollzeit“ oder Lebensarbeitszeitkonten?

Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion mit Ihnen und unseren Expertinnen Dr. Verena Di Pasquale und Dr. Sina Brübach-Schlickum!

Danach laden wir Sie herzlich ein, bei einem Glas Sekt und einem kleinen Buffet mit den anderen Teilnehmerinnen ins Gespräch zu kommen und Ihr Netzwerk zu erweitern.

Die Veranstaltung wendet sich ausschließlich an Frauen.

Eine Anmeldung ist erforderlich.

ReferentInnen

Dr. Verena Di Pasquale
Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Bayern 

Dr. Sina Brübach-Schlickum  
Gründerin und Geschäftsführerin des Combinat 56 - Coworking Space, München

Begrüßung:
Sigi Hagl (Landesvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN in Bayern)

Moderation:
Silke Rapp

Veranstaltungsort
München, Der Pschorr, Viktualienmarkt 15, Theresiensaal



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01.07.2016 bis 02.07.2016

Der Landkreis Miltenberg und die Rahmenbedingungen grün-alternativer...

 

Im Rahmen unserer Bildungsreisen befassen wir uns seit Jahren mit den Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten grün-alternativer Kommunalpolitik in Bayern. Die Wahl Jens Marco Scherfs zum Landrat im Jahr 2014 war Anlass genug, uns im Landkreis Miltenberg im äußersten Nordwesten Bayerns umzusehen.

Im Rahmen einer Führung durch Miltenberg konnten die Teilnehmenden die Geschichte der Kreisstadt kennen lernen und erste Eindrücke über die spezifischen Bedingungen für die kommunalpolitische Arbeit dort sammeln. Der 1. Bürgermeister der Stadt, Helmut Demel (im Bild rechts), informierte anschließend ausführlich über die seit Jahrzehnten andauernden Bemühungen um eine Verbesserung beim Hochwasserschutz.  Gerade in Zeiten des Klimawandels und immer häufigerer Starkregen-Ereignisse sei das für die direkt am Main liegende Stadt geradezu lebenswichtig.  Am Tag des Besuchs wurde die neue Hochwasserschutzmauer feierlich eröffnet, die in jahrelanger Bauzeit (Beginn der Planungen: 1999!) und mit Investitionen von rund 30 Mio. Euro errichtet wurde. Dabei sollten die wichtigen Blick- und Wegebeziehungen von der Stadt zum Main durch den Hochwasserschutz nicht behindert werden. Auf rund 600 Metern Länge tritt die massive Hochwasserschutzwand nur als 90 Zentimeter hohe Brüstung in Erscheinung. Diese bietet Schutz bis zu einem 25-jährlichen Hochwasser. Für das Schutzziel bis zu einem hundertjährlichen Hochwasser können bei Bedarf 220 Stahlstützen mit einer Höhe von 1,40 Metern aufgeschraubt werden. Dazwischen können über 2.600 Aluminiumbalken eingeschoben werden, die dann eine mobile Schutzwand bilden. Ein mobiles System kann hier angewendet werden, weil die Hochwasserwellen des Maines lange Laufzeiten aufweisen und so genügend Zeit für den aufwändigen Aufbau des Schutzsystems bleibt.

In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Jens Marco Scherf (im Bild links) und etlichen Kreis- und Gemeinderät*innen konnten die Rahmen- und Erfolgsbedingungen für grün-alternative Kommunalpolitik vor Ort ausführlich diskutiert werden. Scherf nannte dabei v.a. die Wirtschafts- und Bildungspolitik als wichtige Anliegen. Nur wenn es gelinge, eine berufliche Perspektive in der Region zu bieten, könne der Wegzug qualifizierter junger Menschen aus dem Landkreis auf Dauer vermieden werden.

Miltenberg: Die historische Altstadt ist nicht nur eine touristische Attraktion. Der Landkreis bemüht sich auch um eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur.

Wie das konkret aussehen kann, erfuhren die Teilnehmenden im Rahmen einer ausführlichen Betriebsbesichtigung bei der Firmengruppe Erbacher-Josera im benachbarten Kleinheubach. Erbacher produziert Getreideprodukte: Zutaten zur Weiterverarbeitung, aber auch fertige Produkte wie süße Schokoladensnacks, herzhafte Snacks und Müsli. Viele Produkte werden auch in glutenfreier Qualität und in Bio-Qualität hergestellt. Josera stellt Tierfutter her, sowohl für Haustiere (neuerdings auch vegetarisches Hundefutter!) als auch Futtermittel für die Landwirtschaft. In einem betriebseigenen Labor werden aufwändige Analysen (z. B. Mikrobiologie, Schwermetalle) durchgeführt, die dem Qualitätsstandard für Prüflabors auf dem Niveau der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten entsprechen.

Beeindruckend sind die Anstrengungen der Firmengruppe auf dem Gebiet des Umweltschutzes: So verfügt Josera über einen privaten Gleisanschluss, der dazu beiträgt, bis zu 40.000 Jahrestonnen von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Mit einem in diesem Ausmaß weltweit einmaligen Hochregallager aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, das aus regionaler Forstwirtschaft stammt, wurde ein weiteres Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit gesetzt. Vorbildlich ist auch das Energiemanagement mit eigener Kraft-Wärme-Kopplung.

In der Diskussion wiesen die Geschäftsführer Burkard und Frank Erbacher auf die Wichtigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen als Grundvoraussetzung für ein regionales Familienunternehmen im globalen Wettbewerb hin. So sei das hauseigene BHKW auf der Grundlage der damals geltenden Ökosteuer- und EEG-Gesetze geplant und ausgelegt worden. Der Kahlschlag am EEG, wie er von der derzeitigen Bundesregierung vorgenommen wurde, habe diese Planungsgrundlage vollkommen untergraben.

Burkard Erbacher wies abschließend auf die von der Firma gegründete Stiftung hin, die sich international beim Aufbau und der Unterstützung lokaler landwirtschaftlicher Strukturen und der Förderung der Wertschöpfung vor Ort (z.B. in Uganda und Tansania) engagiere.

Fotos: Renate Grasse

ReferentInnen

Jens Marco Scherf
Landrat, Landkreis Miltenberg

Helmut Demel
1. Bürgermeister, Miltenberg am Main

Burkard und Frank Erbacher
Geschäftsführer, Erbacher Gruppe

Dorothea Zöller
Gästeführerin, Miltenberg

Veranstaltungsort
Miltenberg


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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16.06.2016

Bewegen, verweilen, bestaunen: die Qualität des öffentlichen Raums

Öffentlicher Raum in Kopenhagen: die Vestervolgade, eine ehedem vierspurige Hauptstraße in der Innenstadt, wurde zum Wohlfühl-Raum.

 

Wenn Städte und Gemeinden für die Menschen gebaut werden, die in ihnen wohnen, leben, arbeiten und Freizeit verbringen, wenn sie sich am "menschlichen Maß" orientieren wollen, wie es der dänische Stadtplaner Jan Gehl fordert, dann spielt der öffentliche Raum, der Raum zwischen den Gebäuden, dafür eine entscheidende Rolle: dort bewegen sich die Menschen, dort verweilen sie, dort kommen sie miteinander in Kontakt – oder auch nicht. Welche Qualitäten der öffentliche Raum besitzen muss, um seine positiven Wirkungen zu entfalten - damit befassten wir uns in dieser Tagung ausführlich.

Dr. Cordelia Polinna gab einen umfassenden Überblick über die Funktionen des öffentlichen Raums aus Sicht der Nutzer*innen und ging dabei vor allem auf aktuelle Wandlungsprozesse und Entwicklungstendenzen ein. Mit der gegenwärtig beobachtbaren „Reurbanisierung“ komme es auch zu einer Renaissance des öffentlichen Raums. Dazu trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass öffentliche Räume als Bühne für Events o. ä. dienen und sich somit (auch) zur Touristenattraktion entwickeln. Polinna sprach aber auch problematische Tendenzen an: Im Zuge der Privatisierung (z.B. in "business improvement districts") werden immer mehr eigentlich „öffentliche“ Räume („corporate public spaces“) abgeschirmt, kontrolliert und überwacht. Für die zukünftige Entwicklung sieht sie zwei Tendenzen als entscheidend an: Zum einen die Abwendung von der „autogerechten“ Stadt, die Mobilität auf andere Verkehrsträger verlagert und so zu mehr Flächengerechtigkeit für alle führt. Und zum anderen die Beteiligung der Bürger*innen an der Gestaltung der öffentlichen Räume: „Stadt selber machen“ ist dafür das Motto. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Auf die – notwendige – Umverteilung des Verkehrsraums zugunsten von Fußgänger*innen und Radverkehr ging schwerpunktmäßig Katalin Saary ein. „Straßen sind Verkehrs- und Lebensraum für Menschen!“, betonte sie. Das Konzept des „Shared Space“ bietet dafür eine planerische Umsetzungsmöglichkeit, das gegenseitige Rücksichtnahme, Bewegungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Fußgänger*innen sowie langsame Geschwindigkeiten der Kfz in den Vordergrund stellt. Allerdings besteht in Deutschland verkehrsrechtlich eine Regelungslücke um shared-space-Konzepte auch optimal umzusetzen. Die in europäischen Nachbarländern schon übliche „Begegnungszone“ sollte deshalb auch hierzulande eingeführt werden. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, in den Kommunen „urbanes Grün“ zu schaffen, zeigte Prof. Dr.-Ing. Doris Gstach in ihrem Vortrag sehr anschaulich auf. Von Stadtbäumen und Gebäudebegrünung über Straßenbegleitgrün bis hin zu Stadtparks und Stadtwildnis: Grün kann fast überall und fast immer realisiert werden – wenn auch in Städten oft unter erschwerten Bedingungen (Schadstoffbelastung, besonders Stadtklima, eingeschränkte Lebensräume). (Textliche Zusammenfassung des Vortrags mit zahlreichen Fotos als PDF-Datei)

Konkrete Beispiele in Kommunen unterschiedlicher Größe

Leonhard Valier stellte als Beispiel für die gelungene Neugestaltung eines öffentlichen Raums in einer kleinen ländlichen Gemeinde die Sanierung des Bürgerhauses in Litzendorf mit einem attraktiven modernen Neubau der Gemeindebücherei und der nutzerfreundlichen Anlage des an den Dorfbachs angrenzenden Raums vor. Eine solche Qualität lässt sich nur durch gute Planung und einer dauerhafte Planungsgeschichte herstellen, war sein Credo. Dazu gehöre auch die „kontinuierliche Überzeugungsarbeit“, die die Planer*innen in den politischen Gremien zu leisten hätten. (Präsentation zum Herunterladen als PDF-Datei)

Beeindruckend ist auch die Umgestaltung des historischen Zentrums von Ochsenfurt, einer Kleinstadt in Unterfranken, die von Christoph Valentien, dem dafür verantwortlichen Planer, vorgestellt wurde. Maxime der Planung war eine gewisse Zurückhaltung bei der Bebauung. Ziel war es vielmehr, die historische Altstadtsituation zur Geltung zu bringen. Zum anderen konnte eine spürbare Verkehrsberuhigung („shared space“, ohne dass dieser so bezeichnet würde!) erreicht werden. Zunehmender Tourismus und private Investitionen in Renovierung und Aufwertung der Bausubstanz sowie ein deutlicher positiver Imagegewinn Ochsenfurts stehen auf der Haben-Seite. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Silke Klotzek erläuterte an mehreren Beispielen, wie es in Bamberg gelungen ist, durch die Gestaltung des öffentlichen Raums neues Leben in die alte Stadt zu bringen. Die Rahmenbedingungen dafür sind im Weltkulturerbe Bamberg mit seinen rund 72.000 Einwohner*innen, 13.000 Studierenden und rund sieben Millionen Tagestouristen pro Jahr durchaus anspruchsvoll. Mit der (mitten in der Altstadt unterhalb des Doms gelegenen) Sandstraße wurde durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs und die Neuordnung des Straßenraums eine Voraussetzung für das Aufblühen eines ganzen Straßenzugs geschaffen: Tagesgastronomie, die Neueröffnung von Ladengeschäften sowie eine Vielzahl von Aktivitäten, die vor allem durch zivilgesellschaftliche Initiativen getragen werden, waren die Folge. Ebenso erfolgreich war die Neugestaltung der Kettenbrücke, der Verbindung von Gärtner- und Inselstadt, die jetzt Shared-Space-Charakter hat und von den Menschen sogleich als Aufenthaltsraum angenommen wurde. Klotzek wies aber auch darauf hin, dass mit diesen Nutzungen durchaus auch Konflikte (Lärmbelästigung für die Anwohner*innen) einhergingen. (Präsentation zum Herunterladen als PDF-Datei)

Einen großstädtischen Akzent setzte der Bericht von Carlo Frohnapfel über den Umbau der Goethe- und Germaniastraße in eine Promenade. Dabei handelt es sich um einen attraktiven Wohn- und Geschäftsstandort mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität, der allerdings durch Funktionseinbußen im öffentlichen Raum gefährdet war. Dazu trugen nicht unwesentlich die hohe Verkehrsbelastung und die ungenügende Straßenraumaufteilung bei. Durch die Verlegung einer Autofahrspur konnte die Promenadensituation (die auch Teile des Kunstwerks „7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" anlässlich der DOKUMENTA 7 von Joseph Beuys einbezog) konnte eine deutliche Verbesserung der Raumsituation für Fußgänger*innen und Radverkehr erzielt werden. Zudem wurde mit dem sog. „Affenfelsen“ (= Rudolphsplatz) ein äußerst attraktiver Treffpunkt für Aufenthalt, Begegnung und Feiern geschaffen. Zur erfolgreichen Umsetzung trug nicht zuletzt eine sehr intensive Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung und eine ämterübergreifende Koordination in der Verwaltung bei. (Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen)

Kurzes Fazit

1. Für die Gestaltung des öffentlichen Raums gibt es gewiss keine Patentrezepte, sondern für jede spezifische Situation muss eine angepasste Lösung entwickelt werden. Aber aus gelungenen Beispielen, von denen im Verlauf der Tagung etliche vorgestellt wurden, lässt sich lernen, dass und wie so etwas gelingen kann.

2. Ebenso sicher ist: Wer den öffentlichen Raum den Menschen zurückgeben will, der muss diesen Raum in allererster Linie den (parkenden und fahrenden) Autos wegnehmen.

3. Diese Reduktion des Autoverkehrs ist jedoch kein Verlust (wie gerade von Handel und Gewerbe oft angenommen und behauptet), sondern eine klassische Win-Win-Situation: wo sich die Menschen gern aufhalten, wird auch gern eingekauft und konsumiert.

4. Wenn die Belebung des öffentlichen Raums wirklich gelingen soll, dann muss es aber auch konsumfreie Zonen geben: Räume, die von den Menschen selbst gestaltet, selbst „bespielt“ werden können. Dafür muss Platz sein, und zwar ohne Kontrolle und Reglementierung.

5. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Eine solche Gestaltung des öffentlichen Raums kann nur mit den Menschen gelingen. „Bürger- und Betroffenenbeteiligung“ ist also eine conditio sine qua non.

6. Für die politische Umsetzung von Gestaltungskonzepten gilt: Oft sind kontinuierliche und längerfristige Überzeugungsprozesse dafür notwendig. Gerade in kleineren Städten und Gemeinden ist die Unterstützung von Seiten der Bürgermeister*innen unabdingbar.

Links und Literaturhinweise

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin 2015

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) (Hrsg.): Neue Freiräume für den urbanen Alltag. Modellprojekte im ExWoSt-Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“. Berlin 2009

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume. Erkenntnisse aus Klein- und Mittelstädten. Bonn 2015

ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (Hrsg.): Grüne Infrastruktur – eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung. ILS-Trends 3/15

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (Hrsg.): Strategie Stadtlandschaft Berlin. natürlich urban produktiv. Berlin 2012

Stephan Reiß-Schmidt: Der öffentliche Raum:Traum, Wirklichkeit, Perspektiven. Manuskript o.O. o.J.

Uwe Jonas / Birgit Anna Schumacher: Öffentlicher Stadtraum - Wandel und Okkupation. Online-Manuskript o.O. o.J.

Ursula Flecken / Laura Calbet i Elias (Hrsg.): Der öffentliche Raum. Sichten, Reflexionen, Beispiele. Berlin 2011

Ulrich Berding: Stadt Land Raum. Öffentliche Orte jenseits der Metropolen. Herbert Quandt-Stiftung, Bad Homburg 2015

Katrin Rittel / Laura Bredow /Eva-Regina Wanka / Dorothea Hokema / Gesine Schuppe / Torsten Wilke / Dennis Nowak / Stefan Heiland: Grün, natürlich, gesund. Die Potenziale multifunktionaler städtischer Räume. BfN-Skripten 371. Bonn 2014

Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Urbanes Grün – Konzepte und Instrumente. Leitfaden für Planerinnen und Planer. Düsseldorf 2014

Projekt "Neue Ortsmitte mit Bürgerhaus und Bücherei" in Litzendorf

Altstadtsanierung Ochsenfurt - Neugestaltung Marktplatz, Haupt- und Brückenstraße

ReferentInnen

Prof. Dr.-Ing. Doris Gstach
Fachhochschule Erfurt, Fachgebiet Freiraumplanung - Landschaftsplanung
Schlüterstraße 1, D-99089 Erfurt
Tel.: 0361/6700-445
E-Mail: doris.gstach@fh-erfurt.de  
Internet: www.fh-erfurt.de/arc/sr/ http://www.fh-erfurt.de/arc/sr/ 

Silke Klotzek
Stadtplanungsamt Bamberg, Abteilung Stadtsanierung / Stadtgestaltung
Untere Sandstraße 34, 96049 Bamberg
Tel.: 0951/87-1637
E-Mail: Silke.Klotzek@stadt.bamberg.de 
Internet: www.stadtplanungsamt.bamberg.de

Carlo Frohnapfel
Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, Kassel
Tel.: 0561/787-6113
E-Mail: carlo.frohnapfel@kassel.de

Dr. Cordelia Polinna
Polinna Hauck Landscape + Urbanism
Donaustraße 86, 12043 Berlin
Tel.: 030/80612874
E-Mail: cordelia.polinna@polinnahauck.de 
Internet: www.polinnahauck.de

Katalin Saary
Stadt- und Verkehrsplanerin, Büro Verkehrslösungen
Robert-Bosch-Straße 7, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/9509486
E-Mail: katalin.saary@verkehrsloesungen.de 
Internet: www.verkehrsloesungen.de

Prof. em. Christoph Valentien
Büro Valentien + Valentien, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner
Tulbeckstraße 39, 80339 München
Tel.: 089/519196-99
E-Mail: valentien@valentien.de 
Internet: www.valentien.de

Leonhard Valier
Stadtplaner, Büro für Städtebau und Bauleitplanung Wittmann, Valier und Partner 
Hainstr. 12, 96047 Bamberg
Tel.:  0951/59393
E-Mail: l.valier@staedtebau-bauleitplanung.de
Internet: www.staedtebau-bauleitplanung.de

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

SRL - Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung

Regionalgruppe Bayern


Art der Veranstaltung
Fachtagung



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06.05.2016 bis 07.05.2016

Angekommen – Nun wird aufgenommen!

Kommunale Konzepte für die Integration vor Ort

Fachtagung im Rahmen des 30. GRIBS-Kommunalkongresses

Die vergangenen Monate waren geprägt von Meldungen über eine starke Zuwanderung an Flüchtlingen und Asylsuchenden. Ohne den unermüdlichen Einsatz vieler tausender Ehrenamtlicher wäre das alles nicht zu schultern. Doch nach den Themen „Aufnahme“, „Unterbringung“ und „Versorgung“ stehen nunmehr die Aufgaben der gesellschaftlichen Integration der neu Hinzugezogenen auf der Tagesordnung in den Kommunen. Dabei sind es auch hier häufig zuerst einmal die Ehrenamtlichen, die gute Ideen entwickeln, wie wir unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Ort in die Dorf- und Stadtgesellschaft, in der Schule, im Kindergarten, im Sportverein, bei der Feuerwehr integrieren können. Aber auch Kreise, Städte und Gemeinden können und müssen ihre Integrationsanstrengungen verstärken. Daraus erwachsen viele, viele gute Beispiele. Unsere Tagung bot die Gelegenheit, einen kleinen Ausschnitt dieser "good practice"-Beispiele kennen zu lernen, aber auch Hilfen sowie konkrete Tipps zu bekommen, was man gegen Vorurteile und gegen die Hetze von Rechts unternehmen kann.

Martin Becher analysierte die Hintergründe und Ursachen für das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremer Strömungen in den vergangenen Jahren. Er betonte zunächst, dass verschiedene Studien („Mitte-Studie“, Heitmeyers Untersuchungen zu „Deutschen Zuständen“) eine seit Jahren in Deutschland vorhandene Neigung zu „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ bei 10-15% der Bevölkerung nachgewiesen haben. Neu sei lediglich, dass diese Haltung mittlerweile offen gezeigt und ausgesprochen werde. Hinsichtlich der Ursachen verwies Becher auf Krisenerscheinungen in allen gesellschaftlichen Sektoren: in der Ökonomie („Verteilungskrise“), in der Politik („Legitimations- und Repräsentationskrise“, in der Gesellschaft („Identitätskrise“). Unsicherheit und Angst seien die Folge und der fruchtbare Boden für „einfache Lösungen“, wie sie von Populisten vertreten werden. In der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen und Rechtspopulisten plädierte Becher, auch wenn es manchmal schwer falle, für eine Trennung zwischen Person und Position. Menschenfeindliche Positionen müssen klar zurückgewiesen und bekämpft werden. Dies sollte jedoch nicht mit einer Abwertung der jeweiligen Personen verbunden sein.

Die Präsentation von Martin Becher als PDF-Datei zum Herunterladen: hier.

Christine Kamm (Redetext als PDF-Datei) betonte, dass Integration in Bayern funktioniere – allerdings nicht wegen, sondern trotz der Politik der Bayerischen Staatsregierung. Das zeige sich beispielhaft am von der CSU-Regierung vorgelegten Landesintegrationsgesetz. Darin sei kein einziger Paragraph enthalten, der der Integration wirklich nütze. „Das ist ein Integrationsverhinderungsgesetz!“, erklärte Kamm. Aus diesem Grund habe die grüne Landtagsfraktion einen eigenen Gesetzentwurf eingebracht.

Kamm forderte entsprechende Finanzmittel für die Kommunen, die sich um die Integration vor Ort kümmern müssen, und kritisierte die Einrichtung sog. Ankunfts- und Rückführungszentren (ARE). Dort seien keine rechtsstaatlich korrekten Asylverfahren möglich und die Standards für Unterbringung und Verpflegung unzumutbar. An die Kommunen gerichtet, plädierte Kamm dafür, dass sich Oberbürgermeister*innen und Landrät*innen gegen die geplante Zentralisierung der Unterbringung von Flüchtlingen wehren müssten.

Mitra Sharifi plädierte eindringlich für eine verstärkte politische Partizipation von Migrant*innen. Integration müsse verstanden werden als das „gleichberechtigte Miteinander in einer inklusiven Gesellschaft“. Die gegenwärtige Situation kennzeichnete sie als zwiespältig: Auf der einen Seite gebe es nach wie vor eine sehr breite Willkommenskultur insbesondere in der Zivilgesellschaft. Auf der anderen Seite sehe sie ein „schlimmes Roll-Back“, wie sie es vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten habe, mit einer auf Abschreckung von Flüchtlingen und Migrant*innen ausgerichteten Politik und einem Erstarken anti-liberaler Kräfte.

Entscheidend für eine gelingende Integration ist für Sharifi die Schule. Das gegenwärtige Schulsystem berücksichtige die Heterogenität und Multikulturalität der Schüler*innen in keiner Weise. Auch die Lehrerausbildung habe in dieser Hinsicht deutliche Defizite.

Das Wahlrecht für Migrant*innen ist – so Mitra Sharifi – spielt für die Integration eine entscheidende Rolle. Das politische „Empowerment“ von Migrant*innen ist für sie eine wesentliche Voraussetzung für eine gelingende Integration. Ein Defizit sieht sie auch in den Kommunalverwaltungen: Dort gebe es keine Expert*innen, keine Ressourcen und keine Stellen für die Integration. Demnach fällt gerade den kommunalen Ausländer- bzw. Migrantenbeiräten eine immer größere Rolle zu, der sie aber nur gerecht werden könnten, wenn sie von der Struktur und von der Ausstattung her gestärkt werden.

Dr. Ulrich Maly wies zunächst auf eine scheinbare Selbstverständlichkeit hin: „Integration setzt Begegnung voraus!“ Daran mangle es aber – trotz des begrüßenswerten Einsatzes von Helferkreisen – noch sehr.

Für Maly spielt die Sprachvermittlung bei der Integration die entscheidende Rolle. Dabei müssten aber die spezifischen Voraussetzungen der Flüchtlinge berücksichtigt werden. Man könne nicht einfach für einen Analphabeten den gleichen Sprachkurs anbieten wie für einen Flüchtling mit Hochschulstudium. Maly plädierte zudem für „Respekt vor der Muttersprache“. Dies könne etwa durch eine Zusatznote im Zeugnis oder als Ausgleichsmöglichkeit für schlechtere Noten geschehen. Hinsichtlich der beruflichen Qualifikationen müsse man sehr sorgfältig die vorhandenen Kenntnisse analysieren, auch und gerade da, wo diese nicht zum hiesigen Qualifikationskanon passen würden.

Maly teilte die derzeit oft geäußerte Auffassung nicht, die „Stimmung“ sei gekippt. Die breite Willkommenskultur habe sich nicht verändert. Allerdings gebe es eine gewisse Ratlosigkeit, wie es weitergehen soll: „Alles läuft im Kriseninterventionsmechanismus“. Auf die Verunsicherung und auch Angst, die mittlerweile viele Menschen erfasst habe, müsse man aber eingehen. Maly sieht in der gegenwärtigen Situation als Teil einer „nationalen Selbstvergewisserung“, die nach innen die Frage beantworten müsse: „Gehören die Neuen zu uns?“. Und nach außen müsse man die Rolle Deutschlands thematisieren, nach der ungleichen globalen Verteilung des Reichtums, nach gerechten Handelsstrukturen, nach Demokratie und Korruption fragen.

Die vier Themenforen (Wohnen und Wohnumfeld / Sprache, Schule, Bildung und Kultur / Arbeitsmarkt / Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Sport) zeigten die vielfältigen Möglichkeiten auf, in den unterschiedlichen Lebensbereichen konkrete Projekte durchzuführen, die die Integration Flüchtlingen ganz praktisch vorantreiben. In unserer Material- und Link-Liste finden sich dazu viele weiterführende Hinweise.

Zum Abschluss der Tagung berichtete Susie Wimmer von „Clowns ohne Grenzen“ über die Arbeit ihres Vereins, der sowohl in den Krisengebieten im Nahen Osten als auch jetzt vor Ort in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland in sehr berührender Weise dafür sorgt, dass das Lachen wieder zurückkehren kann und Menschlichkeit eine Chance bekommt. Der Film „Happy Welcome“ dokumentiert diese Arbeit sehr anschaulich und eindrücklich.

Alle Fotos auf dieser Seite: Wolfgang Schmidhuber (CC BY-SA 3.0)

Materialien - Links - Literaturhinweise

Barbara Lochbihler: Förderprogramme und Fonds der EU für Flüchtlingsorganisationen und öffentliche Stellen in Deutschland. Bildung und Arbeit - Integration - Sicherheit - Schutz. Brüssel 2016

Info: Haftpflichtversicherung für Asylbewerber und Flüchtlinge

Info: Resolution gegen sexualisierte Gewalt

Phineo (Hrsg.): Begleiten, Stärken, Integrieren. Ausgezeichnete Projekte und Ansätze für Flüchtlinge in Deutschland. Berlin 2016 (PDF-Datei: 14 MB)

Hubertus Schröer: Kommunale Integrationskonzepte. Verband für interkulturelle Arbeit e.V., München o.J.

Britta Schellenberg/Martin Becher (Hrsg.): Zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Herausforderungen und Gelingensfaktoren in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. Schwalbach/Ts. 2015

Forum A: Wohnen und Wohnumfeld

Info: Holzhäuser statt Container für Flüchtlinge

Info: Sozialer Wohnungsbau in der Hand des Landkreises

Info: Beispiele Augsburger NGO-Wohnungsinitiativen für Geflüchtete

Info: Asylbewerberunterkunft in Langenbach

Info: Förderprogramm Leerstandsanierung

Forum B: Sprache, Schule, Bildung und Kultur

Samuel Fosso: MiBiKids e.V. - Sprachförderung für Migrationskinder. Präsentation im Forum B
MiBiKids e.V.: http://www.mibikids.com/de/verein.html

Helga Stieglmeier: ADIA Erding. Systematische Begleitung und Entwicklung von Integration. Präsentation im Forum B
ADIA: http://www.adia-erding.de/

Forum C: Arbeitsmarkt

Jens-Marco Scherf: Qualifikation und Integration auf dem Arbeitsmarkt. Am Beispiel der Ausbildungsinitiative Asyl des Landkreises Miltenberg. Präsentation im Forum C

Stephan Schiele: migranet. Good-Practice-Beispiel für eine gelingende Arbeitsmarktintegration. Präsentation im Forum C
Internet: http://www.netzwerk-iq.de und http://www.migranet.org  

Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung. Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft. Bilanzpapier des ESF-Bundesprogramms zur arbeitsmarktlichen Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge mit Zugang zum Arbeitsmarkt. Berlin 2015

Charta der Vielfalt (Hrsg.): Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt! Praxis-Leitfaden für Unternehmen. Berlin 2015

Forum D: Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Sport

Landratsamt Kelheim - Büro für Gleichstellung, Senioren und Ehrenamt: Handbuch für die ehrenamtliche Arbeit zur Unterstützung von Asylbewerbern im Landkreis Kelheim. Kelheim 2015

Deutsche Jugendfeuerwehr im Deutschen Feuerwehrverband e. V. (Hrsg.): Integration in der Jugendfeuerwehr. Tipps, Anregungen und Praxisbeispiele zur Integration in den Jugendfeuerwehren. Berlin 2008

Leonhard Perl: Integrationsprojekt des Deutschen Alpenvereins. Präsentation im Forum D

Zusammenfassung von Richard Zieglmeier

ReferentInnen

Martin Becher
Geschäftsführer der Projektstelle gegen Rechtsextremismus, „Bayerisches Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“
Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum
Markgrafenstraße 34, 95680 Bad Alexandersbad, Tel.: 09232/9939-28
E-Mail: projektstelle@ebz-alexandersbad.de
Internet: www.bayerisches-buendnis-fuer-toleranz.de

Christine Kamm, MdL
Asylpolitische Sprecherin der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag 
Tel.: 089/4126-2874
E-Mail: christine.kamm@gruene-fraktion-bayern.de 
Internet: http://www.gruene-fraktion-bayern.de/abgeordnete/christine-kamm und http://www.christine-kamm.de/  

Mitra Sharifi
Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY)
Gostenhofer Hauptstraße 63, 90443 Nürnberg, Telefon: 0911/92318990
E-Mail: agaby@agaby.de 
Internet: http://www.agaby.de/ 

Dr. Ulrich Maly
Oberbürgermeister, Stadt Nürnberg
Rathausplatz 2, 90403 Nürnberg, Tel.: 0911/231-5001
E-Mail: obm@stadt.nuernberg.de 

Jürgen Mistol, MdL
Kommunalpolitischer Sprecher der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag
Tel.: 089/4126-2102
E-Mail: juergen.mistol@gruene-fraktion-bayern.de 
Internet: http://www.gruene-fraktion-bayern.de/abgeordnete/juergen-mistol und http://www.mistol.de/aktuell/ 

Helga Stieglmeier
Kreisrätin, Landkreis. Erding, GRIBS-Vorstandsmitglied
Dr.-Henkel-Str. 1c, 85435 Erding, Tel.: 08122-9991952
E-Mail: helga.stieglmeier@gruene-erding.de 
Internet: http://helga-stieglmeier.de/

Jens Marco Scherf
Landrat, Landkreis Miltenberg, GRIBS-Vorstandsmitglied
Brückenstraße 2, 63897 Miltenberg, Tel: 09371-501- 402 / 403
E-Mail: landrat@lra-mil.de  oder buero-landrat@lra-mil.de

Max Niedermair
Integrationsbeauftragter des Landkreises Miesbach
Tel.: 0171-8135529
E-Mail: info@integration-mb.de
Internet: http://www.integration-mb.de/index.html 

Richard Zieglmeier
Kreisrat, Stadtrat Abensberg, GRIBS-Vorstandsmitglied
Am Straßfeld 14a, 93326 Abensberg, Tel.: 09443-3730
E-Mail: richard.zieglmeier@gmx.de

Samuel Fosso
Kiebitzweg 17, 85356 Freising, Tel: 08161-149 911
E-Mail: samuel.fosso@freisinger-mitte.de

Johannes Becher
Bezirks-, Kreis- und Gemeinderat, GRIBS-Vorstandsmitglied
Georg-Hummel-Str. 2, 85368 Moosburg, Tel.: 0174 -9311461
E-Mail: post@johannes-becher.de 
Internet: http://www.johannes-becher.de 

Veranstaltungsort
Fischbachau (Lkr. Miesbach)


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.


Art der Veranstaltung
Fachtagung



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08.04.2016

Wärmewende in den Kommunen

Grundlagen – Beispiele – Fördermöglichkeiten

Wenn von Energiewende und Klimaschutz die Rede ist, dann denken die meisten zunächst und vor allem an die Stromproduktion. Dabei ist es ebenso wichtig, die Wärmeversorgung regenerativ umzubauen, wenn der Klimawandel gestoppt und die CO2-Emissionen wirksam vermindert werden sollen. Denn in Deutschland werden derzeit immerhin 56 Prozent der Endenergie als Wärme verbraucht. Dass für diese "Wärmewende" die Kommunen ein entscheidender Faktor sind, ist klar: Sie spielen eine Schlüsselrolle – mit der Vergabe von Konzessionen, mit ihren Stadtwerken und Wohnungsbaugesellschaften, als planende Instanz. Unser Fachseminar erläuterte die Grundlagen und Handlungsansätze einer gelingenden kommunalen Wärmewende, stellte Beispiele aus Bayern vor und befasset sich mit den entsprechenden Fördermöglichkeiten.

Hans Hertle vom IFEU Heidelberg gab einen umfassenden Überblick über den von der  Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Leitfaden zur Wärmewende. Um die anspruchsvollen Ziele der Energiewende zu erreichen, muss gerade im Wärmesektor erheblich mehr getan werden als bisher. Der Anteil der erneuerbaren Energien in diesem Bereich stagniert seit Jahren. Gleichzeitig ist die Effizienzstrategie weitgehend ausgereizt und das Potenzial an Biomasse annähernd erschöpft. Strom- und Wärmesektor müssen deshalb zusammengedacht werden, wenn weitere Fortschritte erreicht werden sollen. Ob dies über solare Wärmenetze oder dezentrale Wärmepumpen geschieht, wird von den jeweiligen Verhältnissen vor Ort abhängen. Beispiele wie die „Bahnstadt Heidelberg“ zeigen, dass der Effizienzpfad im Neubau (klimaverträgliches Bauen im Passivhaus-Standard) sehr gut möglich ist. Aber Neubau ist immer auch Zubau und gefährdet über Rebound-Effekte (Steigerung der pro-Kopf-Wohnfläche) das Erreichen der angestrebten Reduktionsziele. Dass dies möglich ist, zeigen diverse Beispiele, u.a. im dänischen Dronninglund.

Den Kommunen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da sie viele Möglichkeiten hat, auf die Wärmeversorgung Einfluss zu nehmen: über die Bauleitplanung, in ihren eigenen Liegenschaften, als Eigentümerin von Stadtwerken und Wohnungsbaugesellschaften. Im kommunalen Energiemanagement sollten verbunden werden:
- strategisches Energiemanagement (langfristige Konzeptionen, die gebäudeübergreifend die energetische Strategie und Ausrichtung einer Kommune bestimmen) und
- operatives Energiemanagement (Untersuchungen und Maßnahmen zur messbaren Reduktion des Energieverbrauchs bezogen auf konkrete Einzelobjekte).

Klar sollte aber sein, dass Effizienz und Konsistenz (= Umstieg auf erneuerbare Energien) durch Suffizienz (absolute Reduktion des Energieverbrauchs) ergänzt werden müssen.

Die Präsentation von Hans Hertle als PDF-Datei (ca. 4,5 MB)

Erich Maurer von der Energieagentur Nordbayern gab einen Überblick über Wärmewendebeispiele und Umsetzungsansätze in Bayern. Auch er betonte noch einmal die zentrale Rolle der Kommunen: Die Kommune  ist der zentrale Akteur in der Energiewende, auch wenn der kommunale Energieverbrauch meist nur wenige Prozent beträgt.

Die Kommune kann informieren, koordinieren und selbst Projekte umsetzen, vor allem wenn die Belange von mehreren Akteuren zu berücksichtigen sind. Um diese Rolle kompetent ausfüllen zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, den Weg, die entscheidenden Akteure und die relevanten Maßnahmen zu kennen. Konzeptionelle Vorarbeit ist dafür aber unabdingbar.

Für nahezu alle 2.100 bayerischen Gemeinden besteht Handlungsbedarf im Wärmebereich. Daher soll ein Energienutzungsplan helfen, um die Wärmewende einzuleiten. Dafür gibt es folgende Handlungsmöglichkeiten:

  • Kommunales Energiemanagement zur Senkung des Verbrauchs in öffentlichen Liegenschaften ohne Investition;
  • Energetische Gebäudesanierung als wirksamste Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs;
  • Realisierung von Nahwärmenetzen (Basis kommunale Gebäude)
  • Ausbau einer effizienten Strom- und Wärmeerzeugung mit erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biogas…) und (Erdgas) BHKW;
  • Erhöhung der Energieeffizienz bei Bürgern und Unternehmen, Beratungsangebote und evtl. Förderprogramme auflegen.

Ist der Wärmeverbrauch von kommunalen Liegenschaften optimiert, ist meist der Aufbau von zentralen Wärmenetzen, in denen neben den kommunalen Liegenschaften auch weitere Verbraucher angeschlossen werden, sinnvoll. Um diese Infrastrukturmaßnahmen umsetzen zu können, sind in den meisten Fällen konzeptionelle Vorarbeiten unabdingbar: Energiekonzept, Energienutzungsplan, Umsetzungsbegleitung. Als konkretes Umsetzungsbeispiel stellte Maurer die Stadt Treuchtlingen und deren Anstrengungen im Wärmesektor vor.

Die Präsentation von Erich Maurer als PDF-Datei (ca. 1,5 MB)

Abschließend erläuterte Johannes Reiff vom Projektträger Bayern, wie die Förderung von Energiekonzepten und kommunaler Energienutzungspläne in Bayern im Einzelnen geregelt ist. Gefördert werden können: kommunale Gebietskörperschaften und Eigenbetriebe,  Träger kirchlicher oder anderer Einrichtungen ohne wirtschaftliche Tätigkeit in Bayern, die Umsetzungsbegleitung in kommunalen Gebietskörperschaften ohne fachlich geeignetes Personal und Unternehmen mit Sitz oder Niederlassung in Bayern. Reiff wies auf die relativ einfachen Antragsformalitäten hin und betonte, dass genügend Mittel vorhanden seien, um auch vielen Antragstellungen gerecht zu werden.

Die Präsentation von Johannes Reiff als PDF-Datei zum Herunterladen (ca. 1 MB)

Literatur und Links:

Hans Hertle/Martin Pehnt/Miriam Dingeldey/Benjamin Gugel: Wärmewende in Kommunen. Leitfaden für den klimafreundlichen Umbau der Wärmeversorgung. Berlin 2015

Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.): Die Wärmewende aus kommunaler Sicht - Dialog zu Klimaschutz und Energiewende. München 2015

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit/Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie/Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern (Hrsg.): Leitfaden Energienutzungsplan. München 2011

Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.): Klimaschutz in Kommunen - Praxisleitfaden. Berlin 2011

Solar-Institut Jülich der FH Aachen (SIJ) in Kooperation mit Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH (WI) und Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) (Hrsg.): Handbuch methodischer Grundfragen zur Masterplan-Erstellung. Kommunale Masterpläne für 100 % Klimaschutz. Wuppertal 2016

Maic Verbücheln/Susanne Dähner (Hrsg.): Klimaschutz in der Stadt- und Regionalplanung. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der kommunalen Planungspraxis. Berlin 2016

Agentur für Erneuerbare Energien: Planungshilfe - Ein Netzwerk für die Wärmewende. Berlin 2016

Kontaktadressen:

Hans Hertle
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH
Wilckensstraße 3
69120 Heidelberg
Fon: 06221 / 47 67 – 0
Fax: 06221 / 47 67 -19
E-Mail: hans.hertle@ifeu.de

Erich Maurer
ENERGIEAGENTUR nordbayern GmbH
Fürther Straße 244a
90429 Nürnberg
Fon: 0911 99 43 960
Fax: 0911 99 43 966
E-Mail: maurer@ea-nb.de

Johannes Reiff
Bayern Innovativ/Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH - ITZB Nürnberg
Gewerbemuseumsplatz 2
90403 Nürnberg
Fon: 0911 20671- 625
E-Mail: reiff@bayern-innovativ.de

ReferentInnen

Hans Hertle
Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu), Heidelberg, Mitverfasser  von „Wärmewende in Kommunen“, Berlin 2015

Erich Maurer
Geschäftsführer, ENERGIEAGENTUR nordbayern GmbH

Johannes Reiff
Master of Engineering, Projektmanager Projektträger Bayern - ITZB, Bayern Innovativ - Bayerische Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH,  Projektträger Bayern - Büro Nürnberg

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner


Art der Veranstaltung
Fachseminar



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07.04.2016 - 19:30

Kritik der Grünen Ökonomie

Wege globale Krisen sozial zu meistern

Die ökonomischen und ökologischen Grundlagen eines allgemeinen Wohlstands sind in Gefahr, die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Vor diesem Hintergrund will das Konzept der „Grünen Ökonomie“ ein neues Leitbild anbieten, das vor allem auf technologischen Lösungen und Effizienzsteigerungen basiert.

Aber ist „grünes Wachstum“ wirklich eine Lösung, wenn es gleichzeitig den Konsum weiter anheizt und die Effizienzgewinne mehr als aufwiegt?

Und kann man die Natur retten, indem man ihren Dienstleistungen einen Geldwert gibt?

Welche Alternativen gibt es, globale Krisen unter sozialen Gesichtspunkten zu meistern?

ReferentInnen

Barbara Unmüßig

 (Foto:  Bettina Keller)

Politologin, langjähriges berufliches Engagement für internationale Gerechtigkeit und globalen Umwelt- und Klimaschutz: Redakteurin der nord-südpolitischen Zeitschrift „blätter des iz3w“ und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Aktion Dritte Welt e. V. in Freiburg; wissenschaftliche Mitarbeiterin der GRÜNEN im Bundestag von 1985 bis 1990; Arbeit mit und für nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen.
Seit 2002: Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Mitautorin des 2015 im ökom-Verlag veröffentlichten Buchs "Kritik der Grünen Ökonomie"

Veranstaltungsort
Nürnberg, eckstein, Burgstr. 1-3, Saal E.01


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Evangelische Stadtakademie Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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10.03.2016

Förderung der Elektromobilität

Lösungsbeitrag oder Geldverschwendung?

Die Elektromobilität gilt als Schlüsseltechnologie, um die Energiewende endlich auch im Verkehrssektor voranzubringen. Ob ihre Förderung unter den derzeitigen klimapolitischen Rahmenbedingungen jedoch sinnvoll ist, erscheint zumindest fraglich. So lautete ein Fazit der Vortragsveranstaltung „Förderung der Elektromobilität – Lösungsbeitrag oder Geldverschwendung?“ mit Dieter Teufel vom  Umwelt-Prognose-Institut (UPI) in Heidelberg.

Nicht nur der Bund denkt über Kaufprämien für Elektroautos nach, auch die Landeshauptstadt München plant für die nächsten Jahre ein eigenes, 22 Millionen Euro teures Förderprogramm. Unterstützt werden ausschließlich gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge (darunter neben E-Autos auch Pedelecs und Lastenfahrräder), für die Kaufprämien bis zu 4000 Euro gezahlt werden. Einen zusätzlichen Bonus gibt es, wenn das E-Mobil mit Ökostrom „betankt“ wird und wenn es nachweislich ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ersetzt.

 

Kaum Vorteile bei der Ökobilanz

Das Förderprogramm wird in der Stadtöffentlichkeit viel diskutiert. Dieter Teufel erläuterte in seinem Vortrag eine Studie, die das UPI 2015 zu den ökologischen Folgen der E-Mobilität erstellt hat. Die Ergebnisse stimmen nachdenklich: So schneiden Elektroautos derzeit in ihrer Gesamt-Klimabilanz (einschließlich der Emissionen, die bei der Autoherstellung entstehen) nur um rund 10% besser ab als Benziner. Selbst die CO2-Emissionen für den Antriebsstrom liegen keineswegs bei Null, weil noch immer rund 60% des Stroms in Deutschland aus fossilen Kraftwerken stammt. Daran wird sich wohl auch in den nächsten 10 Jahren nichts ändern. Im Gegenteil: Weil weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dürfte sich die CO2-Bilanz des deutschen Kraftwerksparks weiter verschlechtern.

 

Das Problem der Flottengrenzwerte

Ganz anders sieht das Bild bei der europäischen Emissionsgrenzwerten für die Fahrzeugflotten aus: Hier müssen die Hersteller seit 2015 einen Wert von 130 g CO2/km einhalten. Bei Elektrofahrzeugen wird in der Flottenbilanz unterstellt, dass sie kein CO2 ausstoßen – was realitätsfern ist, wie die Berechnungen des UPI zeigen. Die Folgen der Regelung zeigt das Beispiel BMW: Mit dem Verkauf eines Elektroautos kann der Hersteller in seiner Flottenbilanz die Emissionen von rund 5-6 SUVs vom Typ BMW X3 ausgleichen und spart sich so jeweils 10.000 Euro Strafzahlungen an die EU. Der Anteil der SUVs an allen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland hat sich seit 2009 mehr als verdreifacht und liegt jetzt bei rund 20%.

Langfristig könnte die Förderung der Elektromobilität sogar die weitere Verschärfung der EU-Richtlinie unterlaufen, so Dieter Teufel: Eigentlich soll der Flottengrenzwert 2020 auf nur noch 95 g CO2/km abgesenkt werden. Wenn bis dahin wirklich eine Million E-Autos auf deutschen Straßen rollt, können die Herstellern damit so viele „CO2-Schleudern“ kompensieren, dass die angestrebte Verschärfung wirkungslos verpufft.

 

Elektromobilität verdrängt den öffentlichen Verkehr

Was Kaufprämien für Elektroautos angeht, ist Deutschland eher ein Nachzügler. Andere europäische Länder – allen voran Norwegen – sind hier deutlich früher gestartet und zeigen sich auch großzügiger. Doch die E-Mobilität in Norwegen hat auch Kehrseiten: Autofahrer, die sich ein E-Auto zugelegt haben, fahren dort nun im Schnitt 80% seltener mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit als vor dem Kauf. Die wahren Leidtragenden des Förderprogramms sind also Bus und Bahn, weniger der fossile Individualverkehr. Schließlich ersetzen auch hierzulande 60% aller E-Autos keinen Benziner oder Diesel-Pkw, sondern werden zusätzlich als Zweit- oder Drittauto angeschafft.

Auch die Reduzierung des Stickoxidausstoßes durch E-Autos hält sich in engen Grenzen. Beim Feinstaub schneidet ein E-Pkw keinen Deut besser aus als ein Verbrennungsmotor mit Euro-6-Katalysator. Dafür zeigen Erkenntnisse aus den USA, dass Elektroautos – wohl weil sie oft kaum zu hören sind – signifikant mehr Fußgänger- und Fahrradunfälle verursachen als benzingetriebene Pkw.

 

 

Fazit: ÖPNV stärken statt Kaufprämien zahlen

Was also ist zu tun? Anstelle von pauschalen Kaufprämien für E-Autos, so Dieter Teufel, sollten Kommunen andere Wege bestreiten, um den innerstädtischen Verkehr zu dekarbonisieren und Lärm sowie Schadstoffemissionen abzubauen. Schon eine schärfere Kontrolle der Umweltzonen und eine konsequentere Bestrafung von Autofahrern, die ohne Umweltplakette unterwegs sind, brächte mehr als die Förderung von E-Pkw. Und wer die Bürger wirklich zum Ausstieg aus dem Autoverkehr bewegen will, sollte ihnen lieber eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr spendieren, wenn sie ihren Benzin- oder Diesel-Pkw abschaffen. In Heidelberg ist ein entsprechendes Programm seit Jahresbeginn 2016 in Kraft. Für die Stadt ist es sogar aufkommensneutral: Sie lenkt nun einfach einen Teil der Zuschüsse, die sie auch bisher schon für den ÖPNV gezahlt hat, in den Kauf der Jahreskarten um.

 

Die Debatte wird weitergehen

Bei der nun folgenden Publikumsdiskussion, an der sich auch Vertreter der Stadt München rege beteiligten, wurden erneut die gegensätzlichen Standpunkte deutlich, die von radikaler Ablehnung einer öffentlichen Förderung bis zu großen Hoffnungen in das städtische Förderprogramm reichen. Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber der E-Mobilität begrüßte Dieter Teufel die Beschränkung des Münchener Programms auf den Wirtschaftsverkehr und die Einbeziehung von zwei- und dreirädrigen E-Mobilen. Vor allem Lastenfahrräder besitzen nach seinem Dafürhalten – etwa bei der Paketauslieferung – ein großes Potenzial. Philipp Scharf von der FÖS-Regionalgruppe München bemängelte, dass die 22 Millionen Förderung ohne Gegenfinanzierung „aus dem Stadtsäckel“ bezahlt würden. Wünschenswert wäre es, wenn das Programm – etwa durch eine City-Maut oder eine Sonderabgabe für den fossilen Straßenverkehr – kostenneutral ausgestaltet werden könnte.

ReferentInnen

Dieter Teufel
Umwelt- und Prognose-Institut e.V., Heidelberg

Veranstaltungsort
München


Partner

Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS)


Art der Veranstaltung
Vortrag



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24.02.2016 bis 16.03.2016

Vortragsreihe "Gute Milch aus Gras"

Wirtschaftlichkeit einer Milchviehhaltung ohne bzw. mit wenig Kraftfutter

In einem 2014 gestarteten Forschungsprojekt wurde die Wirtschaftlichkeit von Milchviehbetrieben untersucht, die seit Jahren einen eigenständigen Weg eingeschlagen haben und entweder ganz auf Kraftfutter verzichten oder mit nur wenig Kraftfutter arbeiten. Zur Bewertung ihrer Wirtschaftlichkeit wurden die strukturellen und wirtschaftlichen Kennzahlen mit zwei repräsentativen Vergleichsgruppen verglichen. Den untersuchten Betrieben, die alle ökologisch wirtschaften, ist es möglich, mit einer ausschließlichen bzw. stark überwiegenden Grundfutterfütterung ihrer Kühe ein vergleichbares bzw. sogar leicht höheres Einkommen je Arbeitskraft zu erzielen. In der Vortragsreihe wurden die Ergebnisse der Studie vorgestellt und mit der Erfahrungen aus der Praxis ergänzt.

Viele Betriebe suchen einen Ausweg aus der High-Output-Landwirtschaft und ihren vielfältig negativen Folgen. Wir wollen darstellen, wie unsere bayrischen Betriebe die Vorteile der eiweißhaltigen Grundfuttermittel, wie Grünland, Kleegras und Luzerne nutzen können, um wirtschaftlich und wettbewerbsfähig, und damit zukunftsfähig zu sein.  

Marktentlastung durch Kraftfutterreduktion

Angesichts der andauernden Milchpreiskrise ist eine wachsende Bereitschaft von Milchbauern festzustellen, das Überangebot selbst aktiv zu drosseln. Nur wenn die Milchüberschüsse signifikant reduziert werden, kann sich das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage mit auskömmlichen Erzeugerpreisen wieder einspielen.   

In der Milchviehhaltung dominiert die Strategie, durch Kraftfutter eine möglichst hohe Milchleistung zu erreichen. Doch seine Wirtschaftlichkeit wird nicht nur aktuell durch die niedrigen Milchpreise in Frage gestellt. In einem 2014 in Kooperation mit der Internationalen Forschungsgesellschaft/Breitwiesenhof in Ühlingen gestarteten Forschungsprojekt wurde die Wirtschaftlichkeit von Milchviehbetrieben untersucht, die seit Jahren einen eigenständigen Weg eingeschlagen haben und entweder auf Kraftfutter ganz verzichten oder mit nur wenig Kraftfutter arbeiten. Zur Bewertung ihrer Wirtschaftlichkeit wurden die strukturellen und wirtschaftlichen Kennzahlen mit zwei repräsentativen Vergleichsgruppen verglichen.  

Vielversprechende Ergebnisse der Studie  Den untersuchten Betrieben, die alle ökologisch wirtschaften, ist es möglich, mit einer ausschließlichen bzw. stark überwiegenden Grundfutterfütterung ihrer Kühe ein vergleichbares bzw. sogar leicht höheres Einkommen je Arbeitskraft zu erzielen. Neben den Einsparungen für Betriebsmittel wie dem zugekauften Futter lag dies auch an den geringeren Kosten in der Reproduktion. Die geringere Milchleistung der Kühe wurde über die längere Nutzungsdauer wieder ausgeglichen. Entwickelt wurden Strategien, um auf witterungsbedingt schlechtere Grundfutterqualitäten reagieren zu können.  

Tiergesundheit durch artgerechte Fütterung und hohe Milchqualität Grasfütterung ist die ursprünglichste und artgerechteste Form der Rinderfütterung und hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. Die so erzeugten Milch- und Fleischprodukte sind außerdem qualitativ sehr hochwertig, beispielsweise durch ihren hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren.   

Milch aus dem Grashalm: Gut für Klima und Welternährung  

Die Weltgemeinschaft braucht Alternativen zu einer Landwirtschaft mit sehr hohem Verbrauch an fossiler Energie und Ausstoß von Treibhausgasen. Das Kraftfutter für Tiere, hier und in den Ländern des globalen Südens, steht außerdem in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Die bäuerliche, regionale Kreislaufwirtschaft mit Grundfutterstrategie bietet eine deutliche CO2-Minderung durch Grünlanderhalt und kann den Zukauf von Import-Kraftfutter weitgehend ersetzen. Sie hat positive Auswirkungen bezüglich Umwelt-, Klima- und Energiebilanz.  

Die vier Praktiker aus der Landwirtschaft machten in ihren Berichten deutlich, dass sie seit mehreren Jahren bis Jahrzehnten die beschriebene Form der Low-Input-Fütterung mit Erfolg praktizieren. In den Fragerunden und Diskussionen konnte daher die konkrete Fachpraxis vertieft werden, was die Ausführungen der Wissenschaftler perfekt ergänzte. 

ReferentInnen

Prof. Dr. Onno Poppinga
Kasseler Institut für Ländliche Entwicklung

Dr. Karin Jürgens
Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) im Netzwerk der Landforscher

Veranstaltungsort
Altusried-Krugzell / Teising / Eberfing / Dasing


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern e.V. (AbL)


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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03.02.2016 - 19:00

Geld und Gemeinwohl

Mit demokratischen Prozessen zu einer neuen Geldordnung

Geld ist ein Mittel zum Zweck. Es sollte uns dienen und uns das Leben erleichtern. Doch davon sind wir weit entfernt: Staatsschuldenkrise, Systembanken, Währungsspekulationen, Steueroasen – Geld beherrscht unser Leben.

Christian Felber, der mit seinem Konzept einer "Gemeinwohl-Ökonomie" eine alternative Wirtschaftsordnung entworfen hat, findet, dass freie Menschen sich das nicht gefallen lassen sollten. Ein demokratisches Gemeinwesen sollte die Spielregeln, nach denen Geld in Umlauf kommt und verwendet wird, neu bestimmen. Wie das funktionieren könnte, stellt er im Rahmen des Abends vor.

ReferentInnen

Christian Felber
Philologe, Wirtschaftswissenschaftler, Gründungsmitglied von attac Österreich, Initiator des Projektes "Bank für Gemeinwohl“, Entwickler des alternativen Wirtschaftssystems „Gemeinwohl-Ökonomie“, Wien 

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,- / erm. 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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