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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

13.03.2018 - 19:30 bis 21:30

Migrantinnen aus Mittel- und Osteuropa (noch) in ungeschützten...

 

 

Anlässlich des internationalen Frauentages und der kommenden Internationalen Wochen gegen Rassismus haben wir uns mit einem alltäglichen Thema beschäftigt: die prekäre Arbeitssituation von Frauen, die aus Osteuropa kommen und mit rechtlichen und sozialen Schwierigkeiten alltäglich in ihrer Arbeit konfrontiert sind.

Wir haben uns gefragt, wie Sozial- und Migrationspolitik in einander greifen, welche Konsequenzen Unterschiede in den Zugang auf Sozialleistungen für Deutsche, EU- und nicht EU Bürgerinnen haben und wie es besser gehen kann.

Anwesend waren sowohl Deutsche als auch Migrantinnen aus Bulgarien und Rumänien, da in Landshut gerade neue Migrantinnen-Vereine enstanden sind. Daher war Ziel der Veranstaltung auch der Erfahrungsaustausch.

Zum Anfang ging es (um die Relevanz der Thematik zu demonstrieren) um das Beispiel von 4 Frauen, die Frau Riedner in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim Workers‘ Center in München betreut hatte. Alle Frauen kommen aus Bulgarien und sind im Reinigungsgewerbe tätig. Ihnen wurde allen deutlich weniger bezahlt, als sie geleistet hatten, weil in der Branche man nicht pro Stunde, sondern „pro Fläche“ (es gibt also eine feste Zahl an Arbeitsstunden, die gebraucht werden, um eine Fläche zu reinigen) bezahlt wird. Diese Frauen haben die Leiharbeitsfirma vor Gericht gebracht und haben gewonnen. Dieses Beispiel zeigte sowohl die Relevanz der „Solidaritätsarbeit“ der Ehrenamtlichen und der anderen Mitbürger*innen in ähnlichen Zuständen als auch, dass die Probleme in der Branche kollektiv und nicht individuell sind.

Im zweiten Teil des Referats ging es um die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und in der EU zum Thema Personenfreizügigkeit und wie diese im Laufe der europäischen Osterweiterung im Jahr 2004 und 2007 sich geändert haben. Vor diesen Erweiterungsphasen der EU hatten Migrant*innen aus Osteuropa in Deutschland und Westeuropa mit immer erneuten Tourismus-Aufenthaltserlaubnissen gearbeitet. Seit dem EU-Beitritt ihrer Länder war alles rechtlich möglich, es hat sich aber die Frage gestellt, inwieweit (in diesem Fall) der deutsche Staat auch zu Sozialleistungen für EU-Bürger*innen verpflichtet ist. Erst seit 2014 wurden Gründe für die „Aberkennung der Freizügigkeit“ eingeführt, die die Aufenthaltserlaubnis für EU-Bürger*innen sperren, die innerhalb von 6 Monaten keine Arbeitsstelle gefunden haben. Viel ist aber noch nicht genau geregelt und führt immer noch zu Ungleichheiten und unsicheren Lebensverhältnissen.

Der dritte Teil war für das Empowerment von Migrantinnen gedacht und entstand aus einer Auflistung und Arbeitserklärung von Migrant*innenorganisationen, die in Deutschland und Europa aktiv sind. Genannt wurden u.a. das Worker‘ Center in München (http://inizivi.antira.info/initiative-fur-zivilcourage/) und Oficina Precaria in Berlin (http://oficinaprecariaberlin.org/).

 

Hier findet man die Präsentation der Referentin mit Hinweise auf unterschiedliche Initiativen (PDF Dokument)

 

ReferentInnen

Lisa Riedner
Mitarbeiterin am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Georg-August-Universität Göttingen

Veranstaltungsort
AWO Mehrgenerationenhaus, Ludmillastraße 15, Landshut


Kosten
Eintritt frei


Partner

Haus International | AWO Landshut


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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04.12.2017 bis 09.12.2017

Grenzgaenge: Mut zu Widerstand und Vielfalt

 

Das Grenzgaenge Filmfest zeigte elf Filmprojekte, deren gemeinsamer Kristallisationspunkt es ist, Grenzen in ihren verschiedenen Bedeutungen und Dimensionen nachzuspüren. Die Filme zeichneten Bilder und Perspektiven aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Sie zeigten Menschen, die in kleinen Alltäglichkeiten oder in global gedachten Maßstäben Mut beweisen, Vielfalt verteidigen oder Widerstand leisten. Die Filmgespräche und Veranstaltungen erzählten Geschichten von Menschen, die auf der Suche sind und dabei Möglichkeiten finden, mit Hürden umzugehen und Grenzen zu überwinden. Sie hielten Eindrücke fest, die Impuls sein können zu Reflexion und aktivem Handeln. 

Ziel aller Filme war es, die Potentiale und die Bereicherung von Diversität zu erkennen. So sollten Gemeinsamkeiten zu einem Mitglied einer bislang diskriminierten Gruppe erkennbar und Handlungsansätze für bestehende Problematiken gefunden werden.

Bei vier der Filmvorführungen waren außerdem externe Gäste eingeladen, die zu einer Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung standen. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung mit dem Film "Women Sense Tour" waren auch die beiden Regisseurinnen Sarah Zouak und Justine Devillaine anwesend. Sie waren ein halbes Jahr mit der Kamera durch sechs muslimisch geprägte Länder gereist, um dort feministische Muslima zu porträtieren. Auf dem Filmfest zeigten sie die erste Etappe, Marokko. In der Diskussionstand nicht nur der  Film selbst zur Debatte, sondern auch die Situation von Muslima in Frankreich und die Korrelation zwischen Feminismus und dem muslimischen Glauben.

Im Anschluss an den Film "Gayby Baby" konnte mit Vertreter*innen der Münchner Organisation LesMamas und von Pro Familia Passau über die Erfahrungen von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare diskutiert werden. 

Zu dem georgischen Film "I didn’t cross the border, the border crossed me", der sich mit dem Grenzkonflikt zwischen Georgien und Südossetien befasste, war der Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik, Prof. Dr. Bernhard Stahl der Universität Passau, als sachkundiger Gesprächspartner eingeladen. Er gab nicht nur grundlegende Informationen zum Grenzkonflikt, sondern trug auch dazu bei, die subjektive Wahrnehmung der in der Dokumentation dargestellten Protagonisten kontextuell einzubetten.

Im Anschluss an die Dokumentation "Seefeuer", die sich mit dem Zusammenleben von Geflüchteten und "Alteingesessenen" auf der Insel Lampedusa beschäftigt, war es ein Repräsentant der Organisation SeaWatch, der die Fragen des Publikums zur Seenotrettung und zur anschließenden Unterbringung von Geflüchteten beantwortete.

Vor der offiziellen Eröffnung des Filmfests fand bereits eine Filmvorführung der Dokumentation "Tomorrow" statt, die vor allem an Schulklassen gerichtet war. Die Kooperation mit einer Schulklasse und einer Schülervertretung sah in einem ersten Schritt das gemeinsame Schauen der Dokumentation vor, die sich in fünf Kapiteln mit globalen Problemen beschäftigt und lokale Lösungsansätze und Projekte vorstellt. In einem zweiten Schritt fanden in der Woche nach dem Filmfest zweistündige Workshops mit den einzelnen Schulklassen statt, in denen sich die Schüler*innen vertieft mit den einzelnen Kapiteln des Films beschäftigten.

Zum Abschluss der Filmfest-Woche wurde erstmals ein "Public Living Room" im Cafe Museum durchgeführt. In insgesamt zwei Durchläufen wurde hierbei die Kurzfilmreihe "Out of Place" gezeigt, ein deutsch-israelisches Filmprojekt mit vielfältigen Themen wie Religion, Behinderung oder Migration. Das Konzept des Public Living Room ermöglichte es den Anwesenden, in entspannter Atmosphäre die gezeigten Filme zu diskutieren.

Empfohlene Weblinks

filmfestgrenzgaenge.wordpress.com

Veranstaltungsort
Passau


Partner

AStA/SprecherInnenrat der Universität Passau


Art der Veranstaltung
Filmfest



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16.09.2017 - 18:00

sisteResist #1

 

sisteResist versteht sich als praktische Auseinandersetzung mit einer weiterhin deutlich wahrnehmbaren Geschlechterungleichheit in vielen Teilen (sub)kulturellen Alltags. Ein lauter Diskussionsbeitrag in Form einer Veranstaltungsreihe. Beginnend mit der Riot Grrrl Bewegung. All genders welcome. Hört zu. Diskutiert mit. Seid aktiv und kreativ. Wir freuen uns auf euch!
Riot Grrrl Abend:

Vortrag vom Archiv der Jugendkulturen

Kein Mädchen sondern ein Grrrl – Über Weiblichkeit, Geschlechterrollen und Feminismus bei den Riot Grrrls
Mit der Riot Grrrl- Bewegung entstand Anfang der 90er Jahre eine feministische Bewegung von jungen Frauen, die inspiriert von der „Do It Yourself- Attitüde" des Punk ihre eigenen Bands gründeten, eigene Fanzines herausbrachten und vor allem junge Frauen im gemeinsamen Kampf gegen Sexismus, Misogynie und Antifeminismus vernetzen wollten. Mit dem Slogan “Revolution Girl Style Now!“ forderten sie ihren Platz auf der Bühne ein, der sonst nur Jungs und Männern vorbehalten schien, und schärften bei viele Musikerinnen, die nach ihnen kamen, ein feministisches Bewusstsein im immer noch stark männerdominierten Musikgeschäft. Darüber hinaus wollten sie tradierte Geschlechterrollen und -muster durchbrechen und eigneten sich dafür bewusst negativ besetzte Begriffe wie „Bitch" und „Slut" an, die sie als Form ihrer Widerständigkeit stolz in großen Buchstaben auf ihre Körper schrieben und sie damit als positive Selbstbeschreibungen umwerteten. Dieser Vortrag widmet sich der Entstehung, den Protagonistinnen und der Entwicklung der Riot Grrrl- Bewegung und zeigt auf, wie stark viele Themen und Missstände auch heute noch in der Musikwelt und Gesellschaft verankert sind.

ReferentInnen

DECIBELLES (Noise Pop, Lyon)
Mary Bell (Riot Grunge, Paris)
DREAM NAILS (Witches Punk, London)

Veranstaltungsort
Nürnberg, Desi, Brückenstraße 23


Kosten
VVK 12,- / AK 15,- Euro


Partner

Desi Nürnberg



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12.07.2017

Die männliche Subjektkonstitution

Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen

Sexuelle Gewalt ist männlich. Täglich konfrontieren uns die Medien mit Berichten über "normale" sexuelle Belästigungen, Vergewaltigungen oder gar Sexualmorde. Was sind die tieferen Ursachen für dieses Verhalten? 

Rolf Pohl stellte zunächst die theoretischen Konzepte von Cornell („Hegemoniale Männlichkeit“) und Bourdieu („Männliche Herrschaft“) dar, an die er in seiner Forschung und dem Vortrag kritisch anschließt. Er nimmt auch Bezug auf psychoanalytische Konzepte von Abwehr und Gewalt, die seiner Ansicht nach in den gegenwärtigen Debatten um Sexismus und Frauenfeindlichkeit zu wenig berücksichtigt werden. Er folgt dabei der These, dass Weiblichkeit von Männern unbewusst als Bedrohung erlebt und deshalb abgewehrt wird. Pohl weist nach, dass die gängigen Erklärungsversuche zu kurz greifen, die sexuelle Gewalthandlungen ausschließlich als Ausdruck männlicher Macht deuten und die Sexualität des Mannes unberücksichtigt lassen. Er verknüpft den Ursprung geschlechtsbezogener Gewalt mit der geschichtlich-gesellschaftlichen Entstehung und Entwicklung der männlichen Sexualität und ihrer phallisch-aggressiven Ausrichtung. Denn entscheidend sind - so Pohl - nicht allein die Triebgrundlagen von Sexualität und Aggression, sondern ihre Bindung an das gemeinsame Objekt: die Frau. Die typisch männliche Gewaltbereitschaft entspringt einer aus Lust, Angst, Neid, Wut und Hass bestimmten unbewussten Einstellung zur Weiblichkeit.

Pohl verbindet seine theoretischen Überlegungen mit eigenen empirischen Beobachtungen des – auch in München relevanten – Phänomens der „Pick Up Artists“. Anhand von vielen und vielfältigen Beispielen aus dieser frauenfeindlichen Szene veranschaulicht er sein Konzept von männlicher Gewalt. 

ReferentInnen

Rolf Pohl
ist emeritierter Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten in der Geschlechterforschung gehören die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und männliche Krisendiskurse. Er ist Autor des Buches "Feindbild Frau - Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen" (2004).

Veranstaltungsort
München


Partner

Institut für Soziologie, LMU München


Art der Veranstaltung
Vortrag



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17.06.2017

Identität Muslima

 

Migranten werden in Deutschland oft als muslimisches Kollektiv wahrgenommen. Wie viel Raum lässt das für individuelles Glück? Was hat das mit einem Respekt für andere Kulturen zu tun?

Wie die Moderatorin Soma Assad eingangs erläuterte, ist Identität in der Regel etwas Vertrautes. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, sehen wir uns identisch damit. Von Identität ist laut dem Soziologen Stuart Hall immer dann die Rede, wenn sie in der Krise steckt, wenn die vorher anerkannten Werte einer Gemeinschaft nicht mehr geteilt werden, die Selbstverständlichkeiten sich auflösen. Identität ist dann „dezentralisiert“ und „entortet“ und kann daher immer mehr zu einer politischen Ressource werden und umgekehrt wird Politik immer mehr zur Identitätspolitik. Identität wird also immer mehr angeeignet oder abgelehnt, um sich abzugrenzen und zu positionieren und auch genutzt, um politische Inhalte zu transportieren. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage was „Identität Muslima“ bedeutet. Ist „Identität Muslima" eine Fremd- oder Selbst-Zuschreibung oder beides? Ist sie eine Glaubensidentität oder eine kulturelle? Ist der Feminismus mit einer „Identität Muslima“ vereinbar?

Deniz Baspinar, die sich als muslimische Atheistin bezeichnet, erklärte, die „Identität Muslima“ entstehe durch den „Blick der Anderen“. Es werde also passiv festgelegt, was die Muslima so zur Projektionsfläche für Opfer von patriarchalen Strukturen mache. Die muslimische Identität wird allerdings auch angenommen, wobei vorher bereits bestimmte Werte vermittelt wurden. Es ist also beides. Das Problem ist laut Baspinar, dass die kulturelle Praxis sich im Islam mit der religiösen Praxis vermischt hat.

Die Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung, denn in Europa würden Muslima als „weibliche muslimische Terroristinnen“ ausgegrenzt. Ebenso erwähnte sie in der Gegenüberstellung von islamischen Ländern und Europa die Radikalisierung von Jugendlichen in Deutschland, wobei ihr von Merve Kayikci widersprochen wurde, die den Extremismus nicht im Zusammenhang mit dem Islam gesetzt sehen wollte.

Merve Kayikci sieht die „Identität Muslima" überwiegend als Fremdzuschreibung und begründete dies mit ihren eigenen Erfahrungen: wenn sie beispielsweise eingeladen wird, um über den „Islam“ zu reden, obwohl sie gar keine Islamwissenschaftlerin ist. Für sie wird die Islam-Debatte in der deutschen Öffentlichkeit zu emotional geführt. Sie erwähnte, dass ihr Lebensgefährte Atheist ist und sie selbst gläubige Muslima und das trotzdem klappt.

In der 90-minütigen Diskussion, bei der auch das Publikum mit beteiligt war, wurde deutlich, dass es auf die Frage nach der „Identität Muslima“ keine einfachen Antworten gibt. Dass es in muslimischen Communities gravierende Missstände gibt, wurde ebenso herausgearbeitet wie die Gefahr, Menschen mit ihrem Glauben zu identifizieren. 

ReferentInnen

Deniz Baspinar
Journalistin (DIE ZEIT), Psychotherapeutin
Merve Kayikci

Bloggerin
Khola Maryam Hübsch

Journalistin und Publizistin

Moderation: Soma Mohammad Assad (Politikwissenschaftlerin)

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Deutscher Humanistentag gGmbH


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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25.03.2017

Moving Women Empowerment Conference

Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen.

Die Moving Women Empowerment Conference stand unter dem Motto “Wir schaffen das – die Zukunft liegt in unseren Händen”. Frauen aus verschiedenen Ländern der Welt kamen zusammen, um voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. So sollten Frauen mit unterschiedlichstem Background ermutigt werden, ihr Potenzial zu entfalten.

Ein Highlight der Konferenz war die erstmalige Vergabe des "Sonne Women of Excellence Awards" sein, mit dem vier Frauen afrikanischer Herkunft und Frauen in der Diaspora ausgezeichnet wurden, die große Vorbilder für ihre Communities sind. 

Die vielfältigen Vorträge sollten Frauen ermutigen, ihr Schicksal in die Hände zu nehmen und sich nicht entmutigen zu lassen. So zeigte die Dolmetscherin, Integrations- und- Gesundheits-Mediatorin Mathilda Legitimus-Schleicher  neue berufliche Wege für Migrantinnen auf. Die Malerin Vivian Timothy zeigte durch ihre Malerei, wie sie ihren Traum eines selbständigen Lebens und persönlichen Entfaltung verwirklicht hat., Die Ärztin N’joula Agnes Baryoh hielt einen interessanten Vortrag über "Frauen afrikanischer Herkunft und ihre Körper: Wissen um die Besonderheiten in Gynäkologie und Geburtshilfe" Davonne Schaefer, Unternehmerin, widmete ihren Vortrag „Divine Curls“ über die Bedürfnisse von schwarzen Frauen, die beschlossen haben, ihre eigenen natürlichen Haare zu tragen. 

In der von der Journalistin Dr. Jane Ayeko Kümmeth geleiteten Podiumsdiskussion (Bild links) berichteten Teilnehmerinnen wie die Rechtsanwältin Edith Otiende-Lawani, die Nuklearingenieurin Caroline Kouegoua, die junge geflüchtete Somalierin Jamila Mohamed Abdi und Vivian Timothy über ihren Werdegang und die Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Hürde zu überwinden.

Für Unterhaltung sorgte Stephanie Knott mit ihrer Amateur-Theatergruppe, deren Sketche vermittelten, wie Rassismus und Vorurteile sowohl in der afrikanischen als in der deutschen Gesellschaft vorhanden sind. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von "Nomina", einem südafrikanischen Duo, sowie der brasilianischen Tänzerin Linda.

Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz finden Sie in dieser PDF-Datei.

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Konferenz



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30.10.2015 - 13:00 bis 31.10.2015 - 18:15

radikal und widerständig – riskantes Denken und feministische Praxen

Tagung

von Agnes Lang

Die Tagung „Radikal und widerständig – riskantes Denken und feministische Praxen“ wurde anlässlich des 30sten Geburtstages der FAM konzipiert. Zentral war die Frage danach, wie radikal und widerständig die Frauenbewegungen auch im Jahr 2015 noch oder wieder ist und welche Akteur_innen und gesellschaftliche Bewegungen in heutigen feministischen Umfeldern dementsprechend zu finden sind. 

Mit vier Themenschwerpunkten war es dem Tagungsteam ein Anliegen, das Feld für widerständiges und radikales Denken und Handeln möglichst breit aufzuzeigen:

  • Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies
  • Netzfeminismus
  • Internationale Frauensolidarität im Spannungsfeld von Rassismus und postkolonialem Feminismus
  • Subversive Körper – Überwindung von Sexismus und Heteronormativität?

Birgit Erbe, Geschäftsführerin der FAM, begrüßte die Tagungsteilnehmer_innen und stellte den Rahmen der Veranstaltung vor. Ein Kurzfilm beleuchtete die Gründungszeit der FAM in den 1980er Jahren und ihre Entwicklungsgeschichte bis heute als Teil der Frauenbewegung. Anschließend führte Dr. Andrea Rothe, Vorsitzende der FAM, ins Tagungsthema ein.


Feministische Ökonomie, Ökologie, Ökofeminismus und Queer Ecologies (Panel 1)

Prof. Dr. Christine Bauhardt (HU Berlin) und Dipl.-Soz. Andrea Baier (anstiftung gGmbH, München) diskutierten, wie Frauen (aus dem globalen Norden) sich heute mit ihrer Rolle als mit-Produzentinnen globaler Ungleichheit, Ressourcenvernichtung und Ausbeutung durch Mensch und Natur auseinandersetzen können bzw. müssen. Die Referentinnen gaben in diesem Zusammenhang einen Einblick in feministische Ökonomiekritik und damit auch einen Anstoß für alternative Sicht-, Denk- und Handlungsweisen, wie sie z.B. in „urban gardening“-Projekten sichtbar werden.


Netzfeminismus (Panel 2)

Der Vortrag von Marek Stuffler (feministische_r Netzaktivist_in, München) widmete sich der Netznutzung von (Queer)-Feminist_innen, Kommunikation und Vernetzung, sowie der Frage, in welcher Form durch das Internet Räume für Empowerment, schnelle Vernetzung und Solidarität eröffnet werden können; dabei beleuchtete er auch, wie diese Orte des virtuellen Austausches und der Meinungsbildung extreme Anfeindungen hervorrufen, die auch Konsequenzen für den offline-Alltag der Bloger_innen haben.


Internationale Frauensolidarität im Spannungsfeld von Rassismus und postkolonialem Feminismus (Panel 3)

Referent_innen: Denis Bergold-Caldwell (Universität Marburg; kurzfristige Vertretung für Dr. Anette Dietrich) und Nadine Lantzsch (freie Autorin und Aktivistin, Berlin)

Der zweite Tag begann mit einer Einführung in den Schwarzen und postkolonialen Feminismus. Die Kritik an der inhaltlichen Reproduktion von „weißem Feminismus“, die Notwendigkeit der Sichtbarmachung des Subalternen in der Geschichte, die Analyse der Stereotypisierung Schwarzer Frauen und die Funktionsweise und Wirkung von Rassismus auf den unterschiedlichsten Ebenen, waren hierbei zentrale Themen. Gleichzeit ging es auch um die Möglichkeiten, gemeinsame Räume und Positionen von Schwarzen und weißen Frauen zu finden, besonders entlang der Frage, was Leben ist und welches Leben schützenswert ist. Im Rahmen des Fishbowls wurde diskutiert, wie antirassistischer Feminismus im Alltag aussehen kann.


Subversive Körper – Überwindung von Sexismus und Heteronormativität? (Panel 4)
Referentinnen: Prof. Dr. Tanja Thomas (Universität Tübingen), Dr. Laura Méritt (Sexberaterin und Mediatorin, Berlin)

Im Abschlusspanel der Tagung stand die zentrale Bedeutung von Körpern im Spannungsfeld sexueller Auseinandersetzung und vergeschlechtlichter Potentiale von Körpern zur Bildung politischer Aussagekraft und radikaler Formen des Protests im Fokus. Hierfür wurden sowohl FEMEN als auch sexpositive Positionen dargestellt und mit dem Plenum diskutiert.

Veranstaltungsort
München, Seidl Villa München, Nikolaiplatz 1b (U3/U6 Giselastr.)


Partner

FAM - Frauenakademie München e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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15.10.2015 - 19:00

Ehe wem Ehe gebührt? Ein deutsch-amerikanischer Dialog in englischer...

 

Am 26. Juni dieses Jahres entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass Verbote der gleichgeschlechtlichen Ehe der amerikanischen Verfassung widersprechen. Damit ist der Weg nun in allen 50 Bundesstaaten der USA frei für Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. (sehen Sie hierzu den offiziellen Youtube-Clip von "Freedom to Marry")
In Deutschland dürfen gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 eine sogenannte „eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen; sie haben jedoch kein Recht auf Eheschließung. Sowohl in den USA als auch in Deutschland spricht sich mittlerweile eine Mehrheit der Bevölkerung für die gleichgeschlechtliche Ehe aus. In seinem Vortrag erörterte der Referent Evan Wolfson die Schlüsselmomente der amerikanischen Kampagne für die gleichgeschlechtliche Ehe und zog einen transatlantischen Vergleich.

Im Jahr 1983 machte Evan Wolfson seinen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Harvard Law School. Seither setzt er sich als Jurist unermüdlich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen ein – auch außerhalb der USA. In bahnbrechenden Fällen – so z.B. Baehr v. Lewin (Hawaii 1993) oder Baker v. Vermont (1999) – steuerte er seine juristische Expertise bei und brachte die Bewegung der Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe somit entscheidend voran. 2003 gründete Wolfson die Kampagne „Freedom to Marry“, deren Präsident er bis heute ist. Newsweek nannte ihn den „Paten der Homo-Ehe“, das Time Magazin kührte ihn gar zu einem der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“. Im Jahr 2004 erschien sein erstes Buch “Why Marriage Matters: America, Equality, and Gay People’s Right to Marry”.


Es begrüßte und kommentierte: Hermann "Beppo" Brem, Vorsitzender der Münchner Grünen

ReferentInnen

Evan Wolfson
Präsident von "Freedom to Marry"
Hermann "Beppo" Brem
Vorsitzender der Münchner Grünen

Veranstaltungsort
München, Amerikahaus, Karolinenplatz 3


Kosten
Der Eintritt ist frei!


Partner

US-Generalkonsulat München, Stiftung Bayerisches Amerikahaus, Dietmar Holzapfel/Hotel Deutsche Eiche


Art der Veranstaltung
Vortrag mit anschließender Diskussion



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30.05.2015 - 12:00 bis 31.05.2015 - 16:00

5. FemFest Würzburg

Gesellschaftskritisches Fest zum Thema Geschlecht

Sachbericht

5. FemFest Würzburg– Gesellschaftskritisches Fest zum Thema Geschlecht

Bildungsveranstaltung am 30.05. & 31.05.2015
in Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo zu Themen: Geschlechterfragen, Feministische Ökonomie, Rollenklischees, Situation von Flüchtlingen, Feminismus,Tanzperfomarmance und Musik

Von Madlen Will


Samstag, 30.05.2015:

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Samstag um 11:30 Uhr vor ca. 50 Anwesenden. Im Namen der Veranstalter*innen wurde den Kooperationspartner*innen Petra-Kelly- Stiftung, Gleichstellungsstelle Würzburg und Rosa-Luxemburg-Stiftung/Kurt-Eisner- Verein gedankt. Es wurde auf den Ablauf und das Programm für die kommenden zwei Tage hingewiesen, sowie der erste Vortrag von GERO BAUER angekündigt.

In seinem Vortrag „Männlichkeit oder Männlichkeiten – Aktuelle Diskurse um das Thema ‚Mann‘ aus kulturwissenschaftlicher Perspektive“ diskutierte Gero Bauer das Bild von Männlichkeit bzw. Männlichkeiten im Wandel der Zeit, sowie die problematische Enge einer rein dichotomen Vorstellung von Geschlecht und vieles mehr. Im Anschluss daran werden Fragen aus dem Publikum gestellt und gemeinsam erörtert.


Ab 14:00 Uhr
fragte ANN AULIN: „Würdest du mir das auch ins Gesicht sagen?“ in ihrem Vortrag/Workshop zum Thema: Androhung sexualisierter Gewalt online.

Frauen, die sich kritisch über den Film „The dark Knight“ geäußert, für die Entwicklung ihres Indie-Games gute Kritiken bekommen oder die Abbildung von Frauen auf Geldscheinen fordern: harmlos und wenig angreifbar auf den ersten Blick, aber ausgelöst haben Frauen mit diesen Statements oder Handlungen eine Menge Hass. Ann Aulin stellt knapp ein Dutzend Beispiele vor, in denen Frauen im Internet mit Androhungen von Vergewaltigungen und anderen Gewalttaten konfrontiert werden. Es ist harter Tobak, wie explizit seitens der Trolle systematisch Angst geschürt wird – und das unter dem Deckmantel der Anonymität. Woher kommt dieser Hass und warum wird er im Internet so völlig frei herausposaunt?

Warum es sich bei diesem Phänomen nicht einfach um Cyber-Mobbing handelt, zeigt die Statistik. Sehr viel häufiger erleben Frauen genderspezifische Gewaltandrohungen, in denen es um Vergewaltigungsfantasien oder andere Misshandlungen geht, oder die Bloßstellung und Reduktion auf ihren weiblichen Körper.

Zum Glück kann Aulin neben den harten Geschichten auch von ein paar guten Gegenaktionen berichten. Bei dem Projekt „Zero Trollerance“ wird in Video-Botschaften der Weg zu einem „guten Menschen“ gezeigt. Eine Art Selbsthilfeangebot, das sich mit einer riesigen Portion Humor dort einschaltet, wo im Internet sexuelle Belästigung stattfindet. Wenn in Foren beleidigende Äußerungen auftauchen, wird dem Verursacher automatisch eine Videobotschaft geschickt, mit dessen Anleitung er sich von seinem Hass und seinem frauenverachtenden Verhalten befreien kann. Schnelle direkte Hilfe für Betroffene soll außerdem mit der Plattform „HeartMob“ gewährleistet werden. Für die Umsetzung dieses Projekts ab September wird gerade auf Kickstarter finanzielle Unterstützung gesammelt. Auch von Betroffenen gibt es beeindruckende Wege, sich zur Wehr zu setzen. Eine sehr kluge Art hat Alanah Peirce gefunden. Die beleidigenden und erniedrigenden Nachrichten und Bilder, die sie im Internet bekam, hat sie via Facebook an die Mütter der Jungs bzw. Männer geschickt, von denen sie belästigt wurde.


14:00-16:00 Uhr Parallelprogramm

  • Siebdruckwerkstatt, in der die Gäste des 5. FemFest Taschen mit Sprüchen und dem FemFest-Logo bedrucken und Buttons herstellen konnten.
  • FREE-STYLE-WORKSHOP: Spontane Lyrik, A capella oder über einen Beat gerappt. Erste Schritte in dieser Kunstform sind schwierig, weil man sich dabei sehr leicht ein wenig blöd vorkommt. Der Workshop mit ANDI HEINDL hoffte diese Angst ein bisschen nehmen zu können, besonders nicht-heterosexuellen maskulinen Geschlechtern, welche in dieser Kunstform ziemlich unterrepräsentiert sind. In Gruppen von jeweils sechs Personen konnten in verschiedenen Übungen zu Freestyle-Rap die ersten Hemmungen genommen und Ideen gegeben werden, wie man selbst im Alltag Freestyle-Rap üben kann

16:00 Uhr

Eine Reportage von LEA LAZIC REUSCHEL: "DIE EU-FLÜCHTLINGSPOLITIK IN DER PRAXIS. MELILLA, DIE GEFÄNGNIS-STADT AN DEN GRENZEN EUROPAS“

Während ihres dreimonatigen Forschungsaufenthaltes in Melilla, der spanischen Exklave an der nordafrikanischen Küste Marokkos, hatte LEA LAZIC REUSCHEL die Möglichkeit, die Probleme der EU-Einwanderungspolitik in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Sie konnte sich mit Situationen auseinandersetzen, in denen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung weitgehend den Alltag der Migrant_innen bestimmen. Dies geht freilich nicht nur von der marokkanischen Seite aus, sondern auch von Spanien - und somit ist auch die EU-Flüchtlingspolitik aktiv daran beteiligt. Ziel ihrer Forschungstätigkeit war es, die Situation vor Ort zu dokumentieren und bekannt zu machen. Nach einer kurzen Einleitung zur Geschichte des "spanischen Zaunes", der um die spanischen Exklaven von Ceuta und Melilla errichtet wurde, bezog LEA LAZIC REUSCHEL Stellung zur Migrationspolitik der Iberischen Halbinsel sowie der Europäischen Union. Anschließend berichtete sie über die aktuelle Situation der Flüchtlinge und Migrant*innen in Melilla.


18:00-20:00 Uhr ABENDESSEN im INNENHOF und Zeit zum gemeinsamen Austausch


20:00 UHR: PODIUMSGESPRÄCH mit:

  • Inga Höltmann (Redakteurin bei bizzmiss.de),
  • Tobias Scholz (Mit-Autor: „Papa kann auch stillen- Wie Paare Kind,Job & Abwasch unter einen Hut bekommen”)
  • Antje Rink (Beratungsstelle Frau & Beruf/Bad Kissingen)
  • Moderation: Eva Nagler vom FemFest-Team

Zum Abschluss des ersten FemFest-Tages fand ein Podiumsgespräch zum Thema "Rolle vorwärts?! Arbeit, Familie, Freizeit - Wie vielen Rollenbildern müssen wir gerecht werden? " statt. Es sollte bewusst keine Diskussion sein, sondern eher ein moderierter Austausch. Antje Rink berichtete von ihren Erfahrungen als Beraterin in der Beratungsstelle Frau & Beruf in Bad Kissingen und über die vielen unterschiedlichen Erwartungen, Erfahrungen und auch Probleme, denen sich Frauen, vor allem in ländlichen Gegenden in Bayern, mit denen sie zusammenarbeitet, gegenüber sehen. Tobias Scholz hat sich zusammen mit seiner Lebenspartnerin Stefanie Lohaus dazu entschieden, ihren Alltag nach dem 50/50-Prinzip zu leben: Sie teilen sich die Arbeit im Haushalt sowie die Betreuung ihres Sohnes fair auf und arbeiten beide (fast) Vollzeit. Er erzählte welche Reibungen dabei mit Freunden und Familie und der Arbeitswelt entstehen, und welche Herausforderungen - und Freuden- sich daraus ergeben.

Inga Höltmann, Autorin u.a. bei bizzmiss.de stellte ihr online-Business-Magazin von Frauen für Frauen vor.

Im Rahmen des Podiumsgespräch stand über allem die Frage, wie Arbeit gerecht verteilt werden kann (z.B. Erwerbsarbeit, Care-Arbeit), aber auch Einigkeit darüber, dass Arbeit einen oft viel zu großen Stellenwert einnimmt.

 

SONNTAG, 31.05.2015

10:00-12:00 Uhr

Brunch mit allen Referent*innen und Helfer*innen des 5. FemFest zum gemeinsamen Austausch und Vernetzung


12:00-13:30 Uhr

Die Rosa-Hellblau-Falle– ein dialogischer Vortrag von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Almut Schnerring und Sascha Verlag zeigen in ihrem Vortrag viele Beispiele von geschlechtsspezifischer Kinderwerbung. Die kommerzielle Ausnutzung und Festigung bestehender Rollenklischees macht auch vor dem Kinderzimmer nicht halt. Der Paygap zeigt sich schon beim Taschengeld von Kindern – Jungs bekommen mehr als Mädchen. Die Aufteilung der Haushaltsarbeiten spiegelt die Situation in der Erwachsenenwelt wieder. Mädchen kümmern sich mehr um ihre Geschwister und helfen bei Kochen, Putzen und Abwasch, während Jungs insgesamt weniger mithelfen und Aufgaben wie Rasenmähen und beim Tragen helfen übernehmen – und für einzelne Leistungen häufig bezahlt werden. Dass Geschlechterstereotype schon im Kindergarten angekommen sind, zeigt sich auch verbal: bereits ein Junge im Kindergarten weiß, dass die Bezeichnung „Du Mädchen“ ein Schimpfwort ist.
Gerade was frühkindliche Berufswünsche anbelangt, scheinen die Rollenbilder bereits stark gefestigt zu sein. Mädchen wollen Prinzessin werden, alternativ auch Supermodel oder Lehrerin, wohingegen Jungs zu Berufen wie Arzt, Pilot und Polizist tendieren. Werbung nimmt bei der Konstruktion dieser Wünsche und Vorstellungen sicherlich eine zentrale Rolle ein; sie prägt, bedient und missbraucht sie zu eigenen Zwecken. Die Beispiele, die von den Vortragenden gezeigt werden, sind erstaunlich. Die geschlechtsspezifische Kinderwerbung macht vor keiner Produktgruppe halt. Ob Suppe, Schaumbad oder Tee, dasselbe oder ein ähnliches Produkt wird einmal in Rosa und einmal in Blau beworben oder geschmückt. Die Adressierung lautet dabei z. B. „Prinzessinnen Suppe“ vs. „Feuerwehr Suppe“ (Maggi), „Prinzessinnen-Bad“ vs. „Sieger- Bad“ (Bübchen) oder es sind Teeprodukte mit den Name „Feentraum“ vs. „Monsteralarm“ (Milford). Im Anschluss wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet und zur Diskussion gestellt.


13.30 Uhr
SUSANNE RIES, MONA ZIMMER und PATRICIA PFEIFFER
– Kurzvortrag : „Die gesellschaftliche Verantwortung eines Museums.

Zur Ausstellung queerer Themen“ (20-30 min.)

Queere Themen sind im Museum heute immer noch selten zu finden. Dabei sollten Museen im Bezug auf ihre soziale Verantwortung die Vielfalt der Gesellschaft durch Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermittel repräsentieren. Durch das Ausstellen von sexueller Vielfalt können Museen zum Aufbrechen gesellschaftlicher Normen beitragen und auch aktivistisch, partizipativ gegen Diskriminierungen eintreten. Als Beispiel einer Repräsentation von queer im Museum stellten die Referent*innen ein Projekt vor, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Museum europäischer Kulturen: „Queering the Museum – Verschiedene Lesarten im MEK“. An diesem konkreten Beispiel verdeutlichten sie, wie es gelingen kann, sexuelle Vielfalt in einer Ausstellung und Sammlung sichtbar zu machen und in welche „Fettnäpfchen“ man dabei treten kann.


14:00-16:00 Uhr
ANTJE SCHRUPP

– Vortrag & Diskussion: „Feministische Ökonomie“

Ökonomie ist nicht geschlechtsneutral. Doch die klassischen Wirtschaftstheorien sind überwiegend auf diesem Auge blind. Im Zentrum ihrer Analysen steht spätestens seit der Moderne der "homo oeconomicus", der rational auf dem Markt agierend freie Mann. Um diese Fiktion herum entstand eine symbolische Ordnung, die wesentliche Aspekte dessen, was "Wirtschaft"ausmacht, ignoriert oder bewusst verschweigt: die unbezahlte Arbeit, die informelle Arbeit, die sozialen Rahmenbedingungen der Ökonomie, die von gesellschaftlichen Machtstrukturen geprägt sind. Feministische Ökonominnen haben seit Jahrhunderten alternative Ansätze formuliert. Das Spektrum reicht von bloßen Forderungen nach mehr Integration von Frauen in dieses System bis hin zu radikalen Infragestellungen dieser Ordnungen und grundlegender Kritik an Kapitalismus und Patriarchat. In einem Impulsvortrag gab Antje Schrupp einen Überblick über diese Debatten und ihre unterschiedlichen Ansätze. Anschließend wurde darüber mit dem Publikum diskutiert.


So, 16:00-18:00 Uhr

ULFILAS BÄURLE: QUEER AMNESTY

Queeramnesty ist eine bundesweite Themengruppe der deutschen Sektion von Amnesty international und arbeitet zu Fällen von Menschenrechtsverletzungen an Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI). Ulfilas Bäurle stellte die Arbeit von Queer-Amnesty vor.


17:30 Uhr TANZPERFORMANCE / CHOR SOTTO VOCE

Das 5. FemFest wurde künstlerisch und musikalisch mit einer Tanzperformance von Sophie Schmid und Ilona Zilkowski und dem Auftritt des Chors Sotto Voce, der Chor des schwulesbischen Zentrums Würzburg beschlossen.


Fazit:

Die Veranstalter*innen waren mit dem 5. FemFest sehr zufrieden. Die Beiträge entsprachen einem hohen Niveau und die Vortragenden referierten sehr professionell. Die Vorträge und Workshops wurden gut angenommen und es gab ausreichend Raum zur Vernetzung, für Austausch und Diskussion untereinander. Das erhaltene Feedback von Referent*innen und Publikum war durchweg positiv. Weiterhin ist hervorzuheben, dass das FemFest ein heterogenes Publikum angesprochen hat.

 

Veranstaltungsort
Würzburg Jugendkulturhaus Cairo


Kosten
Eintritt frei!


Art der Veranstaltung
Fest



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10.07.2014

Frauen an Hochschulen – mittendrin?

Karrierewege und Gender Studies

Ladies Lunch 2014

Der Anteil der Professorinnen hat sich in den letzten Jahren zwar erhöht, aber dennoch ist nur jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Und das, obwohl sich mittlerweile ebenso viele Mädchen wie Jungen für ein Hochschulstudium entscheiden. Aber je weiter es in den Hochschulen auf der Karriereleiter nach oben geht, desto geringer wird der Frauenanteil.

Seit einigen Jahren gibt es außerdem zahlreiche Studiengänge Gender Studies – sie fragen nach der Bedeutung des Ge­schlechts für Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft.

Welche Stellung nehmen Frauen mittlerweile in der deutschen Hochschullandschaft ein? Welche Ent­wicklungen braucht es dort für mehr Gleichstellung? Welchen Einfluss haben die Gender Studies haben? Wirken Sie über den eigenen Fachbereich hinaus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt unseres diesjährigen "Ladies Lunch".

Merith Niehus gab einen Überblick über die Rolle der Frauen in Deutschland seit Beginn des vorigen Jahrhunderts. So durften Frauen ab 1908 studieren, was sie überwiegend im Fach Medizin taten, 1922 gab es dann auch die erste Richterin – es ging aufwärts.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Frauen zwar vordergründig hoch angesehen - allerdings nur in ihrer "Rolle" als Mütter und Ehefrauen. Direktorinnen an Schulen und Richterinnen etwa verloren ihre Positionen, Ärztinnen auch, sie wurden erst wieder nach Ausbruch des Krieges wieder "gebraucht".

Nach 1945 hatte ein eher fortschrittliches Klientel das Land verlassen und kam auch nicht zurück, damit hatte Deutschland ein modernisierendes Akademikerklientel verloren; die Frauenideale der Nazis blieben erhalten. In der öffentlichen Meinung waren Kinder erwünscht, aber als "Teil" der Frauen:  "Eine Frau arbeitet nur dann, wenn ihr Mann nicht genügend Geld verdient." und "Meine Mutter muss nicht arbeiten." waren typische Sätze der Zeit.

Erst Mitte / Ende der 60er Jahre übernahm dann eine neue Generation jüngerer, andersdenkender Frauen die Modernisierung des Frauenbilds. Auch brauchte die Industrie ab Mitte der 60er Jahre Arbeitskräfte. Nachdem zunächst "Gastarbeiter" geholt worden waren, "erfand" man die Teilzeitarbeit. Damit sollten die freien Arbeitsplätze gefüllt werden, wobei die Frauen gleichzeitig weiterhin Mütter sein konnten. Zeitgleich gingen immer mehr Mädchen länger zur Schule, machten höhere Bildungsabschlüsse und wollten dann nicht mehr zur Hausfrau und Mutter degradiert werden.

In der DDR verlief die Entwicklung anders: Betreuung auch für kleine Kinder war Staatsaufgabe, da auch die Frauen als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Im Westen entstand ebenfalls der Wunsch, sich zumindest zwischen Berufs- und hausfrauenrolle entscheiden zu können, aber dazu fehlte es lange Zeit an Betreuungseinrichtungen. Diese entstanden in akzeptabler Zahl erst in den vergangenen 10 bis 15 Jahren. Heute sind flächendeckende Ganztagsschulen nötig, um den Frauen eine wirkliche Wahl zu lassen.

Interessantes Detail: Akademikerinnen sind die Frauen, die durchschnittlich die wenigsten Kinder haben. Bei den Männer ist es gerade umgekehrt: Die Akademiker haben die meisten Kindern.

Paula-Irene Villa erklärte den Fachbereich „Gender Studies“. Dort sind folgende Themen von genereller Bedeutung: Wie wird Geschlecht gemacht (von wem, wo, wann und wozu), was meint Geschlechterdifferenz, niemand ist nur ein Geschlecht. Je nach Disziplin werden Gender Studies unterschiedlich gerahmt, verstanden, genutzt, gesehen...

Von den insgesamt 38.564 Professuren in Deutschland (2010) kamen 150 (114 an Universitäten und 36 an Fachhochschulen) aus dem Gender Studies-Bereich, davon waren 26 im Fachbereich Soziologie angesiedelt. Gender Studies sind kein akademischer Arm des Feminismus oder der Frauenforschung!

An der sich anschließenden regen Diskussion beteiligten sich die anwesenden Frauen sehr kompetent. In vielen Beiträgen ging es um die Situation der Frauen in der Wissenschaft, um die - fehlenden – Netzwerke, um den Sexismus an Hochschulen, die Fördermöglichkeiten, die Problematik der befristeten Verträge, die Altersgrenzen bei Befristungen.


Die Teilnehmerinnen im Gespräch

ReferentInnen

Prof. Dr. Merith Niehuss
Präsidentin der Universität der Bundeswehr München

Prof. Dr. Paula-Irene Villa
Lehrstuhl für Soziologie/Gender Studies  an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Begrüßung:
Sigi Hagl
Landesvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN in Bayern

Moderation: Silke Rapp

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Vortrag & Diskussion



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