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01.10.2015

Kopenhagen – ein politischer Reisebericht

 

Wenn eine Stadt den Titel „europäische Umwelthauptstadt“ trägt, dann sagt dies noch nicht automatisch etwas über die Lebensqualität in dieser Stadt aus. Bei Kopenhagen, Titelträgerin im Jahr 2014, ist das anders: Die dänische Hauptstadt bemüht sich seit Jahren konsequent um Umweltschutz und Nachhaltigkeit und kann auf echte Erfolge verweisen.

Peter Gack und Gerd Rudel, die im Juni eine Bildungsreise nach Kopenhagen geleitet hatten, schilderten ihre Eindrücke und stellten einige vorbildhafte Projekte vor.  Im Mittelpunkt standen dabei die Verkehrspolitik (hier vor allem die Radverkehrsförderung), Energie und Klimaschutz sowie Stadtentwicklung.

Die Rahmenbedingungen für die Entwicklungen in Kopenhagen sehen so aus:  Die dänische Hauptstadt hat 580.000 Einwohner/innen, rund eine Million Menschen wohnen in der Region. Es gibt 79.000 Studierende und 350.000 Arbeitsplätze in Kopenhagen, was zu erheblichen Pendler-Aufkommen (170.000 täglich!) führt. Und Kopenhagen ist attraktiv und zieht 1.000 neue Einwohner/innen an - pro Monat wohlgemerkt.

Grüne Welle für die Radler: durch LED im Fahrbahnbelag angezeigt

Was in Kopenhagen sofort auffällt: ALLE fahren Rad: zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter, zu jedem Zweck! Und das nicht, weil die Kopenhagener so umweltbewusst wären, sondern weil sie es als schnell, einfach, billig und bequem empfinden. Die Voraussetzung hierfür ist einfach: es gibt eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur: 

  • breite Radwege, die bequemes Nebeneinanderfahren und Überholen ermöglichen und auch Platz für Lastenräder bieten;
  • Radwege im Grünen abseits der Straßen: schnell, bequem, angenehm;
  • ein umfassendes Radwegenetz mit „Rad-Highways“ für besonders schnelles Vorankommen - auch in die Vororte;
  • Das Radfahren wird so bequem und sicher gemacht wie nur möglich - durch  Extra-Licht an Kreuzungen in der Nacht, „Grüne Welle“ für Räder, Abfalleimer am Rad-Highway, Fahrradbrücken für schnelle Verbindungen zwischen den Stadtteilen.

Vestervolgade: vom Blech befreit

Beeindruckend ist der Umgang mit dem öffentlichen Raum: Die Bereiche, in denen Fußgänger/innen und Radler/innen Priorität eingeräumt wird, haben seit der ersten Einrichtung einer Fußgängerzone im Jahr 1962 deutlich zugenommen. Und zwar nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen. Überall wurden Plätze dem (Auto-) Blech entrissen und in attraktive Plätze umgestaltet, die zum Verweilen, Flanieren oder auch nur zum Schauen einladen.

Hinsichtlich der Verkehrspolitik lässt sich festhalten: Wer den Rad- und Fußverkehr wirklich fördern möchte, muss entsprechende Infrastruktur-Angebote machen. Diese kosten Geld und werden in aller Regel zu Lasten des Autoverkehrs gehen. Ab einer bestimmten Größenordnung braucht der Radverkehr eine separate Infrastruktur. Die Ergebnisse einer solchen Verkehrspolitik, die in Kopenhagen zu besichtigen ist, sind beeindruckend.  Es gibt nur 177 Kfz pro 1000 EW, auf jeden Privat-PKW kommen fünf Räder! Der Weg zum Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Kopenhagen wird zu 45% mit dem Rad, zu 27% mit dem ÖPNV, zu 5% zu Fuß und nur zu 23% mit dem Auto zurückgelegt - und darin sind auch alle Pendler/innen enthalten. Wer in Kopenhagen selbst wohnt, legt diesen Weg sogar zu 63% mit dem Rad zurück. Auf den meist befahrenen Rad-Routen sind pro Tag über 40.000 Radler/innen unterwegs. Die Kopenhagener legen 1,3 Mio. km per Rad PRO TAG zurück.

Sanierter Innenhof in Vesterbro

Das Thema Stadtentwicklung diskutierten Gack und Rudel am Beispiel der Stadtteile Vesterbro, Nørrebro und Ørestad. In Vesterbro  wurde das größte Stadterneuerungsprogramm der dänischen Geschichte umgesetzt, bei dem Staat und Kommune Sanierungskosten (Dach und Fassade) zu 100 % förderten. Mit insgesamt über 500 Mio. Euro und in engem Dialog mit den Bewohner/innen wurde aus dem ehemaligen Glasscherbenviertel ein familienfreundlicher Stadtteil mit einem hohen Anteil von Genossenschaftlseigentum und viel Mitbestimmung. Vorbildlich sanierte Innenhöfe, die Attraktivierung des öffentlichen Raums und die mittlerweile entstandenen Cafés, Bars, Restaurants und Designerläden (v.a. auf dem ehemaligen Schlachthof-Gelände) haben Vesterbro inzwischen zu einem der angesagtesten Kopenhagener Stadtteile werden lassen. Die Kehrseite dieser Entwicklung ist allerdings eine deutliche Gentrifizierung: die ärmsten Bevölkerungsschichten wurden verdrängt, jetzt dominieren  Akademiker und die „kreative Klasse“, es gibt deutlich weniger Arbeitslose und weniger Einwanderer als in anderen Teilen Kopenhagens.

Grüne Oase mitten in der Stadt: Urban Gardening in Nørrebro 

Auch  Nørrebro war einmal ein innenstadtnahes Arbeiterviertel, in dem Sanierungsprojekte der 70er Jahre zu massiven Auseinandersetzungen mit der Wohnbevölkerung führten und letztlich scheiterten. Es gab einen starker Zuzug von Migrant/inn/en  und Probleme mit Drogenhandel und Kriminalität.  Nørrebro ist auch heute immer noch sehr multikulturell, mittlerweile aber auch bei Studierenden und jungen Familien sehr beliebt. Es gibt dort sehr viele, oft ökologisch orientierte Start-ups. Kommunale Projekte wie die Gestaltung des Superkilen-Platzes oder das "urban gardening" fördern den Umbau  des Stadtteils. Einige Straßen wie die Jægersborggade haben es auf diese Weise bereits geschafft, vom Kriminalitätsbrennpunkt zur Touristenattraktion zu avancieren.

Ørestad, Kopenhagens jüngster Stadtteil,  ist eine der Reaktionen auf den starken Bevölkerungszuwachs. Auf einem ehemaligen Militärgelände in verkehrsgünstiger Lage auf der Insel Amager gelegen (Nähe zum Flughafen, zur Øresund-Bahnlinie und –Autobahn), bietet dieser neue Stadtteil im Grünen (am Meer, zwischen Naturschutz-Gelände und landwirtschaftlichen Nutzflächen) große Entwicklungschancen: 20.000 EW, 60.000 Arbeitsplätze, 20.000 Studierende und Schüler/innen soll es hier nach der Fertigstellung geben. Im Gegensatz zu anderen Stadtteilen lag die Quartiersentwicklung und Bautätigkeit dort weitgehend in privater Hand. In den 90er Jahren hatte der in Europa um sich greifende Neoliberalismus mit seinen Privatisierungsstrategien nämlich auch im (ehemaligen) Sozialstaat Dänemark Fuß fassen können. Diese marktorientierte Stadtentwicklung sorgte in Ørestad zwar für etliche architektonische Highlights - doch diese blieben oftmals ohne Bezug zum öffentlich Raum. Ansonsten dominiert eher architektonische Beliebigkeit. Die optimale Kapitalverwertung steht eindeutig im Vordergrund: Die Shopping-Mall „Field‘s“, das größte Einkaufszentrum in Skandinavien, verstößt sogar eigentlich gegen dänisches Recht! Urbanität im öffentlichen Raum dagegen: Fehlanzeige. 

Architektonisch durchaus beeindruckend: 8-Haus in  Ørestad

Aus Sicht der Referenten muss deshalb aus der Entwicklung in Kopenhagen der Schluss gezogen werden, dass Stadtplanung in kommunaler Hand bleiben muss und die Partizipation der Bewohner/innen eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung ist. Kommunale Planung muss den Rahmen für zivilgesellschaftliche und ökonomische Initiativen schaffen. Eine rein marktorientierte Planung nützt jedoch nur der Kapitalverwertung, nicht aber den Menschen.

Große Anstrengungen unternimmt Kopenhagen auch im Bereich des Klimaschutzes. Dies nicht zuletzt im eigenen Interesse, denn Starkregen-Ereignisse führen in einer vom Wasser umgebenen Stadt rasch zu katastrophischen Folgen. So ist der Bau von groß dimensionierten Regenwasserbecken und die Anlage von umfangreichen Retentionsflächen eine echte Selbstschutzmaßnahme. Ergänzt werden diese durch die Maßnahmen zur CO2-Reduktion in allen denkbaren Bereichen: in der Strom- und Wärmeproduktion, bei der Mobilität, in Sachen Energieeffizienz usw. Die Stadtverwaltung geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran:  Alle kommunale Neubauten haben hohe Energiestandards, die städtischen Fahrzeuge sind mit Alternativantrieb ausgerüstet. Der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung  wird halbiert und 60.000 qm Solarfläche sollen auf existierenden kommunalen Gebäuden installiert werden. Besonders vorbildlich ist die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln in den kommunalen Einrichtungen: Bereits 2013 war dies zu 79% der Fall, im Laufe des Jahres 2015 sollen 90% erreicht werden. Dass die ambitionierten Ziele (Klimaneutralität bis zum Jahr 2025!) auch erreicht werden, dazu tragen nach den Eindrücken von Gack und Rudel nicht zuletzt  die motivierten und fachlich gut ausgebildeten Mitarbeiter/innen in der Verwaltung und bei den Stadtwerken bei, die sich mit den Zielen identifizieren.

Alle Fotos: © Gerd Rudel

Viele weiterführende Links und etliche Literaturhinweise sind im Rückblick auf die eigentliche Reise zu finden. Bitte klicken Sie hier!

ReferentInnen

Peter Gack
GRIBS-Geschäftsführer, Stadtrat, Bamberg

Dr. Gerd Rudel
Politologe, Bildungsreferent, Petra-Kelly-Stiftung, Bamberg

Veranstaltungsort
Bamberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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19.06.2015 bis 20.06.2015

Zwei Jahre nach der Flut: ökologische und ökonomische Perspektiven...

Rückblick

Fast exakt zwei Jahre nach der verheerenden Flut im Juni 2013 informierte sich die Petra-Kelly-Stiftung im Rahmen einer kurzen Bildungsreise über die ökologischen und ökonomischen Perspektiven der Passauer Region.

Vom Wasser aus verschaffte sich die die Gruppe auf einer kurzen Schifffahrt auf der „MS Sissi“ einen ersten Überblick über die „Drei-Flüsse-Stadt“. Neben einer wunderbaren Aussicht auf Passau konnte man vom Schiff aus die unterschiedlichen Wassereigenschaften der drei Flüsse Ilz, Donau und Inn sehr gut erkennen.



Vom Schiff aus gut zu erkennen: die wärmere und schlammigere Donau (bereits mit dem schlammigen Ilz-Wasser vermischt) und rechts im Bild das Gebirgswasser des Inn.

In einer etwa 2-stündigen Führung erläutert der Passauer Stadtrat Stephan Bauer (Bündnis 90/ Die Grünen) den Teilnehmenden nicht nur wichtige Sehenswürdigkeiten, sondern auch die von diesen drei Flüssen geprägte besondere Lage seiner Heimatstadt. Die Ausmaße des Hochwassers von 2013 werden eindrucksvoll an den Wasserstandsmarken am alten Rathaus deutlich. Der am 3. Juni gemessene Höchststand lag mit 12,89 Metern nur etwa 30 Zentimeter unter der von 1501. In den umliegenden Gassen und vor allem in der Inn-Stadt ist noch erkennbar, dass im Sommer vor zwei Jahren hier alles unter Wasser stand. Zwar wurden die Stadt und ihre Gebäude großteils schnell  saniert und renoviert. Dennoch gibt es immer noch etliche Häuser, die bis heute nicht fertiggestellt wurden.

 

Laut Bauer war ein großer Teil der ehrenamtlichen Flut-Helfer/innen Studierende aus Passau. Sie wurden mit Hilfe von „social media“ wie Facebook und Twitter und von dem von Stephan Bauer selbst geführten „KaffeeWerk“   koordiniert. Da sein Café noch über Internet und Strom verfügte, entschloss er sich spontan, die Koordinierung und Verpflegung der Helfer/innen zu übernehmen. „Das Verhältnis der ‚Einheimischen‘ und der Studierenden hat sich dadurch“, so Stephan Bauer, „merklich verbessert.“    

Dennoch beschäftigt die Frage nach einem effektiven Hochwasserschutz für kommende Fluten die Stadt bis heute. 

Über die Reaktivierung der ehedem stillgelegten Bahnstrecke von Passau nach Freyung informierte Hermann Schoyerer, Vorstandsmitglied des Fördervereins Ilztalbahn.  Bereits im Jahr 1982 war der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt worden, die seither nur noch für Gütertransporte und von der Bundeswehr genutzt worden war. Der Förderverein hatte es sich dann zur Aufgabe gemacht, die Schieneninfrastruktur zu erhalten und wieder betriebsbereit zu machen. Am 16. Juli 2011 konnte so die Ilztalbahn wieder in Betrieb genommen werden. Seitdem gibt es an den Wochenenden und an Feiertagen von Mai bis Oktober einen regelmäßigen Zugverkehr, der von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen durchgeführt wird. Auch der Güterverkehr wurde inzwischen wieder aufgenommen. Durch die Vernetzung mit regionalen Partnern wie der Tarifgemeinschaft Bayerwald-Ticket, der Tschechischen Bahn CD in Südböhmen und durch Anschluss-Busverkehre im Landkreis Freyung-Grafenau konnte sich – so Schoyerer – die Ilztalbahn allmählich als wichtiger Baustein für den öffentlichen Nahverkehr in der Region und für eine Mobilität ohne Auto etablieren. „Ziel bleibt jedoch die Wiederaufnahme des Regelbetriebs auch wochentags“, betonte Schoyerer. Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Ehrenamtlichen, vom modernen Zugmaterial und von der Pünktlichkeit der Züge.

Am Bahnhof in Fürsteneck stieß der Gebietsbetreuer Ilz, Dipl.-Ing. Stephan Poost zur Gruppe. Neben Informationen zum örtlichen Tier- und Pflanzenbestand ging er auch auf die Naturschutzbestimmungen im Ilz-Raum ein. Hier sieht er deutliche Defizite gegenüber den Maßnahmen der Nachbarländer Österreich und Tschechien. Vor allem das Radverkehrsnetz sei dort besser ausgebaut, ein Befahren der Wege entlang der Ilz ist auf bayerischem Gebiet offiziell verboten.          

Die Geschichte der Ilz und ihre große Bedeutung für die Flößer aus dem Bayerischen Wald, die ihre Baumstämme auf diese Weise in mehreren Wochen andauernden Holztriften nach Passau transportierten, veranschaulichte Poost mit Hilfe von alten Fotografien aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert.

Veranstaltungsort
Passau


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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31.05.2015 bis 05.06.2015

Copenhagenize: Grüne Zukunft, Lebensqualität und urbane Innovation

Bildungsreise nach Kopenhagen

Monica Belling Magnussen, Projektleiterin in der Abteilung Kommunalentwicklung, gab einen ersten Überblick über die Bemühungen Kopenhagens um eine nachhaltige Entwicklung. Kopenhagen als grüne und lebenswerte Stadt ist dabei das Motto. Kopenhagen soll CO2-neutral werden bis 2025, die radfahrfreundlichste Stadt der Welt und eine saubere und gesunde Stadt. Auf dem Weg dorthin hat Kopenhagen gute Voraussetzungen: es ist eine wohlhabende, wirtschaftlich starke Stadt, die einen wichtigen Schwerpunkt in der "grünen" Ökonomie hat. Auf der anderen Seite bringt gerade diese starke Stellung und die daraus resultierende Anziehungskraft der Stadt große Herausforderungen mit sich: Jedes Monat gewinnt Kopenhagen 1000 neue Einwohner/innen, die angemessen untergebracht und mit entsprechenden Infrastruktureinrichtungen versorgt werden müssen.

Der Plan, Kopenhagen bis 2025 CO2-neutral zu machen, ist sehr ambitioniert und erfordert große Bemühungen in vielen Feldern: Mobilität, Energieversorgung, Energieeinsparung – um nur einige zu nennen. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung halten dieses Ziel dennoch für realistisch. Ein – gerade für die deutsche Diskussion – interessantes Detail: Bis 2025 will die Stadt 100 Windturbinen errichten, 20 % davon sollen sich in Bürgerhand befinden. Und: 90% der Kopenhagener/innen stehen diesem Ausbau positiv gegenüber.

Ein Meilenstein auf dem Weg zur „grünen“ und „blauen“ Stadt war die Reinigung des inneren Hafens, in dem man jetzt sogar schwimmen kann – was einen enormen Gewinn für die Lebensqualität bedeutet. Ebenfalls interessant: Die Friedhöfe werden als grüne Oasen genutzt.

Derzeit noch ein großes Problem sind die Abfälle. Mülltrennung und Recycling sind noch völlig unterentwickelt. Bis 2025 soll immerhin eine Wiederverwertungsquote von 45% erreicht werden. Dagegen ist die Versorgung kommunaler Küchen (Kindergärten, Schulen, Altenheime) mit ökologischen Lebensmitteln im Vergleich zu deutschen Städten schon jetzt ganz hervorragend: 2013 lag sie bereits bei 79%, im Verlauf des Jahres 2015 sollen stolze 90% erreicht werden. Auch im Vergabewesen will Kopenhagen Zeichen setzen: Mit rund 1,5 Mrd. Euro Auftragsvolumen pro Jahr weiß sie um ihre Marktmacht und will diese bewusst nutzen, um nachhaltige und sozial verantwortliche Produkte und Produzenten zu unterstützen.

Die Präsentation von Monica Magnussen finden Sie hier als PDF-Datei.

Grüne Mobilität

Das für die Nachhaltigkeitsstrategie Kopenhagens zentrale Schlüsselprojekt "grüne Mobilität" erläuterte Maria Helledi Streuli, langjährige Mitarbeiterin in der Abteilung Mobilität und öffentlicher Raum der Stadtverwaltung. Die Herausforderungen dafür sind aus den Rahmenbedingungen ablesbar: 580.000 EW (plus weitere 1000 im Monat), 79.000 Studierende, 350.000 Arbeitsplätze, 175.000 Pendler/innen. Aber: „nur“ 177 Kfz pro 1000 EW, ein im Vergleich zu deutschen Städten gleicher Größenordnung sehr geringer Prozentsatz, zeigen, dass sich Kopenhagen bereits auf einem sehr erfolgversprechenden Weg befindet. Die Modal-Split-Zahlen verdeutlichen dies anschaulich. Und dass sich Kopenhagen anschickt, weltbeste Stadt für Radverkehr zu werden, hat dazu sehr wesentlich beigetragen. Seit Jahrzehnten arbeitet die Stadt konsequent daran, den öffentlichen Raum zugunsten von Radverkehr und Fußgänger/inne/n umzubauen. In Kopenhagen fährt jedeR Rad, zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. Auf ein Privatauto kommen fünf Fahrräder. Und die Kopenhagener fahren Rad, weil es schnell, einfach und bequem ist (88%) und nicht so sehr wegen ihre besonders großen Umweltbewusstseins (nur 9%). Dies wurde durch entsprechende Infrastruktur-Maßnahmen erreicht: breite, sichere Radwege (auf Kosten der Auto-Fahrspuren), Öffnung der Einbahnstraßen für Radfahrer/innen, Rad-Highways für die Pendler/innen,  grüne Welle für Räder und vieles mehr. Aber auch an die Fußgänger/innen wird gedacht. Das zeigt sich nicht nur an den ausgedehnten Fußgängerbereichen in der Innenstadt und den Stadtteilen, wo öffentliche Räume dem Autoverkehr entrissen und neue, einladende Plätze geschaffen wurden, sondern auch durch attraktive Fußwegnetze.  Ergänzt wird dies durch das System öffentlicher Verkehrsmittel (Busse und Metro) sowie zunehmend auch durch Car-Sharing.

Die Präsentation von Maria Streuli finden Sie hier als PDF-Datei.

Stadtentwicklung: alt und neu


Im Rahmen von drei Führungen durch Kopenhagener Stadtteile konnten wir sehr anschaulich erleben, wie Bürger/innen und Stadtverwaltung sich um eine nachhaltige und gleichzeitig sozialverträgliche Stadtentwicklung bemühen. Vesterbro war einmal eines der „Glasscherben-Viertel“ Kopenhagens, geprägt von Prostitution, Drogen und Kriminalität. Noch 1990 stammten 99 Prozent der Wohnungen im inneren Vesterbro von vor 1919. 70 Prozent hatten kein Bad, 64 Prozent keine Zentralheizung, der Anteil von Arbeitslosen und Sozialklienten unter den Mietern lag weit über dem Kopenhagener Durchschnitt. Diese Situation und der Auszug vieler Betriebe aus dem Schlachthofviertel sorgten für den Beschluss zum Umbau des Viertels, der von Kurt Christensen, von Anfang an als Planer in diesen Umbau involviert, präsentiert wurde. Erstes Mosaiksteinchen dafür war die Errichtung des DGI-Kultur- und Freizeitzentrums unweit des Hauptbahnhofs, bei dem im Rahmen einer umfangreichen Bürgerbeteiligung auch die Bedürfnisse der Anwohner/innen berücksichtigt wurden. Neben dem modernen, auch architektonisch gelungen Neubau gehören auch die Øksnehallen – die aus dem Jahr 1899 stammende historische Viehhalle – als Event-Location zu diesem Komplex. Der gesamte Meatpacking District befindet sich im Wandel: Zwar gibt es vereinzelt noch fleischverarbeitende Betriebe. Daneben dominieren aber mittlerweile kulturelle Einrichtungen (Kunstschule etc.), Cafés und Restaurants, Designer-Büros, Möbelgeschäfte (siehe die Bilder oben - alle Fotos von Gerd Rudel/Petra-Kelly-Stiftung, soweit nicht anders angegeben). Diese bunte Mischung hat das Gelände zu einer äußerst angesagten Gegend gemacht, gerade bei jüngeren Leuten ist das Viertel sehr beliebt. Noch wichtiger für die Entwicklung Vesterbros waren aber die Sanierungsmaßnahmen für die völlig maroden Wohngebäude.  Die Gebäude wurden modernisiert und instandgesetzt, die Innenhöfe der Blöcke entkernt, begrünt und mit Gärten und Gemeinbedarfsanlagen versehen (siehe die Bilder unten). Dazu kamen die für Kopenhagen üblichen verkehrlichen Maßnahmen sowie die Anlage von Kinderspielplätzen und Verbesserungen im öffentlichen Raum. Dass dies mit einer „Gentrifizierung“ des Viertels und einer teilweisen  Verdrängung der ärmeren Wohnbevölkerung verbunden war, lässt sich nicht leugnen, war aber wohl unvermeidbar. Wie gelungen, ja teilweise schon als vorbildlich zu bezeichnen diese Sanierungsmaßnahmen sind, konnten wir in einigen Innenhöfen sehr gut nachvollziehen. Ohne das finanzielle Engagement der Stadt Kopenhagen und des dänischen Staates wären diese modellhaften Umbaumaßnahmen jedoch kaum denkbar gewesen.

Der Stadtteil Nørrebro , durch den uns Line Bram Pedersen und Eva Diekman von GoGreen Copenhagen führten, war schon früher als Vesterbro Gegenstand von umfangreichen Stadterneuerungsprojekten, die in diesem Arbeiterviertel bereits um 1970 begannen. Diese allerdings waren eher ein Negativbeispiel, und so führten drohende Abrisse zu massiven Unruhen. Seit Anfang der 1980er Jahre war Nørrebro für wiederholte Krawalle bekannt, zuletzt 2006/07, als das alternative Jugendzentrum Ungdomshuset abgerissen wurde, und auch als sozialer Brennpunkt, der von zunehmenden Gewaltdelikten und Kriminalität geprägt war.

Die Kriminalität ist nach wie vor nicht völlig verschwunden – aber: das Viertel hat sich durch verschiedene Aktivitäten, die vor allem auf meist ökologisch orientierten Start-ups beruhen, sehr verändert. Von der Öko-Bierbar über Bio-Bäckereien bis zur Bio-Brauerei ist hier alles zu finden. Manche dieser Neugründungen müssen zwar wegen ökonomischer oder betrieblicher Probleme wieder dicht machen, werden aber schnell von anderen ersetzt.

Ganze Straßen, die noch vor wenigen Jahren durch Bandenkriege geprägt wurden (wie die Jægersborggade),  sind mittlerweile komplett verwandelt. Dort finden sich nicht nur ein Sterne-Restaurant, eine Öko-Bäckerei, Designer-Shops, Bars oder Cafés, sondern auch ein Swap-Shop, in dem man Kleidung tauschen kann (Resecond).

Bemerkenswert ist auch der große Gemeinschaftsgarten im Nørrebro-Park, der von vielen Freiwilligen aus der Gegend bewirtschaftet wird und gleichzeitig ein beliebter Treffpunkt ist. Auch der Assistens-Friedhof bietet mit seiner weitläufigen Anlage nicht nur (z.T. berühmten) Toten Ruhe, sondern dient auch den Lebenden als Erholungsort (Bild unten links).

Nørrebro  ist nach wie vor ein Mulitkulti-Stadtteil: Menschen aus aller Welt leben hier. Die Superkilen-Platzanlage symbolisiert dies in vielfältiger Weise. Der Park beheimatet kulturell prägnante Stadtelemente aus über 60 Ländern. Stadtmobiliar, Spielgeräte (z.B. eine überdachte Skater-Anlage), Skulpturen und Beleuchtung bieten Raum für Passanten, Radfahrer, Skater und spielende Kinder. Am „Red Square“, wo unsere Führung endete, bietet zudem die Nørrebro-Halle (eine umgebaute ehemalige Bahnhofshalle) Platz für kulturelle und sportliche Aktivitäten.  Am Tag unserer Führung gab es für die ansässigen Familien ein super-preiswertes Essen – dänische Sozialpolitik live sozusagen (Bild oben rechts).

Ein krasser Gegensatz zu den Altbau-Vierteln in Innenstadtnähe sind die in den vergangenen Jahren entstandenen Neubauquartiere, angesichts des anhaltenden Bevölkerungszustroms aber unabdingbar. Ørestad auf der Insel Amager ist der jüngste Stadtteil der dänischen Hauptstadt und entsteht seit 1992 im Südosten der Stadt auf einem einstigen militärischen Übungsgelände. Geführt von der Architektin Michaela Wahlmüller, besichtigten wir vor allem die architektonischen Highlights dieses Viertels. Bis zur kompletten Fertigstellung von Ørestad werden noch einige Jahre vergehen, geplant sind Wohnungen für 20.000 Einwohner/innen. Dieselbe Anzahl Menschen wird Ørestad zum Studium oder zur Ausbildung aufsuchen. Insgesamt soll der Stadtteil 60.000 Arbeitsplätze bieten.

Der Anspruch ist hoch: Der neue Stadtteil soll eine Infrastruktur auf Weltklasseniveau mit einem funktionstüchtigen, öffentlichen Verkehrssystem, einer durchdachten Parkplatzpolitik, direkter Anbindung an die wichtigsten Naherholungsgebiete und eine zusammenhängende Stadt-, Raum- und Landschaftsplanung aufweisen sowie hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit erfüllen. Wichtig für die Entwicklung von Ørestad war die Tatsache, dass die Verkehrsinfrastruktur vor dem Gebäude-Bau entstand: der Bau der Metro führte zu einer Bodenwertsteigerung, mit deren Hilfe die Infrastrukturmaßnahmen refinanziert werden konnten. Grundlage für die Bebauung ist der Masterplan des finnischen ARKKI-Teams, das 1995 einen vorhergegangenen städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hatte. 

Im Norden des neuen Stadtteils befinden sich das Konzerthaus und die Universität sowie Studierenden-Heime. In Ørestad-City gibt es neben etlichen Wohnblocks Hotels, Bürogebäude, Schule, Bibliothek, ein riesiges Einkaufszentrum sowie eine in Bau befindliche Multifunktionsarena für Sport- und Kulturveranstaltungen. 

Das 8-Haus der Bjarke Ingels Group (BIG) ist ein architektonischer Höhepunkt (Bilder oben und unten). Es beherbergt ein elfgeschossiges Gebäude für 475 Wohnungen, gewerbliche Betriebe, Café und Gemeinschaftsräume, das im Grundriss eine Acht nachzeichnet. Attraktionen des "8 House" sind die begrünten Dächer, die waghalsigen Treppen an der äußeren Fassade und die breiten Rampen, die als öffentlicher Parcours die einzelnen Wohnbereiche erschließen und die Gebäudehälften am Knotenpunkt durchschneiden. Hinzu kommen unterschiedlich gestaltete Innenhöfe, die im Süden mit grünen Terrassen und im Norden mit gerundeten Grashügeln gestaltet sind. Dazu passend durchzieht zusätzlich ein Fußweg den Riesenkomplex und vereinfacht den Zugang zu den Wohnungen. Die Architekten schufen 125 verschiedene Wohnungstypen, wahlweise mit Maisonette, Vorgarten oder Dachterrasse. Als reizvoller Endpunkt fungiert an der südlichen Gebäudespitze ein Café mit Ausblicken über den See und das grüne Amager. (Video: https://vimeo.com/3499612)

Die VM Häuser (VM Husene) wurden ebenfalls von den Architektenfirmen Bjarke Ingels Group (BIG), Julian de Smedt (JDS Architects) und Plot entworfen. Der Bau wurde 2005 fertiggestellt und war einer der ersten Wohnbauten in Ørestad City. Die VM Häuser (Bild unten links) verdanken ihren Namen ihrer Form, die aus der Luftperspektive aussieht wie die Buchstaben V und M. Das V-Gebäude sticht heraus durch seine charakteristischen, dreieckigen nach Süden gerichteten Balkons und einer Glasfassade, die einen Eindruck von Offenheit vermittelt. Der VM Berg (VM Bjerget - Bild unten rechts) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der VM Häuser und wurde ebenfalls von BIG und Plot entworfen. Die Fenster in den Wohnungen reichen vom Boden bis zur Decke. Dem Stile anderer Gebäude folgend, ist die zur Metro gewandte Seite hoch, während es nach Osten abfällt und somit einen sanften Übergang zwischen der alten Architektur im östlichen Amager und der neuen Architektur in Ørestad. Das integrierte Parkhaus hat als besondere Sehenswürdigkeit einen schrägen Aufzug für die Bewohner/innen. Die Dachgärten verfügen über immergrüne Bepflanzung und ein kompliziertes Bewässerungssystem.

Die architektonischen Highlights bleiben aber meist ohne Bezug zum öffentlichen Raum. Und ansonsten dominiert  architektonische Beliebigkeit. Die optimale Kapitalverwertung steht im Vordergrund, Urbanität im öffentlichen Raum: Fehlanzeige. Überhaupt: Das „menschliche Maß“, das der Kopenhagener Architektur- und Planungs-Mastermind Jan Gehl anmahnt, wird in Ørestad oft genug deutlich überschritten. Hier rächt sich ganz offensichtlich, dass die Umsetzung der Planung allein den Marktkräften überlassen wurde

Kopenhagen per Rad: ein Erlebnis

Dass Kopenhagen einer der weltbesten Fahrradstädte ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Viele Errungenschaften waren uns bei unseren Besuchen in der Stadtverwaltung bereits nahegebracht worden. Diesen Radverkehr „live“ zu erleben, ist dagegen in vieler Hinsicht atemberaubend: allein die schiere Masse von Radfahrer/inne/n jeden Alters, die Wind und Wetter trotzen. Und auch die Art und Weise, wie manche mit irrwitzigen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Aber natürlich auch die Annehmlichkeiten, die der Alltagsradler in Deutschland allzu oft vermissen muss: breiteste Radwege, die auch Lastenräder (in Kopenhagen oft auch als Transportmittel für kleinere Kinder benutzt) bequem Platz bieten, und Überholvorgänge problemlos gestatten; selbstverständlich gegen die Einbahnrichtung befahrbare Straßen, was gerade in den engen Altstadtstraßen sehr wichtig ist, um Umwege zu vermeiden; „grüne Welle“ für Räder an den wichtigsten Radstrecken; Radschnellverbindungen im Grünen abseits der Straßen. Dies alles auf der vor Lars Testmann und drei Kolleg/inn/en der Rambøll-Beratungsgesellschaft begleiteten Radtour durch Kopenhagen zu sehen und zu erleben, war schlicht großartig. Von der auch architektonisch beeindruckenden Fahrradbrücke ("cykelslangen"), die die beiden Stadtteile Vesterbro und Islands Brygge verbindet, ganz zu schweigen. (Video: https://youtu.be/c2XFh1K2uBU)

Hingewiesen wurde dabei auch immer wieder auf Verbesserungen im öffentlichen Raum, die nicht nur den Radler/inne/n zugute kommen, sondern auch und vor allem den Fußgänger/inne/n: so zum Beispiel die von den Blechlawinen befreiten Plätze Israelplads (unten links) und der Raum rund um die Nørreport-Station oder die innerstädtische Vestervolgade (unten rechts). 

Aber auch im Fahrrad-Paradies Kopenhagen gibt noch Problemstellen, vor allem „missing links“ in den Radverkehrsnetzen: wenn für eine wichtige Radwegverbindung, die über zwei ineinander mündende mehrspurige Straßen führt, noch keine befriedigende Lösung gefunden worden ist. Oder wenn eine Radwegführung plötzlich in Konflikt mit kreuzenden Fußgängern gerät. Und in Sachen Fahrradabstellplätze (Bild unten links: an der Nørreport-Station) sind die Holländer sicher weiter als die Dänen. In Nørrebro oder am Hauptbahnhof und in der Innenstadt ist das Fahrradparken mittlerweile ein echtes Problem. Aber solche Klagen bewegen sich natürlich – verglichen mit den Verhältnissen in Deutschland – auf sehr hohem Niveau.

Ebenfalls mit etlichen Problemen belastet war die Einführung eines neuen Leihfahrradsystems (Bild unten rechts). Statt der alten, sehr einfach zu mietenden und kostenfreien Räder gibt es jetzt E-Bikes mit Tablet und GPS. Das passt zum modernen Image. Aber es erwies sich als zu kompliziert und hatte bei weitem nicht den erhofften Erfolg. Wohl eher aus Prestige-Gründen soll es dennoch zumindest vorerst weitergeführt werden.

Essen gegen die Wegwerfgesellschaft

Rub & Stub im „Huset“, dem wohl ältesten Alternativzentrum Europas, ist das erste Restaurant in Kopenhagen, das sich gegen die Nahrungsmittelverschwendung wendet. Es verarbeitet Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen würden. Es handelt sich aber natürlich nicht um Abfall-Produkte, sondern um überschüssige Waren, die von den Supermärkten aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) verkauft werden können. Krumme Gurken oder zu dünner Lauch, zum Beispiel, oder andere Waren, die von Standardformen abweichen, sowie überschüssige Saisonwaren (klassische Weihnachtsprodukte etwa, die nach Silvester aus dem Sortiment genommen werden). Es handelt sich also um vollkommen frische und essbare Lebensmittel. Dennoch ist es für die Küche eine Herausforderung, aus den plötzlich überschüssigen Waren leckere Gerichte zuzubereiten. Unser Urteil: die Küche hat diese Herausforderung bestens bestanden. Sehr lecker und zudem sehr preiswert!

HOFOR: Stadtwerke für eine nachhaltige Energieversorgung

HOFOR – so der Name der Kopenhagener Stadtwerke – ist der größte Versorgungsbetrieb Dänemarks. Das Geschäftsfeld der zu 100 Prozent in kommunaler Hand befindlichen Aktiengesellschaft wurde uns vom Vizepräsidenten der Gesellschaft, Morten Stobbe, vorgestellt und umfasst die Energie-, Gas- und Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung sowie Nahwärme- und –kälteversorgung. Die Gesellschaft, die in einem modernen Neubau im Stadtteil Ørestad residiert, hat rund 1.000 Mitarbeiter/innen und ca. eine Million Kund/inn/en in der Region Kopenhagen. Der Jahresumsatz beträgt 5,3 Milliarden DKK, die jährliche Investitionssumme 1,5 Mrd. DKK. Die AG ist nicht gewinnorientiert, sondern soll kostendeckend arbeiten. Ihre Geschäftspolitik ist an nachhaltiger Versorgung, erneuerbaren Energien und der Unterstützung der kommunalen Entwicklung orientiert. Dementsprechend spielt HOFOR eine wesentliche Rolle bei der Erreichung des Ziels, Kopenhagen bis zum Jahr 2025 CO2-neutral zu machen. Sie kann sich aber dabei in schwierigen Situationen auf die – auch finanzielle – Rückendeckung der Kommune verlassen.

So hat HOFOR die Reinigung des Hafenbeckens übernommen und dort für Badewasserqualität gesorgt. Die Gesellschaft kümmert sich auch um Lösungen für die wegen des Klimawandels immer öfter auftretenden Starkregen-Ereignisse, die für eine Hafenstadt wie Kopenhagen besonders bedrohlich sind. Auch Wassersparen und Energiesparen stehen auf ihrer Agenda.

Die größte Herausforderung liegt aber sicher im Ziel der CO2-Neutralität bis 2025. Bei der Wärmeversorgung soll dies durch eine Kombination von großen Wärmepumpen, Solarwärme, Wärme aus Biomasse, Biogas sowie Müllverbrennung gelingen. Bei der Stromversorgung steht der Ausbau der Windenergie im Vordergrund. Da dies auf dem Stadtgebiet von Kopenhagen nur in eingeschränktem Maße möglich ist, müssen dafür Windparks in anderen Teilen Dänemarks gebaut werden. Der Einsatz von Kohle (im erst kürzlich erworbenen Amager-Kraftwerk) soll so schnell wie möglich eingestellt und durch Biomasse (= Holzhackschnitzel)-Verfeuerung ersetzt werden. Da diese Biomasse großteils importiert werden muss (aus den skandinavischen Staaten und dem Baltikum, aber auch aus Spanien und Portugal), ist dies nicht unproblematisch: der Transport ist negativ für die CO2-Bilanz. Und es muss darauf geachtet werden, dass wirklich ausschließlich Holzreste aus nachhaltiger Forstwirtschaft zum Einsatz kommen.

Interessant auch: Neben der Nahwärmeversorgung im Distrikt hat HOFOR auch das Thema Kälte (für Klimaanlagen) entdeckt. Wesentlich effizienter und ökologischer als das konventionelle Betreiben von klassischen Klimaanlagen mit Strom, wird gerade ein System der Nahkälteversorgung (district-cooling) aufgebaut, bei dem hauptsächlich auf das ohnehin relativ kalte Meerwasser als Kältemittel zurückgegriffen wird.

Gewissermaßen "nebenbei" konnten wir bei unserem Besuch im HOFOR-Hauptquartier auch einen Einblick bekommen in die dänische Arbeitswelt: Wir wurden zum Lunch-Buffet eingeladen, das den Angestellten dort für einen äußerst geringen Obolus (umgerechnet rund 45 Euro pro Monat) werktäglich zur Verfügung steht: von Sushi über Roastbeef mit Spargel bis hin zu Thai-Kost und traditionellen dänischen Speisen: alles sehr frisch zubereitet und super lecker. Und an einem Obst-Wagen (Bild links) kann man sich tagsüber kostenlos bedienen. Vorbildlich!

Die umfangreiche Präsentation von Morten Stobbe finden Sie hier als PDF-Datei.

Ergänzend dazu eine Präsentation zum Thema Windenergie von Simon Riis-Sørensen.

Moderne Kunst am Meer

Rund 35 Kilometer nördlich von Kopenhagen, am Rande von Humlebæk, liegt eines der unbestritten schönsten Kunstmuseen der Welt: das "Louisiana Museum of Modern Art". Dieses Museum ist – wie wir auf unserer Führung erfahren konnten – das Werk von Knud Jensen, der Ende der 50er Jahre das schon arg ramponierte ehemalige Herrenhaus eines dänischen Offiziers erworben hatte und nach und nach zu heutiger Pracht umbaute und erweiterte. "Louisiana" heißt das Museum, weil dieser letzte Besitzer mit drei Damen namens Louise verheiratet war. Im Laufe der Jahre wurde das Museum immer wieder erweitert. Der erste Flügel (von den dänischen Architekten Bö und Wohlert entworfen) wurde an das alte Haus gefügt und über die Wiese und durch den Park gezogen. Es folgten: ein Ausstellungsraum, ein Konzertsaal, ein weiterer großer Ausstellungsraum, 1982 dann ein ganz neuer Flügel für die Sammlung und 1991 ein unterirdischer Trakt für die graphische Sammlung und Zeichnungsausstellungen sowie in den Jahren 1994-1998 ein Kinderhaus, das – wie wir sehen konnten – rege für museumspädagogische Aktivitäten genutzt wird. So wurde der Nord- mit dem Südflügel verbunden, und heute kann man  den Rundgang  durch das Museum trockenen Fußes (angesichts des Wetters für uns nicht ganz unwichtig!) erledigen. Das Wechselspiel zwischen Kunst, Natur und Architektur, den Blick aufs offene Meer oder den Teich, auf die in die Natur eingepassten Skulpturen im Garten (siehe Bild unten links), die einen wesentlichen Reiz dieses Museums ausmachen, sind so auch von innen zu genießen. Den Rundgang durch den Skulpturenpark sollte man aber auch bei Regenwetter nicht auslassen, erst hier erschließt sich der Reiz des Geländes wirklich.

Das Museum, das ursprünglich der modernen Kunst Dänemarks gewidmet sein sollte, präsentiert mittlerweile – nicht zuletzt durch einen Besuch Jensens auf der documenta in Kassel im Jahr 1959 angeregt – Werke vieler international renommierter Künstler/innen. Dazu zählen: Yves Klein, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz, Max Ernst, Joan Miró, Henry Moore, Alberto Giacometti und natürlich der wichtigste dänische Modernist Asger Jorn (im Bild oben rechts eine Gemälde von ihm, daneben unsere Führerin).

Kommunalpolitik in Kopenhagen

Am Schluss unserer Reise stand ein Besuch im Kopenhagener Rathaus – das sich uns wegen des dänischen Nationalfeiertags  ausnahmsweise komplett menschenleer (Bild unten links) zur Besichtigung präsentierte. In diesem monumentalen „Prachtbau“, der 1905 eröffnet wurde, erwartete uns im Sitzungssaal (Bild unten rechts) des Stadtrats Peter Thiele, umweltpolitischer Sprecher der SF-Fraktion. Die "Socialistisk Folkeparti" (SF) ist seit 2014 Mitglied der europäischen Grünen, ihre Mitglieder im EU-Parlament waren schon seit jeher Teil der grünen-alternativen Fraktion in Brüssel. Thiele erläuterte Zusammensetzung und Funktionsweise des Stadtparlaments und gab uns Einblicke in die Arbeitsweise. Der Kopenhagener Stadtrat hat 55 Mitglieder, die SF-Fraktion umfasst sechs Personen. Es gibt im Stadtrat seit Jahrzehnten eine linksorientierte Mehrheit. Derzeit wird sie von Sozialdemokraten, der linken "Einheitsliste" und der grünen SF gebildet. Seit 2010 ist der Sozialdemokrat Frank Jensen Oberbürgermeister.

Aus den Reihen des Stadtrats werden für bestimmte Zuständigkeitsgebiete sechs weitere Bürgermeister gewählt, die aber ihr Mandat als Stadtratsmitglieder behalten. So ist Ninna Thomsen von der SF-Fraktion Bürgermeisterin für Gesundheit und Pflege. Die Stadtratsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und gehen weiterhin ihren Berufen nach. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung von ca. 2.000 Euro monatlich. Die Stadtratssitzungen finden in der Regel einmal im Monat am späten Nachmittag (Beginn zumeist um 17:30 Uhr) statt und sind öffentlich. Sie werden auch per Live-Stream übertragen. Die Fachausschüsse, in denen die eigentliche Sacharbeit geleistet wird, tagen dagegen in nicht-öffentlicher Sitzung.

Ein kurzes Fazit: Kopenhagen ist in vielerlei Hinsicht ein gutes Beispiel für eine konsequent an Nachhaltigkeit ausgerichtete Stadtpolitik. Dazu trägt nicht nur eine über Jahrzehnte stabile Mehrheit im Stadtrat bei, die diesen Weg verfolgt, sondern auch eine kompetente Stadtverwaltung und kommunale Gesellschaften wie die Stadtwerke arbeiten hier mit viel Energie und Kompetenz mit, um Kopenhagen zu einer grünen, lebenswerten Stadt zu machen. 

 

Unsere Gruppe: am Mittwoch vor der Rad-Tour (Bild: Teresa Inclan)

 

Weiterführende Links und Hinweise:

City of Copenhagen: Copenhagen - Carbon Neutral by 2025, Kopenhagen 2012

dies.: Copenhagen - City of Cyclists. The Bicycle Account 2014, Kopenhagen 2015

dies.: Action Plan for Green Mobility. Short Version. Kopenhagen o.J.

dies.: Good, Better, Best. The City of Copenhagen's Bicycle Srategy 2011-2015. Kopenhagen2011

HOFOR: District heating in Copenhagen: Energy-Efficient, Low-Carbpn, and Cost-Effective. Kopenhagen o.J.

European Commission: Copenhagen - European Green Capital 2014. Luxembourg 2013

Informationen zur Kommunalpolitik in Dänemark (engl.) - PDF-Datei

Übersicht: COPENHAGEN CITY GOVERNMENT 2014-2017 (engl.) - PDF-Datei

Urban Gardening in Nörrebro

Klaus Bondam: The Greatest Invention. In: The Indedendent 04.06.2015

Cycling Embassy Of Denmark

Martin Randelhoff: Kopenhagen: ein Paradies für Radfahrer

Copenhagen Growing. The Story of Ørestad. CPH City & Port, Kopenhagen 2011 (PDF-Datei)

Thomas Franke/Wolf-Christian Strauss: Management gebietsbezogener integrativer Stadtteilentwicklung. Ansätze in Kopenhagen und Wien im Vergleich zur Programmumsetzung „Soziale Stadt“ in deutschen Städten. Berlin 2005  (PDF-Datei)

Britta Tornow: Wohnungsgenossenschaften in Dänemark - Akteure in der sozialen Quartiersentwicklung. Informationen zur Raumentwicklung. Heft 4/2007, S. 263-274 (PDF-Datei)

Lea Olsson/Jan Loerakker: The Story Behind Failure: Copenhagen’s Business District Ørestad 

Wer sich für die "Planungsphilosophie" interessiert, die hinter vielen Veränderungen in der Stadtplanung und Verkehrspolitik der Stadt Kopenhagen steht (vielleicht mit Ausnahme der Entwicklung in  Ørestad), dem sei die Lektüre dieses Buchs empfohlen:

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin, jovis Verlag 2015  

Für eine etwas kürzere Information empfehlenswert:

Jan Gehl im Interview: "Die Menschen in Bewegung setzen". In: brand eins, Nr. 12/2014


ReferentInnen

Monica Belling Magnussen
Project Manager - International Visitor Coordinator Municipal Development
CITY OF COPENHAGEN
Technical and Environmental Administration
Citywide Strategies Department
Njalsgade 13
Postboks 259
DK-2300 Copenhagen
Mobil: +45 23706519
Mail: cw06@tmf.kk.dk

Maria Helledi Streuli
Mobility & Urban Spaces City of Copenhagen
The Technical & Environmental Administration City Development
Njalsgade 13
2300 Copenhagen S
Mobil: +45 4019 7822
Email: zl9x@tmf.kk.dk

Kurt K. Christensen
Chefkonsulent, arkitekt maa
Kigkurren 8 M, 3. sal
2300 København S
www.sbsby.dk
Mail: kkc@sbsby.dk
Tlf. 8232 2500 / Direkte 8232 2540
Handy: 0045 24225350

Line Maria Bram
GoGreen Copenhagen
Tel.: +45 30 34 20 96
Mail: info@gogreencopenhagen.dk

Lars Testman
Tel.: 0045 51 61 36 07
Mail: LRT@ramboll.dk

Michaela Wahlmüller
Mail: w.michaela@gmail.com

Morten Stobbe
Forsyningschef Fjernvarme
Bygas og Kraftvarme Direkte
tlf: 2795 4696
E-mail: msto@hofor.dk

Peter Thiele
Mail: Peter_Thiele@br.kk.dk


Veranstaltungsort
Kopenhagen


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung NRW


Art der Veranstaltung
Bildungsreise



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24.04.2015

Unser Wasser: Lebensgrundlage in Gefahr!?

Problemfelder und kommunale Handlungsansätze

Wasser ist Leben und Wasser ist Lebensmittel. In den Städten und Gemeinden sind wir hautnah mit dem Thema konfrontiert, sei es bei der Trinkwasserversorgung, bei der Abwasserentsorgung oder  beim Unterhalt der Gewässer Dritter Ordnung.

Mit der Wasserrahmenrichtlinie der EU gibt es seit etlichen Jahren einheitlich geltende Umweltziele für den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer. Doch der Vollzug dieser Richtlinie hinkt hinter dem Zeitplan weit hinterher: Nach 2015 sollten eigentlich nur noch "Sonderfälle" umgesetzt werden. Bei gegenwärtigen Stand der Umsetzung heißt das aber: Mittlerweile sind 60% der Gewässer Sonderfälle - denn dort ist die Rahmenrichtlinie noch nicht umgesetzt. Rund die Hälfte der Gewässer sind von einem "guten Zustand" noch weit entfernt. Dass und wie sich etwas daran ändern lässt, zeigen verschiedene gute Beispiele, die vor allem von den Landschaftspflegeverbänden umgesetzt wurden. 

Gefahren für das Grund- und Trinkwasser gibt es in vielen Regionen durch die intensive Landwirtschaft und durch Großmastbetriebe in der Tierhaltung, die für viel zu hohe Nitratbelastungen des Grundwassers sorgen. Da in Bayern 48% der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt werden, sind punktuelle Lösungen nicht ausreichend. Was notwendig ist, ist eine Gesamtlösung: umweltverträgliche Landwirtschaft überall! Die eigentlich vorgeschriebene "gute fachliche Praxis" böte eine ausreichende Grundlage dafür. Ihre Einhaltung müsste aber kontrolliert, ihre Nicht-Einhaltung sanktioniert werden. Auf eine Freiwilligkeit bei der Einhaltung dieser Regeln zu hoffen, ist jedenfalls nicht ausreichend. Darauf wies Gisela Sengl, MdL, ausdrücklich hin.

Neuerdings kommt mit dem Fracking eine bisher unbekannte Gefahr auf das Grundwasser zu, das in Bayern sogar die Bierbrauer um die Grundlage ihres Produkts fürchten lässt. Gerade die Erfahrungen, die mit dem Fracking bereits anderswo gemacht worden sind, machen die Notwendigkeit deutlich, dass sich die Kommunen sehr nachdrücklich gegen diese Fördermethode für Schiefergas zur Wehr setzen.

Unser Seminar befasste sich mit diesen Problemfeldern und versuchte, kommunale Handlungsansätze aufzuzeigen. Wir dokumentieren die Beiträge unserer Referenten und Referentinnen hier als PDF-Dateien zum unentgeltlichen Herunterladen.

Dr. Thomas Henschel: Der "gute Zustand" gemäß  Wasserrahmenrichtlinie  (WRRL) bei den kleinen Gewässern: Anforderungen, Mittel und Wege 

Beate Krettinger: Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie: gute Praxisbeispiele und Förderprogramme

Gisela Sengl: Grundwasserbelastung durch die Landwirtschaft

Franziska Buch: Fracking - neue Gefahren für das Grundwasser?


Weitere Links und Materialien:

Bayerisches Landesamt für Umweltschutz: Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Bayern

Gewässer-Nachbarschaften Bayern

Landschaftspflegeverbände in Bayern

Umsetzung der WRRL durch Landschaftspflegeverbände

Homepage von Gisela Sengl: Thema Wasser

Umweltinstitut München: Themenseite "Fracking"

Umweltbundesamt: Landwirtschaft verursacht gravierende Umweltprobleme

Broschüre "Umweltbelastende Schadstoffeinträge der Landwirtschaft"

Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft: Stellungnahme zum Fracking

Kommunaler Widerstand gegen Fracking

Übersicht: "Frackingfreie Gemeinden"

ReferentInnen

Dr. Thomas Henschel
Bayerisches Landesamt für Umwelt, Leitender Regierungsdirektor, Referatsleiter 64: "Gewässerentwicklung und Auen"  

Beate Krettinger
Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V., Koordinierungsstelle Bayern

Gisela Sengl
Bio-Bäuerin, MdL, agrarpolitische Sprecherin von Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag

Franziska Buch
Referentin für Energie & Klima, Umweltinstitut München

Veranstaltungsort
München


Partner

 

 


Art der Veranstaltung
Tagesseminar



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18.04.2015 - 10:00 bis 17:30

Gemeinsame Sache machen: im Team

Team-Training für politisch Engagierte

Wer politische Ziele erreichen will, tut dies in der Regel gemeinsam mit anderen, mit Gleichgesinnten (in einer Partei, einer Fraktion, einer Bürgerinitiative oder einem Interessenverband): in einem Team.  Dabei kommen Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsstilen und Erfahrungen zusammen. Was schon mal zu Meinungsverschiedenheiten und Konflikten führen kann.

Um die gemeinsame Sache voranzubringen, ist es von entscheidender Bedeutung, einerseits als Team zu arbeiten und andererseits nach außen hin geschlossen als Team zu wirken. Ein solches Team entstehen zu lassen, ist nicht zuletzt (auch) eine "Führungsaufgabe": Fraktionsvorsitzende, Vorstandsmitglieder, BI-Sprecher/innen können viel dazu betragen – auch und gerade in neu gebildeten oder stark veränderten Teams!

Unser Tagesseminar wendet sich deshalb an alle, die ihre Organisation in Sachen Teamarbeit weiterbringen wollen, auch und vor allem aber an Vorstandsmitglieder (in Vereinen, Verbänden, Fraktionen, NGOs, Parteigliederungen). Die Teilnehmenden erhalten einen „Baukasten“, mit dessen Hilfe sie ihr Team auf- und umbauen, die Reibungsverluste im politischen Alltagsgeschäft verringern und die Team-Effektivität erhöhen können.

Veranstaltungsnummer: 3-15-05

Dieses Seminar kann für das Politikmanagement-Zertifikat von GreenCampus angerechnet werden.

ReferentInnen


Birgit Raab

Diplomagraringenieurin (FH), ganzheitlich systemische Beraterin, zertifiziert als systemischer Coach und Organisationsaufstellerin, langjährige Erfahrung als Bezirksrätin, Schwabach


Uwe Peters

Diplom-Politologe und Erwachsenenbildner, langjährige Erfahrung als Kreisrat und als Kreis- und Ortsvorstandsmitglied, Grafing 

Veranstaltungsort
München, Kolping-Haus, Adolf-Kolping-Str. 1


Kosten
60,- / erm. 40,- Euro (inkl. Tagungsverpflegung)


Art der Veranstaltung
Tagesseminar



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28.02.2015

Planen und Bauen in der Kommune

Kommunalpolitisches Grundlagenseminar

Planen und Bauen - das ist das tägliche Brot der Kommunalpolitik. Denn die Planungshoheit ist ein wesentliches Element der kommunalen Selbstverwaltung.

Unser kommunalpolitisches Grundlagenseminar gab eine Einführung in die wichtigsten Regelungen des Bau- und Planungsrechtes. Außerdem vermittelte es wichtige Basisinformationen für eine Bauleitplanung, die sich dem Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung verpflichtet fühlt. 

Die wesentlichen Inhalte des Seminars sind den beiden Präsentationen zu entnehmen, die wir hier PDF-Dateien zum Herunterladen zur Verfügung stellen:

ReferentInnen

Frank Sommer
Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Öffentliches Recht und Baurecht, langjähriger Kreis- und Gemeinderat, Gräfelfing

Leonhard Valier
Dipl.-Ing. Stadt- und Regionalplanung (Raumplanung), Aufbaustudium Denkmalpflege, langjährige Vorrstandstätigkeit im Planerverband SRL (Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung)

Veranstaltungsort
München


Art der Veranstaltung
Tagesseminar



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07.02.2015

Kommunale Finanzen und doppische Haushaltsführung

Eine Einführung in das neue kommunale Rechnungswesen

In Bayern gibt es gegenwärtig noch die Wahlmöglichkeit zwischen dem "traditionellen" kameralistischen Haushaltsführung und der Doppik. Rund 60 Kommunen haben sich inzwischen für das doppische Rechnungswesen entschieden. Darunter sind immerhin 14 Landkreise und sechs kreisfreie Städte. Es ist abzusehen, dass nach und nach immer mehr Kommunen auf die Doppik umstellen werden.

Unser Seminar stellte die Grundlagen und Rahmenbedingungen der Kommunalfinanzen dar und erläuterte, wie eine nachhaltige Finanzpolitik in den Kommunen gestaltet werden kann.

Da die Einführung der Doppik mit dem Ziel verbunden sein sollte, mehr Transparenz im kommunalen Haushalt schaffen und gleichzeitig die Steuerungsmöglichkeiten des Rates zu erhöhen, wurde vor allem auch erörtert, wie der Rat mit Hilfe eines doppischen Haushalts und den damit verbundenen Instrumentarien politisch steuern kann.

Wir stellen die beiden Präsentationen, in denen die wesentlichen Inhalte des Seminars zusammengefasst sind, hier als PDF-Dateiein zum Herunterladen zur Verfügung:

ReferentInnen

Peter Gack
Dipl.-Betriebswirt (FH), Geschäftsführer GRIBS-Kommunalbüro, Stadtrat, Bamberg

Ulrich Lindner M.A.
Magister Artium Germanistik und Betriebswirtschaft, Projektleiter "Strategische Verwaltungssteuerung" bei der Stadt Schwabach,  Co-Sprecher des Landesarbeitskreises Wirtschaft & Finanzen der bayerischen Grünen  

Veranstaltungsort
Nürnberg


Art der Veranstaltung
Tagesseminar



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28.11.2014 - 15:15 bis 29.11.2014 - 17:15

Wachsam und abwehrbereit!

Wie Kommunen kreativ der rechtsextremistischen Gefahr begegnen

Die Erkenntnis ist nicht neu und bestätigt sich immer wieder: Seit Jahren versuchen Rechtsextremisten dort Fuß zu fassen, wo sie unmittelbar auf die Bürgerinnen und Bürger treffen – in den Kommunen, in der Politik vor Ort. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung mit dieser Ideologie und Politik auf dieser Ebene, auf der die Konfrontation direkt und unmittelbar stattfindet. In Zusammenarbeit mit der Akademie für Politische Bildung veranstalteten wir eine Tagung, bei der kommunale Entscheidungsträger und engagierte Bürger mit Wissenschaftlern und Verantwortlichen von Gegeninitiativen Entwicklungstendenzen und Gegenstrategien diskutierten.

Mehr als zwei rechtsextreme Gewalttaten in Bayern am Tag, 33 Prozent ausländerfeindliches Potenzial in Bayern und bundesweit 184 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 – das sind erschreckende Zahlen, die Birgit Mair (im Bild in der Mitte zwischen den Tagungsleitern Dr. Manfred Schwarzmeier, links, von der Akadmie für Politische Bildung und Dr. Gerd Rudel) vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung in Nürnberg in ihrem Überblick erläuterte. Untersuchungen zu den rassistischen Einstellungen der Bevölkerung belegen zudem ein nicht zu unterschätzendes Potential an stillen Befürwortern. Wobei interessant sei, dass jüngere Menschen für Rassismus weniger anfällig sind als die Generation der über 60-Jährigen. Rechtsextremisten versuchen dabei oft, durch "normale, vordergründig harmlose Themen" als Akteur die kommunale Politikdiskussion mitzugestalten, um dann im nächsten Schritt ihre Ideologie zu propagieren. Wachsam zu sein, gilt hier als das Gebot der Stunde. Birgit Mair skizzierte die vielfältigen Erscheinungsformen rechtsextremistischer Aktivitäten – von Konzerten über Aufmärsche bis hin zu diversen Versuchen, Immobilien für Schulungszwecke anzukaufen oder anzumieten. Sie berichtete aber auch von erfolgreichen Gegenbewegungen und benannte etliche Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen. 

Das Buch „Strategien gegen Neonazismus", zu dem Birgit Mair als Herausgeberin und Autorin beigetragen hat, ist zwar vergriffen, steht aber als PDF-Datei zum unentgeltlichen Herunterladen zur Verfügung. 

Dr. Britta Schellenberg vom Centrum für Angewandte Politikforschung (CAP) an der Ludwig-Maximilians-Universität München nannte systematisierend folgende Strategien gegen Rechtsextremisten:

  • Beobachten und Dokumentieren
  • Öffentlichkeitsarbeit leisten, debattieren und demonstrieren
  • Ökonomischen, sozialen und gesetzgeberischen Druck aufbauen
  • Bildung für Demokratie und Menschenrechte umsetzen 
  • Demokratische Mitbestimmung vor Ort aufbauen

Dass besonders in Bayern der Schwerpunkt beim Ausbau der staatlichen Ressourcen (Polizei, Verfassungsschutz, Staatsschutz) gesetzt werde, sieht Schellenberg kritisch. Das Beispiel anderer Bundesländer zeigt, dass es die Kombination aus staatlicher Restriktion und zivilgesellschaftlicher Gegenwehr sei, die am meisten Erfolg verspreche. Am schlagkräftigsten sind dabei Bündnisse aus verschiedenen Initiativen, da damit die Arbeit erheblich effizienter gestaltet sowie das Einflusspotential gesteigert werden kann. Als gelungenes Beispiel führte sie die "Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg" an. 

Britta Schellenberg: Strategien gegen Rechtsextremismus in Deutschland - Analyse der Gesetzgebung und Umsetzung des Rechts, C·A·P Analyse · 2 · 2008  

Britta Schellenberg: Strategien zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in Europa, C·A·P Analyse · 2 · 2009

Pfarrer Gottfried Rösch stellte das Netzwerk „Der Bunte Landkreis Deggendorf“ vor, in der viele private und öffentliche Träger, darunter auch die meisten Parteiorganisationen, vertreten sind. Allerdings machte er auch deutlich, dass trotz des vielbeschworenen Schulterschlusses aller Demokraten immer noch Berührungsängste gibt: Die in Deggendorf aktiven Antifa-Gruppen und die Partei „Die Linke“ wurden dort nämlich nicht aufgenommen. Dies war auch der Grund, weshalb sich neben dem „Bunten Deggendorf" eine weitere Initiative, Deggendorf Nazifrei, bildete. Vor diesem Hintergrund unterschiedlicher Gruppierungen einen einheitlichen und effektiven Widerstand gegen die in Deggendorf nicht unerheblichen rechtsextremen Umtriebe vor Ort zu organisieren, ist – wie Rösch sehr deutlich machte – natürlich schwierig.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiele für kommunales und regionales Engagement gegen Rechtsextremismus stellten Melanie Wager (Mitte), Dr. Gesa Büchert (rechts) und Julia Oschmann (links) vor, die alle in unterschiedlichen Funktionen am und mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg arbeiten. Dort dienen die monumentalen Nazi-Gebäude und das Gelände heute als Lernorte, die durch Einordnung, Anschaulichkeit, Gegenwartsbezug und Kommunikation wirksam gegen Rechtsextremismus vorgehen. Schulklassen und anderen Gruppen bietet das Dokumentationszentrum in Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Dienst und dem Kreisjugendring unterschiedliche Möglichkeiten, sich u.a. auch mit dem Thema Rechtsextremismus zu beschäftigen. Im Sinne des historischen Lernens wird dabei der Frage nachgegangen, was eine rechtsextreme Mehrheitspolitik für uns alle bedeuten würde. In ganz unterschiedlichen, auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmten und didaktisch durchdachten Angeboten (Führungen, Module für Schulklassen etc.) wird hier historisch-politische Bildungsarbeit geleistet. Zu wünschen wäre allerdings, dass die Erfahrungen aus dieser Arbeit auch in die alltägliche Arbeit an den Schulen einfließen und damit echte Nachhaltigkeit entfalten könnten. Insgesamt, so die Einschätzung Melanie Wagers, "hat die Präsenz der Bildungsarbeit zu einem Zurückdrängen der Neonazis auf dem Gelände geführt".  

Miro Jennerjahn, der von 2009 bis 2014 für die Grünen im Sächsischen Landtag saß, erläuterte, wie man wirkungsvoll mit Rechtsextremen (wie der NPD) und Rechtspopulisten (z.B. die AfD) in kommunalen Parlamenten umgehen könne. Dabei müsse grundsätzlich bedacht werden, dass eine demokratisch gewählte Partei nicht gleichzeitig eine demokratische Partei sei. Ein bloßes Ignorieren hält er jedenfalls für nicht ausreichend. Auch Änderungen der jeweiligen Geschäftsordnungen, die die Rechte der Rechtsextremen im Parlament beschneiden sollen, sind nicht zielführend. Zwar gibt es seiner Einschätzung nach kein Patentrezept im Umgang mit rechtsextremen Parlamentariern, dazu seien deren Persönlichkeiten zu unterschiedlich. Jennerjahn empfiehlt aber als grundsätzliche Richtschnur einen „Schulterschluss der Demokraten“, die sich nicht gegenseitig ausspielen lassen dürften und eine einheitliche Position gegenüber den Aktivitäten der Rechtsparteien einnehmen müssten, nämlich die geschlossene Ablehnung sämtlicher parlamentarischer Initiativen sowie die inhaltliche Auseinandersetzung – soweit nötig und möglich. Jennerjahn warnte nachdrücklich davor, diese rechten Parteien als Mehrheitsbeschaffer zu „benützen“. 

Siehe dazu auch Vera Henßler/Yves Müller/Ulrich Overdiek/Mathias Wörsching: „Keine Diskussion auf Augenhöhe!“ – Herausforderungen im Umgang mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der Kommunalpolitik, FES - Forum Berlin 2012  

Bianca Klose hat mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin Handlungsstrategien gegen rechte Szeneläden, Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt und bei der Raumanmietung durch Rechtsextremisten entwickelt. Sie plädierte dafür, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Solche Möglichkeiten sind unter anderem:

  • eine Verpflichtung für Mieter, keine rassistischen, antisemitischen, rechtsextreme Inhalte und/oder Accessoires zu verbreiten;
  • antirassistische Klauseln für (Gewerbe-)Mietverträge, um rechtsextreme Versammlungen zu vermeiden.

Allerdings ist zu beachten, dass die Gegenseite sehr klagefreudig ist und ein Gerichtsverfahren nicht scheut. Grundsätzlich "ist eine gute Vorbereitung das A und O". Hilfreich ist es auch, Benutzungsordnungen oder Hausordnungen öffentlicher Räume (z.B. bei Festivals und auf Sportanlagen) so restriktiv und damit für die Rechtsextremen so unattraktiv wie möglich zu machen. Aber, so Klose, "ganz entscheidend ist, dass die juristische Auseinandersetzung stumpf bleibt, wenn sie nicht mit einer politischen einhergeht." 

Die für solche konkreten Probleme äußerst hilfreichen Veröffentlichungen der MBR Berlin sind durchweg als PDF-Dateien zum unentgeltlichen Herunterladen erhältlich:

Was tun, damit’s nicht brennt? Leitfaden zur Vermeidung von rassistisch aufgeladenen Konflikten im Umfeld von Sammelunterkünften für Flüchtlinge 

Vor Ort entscheidet. Kommunale Strategien gegen Rechtsextremismus 

Rechtsextremen nicht auf den Leim gehen. Ein Ratgeber für die Gastronomie und Hotellerie 

Rechtsextremismus und Engagement im urbanen Raum 

Ladenschluss Jetzt! Kommunale Handlungsstrategien im Umgang mit rechtsextremer Infrastruktur  

Wir lassen uns das Wort nicht nehmen! Empfehlungen zum Umgang mit rechtsextremen Besucher/innen bei Veranstaltungen  

Dr. Miriam Heigl, die in München die Fachstelle gegen Rechtsextremismus leitet, erläuterte die Arbeit in der bayerischen Landeshauptstadt, bei der u.a. auch die Berliner Vorschläge aufgenommen und weiterentwickelt worden sind. Ignorieren sei jedenfalls kein guter Weg. Vielmehr ermögliche nur aktives Dagegenhalten Aufklärung und Abschreckung, "nur wenn über Rechtsextremismus gesprochen wird, können Demokraten ihre Argumente vorbringen." Das hat sich gerade auch in München, wo seit 2010 eine massive islamfeindliche Kampagne mit über 100 öffentlichen Versammlungen stattfindet, wiederholt gezeigt. Die Kommunen stehen in der Pflicht, gegen rechts engagierte Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen So zum Beispiel mit einem Fotografier-Verbot für Rechtsextreme, um diese an Hetze über Gegendemonstranten zu hindern, und mit einem Rechtsschutz für die Beauftragten gegen Rechtsextremismus der Bezirksausschüsse. Ansonsten, so Heigl, müsse "zero tolerance" vorherrschen, insbesondere bei der Vergabe öffentlicher Räume, falschen Plakatierungen für rechte Demonstrationen oder bei der Anmietung z.B. von Gaststätten. Miriam Heigl betonte auch, dass die Münchner Fachstelle in Bayern eine Ausnahme sei. Um die notwendige Beratung auch in anderen Städten und im ländlichen Raum sicherzustellen, seien mobile Beratungsteams wie in anderen Bundesländern dringend notwendig. 

Broschüre der Fachstelle: Veranstaltungsstörungen durch die extreme Rechte … und was dagegen hilft 

Mit der individuellen Seite rechtsextremistischer Aktivitäten befasste sich die Tagung im Hinblick auf die Resozialisierung von Tätern und die Beratung von Opfern. 

Das Violence Prevention Network setzt sich deutschlandweit aktiv für Vorbeugung sowie Beratung und Deradikalisierung von rechtsextremen Straf- und Gewalttätern ein. Alexander Brammann erläuterte die Vision des Netzwerkes: ideologisch gefährdeten Menschen durch Deradikalisierung wieder ein Leben in der demokratischen Gesellschaft zu ermöglichen. Die Beratung richtet sich an alle, die in ihren Arbeitsfeldern mit dieser Zielgruppe möglicherweise zu tun haben: Schulen, Jugendclubs, Sportvereine etc. In den Workshops mit Jugendlichen, aber auch mit Lehrer/inne/n und Pädagog/inn/en, wird Präventionsarbeit geleistet. Das pädagogische Konzept der Deradikalisierung beruht auf einem explizit „non-konfrontativen“ Ansatz, der es rechtsextremen Jugendlichen ermöglicht, neue Sichtweisen anzunehmen. Das kann nur gelingen, wie Brammann  deutlich machte, wenn das Umdenken aus eigenem Antrieb geschieht. Es gehe also nicht darum, zu überzeugen, sondern vielmehr um das Anstoßen eines Erkenntnisprozesses. Ein Prozess, an dessen Ende idealerweise die Deradikalisierung, Ideologiedistanz sowie die Fähigkeit zu eigenverantwortlicher Lebensgestaltung und emotionaler Intelligenz stehen.

Selbstdarstellungsfaltblatt des Projekts: Crossroads: Beratung – Vorbeugung – Deradikalisierung  

Mit der „anderen Seite“, den Opfern bzw. korrekter ausgedrückt: den von rechtsextremer Gewalt Betroffenen befassen sich die Beratungsstellen, die von der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus im Bayerischen Jugendring organisiert werden. Dabei geht es nicht nur um physische Gewalt, sondern auch um psychische (Bedrohung etc.). Tina Schmidt-Böhringer machte deutlich, dass die Ganzheitlichkeit der Beratung dabei im Mittelpunkt  steht: Dies reicht von finanzieller über psycho(soziale) Unterstützung bis hin zur Beratung im Umgang mit Medien. Nachdrücklich forderte Schmidt-Böhringer die Erweiterung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Rechtsextremismus. Sie betonte, dass die vorhandenen drei Beratungsstellen in Bayern dafür aber bei weitem nicht ausreichen und ein wesentlich höherer Personal- und Finanzbedarf bestehe. Denn die Dunkelziffer der tatsächlichen Übergriffe sei hoch. Als positives Beispiel nannte sie die Landeshauptstadt München, die plant, eine eigene Beratungsstelle mit zwei Personalstellen einzurichten.

Das Kreismuseum Wewelsburg ist der bewusste Versuch, eine ehedem der SS dienende Einrichtung so umzugestalten, dass sie nicht mehr zur Projektionsfläche für Esoteriker, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme taugt. Die auf Befehl Heinrich Himmlers von KZ-Häftlingen zu einer Trutzburg ausgebaute Wewelsburg mit der sogenannten „Schwarzen Sonne“ im Nordturm entwickelte sich seit den 1990iger Jahren zu einem starken Anziehungspunkt für die extreme Rechte. Mit einer distanzierenden Ausstellung über die Ideologie der SS sowie z.B. Sitzkissen, die im Raum der "Schwarzen Sonne"-Intarsie verstreut sind, versucht die Leiterin des Kreismuseums, Kirsten John-Stucke, die „Kultstätte“ zu entmystifizieren. „Lümmeln statt strammstehen!“ heißt die Devise. So konnte durch die „Umgestaltung der SS-Herrschaftsarchitektur“ und durch gezielte Schulung des Personals sowie Aufklärung der Besucher die als nationalsozialistischer Kult-Raum geplante Burg für Pilgerfahrten Rechtsextremer unattraktiv gemacht hat.

Pressetext zum Kreismuseum Wewelsburg: Refugium der Henker 

 „Es gibt keine guten Nazis!“ - Klare Position zu beziehen, ist deshalb die Empfehlung des Wunsiedler Bürgermeisters Karl-Willi Beck. Davor jahrelang mehr oder minder ignoriert (was dazu geführt hatte, dass sich Wunsiedel zu einem Mekka der Neonazis entwickelte), setzte ab 2001 ein Umdenken ein: Die Wunsiedler wollten den Nazi-Gedenkmärschen zum Grab von Rudolf Heß etwas entgegensetzen. Alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte wurden zusammengeholt und gründeten 2004 die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt, nicht braun!" Die Projektstelle gegen Rechtsextremismus wurde mit Unterstützung der Stadt eingerichtet, Aufklärungs- und Bildungsprogramme initiiert und am Tag des Aufmarsches wurden "die öffentlichen Räume eng gemacht" – bis hin zu einer Sitzblockade im Jahr 2004. Beck unterstrich ausdrücklich das Tagungsmotto „Wachsam und abwehrbereit“. Nur dann könne es gelingen, rechtsextremistischen Aktivitäten wirksam entgegenzutreten. 2014 ist den Initiatoren ein ganz besonderer Coup gelungen: der "Lauf der Rechten für EXIT!" Mit jedem zurückgelegten Schritt haben die rechten Aufmarschteilnehmer Geld gesammelt für die Aussteigerinitiative EXIT – was sichtlich zu deren schlechter Laune führte. Der unfreiwillige Spendenlauf der Rechten „gegen sich selbst“ ist in der Öffentlichkeit auf breiteste Resonanz gestoßen ist. Das entsprechende YouTube-Video wurde bereits rund 1,4 Mio. Mal angeklickt. 

Die Referierenden des Samstagnachmittags auf einen Blick: 
Karl-Willi Beck (2.v.l.)
Alexander Brammann (3.v.l.)
Kirsten John-Stucke (3.v.r.)
Tina Schmidt-Böhringer (2.v.r.)

(Alle Fotos: mit freundlicher Genehmigung der Akademie für Politische Bildung Tutzing)

Weiterführende Literatur:

Sabine Behn/Irina Bohn/Kari-Maria Karliczek/Albrehct Lüter/Till Sträter: Lokale Aktionspläne für Demokratie. Zivilgesellschaft und Kommune in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus. Weinheim und Basel 2013

 

Andrea Röpke/Andreas Speit (Hrsg.): Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland. Bonn 2013 (bpb Schriftenreihe 1341)

Stefan Glaser/Thomas Pfeiffer (Hrsg.) Erlebniswelt Rechtsextremismus. Menschenverachtung mit Unterhaltungswert. Hintergründe – Methoden – Praxis der Prävention. Bonn 2013 (bpb Schriftenreihe 1381)

Julia Hasse/Gregor Rosenthal (Hrsg.): Wider die Gleichgültigkeit! Aktiv gegen Rechtsextremismus: Perspektiven, Projekte, Tipps. Berlin 2013 (bpb Schriftenreihe 1396)

 

Oliver Decker/Elmar Brähler: Rechtsextreme Einstellungen in Bayern. Ergebnisse der Mitte-Studie der Universität Leipzig. München 2014

Roland Roth: Demokratie braucht Qualität! Beispiele guter Praxis und Handlungsempfehlungen für erfolgreiches Engagement gegen Rechtsextremismus. Berlin 2010

Dietmar Molthagen/Lorenz Korgel (Hg.): Handbuch für die kommunale Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Berlin 2009

Benno Hafeneger/Sven Schönfelder: Politische Strategien gegen die extreme Rechte in Parlamenten. Folgen für kommunale Politik und lokale Demokratie. Berlin 2007

Empfohlene Weblinks

www.apb-tutzing.de

ReferentInnen


Veranstaltungsort
Tutzing


Partner


Art der Veranstaltung
Tagung



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21.11.2014

Rechnungsprüfung in Kommunen

Wie funktioniert das, welche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten haben die Ausschussmitglieder?

Wer mit den Geldern der Bürgerinnen und Bürger umgeht, sollte dies besonders sorgfältig tun. Nicht zuletzt deshalb gibt es in Landkreisen, Städten und Gemeinden den Rechnungsprüfungsausschuss, der das Verwaltungshandeln in abrechnungstechnischer Sicht überwacht und überprüft.

Der Rechnungsprüfungsausschuss nimmt im Rahmen der örtlichen Rechnungsprüfung die Kontrollaufgaben des Gemeinderats (Kreistags) wahr, er führt die örtliche Prüfung durch und trifft im abschließenden Bericht Feststellungen zum Ergebnis der Prüfung. Da der Rechnungsprüfungsausschuss kein Ausschuss im eigentlichen Sinne ist, kommen den Mitgliedern besondere Pflichten und Aufgaben zu.

Zahlreiche Materialien zum Seminar!
Unser Kooperationspartner bei diesem Seminar, das GRIBS-Bildungswerk e.V., bietet zahlreiche Materialien zum Seminar an, die dort bestellt werden können. Mail an das GRIBS-Bildungswerk genügt.

ReferentInnen

Herwig Morbitzer
Bayerischer Kommunaler Prüfungsverband

Veranstaltungsort
München


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.



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18.11.2014

Lokale Medienlandschaft und kommunale Demokratie

Zwischen "Hofberichterstattung" und kritischer Öffentlichkeit

Die Vielfalt medialer Produkte ist heute wohl so groß wie nie zuvor – das zeigt jedenfalls der oberflächliche Blick in den Presse-Kiosk, das Kanalverzeichnis des Fernsehgeräts und die Internet-Suchfunktion. Also alles paletti?

Ein kritischer Blick hinter die Kulissen zeigt anderes: Die Pressekonzentration ist schon seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem sehr hohen Niveau angekommen und geht mit vertikalen Kooperationen (Übernahme von Mantel- und/oder Lokalteilen) unvermindert weiter. Hinter der Vielzahl von TV-Kanälen stecken nur einige wenige, letztlich marktbeherrschende Unternehmen. Und auch das Internet wird von eben diesen Medienkonzernen dominiert.

Dazu kommt eine „Boulevardisierung“ der Medien, die  längst auch die Lokalteile der Zeitungen erreicht hat und auch vor den sogenannten Leitmedien nicht halt macht. Kritische Lokalberichterstattung als Voraussetzung lebendiger kommunaler Demokratie wird immer seltener.

In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass die zunehmende Unzufriedenheit mit dem Zustand des bundesdeutschen Lokaljournalismus auch Gegenbewegungen anstößt: Das Internet mit seinen vergleichsweise kostengünstigen Produktionsbedingungen wird mittlerweile vielerorts als Instrument kritischer Lokalberichterstattung genutzt. Dennoch ist zu fragen, ob nicht auch andere, z.B. öffentlich-rechtliche, Trägerschaften für Lokalmedien notwendig sind, um die für eine funktionierende Kommunaldemokratie unabdingbare kritische Öffentlichkeit (wieder) herzustellen.

Unsere Podiumsdiskussion beleuchtete die Entwicklung auf dem Markt der Lokalmedien und ihre Folgen für die kommunale Demokratie, fragte nach den Bedingungen kritischer Lokalberichterstattung und diskutierte alternative Betreiber-Modelle.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des Verbundprojekts der Heinrich-Böll-Stiftung "Gut vertreten? Update für Demokratie".

Die Präsentation zum einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Klaus Meier kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Der Beitrag von Klaus Meier ist mittlerweile, in leicht überarbeiteter Form, auch in Schriftform erschienen und bei uns als PDF-Datei zum unentgeltlichen Herunterladen erhältlich.

Einige Literaturhinweise und weiterführende Links

Politik, Medien, Öffentlichkeit. Aus Politik und Zeitgeschichte 22-23/2014

Die neue Architektur des Lokaljournalismus. 19. Forum Lokaljournalismus 2011 in Waiblingen

Qualitätsjournalismus. Aus Politik und Zeitgeschichte 20-31/2012

Florian Meyer-Hawranek: Wie sich die Tegernseer Stimme als Gegenöffentlichkeit etabliert hat

Interview mit Michael Husarek. In: drehscheibe. Aus Lokalredaktionen für Lokalredaktionen

Mandy Buschina: Bürger berichten, was vor Ort bewegt. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 04/2014 vom 28.02.2014

CORRECT!V - Recherchen für die Gesellschaft: https://www.correctiv.org/

Tegernseer Stimme: http://www.tegernseerstimme.de/

Nürnberger Nachrichten:  http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten

Prof. Dr. Klaus Meier: http://www.ku.de/slf/jour/mitarbeiter/professoren/prof-dr-klaus-meier/


ReferentInnen

Prof. Dr. Klaus Meier
Lehrstuhl für Journalistik I, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Kontakt: klaus.meier@ku-eichstaett.de

Michael Husarek
Leiter Lokalredaktion, Nürnberger Nachrichten
Kontakt: michael.husarek@pressenetz.de

Robin Schenkewitz 
Redaktionsleiter, tegernseerstimme.de
Kontakt: robin@holzkirchnerstimme.de

Daniel Drepper
Senior Reporter, CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft, gemeinnützige GmbH 
https://www.correctiv.org/wer-wir-sind/
Kontakt:  daniel.drepper@correctiv.org
Twitter: @danieldrepper 

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung


Art der Veranstaltung
Vortrag & Podiumsdiskussion



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