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"So heiß gegessen wie gekocht" - Klimakatastrophe mit Musik

16.03.2014


Gastspiel der Berliner Compagnie

 

Die Theaterproduktion der Berliner Compagnie steht im Zusammenhang mit einem europäischen Theaterfestival, das im Oktober 2011 in Berlin, Brno, und Lublin stattfand. Zum Thema „Klimawandel und Afrika“ hatten drei, in den genannten Städten beheimatete Theatergruppen jeweils ein Stück entwickelt, das zunächst am Heimatort und dann jeweils in den Partnerstädten zur Aufführung gebracht wurde.

Die Berliner Compagnie beschreibt die Motivation zu ihrem Stück so:

Für uns stand fest, die Verantwortung unserer Industriegesellschaft für den Klimawandel ins Zentrum des Stückes zu stellen. Der Klimawandel ist vom industrialisierten Norden zu verantworten, seine katastrophalen Folgen treffen vor allem den Süden - nicht zuletzt den durch vier Jahrhunderte Sklaverei und Kolonialismus bereits schwer verwundeten afrikanischen Kontinent. Erzbischof Desmond Tutu: „Wir stehen vor einer Katastrophe von gigantischen Ausmaßen. Bei dem global angestrebten Ziel von 2 Grad Celsius wird Afrika zum Backofen und verliert jede Hoffnung auf Entwicklung." Die EU als zweitgrößter Verursacher des Klimawandels hat eine besondere Verantwortung, die Emissionen zu reduzieren und Afrika bei der Anpassung zu unterstützen. Trotzdem werden in Deutschland unter Verweis auf die vermeintliche Notwendigkeit einer „Brückentechnologie" Dutzende Kohlekraftwerke neu geplant und so die längst mögliche rasche und hundertprozentige Umstellung auf erneuerbare Energie blockiert. Die Aussicht auf das Ende der Profite aus Atomkraft spornt die Energiekonzene und die ihnen willfährigen Politiker an, den Bau neuer Kohlekraftwerke noch vehementer als bisher voran zu treiben. … (Mit) erstaunlichem Erfolg (haben sich) Bürgerinitiativen in ganz Deutschland gegen den Bau dieser Dreckschleudern gewehrt. Der Kampf gegen ein Kohlekraftwerk bestimmt auch die Handlung unseres Stückes.

Zur Handlung: Schauplatz des Stückes ist die Küche eines Gasthofs, in dessen unmittelbarer Nähe ein Kohlekraftwerk entstehen soll. Während die Honoratioren der Stadt im Gastraum mit den Managern mauscheln, laufen in der Küche heiße Diskussionen zwischen den agierenden Personen.

Als linkes Kollektiv hatte man dereinst einmal begonnen. Doch jetzt sind daraus ein bürgerliches Wirtsehepaar mit studierender Tochter und die Küchenbelegschaft mit zwei Köchen und einem illegalen Spüler aus Afrika geworden. Das verlockende Angebot des Konzernchefs von 1 Million für den Gasthof, weil er dem Bau des Kraftwerks im Weg steht, lässt die Wirtin beinahe schwach werden. Doch Tochter und Afrikaner halten dagegen. Umweltbelastung und katastrophale Auswirkung auf das Weltklima, was besonders Afrika schon jetzt ganz hart trifft, sind ihre Argumente. Der illegale Spüler aus Afrika, der sich als Ingenieur aus der Sahelzone entpuppt, kann eindringlich von den Zuständen in seiner Heimat erzählen, was nicht nur den Wirtsleuten und dem Küchenpersonal unter die Haut geht.

Das Stück ist, bei aller ernster und problembeladener Thematik, dennoch nicht kopflastig. Es nimmt mit viel Musik, schmissigen Songs und heißen Rhythmen (Percussion mit Löffel und Gabeln auf Küchengeräten) immer mehr Fahrt auf. Es schildert in stark komprimierter Weise die Phasen von Empörung und Widerstand im Umfeld von Bestechung und Erpressung, Hoffnungslosigkeit und neuem Mut. Es ist weder bitter noch traurig, sondern witzig-ironisch und voll spritziger Fantasie. Ein Mutmacherstück. Nicht umsonst ist es Hermann Scheer gewidmet, der aus dem Off an passenden Stellen über den unaufhaltsamen Siegeszug der erneuerbaren Energien spricht.

Am Ende belohnten die zweihundert Zuschauer die sechs Akteure der Berliner Compagnie mit lang anhaltendem Applaus. Im Foyer wurde die Diskussion über das Stück intensiv weiter geführt. Nicht zuletzt aufgrund der Pläne für eine Stromtrasse durch Nordostbayern und den Protestaktionen dagegen, hatte das Stück eine zusätzliche Aktualität erhalten.

 

Veranstaltungsort
Bayreuth


Partner

Die Brücke e.V., Bayreuth


Art der Veranstaltung
Theaterstück



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