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Festival contre le racisme 2015

07.06.2015 bis 11.06.2015


Abschlussbericht zum festival contre le racisme (fclr) 2015

07.06.-12.06.2015 Bamberg

Vorgelegt vom antirassistischen und antifaschistischen Referat der Studierendenvertretung der Uni Bamberg sowie dem AStA Bamberg e.V. 16.06.2015

Das diesjährige festival contre le racisme (fclr) war, das lässt sich mit ein wenig Abstand nun sicher sagen, in vieler Hinsicht ein gelungenes und aufregendes Festival. Die thematische Fokussierung auf die Bamberger Zustände kam bei den Zuhörer*innen sehr gut an, genauso ist die Entscheidung, zwei Vorträge an einem Abend durchzuführen, als sehr gelungen anzusehen. Das Feedback dazu, dass ab 19 Uhr zunächst ein empirischer Vortrag gehalten wurde, der spezifisch die Bamberger Verhältnisse aufzeigt und anschließend ein theoretischer Vortrag zu der Tagesthematik folgte, war durchweg positiv. Allgemein waren die Vorträge gut bis sehr gut besucht, woran auch eine pöbelnde Nazigruppe nichts ändern konnte, die am ersten Vortragstag vor dem Balthasar Mehrzweckraum auftauchte und versuchte die Beteiligten einzuschüchtern. Mit einem gelungenen Konzert wurde dem Festival ein gebührender Abschluss beschert. Es folgt eine genauere Beschreibung der einzelnen Angebote des festival contre le racisme 2015.

 

Sonntag, 07.06.2015: Antirassistisches Fußballturnier

Das antirassistische Fußballturnier fand wie schon die beiden Jahre zuvor auf dem Uni-Sportplatz an der Feldkirchenstraße statt. Im Gegensatz zum letzten Jahr nicht am letzten sondern dem ersten Tag des Festivals. Mit sieben Teams war die Anzahl der an dem Turnier teilnehmenden Mannschaften etwas geringer als im Vorjahr, wodurch sich anstelle von zwei Gruppen und anschließendem Halbfinale und Finale, auf eine Jeder-gegen-Jeden Turnierform geeinigt wurde. Bevor es losgehen konnte, mussten erneut die Tore auf Kleinfeldtore reduziert werden, da es die sportliche Leitung der Uni erneut nicht schaffte, die kleineren Tore für das Turnier bereitzustellen. Der fußballerische Teil des Tages verlief erfreulich unproblematisch. Alle Teilnehmer*innen hatten viel Spaß und gingen fair miteinander um, wodurch einmal mehr deutlich wurde, dass ein*e Schiedsrichter*in nicht von Nöten ist. Auf dem Siegertreppchen ganz oben standen nun zum dritten Mal in Folge die Kicker des FC Urbums, die wie auch die Jahre zuvor deutlich zeigten, dass sie fußballerisch die Besten waren. Trotz der geringen Teilnehmer*innenzahl ist das antirassistische Fußballturnier als gelungener Einstieg in das festival contre le racisme 2015 anzusehen.


Sonntag, 07.06.2015: Vortrag ab 20 Uhr zu „NSU und die aktuelle Neonaziszene – Terroristische Konzepte des ‚Kleinen Krieges‘“ von Robert Andreasch, zuvor ab 19 Uhr Kurzvortrag zu dem Thema „Bamberg und seine Nazis“.

Durch die Neueinführung der Kurzvorträge ab 19 Uhr, konnte aufgrund fehlender Erfahrungswerte nicht eingeschätzt werden, ob sich die Zuhörer*innen bei sonnigen 28 Grad überhaupt schon um 19 Uhr im Balthasar einfinden würden. Als der Kurzvortrag zu den Bamberger Naziaktivitäten der letzten Jahre begann, konnte die Befürchtung eines leeren Raumes begraben werden. Knapp 25 Zuhörende waren ab 19 Uhr zugegen, um dem ersten Vortrag des festival contre le racisme 2015 zu lauschen. Ihnen wurde eine Auflistung der in den letzten zwei Jahren deutlich vermehrt auftretenden Naziübergriffen in Bamberg aufgezeigt sowie ein kurzer Exkurs zu in der weiteren Vergangenheit existenten Zusammenhängen zwischen Bamberger Nazis und Blood & Honour. In dem darauf folgenden Vortrag von Robert Andreasch wurde deutlich theoretischer an die Aktivitäten der Nazis herangegangen. Der Referent konnte aufzeigen wie die Konzepte, die vor allem auch die Gruppe um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu nutzen wussten, schon in der Vergangenheit in terroristischen Konzeptualisierungen von beispielsweise Blood & Honour Aktivisten, aber auch in bekannter Nazibelletristik zu finden war. Wie notwendig Vorträge wie die von Robert Andreasch und an sich Festivals wie dieses sind, die sich deutlich gegen Rassismus und Ausgrenzung aussprechen, wurde den anwesenden Zuhörer*innen an diesem Abend auch praktisch aufgezeigt. Gegen 21 Uhr reihten sich sieben bekannte Nazis aus der Bamberger Umgebung und Nürnberg vor dem Balthasar auf, machten Fotos und versuchten die Anwesenden einzuschüchtern. Fünf der sieben Nazis wurden von der Polizei aufgegriffen und über Nacht in Gewahrsam genommen. Zudem wurden ihnen Vermummungsmaterial, Pfefferspray und andere Waffen abgenommen. Der Vortrag konnte trotz der gegebenen Anspannung anschließend fortgeführt werden. Durch seine ruhige und sachkundige Art schaffte es Robert Andreasch die Zuhörenden wieder zu beruhigen und merkte noch sehr treffend an, wie wichtig solche Vorträge sind, gerade in Zeiten, in denen rechte Gewalt wieder zu erstarken droht. Im Anschluss an den Vortrag machten sich alle Anwesenden gemeinsam auf den Weg Richtung Innenstadt, damit niemand allein den Vortragsort verlassen musste.

 

Montag, 08.06.2015: Vortrag ab 20 Uhr zu „Parallelen der Religionskritik in der Tradition von Feuerbach und der Kritik an rechtsextremistischen Ideologien” von Manuel Kellner, zuvor Kurzvortrag zu dem Thema „Bamberg und die Hexenverbrennung“.

Der zweite Vortragstag begann mit einer Portion Unsicherheit, ob und wie die Nazis erneut auftreten würden. Diese Befürchtungen erwiesen sich im Nachhinein genauso als unbegründet, wie das Bedenken, dass der Vorfall am Tag zuvor zu einer Abnahme der Zuhörer*innen führen würde. Schon beim Kurzvortrag über die Rolle Bambergs bei der Hexenverbrennung, fanden sich wieder mehr als 20 Personen im Balthasar ein. Als Manuel Kellner mit seinem Vortrag begann, war das Balthasar sogar noch gefüllter als am Tag zuvor. Eine tolle Reaktion auf die Einschüchterungsversuche der Nazis. Der Vortrag begeisterte vor allem die philosophisch interessierten Zuhörer*innen, da viele Bezugnahmen auf Ludwig Feuerbach, Karl Marx oder G.W.F. Hegel den Vortrag prägten. Besonders positiv wurde die Bezugnahme auf rechtsextremistische Ideologien aufgenommen. Da vor allem in der darauffolgenden Diskussion einige Unklarheiten aus dem Vortrag beseitigt werden konnten, war der Montag im Großen und Ganzen ein gelungener zweiter Vortragstag.

 

Dienstag, 09.06.2015: Vortrag ab 20 Uhr zu „Kulturkritik und Gesellschaft“ von Roger Behrens, zuvor ab 19 Uhr Kurzvortrag zum Thema „Bamberg – Kultur braucht Raum“.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen von Kultur. Zwei Mitglieder der Gruppe „KONTAKT – Das Kulturprojekt“ referierten zu den Möglichkeiten, in Bamberg Kunst und Kultur Raum zu bieten - abseits der öffentlich geförderten Institutionen wie den „Bamberger Symphonikern“. Die ca. 25 Gäste lauschten gespannt und oft verärgert den Beschreibungen, wie die Stadt Bamberg und Investor*innen ihre Türen vor jeder Art alternativer Kultur verschließen. Auch das festival contre le racisme und unsere Bemühungen einen Ort für das Abschlusskonzert zu finden, wurde von den Referierenden als Beispiel genannt. Roger Behrens knüpfte an diesem Bamberger Problem an und begab sich mit seinem Vortrag auf die Metaebene. So ging er hart mit der sogenannten „Kulturkritik“ ins Gericht und zeigte auf, dass die Kritik Teil der zu kritisierenden Kultur ist. Die mehr als 35 Zuhörenden diskutierten im Anschluss an den Vortrag noch sehr lange mit Roger Behrens und den Referierenden des KONTAKT-Teams, sodass der rege Austausch im Balthasar fast bis 24 Uhr ging und damit einen erfolgreichen dritten Vortragstag beschloss.

Mittwoch, 10.06.2015: Vortrag ab 20 Uhr zu „Kritik am Arbeitsfetischismus“ von Stephan Grigat, zuvor ab 19 Uhr Ausschnitte des Films „Modern Times“ von Charles Chaplin.

Dem Publikum wurde heute ein etwas anderer Einstieg in das Thema „Arbeitsfetischismus“ geboten. So wurden, ab 19 Uhr, Ausschnitte aus dem Film „Modern Times“ gezeigt, welcher die Zeit der Industrialisierung kritisiert und die dadurch monotone entstehende Förderarbeit und den kontinuierlichen Zeitdruck in Fabriken anprangert. Dieser amüsante Einstieg fand beim dem ungefähr 25-köpfigen Publikum regen Zuspruch.

Ab 20 Uhr referierte dann Stephan Grigat. Hierzu fanden sich zu den bestehenden Zuhörer*innen nochmals ca. weitere 35 Personen ein, sodass das Balthasar über den letzten Platz hinaus besetzt war. Die Zuhörer*innen ohne freien Stuhl mussten sich mit einem Stehplatz an der Seite begnügen. Die „Kritik am Arbeitsfetischismus“ wurde von Stephan Grigat sehr verständlich umgesetzt, so dass auch Personen diesem Thema folgen konnten, die noch keine theoretisch fundierten Kenntnisse dazu mitbrachten. Stephan Grigat zeigte in seinem Vortrag vor allem auf, dass statt mehr Freizeit zu fordern die Menschen eher dazu neigen mehr Arbeit zu wollen, was bei einer außenstehenden Perspektive doch etwas seltsam klingt. Immer wieder anschauliche Beispiele, wie eine Volksabstimmung in der Schweiz über mehr Urlaubstage, welche mit großer Mehrheit abgelehnt wurde oder Beispiele aus dem Film „Pretty Woman“ und „Animal Farm“, machten den Vortrag zu einer runden Sache und zog die Zuhörer*innen bis zum Ende in den Bann dieser Kritik. Auch die rege Diskussion danach machte den Abend zu einem großen Erfolg.

 

Donnerstag, 11.06.2015: Vortrag ab 20 Uhr zu „Demokratischer Rassismus bei PEGIDA und Anti-PEGIDA, zuvor ab 19 Uhr Kurzvortrag zu dem Thema „PEGIDA-Ableger im Bamberger Umkreis“.

Der Vortrag am Donnerstag mit Felix Klopotek bildete den Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe des fclr. Auch dieser Vortrag war sowie die vorherigen sehr gut besucht. Das Balthasar war voll besetzt und die Zuhörer*innen lauschten gespannt dem Vortrag mit dem Titel “Demokratischer Rassismus bei PEGIDA und Anti-PEGIDA”. Inhaltlich war auch dieser Vortrag anspruchsvoll und dennoch sehr gut verständlich. Das Thema lockte auch Zuhörer*innen, welche bisher das Balthasar noch nicht kannten. Vordergründig ging es bei diesem Vortrag um den demokratischen Rassismus, welchen der Referent vor allem anhand der Kritik an Thilo Sarrazin in den Mittelpunkt des Abends stellte. Ebenso war der vorrangegangene Kurzvortrag zur PEGIDA- Situation in Bamberg ein voller Erfolg. Hier standen besonders die PEGIDA-Ableger im Bamberger Umkreis im Fokus, wodurch der folgende theoretische Vortrag für viele Zuhörer*innen eine passende Abwechslung bot. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch dieser Vortrag sehr gut angekommen ist und für die Woche lässt sich ein sehr positives Fazit ziehen. Auch das Konzept der Kurzvorträge zur Bamberger Situation und den anschließenden theoretischen Vorträgen ist somit voll aufgegangen, das belegt nicht nur das positive Feedback von vielen Vortragsbesuchern, sondern auch die Tatsache, dass jeden Abend rege Diskussionen mit den Referent*innen beider Vorträge vonstattengingen.

 

Freitag, 12.06.2015: Konzert ab 21 Uhr in der Innenstadtmensa in Bamberg
Am Freitag konnten wir bereits auf eine erfolgreiche Woche des “festival contre le racisme 2015” zurückblicken. Ein schönes Fußballturnier, gut besuchte Vorträge und spannende Diskussionen ließen Organisationsteam und Gäste motiviert in das Abschlusskonzert gehen. Der Zwischenfall, dass beim sonntäglichen Vortrag einige lokale Neonazis das Festival zu stören versuchten, lag zu diesem Zeitpunkt bereits hinter einer schönen Woche ohne weitere störende Ereignisse zurück. Nachdem sich die Suche nach einer Location für das Abschlusskonzert sehr schwierig gestaltet hatte, konnten wir die Veranstaltung letztendlich in der Innenstadtmensa der Uni Bamberg durchführen. Trotz der Kurzfristigkeit, die die lange Suche nach der Location mit sich brachte, wurden mit Symbiotic Spark, Darboux, Tapete & Crying Wölf und Björn Peng vier großartige Acts gewonnen. Durch diese Künstler*innen und viel ehrenamtliche Hilfe konnten wir einen schönen Abschluss des diesjährigen Festivals feiern. Wir freuen uns auf 2016!

ReferentInnen

 

 

Veranstaltungsort
Bamberg, Balthasar, Balthasargässchen 1


Kosten
Der Eintritt ist frei!


Partner

AstA Bamberg


Art der Veranstaltung
Festival



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