Weitere Landesstiftungen
Heinrich-Böll-Stiftung, Baden-Württemberg
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg
Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich-Böll-Stifung, Bremen
umdenken Politisches Bildungswerk Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg
Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern
Stiftung Leben und Umwelt, Niedersachsen
Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz
Heinrich-Böll-Stiftung Saar, Saarland
Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung, Sachsen
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen Anhalt
Bildungswerk anderes lernen, Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Ich möchte zu kommenden Veranstaltungen per Email informiert werden:
06.06.2011 bis 12.06.2011
Montag: Manfred Dahlmann - Emanzipation und Kritik.
Zur Eröffnung des Festivals sprach Manfred Dahlmann, Verleger beim ca ira Verlag und Publizist, über die Kritik am Emanzipationsbegriff. So stellte er die Frage, warum statt "Glück" oder "Freiheit" seit nun mehr fast 40 Jahren nur noch Emanzipation als Wunschziel ausgegeben wird und ob es wirklich einfach nur ein anderer Begriff ist oder er bewusst Freiheit und Glück ersetzt. Vor allem am Beispiel des Umgangs linker Gruppen mit dem Grundgesetz und den darin kodifizierten Rechten zeigte er Tendenzen und Gedankengänge die, statt die Strukturen der Emanzipation aufzubauen und zu fordern, vor allem versuchen im Namen der Emanzipation Strukturen mit Inhalt aufzufüllen und statt der Befreiung des Individuums vor allem das Durchsetzten des sog. „Gemeinwohls“ im Sinn haben.
Dienstag: Sylke Stricker - Emanzipation und Behinderung
Sylke Stricker ist peer-counselorin im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V., Erlangen. In einem historischen Abriss zur Krüppelbewegung thematisierte sie unterschiedliche Sichtweisen auf Behinderung und behinderte Menschen. Sie erklärte, wie aus der Kritik am Umgang mit behinderten Menschen, der von den Aktivist_innen der Krüppelbewegung als segregierend und herabwürdigend begriffen wurde, alternative Strukturen wie das ZSL geboren wurden. Hier sollen behinderte Menschen ermutigt werden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, etwa mit Hilfe des Persönlichen Budgets oder der Persönlichen Assistenz. Mitarbeiter_innen des ZSL beteiligen sich auf nationaler und internationaler Ebene an politischer Arbeit, so auch bei der Ausarbeitung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Im Anschluss gab es eine Diskussion, die sich unter anderem um die Frage der bezahlten Care-Arbeit und die Definition von Behinderung drehte.
Mittwoch: Floris Biskamp - Homonationalismus?
In seinem Referat stellte Floris Biskamp zunächst Gay-Liberation und Queer als zwei Konzepte der LGBTQI* vor und gegeneinander, um dann die beiden Konflikte Homo-Normativität und Homo-Nationalismus zu diskutieren. Dabei vertrat er die These, dass im Theorieansatz des Othering schon der Rassismusvorwurf angelegt sei und die Theorie damit für bestimmte Phänomene blind mache – so zum Beispiel für verbreiteten LGBTQI*-Hass unter dem Islam zugeordneten Menschen. In der Diskussion wurde diese Frage weiter diskutiert und vor allem die Frage verhandelt, inwiefern dann eine Praxis, die genau diesen Fehler nicht begeht, überhaupt denkbar sei, wenn sie gleichzeitig auch nicht in gruppenbezogene Fremdenfeindlichkeit umschlagen will.
Donnerstag: Roger Behrens: Der Sound der falschen Freiheit - Pop und Emanzipation
In seinem Vortrag unternahm Roger Behrens den Versuch, Popkultur historisch und theoretisch zu fassen. Zu diesem Zweck zeichnete er zunächst eine Geschichte der öffentlichen Kultur und ihrer gesellschaftlich-ökonomischen Existenzbedingungen nach und unternahm dabei jeweils Befragungen hinsichtlich ihrer Beziehung zu dem, was Emanzipation zu nennen wäre. Er untermalte seine Ausführungen mit Beispielen in Bild und Ton, was den Vortrag recht kurzweilig erscheinen ließ. Die Diskussion im Anschluss war vor allem von Verständnisfragen und der Frage nach der Existenz des autonomen Individuums „Künstler_in“ geprägt.
Emanzipatorische Filmnacht
Nach fünf Abenden mit Vorträgen stand der Samstagabend im Zeichen des Films. Zwei Filme, ein Spielfilm und ein Dokumentarfilm, sollten die verschiedener Möglichkeiten ausloten, sich filmisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Bei Lars von Triers Dogma-Film „Idioten“ ging es nicht nur um die befreienden Möglichkeiten der Beschränkung, sondern auch inhaltlich um die Frage, wie Glück und Freiheit wirklich zu erlangen sind. Ganz in APPD Manier versuchen die Protagonist_innen diese durch das finden ihres „inneren Idioten“ zu finden. Selbstverdummung als Schritt der Selbsterkenntnis. Die Probleme, die sowohl unter den Teilnehmer_innen des Experiments als auch mit der Umwelt entstehen, steigern sich dann bis zu einer unerwarteten Klimax.
Der zweite Film war eine Dokumentation über die israelische Punkszene und den Konflikt, in den die beiden Identitäten (Punk - Israeli) geraten. So wird sowohl der Punkbewegung als auch dem Staat Israel ein emanzipatorisches Moment zugesprochen. Die einen, weil sie mit den Werten, Erwartungen und der Ästhetik ihrer Ausgangsgesellschaften brechen und diese destruktiv dekonstruieren. Der andere, weil es endlich einer der am meisten und umfassendsten verfolgten Gruppen der Welt eine Heimat gibt. Einen Ort, an dem sie Manager_innen und Putzkräfte, Polizist_innen und Kriminelle und Milliardär_innen und Obdachlose sein können, ohne dass das aus ihrer Religion, Kultur hergeleitet wird bzw. ein geheimer Plan unterstellt wird. Aber wie gehen nun jüdische Punks damit um, sowohl in dem Land leben zu können, dass es ihnen erlaubt von der Gesellschaft einfach nur als Punks betrachtet zu werden, statt ihnen als „jüdische“ Punks alles mögliche zu unterstellen bzw. zu verwehren und andererseits gerade eben Punks sind, weil sie diese Gesellschaft zum Kotzen finden. Neben der allgemeinen Frage und der Vorstellung der Szene und ihren Aktivist_innen, geht der Film auch auf israelische Spezifika ein wie dem dreijährigen Wehrdienst für beide Geschlechter und den Problemen, um diesen herumzukommen.
Abschlusssymposium
Das recht gut besuchte Abschlusssymposium unternahm den Versuch, die in der Woche aufgeworfenen Fragen und Themen noch einmal aufzugreifen und nach einer Essenz aus diesen zu suchen.
Zuerst referierten Thomas Lörner und Steve Kastner die Kritik an verschiedenen Emanzipationsbewegungen mit der Kritischen Theorie Adornos und wandten sich hierbei vor allem gegen feministische Patriachatskritik. Im Anschluss versuchten Vincent Gengnagel und Tilman Kallenbach anti-essentialistische Zugänge stark zu machen. Im Anschluss kam es zu einer Diskussion, die viele offengebliebene Fragen der Woche noch einmal aufwarf.
ReferentInnen
Veranstaltungsort
Bamberg
Partner
Antifaschismus/Antirassismus- und Gleichstellungsreferat der Studierendenvertretung Bamberg
Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Kopieren Sie dazu den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.