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Gentechnikfreie Lebensmittel aus bäuerlicher Landwirtschaft

12.03.2011


Chancen für regionale Verarbeiter und Erzeuger durch Qualitätsvermarktung

Rupert Thaler, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Töging, Pflanzenbau: Produktionstechnik beim betriebseigenen Anbau von heimischen Leguminosen (Ackerbohne, Soja, Erbse etc.)
Rupert Thaler betonte, dass es in Bayern nur 2 Anlagen zur Verarbeitung (Rösten und Toasten) von heimisch angebautem Soja gebe (Stadlhuber in Waldkraiburg und Asamhof in Kissing). Von einem flächigen Angebot könne daher bis jetzt noch keine Rede sein. Die Deckungsbeiträge für Leguminosen wie Soja, Erbse und Ackerbohne liegen nach den amtlichen Berechnungen mit 345 – 494 €/Jahr/ha weit unter denen von Winterweizen (859 €) und Körnermais (832 €). Um den Anbau attraktiver zu machen,  wäre daher eine staatliche Förderung des ökologisch sinnvollen Leguminosenanbaus unabdingbar. Die EU-Kommission hat den Vorschlag von Bund und Ländern für 220 €/ha zuletzt jedoch mit Hinweis auf mangelnde WTO-Konformität abgelehnt, so dass derzeit nur über das KULAP-Programm mit dem Baustein „Vielfältige Fruchtfolge“ eine Prämie von 85 € pro ha/Jahr möglich ist. Auf politischer Ebene werde aber weiterhin versucht, eine Zusatzförderung gegenüber der EU durchzusetzen. Die Landesämter forschen an der Züchtung optimierter Sorten, da generell die Sortenvielfalt von Leguminosen aufgrund der zu geringen Verwendung gefährdet ist. Josef Schmid betonte, dass der Landwirt bei seinen Anbauentscheidungen nicht nur den zu erzielenden Marktpreis, sondern die zahlreichen ökologischen Vorteile (Auflockerung enger Fruchtfolgen, deutliche Verbesserung der Bodenstruktur und des Humusaufbaus, geringer Düngebedarf, verbesserte Tiergesundheit) berücksichtigen sollte. 

Jakob Niedermaier, Geschäftsführer MVS GmbH, Freising: Faire und gentechnikfreie Milchvermarktung
Die Milchvermarktungs-GmbH Süddeutschland vermarktet 110 Millionen Kilo Milch von 351 Bauern und schafft es über das Produktlabel „Faire Milch“, den Bauern einen Milchpreis von rund 40 Cent bezahlen zu können. Bedingung für die Bauern ist, dass diese Gentechnikfreiheit in der Fütterung garantieren. Die Vertragsbedingungen legen ein absolutes Verbot für Soja aus Übersee fest, nur gvo-freie Futtermittel aus Europa dürften verwendet werden. Zusätzlich verpflichtet sich jeder Betrieb, auf seinem Betrieb eine Umweltmaßnahme anzuwenden (Heckenpflanzung, Feuchtwiesenpflege, Streuobstwiesen). Die MVS ist bemüht, den Absatz weiter zu steigern, damit noch mehr Bauern aufgenommen werden können, Anfragen hierzu gebe es mehr als genug.

Josef Feilmeier, Internationale Arbeitsgruppe Futtermittel NON-GV, Edlham:  Preissituation und Verfügbarkeit von GVO-freien Futtermitteln
Josef Feilmeier ist als Mitglied der oben genannten Arbeitsgruppe und als Betreiber eines Lagerhauses der über die Grenzen von Bayern hinaus bekannte Pionier für die Vermarktung von gvo-freiem Soja. Für den Landwirt sei es zwingend erforderlich sei, nur Saatgut zu kaufen, bei dem der Züchter schriftlich bestätige, dass es „nach eigenen Untersuchungen frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen“ ist. Nach seiner Einschätzung werden durch das neue „Ohne-Gentechnik-Siegel“ deutliche Marktveränderungen ergeben:. Wer weiterhin mit genverändertem Futter produziere, werde bald Verkaufsprobleme bekommen. Große Molkereine wie Campina haben ihr Sortiment komplett umgestellt, einige bayerische Molkereinen wie Zott und Gropper haben eine gvo-freie Produktlinie aufgenommen. Er betonte, dass reichlich genfreies Soja auf dem Markt verfügbar sei. Der Mehrpreis werde langfristig durch eine deutlich erhöhte Teiergesundheit und sinkende Tierarztkosten ausgeglichen.  Hierzu gab es eine intensive Diskussion mit den anwesenden Landwirten, weil faktisch auf dem Lieferschein die gvo-freien Futtermittel eben doch teurer seien und bei fehlender Honorierung des Abnehmers die Umstellung nicht finanzierbar sei.

Dr. Ludwig Stuhlberger (Metzgerei Stuhlberger Erding/Freising): Vermarktungschancen von Fleisch aus Ohne Gentechnik-Fütterung
Als Tierarzt und Metzgermeister verfügt Dr. Stuhlberger über eine durchaus ungewöhnliche berufliche Qualifizierungskombination.  Er gilt für den bayerischen Raum ebenfalls als Pionier bei der Vermarktung von gvo-freien Fleischprodukten. Die Bauern, die an die Firma Stuhlberger liefern, müssen eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben, dass sie ausschließlich genfreies Soja verfüttern. Das sei bei den Schweinezüchtern anfangs schwierig gewesen, da die Lagerhäuser sich zunächst heftig dagegen gesträubt hätten. Bei den Ochsen habe es weniger Probleme gegeben, weil die Bauern hier leichter die Möglichkeit hätten, ihre Tiere mit hofeigenem Futter zu versorgen. Die Bauern erhalten einen Mehrpreis von rund 5 € pro Schwein und bei Bullen von 30ct/kg. Wenn komplett auf Soja verzichtet wird, steigt dieser Aufpreis. Der Verbraucherendpreis liegt im höheren Preissegment, die vielen Stammkunden schätzen aber die angebotene Qualität und sind bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Verarbeitet wird bei Stuhlberger eine Fleischmenge von 8000 Kilo pro Woche. Nur Metzgerbetriebe, die auch selber schlachten, könnten eine sichere Trennung realisieren. Herr Stuhlberger spannte einen weitern Bogen und bezog viele gesellschaftliche Fragestellungen mit ein. An die Bauern appellierte er, nicht bei den Discountern einzukaufen: „Man soll nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt.“

Abschlussstatements:

Lucia Egner von der AbL Regionalgruppe Oberland stellte zum Abschluss fest. „Das Fazit von heute sollte sein, dass jeder auf seinen Metzger oder Vermarkter zugeht und fragt, ob er eine Schiene für gentechnikfreie Lebensmittel etablieren will.“

Der Vorsitzende Josef Schmid appellierte an die Teilnehmer, auch emotional hinter der Gentechnikfreiheit zu stehen und das Thema der GVO-Fütterung bei konventioneller Erzeugung, die nicht über das „Ohne-Gentechnik-Siegel“ lizensiert ist, beim Gespräch mit Verbrauchern immer wieder ins Bewusstsein zu bringen. Die Umstellung lässt sich vor allem dann realisieren, wenn der Verbraucher bereit ist, einen Mehrpreis zu bezahlen. Auf politischer Ebene müsste endlich erreicht werden, dass nicht die gvo-freien, natürlichen Futtermittel teurer sind, weil sie den Aufwand für getrennte Logisitik und Untersuchungen tragen, sondern dass hier das Verursacherprinzip bei der Kostenübernahme angewandt wird.

Veranstaltungsort
Dorfen, Tagwerkszentrum, Siemensstr. 2


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern, e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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