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Stolpersteine

09.12.2004


Von Köln lernen

München überzeugen

Aller Opfer gedenken

Im Jahr 1992 rief der Kölner Künstler Gunter Demnig die Aktion „Stolpersteine“ ins Leben. Auf diesen 10x10 cm großen Messingplatten, werden Name, Jahrgang und Schicksal von Menschen eingeschlagen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 durch Deportation und Ermordung Opfer der Nationalsozialisten wurden. 
Solche Stolpersteine, die dann vor den Häusern verlegt werden, in denen die Mitbürger/innen gelebt haben, und das mit ihnen verbundene Gedenken an die Opfer des Faschismus sind nach der derzeitigen Beschlusslage des Stadtrates in München nicht erwünscht.

Auch in Köln, der Stadt, in der die ersten Platten verlegt wurden, dauerte es zwei Jahre, bis alle politischen und behördlichen Genehmigungen vorhanden waren. Darüber, über die weitere Entwicklung, den heutigen Stand der Dinge sowie die Erfolge und Schwierigkeiten bei der Verlegung der Stolpersteine in ihrer Stadt, berichtete die 3. Bürgermeisterin aus Köln, Angela Spizig.

Den Ablauf der Diskussion im Münchner Stadtrat mit dem Weg zur Ablehnung zeigte Lydia Dietrich auf.

Neben den jüdischen Mitbürger/innen betrafen die grausamen und menschenverachtenden Handlungen der Nazis u.a. auch Behinderte, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende sowie Homosexuelle. Sie alle sollen und dürfen nicht vergessen werden. So können die Messingtafeln dazu beitragen, die Menschen gerade in ihrem alltäglichen Lebens- und Wohnumfeld innehalten zu lassen und Nachdenken über die mit dem jeweiligen Haus verbundenen individuellen Schicksale auszulösen.

Über die Nachforschungen und die Schicksale Homosexueller während der Nazizeit erzählte Albert Knoll vom Forum für Homosexualität und Geschichte und über den Wunsch, der Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung Opfer wurden, mit Stolpersteinen zu gedenken.

Herr Schneeberger, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands der Sinti und Roma, schilderte den derzeitigen Stand der Diskussion über die Stolpersteine in seinem Verband. Es gibt bislang keine Festlegung dafür oder dagegen, es ist jedoch klar, dass keine Entscheidungen gefällt werden können ohne Einbeziehung der Familienverbände.

Der Initiativkreis für die Stolpersteine in München, der sehr aktiv ist, wurde vertreten durch Judith Bernstein, die ihre ganz persönliche Motivation zur Mitarbeit darstellte und die Planungen des Kreises nannte. Es gibt bereits 7 fertige Steine für München, ohne das klar ist, ob sie jemals verlegt werden dürfen. Die Besucher/innen konnten sie anschauen und anfassen und sich so ein konkretes Bild von der Größe, dem Material und der jeweiligen machen.

In der sich anschließenden Diskussion auch mit den ca. 60 Besucher/innen wurde immer wieder deutlich, wie sinnvoll diese Art des individuellen Gedenkens ist, wie unsinnig der Beschluss des Stadtrates sei und es gab Überlegungen, wie es doch noch zu einer offiziell genehmigten Verlegung von Stolpersteinen auch in München kommen kann. In der Abschlussrunde wurde auch auf dem Podium noch mal herausgestellt, dass diese Art des Erinnerns eine gute und sinnvolle Ergänzung zu den „großen“ Gedenktafeln ist.



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