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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

TAT.ORT Globalisierung

24.06.2011


Dritte Erlanger Themenwoche

Unter dem Titel "TAT.ORT Globalisierung" widmete sich die 3. Erlanger Themenwoche dem Spannungsfeld von wirtschaftlichen und politischen Prozessen im Kontext der Globalisierung und deren konkreten Auswirkungen vor Ort. Das Programm umfasste sowohl Vorträge und Diskussionen aus den Bereichen der Politik, Ökonomie und Theologie, als auch eine praktische Auseinandersetzung mit möglichen Handlungsalternativen.

Freitag, 24.06.11: Green New Deal. Antwort auf die Klimakrise?  
Im Podiumsgespräch mit Uwe Kekeritz (Volkswirt und Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Fürth) und Tadzio Müller (Klimaaktivist, Politikwissenschaftler und Publizist) werden Ursprünge und positive Besetzung des Begriffs New Deal unter Roosevelt in den USA erläutert, sowie die Frage nach dem Nutzen eines Programms gestellt, das – zwar unter grünen Vorzeichen – wieder auf Wachstum ausgelegt ist und innerhalb des Systems einer liberalen Marktwirtschaft bleiben würde. Kekeritz vertritt eine pragmatische Position, die den Plan eines 'grünen New Deal' verteidigt, ein auf erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung abzielendes Investitionsprogramm. Das sei einerseits ein notwendiger Anfang und andererseits ein gangbarer Weg für eine mit unterschiedlichen Positionen und Kompromissen funktionierende Politik. Müller weist auf innere Widersprüche des Programms hin und fordert ein grundlegendes Umdenken, das sich nicht mit einem Kapitalismus 'in grün' zufriedengibt, sondern Fragen nach Wohlstandsverteilung, globaler Gerechtigkeit und Umweltzerstörung zu den Wurzeln unseres Wirtschaftssystems trägt. Daran anknüpfend wurde auch die jeweilige Form politischen Engagements thematisiert bzw. die Frage nach Haltungen, Erfolg und Effekt beim Engagement in sozialen Bewegungen bzw. organisiert in Form politischer Parteien und institutionalisierter Politik.

Samstag, 25.06.11: Demokratische Bank und Gemeinwohlökonomie: Die Frage nach Alternativen
Christian Felber (Publizist, Mit-Gründer von Attac-Österreich und "Erfinder" der Gemeinwohlökonomie) skizzierte in seinem Vortrag zunächst die jüngere Geschichte der globalen Ökonomie und zeichnete anhand von Ereignissen wie der Freigabe der Wechselkurse 1973 oder der Zulassung von Hedgefonds 2004 nach, wie komplett liberalisierte Finanzmärkte mitverantwortlich sind für die heutige Wirtschafts- und Finanzkrise seien.  Es wurde gefragt, ob gängige Schlagworte wie Wettbewerb, Leistung, Effizienz, Freiheit oder Wachstum nicht resignifiziert werden können im Sinne der bayr. Verfassung Art. 151 ('Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl'), also bspw. 'effizient' nicht auf Wettbewerb und Konkurrenz abzielt, sondern auf Kooperation und gelingende Beziehungen. Als Konsequenz vertrat Felber die konkrete Initiative einer 'Gemeinwohlökonomie', die demokratisch und partizipativ vor Ort aufgebaut wird und deren Bestandteil z.B. das Projekt einer demokratischen Bank ist, wie sie in Österreich 2013 starten wird. Als Initiative vor Ort wurde von der Erlanger Attac-Gruppe eine AG 'Gemeinwohlökonomie' gegründet. 

Sonntag, 26.06.11: Lateinamerikas neue Linke. Ist eine andere Politik möglich?
Prof. Dr. Walther L. Bernecker (Professor für Auslandswissenschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der FAU in Nürnberg, Autor und Experte für spanische und lateinamerikanische Geschichte) erörterte in seinem Vortrag anhand der unterschiedlichen Entwicklungen in Brasilien, Uruguay, Venezuela, Ecuador und Bolivien seit dem Ende der Diktaturen der 70er und 80er Jahre in Lateinamerika die Voraussetzungen, Entstehung und gegenwärtiger Stand der in sehr unterschiedlichen Graden linken Regierungen in Lateinamerika. Im Fazit stellte Bernecker fest, dass es eine einheitliche linke Struktur in Lateinamerika nicht gebe und die Regierungen grob in zwei unterschiedliche Tendenzen gefasst werden können, nämlich eine personalistisch und radikal-linkspopulistischere Variante und eine pragmatische, eher sozialdemokratische Variante. Gemeinsam sei dem Linkstrend in Lateinamerika u.a. die Ablehnung des vor allem US-amerikanischen Wirtschaftsliberalismus und Initiativen zur Verbesserung von Bildungssystem und Sozialstaat.

Montag, 27.06.11: 'Das Sterntalerprojekt' - Leben ohne Geld?!
In einem Podiumsgespräch mit Heidemarie Schwermer (Therapeutin, Lehrerin, Buchautorin, lebt seit 15 Jahren ohne Geld) wurde vor allem Biographisches und die 'Lebensphilosophie', ohne Geld zu leben, thematisiert, wobei die politischen Implikationen gemäß des Programms der Themenwoche im Vordergrund standen. Wie lässt sich damit den Zwängen eines scheinbar unausweichlichen ökonomischen Systems entgehen, welche konkreten Nachteile und Probleme, aber auch Herausforderungen und Ängste sind damit verbunden? Für Heidemarie Schwermer bedeutet ihr Lebensentwurf letztlich ein mehr an Lebensqualität, menschlicher Nähe und auch spiritueller Bereicherung, wobei sie betonte, dass sie ihren Lebensentwurf nicht als unbegrenzt verallgemeinerbar sieht. 

Dienstag 28.06.11: TatOrt Erlangen - Forum Erlanger Projekte und Initiativen
Erlanger Aktive stellten sich und ihre Auffassung der Globalisierung vor Ort vor. Themenbereiche waren: Menschenrechte (bspw. Amnesty, AG Medizin und Menschenrechte), Bildung (bspw. Bildungsstreik, Linke und Kritische Studierende), Ökologie (bspw. JBN, Ökosoziales Forum). 

Mittwoch 29.06.11: Kapitalismus und Religion – Religion als Ware?
In seinem Vortrag übte Heri Böttcher (evangelischer Theologe, Pastoralreferent und engagiert im Ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar) grundsätzliche Kritik an einem Kapitalismus, der sich parallelisieren lässt mit den Heilsversprechen einer Kultreligion.

Freitag, 01.07.11: Abschlusskonzert mit 'Karamelo Santo': Ska-Reaggae-Punk aus Mendoza, Argentinien

Veranstaltungsort
Erlangen


Partner

Network Of Young Altermondialists (NOYA), Erlangen


Art der Veranstaltung
Veranstaltungsreihe



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