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On the situation of...

12.11.2004


In den Räumen der "Bank", Müllerstr. 42, wurde die Ausstellung des Künstlers Harald Schmutzhard vom 14.-28.11.2004 präsentiert. Die Vernissage mit Vortrag des Künstlers war am 14. November, ein Vortrag über illegalisierte Menschen in München und die Arbeit des Café 104 am 24.November. Außerdem bestand für SchülerInnengruppen das Angebot, die Ausstellung auch vormittags mit Ausstellungsführung zu besuchen.

Ziel der Ausstellung war es, das Thema Migration, das Social Impact in einigen Arbeiten behandelt, einem neuen Publikum zugängig zu machen. Deshalb wurde nicht nur die Form der Ausstellung gewählt, sondern auch ein ungewöhnlichen Ort: die Bank. Die Bank ist eine Bar/Club im Zentrum Münchens, die damit wirbt, verschiedenste KünstlerInnen zu präsentieren. Das übliche Publikum setzt sich zusammen aus Nachtschwärmern, Kunstinteressierten und KleinkünstlerInnen. Die Verbindung öffentlicher Raum und sozialkritisches Beleuchten der Problematik Flucht und Migration erschien vorteilhaft, um einen Diskurs voranzutreiben. Um weitere BesucherInnen zu erreichen, wurde im Rahmen der Ausstellung auch ein Vortrag organisiert. Über zusätzliche Schulführungen sollte der Kontakt zu Jugendlichen intensiviert werden.

Es wurden zwei Themen präsentiert, die allgemein sozialkritisch waren:

dead house walking: Fotographien der Wohnzimmer eines Sozialbauhochhauses in Linz, das abgerissen wurde. Das damals dazugehörige Projekt hieß "Wir sind zwei Dörfer" und wurde neben den Fotos beschrieben. Es geht dabei vor allem darum, den BewohnerInnen dies Sozialbaus eine gemeinsame Identität zu geben, sie positiv zu besetzen und neue Kontakte aufzubauen, um zum einen die Umsiedlung zu erleichtern und zum anderen das Selbstbild aufzuwerten.

Wahl-versprecher: Plastiktüten, von denen 20.000 vor den Landtagswahlen in Österreich vor Supermärkten verteilt wurden. Die Tüten haben alle verschiedene Farben. Jede Farbe behandelt ein anderes Thema (Migration, Arbeit, Jugend, Kultur,...). Auf den Tüten werden die schönsten Auszüge aus den Wahlprogrammen aller Parteien zum jeweiligen Thema und eine Gegenposition von einem Betroffenen dazu zitiert. Die verschiedenen Farben der Tüten sorgten dafür, dass die Leute in den Supermärkten neugierig wurden und andere EinkäuferInnen fragten, was auf ihrer Tüte steht. So begannen die Leute zu diskutieren und zwar über Politik und das im Supermarkt.

Die restlichen Themen hatten einen starken Bezug zu Migration:

Überlebensratgeber für illegalisierte Putzfrauen: In acht Sprachen Tipps für das Überleben in der Illegalität in Österreich. Ein Projekt, das gemeinsam mit und für illegale Putzfrauen erarbeitet wurde.

Ein Wanderführer für Flüchtlinge, border rescue: Das Projekt macht auf die steigenden Todesfälle an den Grenzen Europas aufmerksam. Für den Aktionszeitraum von einer Woche recherchierte Social Impact an der EU-Außengrenze zwischen Österreich und Tschechien, um Gefahrenstellen zu dokumentieren, "sichere" Fluchtrouten zu suchen (mittels GPS-Daten, Videosequenzen, Fotografien, Karten) und Verhaltenstipps für Flüchtlinge in der Praxis zu erarbeiten. Präsentiert wurde das ganze als Videoinstallation.

agentur no_milk///no_honey: Eine Anfang Oktober 2002 in Kraft getretene Verordnung des österreichischen Innenministeriums hat die Situation der Asylsuchenden in Österreich dramatisch verschärft. Das ab Mai 2004 in Österreich geltende Asylgesetz bietet in dieser Hinsicht Verbesserungen, wird von unabhängig Experten aber auf Grund anderer Bestimmungen kritisiert. Die von Social gegründete Agentur "no_milk///no_honey" versucht vor diesem Hintergrund Informationen über inakzeptable Umstände für AsylbewerberInnen in Österreich an die Öffentlichkeit zu bringen und medialen Stereotypen entgegenzuwirken. Ausgestellt wurden Kleidungsstücke und der Ablauf der Aktionen wurde beschrieben.

Jezelov: Einblick in den Ausblick aus einem Auffanglager in Kroatien. Eine Videoinstallation über dieses Lager, in dem Flüchtlinge über ungewisse Zeit bleiben müssen und als einzigen Ausblick eine Autobahn haben. Eine Annäherung an ihre Situation über Interviews, Blick aus dem Lager und gedankliche Verbindungen zu dieser Lagersituation wurden ästhetisch visualisiert.

Der Vortrag von Harald Schmutzhard (Social Impact) wurde interessiert aufgenommen. Es gab rege Diskussionen im Anschluss, sowohl über Formen der Aktionskunst, als auch über Flucht, FluchthelferInnen und Migration. Das Thema Migration wurde durch einen Vortrag von Sandra Pauli, als auch von Harald Schmutzhard selbst intensiv behandelt.

Am 25. November nahm eine 10. Realschulklasse Realschule an einer Schulführung teil. Referentin, Sandra Pauli, machte mit ihnen eine eineinhalbstündige Führung, die auf SchülerInnen zugeschnitten war. Die Klasse nahm die Führung interessiert auf und die Lehrerin lud die Referentin anschließend noch ein, die Klasse im Dezember zu besuchen, um über Migration zu referieren.

Am 28. November besuchte eine Klasse der Kunstakademie München die Veranstaltung und bekam eine Führung mit anschließender Diskussion. Auch diese Führung nahm eineinhalb Stunden in Anspruch und traf auf gute Resonanz.

Die Ausstellung hat das Ziel, das Thema Migration in eine Öffentlichkeit zu tragen, die damit üblicherweise nicht oder nur am Rande konfrontiert ist, erreicht. Gerade die Debatten haben gezeigt, dass Informationsbedarf besteht, um Vorurteile zu beseitigen. Das hat auch der Besuch in der Schule bestätigt. Selbst bei den Jugendlichen haben sich sehr harte Meinungen über MigrantInnen gefestigt, die es langsam aufzuweichen gilt. Die Ausstellung und vor allem die Vorträge und Diskussionen haben dazu einen Beitrag geleistet. Der unkonventionelle Zugang über Bild, Ton und Text auf einer künstlerischen Ebene hat eine Offenheit erzeugt und dadurch verschiedene Menschen angesprochen und ermuntert, das Ganze erst einmal auf sich wirken zu lassen und Meinungen zu überdenken.


Partner

Bayerischer Flüchtlingsrat



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