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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Freiheit, Menschenwürde, Menschenrecht und Widerstand, eine Aufgabe der Kunst

19.05.2006


Wie entwickle ich die Fähigkeit zum geistigen Widerstand?

Der Mensch hat das Recht und die Pflicht, jeder sichtbaren oder verdeckten Diktatur, zum Beispiel durch die Medien, auch ihren schwer erkennbaren Vorboten, Widerstand zu bieten – welche Kraft ist gefordert? Rainer Schnurre sprach über sieben "Kraftquellen" von Joseph Beuys:
1. "La rivoluzione siamo noi", "Die Revolution sind wir". Aber was ist Revolution und was soll ihr Ziel sein? Zunächst muss die Idee für das ‚Neue’ entwickelt werden. Dann kann der Wille zu Veränderungen die Kluft zwischen Idee und Umsetzung überwinden. Revolutionäre Gedanken müssen gemeinsam entwickelt werden.

2. "Demokratie ist lustig". Was ist Demokratie? Zunächst ein Parteiensystem – aber wenn es gelingt, dass Menschen miteinander gestalten, dann kann eine neue Form entstehen – und dieses ‚gemeinsame Wirken’ macht Freude.

3. "Lehrer ist, wer spricht". Beim Lauschen entsteht ein Freiraum, der von Redner und Zuhörer gemeinsam erlebt werden kann. Im ruhigen, aufmerksamen Zuhören liegt Menschenwürde.

4. "Das Ende des 20. Jahrhunderts". Das 20. Jahrhundert war geprägt von der Zweiheit und Trennung. Durch Europa ging eine Mauer, die Mitte dieser Teilung war Deutschland, der Kern war Berlin. Das 3. Jahrtausend hat begonnen, und die Versuche, individuelles Denken zu unterdrücken, nehmen zu. In einer Preisrede auf H.M. Enzensberger wurde hervorgehoben, er habe sich keinem "Denkverbot" unterworfen! - eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

5. "Zeige deine Wunde". Wir sind mit Wunden ins neue Jahrtausend gekommen. Diese Wunden sind unsere Unfähigkeiten im Sozialen. Die Wahrnehmung der Wunden lässt Fähigkeiten entstehen, sie zu heilen. Die Schulung des Bewusstseins an der Erfahrung des Schmerzes, des eigenen und fremden ‚mit’leiden, ist ein Weg zu den Ursachen der Wunden.

6. Soziale Skulptur und Soziale Plastik. Denken ist ein plastischer Prozess. Durch das Denken gestaltet sich die Feingliederung des Gehirns. Nötig ist geistiger Widerstand – er ist nicht gewaltsam ‚gegen’ etwas, sondern ‚durchdringt’ die Gewalt, ‚überwindet’ Sie.

7. "Das Atelier ist zwischen uns". Das Ich sucht das Du. In der Verbindung der Individuen entsteht ein Raum für beide Ich und beide Du. Der Raum umschließt die beiden Individuen, aber dadurch entsteht noch kein Wir. Zwischen mir und dem Anderen bleibt ein freier Raum, ein Kunstraum. In ihm kann Neues entstehen und ihn gilt es zu gestalten. Im Menschen, und dann zwischen den Menschen, entstehen Freiheit, Menschenwürde, Menschenrecht und Widerstand, das Entstehen ist eine schöpferische, notwendige Aufgabe.

 

Der Revolutionsbegriff bei Joseph Beuys

Durch gemeinsame Bearbeitung des Freiheits-Begriffes und des Rechts-Begriffes, sowie von "Denkverbot + Willkür", wird die Sinnhaftigkeit dieser Begriffe klar und führt zum Verständnis von Brüderlichkeit. Hier setzt die Überwindung latenter diktaturähnlicher Strukturen an.

Im Gespräch wurden zunächst ausgewählte Kraftquellsätze des Vorabends vertieft. Die aktuelle weltpolitische Lage bedeutet ein Gegenbild zu den Beuys-Sätzen. Doch sollte Antipathie überwunden und die Verschiedenheit der Völker akzeptiert werden. Wach sollte man verfolgen, was durch Medien suggeriert wird, um die Wirkweise dieser Botschaften zu durchschauen. Dadurch werden Fähigkeiten zu neuen Ideen entwickelt, geistiger Widerstand kann geleistet, und Sicherheit in der Unsicherheit erübt werden. Das ist eine Mutfrage. Wir dürfen unsere Aufgabe nicht verschlafen.

 

Joseph Beuys: "Demokratie ist lustig".

Kunst verstanden als Entwicklungsimpuls, individuell und gesamtgesellschaftlich.

Das Multiple "Demokratie ist lustig" entstand aus dem gelebten Alltag heraus, Beuys war Professor an der Akademie in Düsseldorf und leistete Widerstand gegen das Nichteinhalten von Konferenzbeschlüssen seiner Kollegen. Ihm wurde fristlos gekündigt.

Beuys handelte aus einem individuellen Impuls heraus, nach exakter Prüfung aller Gegebenheiten die hinderlich waren für die Entwicklung aller Fähigkeiten junger Menschen. Er handelte nicht für sich, sondern für die Sache der Studenten, für ihr Menschenrecht auf freie Entfaltung, und dazu gehörte die Wahrung ihrer Menschenwürde.

Sein individuelles Handeln, aus der Idee heraus ein neues Aufnahmeverfahren zum Wohle der Studenten einrichten zu wollen, sollte gesamtgesellschaftliche Folgen haben: eine vorgelebte Ermutigung, sich Autoritäten nicht zu beugen, sondern Ideen zu entwickeln, die das Vorgegebene, das häufig autoritär wirkt, zu transformieren. Dies gelingt nur durch absolute Hingabe an die Sache, mit Kompromissen werden Autoritäten nicht beseitigt, erst recht nicht die "unsichtbaren" und schwer zu erkennenden. Geistiger Widerstand ist individuell, eine Aufgabe der Kunst, der Kreativität des Menschen, des Souverain im Menschen, aber im zweiten Schritt gesamtgesellschaftlich, mit anderen gemeinsam handeln ist angesagt: die Soziale Kunst.

 


Partner

Soziale Skulptur München


Art der Veranstaltung
Reihe



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