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07.07.2004
Die Reihe Ladies Lunch fördert die Vernetzung, den Informationsaustausch und den Meinungsbildungsprozess zu gesellschaftliche aktuellen Themen zwischen engagierten Frauen. In diesem Jahr ging es beim 3. Ladies Lunch der Petra-Kelly-Stiftung um das Thema "Rabenmütter".
Dazu hatten wir eingeladen:
Herrad Schenk, Sozialpsychologin und Schriftstellerin, Autorin von "Wieviel Mutter braucht der Mensch? Der Mythos der guten Mutter"
In ihrer Einleitung erklärte Silke Rapp mit Bezug auf Brehms Tierleben den Begriff "Rabenmütter" – die Raben würden ihre Jungen zwar füttern, sich jedoch nicht so liebevoll um sie kümmern wie anderen Singvögel. Theresa Schopper ergänzte diese These in ihren Grußworten mit dem Hinweis, dass Raben ihre Jungen zwar durchaus aus dem Nest verjagen würden, wenn sie groß genug seien - sollte sich jedoch herausstellen, dass die Kleinen sich doch noch nicht alleine versorgen können, würden die Eltern sie auch weiterhin füttern und sich um sie kümmern.
In ihrem Vortrag leitete Herrad Schenk historisch her, dass Frauen immer gearbeitet und dies mit dem Muttersein kombiniert haben. Früher waren Familien anders strukturiert und Kinderhaben hatte nichts mit freier Wahl zu tun. Zugleich waren nicht nur die Mütter, sondern auch Freunde, Verwandte, die Gemeinschaft und Geschwister an der Erziehung der Kinder beteiligt. Wie das Kind aufwuchs, war also nicht nur von der Mutter abhängig. Mit der Pille hat sich dies geändert. Seither haben Frauen die Freiheit, Kinder nur zu haben, wenn sie wollen. Frauen können die perfekte Zeit zum Kinderhaben auswählen und auf die perfekten Bedingungen warten. Aber was sind die perfekten Bedingungen?
Verbunden damit kam es im deutschsprachigen Raum zu einem neuen Ideal des Mutterseins - die Mutter soll immer für das Kind da sein und dieses auch als ihren ureigenen Wunsch betrachten. Liebe, Aufmerksamkeit und positive Bestätigungen sollen zu einem glücklichen Leben für das Kind führen. Die Erziehung des Kindes hing demnach immer mehr von der Mutter ab. Frauen bekamen mehr Kontrolle über die Erziehung des Kindes, und sie üben diese Kontrolle auch als Machtmittel gegenüber Anderen aus, aber sie bekommen dafür auch die Verantwortung und die Schuld, falls es Probleme gibt.
Das Bild der Mutter basiert heute auf diese Idee der "guten Mutter". Das Kind wird als Spiegelung der Erziehung gesehen; dies erfordert, so viel Zeit wie möglich mit dem Kind zu verbringen.
Die Welt des Kindes hängt fast komplett von der Mutter ab. Darunter leiden sowohl Mutter, als auch Kind - vom Vater mal ganz abgesehen. Doch diese so "bemutterten" Kinder sind nicht glücklicher als die Kinder vor ihnen. Im Prinzip ist der Mutter alles erlaubt, aber wehe, die Kinder geraten nicht wohl! Da die Entscheidung für Kinder eine freie Wahl ist, ist es Tabu, sich über die Schwierigkeiten, Muttersein und Beruf zu vereinbaren, zu äußern. Wenn sich eine Mutter über das "Muttersein" beschwert, ist sie plötzlich von Schuldgefühlen ergriffen. Noch nie haben Frauen so viel Fürsorge- und Erziehungsleistungen auf so wenige Kinder konzentriert – und doch haben sie nie so viele Schuldgefühle gehabt wie heute.
Diese Schuldgefühle müssen erkannt und abgebaut werden, da sie den Kontakt zu den Kindern schwer belasten können. Kinder sind nicht ausschließlich die Angelegenheit der Mütter sondern von allen, was in anderen europäischen Ländern durchaus so gesehen wird - und deren Kinder geraten mitnichten schlechter. Im Laufe der Jahre hat sich eine Konkurrenz entwickelt zwischen den Müttern, die daheim bleiben und denen, die erwerbstätig sind; so ist zu beobachten, dass die beiden Gruppen oftmals unter sich bleiben.
Art der Veranstaltung
Ladies Lunch
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