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10.06.2008
Bologna-Prozess:
Unumkehrbar, aber Verbesserungen notwendig
Die Europäisierung des Hochschulraums, die gegenwärtig unter der Überschrift „Bologna-Prozess“ abläuft, ist unumkehrbar. Aber die Umsetzung dieses Prozesses in Deutschland ist in vieler Hinsicht verbesserungsbedürftig. So lässt sich eine – trotz Kellerwetter und EM – sehr gut besuchte Podiumsdiskussion zusammenfassen, die die Petra-Kelly-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Grüner Hochschulgruppen in Bayern an der Bamberger Universität durchführte.
Dr. Andreas Poltermann (ganz links) von der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin brach eine Lanze für Europäisierung der Hochschulen: Diese sei ein wichtiger Ansatz der Wiedervereinigung Europas, der gerade den mittel- und osteuropäischen Staaten positive Perspektiven gebe und ihnen das „Gefühl der Zugehörigkeit“ vermittle. Dieser Aspekt des Bologna-Prozesses müsse – so Poltermann – gegenüber den anderen Zielen des Bologna-Prozesses wie höhere Effizienz und bessere Berufsorientierung des Studiums wieder in den Vordergrund gerückt werden.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen jedoch die konkreten Auswirkungen der Umsetzung in Deutschland: die Modularisierung der Studieninhalte, die vielerorts zu einer starken Verschulung geführt haben, und die Zweistufigkeit des Studienabschlusses mit Bachelor und Master, die an die Stelle der herkömmlichen Abschlüsse (wie Diplom und Staatsexamen) treten soll. MdL Ulrike Gote (2. von rechts), hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, bezweifelte, dass die bisherige, allerdings recht zögerliche Umsetzung in Bayern dem eigentlichen Ziel einer qualitativen Verbesserung des Studiums gedient habe. Prof. Reinhard Zintl (ganz rechts), Vizepräsident der Uni Bamberg, warnte davor, den Bachelor-Abschluss zu instrumentalisieren, um 60% der Studierenden „auszufiltern“ und ihnen den Weg zum Master zu verbauen. „Der Bachelor wird nur dann eine Chance sein, wenn er eine erste Berufsqualifikation bietet, die dann – nach einigen Jahren Berufserfahrung mit einem weiteren Studium und dem Master-Abschluss vertieft werden kann“, betonte Zintl, der dafür plädierte, den Bachelor als „Abschluss eigener Würde“ zu betrachten.
Bianca Schnober (2. von links), Sprecherrätin der Bamberger Studierendenvertretung, wies v. a. auf die sozialen Folgen des Bologna-Prozesses hin: Wenn die Zulassung zum Master-Studium strikt von der Bachelor-Abschlussnote abhängig gemacht werde, dann werde dies die soziale Auslese verstärken. „Dann haben nur noch Studierende aus begütertem Haus, die sich ausschließlich auf das Studium konzentrieren können und nicht nebenbei jobben müssen, um das Studium zu finanzieren, eine reelle Chance.“ Auch ausländische Studierende seien benachteiligt – ganz im Gegensatz zu den hehren Zielen der Europäisierung.
Einig war sich das Podium in der Frage der Finanzen: Im Zuge des Bologna-Prozesses wird zwar – wie angestrebt – Zugänglichkeit der Universitäten verbessert und die Akademikerquote erhöht werden können. „Die zur Verfügung stehenden Finanzmittel sind aber nicht in gleichem Maße gestiegen“, warnte Prof. Zintl vor einem „industrieförmigen Uni-betrieb, der nicht mehr erkennen lasse, was Universität eigentlich ausmache. Und Ulrike Gote ergänzte die Forderung nach mehr Geld für die Hochschulen pointiert: „Die Öffnung der Universitäten darf nicht bedeuten, für mehr Leute eine schlechtere Hochschulbildung anzubieten.“
ReferentInnen
Dr. Andreas Poltermann, Bildungsreferent Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Prof. Dr. Reinhard Zintl, Lehrstuhl für Politikwissenschaft I an der Universität Bamberg, Vizepräsident der Universität Bamberg
Ulrike Gote, MdL, Mitglied im Ausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur des Bayerischen Landtags, Bayreuth
Bianca Schnober, Vertreterin der Studierenden
Partner
CampusGrün Bayern - Landesverband Grüner Hochschulgruppen
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