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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Wanderinnen zwischen den Kulturen

22.10.2004


Kunst, Lesben, Migration!

22.10./ 05.11. Vernissage – Finissage der Ausstellung "Migration – Integrität – Individualität" in der Arte Galerie N

Zur Vernissage der Ausstellung in der von Migrantinnen betriebenen Galerie wurde die Veranstaltungsreihe durch Maria Virginia Gonzalez Romero von Visiones vorgestellt und einführende Worte zur Ausstellung und zu den Künstlerinnen gesagt. Es wurden Werke von Jucelia Oliveira, Ana Judith Haugwitz und Cecilia Herrero gezeigt, die Künstlerinnen waren anwesend und stellten sich der Diskussion mit dem Publikum. Ana Judith Haugwitz bot eine Performance mit ihrer Textilkunst.
Die Ausstellung wurde mit einer Finissage beschlossen, auf der Sigi Kreiner eine Performance mit dem Titel "rumänische Klangbilder" gab, in der sie rumänische Texte und Gedichte vortrug.

Durch die Ausstellung wurden viele kreative Ideen aufgeworfen: Am Abend der Vernissage wurde schon durch eine Migrantinnenorganisation die Möglichkeit aufgegriffen, im nächsten Jahr eine gemeinsame Arbeit mit Ana Haugwitz zu ihrem Thema durchzuführen. Überlegt wurde auch, mit den Arbeiten von MAIZ weiter zu machen. Zur Finissage wurde auch die Möglichkeit diskutiert, im nächsten Sommer ein gemeinsames Projekt mit KünstlerInnen aus der afrokaribischen Kultur anzustreben.

3.11. Podiumsdiskussion in den Räumen von LeTra, Lesbenberatungsstelle

Thema der Diskussion waren verschiedene Aspekte des Lebens als lesbische Migrantin in Deutschland, in der Herkunftskultur und in der lesbischen Community. Die Podiumsteilnehmerinnen hatten unterschiedliche kulturelle Hintergründe:
Kornelija Rade, in Kroatien geboren, lebt seit ihrem 16. Lebensjahr in Deutschland; Ene Kukk, in Estland geboren, lebt seit wenigen Jahren in Deutschland, Saideh Saadat Taghroudi, im Iran geboren, lebt in Berlin und Maria Virginia Gonzalez Romero, in Venezuela geboren, lebt in München.
Moderiert wurde das Podiumsgespräch von Rita Braaz, Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit bei LeTRa. Interessante Diskussionsinhalte waren die Gemeinsamkeiten des Lebens als lesbische Migrantin im Gegensatz zu den Unterschiedlichkeiten des kulturellen Hintergrunds, die Bedeutung von Gruppen für lesbische Migrantinnen und der Umgang der lesbischen Community mit dem Thema.
Auch die individuellen unterschiedlichen Sichtweisen wurden deutlich und brachten eine Differenzierung in das verallgemeinernde Wort "lesbische Migrantin". Die Bedeutung von Kunst im Leben ( lesbischer ) MigrantInnen wurde ebenso thematisiert unter der Prämisse, dass Kunst kein Monopol der Künstlerinnen ist, sondern dass es durch künstlerische Darstellung sehr wohl möglich ist, unsere Vision einer/dieser Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.

4.11. Vortrag und Film: "Migrantin sein, Lesbe sein" in den Räumen von LeTRa

Die Referentin Saideh Saadat Taghroudi, selbst Lesbe mit iranischem Hintergrund und Mitarbeiterin der Lesbenberatung Berlin, stellte das Projekt LesMigraS vor und berichtete über die Situation lesbischer Migrantinnen in Berlin. LesMigraS ist ein Zusammenschluss lesbischer Migrantinnen und Schwarzer Lesben, die im Rahmen ihrer politischen Arbeit zusammen einen Videofilm zum Thema "lesbische Migrantinnen" in Berlin gedreht haben, welcher an diesem Abend gezeigt wurde. Anschließend gab es eine Diskussion über die Inhalte. Besonders thematisiert wurden die Bedeutung des Projekts und die künstlerische Umsetzung des Themas in dem Video. In Arbeit ist zudem ein Buch mit Autobiographien von lesbischen Migrantinnen, aus dem ein Text gelesen wurde. Es wurde der Wunsch geäußert, weitere Videofilme von anderen Migrantinnengruppen zu sehen, um die verschiedenen Lebensbedingungen in anderen Ländern zu betrachten. Da der Film im Rahmen eines EU-Projektes entstand, gibt es zum gleichen Thema weitere Filme aus Frankreich und aus Österreich. Den Wunsch nach einer solchen Veranstaltung möchten wir gerne im nächsten Jahr aufgreifen. Außerdem wurde viel über die alltägliche Diskriminierung in Deutschland und unter Lesben gesprochen. Es wurden die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern und die Lebensbedingungen in Deutschland verglichen.

 

5.11. Podiumsgespräch/Vortrag: Erlebnisberichte aus dem Kulturchaos – Jugo Lesben packen aus in den Räumen von LeTRa

Die Lesben der Jugo–Lesben–Gruppe stellten sich mit ihren verschiedenen Hintergründen aus den exjugoslawischen Republiken vor und nahmen zu verschiedenen Fragen Stellung. Inhalte der Diskussion waren zum Beispiel welche Unterschiede die verschiedenen Herkunftsregionen aufweisen, welche Bedeutung der Krieg in ihrem Miteinander spielt, wie sie als Lesben in ihrer Herkunftskultur auftreten können und wie es ihnen in der deutschen Lesbencommunity geht. Es wurde auch auf die Lebenssituation in ihrem Herkunftsland eingegangen und was es in diesem Zusammenhang für die Einzelne bedeutet, in Deutschland zu leben. Anschließend konnten Fragen aus dem Publikum beantwortet werden. Die besondere Situation von Migrantinnen aus den exjugoslawischen Republiken wurde dargestellt und damit der Ansatz der "Jugolesben Gruppe", sich nicht durch die nationalen Unterschiede trennen zu lassen. Der Name "Jugolesben" wurde erläutert: hier wurde ein stigmatisierend besetzter Ausdruck im Sinne des Empowerment positiv und identitätsstiftend besetzt.

 

6.11. "Fest zwischen den Kulturen" im Feierwerk

Das Fest sollte die Möglichkeit bieten, sich zu begegnen, sich zu unterhalten und die Musik anderer Kulturen als Ausdrucksform kennen zu lernen. Zu Anfang gab es einen Auftritt der lateinamerikanischen Band Tierra Nueva mit politischen Liedern und Tanzmusik. Anschließend legten Djanes Musik aus ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen heraus auf. Es gab Musik aus dem griechisch-türkischen Raum, vom indischen Subkontinent, Balkan-Mix, sowie gemischte Musik. Die Veranstalterinnen (LeTRa und Visiones) stellten sich auf der Bühne vor und sorgten so für den Öffentlichkeitsaspekt.

 

11.11. Filmabend im Maxim

Dieser Filmabend fand im Rahmen der Filmreihe "Borderline–Filme gegen Grenzen" des Ökumenischen Büros und des bayerischen Flüchtlingsrates statt. Es wurden drei Filme gezeigt: "Migrantinnen in Berlin", Dokumentation; "Die leere Mitte", Dokumentation; "Lola und Bilidikid", Spielfilm.
Der Wunsch vieler Anwesenden, "Die leere Mitte" noch einmal zu sehen und dabei Hito Steyerl einzuladen, wurde ausgedrückt. Es wird überlegt, ob und wie dies im nächsten Jahr ermöglicht werden könnte.

 

12.–14.11. Workshop "Kartographische Eingriffe" in den Räumen der ESG

Dieser Workshop richtete sich explizit an Migrantinnen. Es wurden die Wege der Migration und des Lebens in München künstlerisch aufgearbeitet, sowie ein Forum für Austausch geschaffen.
Es wurde der Unterschied zwischen Utopie, Phantasie und Fiktion dargestellt. Eine kartographische Fiktion trägt zur politischen Bewusstseinsbildung bei durch die Fragestellung nach der Vereinbarkeit der Stadt in der wir leben mit der Stadt, mit der wir uns identifizieren könnten. 
Es wurden neue Grenzen definiert, Orte neu bezeichnet. Es wurde eine Kartografie von Innen, die durch "kartografische Eingriffe" nach Außen kommuniziert wurde, geschaffen. Zum Beispiel wurden Behördengänge mehrfach mit traumatisierenden Erlebnissen in Zusammenhang gebracht. Durch die Arbeit wurden diese Erlebnisse neu und anders besetzt.
Ziel dieses Seminars war, Fragen aufzuwerfen, Diskussion zu fördern und so einen Rahmen zu schaffen, in dem Migrantinnen und Deutsche gemeinsam Lösungen / Änderungsvorschläge machen können.
Welche Strategien gibt es, um die Sichtbarkeit von Migrantinnen im öffentlichen Raum zu verstärken? 
Im Januar soll mit der Gruppe noch einmal die Möglichkeit diskutiert werden, dieses Seminar im Laufe des nächsten Jahres immer wieder stattfinden zu lassen (eventuell einmal pro Quartal) und am Ende des Jahres eine Ausstellung inklusive offener Diskussion zu organisieren.

 


Partner

LeTRa, Lesbentelefon e.V.

Visiones e.V. (i.G.)



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