Schriftgröße ändern

Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

07.11.2011 bis 11.11.2011


Das Gleichstellungsreferat der Bamberger Studierendenvertretung, die feministische plattform und der AStA Bamberg e.V. organisierten die Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie. Hier ein kurzer Rückblick auf die einzelnen Veranstaltungen:

Montag, 7. November 2011
Julia Scholz: Queer Theory – Hilft sie uns bei Politik gegen Sexismus und Homophobie?
Zur Eröffnung der Aktionswoche gab Julia Scholz eine Einführung in die Queer Theorie und versuchte die selbst gestellte Frage „Hilft sie uns bei Politik gegen Sexismus und Homophobie?“ zu beantworten. Auf allgemein verständlichem Niveau erklärte sie sehr anschaulich, mit Bezugnahme auf Judith Butler, die Themen, Erkenntnisse und Fragen der Queer Theorie. U. a. veranschaulichte sie anhand der Geschlechterdichotomie die willkürliche Setzung von Differenzen, die i. A. als natürlich erscheinen und häufig unhinterfragt bleiben. Dieser fraglosen Annahme wirkmächtiger Strategien setzt die Queer Theorie die Dekonstruktion entgegen. Diese ist für Julia Scholz entscheidend für die politische Arbeit mit der Queer Theorie: Sie hält wach. Sie motiviert beständig zum Hinterfragen von Setzungen bzw. zum Aufdecken der selbigen. In der Diskussion wurde dann auch vorgeschlagen, die Queer Theorie als Metatheorie zu begreifen, die anderen Ansätzen übergeordnet werden kann. Kritisiert wurde an der Queer Theorie das Fehlen normativer Vorgaben für die politische Arbeit. Da die Queer Theorie gerade Normen und Normalisierungen zu hinterfragen motiviert, läuft diese Kritik ins Leere.

Dienstag, 8. November 2011
Dr. Martin Weiss-Flache: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ – Die Konstruktion von Männlichkeit(en) im Blickwinkel der kritischen Männerforschung
In seinem Vortrag ging Martin Weiß-Flache der Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ nach. Dabei sollten zunächst stereotype Fotos und empirische Stichproben in unterschiedlichen Arbeitsbereichen den Zuhörer_innen einen ersten Hinweis auf Männerbilder im Alltag geben. Mit Überlegungen zu Männlichkeit und Mann - Sein gab er dann Einblick in die kritische Männerforschung, die nicht nur ein patriarchales Weltbild, sondern ebenso das Konzept der hegemonialen Männlichkeit kritisiere. So sei für viele Männer ein Idealbild von Mann zur identitären Orientierung nötig. Zugleich leiden auch viele Männer unter einem solchen Ideal, indem das Geschlecht zum Leitbild konstruiert wird. Das Ablegen dieser Leitbilder beschrieb Martin Weiß-Flache als oftmals schwierigen Prozess. Des Weiteren erklärte er, dass vor allem in pädagogischen Bereichen auf Grund der Abwesenheit von Männern ein Bild der Nicht-Männer vorherrsche, wobei das Bild der Nicht-Männer zur Konstruktion von Männlichkeit genutzt wird. In der anschließenden Diskussion wurde diese heteronormative Vorstellung thematisiert und hinterfragt.

Mittwoch, 9. November 2011
Nils Rusche: Geschichte und Geschichten der Homophobie
Nils Rusche referierte über die "Geschichte und Geschichten der Homophobie". Der historische Exkurs spannte den Bogen von der europäischen Antike über das christliche Mittelalter in die westlich-europäische Neuzeit. Abschließend gab es eine kurze Darstellung des Status Quo in Deutschland und anderen Staaten. Neben der Entwicklung der moralischen und juristischen Bewertung homosexuellen Verhaltens erzählte er anhand historischer Dokumente auch immer wieder kurze Geschichten aus der Vergangenheit. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem der Blick über die engen regionalen Grenzen hinaus geworfen und die Lage Homosexueller in anderen Regionen der Welt diskutiert. Ebenso entspann sich noch ein kurzer Dialog über die Rolle der Homosexualität in der Bibel.

Donnerstag, 10. November 2011
Charlotte Bradke: Transsexualität/ Trans*identität
Der Vortrag lieferte eine Einführung in das Phänomen der Trans*identität. Als Einstieg zeigte die Referentin den Kurzfilm "Desarmés" aus der Reihe "Fucking Different Tel Aviv", der die  Liebesgeschichte eines schwulen Transmannes und seines Partners erzählt. Nach einer Klärung der Begriffe Transsexualität, Transidentität, Transgender, Intersexualität und Transvestitismus behandelte Bradke ausführlich die Lebenssituation der Betroffenen. Interessanter Weise erleben zum Beispiel Transfrauen und Transmänner ihre Situation aufgrund gesellschaftlicher Normvorstellungen durchaus unterschiedlich. Den Weg der körperlichen Geschlechtsangleichung stellte sie anhand der "Standards of Care " der Harry Benjamin Gesellschaft vor, wobei sie betonte, dass es auch andere Möglichkeiten des Umgangs mit der eigenen Trans*identität gibt und inzwischen der Konsens herrscht, dass eine Vielfalt an Transsexualitäten existiert.
Bradke betonte, dass sie durch ihr Psychologiestudium zwar eher einen psychologischen Blick auf das Thema habe, es aber wichtig sei, Transsexualität nicht zu pathologisieren, sondern als eine der vielfältigen Erscheinungsweisen des Geschlechtserlebens zu sehen.
In der Diskussion wurde unter anderem die Frage des Umgangs mit Pathologisierungen und die Bedeutung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen weiter diskutiert.

Freitag, 11. November 2011
Film: Das verordnete Geschlecht (D: 2001)
Thema am Freitag war das Phänomen der Intersexualität. Zum Einstieg in den Abend wurde ein Gedicht von Melanie Jilg vorgelesen, welches sich mit der Thematik der Operationen an Intersexuellen auseinandersetzt. Danach wurde der Film gezeigt, eine Dokumentation. Ihn ihm geht es um Intersexuelle und den gesellschaftlichen Umgang mit ihnen. Die Existenz von nur zwei Geschlechtern als unhinterfragte  gesellschaftliche Norm ist dabei Ausgangspunkt. Auch heute werden gravierende, irreversible chirurgische Eingriffe an Kindern vorgenommen, um sie einem Geschlecht anzupassen. Im Film geht es um die Geschichte von Intersexuellen und um die weiterreichende gesellschaftliche Bedeutung, die es hat, dass die Gesellschaft nur die Existenz von zwei Geschlechtern anerkennt. Zwei Intersexuelle erzählen, welchen Preis sie dafür zahlten, dass die Vorstellung der Gesellschaft von Normalität erhalten bleibt. Die Geschichten werden durch Ansichten von Eltern und Ärzten, die eine Operation rechtfertigen, kontrastiert. Es ist eine Dokumentation über die gewalttätige Geschlechter- und Körperpolitik, ein Plädoyer für Gleichbehandlung und Anerkennung von Pluralität.
In der Diskussion, welche an den Film anschloss, wurde vor allem offensichtlich, dass sich viele Teilnehmer_innen bisher noch nicht mit Intersexualität befasst hatten, oder überhaupt noch nichts darüber wussten. Es wurde diskutiert, inwieweit es möglich sei, ein Kind ohne Geschlecht in dieser Gesellschaft aufzuziehen, und was die Konsequenzen daraus für das Kind und eventuell langfristige Folgen für die Gesellschaft sein könnten.

 

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Studierendenvertretung der Universität Bamberg

feministische plattform

AStA Bamberg e.V.


Art der Veranstaltung
Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Film



Empfehlen Sie diese Veranstaltung oder dieses Dokument weiter!
Kopieren Sie dazu den Link aus der Adresszeile in eine Email. Bitte beachten Sie, einen gültigen Adressaten anzugeben.