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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

11.09.2006

Alt - agil - aktiv!

Leben und Wohnen im Alter

Deutschland wird älter - daran besteht kein Zweifel. Es wird mehr alte Menschen geben, darunter viele Hochbetagte, aber auch "Senioren und Seniorinnen", die agil, fit und unternehmungslustig sind. Leben und Wohnen im Alter - das wird in Zukunft vielfältig und facettenreich sein. Das klassische Alten- und Pflegeheim ist für die wachsende Gruppe älterer Menschen in Deutschland keine attraktive Zukunftsaussicht. Die meisten wollen auch im hohen Alter möglichst selbstbestimmt leben und wohnen, am besten in den eigenen vier Wänden.

Unsere Tagung beschäftigte sich mit den verschiedenen alternativen Wohnformen und stellt konkrete Praxismodelle vor, die den individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden wollen. 

Wir dokumentieren die uns vorliegenden Beiträge der Tagung als PDF-Dateien.

Holger Adolph, Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin
Unser Bild des Alters - Lebensformen im Wandel
Präsentation und Vortragstext

Andrea Rau, Institut für Mobilität & Verkehr (imove), TU Kaiserslautern
mobil & barrierefrei - Altsein im öffentlichen Raum
Präsentation

Heike Skok, Dipl. Soz.
Alter(n) und Geschlecht
Präsentation

Sonja Thiele, SIMBA, Germering
Betreutes Wohnen
Präsentation

Klaus Wuttig, Seniorenforschungsgruppe SENTHA, TU Berlin
Senioren und Technik
Präsentation

Petra Hüttner, Senioren- und Stiftungsamt, Regensburg
Füreinander und Miteinander Miteinander - Engagement im Alter
Präsentation

Rudi Schmid-Geiger, Dipl.-Sozioalpädagoge, Stadt Amtzell
Jung und Alt gemeinsam
Präsentation

Marita Gerwien, Seniorennetzwerk, Stadt Arnsberg
Engagement im Alter: konkret
Präsentation





 


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Akademie für Politische Bildung Tutzing


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19.05.2006

Freiheit, Menschenwürde, Menschenrecht und Widerstand, eine Aufgabe der Kunst

Wie entwickle ich die Fähigkeit zum geistigen Widerstand?

Der Mensch hat das Recht und die Pflicht, jeder sichtbaren oder verdeckten Diktatur, zum Beispiel durch die Medien, auch ihren schwer erkennbaren Vorboten, Widerstand zu bieten – welche Kraft ist gefordert? Rainer Schnurre sprach über sieben "Kraftquellen" von Joseph Beuys:
1. "La rivoluzione siamo noi", "Die Revolution sind wir". Aber was ist Revolution und was soll ihr Ziel sein? Zunächst muss die Idee für das ‚Neue’ entwickelt werden. Dann kann der Wille zu Veränderungen die Kluft zwischen Idee und Umsetzung überwinden. Revolutionäre Gedanken müssen gemeinsam entwickelt werden.

2. "Demokratie ist lustig". Was ist Demokratie? Zunächst ein Parteiensystem – aber wenn es gelingt, dass Menschen miteinander gestalten, dann kann eine neue Form entstehen – und dieses ‚gemeinsame Wirken’ macht Freude.

3. "Lehrer ist, wer spricht". Beim Lauschen entsteht ein Freiraum, der von Redner und Zuhörer gemeinsam erlebt werden kann. Im ruhigen, aufmerksamen Zuhören liegt Menschenwürde.

4. "Das Ende des 20. Jahrhunderts". Das 20. Jahrhundert war geprägt von der Zweiheit und Trennung. Durch Europa ging eine Mauer, die Mitte dieser Teilung war Deutschland, der Kern war Berlin. Das 3. Jahrtausend hat begonnen, und die Versuche, individuelles Denken zu unterdrücken, nehmen zu. In einer Preisrede auf H.M. Enzensberger wurde hervorgehoben, er habe sich keinem "Denkverbot" unterworfen! - eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

5. "Zeige deine Wunde". Wir sind mit Wunden ins neue Jahrtausend gekommen. Diese Wunden sind unsere Unfähigkeiten im Sozialen. Die Wahrnehmung der Wunden lässt Fähigkeiten entstehen, sie zu heilen. Die Schulung des Bewusstseins an der Erfahrung des Schmerzes, des eigenen und fremden ‚mit’leiden, ist ein Weg zu den Ursachen der Wunden.

6. Soziale Skulptur und Soziale Plastik. Denken ist ein plastischer Prozess. Durch das Denken gestaltet sich die Feingliederung des Gehirns. Nötig ist geistiger Widerstand – er ist nicht gewaltsam ‚gegen’ etwas, sondern ‚durchdringt’ die Gewalt, ‚überwindet’ Sie.

7. "Das Atelier ist zwischen uns". Das Ich sucht das Du. In der Verbindung der Individuen entsteht ein Raum für beide Ich und beide Du. Der Raum umschließt die beiden Individuen, aber dadurch entsteht noch kein Wir. Zwischen mir und dem Anderen bleibt ein freier Raum, ein Kunstraum. In ihm kann Neues entstehen und ihn gilt es zu gestalten. Im Menschen, und dann zwischen den Menschen, entstehen Freiheit, Menschenwürde, Menschenrecht und Widerstand, das Entstehen ist eine schöpferische, notwendige Aufgabe.

 

Der Revolutionsbegriff bei Joseph Beuys

Durch gemeinsame Bearbeitung des Freiheits-Begriffes und des Rechts-Begriffes, sowie von "Denkverbot + Willkür", wird die Sinnhaftigkeit dieser Begriffe klar und führt zum Verständnis von Brüderlichkeit. Hier setzt die Überwindung latenter diktaturähnlicher Strukturen an.

Im Gespräch wurden zunächst ausgewählte Kraftquellsätze des Vorabends vertieft. Die aktuelle weltpolitische Lage bedeutet ein Gegenbild zu den Beuys-Sätzen. Doch sollte Antipathie überwunden und die Verschiedenheit der Völker akzeptiert werden. Wach sollte man verfolgen, was durch Medien suggeriert wird, um die Wirkweise dieser Botschaften zu durchschauen. Dadurch werden Fähigkeiten zu neuen Ideen entwickelt, geistiger Widerstand kann geleistet, und Sicherheit in der Unsicherheit erübt werden. Das ist eine Mutfrage. Wir dürfen unsere Aufgabe nicht verschlafen.

 

Joseph Beuys: "Demokratie ist lustig".

Kunst verstanden als Entwicklungsimpuls, individuell und gesamtgesellschaftlich.

Das Multiple "Demokratie ist lustig" entstand aus dem gelebten Alltag heraus, Beuys war Professor an der Akademie in Düsseldorf und leistete Widerstand gegen das Nichteinhalten von Konferenzbeschlüssen seiner Kollegen. Ihm wurde fristlos gekündigt.

Beuys handelte aus einem individuellen Impuls heraus, nach exakter Prüfung aller Gegebenheiten die hinderlich waren für die Entwicklung aller Fähigkeiten junger Menschen. Er handelte nicht für sich, sondern für die Sache der Studenten, für ihr Menschenrecht auf freie Entfaltung, und dazu gehörte die Wahrung ihrer Menschenwürde.

Sein individuelles Handeln, aus der Idee heraus ein neues Aufnahmeverfahren zum Wohle der Studenten einrichten zu wollen, sollte gesamtgesellschaftliche Folgen haben: eine vorgelebte Ermutigung, sich Autoritäten nicht zu beugen, sondern Ideen zu entwickeln, die das Vorgegebene, das häufig autoritär wirkt, zu transformieren. Dies gelingt nur durch absolute Hingabe an die Sache, mit Kompromissen werden Autoritäten nicht beseitigt, erst recht nicht die "unsichtbaren" und schwer zu erkennenden. Geistiger Widerstand ist individuell, eine Aufgabe der Kunst, der Kreativität des Menschen, des Souverain im Menschen, aber im zweiten Schritt gesamtgesellschaftlich, mit anderen gemeinsam handeln ist angesagt: die Soziale Kunst.

 


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Soziale Skulptur München


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06.07.2005

Aufbau eines Netzwerkes von Jugendzentren rund um Bujanovac

Stärkung der multiethnischen Zivilgesellschaft in Südserbien

Vorträge und Diskussionen auf Einladung des Freisinger Friedensbündnisses

Ziel des Projektes war die Information von Schüler/innen, Jugendlichen und Erwachsenen in Freising über die gesellschaftliche Situation in einem Gebiet von fünf Dörfern in Südserbien in der Umgebung von Bujanovac nach dem Kosovo-Krieg. Das Gebiet grenzt direkt an Mazedonien und den Kosovo und wird vornehmlich von Serben und Albanern bewohnt. Es gehört zu den wirtschaftlich schwächsten Regionen des Landes.

Konkret ging es um die Vorstellung eines Friedensprojektes, in dem fünf multiethnische Jugendzentren gegründet und zu einem Netzwerk zusammengeschlossen wurden. Die Friedensfachkraft Branka Jovanovic sowie zwei delegierte Vertreter des Jugendzentrumsnetzwerkes, Bejtulla Memedovic (Albaner) und Marjan Stojmenovic (Serbe), stellten ihre Arbeit vor Ort und ihre bisherigen Erfolge in Form eines Vortrages und anhand von Fotos vor. Danach beantworteten sie zahlreiche Fragen aus dem Publikum.

Am 5. Juli 2005 fand eine Veranstaltung mit den zehnten Klassen des Camerloher-Gymnasiums in Freising in der Schule statt.

Am 6. Juli 2005 fand eine zweite Veranstaltung im Freisinger Jugendzentrum statt, die von den beiden Freisinger Jugendzentren unterstützt wurde.

In beiden Veranstaltungen wurde sehr direkt und eindrücklich über die wichtige Friedens- und Versöhnungsarbeit vor Ort berichtet. Erste Erfolge der Verständigung zwischen Serben und Albanern stellen sich ein. Ein ganz grundlegendes Problem stellt jedoch die trostlose wirtschaftliche und ökologische Lage in der Region um Bujanovac mit einer sehr hohen Arbeitslosigkeit dar, die fast alle Jugendlichen betrifft. Die Infrastruktur der Region befindet sich in einem katastrophalen Zustand, Strom gibt es nur zeitweise, eine öffentliche Wasserversorgung existiert nicht, geschweige denn eine Abwasserentsorgung. Entsprechend schlecht ist es um die Umweltqualität bestellt, in der die Jugendlichen aufwachsen. In die Region fließen zwar EU-Fördergelder für den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur, die aber nicht dort ankommen, sondern in dunkle Kanäle umgeleitet werden. Unter anderem mit Unterstützung der Friedensinitiativen in Deutschland soll auf diese Problematik aufmerksam gemacht werden. Angedacht ist die Gründung einer ökologischen Friedensregion Südserbien, in der beispielhaft die friedenspolitischen Bemühungen vor Ort mit Unterstützung durch europäische Initiativen dargestellt werden sollen als Alternative zu gewaltsamen Konflikt"lösungen".


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Freisinger Friedensbündnis



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09.12.2004

Stolpersteine

Von Köln lernen

München überzeugen

Aller Opfer gedenken

Im Jahr 1992 rief der Kölner Künstler Gunter Demnig die Aktion „Stolpersteine“ ins Leben. Auf diesen 10x10 cm großen Messingplatten, werden Name, Jahrgang und Schicksal von Menschen eingeschlagen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 durch Deportation und Ermordung Opfer der Nationalsozialisten wurden. 
Solche Stolpersteine, die dann vor den Häusern verlegt werden, in denen die Mitbürger/innen gelebt haben, und das mit ihnen verbundene Gedenken an die Opfer des Faschismus sind nach der derzeitigen Beschlusslage des Stadtrates in München nicht erwünscht.

Auch in Köln, der Stadt, in der die ersten Platten verlegt wurden, dauerte es zwei Jahre, bis alle politischen und behördlichen Genehmigungen vorhanden waren. Darüber, über die weitere Entwicklung, den heutigen Stand der Dinge sowie die Erfolge und Schwierigkeiten bei der Verlegung der Stolpersteine in ihrer Stadt, berichtete die 3. Bürgermeisterin aus Köln, Angela Spizig.

Den Ablauf der Diskussion im Münchner Stadtrat mit dem Weg zur Ablehnung zeigte Lydia Dietrich auf.

Neben den jüdischen Mitbürger/innen betrafen die grausamen und menschenverachtenden Handlungen der Nazis u.a. auch Behinderte, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende sowie Homosexuelle. Sie alle sollen und dürfen nicht vergessen werden. So können die Messingtafeln dazu beitragen, die Menschen gerade in ihrem alltäglichen Lebens- und Wohnumfeld innehalten zu lassen und Nachdenken über die mit dem jeweiligen Haus verbundenen individuellen Schicksale auszulösen.

Über die Nachforschungen und die Schicksale Homosexueller während der Nazizeit erzählte Albert Knoll vom Forum für Homosexualität und Geschichte und über den Wunsch, der Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung Opfer wurden, mit Stolpersteinen zu gedenken.

Herr Schneeberger, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands der Sinti und Roma, schilderte den derzeitigen Stand der Diskussion über die Stolpersteine in seinem Verband. Es gibt bislang keine Festlegung dafür oder dagegen, es ist jedoch klar, dass keine Entscheidungen gefällt werden können ohne Einbeziehung der Familienverbände.

Der Initiativkreis für die Stolpersteine in München, der sehr aktiv ist, wurde vertreten durch Judith Bernstein, die ihre ganz persönliche Motivation zur Mitarbeit darstellte und die Planungen des Kreises nannte. Es gibt bereits 7 fertige Steine für München, ohne das klar ist, ob sie jemals verlegt werden dürfen. Die Besucher/innen konnten sie anschauen und anfassen und sich so ein konkretes Bild von der Größe, dem Material und der jeweiligen machen.

In der sich anschließenden Diskussion auch mit den ca. 60 Besucher/innen wurde immer wieder deutlich, wie sinnvoll diese Art des individuellen Gedenkens ist, wie unsinnig der Beschluss des Stadtrates sei und es gab Überlegungen, wie es doch noch zu einer offiziell genehmigten Verlegung von Stolpersteinen auch in München kommen kann. In der Abschlussrunde wurde auch auf dem Podium noch mal herausgestellt, dass diese Art des Erinnerns eine gute und sinnvolle Ergänzung zu den „großen“ Gedenktafeln ist.



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12.11.2004

On the situation of...

In den Räumen der "Bank", Müllerstr. 42, wurde die Ausstellung des Künstlers Harald Schmutzhard vom 14.-28.11.2004 präsentiert. Die Vernissage mit Vortrag des Künstlers war am 14. November, ein Vortrag über illegalisierte Menschen in München und die Arbeit des Café 104 am 24.November. Außerdem bestand für SchülerInnengruppen das Angebot, die Ausstellung auch vormittags mit Ausstellungsführung zu besuchen.

Ziel der Ausstellung war es, das Thema Migration, das Social Impact in einigen Arbeiten behandelt, einem neuen Publikum zugängig zu machen. Deshalb wurde nicht nur die Form der Ausstellung gewählt, sondern auch ein ungewöhnlichen Ort: die Bank. Die Bank ist eine Bar/Club im Zentrum Münchens, die damit wirbt, verschiedenste KünstlerInnen zu präsentieren. Das übliche Publikum setzt sich zusammen aus Nachtschwärmern, Kunstinteressierten und KleinkünstlerInnen. Die Verbindung öffentlicher Raum und sozialkritisches Beleuchten der Problematik Flucht und Migration erschien vorteilhaft, um einen Diskurs voranzutreiben. Um weitere BesucherInnen zu erreichen, wurde im Rahmen der Ausstellung auch ein Vortrag organisiert. Über zusätzliche Schulführungen sollte der Kontakt zu Jugendlichen intensiviert werden.

Es wurden zwei Themen präsentiert, die allgemein sozialkritisch waren:

dead house walking: Fotographien der Wohnzimmer eines Sozialbauhochhauses in Linz, das abgerissen wurde. Das damals dazugehörige Projekt hieß "Wir sind zwei Dörfer" und wurde neben den Fotos beschrieben. Es geht dabei vor allem darum, den BewohnerInnen dies Sozialbaus eine gemeinsame Identität zu geben, sie positiv zu besetzen und neue Kontakte aufzubauen, um zum einen die Umsiedlung zu erleichtern und zum anderen das Selbstbild aufzuwerten.

Wahl-versprecher: Plastiktüten, von denen 20.000 vor den Landtagswahlen in Österreich vor Supermärkten verteilt wurden. Die Tüten haben alle verschiedene Farben. Jede Farbe behandelt ein anderes Thema (Migration, Arbeit, Jugend, Kultur,...). Auf den Tüten werden die schönsten Auszüge aus den Wahlprogrammen aller Parteien zum jeweiligen Thema und eine Gegenposition von einem Betroffenen dazu zitiert. Die verschiedenen Farben der Tüten sorgten dafür, dass die Leute in den Supermärkten neugierig wurden und andere EinkäuferInnen fragten, was auf ihrer Tüte steht. So begannen die Leute zu diskutieren und zwar über Politik und das im Supermarkt.

Die restlichen Themen hatten einen starken Bezug zu Migration:

Überlebensratgeber für illegalisierte Putzfrauen: In acht Sprachen Tipps für das Überleben in der Illegalität in Österreich. Ein Projekt, das gemeinsam mit und für illegale Putzfrauen erarbeitet wurde.

Ein Wanderführer für Flüchtlinge, border rescue: Das Projekt macht auf die steigenden Todesfälle an den Grenzen Europas aufmerksam. Für den Aktionszeitraum von einer Woche recherchierte Social Impact an der EU-Außengrenze zwischen Österreich und Tschechien, um Gefahrenstellen zu dokumentieren, "sichere" Fluchtrouten zu suchen (mittels GPS-Daten, Videosequenzen, Fotografien, Karten) und Verhaltenstipps für Flüchtlinge in der Praxis zu erarbeiten. Präsentiert wurde das ganze als Videoinstallation.

agentur no_milk///no_honey: Eine Anfang Oktober 2002 in Kraft getretene Verordnung des österreichischen Innenministeriums hat die Situation der Asylsuchenden in Österreich dramatisch verschärft. Das ab Mai 2004 in Österreich geltende Asylgesetz bietet in dieser Hinsicht Verbesserungen, wird von unabhängig Experten aber auf Grund anderer Bestimmungen kritisiert. Die von Social gegründete Agentur "no_milk///no_honey" versucht vor diesem Hintergrund Informationen über inakzeptable Umstände für AsylbewerberInnen in Österreich an die Öffentlichkeit zu bringen und medialen Stereotypen entgegenzuwirken. Ausgestellt wurden Kleidungsstücke und der Ablauf der Aktionen wurde beschrieben.

Jezelov: Einblick in den Ausblick aus einem Auffanglager in Kroatien. Eine Videoinstallation über dieses Lager, in dem Flüchtlinge über ungewisse Zeit bleiben müssen und als einzigen Ausblick eine Autobahn haben. Eine Annäherung an ihre Situation über Interviews, Blick aus dem Lager und gedankliche Verbindungen zu dieser Lagersituation wurden ästhetisch visualisiert.

Der Vortrag von Harald Schmutzhard (Social Impact) wurde interessiert aufgenommen. Es gab rege Diskussionen im Anschluss, sowohl über Formen der Aktionskunst, als auch über Flucht, FluchthelferInnen und Migration. Das Thema Migration wurde durch einen Vortrag von Sandra Pauli, als auch von Harald Schmutzhard selbst intensiv behandelt.

Am 25. November nahm eine 10. Realschulklasse Realschule an einer Schulführung teil. Referentin, Sandra Pauli, machte mit ihnen eine eineinhalbstündige Führung, die auf SchülerInnen zugeschnitten war. Die Klasse nahm die Führung interessiert auf und die Lehrerin lud die Referentin anschließend noch ein, die Klasse im Dezember zu besuchen, um über Migration zu referieren.

Am 28. November besuchte eine Klasse der Kunstakademie München die Veranstaltung und bekam eine Führung mit anschließender Diskussion. Auch diese Führung nahm eineinhalb Stunden in Anspruch und traf auf gute Resonanz.

Die Ausstellung hat das Ziel, das Thema Migration in eine Öffentlichkeit zu tragen, die damit üblicherweise nicht oder nur am Rande konfrontiert ist, erreicht. Gerade die Debatten haben gezeigt, dass Informationsbedarf besteht, um Vorurteile zu beseitigen. Das hat auch der Besuch in der Schule bestätigt. Selbst bei den Jugendlichen haben sich sehr harte Meinungen über MigrantInnen gefestigt, die es langsam aufzuweichen gilt. Die Ausstellung und vor allem die Vorträge und Diskussionen haben dazu einen Beitrag geleistet. Der unkonventionelle Zugang über Bild, Ton und Text auf einer künstlerischen Ebene hat eine Offenheit erzeugt und dadurch verschiedene Menschen angesprochen und ermuntert, das Ganze erst einmal auf sich wirken zu lassen und Meinungen zu überdenken.


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Bayerischer Flüchtlingsrat



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12.03.2004

Chancen und Herausforderungen: deutsch-türkischer Dialog

Teilnehmer/innen:
Cem Özdemir, Ex MdB, Europakandidat für B90/Die Grünen, aktuell Transatlantic Fellow des German Marshall Fund of the USA
Eckhardt Barthel, MdB, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
Dr Rüdiger Bolz, Leiter des Goethe Instituts Istanbul
Dr. Bettina Berns, Projektleiterin "Deutsch-Türkische Beziehungen" im Förderbereich "Völkerverständigung" der Robert-Bosch-Stiftung
Osman Okkan, Journalist, Filmemacher, Vorsitzender KulturforumTürkei/Deutschland

Die Podiumsdiskussion unter Moderation von Jürgen Markwirth (Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit) hatte sich vorgenommen, das Festival kulturpolitisch im weiten Themen-Feld des "Deutsch-türkischen Kulturaustausches" einzuordnen. Bereits mit der Auswahl der Diskussionsteilnehmer/innen wurde deutlich gemacht, dass die Facetten dieses Themas von Kulturpolitik und Integrationspolitik in Deutschland bis zur Auswärtigen Kulturpolitik reichen. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildeten ein interessiertes Publikum für das Podiumsgespräch, deutsches und türkischstämmiges Publikum war dabei zu etwa gleich großen Teilen vertreten.

Die Podiumsteilnehmer/innen waren sich einig, dass deutsch-türkischen Kultur-Aktivitäten sowohl im Hinblick auf das interkulturelle Leben in Deutschland, als auch im Hinblick auf das Verhältnis Deutschland – Türkei bzw. hinsichtlich eines möglichen EU-Beitritts der Türkei eine wichtige Rolle zukommt und in Zukunft noch verstärkt zukommen wird. Dabei wurde dem Medium Film allgemein ein hoher Stellenwert beigemessen. Kulturpolitik in Deutschland sei gefordert, dies auf allen Ebenen (Bund, Land, Kommune) verstärkt zu reflektieren und entsprechende Projekte zu unterstützen. Betont wurde, dass auch die Türkei dabei gefordert ist.

Mehrere Podiums-Redner akzentuierten die wichtige Rolle, die in Deutschland lebenden türkischstämmigen Künstlern beim deutsch-türkischen Dialog zukommt, sowohl hierzulande als auch in der Türkei. Unter Verweis auf Fatih Akins Erfolg und die intensiven Reaktionen auf seinen Film wurde die Hoffnung geäußert, dass türkischstämmige Künstler einen gesellschaftlichen Diskurs in Gang bringen könnten, der in der Integrationspolitik in der Vergangenheit immer wieder stecken geblieben ist. Kulturarbeit könne helfen, gegenseitige Vorurteile und Ängste abzubauen.

Einigkeit bestand aber auch darin, dass deutsch-türkischer Kulturaustausch professionelle Strukturen braucht, um nachhaltiger in Gang zu kommen.


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InterForum Nürnberg



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04.02.2004

Die Wut in meinem Herzen

Texte von Ingrid Betancourt

"Zweimal schon hat die Mafia versucht, mich zu töten. Ich bin mir der Gefahr bewusst, aber ich lasse mich nicht einschüchtern."

In ihrem im Jahr 2000 erschienenen und international sehr beachteten Buch "Die Wut in meinem Herzen" (List Verlag) erzählt Ingrid Betancourt aus ihrem Leben, das sie ihrem Heimatland Kolumbien gewidmet hat. Mutig kämpft sie dabei gegen die Korruption, gegen Armut, Terror und gegen die Drogenmafia, auch wenn dies die alltägliche Bedrohung für sie selbst und die Trennung von ihren Kindern bedeutet.

Mächtige Kreise in Kolumbien haben kein Interesse, dass diese äußerst engagierte Frau auch noch Präsidentin des Landes wird. Im Februar 2002 wird Ingrid Betancourt während einer Wahlverstaltung von einer Gruppe der Guerillabewegung Farc entführt. Seitdem ist sie vermisst. Aktuellen Pressemeldungen zufolge, weigert sich die kolumbianische Regierung bis heute auf die Forderungen der Entführer einzugehen.

Im November 2002 wird Ingrid Betancourt von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin der Petra-Kelly-Preis 2002 verliehen, der ihr herausragendes Engagement gegen Gewalt und Menschenrechtsverletzungen würdigt.

Weltweite Aufrufe und auch die Unterstützung zahlreicher Gruppen, Einzelpersonen und Institutionen haben jedoch bis heute nicht die Freilassung Ingrid Betancourts erreichen können.

Mit der Szenischen Lesung konnte auf künstlerische Weise auf Ingrid Betancourt wieder aufmerksam gemacht werden. Alle vier Lesungen waren fast ausverkauft; es gab sehr gute, bewegte Publikumsreaktionen.


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Hans Melzer, Regisseur + Produzent



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21.01.2004

Kopftuch verbieten?

Das vielen als wachsweich erscheinende Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts fachte die öffentliche Debatte über die Zulässigkeit von Kopftüchern auf Lehrerinnen in öffentlichen Schulen wieder an. Rund hundert Leute ganz verschiedener Couleur hatten sich im EineWeltHaus München zu diesem aufregenden Abend eingefunden. Eine besondere Aktualität erhielt die Veranstaltung durch den Umstand, dass wenige Tage zuvor der Gesetzesentwurf der Bayerischen Staatsregierung "Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG)" veröffentlicht worden war, der mit seinem Verbot des Kopftuches für Lehrerinnen während des Unterrichts bei gleichzeitiger Duldung christlichen und auch jüdischen Ornats auf – teilweise heftigen – Widerstand stieß. Bis in den späten Abend wurde unter der souveränen Moderation von Diethard Seemann (HU) engagiert, kontrovers, auch polemisch, aber letztlich fair und ohne Aggressionen über dieses in der Tat diffizile Thema diskutiert.

Auch hier bestätigte sich deutlich der Eindruck, den man aus der Lektüre der zahlreichen Veröffentlichungen dazu in den vergangenen Wochen und Monaten gewinnen konnte: Die Meinungen und interessanterweise auch die Koalitionen gehen quer durch alle Parteien und Parteiungen, die gängigen politischen "Lager" wirken wie aufgehoben. Jedermann und Jedefrau ringen offensichtlich um eine eigene, oft differenzierte, manchmal auch widersprüchliche Meinungsbildung. Dabei geht es in Deutschland, anders als beispielsweise in Frankreich, genau genommen allein um den Berufsstand des Lehrers respektive der Lehrerinnen. Man könnte von daher sagen, diese Frage betrifft nur wenige Personen hierzulande – gleichwohl hat dieses religiöse Symbol offenkundig Symbolcharakter bekommen: für den Umgang schlechthin mit Andersgläubigen. 
Der Abend wurde eröffnet mit einer Podiumsrunde, die zunächst die rechtlichen und rechtspolitischen Aspekte der Kopftuchproblematik ausleuchten sollte.

Dr. Jürgen Kühling, ehemaliger Bundesverfassungsrichter und Mitglied im Bundesvorstand der HU, zeichnete im Einvernehmen mit dem Publikum die wesentlichen Passagen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts (BVG) vom 24. September letzten Jahres nach, das die erregte öffentliche Debatte ausgelöst hatte. Dem stellte er den gerade eingetroffenen bayerischen Entwurf gegenüber, erst einmal ohne diesen zu bewerten. Später, als Alt-Richter befragt, äußerte er seine Skepsis, dass der Entwurf der Staatsregierung vor dem BVG Bestand haben werde; er verstoße gegen die Verpflichtung des Staates zur Neutralität, weil nach dem Grundgesetz allen Religionen gleich Rechnung getragen werden müsse: Man könne "nur alles verbieten oder nichts".

Martin Neumeyer, MdL der CSU und stellv. Vorsitzender der Arbeitsgruppe Islam seiner Fraktion sowie Mitglied des Ausschusses für Verfassungs-, Rechts- und Parlamentsfragen im Landtag, verteidigte den CSU-Entwurf mit Blick auf unsere abendländisch-christlichen Kulturtraditionen, die in der Erziehung zu privilegieren es seiner Auffassung nach gute Gründe gäbe. Er verwies mehrfach auf sein beachtliches Engagement für den christlich-islamischen Dialog, um zu verdeutlichen, dass aus seiner Sicht mit dem Verbot keinerlei Diskriminierung verbunden sei. Neumeyer, der immer wieder ins Kreuzfeuer kritischer Nachfragen geriet, räumte schließlich ein, dass auch er sich nicht sicher sei, ob der Entwurf seiner Partei vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen werde.

Dr. Margarete Spohn von der Stelle für Interkulturelle Arbeit der LHSt. München plädierte für eine "entemotionalisierte" und vor allem differenzierte Diskussion, weg von den Schablonen. Das ihrer Meinung nach von Vorurteilen geprägte und somit einseitige Bild einer Kopftuch tragenden Lehrerin ("Mythos der unterdrückten Frau") verkenne deren gewandelte Lebensrealität, die mit dem (selbstgewählten) Kopftuch als Teil dieser Gesellschaft anerkannt werden will. Spohn sieht "im Kopftuch" gewissermaßen den Testfall für die interkulturelle Toleranz, welche sich auf diese Weise bereits im Schulunterricht seitens der Jugend erfahren und erlernen ließe. Entschieden wandte sie sich gegen die unterschiedliche Behandlung der Religionen, wie die im bayerischen Gesetzesentwurf zum Ausdruck komme.

Bei aller Divergenz der Argumentationen machte der Abend deutlich, dass den Diskutanten an einer Gleichbehandlung und Gleichberechtigung religiöser Ausdrucksformen gelegen war, und das vielleicht schönste Ergebnis war die Bereitschaft, einander zuzuhören.


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Humanistische Union, Regionalverband München-Südbayern



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28.11.2003

Kleine Schritte gegen rechte Tritte?

Konzepte gegen Rechtsextremismus

Wer erinnert sich nicht an die Bilder des "Aufstands der Anständigen" im Jahr 2000: Hunderttausende Demonstrierender auf den Straßen, Lichterketten, Mahnwachen und viele spontane Aktionen zwischen Garmisch und Rostock. Dies war auch die Geburtsstunde einer Welle von staatlichen Programmen und privaten Initiativen. Drei Jahre später plagen viele dieser Initiativen gegen Gewalt und Intoleranz existentielle Sorgen. Diese von den Medien weitgehend unbeachtete Entwicklung war Anlass für die Akademie für Politische Bildung und die Petra-Kelly-Stiftung, diesem Thema in einer Workshop-Tagung nachzugehen.

Die Tagung verfolgte dreierlei Ziele: Zum einen ein Forum zu bieten zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch für die MitarbeiterInnen von Programmen und Initiativen, zum anderen um eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit zu ziehen und schließlich - damit eng zusammenhängend - nach den Zukunftsperspektiven zu fragen. Die große Resonanz aus ganz Deutschland auf die Einladung zur Tagung - darunter viele Aktive und TeilnehmerInnen, die sich professionell mit diesem Thema auseinandersetzen - zeigte deutlich, dass ein starkes Bedürfnis zum Informations- und Erfahrungsaustausch vorhanden ist.

Den Beginn der Tagung markierte ein thematischer Block, in dem die Erscheinungsformen und sozialökonomischen sowie psychosozialen Ursachen von Rechtsextremismus analysiert wurden. Hans-Gerd Jaschke (Polizei-Führungsakademie Münster) widmete sich dem ersten Aspekt. Eingangs wies er darauf hin, wie groß die Spannweite der Erscheinungsformen sei: Hohmann-Affäre wie "braune RAF" (Beckstein) markierten nur zwei Pole. Ein grundlegendes Problem sei es, so Jaschke, dass sich die Täter von Rechts durch die Gesellschaft in ihrer Rolle als "Vollstrecker des Volkswillens" legitimiert fühlten. Dafür sei eine weit verbreitete, tief verankerte wohlwollende Einstellung gegenüber "rechten" Haltungen verantwortlich. Direkte und indirekte Formen der Diskriminierung seien als Belege zu sehen, dass rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen "in der Mitte der Gesellschaft" ihren Platz hätten.

Auf die sozialökonomischen und psychosozialen Ursachen ging Birgit Rommelspacher (Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin) ein. Analog der Argumentation vieler Eltern von rechtsextremistischen Jugendlichen vollziehe sich auch der öffentliche Diskurs: Rechtsextremismus werde zu einem Jugendproblem degradiert, das von der allgemeinen Desorientierung der Jugendlichen herrühre. Die Jugend sei aber eigentlich unpolitisch, also handele es sich ja im Grunde "nur" um ein soziales Problem. Rommelspacher räumte auch mit dem Vorurteil auf, Rechtsextremismus würde kausal mit Arbeitslosigkeit zusammenhängen. "Vielmehr sind Werte und Einstellungen entscheidend, nicht die sozialstrukturellen Gegebenheiten als solche." Oft seien die unkritischen Erzählungen der Großeltern Ausgangspunkt neonazistischer Karrieren. Zumeist seien es Außenseiter, die in einen Kreislauf sozialer Verarmung geraten, die getrieben werden von der "Sehnsucht nach Mitgefühl und Freundschaft." Sehr oft zu spät merkten sie, dass Rechtsextremismus in erster Linie "Erstarrung, Verengung, Verödung" bedeute. Ansatzpunkt für die Pädagogik müsse sein, "es zu schaffen, dass sie auch die andere Seite sehen, die Widersprüche, die Brüche der Idelogie."

Christiane Tramitz (Starnberg), Autorin des Buches "Unter Glatzen", machte ähnliche Erfahrungen. Ihre Studie, die auf Interviews mit verurteilten rechtsextremistischen Gewaltverbrechern beruht, macht deutlich, dass die Anfälligkeit für dieses Gedankengut schon in der Kindheit grundgelegt wird. "Trauer, Angst und Einsamkeit" sowie die Erfahrung "physischer und psychischer Demütigung" durch die Eltern führten zur zentralen "Ohnmachts-Erfahrung". Die Gruppe hingegen steht für die Erfahrung, dass man Macht habe und überlegen sei. "Ideologie", so Tramitz, "spielt bei den stark politisierten Rechtsextremisten eine wirkliche Rolle, über die Argumentation gegen die Ideologie kommt man an diesen harten Kern nicht heran."

Die "Sicht der Macher" stand im Zentrum des Workshop-Blocks. Dabei stellten neun Organisationen und Initiativen ihre konkreten Projekte vor. Das "Bündnis für Toleranz und Demokratie" (www.buendnis-toleranz.de) ist so etwas wie eine Dachorganisation, die zum einen als Netzwerkknotenpunkt für über 900 Gruppen agiert, zum anderen diese durch staatliche Förderprogramme unterstützt. "Rund 200 Millionen Euro", so Reiner Schiller-Dickhut (Berlin), "wurden und werden allein im Programm 'Civitas' zwischen 2001 und 2006 bereit gestellt, um zivilgesellschaftliche Strukturen zu schaffen und zu stützen." Dasselbe Ziel verfolgt auch "Gesicht zeigen! ? Aktion weltoffenes Deutschland e. V." (www.gesichtzeigen.de), vorgestellt von Rebecca Weis (Berlin). Bereits mit mehreren Kinospots hat sich der Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert, an "die schweigende Masse" gewandt, daneben gibt es einen Medienkoffer sowie ein Musikpaket. Die neueste Idee heißt "Rent an immigrant". Dabei gehen Immigranten in Schulen und versuchen durch die gezielte Vermittlung von Wissen über andere Kulturkreise Vorurteile abzubauen.

Die Gruppen und Initiativen, die sich in den Workshops präsentierten, verfolgen verschiedene Zielrichtungen: Ein breites Informationsangebot via Internet stellen die Macher von www.jugendschutz.net (Stefan Glaser, Mainz) zur Verfügung. Fridolin Wimmer (Gymnasium Vilshofen: "Rechtsradikale Musik im Unterricht") und Bernhard Krohn (Berufsschule Passau: "Schule Ohne Rassismus - Schule Mit Courage", schule@aktioncourage.org) setzen auf die Sensibilisierung und Immunisierung von Jugendlichen. Ebenfalls in die Schulen gehen Erich Schriever und Gandhi Chahine (Schwerte), die Initiatoren von "Rap für Courage" (www.rap-fuer-courage.de). Ziel ist es dabei, gefährdeten Jugendlichen durch die Erarbeitung von Rap-Songs und Filmen wieder Selbstvertrauen zu geben. Projekttage und Seminare zu interkulturellem Lernen und antirassistischer Bildung bieten die "Landesinitiative für Demokratie, Interkulturelle Verständigung und Antirassismus" LIDIA Bayern (www.lidia-bayern.de). Hierbei handelt es sich - so Silke Schuster und Jakob Ruster - "um ein Netzwerk mit Teilprojekten in München und Ingolstadt." Direkt um die Betroffenen in ihrem Umfeld kümmert sich Joachim Bischoff von der Streetworkerzentrale München. Er sucht immer wieder die Treffpunkte von Rechtsextremisten auf und versucht mit denjenigen, die noch nicht vollständig indoktriniert sind, ins Gespräch zu kommen und ihr Weltbild zu erschüttern. Einer, dem der Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene gelang und der die Organisation "Exit Deutschland" (www.exit-deutschland.de) vorstellte, ist Matthias Adrian (Berlin). "Exit" ist eine Organisation, die sich darauf spezialisiert hat, Aussteigewillige zu unterstützen und ihnen die ersten Schritte außerhalb der Gruppe zu erleichtern.

"Sehr schwierig", so Birgit Rommelspacher in ihren Bemerkungen über die Wirkung der Konzepte, "gestaltet sich die Erfolgskontrolle, da in Deutschland fast keine Evaluationsbegleitung herrscht." Ob die Konzepte, die mit sehr viel Engagement, Motivation und Kreativität voran getrieben werden, als sinnvoll einzustufen seien, hänge sehr stark von der Bewertung folgender Faktoren ab: Konzept-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Bei der Konzeptqualität beispielsweise ist nach der Zielgruppe (Täter - Opfer), den Methoden (Einzelfall - Gruppe) und den Inhalten (psychosozialer oder politischer Ansatz) zu fragen.

Die Komponenten der Strukturqualität (u.a. finanzielle und personelle Ausstattung) schlugen die Brücke zur Abschlussdiskussion, in der es um die Frage "Wie weiter?" ging. Die Wortmeldungen kreisten dabei um folgende Themenbereiche:
a) Vernetzung: Durch die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit und den verbesserten Informationsaustausch zwischen den Initiativen und Gruppen könnte Konkurrenz um Ressourcen zwischen ihnen vorgebeugt und die Arbeit effizienter und flächendeckender gestaltet werden.
b) Verstetigung: Die Arbeit der Gruppen muss auf eine finanziell langfristig gesicherte Grundlage gestellt werden. Die ungesicherte finanzielle Zukunft der Projekte und der enorme bürokratische Aufwand zur Sicherung finanzieller Mittel nimmt sehr viel Zeit und Energie in Anspruch.
c) Motivation: Generell ist die Motivation hoch. Immer wieder sind es die kleinen Erfolgserlebnisse, aus denen die Mitarbeiter Motivation schöpfen. Darüber hinaus wäre es aber zu begrüßen, dass die Aktiven durch die Öffentlichkeit mehr anerkannt würden. Natürlich ist es auch so, dass die ungesicherte persönliche Zukunft durch zeitlich befristete Verträge bei nicht wenigen MitarbeiterInnen motivationsmindernd wirke. Eine "gewisse Frustration", so Erich Schriever ergänzend, "ist aber dann doch die Folge, wenn wie jetzt in Nordrhein-Westfalen durch die Schließung von 1000 Einrichtungen funktionierende Netzwerke zerstört werden."
d) Professionalisierung: Um mehr Einfluss auf die Politik zu erreichen wurde dringend mehr und professionellere Lobbyarbeit angemahnt. Durch die Gründung eines Verbandes wäre es möglich, die Anliegen der Gruppen und Initiativen mit erheblich mehr Nachdruck zu vertreten.

Abschließend wurde von vielen TeilnehmerInnen der Wert der Veranstaltung als Informationsbörse hervorgehoben, aber auch ihr Beitrag zur Stärkung der Motivation für die zukünftige Arbeit.

Dr. Manfred Schwarzmeier, Akademie für Politische Bildung Tutzing

Die 60 Seiten umfassende Dokumentation der Tagung kann als PDF-Datei unentgeltlich heruntergeladen werden.


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Akademie für Politische Bildung, Tutzing



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06.06.2003

Warten auf die nächste Katastrophe?

Gewaltprävention nach "Erfurt"

 

Ursachen, Probleme, Konzepte

Ist sie wirklich gewalttätig - die Jugend? Nimmt die Gewalt zu? Ist sie ein Resultat der Ellenbogengesellschaft oder des zunehmenden Medienkonsums? Was sind die Uraschen? Welche Konzepte gibt es dagegen? Diese und viele andere Fragen tauchen beim Thema Gewalt und Gewaltprävention auf. Möglichst schnelle und wirksame Programme sind erwünscht. Aber Patentrezepte gibt es leider nicht. Was es gibt, sind eine Reihe interessanter Ansätze, dem Problem der Gewalt zu begegnen.

Umfangreiche Dokumentation liegt vor!
Die Dokumentation unserer Tagung enthält den umfangreichen Einleitungsvortrag von Prof. Dr. Freerk Huisken mit provokativen Thesen zur Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit von Gewaltprävention in unserer Gesellschaft sowie Beschreibungen aller in den Workshops vorgestellten Präventionsprojekte.

Die Dokumentation umfasst 42 Seiten und ist als PDF-Datei (ca. 1,4 MB) zum Herunterladen unentgeltlich erhältlich.

 



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