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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

12.11.2004

On the situation of...

In den Räumen der "Bank", Müllerstr. 42, wurde die Ausstellung des Künstlers Harald Schmutzhard vom 14.-28.11.2004 präsentiert. Die Vernissage mit Vortrag des Künstlers war am 14. November, ein Vortrag über illegalisierte Menschen in München und die Arbeit des Café 104 am 24.November. Außerdem bestand für SchülerInnengruppen das Angebot, die Ausstellung auch vormittags mit Ausstellungsführung zu besuchen.

Ziel der Ausstellung war es, das Thema Migration, das Social Impact in einigen Arbeiten behandelt, einem neuen Publikum zugängig zu machen. Deshalb wurde nicht nur die Form der Ausstellung gewählt, sondern auch ein ungewöhnlichen Ort: die Bank. Die Bank ist eine Bar/Club im Zentrum Münchens, die damit wirbt, verschiedenste KünstlerInnen zu präsentieren. Das übliche Publikum setzt sich zusammen aus Nachtschwärmern, Kunstinteressierten und KleinkünstlerInnen. Die Verbindung öffentlicher Raum und sozialkritisches Beleuchten der Problematik Flucht und Migration erschien vorteilhaft, um einen Diskurs voranzutreiben. Um weitere BesucherInnen zu erreichen, wurde im Rahmen der Ausstellung auch ein Vortrag organisiert. Über zusätzliche Schulführungen sollte der Kontakt zu Jugendlichen intensiviert werden.

Es wurden zwei Themen präsentiert, die allgemein sozialkritisch waren:

dead house walking: Fotographien der Wohnzimmer eines Sozialbauhochhauses in Linz, das abgerissen wurde. Das damals dazugehörige Projekt hieß "Wir sind zwei Dörfer" und wurde neben den Fotos beschrieben. Es geht dabei vor allem darum, den BewohnerInnen dies Sozialbaus eine gemeinsame Identität zu geben, sie positiv zu besetzen und neue Kontakte aufzubauen, um zum einen die Umsiedlung zu erleichtern und zum anderen das Selbstbild aufzuwerten.

Wahl-versprecher: Plastiktüten, von denen 20.000 vor den Landtagswahlen in Österreich vor Supermärkten verteilt wurden. Die Tüten haben alle verschiedene Farben. Jede Farbe behandelt ein anderes Thema (Migration, Arbeit, Jugend, Kultur,...). Auf den Tüten werden die schönsten Auszüge aus den Wahlprogrammen aller Parteien zum jeweiligen Thema und eine Gegenposition von einem Betroffenen dazu zitiert. Die verschiedenen Farben der Tüten sorgten dafür, dass die Leute in den Supermärkten neugierig wurden und andere EinkäuferInnen fragten, was auf ihrer Tüte steht. So begannen die Leute zu diskutieren und zwar über Politik und das im Supermarkt.

Die restlichen Themen hatten einen starken Bezug zu Migration:

Überlebensratgeber für illegalisierte Putzfrauen: In acht Sprachen Tipps für das Überleben in der Illegalität in Österreich. Ein Projekt, das gemeinsam mit und für illegale Putzfrauen erarbeitet wurde.

Ein Wanderführer für Flüchtlinge, border rescue: Das Projekt macht auf die steigenden Todesfälle an den Grenzen Europas aufmerksam. Für den Aktionszeitraum von einer Woche recherchierte Social Impact an der EU-Außengrenze zwischen Österreich und Tschechien, um Gefahrenstellen zu dokumentieren, "sichere" Fluchtrouten zu suchen (mittels GPS-Daten, Videosequenzen, Fotografien, Karten) und Verhaltenstipps für Flüchtlinge in der Praxis zu erarbeiten. Präsentiert wurde das ganze als Videoinstallation.

agentur no_milk///no_honey: Eine Anfang Oktober 2002 in Kraft getretene Verordnung des österreichischen Innenministeriums hat die Situation der Asylsuchenden in Österreich dramatisch verschärft. Das ab Mai 2004 in Österreich geltende Asylgesetz bietet in dieser Hinsicht Verbesserungen, wird von unabhängig Experten aber auf Grund anderer Bestimmungen kritisiert. Die von Social gegründete Agentur "no_milk///no_honey" versucht vor diesem Hintergrund Informationen über inakzeptable Umstände für AsylbewerberInnen in Österreich an die Öffentlichkeit zu bringen und medialen Stereotypen entgegenzuwirken. Ausgestellt wurden Kleidungsstücke und der Ablauf der Aktionen wurde beschrieben.

Jezelov: Einblick in den Ausblick aus einem Auffanglager in Kroatien. Eine Videoinstallation über dieses Lager, in dem Flüchtlinge über ungewisse Zeit bleiben müssen und als einzigen Ausblick eine Autobahn haben. Eine Annäherung an ihre Situation über Interviews, Blick aus dem Lager und gedankliche Verbindungen zu dieser Lagersituation wurden ästhetisch visualisiert.

Der Vortrag von Harald Schmutzhard (Social Impact) wurde interessiert aufgenommen. Es gab rege Diskussionen im Anschluss, sowohl über Formen der Aktionskunst, als auch über Flucht, FluchthelferInnen und Migration. Das Thema Migration wurde durch einen Vortrag von Sandra Pauli, als auch von Harald Schmutzhard selbst intensiv behandelt.

Am 25. November nahm eine 10. Realschulklasse Realschule an einer Schulführung teil. Referentin, Sandra Pauli, machte mit ihnen eine eineinhalbstündige Führung, die auf SchülerInnen zugeschnitten war. Die Klasse nahm die Führung interessiert auf und die Lehrerin lud die Referentin anschließend noch ein, die Klasse im Dezember zu besuchen, um über Migration zu referieren.

Am 28. November besuchte eine Klasse der Kunstakademie München die Veranstaltung und bekam eine Führung mit anschließender Diskussion. Auch diese Führung nahm eineinhalb Stunden in Anspruch und traf auf gute Resonanz.

Die Ausstellung hat das Ziel, das Thema Migration in eine Öffentlichkeit zu tragen, die damit üblicherweise nicht oder nur am Rande konfrontiert ist, erreicht. Gerade die Debatten haben gezeigt, dass Informationsbedarf besteht, um Vorurteile zu beseitigen. Das hat auch der Besuch in der Schule bestätigt. Selbst bei den Jugendlichen haben sich sehr harte Meinungen über MigrantInnen gefestigt, die es langsam aufzuweichen gilt. Die Ausstellung und vor allem die Vorträge und Diskussionen haben dazu einen Beitrag geleistet. Der unkonventionelle Zugang über Bild, Ton und Text auf einer künstlerischen Ebene hat eine Offenheit erzeugt und dadurch verschiedene Menschen angesprochen und ermuntert, das Ganze erst einmal auf sich wirken zu lassen und Meinungen zu überdenken.


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Bayerischer Flüchtlingsrat



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12.03.2004

Chancen und Herausforderungen: deutsch-türkischer Dialog

Teilnehmer/innen:
Cem Özdemir, Ex MdB, Europakandidat für B90/Die Grünen, aktuell Transatlantic Fellow des German Marshall Fund of the USA
Eckhardt Barthel, MdB, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
Dr Rüdiger Bolz, Leiter des Goethe Instituts Istanbul
Dr. Bettina Berns, Projektleiterin "Deutsch-Türkische Beziehungen" im Förderbereich "Völkerverständigung" der Robert-Bosch-Stiftung
Osman Okkan, Journalist, Filmemacher, Vorsitzender KulturforumTürkei/Deutschland

Die Podiumsdiskussion unter Moderation von Jürgen Markwirth (Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit) hatte sich vorgenommen, das Festival kulturpolitisch im weiten Themen-Feld des "Deutsch-türkischen Kulturaustausches" einzuordnen. Bereits mit der Auswahl der Diskussionsteilnehmer/innen wurde deutlich gemacht, dass die Facetten dieses Themas von Kulturpolitik und Integrationspolitik in Deutschland bis zur Auswärtigen Kulturpolitik reichen. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildeten ein interessiertes Publikum für das Podiumsgespräch, deutsches und türkischstämmiges Publikum war dabei zu etwa gleich großen Teilen vertreten.

Die Podiumsteilnehmer/innen waren sich einig, dass deutsch-türkischen Kultur-Aktivitäten sowohl im Hinblick auf das interkulturelle Leben in Deutschland, als auch im Hinblick auf das Verhältnis Deutschland – Türkei bzw. hinsichtlich eines möglichen EU-Beitritts der Türkei eine wichtige Rolle zukommt und in Zukunft noch verstärkt zukommen wird. Dabei wurde dem Medium Film allgemein ein hoher Stellenwert beigemessen. Kulturpolitik in Deutschland sei gefordert, dies auf allen Ebenen (Bund, Land, Kommune) verstärkt zu reflektieren und entsprechende Projekte zu unterstützen. Betont wurde, dass auch die Türkei dabei gefordert ist.

Mehrere Podiums-Redner akzentuierten die wichtige Rolle, die in Deutschland lebenden türkischstämmigen Künstlern beim deutsch-türkischen Dialog zukommt, sowohl hierzulande als auch in der Türkei. Unter Verweis auf Fatih Akins Erfolg und die intensiven Reaktionen auf seinen Film wurde die Hoffnung geäußert, dass türkischstämmige Künstler einen gesellschaftlichen Diskurs in Gang bringen könnten, der in der Integrationspolitik in der Vergangenheit immer wieder stecken geblieben ist. Kulturarbeit könne helfen, gegenseitige Vorurteile und Ängste abzubauen.

Einigkeit bestand aber auch darin, dass deutsch-türkischer Kulturaustausch professionelle Strukturen braucht, um nachhaltiger in Gang zu kommen.


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InterForum Nürnberg



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04.02.2004

Die Wut in meinem Herzen

Texte von Ingrid Betancourt

"Zweimal schon hat die Mafia versucht, mich zu töten. Ich bin mir der Gefahr bewusst, aber ich lasse mich nicht einschüchtern."

In ihrem im Jahr 2000 erschienenen und international sehr beachteten Buch "Die Wut in meinem Herzen" (List Verlag) erzählt Ingrid Betancourt aus ihrem Leben, das sie ihrem Heimatland Kolumbien gewidmet hat. Mutig kämpft sie dabei gegen die Korruption, gegen Armut, Terror und gegen die Drogenmafia, auch wenn dies die alltägliche Bedrohung für sie selbst und die Trennung von ihren Kindern bedeutet.

Mächtige Kreise in Kolumbien haben kein Interesse, dass diese äußerst engagierte Frau auch noch Präsidentin des Landes wird. Im Februar 2002 wird Ingrid Betancourt während einer Wahlverstaltung von einer Gruppe der Guerillabewegung Farc entführt. Seitdem ist sie vermisst. Aktuellen Pressemeldungen zufolge, weigert sich die kolumbianische Regierung bis heute auf die Forderungen der Entführer einzugehen.

Im November 2002 wird Ingrid Betancourt von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin der Petra-Kelly-Preis 2002 verliehen, der ihr herausragendes Engagement gegen Gewalt und Menschenrechtsverletzungen würdigt.

Weltweite Aufrufe und auch die Unterstützung zahlreicher Gruppen, Einzelpersonen und Institutionen haben jedoch bis heute nicht die Freilassung Ingrid Betancourts erreichen können.

Mit der Szenischen Lesung konnte auf künstlerische Weise auf Ingrid Betancourt wieder aufmerksam gemacht werden. Alle vier Lesungen waren fast ausverkauft; es gab sehr gute, bewegte Publikumsreaktionen.


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Hans Melzer, Regisseur + Produzent



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21.01.2004

Kopftuch verbieten?

Das vielen als wachsweich erscheinende Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts fachte die öffentliche Debatte über die Zulässigkeit von Kopftüchern auf Lehrerinnen in öffentlichen Schulen wieder an. Rund hundert Leute ganz verschiedener Couleur hatten sich im EineWeltHaus München zu diesem aufregenden Abend eingefunden. Eine besondere Aktualität erhielt die Veranstaltung durch den Umstand, dass wenige Tage zuvor der Gesetzesentwurf der Bayerischen Staatsregierung "Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG)" veröffentlicht worden war, der mit seinem Verbot des Kopftuches für Lehrerinnen während des Unterrichts bei gleichzeitiger Duldung christlichen und auch jüdischen Ornats auf – teilweise heftigen – Widerstand stieß. Bis in den späten Abend wurde unter der souveränen Moderation von Diethard Seemann (HU) engagiert, kontrovers, auch polemisch, aber letztlich fair und ohne Aggressionen über dieses in der Tat diffizile Thema diskutiert.

Auch hier bestätigte sich deutlich der Eindruck, den man aus der Lektüre der zahlreichen Veröffentlichungen dazu in den vergangenen Wochen und Monaten gewinnen konnte: Die Meinungen und interessanterweise auch die Koalitionen gehen quer durch alle Parteien und Parteiungen, die gängigen politischen "Lager" wirken wie aufgehoben. Jedermann und Jedefrau ringen offensichtlich um eine eigene, oft differenzierte, manchmal auch widersprüchliche Meinungsbildung. Dabei geht es in Deutschland, anders als beispielsweise in Frankreich, genau genommen allein um den Berufsstand des Lehrers respektive der Lehrerinnen. Man könnte von daher sagen, diese Frage betrifft nur wenige Personen hierzulande – gleichwohl hat dieses religiöse Symbol offenkundig Symbolcharakter bekommen: für den Umgang schlechthin mit Andersgläubigen. 
Der Abend wurde eröffnet mit einer Podiumsrunde, die zunächst die rechtlichen und rechtspolitischen Aspekte der Kopftuchproblematik ausleuchten sollte.

Dr. Jürgen Kühling, ehemaliger Bundesverfassungsrichter und Mitglied im Bundesvorstand der HU, zeichnete im Einvernehmen mit dem Publikum die wesentlichen Passagen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts (BVG) vom 24. September letzten Jahres nach, das die erregte öffentliche Debatte ausgelöst hatte. Dem stellte er den gerade eingetroffenen bayerischen Entwurf gegenüber, erst einmal ohne diesen zu bewerten. Später, als Alt-Richter befragt, äußerte er seine Skepsis, dass der Entwurf der Staatsregierung vor dem BVG Bestand haben werde; er verstoße gegen die Verpflichtung des Staates zur Neutralität, weil nach dem Grundgesetz allen Religionen gleich Rechnung getragen werden müsse: Man könne "nur alles verbieten oder nichts".

Martin Neumeyer, MdL der CSU und stellv. Vorsitzender der Arbeitsgruppe Islam seiner Fraktion sowie Mitglied des Ausschusses für Verfassungs-, Rechts- und Parlamentsfragen im Landtag, verteidigte den CSU-Entwurf mit Blick auf unsere abendländisch-christlichen Kulturtraditionen, die in der Erziehung zu privilegieren es seiner Auffassung nach gute Gründe gäbe. Er verwies mehrfach auf sein beachtliches Engagement für den christlich-islamischen Dialog, um zu verdeutlichen, dass aus seiner Sicht mit dem Verbot keinerlei Diskriminierung verbunden sei. Neumeyer, der immer wieder ins Kreuzfeuer kritischer Nachfragen geriet, räumte schließlich ein, dass auch er sich nicht sicher sei, ob der Entwurf seiner Partei vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen werde.

Dr. Margarete Spohn von der Stelle für Interkulturelle Arbeit der LHSt. München plädierte für eine "entemotionalisierte" und vor allem differenzierte Diskussion, weg von den Schablonen. Das ihrer Meinung nach von Vorurteilen geprägte und somit einseitige Bild einer Kopftuch tragenden Lehrerin ("Mythos der unterdrückten Frau") verkenne deren gewandelte Lebensrealität, die mit dem (selbstgewählten) Kopftuch als Teil dieser Gesellschaft anerkannt werden will. Spohn sieht "im Kopftuch" gewissermaßen den Testfall für die interkulturelle Toleranz, welche sich auf diese Weise bereits im Schulunterricht seitens der Jugend erfahren und erlernen ließe. Entschieden wandte sie sich gegen die unterschiedliche Behandlung der Religionen, wie die im bayerischen Gesetzesentwurf zum Ausdruck komme.

Bei aller Divergenz der Argumentationen machte der Abend deutlich, dass den Diskutanten an einer Gleichbehandlung und Gleichberechtigung religiöser Ausdrucksformen gelegen war, und das vielleicht schönste Ergebnis war die Bereitschaft, einander zuzuhören.


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Humanistische Union, Regionalverband München-Südbayern



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28.11.2003

Kleine Schritte gegen rechte Tritte?

Konzepte gegen Rechtsextremismus

Wer erinnert sich nicht an die Bilder des "Aufstands der Anständigen" im Jahr 2000: Hunderttausende Demonstrierender auf den Straßen, Lichterketten, Mahnwachen und viele spontane Aktionen zwischen Garmisch und Rostock. Dies war auch die Geburtsstunde einer Welle von staatlichen Programmen und privaten Initiativen. Drei Jahre später plagen viele dieser Initiativen gegen Gewalt und Intoleranz existentielle Sorgen. Diese von den Medien weitgehend unbeachtete Entwicklung war Anlass für die Akademie für Politische Bildung und die Petra-Kelly-Stiftung, diesem Thema in einer Workshop-Tagung nachzugehen.

Die Tagung verfolgte dreierlei Ziele: Zum einen ein Forum zu bieten zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch für die MitarbeiterInnen von Programmen und Initiativen, zum anderen um eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit zu ziehen und schließlich - damit eng zusammenhängend - nach den Zukunftsperspektiven zu fragen. Die große Resonanz aus ganz Deutschland auf die Einladung zur Tagung - darunter viele Aktive und TeilnehmerInnen, die sich professionell mit diesem Thema auseinandersetzen - zeigte deutlich, dass ein starkes Bedürfnis zum Informations- und Erfahrungsaustausch vorhanden ist.

Den Beginn der Tagung markierte ein thematischer Block, in dem die Erscheinungsformen und sozialökonomischen sowie psychosozialen Ursachen von Rechtsextremismus analysiert wurden. Hans-Gerd Jaschke (Polizei-Führungsakademie Münster) widmete sich dem ersten Aspekt. Eingangs wies er darauf hin, wie groß die Spannweite der Erscheinungsformen sei: Hohmann-Affäre wie "braune RAF" (Beckstein) markierten nur zwei Pole. Ein grundlegendes Problem sei es, so Jaschke, dass sich die Täter von Rechts durch die Gesellschaft in ihrer Rolle als "Vollstrecker des Volkswillens" legitimiert fühlten. Dafür sei eine weit verbreitete, tief verankerte wohlwollende Einstellung gegenüber "rechten" Haltungen verantwortlich. Direkte und indirekte Formen der Diskriminierung seien als Belege zu sehen, dass rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen "in der Mitte der Gesellschaft" ihren Platz hätten.

Auf die sozialökonomischen und psychosozialen Ursachen ging Birgit Rommelspacher (Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin) ein. Analog der Argumentation vieler Eltern von rechtsextremistischen Jugendlichen vollziehe sich auch der öffentliche Diskurs: Rechtsextremismus werde zu einem Jugendproblem degradiert, das von der allgemeinen Desorientierung der Jugendlichen herrühre. Die Jugend sei aber eigentlich unpolitisch, also handele es sich ja im Grunde "nur" um ein soziales Problem. Rommelspacher räumte auch mit dem Vorurteil auf, Rechtsextremismus würde kausal mit Arbeitslosigkeit zusammenhängen. "Vielmehr sind Werte und Einstellungen entscheidend, nicht die sozialstrukturellen Gegebenheiten als solche." Oft seien die unkritischen Erzählungen der Großeltern Ausgangspunkt neonazistischer Karrieren. Zumeist seien es Außenseiter, die in einen Kreislauf sozialer Verarmung geraten, die getrieben werden von der "Sehnsucht nach Mitgefühl und Freundschaft." Sehr oft zu spät merkten sie, dass Rechtsextremismus in erster Linie "Erstarrung, Verengung, Verödung" bedeute. Ansatzpunkt für die Pädagogik müsse sein, "es zu schaffen, dass sie auch die andere Seite sehen, die Widersprüche, die Brüche der Idelogie."

Christiane Tramitz (Starnberg), Autorin des Buches "Unter Glatzen", machte ähnliche Erfahrungen. Ihre Studie, die auf Interviews mit verurteilten rechtsextremistischen Gewaltverbrechern beruht, macht deutlich, dass die Anfälligkeit für dieses Gedankengut schon in der Kindheit grundgelegt wird. "Trauer, Angst und Einsamkeit" sowie die Erfahrung "physischer und psychischer Demütigung" durch die Eltern führten zur zentralen "Ohnmachts-Erfahrung". Die Gruppe hingegen steht für die Erfahrung, dass man Macht habe und überlegen sei. "Ideologie", so Tramitz, "spielt bei den stark politisierten Rechtsextremisten eine wirkliche Rolle, über die Argumentation gegen die Ideologie kommt man an diesen harten Kern nicht heran."

Die "Sicht der Macher" stand im Zentrum des Workshop-Blocks. Dabei stellten neun Organisationen und Initiativen ihre konkreten Projekte vor. Das "Bündnis für Toleranz und Demokratie" (www.buendnis-toleranz.de) ist so etwas wie eine Dachorganisation, die zum einen als Netzwerkknotenpunkt für über 900 Gruppen agiert, zum anderen diese durch staatliche Förderprogramme unterstützt. "Rund 200 Millionen Euro", so Reiner Schiller-Dickhut (Berlin), "wurden und werden allein im Programm 'Civitas' zwischen 2001 und 2006 bereit gestellt, um zivilgesellschaftliche Strukturen zu schaffen und zu stützen." Dasselbe Ziel verfolgt auch "Gesicht zeigen! ? Aktion weltoffenes Deutschland e. V." (www.gesichtzeigen.de), vorgestellt von Rebecca Weis (Berlin). Bereits mit mehreren Kinospots hat sich der Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert, an "die schweigende Masse" gewandt, daneben gibt es einen Medienkoffer sowie ein Musikpaket. Die neueste Idee heißt "Rent an immigrant". Dabei gehen Immigranten in Schulen und versuchen durch die gezielte Vermittlung von Wissen über andere Kulturkreise Vorurteile abzubauen.

Die Gruppen und Initiativen, die sich in den Workshops präsentierten, verfolgen verschiedene Zielrichtungen: Ein breites Informationsangebot via Internet stellen die Macher von www.jugendschutz.net (Stefan Glaser, Mainz) zur Verfügung. Fridolin Wimmer (Gymnasium Vilshofen: "Rechtsradikale Musik im Unterricht") und Bernhard Krohn (Berufsschule Passau: "Schule Ohne Rassismus - Schule Mit Courage", schule@aktioncourage.org) setzen auf die Sensibilisierung und Immunisierung von Jugendlichen. Ebenfalls in die Schulen gehen Erich Schriever und Gandhi Chahine (Schwerte), die Initiatoren von "Rap für Courage" (www.rap-fuer-courage.de). Ziel ist es dabei, gefährdeten Jugendlichen durch die Erarbeitung von Rap-Songs und Filmen wieder Selbstvertrauen zu geben. Projekttage und Seminare zu interkulturellem Lernen und antirassistischer Bildung bieten die "Landesinitiative für Demokratie, Interkulturelle Verständigung und Antirassismus" LIDIA Bayern (www.lidia-bayern.de). Hierbei handelt es sich - so Silke Schuster und Jakob Ruster - "um ein Netzwerk mit Teilprojekten in München und Ingolstadt." Direkt um die Betroffenen in ihrem Umfeld kümmert sich Joachim Bischoff von der Streetworkerzentrale München. Er sucht immer wieder die Treffpunkte von Rechtsextremisten auf und versucht mit denjenigen, die noch nicht vollständig indoktriniert sind, ins Gespräch zu kommen und ihr Weltbild zu erschüttern. Einer, dem der Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene gelang und der die Organisation "Exit Deutschland" (www.exit-deutschland.de) vorstellte, ist Matthias Adrian (Berlin). "Exit" ist eine Organisation, die sich darauf spezialisiert hat, Aussteigewillige zu unterstützen und ihnen die ersten Schritte außerhalb der Gruppe zu erleichtern.

"Sehr schwierig", so Birgit Rommelspacher in ihren Bemerkungen über die Wirkung der Konzepte, "gestaltet sich die Erfolgskontrolle, da in Deutschland fast keine Evaluationsbegleitung herrscht." Ob die Konzepte, die mit sehr viel Engagement, Motivation und Kreativität voran getrieben werden, als sinnvoll einzustufen seien, hänge sehr stark von der Bewertung folgender Faktoren ab: Konzept-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Bei der Konzeptqualität beispielsweise ist nach der Zielgruppe (Täter - Opfer), den Methoden (Einzelfall - Gruppe) und den Inhalten (psychosozialer oder politischer Ansatz) zu fragen.

Die Komponenten der Strukturqualität (u.a. finanzielle und personelle Ausstattung) schlugen die Brücke zur Abschlussdiskussion, in der es um die Frage "Wie weiter?" ging. Die Wortmeldungen kreisten dabei um folgende Themenbereiche:
a) Vernetzung: Durch die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit und den verbesserten Informationsaustausch zwischen den Initiativen und Gruppen könnte Konkurrenz um Ressourcen zwischen ihnen vorgebeugt und die Arbeit effizienter und flächendeckender gestaltet werden.
b) Verstetigung: Die Arbeit der Gruppen muss auf eine finanziell langfristig gesicherte Grundlage gestellt werden. Die ungesicherte finanzielle Zukunft der Projekte und der enorme bürokratische Aufwand zur Sicherung finanzieller Mittel nimmt sehr viel Zeit und Energie in Anspruch.
c) Motivation: Generell ist die Motivation hoch. Immer wieder sind es die kleinen Erfolgserlebnisse, aus denen die Mitarbeiter Motivation schöpfen. Darüber hinaus wäre es aber zu begrüßen, dass die Aktiven durch die Öffentlichkeit mehr anerkannt würden. Natürlich ist es auch so, dass die ungesicherte persönliche Zukunft durch zeitlich befristete Verträge bei nicht wenigen MitarbeiterInnen motivationsmindernd wirke. Eine "gewisse Frustration", so Erich Schriever ergänzend, "ist aber dann doch die Folge, wenn wie jetzt in Nordrhein-Westfalen durch die Schließung von 1000 Einrichtungen funktionierende Netzwerke zerstört werden."
d) Professionalisierung: Um mehr Einfluss auf die Politik zu erreichen wurde dringend mehr und professionellere Lobbyarbeit angemahnt. Durch die Gründung eines Verbandes wäre es möglich, die Anliegen der Gruppen und Initiativen mit erheblich mehr Nachdruck zu vertreten.

Abschließend wurde von vielen TeilnehmerInnen der Wert der Veranstaltung als Informationsbörse hervorgehoben, aber auch ihr Beitrag zur Stärkung der Motivation für die zukünftige Arbeit.

Dr. Manfred Schwarzmeier, Akademie für Politische Bildung Tutzing

Die 60 Seiten umfassende Dokumentation der Tagung kann als PDF-Datei unentgeltlich heruntergeladen werden.


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Akademie für Politische Bildung, Tutzing



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06.06.2003

Warten auf die nächste Katastrophe?

Gewaltprävention nach "Erfurt"

 

Ursachen, Probleme, Konzepte

Ist sie wirklich gewalttätig - die Jugend? Nimmt die Gewalt zu? Ist sie ein Resultat der Ellenbogengesellschaft oder des zunehmenden Medienkonsums? Was sind die Uraschen? Welche Konzepte gibt es dagegen? Diese und viele andere Fragen tauchen beim Thema Gewalt und Gewaltprävention auf. Möglichst schnelle und wirksame Programme sind erwünscht. Aber Patentrezepte gibt es leider nicht. Was es gibt, sind eine Reihe interessanter Ansätze, dem Problem der Gewalt zu begegnen.

Umfangreiche Dokumentation liegt vor!
Die Dokumentation unserer Tagung enthält den umfangreichen Einleitungsvortrag von Prof. Dr. Freerk Huisken mit provokativen Thesen zur Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit von Gewaltprävention in unserer Gesellschaft sowie Beschreibungen aller in den Workshops vorgestellten Präventionsprojekte.

Die Dokumentation umfasst 42 Seiten und ist als PDF-Datei (ca. 1,4 MB) zum Herunterladen unentgeltlich erhältlich.

 



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12.04.2003

200 Jahre Säkularisation - und noch immer hängen die Kirchen am Tropf des Staates

In Vorträgen und Diskussionen ging es um die finanziellen Verknüpfungen zwischen Staat und Kirche.

Prof. Dr. Johannes Neumann (Oberkirch):
Ursachen, Durchführung und Folgen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803

In diesem Vortrag wurde zunächst die gesellschaftlich-politische Lage gegen Ende des 18. Jahrhunderts dargestellt, die stark von den aufklärerischen Vorläufern der französischen Revolution geprägt war, allerdings keineswegs deren demokratisch- antiroyalistischen Züge trug, sondern mehr den Charakter einer intellektuellen Erbauung im Sinne eines aufgeklärten Absolutismus. Danach beschrieb der Vortrag die außerordentliche Reichsdeputation, eine Folge des verlorenen Krieges der deutschen Staaten gegen Napoleon. Sie führte schließlich 1803 zum Ende des römisch- deutschen Kaiserreichs mit seiner Einheit von Thron und Altar. Aber als Kompensation für die an Frankreich gefallenen linksrheinischen Gebiete wurde keineswegs alles Kirchenvermögen enteignet, denn das für Seelsorge und Caritas, sowie auch gebietsweise für den Unterricht benötigte Vermögen blieb den Kirchen ausdrücklich erhalten. Die dadurch legitimierten Konkordate und Zirkumskriptionen sicherten die Stellung der Kirchen bis in die Gegenwart. Zumal in Deutschland wandelt sich die katholische Kirche vom Großgrundbesitzer (60% der Landfläche Bayerns war vor der Revolution in Kirchenbesitz!) zum Sozialdienstmonopolisten. 

Dr. Carsten Frerk (Hamburg):
Die Kirchen am Tropf des Staates- Kirchenfinanzierung heute

Nach einer kurzen Darstellung, was „Kirche" ist (Bekenntnisgemeinschaft, juristische Person, Steuerverband, Wirtschaftsunternehmen und Rechtsträgerkonglomerat), schlüsselte der Referent die Kircheneinkünfte und Ausgaben auf. Es zeigt sich, dass von den 1,35 Mio Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen tätig sind, nur 24,2% von ihnen bezahlt werden, die anderen dagegen aus öffentlichen Kassen und Steuergeldern. Der Referent zeigte schließlich, dass die direkten staatlichen Zuwendungen und Verzichte auf Steuereinnahmen (z.B. Steuerbefreiungen) sich im Jahr 2000 auf ca. 20 Mrd EUR beliefen, zusätzlich zu den Kirchensteuereinnahmen von 14,3 Mrd EUR. Er berichtete auch davon, wie schwer es war, sogar die offiziell ausgewiesenen Kircheneinnahmen zu durchleuchten, da die Kirchen selbst keine innere Transparenz ihres Finanzgebahrens besäßen.

Dr. Gerhard Czermak (Augsburg):
Ablösung historischer Staatsleistungen an die Kirchen oder Ewigkeitsrenten?

Er beschäftigte sich mit der Frage der Ablösungsleistungen an die Kirchen, die i.W. aus der Zeit des Deputationshauptschlusses und der anschließenden Restauration stammen. Zählt man diese zusammen (wozu auch die Leistungen aus den Kirchenkonkordaten der Weimarer Republik und mit NS-Deutschland von 1934 zählen und deren Übernahmen durch die BRD), so wurden die ursprünglich abzulösenden Leistungen bereits um ein Vielfaches der ursprünglichen Werte getilgt. Man kann also nicht mehr von (unabhängig von ihrer Rechtmäßigkeit) offenen Ablösungen sprechen. Der Referent stellte fest, dass es- bei entsprechender politischer Courage - eine ganze Reihe denkbarer Wege gäbe, um diesen Zustand zu beenden. Hoffnung auf solche Schritte hat er verständlicher Weise für absehbare Zeit nicht machen können.

 


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Humanistische Union


Art der Veranstaltung
Seminar



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19.02.2003

Mobbing unter Schülerinnen und Schülern

Eine Vortragsreihe für Eltern, Lehrer, Fachkräfte und Selbstbehauptungstraining für Schülerinnen und Schüler

Ausgehend von der Tatsache, dass das Problem "Mobbing in Schulen" zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt ist bzw. nicht öffentlich diskutiert wird, entschied sich der AK Familien in Gostenhof, hierzu eine Veranstaltungsreihe für verschiedene Zielgruppen anzubieten.

Der erste Informationsabend am 19.2. 03 war an die Eltern gerichtet. Mit einem sehr anschaulichen Vortrag erfuhren die Eltern, wie ein Mobbingprozess innerhalb eines Klassenverbandes entstehen kann und welche Faktoren dabei eine wichtige Rolle spielen. Den größten Raum nahmen die Informationen ein, was Eltern tun können, diesen Kreislauf zu unterbrechen und zwar auf Seiten des Opfers und auf Seiten des Täters. Die anschließende Diskussion offenbarte, dass genau die betroffenen Eltern unsere Veranstaltung besuchten, die mit der Vermittlungsrolle der Schule bei diesem Problem unzufrieden waren.

Die zweite Veranstaltung am 26. 2. 03 Richtete sich an die Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte und gab zunächst Grundinformationen. Ein wichtiger Aspekt für diese Zielgruppe war die Frage, wie man einen Fall von „Mobbing“ in der Klasse erkennen kann. Ganz wichtig ist dabei, dass dem Opfer geholfen werden muss und es nicht als Verlierer aus diesem Mobbing-Prozess hervorgehen darf. Dabei kommt den Schulen und den Lehrern eine Schlüsselfunktion zu. Die Schule muss aktiv werden und je nach Gegebenheit in Zusammenarbeit mit den Eltern den Täter in die Schranken weisen. Der Vortrag endete mit Hinweisen auf zusätzliche Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten außerhalb der Schule.

Der dritte Termin „Mobbing unter Schüler/innen" war für türkische Eltern gedacht.
Diese Veranstaltung war von gleichem Inhalt wie die für deutsche Eltern, nur wurde der Aspekt „Migration“ als Ursache von Mobbing deutlicher diskutiert und beraten. Für die türkischen Eltern war es ganz wichtig zu erfahren, dass sie sich in jedem Fall an die Schule, an die Klassenlehrer/innen wenden müssen und dass „Mobbing“ auch bei deutschen Schüler/innen anzutreffen ist. 

Die beiden Selbstbehauptungstrainings, eines für Jungen, eines für Mädchen zwischen 10 und 13 Jahren waren die praktischen Angebote für die betroffenen Schüler/innen selber.
Bei den Mädchen mussten Anmeldungen zurückgewiesen werden, da der Andrang zu groß war. Bei den Jungen kamen die Anmeldungen spärlicher. Offensichtlich ist bei den Jungs bzw. den Eltern von Jungen das Bewusstsein, Probleme anzugehen, weniger ausgeprägt.


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Arbeitskreis Frauen und Familien in Gostenhof



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09.06.2002

Politik & Schauspiel - Kultur in der Politik

Claudia Roth, ehemals Managerin von "Ton, Steine, Scherben", ist als Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen auch kulturpolitische Sprecherin ihrer Partei. Die Musikgruppe "Ton, Steine, Scherben" war sehr politisch. Später ging Claudia Roth "ganz" in die Politik. Wo ist dort Kultur? Shary Reeves ist Schauspielerin, spielt u.a. in "Marienhof" (ARD-Serie). Sie beobachtet die Geschehnisse auf der politischen Bühne sehr kritisch.

Shary Reeves und Claudia Roth



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23.01.2002

Denkmalschutz: Privatinitiative statt staatlicher Gängelung?

Denkmalschutz braucht Staat und Privatinitiative

"Privatinitiative statt staatlicher Gängelung?" - diese provokante Frage hatte die Petra-Kelly-Stiftung als Motto einer gemeinsam mit der Akademie für politische Bildung in Tutzing veranstalteten Tagung formuliert, die sich mit den Perspektiven des Denkmalschutzes auseinandersetzte. Die überwiegende Antwort der TeilnehmerInnen - ein illustrer Kreis aus Behördenvertretern, Architekten, Kommunalpolitikern und Mitgliedern von Denkmalschutz-Bürgerinitiativen - war ein beherztes "Sowohl-als auch".

Rund eineinhalb Jahre, nachdem eine von Dieter Hoffmann-Axthelm für die Bundestagsfraktion der Grünen verfasste "Streitschrift" für erheblichen Wirbel im bundesdeutschen Blätterwald und in Denkmalpflege-Kreisen gesorgt hatte, schien die Gelegenheit reif für eine Bilanz der Debatte und einen Blick in die Zukunft. Dass dies nicht einfach sein würde, dass die Fronten ziemlich verhärtet sind, dass Polemik immer noch vorherrscht, wo jetzt eher der Blick auf Gemeinsamkeiten notwendig wäre, zeigten bereits die beiden Einleitungsreferate von Dieter Martin vom Institut für Denkmalpflege der Universität Bamberg und renommierten Kommentator der bundesdeutschen Denkmalschutzgesetze sowie von Hoffmann-Axthelm selbst. Martin beharrte darauf, dass das rechtliche "System des Denkmalschutzes" zwar im Detail verbesserungswürdig, im Ganzen jedoch in sich schlüssig sei und Gewähr für "willkürfreien" Denkmalschutz biete. Hoffmann-Axthelm seinerseits plädierte wieder für eine "Entstaatlichung" der Denkmalpflege - ohne genau angeben zu können, wie denn der Denkmalschutz in - wie von ihm vorgeschlagen - öffentlich-rechtlicher Form organisiert sein solle. Seine Verweise auf das Ausland - England und Schweiz - blieben vage und nicht recht überzeugend.

Ursache für die unverminderte Konfrontation könnte der - gewiss missverständliche - Begriff der "Entstaatlichung" sein, der bei engagierten Denkmalschützern schnell das Schreckensszenario eines von gesetzlichen Regelungen nicht mehr behinderten freien Spiels der Marktkräfte enstehen lässt, bei dem schützenswerte Gebäude in Privathand umstandslos der Abrissbirne zum Opfer fallen würden. Doch davon kann keine Rede sein. So haben die Grünen in einem Eckpunktepapier vom September 2001 mittlerweile deutlich klar gestellt, dass es gelte, den "Denkmalschutz als staatliche Aufgabe" zu erhalten und demokratisch weiter zu entwickeln und gleichzeitig eine "Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements für den Denkmalschutz" zu erreichen. Wer wollte diesen Zielvorgaben widersprechen?

So wurde im Verlauf der Tagung auch deutlich, dass es etliche gemeinsame Anknüpfungspunkte zwischen den auf den ersten Blick so divergierenden Positionen gibt. Einig sind sich nämlich alle, wenn es um eine Verbreiterung des Denkmalschutzgedankens in die Gesellschaft, um eine Stärkung bürgerschaftlichen Engagements jenseits der staatlichen Denkmalpflege geht. Und einen Konsens gibt es wohl auch hinsichtlich der Notwendigkeit, dass sich auch die Denkmalschutzbehörden selbst verändern müssen: weg von der obrigkeitsstaatlichen Oktroyierung von für viele Denkmalbesitzer nicht nachvollziehbaren Auflagen, hin zur Beratung, zur Hilfe bei der Suche nach guten und kostengünstigen Lösungen für die Gestaltung von Bauvorhaben in denkmalgeschützten Gebäuden. Offenheit dafür signalisierte der oberste bayerische Denkmalschützer, Generalkonservator Egon Johannes Greipl vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: "Die Bauherren müssen die Denkmalpflege nicht als einen Teil des Problems begreifen, sondern als einen Teil der Lösung."

Wie stark bürgerschaftliches Engagement für den Denkmalschutz heute schon ist, demonstrierten eindrucksvoll die VertreterInnen der nach Tutzing eingeladenen Bürgerinitiativen aus ganz Bayern. Stand am Beginn dieser Initiativen meist die "Wut" über den geplanten oder tatsächlichen Abriss eines als wertvoll empfundenen Gebäudes, so entwickelten diese Bürgervereinigungen rasch umfangreiche Aktivitäten, die über Protest und Demonstrationen weit hinaus gingen. Die "Altstadtfreunde Nürnberg" beispielsweise haben mittlerweile mit hohem finanziellem Aufwand 18 Nürnberger Häuser gekauft, vor dem Verfall gerettet und in vorbildlicher Weise saniert. Auch in Coburg konnte die Gemeinschaft Stadtbild Coburg - mit finanzieller Unterstützung eines ansässigen Unternehmens - Zuschüsse zu etlichen Sanierungen und Renovierungen geben. Die "Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg" hat ihre Tätigkeit inzwischen über den Bereich des Denkmalschutzes hinaus längst ausgeweitet und ist als "Träger öffentlicher Belange" ein anerkannter Partner in Sachen Stadtentwicklung. Dem "Forum Passau" ist es mit einer regelmäßig erscheinenden Zeitung gelungen, einen kritischen Farbtupfer in die schwarz eingefärbte Passauer Presselandschaft zu setzen, der die Bürgerschaft mit Hintergrundinformationen versorgt, die anderswo eben nicht zu lesen sind. Der "Jura-Haus-Verein" in Eichstätt kümmert sich nicht nur um den vom Abriss bedrohten Häuserbestand im Altmühltal, sondern wirkt durch Patenschaften für gefährdete Denkmäler mittlerweile auch in Mecklenburg-Vorpommern.

Nicht immer freilichlich ist dieses Engagement von Erfolg gekrönt, wie das "Forum Augsburg lebenswert" bei seinen Bemühungen um den Erhalt des einmaligen Ensembles im so genannten "Textilviertel" erleben musste. Hier setzte sich das Interesse des kapitalkräftigen Investors gegen alle Empfehlungen von Denkmal- und Heimatpflege durch. Seine Pläne wurden vom Stadtrat abgesegnet. Der Folgerung "Hier hätten wir uns durchaus mehr "staatliche Gängelung"; im Sinne des Denkmalschutzes gewünscht!" konnten die anwesenden VertreterInnen der Bürgerinitiativen aus eigener Erfahrung nur zustimmen.

Dr. Gerd Rudel

Die Dokumentation der Tagung ist im Rahmen unserer "Kommunalpolitischen Schriftenreihe" erschienen und kann als PDF-Dokument unentgeltlich heruntergeladen werden.


Partner

Akademie für politische Bildung Tutzing


Art der Veranstaltung
Tagung



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