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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

15.03.2011 bis 31.03.2011

Asientage 2011

Vortrag: Mangos gegen Kinderprostitution, Zucker gegen Armut
Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit, einen aktuellen Bericht von der im Frühjahr stattgefundenen Projektreise zu Partnern des Fairen Handels auf den Philippinen mit ins Programm aufzunehmen. Ute Michallik, Geschäftsführerin des Weltladens und Teilnehmerin der Reise, berichtete von der Arbeit der Produzenten Alter Trade (Zucker), der Preda-Stiftung und kleinerer, vor allem kunsthandwerklich tätiger Produzenten. In Wort und Bild zeigte sie auch Einblicke in politische, kulturelle und wirtschaftliche Strukturen des Landes sowie die Chancen, die Fairer Handel den Menschen eröffnet.

Vortrag: Die Kultur des Alten und neuen Korea
Der Vortrag der neuen Stadtbücherei zeigte Aspekte Koreas aus erster Hand: Die Referentin Jung-Ja Holm ist selbst in Korea geboren und  lebt seit mehreren Jahren in Augsburg

Ein Tag für Tibet
Aus kalendarischen Gründen und wegen der Ferienzeit fand der Tibet-Tag dieses Mal erst in der Woche nach dem Internationalen Tibettag am 10. März statt. In den Räumen der Neuen Stadtbücherei haben dazu Infostände, Filmbeitrag und ein Vortrag stattgefunden. Bereits im Vorfeld wurde mit Info-Aktionen im Weltladen und dem hissen der Tibetischen Flagge auf die Situation in Tibet aufmerksam gemacht.

Der Referent Winfried Pfeffer, Tibet-Kenner und Leiter des Kailash-Haues in Freiburg, ging auf die aktuelle Situation in Tibet im Spannungsfeld zwischen Politik und dem Weg des Dalai Lama ein. Dabei kamen Umweltfragen ebenso zur Sprache wie die derzeitigen Veränderungen der die politischen Strukturen. Am 20. März, einen Tag nach der Veranstaltung, haben die Exil-Tibeter einen neuen Premierminister (Kalon Tripa) und ihr Parlament (Chithui) gewählt. Der Jurist Lobsang Sangay wird sein Amt als neu gewählter Ministerpräsident voraussichtlich am 14. August 2011 antreten. Der Dalai Lama hat sich zurückgezogen und ist nur noch geistliches Oberhaupt der Tibeter.

Konzert: Gesang der Stille
Der bekannte Musiker und Künstler David Lindner kam über die Vermittlung des Fairtrade-Importeurs Akar nach Augsburg. Er ist bundesweit unter anderem mit zahlreichen Buchveröffentlichungen zum Thema Klangschalen bekannt. Kompetent führte er in die faszinierende Welt der Klangschalen ein und berichtet über seinen Besuch einer Manufaktur in Nepal, wo Klangschalen noch auf traditionelle Weise gefertigt werden. Weiter stellt er das Instrument in die kulturellen Zusammenhänge und informiert zum Beispiel, wie sich Tibetische Klangschalen von Japanischen unterscheiden. Die Goldschmiede-Kapelle der Anna-Kirche boteinen ansprechenden Rahmen für diese Veranstaltung.

Dia-Vortrag: Eindrücke Chinas
In Bildern und Berichten wurde hier die aktuelle Situation in China mit kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen beleuchtet. Referenten waren Margarete und Martin Aulbach, die aktuell von einer China-Reise zurückgekehrt sind. Die beiden Pädagogen informierten anhand von anschaulichen Beispielen und Eindrücken ihrer Reise und forderten zur Auseinandersetzung auf. Neben prägnanten Fotos und einer ansprechenden Präsentation waren es auch die politischen und kulturellen Hintergrundinformationen, die zur Diskussion einluden.

Info-Abend: Asien in tausend TönenDie ehrenamtliche CD-Gruppe des Weltladens veranstaltete im Zeitraum der Asientage einen Info-Abend zu konkreten Beispielen der Weltmusik aus Asien mit Hörbeispielen. 

Lesung: Mit dem Wind fliehen von Ranjith Henayaka
Kurzfristig konnte der Autor Ranjith Henayaka Arachchi für einen Vortrag in Augsburg gewonnen werden. Er schildert in seinem Buch in bewegender Form das Schicksal des jungen Tamilen Nathan und seiner Familie. In den Machtkämpfen tamilischer Guerillagruppen wird er ebenso mit dem Tod bedroht wie von der Gewalt der offiziellen Machthaber. Nathan gelingt die Flucht nach Deutschland. Der Autor gibt in seinem Buch einer Wirklichkeit ein Gesicht, die viele nur aus Medienberichten kennen. Er zeigt, was es heißt, um Leib und Leben fürchten zu müssen. Und er entlarvt eine Politik, die in Deutschland und Europa auf dem Rücken von Flüchtlingen betrieben wird.

 

Veranstaltungsort
Augsburg


Partner

Werkstatt Solidarische Welt e.V. und Weltladen GmbH

amnesty international Augsburg

Bündnis 90/ Die Grünen

Kino Liliom

Neue Stadtbücherei Augsburg

Stadt Augsburg

Tür an Tür e.V.



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12.03.2011

Gentechnikfreie Lebensmittel aus bäuerlicher Landwirtschaft

Chancen für regionale Verarbeiter und Erzeuger durch Qualitätsvermarktung

Rupert Thaler, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Töging, Pflanzenbau: Produktionstechnik beim betriebseigenen Anbau von heimischen Leguminosen (Ackerbohne, Soja, Erbse etc.)
Rupert Thaler betonte, dass es in Bayern nur 2 Anlagen zur Verarbeitung (Rösten und Toasten) von heimisch angebautem Soja gebe (Stadlhuber in Waldkraiburg und Asamhof in Kissing). Von einem flächigen Angebot könne daher bis jetzt noch keine Rede sein. Die Deckungsbeiträge für Leguminosen wie Soja, Erbse und Ackerbohne liegen nach den amtlichen Berechnungen mit 345 – 494 €/Jahr/ha weit unter denen von Winterweizen (859 €) und Körnermais (832 €). Um den Anbau attraktiver zu machen,  wäre daher eine staatliche Förderung des ökologisch sinnvollen Leguminosenanbaus unabdingbar. Die EU-Kommission hat den Vorschlag von Bund und Ländern für 220 €/ha zuletzt jedoch mit Hinweis auf mangelnde WTO-Konformität abgelehnt, so dass derzeit nur über das KULAP-Programm mit dem Baustein „Vielfältige Fruchtfolge“ eine Prämie von 85 € pro ha/Jahr möglich ist. Auf politischer Ebene werde aber weiterhin versucht, eine Zusatzförderung gegenüber der EU durchzusetzen. Die Landesämter forschen an der Züchtung optimierter Sorten, da generell die Sortenvielfalt von Leguminosen aufgrund der zu geringen Verwendung gefährdet ist. Josef Schmid betonte, dass der Landwirt bei seinen Anbauentscheidungen nicht nur den zu erzielenden Marktpreis, sondern die zahlreichen ökologischen Vorteile (Auflockerung enger Fruchtfolgen, deutliche Verbesserung der Bodenstruktur und des Humusaufbaus, geringer Düngebedarf, verbesserte Tiergesundheit) berücksichtigen sollte. 

Jakob Niedermaier, Geschäftsführer MVS GmbH, Freising: Faire und gentechnikfreie Milchvermarktung
Die Milchvermarktungs-GmbH Süddeutschland vermarktet 110 Millionen Kilo Milch von 351 Bauern und schafft es über das Produktlabel „Faire Milch“, den Bauern einen Milchpreis von rund 40 Cent bezahlen zu können. Bedingung für die Bauern ist, dass diese Gentechnikfreiheit in der Fütterung garantieren. Die Vertragsbedingungen legen ein absolutes Verbot für Soja aus Übersee fest, nur gvo-freie Futtermittel aus Europa dürften verwendet werden. Zusätzlich verpflichtet sich jeder Betrieb, auf seinem Betrieb eine Umweltmaßnahme anzuwenden (Heckenpflanzung, Feuchtwiesenpflege, Streuobstwiesen). Die MVS ist bemüht, den Absatz weiter zu steigern, damit noch mehr Bauern aufgenommen werden können, Anfragen hierzu gebe es mehr als genug.

Josef Feilmeier, Internationale Arbeitsgruppe Futtermittel NON-GV, Edlham:  Preissituation und Verfügbarkeit von GVO-freien Futtermitteln
Josef Feilmeier ist als Mitglied der oben genannten Arbeitsgruppe und als Betreiber eines Lagerhauses der über die Grenzen von Bayern hinaus bekannte Pionier für die Vermarktung von gvo-freiem Soja. Für den Landwirt sei es zwingend erforderlich sei, nur Saatgut zu kaufen, bei dem der Züchter schriftlich bestätige, dass es „nach eigenen Untersuchungen frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen“ ist. Nach seiner Einschätzung werden durch das neue „Ohne-Gentechnik-Siegel“ deutliche Marktveränderungen ergeben:. Wer weiterhin mit genverändertem Futter produziere, werde bald Verkaufsprobleme bekommen. Große Molkereine wie Campina haben ihr Sortiment komplett umgestellt, einige bayerische Molkereinen wie Zott und Gropper haben eine gvo-freie Produktlinie aufgenommen. Er betonte, dass reichlich genfreies Soja auf dem Markt verfügbar sei. Der Mehrpreis werde langfristig durch eine deutlich erhöhte Teiergesundheit und sinkende Tierarztkosten ausgeglichen.  Hierzu gab es eine intensive Diskussion mit den anwesenden Landwirten, weil faktisch auf dem Lieferschein die gvo-freien Futtermittel eben doch teurer seien und bei fehlender Honorierung des Abnehmers die Umstellung nicht finanzierbar sei.

Dr. Ludwig Stuhlberger (Metzgerei Stuhlberger Erding/Freising): Vermarktungschancen von Fleisch aus Ohne Gentechnik-Fütterung
Als Tierarzt und Metzgermeister verfügt Dr. Stuhlberger über eine durchaus ungewöhnliche berufliche Qualifizierungskombination.  Er gilt für den bayerischen Raum ebenfalls als Pionier bei der Vermarktung von gvo-freien Fleischprodukten. Die Bauern, die an die Firma Stuhlberger liefern, müssen eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben, dass sie ausschließlich genfreies Soja verfüttern. Das sei bei den Schweinezüchtern anfangs schwierig gewesen, da die Lagerhäuser sich zunächst heftig dagegen gesträubt hätten. Bei den Ochsen habe es weniger Probleme gegeben, weil die Bauern hier leichter die Möglichkeit hätten, ihre Tiere mit hofeigenem Futter zu versorgen. Die Bauern erhalten einen Mehrpreis von rund 5 € pro Schwein und bei Bullen von 30ct/kg. Wenn komplett auf Soja verzichtet wird, steigt dieser Aufpreis. Der Verbraucherendpreis liegt im höheren Preissegment, die vielen Stammkunden schätzen aber die angebotene Qualität und sind bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Verarbeitet wird bei Stuhlberger eine Fleischmenge von 8000 Kilo pro Woche. Nur Metzgerbetriebe, die auch selber schlachten, könnten eine sichere Trennung realisieren. Herr Stuhlberger spannte einen weitern Bogen und bezog viele gesellschaftliche Fragestellungen mit ein. An die Bauern appellierte er, nicht bei den Discountern einzukaufen: „Man soll nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt.“

Abschlussstatements:

Lucia Egner von der AbL Regionalgruppe Oberland stellte zum Abschluss fest. „Das Fazit von heute sollte sein, dass jeder auf seinen Metzger oder Vermarkter zugeht und fragt, ob er eine Schiene für gentechnikfreie Lebensmittel etablieren will.“

Der Vorsitzende Josef Schmid appellierte an die Teilnehmer, auch emotional hinter der Gentechnikfreiheit zu stehen und das Thema der GVO-Fütterung bei konventioneller Erzeugung, die nicht über das „Ohne-Gentechnik-Siegel“ lizensiert ist, beim Gespräch mit Verbrauchern immer wieder ins Bewusstsein zu bringen. Die Umstellung lässt sich vor allem dann realisieren, wenn der Verbraucher bereit ist, einen Mehrpreis zu bezahlen. Auf politischer Ebene müsste endlich erreicht werden, dass nicht die gvo-freien, natürlichen Futtermittel teurer sind, weil sie den Aufwand für getrennte Logisitik und Untersuchungen tragen, sondern dass hier das Verursacherprinzip bei der Kostenübernahme angewandt wird.

Veranstaltungsort
Dorfen, Tagwerkszentrum, Siemensstr. 2


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern, e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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11.11.2010

Green New Deal für die Chemieindustrie?

Probleme – Chancen – Perspektiven

Wer aus der Umweltbewegung kommt und vielleicht schon ein bisschen älter ist, der denkt beim Wort "Chemieindustrie" bestimmt an Seveso, Bhopal oder Sandoz. Katastrophale Chemieunfälle dieser Art hat es glücklicherweise in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr gegeben - und auch ansonsten scheint die chemische Industrie die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Das war jedenfalls der Eindruck, den unsere Diskussion in Burghausen, inmitten des südostbayerischen "Chemiedreiecks", vermittelte.

Carl-Otto GenschDass sich die alten "Frontstellungen" weitgehend aufgelöst haben, das zeigte auch Carl-Otto Gensch vom Öko-Institut in Freiburg in seinem einleitenden Vortrag (Präsentation als PDF-Datei hier zum Herunterladen) auf. Zwar tragen Produkte der chemischen Industrie weiterhin zur Schadstoffproblematik bei, z.B. die halogenorganischen Verbindungen oder auch hormonell wirksame Umweltchemikalien wie Bisphenol A. Und auch der hohe Energieverbrauch der Chemiebetriebe sei nach wie vor ein Problem für den Klimaschutz.

Auf der anderen Seite trägt die Chemieindustrie heute - so Gensch - aber auch zum Klimaschutz und zur Ressorceneffizienz bei: Gebäudedämmung, energiesparende Beleuchtung, Leichtbau-Automobile und viele andere Verbesserungen im Umweltschutz seien ohne entsprechende Produkte der Chemieindustrie gar nicht denkbar. Diese "Janusköpfigkeit" stellt laut Gensch in der Zukunft eine besondere Herausforderung für Unternehmen wie die Wacker AG dar. Dieser Herausforderung müsse sie sich stellen, indem sie von Erdgas und Erdöl als Energieträgern wegkomme und die negativen Wirkungen von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf das geringstmögliche Maß reduziere.

Dr. Willi Kleine, Wacker AGDr. Willi Kleine, Betriebsleiter des Werks Burghausen der Wacker Chemie AG, präsentierte sein Unternehmen ganz in diesem Sinne auf einem guten Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung (siehe auch die die PDF-Datei seiner Präsentation). Nachhaltiges Wirtschaften sei Kernelement der Unternehmensziele: Wacker versuche,
die Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen herzustellen. In diese Nachhaltigkeitsstrategie seien auch Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens eingebunden. Nebenprodukte und Abwärme der Anlagen werden - so Kleine - der Produktion über hochkomplexe Produkt- und Energiekreisläufe erneut zugeführt. Diese Synergien führen zu einer sehr hohen Effizienz und zu deutlichen Kostenvorteilen.

Die Diskussionsrunde in Burghausen

Die Diskussionsrunde in Burghausen: Dr. Willi Kleine, Dieter Janecek, Moderator Markus Koch, Carl-Otto Gensch, Harry Klein (von links nach rechts)

Dieter JanecekDieter Janecek, Landesvorsitzender der bayerischen Grünen, unterstrich in seinem Statement (Kurzfassung als PDF-Datei) die Notwendigkeit eines forcierten ökologischen Umbaus insbesondere im Hinblick auf den notwendigen Umwelt- und Klimaschutz. Technologische Lösungen seien dabei aber nicht ausreichend, sondern es müsse die Orientierung an ökonomischen Wachstumsimperativen generell überdacht werden. Der ökologische Umbau müsse mit gemeinsam im Dialog gefundenen Lösungen bewerkstelligt werden. Die Politik müsse für diesen Umbau die entsprechenden langfristigen Rahmenbedingungen bereitstellen.


Harry Klein
, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Wacker Chemie AG, betonte, dass der Umbau der Chemieindustrie auf Seiten der Arbeitnehmer mit einer vorausschauenden Weiterqualifikation für neue Aufgaben und neue Arbeitsplätze verbunden sein müsse. Lebenslanges Lernen sei auch notwendig, um den bevorstehenden demografischen Wandel, der sich in der Chemieindustrie in einem absehbaren Mangel an Fachkräften auswirken werde, bewältigen zu können.

Die intensive Diskussion zeigte,  dass das Ziel der Nachhaltigkeit als wirtschaftliche Maxime für die weitere Entwicklung der Chemieindustrie im Grundsatz von allen geteilt wird. Postuliert werden allerdings verlässliche politische und ökonomische Rahmenbedingungen für diese Nachhaltigkeitsstrategie.

Die Veranstaltung in den Medien:

Bericht in der Passauer Neuen Presse

Bericht im Regionalfernsehen Oberbayern

 

Zum Weiterlesen:

Schriften zur Ökologie, Band 10:
Nachhaltige Industriepolitik
Wie man die Grüne Industrielle Revolution gestaltet

Memorandum zu den Leitprinzipien und Perspektiven für die Transformation der europäischen Industrie
Von Claudia Kabel und Christian Hochfeld
sowie Hendrik Acker, Regine Barth, Beate Kallenbach, Carl-Otto Gensch, Gerhard Schmidt und Christof Timpe
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
In Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut und der Green European Foundation
Berlin, Mai 2010, 72 Seiten

Auch als PDF-Datei erhältlich!


Partner

Heinrich Böll Stiftung



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14.10.2010

Wege zur nachhaltigen Stadt: Erneuerbare Energien und ökologisches Bauen in einer alten Stadt

Green New Deal in der Debatte

 

Logo Green New Deal

Wege zur nachhaltigen Stadt:

Ein großes Ziel und viele kleine Schritte

 Angesichts des drohenden Klimawandels und der schwindenden Ölreserven ist ein Umsteuern der Stadtentwicklung in Richtung „erneuerbare Stadt“ unumgänglich. Aber wie kann dies aussehen in einer historischen Stadt wie Bamberg mit einem beträchtlichen Bestand an denkmalgeschützten Gebäuden? Dieser Frage ging die Petra-Kelly-Stiftung im Rahmen der Debattenreihe "Green New Deal in Städten und Regionen - die urbane Revolution" mit ihrer Podiumsdiskussion „Wege zur nachhaltigen Stadt“ in Bamberg auf den Grund.

Prof. Peter Droege vom Institut für Architektur und Raumentwicklung der Hochschule Liechtenstein und Mitglied im Weltrat für Erneuerbare Energien erläuterte in seinem einführenden Vortrag sehr nachdrücklich, warum eine Wende in der Stadtentwicklungspolitik notwendig sei. Die heutige Urbanisierung sei eine unmittelbare Folge der fossilen Energieversorgung, die sich in autoorientierter Siedlungsentwicklung und weltweit dominierenden Reihenhaussiedlungen äußere. Hier sei ein tiefgreifender Wandel gefragt: „Städte, die sich zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgen, sind notwendig und möglich.“ Droege verwies auf zahlreiche Städte und Regionen aus aller Welt, darunter auch viele deutsche, die sich bereits auf diesen Weg gemacht hätten. Solare Potenziale – so Droege – gibt es jedoch nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Gerade Werks- und Genossenschaftssiedlungen seien dafür gut geeignet. Droege nannte hier das Beispiel der Siemensstadt im Berliner Stadtteil Spandau.

Solare Freiraumgestaltung

Solare Freiraumgestaltung hat auch ästhetische Qualitäten

Zusammenfassend empfahl Droege, mehrere Nachhaltigkeitsprinzipien miteinander zu verknüpfen:

  • Verdichtung des Stadtraums
  • Einführung erneuerbarer Energien
  • nachhaltige integrierte Mobilitätssysteme
  • Energie- und Ressourceneffizienz
  • Konsumreform und Suffizienz

Diese Strategie biete auch historischen Städten wie Bamberg eine Perspektive hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Gabriele Pfeff-Schmidt berichtete aus ihrer Sicht als Kreisbaumeisterin, welche Probleme es in der Praxis gebe, solch hochgesetzten Ziele auch tatsächlich zu erreichen. Zwar zeige die Potenzialanalyse für den Landkreis auf, wo sich erneuerbare Energien sinnvoll und wirtschaftlich einsetzen ließen. Die Umsetzung weitergehender Schritte sei jedoch oft mühsam und bedürfe großer Überzeugungsarbeit. Zudem seien die finanziellen Rahmenbedingungen nicht günstig: „Eine Kontrolle von Energiestandards oder eine entsprechende Beratung sind in Zeiten von Sparhaushalten personell überhaupt nicht umsetzbar.“

Heinrich Kemmer, Direktor der kommunalen Stadtbau GmbH, vermisste günstige und dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen, damit eine wirtschaftlich kalkulierende Wohnungsbaugesellschaft energetische Sanierungen im Bestand in wünschenswertem Umfang vornehmen könne. Das Konjunkturpaket habe sich zwar günstig ausgewirkt, sei aber eben nicht dauerhaft. Kemmer kritisierte, dass die Städtebauförderung um 50% gekürzt werden solle. Er sah zudem gerade in Bamberg Probleme mit denkmalgeschützten Gebäuden, wo eine energetische Sanierung in schnell in Konflikt mit den Auflagen der Denkmalpflege geraten könne.

Energiespar-Denkmal 

Ein - sogar preisgekröntes - "Energiespar-Denkmal" in Tübingen

Dem widersprach Dr. Manuel Haus, Gebäudeenergieberater vom Umweltzentrum Tübingen. „Auch in historischen Gebäuden kann und muss energetisch saniert werden“, betonte Haus und verwies auf bereits realisierte Projekte in seiner Heimatstadt. Haus mahnte aber auch eine Abkehr von bloß wirtschaftlich orientiertem Denken an: „Wir müssen den Leuten zeigen, dass es geht und sie auch emotional begeistern.“

Prof. Droege forderte mehr Engagement von den Energieerzeugern. Stadtwerke müssten von sich aus aktiv werden und möglichst viel erneuerbare Energie anbieten und nicht nur auf die entsprechende Nachfrage der Konsumenten warten.

Die Präsentatation von Prof. Droege kann als PDF-Datei unentgeltlich heruntergeladen werden, ebenso die Charts von Manuel Haus.

 

Nützliche Links und Veröffentlichungen:

Peter Droege: 100% Renewable Energy - and Beyond - for Cities. HafenCity University Hamburg and World Future Council Foundation, Hamburg, March 2010.
Download als PDF-Datei

Peter Droege (Hrsg.): 100 Per Cent Renewable. Energy Autonomy in Action, Earthscan Ltd 2009

http://www.100-percent.org/

http://www.solarcity.org/

Umweltzentrum Tübingen e.V.

Weitere interessante Web-Sites zum Thema:

http://relaunch.100-prozent-erneuerbar.de/

http://www.100-ee.de/

http://www.100-ee-kongress.de/

http://www.kommunal-erneuerbar.de/

http://www.regiosolar.de/

Dort gibt es auch jede Menge weiterführender Links!

Flash ist Pflicht!

Video-Dokumentation der Veranstaltung



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Heinrich Böll Stiftung



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23.09.2010

Wem gehört die Welt?

Zur neuen Aktualität der Gemeingüter

Natürliche Ressourcen wie Wasser, das genetische Erbgut von Mensch, Tieren und Pflanzen oder die Erdatmosphäre – all diese den ersten Blick so unterschiedlichen Bereiche haben etwas gemeinsam: Sie gehören zur unverzichtbaren Basis menschlichen Lebens. Und: Sie gehen der Gemeinschaft immer mehr verloren, weil sie privatisiert und der allgemeinen Verfügung entzogen werden.

Wer sich nicht damit abfinden will, dass die Welt nicht mehr allen gehört, dass sie immer mehr "eingezäunt" und kommerzialisiert wird, muss sich neuen Konzepten umsehen. Die "Gemeingüter", im Englischen auch "Commons" genannt, sind ein solches Konzept, das auf eine lange Tradition verweisen kann und wieder verstärkt in den Blickpunkt wirtschaftspolitischer Diskussionen rückt. Die Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaft an die Gemeingüter-Forscherin Elinor Ostrom ist dafür nur ein Indiz von vielen.

Gemeingüter-Vortrag in Nürnberg
Silke Helfrich bei ihrem Vortrag im Nürnberger "eckstein"

Silke Helfrich, Mitherausgeberin und -autorin des Buchs "Wem gehört die Welt? - Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter", stellte das Konzept der Gemeingüter vor und beleuchtete die Vielfalt und das Potenzial der Gemeingüter. Sie setzte sich mit der angeblichen Tragödie der Commons" auseinander und stellte viele konkrete Beispiele vor, wie Gemeingüter "verwaltet" und gestaltet werden können.

Ihr Vortrag zeigte anschaulich, dass die Gegensätze "Markt versus Staat", "Privateigentum contra Staatseigentum", die die wirtschaftspolitische Debatte seit Jahrzehnten beherrschen, nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, wenn man das Gemeingüter-Konzept konsequent anwendet.

Die ihrem Vortrag zugrundeliegende Präsentation können Sie sich als PDF-Datei herunterladen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im von Silke Helfrich mitverfassten Report "Gemeingüter - Wohlstand durch Teilen", den Sie ebenfalls als PDF-Datei herunterladen können. Das Manifest "Gemeingüter stärken - Jetzt!" steht ebenfalls zum Herunterladen zur Verfügung.

Links zu vielen interessanten Informationen rund um das Thema Gemeingüter finden Sie im entsprechenden Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung.

Zwei Buch-Tipps:

Peter Barnes:
Kapitalismus 3.0 - Ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung
Aus dem Amerikanischen von Veit Friemert
224 Seiten; Hardcover, Fadenheftung; EUR 18,80
Als PDF-Datei unentgeltlich!

Heinrich-Böll-Stiftung, Silke Helfrich (Hrsg.):
Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter
ökom Verlag (München) 2009. 288 Seiten, 24,95 EUR

Empfohlene Weblinks

commonsblog.wordpress.com

www.allgemeingut.org

www.gemeingueter.de



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Leitfaden für nachhaltiges Leben & Studieren

Der Arbeitskreis Ökologie der Studierendenvertretung der Universität Würzburg hat in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung den „Leitfaden für nachhaltiges Leben &
Studieren“ erstellt. Das Ziel der Broschüre ist es, Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Uni Tipps für nachhaltiges Verhalten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Uni zu geben. Dabei geht es unter anderem um die Themen nachhaltiger Konsum, Energiesparen, Recycling und Mobilität.

Der Arbeitskreis hofft dadurch die Menschen an der Uni Würzburg zu bewussterem und nachhaltigerem Verhalten zu bewegen. Dabei werden bewusst nicht nur die Konsequenzen des eigenen Handelns auf den Klimawandel aufgezeigt, sondern insbesondere konkrete Vorschläge gemacht, wie die Leserinnen und Leser ihr Leben selbst nachhaltig gestalten können.

Diese von Studierenden sorgfältig recherchierte und verfasste Broschüre wird kostenlos an der Uni verteilt werden. Nach der Fertigstellung der Broschüre im August 2010 wird sie auch als PDF-Dokument unter http://www.stuv.uni-wuerzburg.de/arbeitskreise/ak_oekologie/ zum Betrachten und Herunterladen bereitstehen.



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Shared Space: Hoffnung für den öffentlichen Raum!?

Eine Rezension

Cornelius Bechtler, Anja Hänel, Marion Laube, Wolfgang Pohl, Florian Schmidt (Hrsg.): Shared Space - Beispiele und Argumente für lebendige öffentliche  Räume; Bielefeld 2010, 216 Seiten, Preis: 15 Euro, ISBN 978-3-9803641-7-1

Auf dieses Buch habe ich schon lange gewartet: Über den "Shared Space" genannten neuen Planungsansatz in der Verkehrspolitik, der auf rücksichtsvolles Verhalten aller VerkehrsteilnehmerInnen im gemeinsamen Raum setzt statt auf Funktionstrennung, Regeln und Verbote, gab es nämlich bisher kaum systematische Veröffentlichungen. Das vorliegende Buch befasst sich wirklich umfassend mit dem Konzept, schildert, wie es in der Praxis funktioniert, und diskutiert durchaus kontrovers die Vorteile und Probleme dieses Modells, so zum Beispiel seine Eignung auch für Großstädte. Das Buch zeichnet sich durch ein ausgewogenes Urteil aus und enthält sich jeglicher Euphorie, die das Shared Space-Konzept anfänglich als "Ei des Kolumbus" in der kontroversen kommunalpolitischen Verkehrsdiskussion feierte. Das Buch macht aber dennoch Mut, dieses Konzept auszuprobieren, das auf Kommunikation und Gestaltung setzt und auf Restriktionen und Vorrechte einzelner Verkehrsteilnehmer weitgehend verzichtet.

Sabine Lutz, eine Kollegin des bereits verstorbenen "Shared Space"-Erfinders Hans Monderman, gibt eine Einführung in die Grundlagen und erläutert einige holländische Beispiele. Jürgen Gerlach, der bundesdeutsche Planungswissenschaftler, der sich wohl am intensivsten mit dem Konzept auseinandergesetzt hat, diskutiert die verkehrlichen Effekte verschiedener Shared Space-Projekte. Außerdem gibt es Beiträge zu ähnlichen Planungsansätzen in Großbritannien, der Schweiz, Frankreich und Belgien. Diese Beispiele zeigen sehr nachdrücklich, dass Shared Space ein recht flexibles Instrumentarium sein kann, das sich entsprechend der jeweiligen Situation variabel anwenden lässt.

Positiv hervorzuheben ist der ausführliche Diskussionsteil, in dem das Pro und Contra des Shared Spared-Konzepts aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erörtert wird. Ein Glossar zu wichtigen Begriffen der Shared Space-Diskussion vervollständigt diesen äußerst empfehlenswerten Sammelband.

Keine Kritik also? Eine kitzekleine: Wenn die – erfreulich zahlreichen – Bilder von den vorgestellten Shared Space-Projekten farbig wären, wäre dieses Buch wohl für lange Zeit konkurrenzlos. Aber wahrscheinlich auch unbezahlbar…

Gerd Rudel



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23.04.2010

Gemeinsame Agrarpolitik nach 2013: ökonomisch- ökologisch- sozial

Die AbL Bayern , die Petra-Kelly-Stiftung und die KLJB haben sich mit einer eigenen Tagung frühzeitig in die Diskussion um die anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) eingeschaltet. 

Ministerialrat Anton Dippold erläuterte die Positionen des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Landwirtschaft und Agrarpolitik stünden vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Eine weitere Deregulierung der Märkte sei zu erwarten. Das erfordere auch neue Antworten wie z.B. Terminbörsen für alle Produktbereiche. Die Direktzahlungen behielten die Aufgabe, die landwirtschaftlichen Betriebe zu stabilisieren. Zudem seien sie ein Ausgleich für höhere Standards und zur Sicherstellung öffentlicher Güter erforderlich. Eine besondere Stärke und Chance der bayerischen Agrarwirtschaft sei das Heraustreten aus einer ansonsten zunehmenden Austauschbarkeit der Erzeugnisse.

Lutz Ribbe, Direktor bei EuroNatur, zeigte in einem eindrücklichen und lebendigen Vortrag zwei verschiedene Entwicklungspfade auf. Entweder die europäische Landwirtschaft werde zum reinen Lieferanten billiger Rohstoffe für eine weltmarktorientierte Agrarindustrie degradiert. Oder aber das europäische Agrarmodell einer vielfältigen, natur- und umweltschonenden Landwirtschaft werde endlich mit Leben erfüllt. „Beides zusammen geht nicht. Eine multifunktionale bäuerliche Landwirtschaft ist nicht zu Weltmarktpreisen zu haben“, so Ribbe. Er forderte dazu auf, sich bei der Reform nicht nur um das Geld, sondern auch um stabile Märkte zu kümmern.

Dr. Ulrike Doyle aus Berlin stellte den Vorschlag des Sachverständigenrat für Umweltfragen zur Umgestaltung der Brüsseler Agrargelder vor. Statt der bisherigen Direktzahlungen solle eine flächendeckende „ökologische Grundprämie“ eingeführt werden, die statt an geltende Rechtsvorschriften (Cross Compliance) an die Vorgabe gebunden sein soll, auf mindestens 10 Prozent der Betriebsfläche an Agrarumweltmaßnahmen teilzunehmen oder Hecken, Buntbrachen oder ähnliches nachzuweisen. Daneben solle es eine Förderung für örtlich begrenzte Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutz-Maßnahmen geben. Drittens schlägt der Rat Landschaftspflegemittel für die Aufrechterhaltung von ökologisch wertvollen Bewirtschaftungsformen vor, wo ohne Unterstützung ein Brachfallen drohe. Es gehe nicht darum, im EU-Agrarhaushalt zu sparen, sondern die Gelder ökologisch positiv wirksam werden zu lassen.

Von der AbL-Geschäftsstelle zeigte Ulrich Jasper auf, dass die heutige Zuteilung der Zahlungen bäuerliche Betriebe gegenüber stark rationalisierten flächenstarken Betrieben schlechter stelle. Wenn Direktzahlungen das Einkommen der Bauern und Bäuerinnen stabilisieren sollten, dann müssten sie statt nur an der Fläche auch an den Faktor Arbeit gebunden werden. Eine starke Staffelung der Zahlungen, wie von der EU-Kommission 2007 vorgeschlagen, sei deshalb weiterhin notwendig und mit der Anrechenbarkeit von betrieblichen Lohnkosten zu verbinden.

Dr. Gerhard Hovorka von der österreichischen Bundesanstalt für Bergbauernfragen in Wien stellte ein anderes Modell vor, um die Direktzahlungen direkt an den Faktor Arbeit statt an die Fläche zu binden. Dabei werden nicht die tatsächlichen Arbeitskräfte der einzelnen Betriebe herangezogen, sondern der standardisierte, also durchschnittliche Arbeitszeitbedarf für verschiedene Kulturen und andere Erzeugungsbereiche. Die tatsächliche Höhe der Zahlungen für den Einzelbetrieb errechnet sich dann aus diesen Durchschnittswerten und den in jeweiligen Sammelantrag des Betriebes angegebenen Daten. Das Modell komme daher für 94 Prozent der Betriebe ohne die Erfassung weiterer Daten aus. Das Modell ist im Rahmen einer Studie in Abstimmung mit dem Wiener Ministerium 2007/08 erstellt worden. Gewinnen würden bei diesem Modell  Betriebe mit hohen Arbeitseinsatz wie Milchviehbetriebe und Betriebe mit natürlicher Erschwernis.

Der AbL-Landesvorsitzende Josef Schmid betonte zum Abschluss der Tagung, wie wichtig für die AbL die Berücksichtigung der Arbeitskräfte bei der künftigen Zuteilung der Direktzahlungen ist. Und er kündigte an, die Anregungen und Ergebnisse der Tagung auch in die Bayerische Zukunftskommission einzubringen, die vom Bayerischen Minister Josef Brunner eingerichtet worden ist und vom ehemaligen EU-Kommissar Franz Fischler geleitet wird.

Einen ausführlichen Bericht über die Tagung hat Reinhold Bonfig für den presse- und Informationsdienst boCommunication verfasst. Den Bericht können Sie als PDF-Datei herunterladen.

Downloads zum Artikel

Bericht_ABL-Tagung2010.pdf


Empfohlene Weblinks

www.abl-bayern.info


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V., Landesverband Bayern

Katholische Landjugendbewegung Deutschlands e.V.



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20.03.2010

Die Kommunen als Auftraggeber

Gesetzliche Grundlagen – ökologische und soziale Handlungsmöglichkeiten

Die Kommunen verfügen mit ihren Aufträgen und Beschaffungen über eine beträchtliche "Nachfrage-Macht". Fast ein Fünftel des deutschen Bruttossozialprodukts fließt auf diese Weise durch die kommunalen Kassen.

Dass die Kommunen in ihrer Rolle als Auftraggeber eine Vorbildfunktion erfüllen, dass sie bei ihren Aufträgen in besonderem Maße auch ökologische und soziale Belange verfolgen sollten, darüber kann schnell Einigkeit hergestellt werden. Doch der Teufel liegt auch hier im Detail: im komplexen und komplizierten Vergaberecht. Dessen Anforderungen sind zu berücksichtigen, wenn ökologische und soziale Ziele verfolgt werden.

Unsere Fachtagung gab einen Überblick über den aktuellen Stand der rechtlichen Grundlagen – in Deutschland und der Europäischen Union, die hier ja eine immer wichtigere Rolle spielt. Und sie zeigte (nicht zuletzt anhand konkreter, bereits realisierter Beispiele!), wie sich die Zielsetzung einer nachhaltigen Beschaffung umsetzen lässt.

Wir dokumentieren die Präsentationen und Vorträge der Tagung hier zum unentgeltlichen Herunterladen als PDF-Dateien:

Dr. Angela Dageförde: Die rechtlichen Rahmenbedingungen
der kommunalen Auftragsvergabe: Bund
(ca. 155 KB)

Heide Rühle, MdEP: Öffentliche Auftragsvergabe und EU-Recht (ca. 35 KB)

Philipp Tepper: Ökologische Belange in der Auftragsvergabe - kreativ und rechtskonform einkaufen (ca. 560 KB)

Daniel Günthör: Die Landeshauptstadt München als Auftraggeber - Vergabe unter Beachtung von internationalen sozialen Kriterien (ca. 780 KB)

Heiko Glawe: Keine Ausbeutung mit Steuergeldern -  Soziale Belange in der Auftragsvergabe (ca. 30 KB)


Weiterführende Informationen finden sich unter den folgenden Links:

Europäische Kommission: Umweltorientierte Beschaffung! - Ein Handbuch für ein umweltorientiertes öffentliches Beschaffungswesen

Deutscher Städtetag: Die Berücksichtigung sozialer Belange im Vergaberecht - Hinweise für die kommunale Praxis

ICLEI: Das Procura+ Handbuch für Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz in der öffentlichen Beschaffung (2. Auflage)

Bündnis 90/DIE GRÜNEN BUndestagsfraktion: Fachtagung "Vergaberecht reformieren – Rechtssicherheit schaffen" mit zahlreichen Statements und Präsentationen
Dokumentation der Fachtagung (Reader)

BUY FAIR - Ein Leitfaden für die öffentliche Beschaffung von Produkten aus Fairem Handel

Richtlinien über die Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten bei der Vergabe
öffentlicher Aufträge (Umweltrichtlinien Öffentliches Auftragswesen – öAUmwR)
Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 28. April 2009 Az.: B II 2-5152-15:
http://www.lfu.bayern.de/abfall/fachinformationen/stoffliche_verwertung/doc/umweltgesichtspunkte.pdf

Philipp Tepper: Kommunale Ansätze und Erfahrungen aus Europa. Sozial-ökologische Beschaffung in der Praxis

Procura+ - Kampagne für nachhaltige Beschaffung: www.procuraplus.org/de

ICLEI - nachhaltige Beschaffung: www.iclei-europe.org/procurement

Smart SPP - Innovation durch nachhaltige Beschaffung: www.smart-spp.eu

Umweltbundesamt: Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung

Kampagne "Keine Ausbeutung mit Steuergeldern": CorA - Netzwerk für Unternehmensverantwortung

EU entscheidet: Kommunale Grundstücksverkäufe und städtebauliche Verträge unterliegen nicht dem Vergaberecht.

Dokumentation des Prozesses, der zur Verabschiedung des fortschrittlichen Vergaberechts in Bremen führte, in der Broschüre "Es geht auch anders! - Sozial und ökologisch verantwortliche Beschaffung im Land Bremen"

Bundesweites Netzwerk faires Beschaffungswesen

Zwei Lese-Tipps für die, die den Griff zum Papier nicht scheuen:

Alexander Fonari/Vivien Führ/Norbert Stamm (Hg.): Sozialstandards in der öffentlichen Beschaffung. Grundlagen - Erfahrungen - Materialien. Hannover 2009

Vergaberecht & faire Vergabe. AKP 2/2010, S. 37-53

Ein Hinweis für alle KommunalpolitikerInnen und -verwaltungen:
Das ICLEI-Europasekretariat bietet in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut e.V. maßgeschneiderte Vor-Ort Schulungen zur umweltfreundlichen Beschaffung an. In diesen vom Umweltbundesamt geförderten Trainings erfahren Beschaffungspraktiker und/oder politische Entscheidungsträger, wie sie Kosten senken und die Umwelt schützen können. Diese Schulungen sind auf die jeweiligen Kommunen und ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten.
Kontakt: franziska.singer@iclei.org

ReferentInnen

Dr. Angela Dageförde
Fachanwältin für Verwaltungsrecht und für Bau- und Architektenrecht, Lehrbeauftragte an der Uni Hannover
angela.dagefoerde@versteyl.de, Tel.: 0511/270487-0

Heide Rühle
Mitglied des Europäischen Parlaments
heide.ruehle@europarl.europa.eu

Philipp Tepper
Team "Nachhaltiges Beschaffungswesen", ICLEI Europasekretariat, Freiburg
philipp.tepper@iclei.org,  Tel.: 0761/368920

Daniel Günthör
Dipl.-Verwaltungswirt (FH), Landeshauptstadt München, pers. Mitarbeiter von Bürgermeister Hep Monatzeder
daniel.guenthoer@muenchen.de

Heiko Glawe
GewerksschaftsGrün, Abteilungsleiter beim DGB Berlin-Brandenburg im Bereich Wirtschafts- und Strukturpolitik
Heiko.Glawe@DGB.de, Tel.: 030/21 240-130


Partner

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg



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17.03.2010

Happy Planet Index: Wer ist warum glücklich?

Politische und psychosoziale Folgerungen aus der Krise

Prof. RuckriegelDer Vortrag von Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel (Georg Simon Ohm-Fachhochschule Nürnberg) gab einen kompetenten Überblick über die Ergebnisse der Glücksforschung und stellte den sog. Happy Planet Index vor, der neben objektiven und subjektiven Kriterien für die "happiness" (Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit) auch das Nachhaltigkeitskriterium des "ökologischen Fußabdrucks" berücksichtigt. Ruckriegels wirtschaftspolitische Konsequenzen waren eindeutig: Weg vom Wachstumszwang und von der Orientierung am Bruttosozialprodukt, weniger Einkommensungleichheit und Stärkung der sozialen Netzwerke.

 

Prof. NiklewskiProf. Dr. Günter Niklewski (Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Nürnberger Klinikum) ging in seinem Kommentar v. a. auf die Ursachen von Depressionen und den damit verbundenen Verlust von Lebensfreude ein. Auch er betonte die kulturellen Dimensionen des Glücks, die – eine Befriedigung materieller Grundbedürfnisse vorausgesetzt – durch Wirtschaftswachstum nicht verbessert würden. Kritisch wies er darauf hin, dass Konkurrenzdenken und Ellenbogenmentalität mittlerweile auch Freizeit- und Sozialverhalten durchdringe.

In der lebhaften Diskussion wurde v. a. auf die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels in der Wirtschaftspolitik (z.B. Grundeinkommen) hingewiesen und der Einfluss verschiedener "Nationalcharaktere" (Skandinavien!) auf das "Glücksniveau" thematisiert.

Das Publikum

Wir dokumentieren hier die Präsentation von Prof. Ruckriegel und einen Text von ihm zum unentgeltlichen Herunterladen. Weitere Informationen und Materialien zum Thema Glücksforschung finden Sie auf seiner Homepage.

Informationen zum "Happy Planet Index" finden sich hier: http://www.happyplanetindex.org/

Dort können Sie auch die aktuelle Version des Bericht als PDF-Datei (englisch!) herunterladen.

Unten finden Sie außerdem einen Link zu einem in der "Nürnberger Zeitung" erschienenen Bericht über die Veranstaltung.

Empfohlene Weblinks

www.nz-online.de/artikel.asp


Partner

Evangelische Stadtakademie Nürnberg



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