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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

23.10.2013 bis 12.12.2013

Menschen wie Menschen behandeln

Vortragsreihe "Flucht und Asyl"

Zum zweiten Mal fand an der OTH Regensburg eine Vortragsreihe zur Thematik "Flucht und Asyl" statt. In sechs Vorträgen und einer Aufführung des UeTheaters Regensburg wurden verschiedene Aspekte der Flüchtlings- und Asylpolitik in Bayern und Europa diskutiert.  

23. Oktober: Was ist Ethnizität?
Die Definition von Ethnizität gilt als eines der umstrittensten Probleme in den Sozialwissenschaften. Entgegen aller Erwartungen haben Globalisierungsprozesse nicht zu einer Abnahme, sondern einer Bedeutungszunahme von Ethnizität geführt. Auch der Fall des Eisernen Vorhanges führte dazu, dass in der ehemaligen SU ethnische Gruppen einen erheblichen Bedeutungszuwachs erhielten – der Krieg im ehemaligen Jugoslawien legte davon ein besonders nachhaltiges und brutales Beispiel ab. In Ihrem Vortrag klärte  Prof. Dr. Ruth Seifert, was unter Ethnizität zu verstehen ist, wie das Phänomen Ethnizität zu erklären ist, warum es umstritten und dennoch in der aktuellen Politik und im Zusammenleben von Menschen nach wie vor wichtig zu sein scheint.

30. Oktober: Flüchtlingsproteste und die Rolle der Medien
Stefan Aigner (Regensburg digital) stellte den "refugee struggle" anhand ausgewählter Medienberichte dar, um dann durch einzelne Beispiele zu verdeutlichen, wie eine absichtliche oder aus Unwissenheit geschehene Art der Berichterstattung die Stimmung der Bevölkerung einerseits beeinflusst und andererseits widerspiegelt. Dabei wurde auch über rechtsextremistische Kommentare in Sozialen Netzwerken diskutiert. Die Rolle von Journalistinnen und Journalisten zur Unterstützung politischer Bewegungen bzw. zur Unterstützung der Machthabenden wurde ebenfalls zum Diskussionsgegenstand, die der Referent engagiert moderierte.

6. November: Die europäische Grenzschutzagentur Frontex
Bernd Kasparek (EU Border Monitoring, München) berichtete über die Entstehung von Frontex und erläuterte deren Struktur sowie deren Stellung innerhalb der Gremien in der Europäischen Union. Die Aufgaben, Zielsetzungen und Arbeitsweisen sowie die rechtlichen Grundlagen für das zweifelhafte Handeln an den sogenannten europäischen Außengrenzen wurden anhand zahlreicher Bilder und Fotos erläutert. Zusätzlich bot Bernd Kasparek einen detaillierten Bericht über das Migrationsverhalten zwischen den Kontinenten, mit besonderem Bezug auf Europa. In diesem Zusammenhang wurden ausführliche Informationen zu der fragwürdigen Nutzung neuer Technologie zur Identifikation bzw. Abwehr von Menschen, die migrieren, gegeben. Im Anschluss beantwortete der Referent auch spezielle Fragen, wie zu EUROSUR, berichtete über seine wissenschaftlich sowie praktische Arbeit bei EU Border Monitoring und erzählte von Exkursionen zu den „Grenzschutzanlagen“ an der Griechisch-Türkischen Grenze. 

14. November: Bleiberecht für alle. Abschiebungen verhindern
Karin Prätori (BI Asyl, Regensburg) stellte dar, welche Maßnahmen es gibt, um Abschiebungen zu verhindern. Dabei erläuterte sie ausführlich, welche unterschiedlichen Möglichkeiten in speziellen Fällen sinnvoll sind (Online-Petitionen, Vernetzung vor Ort, anwaltliche Hilfe, Kirchenasyl, Handlungsmöglichkeiten im Flugzeug etc.). Die zu Grunde liegenden Gesetze und Vorschriften wurden ebenso erläutert wie  die sogenannte Härtefallkommission. Zum einen wurde kritisiert, dass dieses Gremium undemokratisch besetzt ist, es erst angerufen werden kann, wenn man bereits ein Mitglied für sich gewinnen konnte und dass die Entscheidung der Kommission willkürlich getroffen werden und auf keinen festgeschriebenen Gesetzen oder Regeln fußen. 

28. November: Ausbeutung von Illegalisierten auf dem Arbeitsmarkt
Prof. Dr. Philip Anderson  erläuterte die komplexen Gründe und Deutungszusammenhänge, die zu einer Illegalisierung von Menschen führen. Hierfür stellte er die historische Entstehung sowie die Bedeutung von Nationalstaaten dar und die Kapitalinteressen an diesen. Er erklärte die heterogenen Gründe bzw. Herkünfte, aus denen heraus Menschen illegalisiert werden. Er referierte über die rechtliche Situation, zum Beispiel wenn Illegalisierte vor ein Arbeitsgericht treten und wie sie unterstützt werden können durch Anwälte oder Gewerkschaften. Ein weiterer ausführlicher Punkt stellte die medizinische Versorgung dar, besonders in Fällen von Schwangerschaften bzw. Geburten. Des Weiteren stellte der Referent die wenigen Möglichkeiten vor, die es gibt, um die prekäre Lage als Illegalisierte/r zu überwinden. All diese Themenfelder sowie die Frage danach, warum Flucht und Asyl immer noch im Innenministerium und nicht im Sozialministerium angesiedelt sind, wurden nach und während des Vortrags intensiv diskutiert.  

4. Dezember: Berufschulpflichtige Asylbewerber/-innen in Regensburg. Soziale Arbeit und Berufsschule im Fokus
 Nach einem kurzen Überblick über die rechtlichen Grundlagen zum Thema schilderten die Referent/inn/en ihren beruflichen Alltag mit den BAF. Ein großes Problem stellt zum einen der unsichere Aufenthaltsstatus der Schüler/innen dar. Dieser wirkt sich negativ auf die Motivation und die psychische Verfassung der Betroffenen aus. Außerdem sind viele der Schüler_innen durch ihre Erlebnisse in ihren Herkunftsländern sowie ihre Erfahrungen au/ der Flucht traumatisiert. Weder Lehrer/innen noch Sozialarbeiter/innen werden während ihres Studiums hinreichend auf die Arbeit mit traumatisierten Menschen vorbereitet. Eine anderes wichtiges Thema stellte die heterogene Zusammensetzung in den Klassen dar (Alter, Sprache, Schulbildung etc.). Auch der für die meisten Schüler/innen aufgrund willkürlicher Entscheidungen der Ausländerbehörde de facto unmögliche Eintritt nach der zweijährigen Berufsschule in die Arbeitswelt wurde thematisiert. An dieser Stelle müssen passende Maßnahmen zum Übergangsmanagement entwickelt werden. Im Zuge der Diskussion entstand ein Kooperationsvorhaben zwischen der Berufsschule II und dem Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer e.V. bzgl. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe sowie Freizeit- und Alltagsgestaltung der BAF. 

12. Dezember: Forum Theater - "Asyl"
Das Theaterstück „Asyl“ basiert auf Interviews mit Geflüchteten und eigener Recherche der Theatergruppe. Im Rahmen des Forumtheaters, einer Methode zur politischen Mitwirkung von Unterdrückten, die auf der Methode des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal basiert, werden zuerst die Szenen dargestellt und nach dem Stück wird dem Publikum die Möglichkeiten gegeben, in die Situation zu gehen und eigene Lösungsansätze zu erproben, die zu einer Beendigung der Unterdrückungssituation führen sollen. Im Anschluss an die interaktive Phase entwickelte sich eine Diskussion, in der klar wurde, dass die Unterdrückungsmechanismen, denen Asylbewerber/innen ausgesetzt sind, vielschichtig sind und sowohl auf individuellem, als auch auf staatlichem Rassismus zum Beispiel in Form von rassistischer Gesetzgebung oder institutionellem Rassismus, beruhen. Im Publikum waren einige Personen anwesend, die sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben und es bleibt zu hoffen, dass neu gewonnene Erkenntnisse zu einer Sensibilisierung führen.

Empfohlene Weblinks

biasyl.wordpress.com

Veranstaltungsort
Regensburg


Partner

a.a.a. - Arbeitskreis für ausländische ArbeitnehmerInnen e.V., Regensburg

Bürger_innen-Initiative Asyl, Regensburg

Forum Sozialwissenschaften, Hochschule Regensburg


Art der Veranstaltung
Vortragsreihe



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22.10.2013 - 19:30

Politik und Religion in Israel

 

Der politische Zionismus steht seit jeher unter innerjüdischer Kritik. Er revoltierte gegen das rabbinische Prinzip der politischen Passivität vor Anbruch der messianischen Zeit und konzentrierte seine Aktivität auf die jüdische Einwanderung und den Aufbau des „Landes Israel“.  Aus dieser Grundkonstellation entwickelten sich früh heftige Debatten. Nach 1967 gewannen eine zunehmend fundamentalistische Theologie und verschiedene nationalistische Strömungen einen stetig wachsenden Einfluss auf die Politik.

Dies wirft die Frage auf, ob Israel ein jüdischer Staat, der Staat der Juden oder ein Staat all seiner Bürger sein soll. Der Streit hat grundsätzliche Konsequenzen für die Verfasstheit des Gemeinwesens und für seine arabischen Bürger, aber auch für die Palästinenser in den besetzten Gebieten. 

Den im Rahmen der Veranstaltung von Reiner Bernstein gehaltenen Vortrag können Sie hier im Wortlaut als PDF-Datei herunterladen.

ReferentInnen

Prof. Dr. Micha Brumlik
Erziehungswissenschaftler und Publizist, Frankfurt

Dr. Reiner Bernstein
Historiker, München 

Veranstaltungsort
München


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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20.10.2013

Notes From Gezi Park Resistance

 

Vildan Seçkiner gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Ereignisse und die Geschichte der diesjährigen Proteste im Istanbuler Gezi Park. Sie berichtete zunächst über die Geschichte des Gezi Parks und die diesbezüglichen städtischen Amtshandlungen bis hin zum Beginn der Proteste. Sie erklärte die Dynamiken und früheren politischen Kämpfe, die den Anstoß gaben zu den Gezi- Park-Protesten, dieser riesigen Protestwelle, in der es nicht „nur“ um eine Grünfläche der Stadt, sondern um die allgeimene Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der türkischen Politik geht . Da sie selbst viel vor Ort war, konnte sie ebenso einen sehr persönlich erzählten Einblick in den Ablauf der Proteste geben. Sie schilderte die Zusammenstöße mit Sicherheitskräften und die solidarische Zusammenarbeit verschiedener Nachbarschaftsforen untereinander. Dazu gehörte zum Beispiel auch die Zusammenarbeit zwischen einer feministischen Gruppe und Fußballhooligans, also zwischen Gruppierungen, die sich inhaltlich kaum ferner sein könnten.

Abschliessend stellte sie die Berichterstattung der Gezi-Park-Proteste in den internationalen Medien dar und skizzierte die Rolle sozialer Internetnetzwerke in der Organisation und Kommunikation der Protestbewegung. 

Empfohlene Weblinks

www.huij.org

ReferentInnen

Vildan Seçkiner
Studierte in Ankara Stadt- und Regionalplanung und Urban Design. Dort schloss sie auch 2009 ihr Master-Studium ab. Seit November 2011 arbeitet sie für das Projekt “Changing Imaginations of Istanbul. From Oriental to the Cool City”. Derzeit schreibt sie an ihrer Dissertation über die “Istanbul 2010 European Capital of Culture Project”.

Veranstaltungsort
München


Partner

HUIJ


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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18.10.2013 bis 19.10.2013

4. Panafrikanismus Kongress: Lernen aus der Vergangenheit

 

Der 4. Panafrikanismus-Kongress in München hatte folgende Schwerpunkte:

  • Die Situation der Post-Apartheid in Südafrika
  • Völkermord im südlichen Afrika - 105 Jahre später
  • Sklaverei im 21. Jahrhundert: Das bittere Beispiel von Mauretanien 

Der Kongress stand unter dem Leitmotiv „Lernen aus der Vergangenheit“ und konnte insgesamt 500 Teilnehmer/innen begrüßen. Der Kongress war dem Anti-Apartheid Kämpfer und Gründer der „Black Consciousness“-Bewegung in Südafrika, Steve Bantu Biko, sowie der Panafrikanistin und politisch engagierten Sängerin Miriam Makeba, gewidmet.  Er begann mit der Eröffnung der einmonatigen Ausstellung “Biko: The Quest for a True Humanity”.  Zudem wurde im Rahmen des Kongress den Opfern des Völkermords in Namibia (u.a. Herero, Nama, San, Damara) gedacht. Die Referent/inn/en und Kongressteilnehmer/innen setzten sich über die Verbindung zwischen Sklaverei und Kolonialismus auseinander. Zudem warfen sie die Frage auf, warum Sklaverei auch noch heutzutage praktiziert wird, und diskutierten über die Möglichkeiten und Notwendigkeit der Bekämpfung dieses Phänomens.

Am Samstag wurde in der Muffathalle die eintätige Ausstellung über den Völkermord in Namibia gezeigt. Es gab zudem eine Bestandsaufnahme im
Hinblick auf die positiven Veränderungen sowie der noch zu überwindenden negativen Auswirkungen aus der Zeit der Apartheid in Südafrika. Im Rahmen von Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit namibischen Parlamentsmitgliedern und einem Mitglied des Deutschen Bundestags wurde die Frage nach der Verantwortung Deutschlands für den Völkermord in Namibia thematisiert.

Ein Ergebnis des Kongresses war die Deklaration, in der der Kongress an ein stärkeres Engagement für eine unverzügliche Veränderung der Unrechtsituation in den Kongress-Schwerpunkländer appelliert und einstimmig scharf die Fortsetzung von Versklavung von schwarzen Menschen in Mauretanien  verurteilt. Die mauretanische Regierung wurde aufgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um diese anachronistische Situation zu beenden und die auch von Mauretanien ratifizierte Menschrechtskonvention in die Tat umzusetzen.

Eine ausführliche Foto- und Video-Dokumentation des Kongresses finden Sie auf der Kongress-Homepage.

Empfohlene Weblinks

www.panafrikanismusforum.net

Veranstaltungsort
München


Partner

Arbeitskreis Panafrikanismus München e.V.

Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Ausländerbeirat der Landeshauptstadt München

Steve Biko Foundation, Südafrika

AFROTAK TV cyberNomad, Berlin

InitiativGruppe -Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V.

AfricAvenir International e.V.

EXILEKulturkoordination e.V.

Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland

Katholischer Fonds

Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst

Kurt Eisner Verein - Rosa-Luxemburg-Stiftung

Stiftung Umverteilen

Engagement Global Stuttgart

Netzwerk München


Art der Veranstaltung
Kongress



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07.10.2013 - 19:30

Ökologischer Landbau - Luxus oder (überlebens-) wichtig?

Ökologische Landwirtschaft als Grundlage einer zukunftsfähigen Welternährung

Rudolf Buntzel ist Volkswirt mit agrarwissenschaftlichem Hintergrund und war u.a. viele Jahre in afrikanischen Ländern bei kirchlichen Entwicklungsdiensten tätig, zuletzt als Lehrbeauftragter in Uganda. ln den vergangenen Jahrzehnten konnte er viele Erfahrungen in der afrikanischen Landwirtschaft  sammeln. Sein kenntnisreicher Vortrag beschäftigte sich ausführlich mit den Entwicklungen der afrikanischen Kleinbauern einerseits und der industriellen Landwirtschaft in verschiedenen Ländern andererseits.

Dabei stellte er vor allem die These auf, dass die traditionelle kleinbäuerliche Landwirtschaft die Landwirtschaft vom Boden her denkt, während die Agrarindustrie die Landwirtschaft  von der Pflanze her denkt. Damit ist der Grundunterschied benannt: die einen erhalten den Boden, seine Nährstoffe und seine natürliche Lebenswelt, während die anderen den Boden unbeachtet lassen und die Pflanze mit allen Mitteln stärken, schützen und widerstandsfähig machen. Mit allen Begleiterscheinungen: Bodenerosion, Pestizide, Düngemitteleinsatz. Im Extremfall: gentechnische Veränderungen. Auch diese kommen in afrikanischen Ländern zum Einsatz.

Buntzel stellte den Unterschied auf anschauliche Weise dar: Fotos von industriell arbeitenden Betrieben und Fotos von Anbauflächen kleinbäuerlicher Landwirte unter besonderer Berücksichtigung tropischer Lebensverhältnisse.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine rege Diskussion mit vielen auch fachlich detaillierten Fragen zur landwirtschaftlichen Produktion und zu den schwierigen Lebensbedingungen, unter denen die Kleinbauern ihr Leben sichern müssen.

ReferentInnen

Dr. Rudolf Buntzel
Promovierter Volkswirt mit agrarökonomischem Hintergrund, hat zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Afrika geforscht, war 35 Jahre in wechselnden Funktionen bei kirchlichen Entwicklungsdiensten tätig, zuletzt als Beauftragter für Welternährungsfragen in der EKD. Er ist seit einigen Jahren als Lehrbeauftragter für landwirtschaftliche Entwicklungsfragen in Westafrika an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und demnächst in Uganda.

Veranstaltungsort
München


Partner

InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V.

FIAN München

Misereor

Nord Süd Forum

Arbeitskreis Panafrikanismus

Kulturreferat der Landeshauptstadt München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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26.06.2013 - 19:30

Welternährung und Neokolonialismus

Lesung aus dem Buch „Kongo“ von David van Reybrouck

Das Buch "Kongo" hat in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit hervorgerufen  - nicht nur in Belgien, das über viele Jahrzehnte den Kongo kolonisiert  hat, sondern auch in Deutschland. Der Autor erzählt auf eindrückliche Weise die dramatische Kolonialgeschichte der Menschen im Kongo seiner belgischen Kolonisatoren. Das Geschehene ist für die gesamte westliche Welt ein Beispiel für die Verbrechen gegenüber den einheimischen Bevölkerungen der Kolonialländer. 

Der Moderator, Claude Mukadi, selbst Kongolese, stellte mit einem kurzen Vortrag die Geschichte aus seiner Sicht dar. Kontrastiert wurden seine Beiträge durch Lesung einzelner Episoden aus dem Buch von David van Reybrouk. Dabei wurden die politischen Rollen verschiedener Persönlichkeiten, die diese Geschichte geprägt haben, wie z.B. der belgische Monarch Leopold, der Freiheitskämpfer Lumumba oder der Diktator Mobutu dargestellt.  

Das Publikum war auch gemischt. Insbesondere die Beiträge der anwesenden Kongolesen haben sehr zum Verständnis des Landes und seiner Historie beigetragen. Auch die aktuelle Lage wurde behandelt: die Ausbeutung der Bodenschätze - früher mit Kautschuck, heute mitColtan - und damit einhergehend die kriegerischen Auseinandersetzungen (Bürgerkriegsmilizen, Massenmorde an der Bevölkerung, Vergewaltigungen, Kindersoldaten).  

Claude Mukadi stellte  am Ende einer lebhaften und engagierten Veranstaltung seine Friedensaktion "Bel Amani - Friedensglocke" vor.

ReferentInnen

Claude Mukadi
In Lubumbasi (Kongo) geboren und 1974 als Student nach München gekommen. Für seine ehrenamtliche Friedensarbeit wurde mit dem Preis „Münchener Lichtblicke 2012“ ausgezeichnet. Gründer der Initiative „Bell Amani“ (Friedensglocken). 

Matthias Klie
Freier Schauspieler und Synchronsprecher, München

Veranstaltungsort
München


Partner

InitiativGruppe e.V.

Initiative „Bell Amani“

FIAN München

Misereor

Nord Süd Forum

Arbeitskreis Panafrikanismus

Suhrkamp Verlag

Bayern liest e.V.

Kulturreferat der Landeshauptstadt München 


Art der Veranstaltung
Buchvorstellung / Ausstellungseröffnung / Diskussion



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13.06.2013 - 19:00

Die Stimme der Frauen - Vor der Präsidentenwahl in Iran

 

Die Proteste nach den letzten Präsidentschaftswahlen in Iran 2009 wurden vor allem von jungen Frauen angeführt. Viele von ihnen wurden daraufhin verhaftet, andere haben das Land verlassen. Am Vorabend der iranischen Wahlen 2013 wollen wir daher fragen: 

  • Was ist aus den Stimmen der Frauen geworden?
  • Wie hat sich die Situation seit 2009 entwickelt?

Die Berichterstattung über Iran in deutschen Medien ist häufig fixiert auf den Atomkonflikt. Grundsätzliche Informationen über das Wahlsystem, die Rolle von Minderheiten und die aktive Rolle von Frauen und Frauenorganisationen fehlen.

ReferentInnen

Katayun Pirdawari
Politikwissenschaftlerin und Queer-Aktivistin, Berlin

Dr. Christl Catanzaro
Iranistin, LMU München

Narges Kalhory
Filmemacherin und Studentin an der HFF München

Moderation:
Silvia Bauer
Kulturwissenschaftlerin, München

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
8,-/erm. 7,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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07.06.2013 - 19:30

Wenn Drohnen das Töten übernehmen

Waffenexporte in Krisengebiete

Barbara Lochbihler sitzt als EU-Abgeordnete im Menschenrechtsausschuss und war Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Genf. Das folgende Zitat von Kofi Anan setzte sie an den Anfang ihres Vortrags: „Menschenrechtsverletzungen von heute sind die Kriege von morgen“

Die EU-Staaten haben sich Prinzipien für die Waffenexporte gegeben. Diese sollten aber auch für Überwachungstechnologie wie z.B. von Nokia System Network gelten. Auf Druck von Exiliranern hat sich Nokia aus dem Geschäft herausgezogen. Die Referentin zeichnet verantwortlich für die Aktion Frieden 2.0, die eine effektive Kontrolle von Überwachungstechnologien erreichen will.

Barbara Lochbihler beschrieb die verschiedenen Möglichkeiten des Einsatzes von Drohnen. Über 40 Staaten haben eigene Drohnenprogramme. Die USA haben die Anwendung von bewaffneten Drohnen massiv ausgedehnt. Der Bevölkerung ist der Einsatz dieses Instrumentes leichter zu vermitteln, da keine eigenen Opfer zu beklagen sind. Die USA sehen sich in einem globalen Krieg und leiten daraus ein Recht auf eine permanente Selbstverteidigung ab. Diese Auffassung steht der der EU entgegen, aber kein EU-Staat nimmt dazu Stellung. In Amerika existiert eine Civil Rights Bewegung, aber die allgemeine Politik hat sich nicht verändert. Das Genfer Institut für Friedensfragen bezeichnet diese Haltung als einen Verstoß gegen das Völkerrecht. In Deutschland ist ein Einsatz von bewaffneten Drohnen nur rechtlich möglich, wenn wir mit einem Land in Kriegszustand sind. Es stellen sich ethische Fragen beim Einsatz von bewaffneten Drohnen, die bisher von keiner Regierung beantwortet wurden. Frontex benutzt Aufklärungsdrohnen. Die Hansestadt Hamburg setzt sie bei Demonstrationen ein. Barbara Lochbihler sieht es als ihre Aufgabe an, den Opferverbänden Gehör zu verschaffen.

 

Empfohlene Weblinks

www.friedens-raeume.de

ReferentInnen

Barbara Lochbihler
studierte Sozialpädagogik sowie Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und internationales Recht. Von 1999 – 2009 war sie Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International. 2009 wurde sie für Bündnis90/DIE GRÜNEN ins Europäische Parlament gewählt. Seit 2011 ist sie Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses.

Veranstaltungsort
Lindau


Partner

friedens räume Lindau

Pax Christi Augsburg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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03.06.2013 bis 09.06.2013

Islamophobie & Islamkritik

Festival contre le racisme 2013 in Bamberg

Die Grundidee des „fclr 2013“ war es, eine Debatte, die im öffentlichen Raum sehr präsent ist, tiefgehend und kritisch weiterzudenken. Sechs Vorträge, die aus verschiedenen Perspektiven den Themenkomplex beleuchteten, gaben allen Beteiligten viele Anregungen zum Nachdenken und Antworten auf Fragen, die im oberflächlichen Alltagsdiskurs häufig kein Gehör finden. Dabei hat sich die Annahme bestätigt, dass Kritik am Islam und ein trotzdem respektvoller Umgang mit diesem durchaus vereinbar sind. Dies zeigte sich insbesondere während der abschließenden Reflexionsrunde, die von zwei iranischen Flüchtlingen inhaltlich begleitet wurde. Alle Vorträge waren gut besucht und mündeten in rege Diskussionen, die die vorgetragenen Gedanken reflektierten und ergänzten. Bei dem antirassistischen Fußballturnier und dem Abschlusskonzert am Samstag stand zwar der Spaß im Vordergrund, allerdings wurden die Themen der vorangegangenen Vorträge in Unterhaltungen aufgegriffen. 

Montag, 03. Juni 2013 
Daniel Poensgen: „Der Neid auf „die Juden von heute“. Zum Verhältnis von Islamophobie und Antisemitismus.“

Daniel Poensgen, Sozialwissenschaftler aus Berlin, eröffnete die Vortragsreihe mit einer stark theoretisch ausgelegten Analyse von oberflächlicher und falscher Islamkritik und zeigte den Zuhörer/inne/n sehr fundiert auf, um welches Spannungsverhältnis es beim diesjährigen „fclr 2013“ ging. Poensgen legte dar, dass der oft getätigte Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie nicht nur tieferer Sinnhaftigkeit entbehrt, sondern darüber hinaus noch sehr gefährlich sein kann. Repräsentativ, sowohl für den deutschen Umgang mit der eigenen Vergangenheit, als auch mit aktueller Islamophobie bestimmen laut Poensgen Ideologien den Diskurs und verhindern ernsthafte und notwendige Kritik. Durch den getätigten Vergleich erfolgt nicht der angepriesene Schutz für Muslime, sondern eine neue Legitimationsgrundlage für alten und neuen Antisemitismus.

Dienstag, 04. Juni 2013
Sebastian Hornung: „Islamfeindlichkeit im deutschsprachigen Internet“

Sebastian Hornung legte den Fokus auf islamfeindliche Blogs im deutschsprachigen Internet. Die Zuhörer/innen wurden für verwendete Schlag- und Codewörter sensibilisiert und der Blog „Politically Incorrect“ wurde einer genaueren Analyse unterzogen. Diese Homepage ist laut Hornung eine, wenn nicht die zentrale Anlaufstelle für Islamhasser/innen in Deutschland. Besonders interessiert waren die Teilnehmenden an Hornungs Aufzeigen von Begriffen und Argumentationslinien, die über „Politically Incorrect“  den Weg in die etablierten Medien finden. Der Vortrag baute Sensibilität für die Mechanismen von Instrumentalisierung und bewusster Erzeugung von Feindbildern auf.

Mittwoch, 5. Juni
Frank Schellenberg: Kommentierte Filmvorführung: „The Taqwacores“ (2010)

Frank Schellenberg ist Islamwissenschaftler aus Bamberg und brachte durch seine Filmvorführung einen weiteren, sehr zentralen Aspekt der Grundthematik des Festivals ein. Er legte die Fragen dar, die die Zuschauer/innen bei Betrachtung des Filmes im Hinterkopf behalten sollten. „Was kann und darf Gegenstand von Islamkritik sein? Gibt es einen zentralen Aspekt des Islams, der in allen Strömungen und Gruppierungen vorhanden ist? Kann infolgedessen der Islam als solches Gegenstand von Kritik sein oder darf sich diese immer nur auf die jeweilige Ausprägung beziehen?“ Der Film und auch die anschließende Diskussion zeigten für beide Positionen wichtige Aspekte auf. Eine Schlussfolgerung war, dass es durchaus grundsätzliche Elemente des Islams gibt, die kritikwürdig sind, es aber großer Sensibilität und Reflexion bedarf, um diese anzubringen.

Donnerstag, 6. Juni
Klaus Blees: „Islamophobie – Genese und Wirkung eines Kampfbegriffes“

Klaus Blees, Mitarbeiter und Referent im Kompetenzzentrum Islamismus des Vereins 3. Welt Saar, erarbeitete eine kritische Perspektive auf den Islamophobiebegriff und dessen Instrumentalisierung zur Verhinderung von legitimer Kritik am Islamismus. Sehr skeptisch äußerte sich Blees zu Wortkreationen wie beispielsweise „antimuslimischer Rassismus“, da sie in seinen Augen mehr zur Vernebelung der eigentlichen Problematik als zu tiefgehender, kritischer Auseinandersetzung beitragen. Der Vortrag war ein Plädoyer für eine säkulare und emanzipatorische Kritik an Menschenrechtsverletzungen, die im Namen des Islams getätigt werden. Blees zeigte darüber hinaus auf, dass, anders als vielleicht intuitiv erwartet, der Islamismus in der deutschen und europäischen Rechten mehr Freunde als Feinde hat. In Antisemitismus und Rassismus findet ein beängstigender Schulterschluss statt.

Freitag, 7. Juni
Stephan Grigat: „Islamischer Antisemitismus. Zur Kritik am iranischen Regime, den ägyptischen Moslembrüdern und ihren Verteidigern im Westen.“

Der Vortrag stand ganz im Zeichen der Islamkritik. Stephan Grigat, ein ausgewiesener Fachmann für das iranische Regime und islamischen Antisemitismus zeigte die Gefährlichkeit des Islamismus. Dieser gipfelt für Grigat in den Auslöschungsdrohungen gegenüber Israel. In seinem Vortrag stellte der Referent dar, wie das islamische Regime in Teheran die Religion als Mittel ausnutzt, um ihre menschenverachtende Politik durchzusetzen. Einen besonderen Schrecken enthielt die Darlegung, als Grigat näher auf den europäischen und speziell deutschen Umgang mit der iranischen Bedrohung einging. Umfassende Wirtschaftsbeziehungen zwischen der deutschen und der iranischen Regierung und immer wieder erfolgende, gemeinsame Öffentlichkeitstermine sind für Grigat der Gipfel der Absurdität.  

Samstag, 8.Juni:
Antirassistisches Fußballturnier

Samstag, 8.Juni:
Abschlusskonzert mit „Neonschwarz“, „eSKAlation“ und „cerpin.taxt“

Am Samstagabend fand, als kulturelle Abrundung der Vortragswoche, ein Live-Konzert mit mehreren Bands aus verschiedenen Musikrichtungen im Jugendzentrum der Stadt Bamberg statt. Den Abend eröffnete die fünfköpfige  Schweinfurter Post-Hardcore Band „cerpin.taxt“ mit einer abwechslungsreichen Mischung aus ruhigen, melodiösen Klängen und brachialen Gitarrenwänden - stets untermalt von verzweifeltem Schreigesang. Danach brachte die Band „eSKAlation“ mit ihren (durchaus vom Punkrock geprägten) Ska-Rhythmen die rund 130 Gäste zum Tanzen. Das Highlight des Abends bildete „Neonschwarz“, eine vier-köpfige Hip-Hop-Combo aus Hamburg. Durch eingängige Beats und durchaus politische Texte entfachte die Band eine gute Atmosphäre und machte den Abend für viele zu einem unglaublichen Erlebnis. Neben dem musikalischen Programm war für das „leibliche Wohl“ der Besucher/innen bestens gesorgt: neben preiswerten Getränken erweckte die lokale Gruppe „Vokühila“ mit köstlichem veganen Essen die Begeisterung der Gäste.

Durch dieses Abendprogramm wurden vor allem Jugendliche angesprochen. Eingebettet in den Rahmen des „fclr 2013“ bildete das Konzert einen Anknüpfungspunkt zur Theoriearbeit und kann als Anregung für Jugendliche verstanden werden, sich mit politischen Themen auseinander zu setzen.

Sonntag, 9. Juni:
Hadi Ghaeni und Siamak Wosoughi: Erfahrungsberichte zur politischen Situaion im Iran als Inputreferate zu einer Reflexionsrunde mit Brunch

Die beiden Referierenden sind politische Flüchtlinge aus dem Iran, die die Gräuel des totalitären Regimes direkt miterlebt hatten. Von vornherein war abgesprochen, dass die beiden aus rein subjektiver Ebene ihre persönlichen Erlebnisse im Iran schildern würden. Dies erwies sich als geeignete Ergänzung zu der am Freitag durch Stephan Grigat erfolgten theoretischen Aufarbeitung. Die Worte von Hadi Ghaeni und Siamak Wosoughi zogen die Zuhörenden in ihren Bann und bildeten eine gute Basis für das anschließende Reflexionsgespräch. Der emotionale Input der beiden Flüchtlinge bot viele Anknüpfungspunkte, um die Inhalte der Festivalwoche im Rahmen eines moderierten Diskurses zu reflektieren.

 

Empfohlene Weblinks

festivalcontreleracisme.blogsport.de

Veranstaltungsort
Bamberg


Partner

Integrationsbeirat der Stadt Bamberg

die LINKE

SDS Bamberg

DGB

GEW

Grün-Alternative Liste Bamberg (GAL)

AStA Bamberg

AStA TU Berlin

AStA Hannover

AStA Münster

Bürgerverein Bamberg-Mitte 

Offene Jugendarbeit Bamberg

Fachschaften der Universität Bamberg


Art der Veranstaltung
Vorträge & Diskussion / Konzert / Antirassistisches Fußballturnier



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01.06.2013 - 19:00

IRAN: Wahlen ohne Demokratie - Perspektiven der Zivilgesellschaft?

 

Die Veranstaltung wurde von musikalischen Darbietungen durch den Sänger Arash Sasan umrahmt, der persische und englische Lieder darbot und sich dazu selbst auf der Gitarre begleitete.

Die Podiumsdiskussion fand im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im Iran am 14. Juni 2013 statt. Die vorherige Wahl des iranischen Präsidenten im Jahr 2009 war höchst umstritten abgelaufen und hatte große, blutig niedergeschlagene Proteste nach sich gezogen. Die innenpolitische Lage war oder ist aufgrund dieser Ereignisse noch immer sehr angespannt.

Im Vorfeld der Wahl stellten sich daher zahlreiche Fragen, wie zum Beispiel: Haben die reformorientierten bzw. moderaten Kandidaten überhaupt eine Chance auf eine faire Teilnahme? Welche Auswirkungen wird die Wahl auf die Lage der Menschenrechte und auf das Verhältnis Irans mit dem Westen haben? Welche Perspektiven hat die iranische Zivilgesellschaft im Allgemeinen? 

Im ersten teil der Veranstaltung referierte Maede Soltani, Tochter des in Teheran inhaftierten Rechtsanwalts Abdolfattah Soltani, über die Situation der politischen Gefangenen im Iran. Abdolfattah Soltani hatte vor über 10 Jahren gemeinsam mit der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi und anderen Juristen das „Zentrum für Menschrechtsverteidiger“ gegründet. Die Mitglieder des Zentrums konnten zahlreiche gewaltlose politische Gefangene vor Gericht vertreten. Aus diesem Grund wurden sie selbst zur Zielscheibe des iranischen Regimes: Abdolfattah Soltani wurde zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, weitere Kolleginnen und Kollegen wurden ebenfalls inhaftiert oder mussten wie Schirin Ebadi ins Exil gehen. Soltani berichtete von den Belastungen und Schikanen, denen die Familien der politischen Gefangenen, insbesondere auch deren Kinder, ausgesetzt sind. Sie versicherte, dass sie sich weiter von Deutschland aus für die Freilassung ihres Vaters einsetzen werde.

Dr. Nasrin Bassiri und Dr. Wahied Wahdat Hagh diskutieren, Silvia Bauer moderiert.

Im Mittelpunkt der folgenden, von Silvia Bauer moderierten Diskussion zwischen den beiden Politikwissenschaftlern Dr. Nasrin Bassiri und Dr. Wahied Wahdat Hagh standen Fragen nach der Zivilgesellschaft, aber auch nach den Aussichten verschiedener Kandidaten und der Rolle der Sanktionen des Westens. In einigen Punkten vertraten die Referenten unterschiedliche Meinungen: Zwar waren sich beide einig, dass das politische System im Iran keine echte Demokratie zulässt. Frau Bassiri erläuterte aber, dass es zwischen den vom Regime handverlesenen Kandidaten durchaus eine Art politischen Wettbewerb gibt. Herr Wahdat Hagh betonte dagegen die totalitäre Natur des Systems und warf die Frage auf, wie diese Diktatur enden werde: durch freiwillige Aufgabe – ähnlich wie in der Sowjetunion – oder durch Gewalt, sei es von innen oder außen.  

 

Empfohlene Weblinks

www.united4iran-bayern.de

ReferentInnen

Dr. Nasrin Bassiri
Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin

Dr. Wahied Wahdat Hagh
Soziologe und Politologe

Maede Soltani
Tochter des inhaftierten Rechtsanwalts Abdolfattah Soltani

Moderation:
Silvia Bauer
Kulturwissenschaftlerin

Musikalische Begleitung: Arash Sasan

Veranstaltungsort
München


Partner

United4Iran – Bayern e. V.

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Podiumsdiskussion



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