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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

29.04.2011

Präsentation des "Gedenkbuchs für die Toten des Konzentrationslagers Dachau"

Mit dem "Gedenkbuch für die Toten des Konzentrationslagers Dachau" präsentiert die KZ-Gedenkstätte das Ergebnis eines umfangreichen Forschungsprojektes: Für das Gedenkbuch sind in jahrelanger Recherchearbeit die Namen und weitere biografische Daten der im Konzentrationslager Dachau Getöteten zusammengetragen worden. Von den weit über 40.000 Todesopfern können nun mehr als 33.000 Opfer aus nahezu vierzig Nationen namentlich genannt werden – weit mehr als aufgrund der ursprünglich bekannten Quellenlage zu erwarten war.

Das Gedenkbuch ist all jenen gewidmet, die die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau nicht mehr erleben konnten. Für die Nachkommen der Toten ist dies von großer Bedeutung, denn ihre Vorfahren erfahren mit dem Gedenkbuch eine angemessene Würdigung. Auch die überlebenden ehemaligen Mithäftlinge und die diplomatischen Vertreter der betroffenen Nationen schätzen den Stellenwert des Gedenkbuches hoch ein.

Mit ca. 200 Besuchern war die Veranstaltung ausgesprochen gut besucht. Unter den Besuchern befanden sich Angehörige von in Dachau Getöteten aus verschiedenen europäischen Ländern, Überlebende des Lagers Dachau und Vertreter der Überlebenden-Organisation (CID) aus verschiedenen Nationen sowie diplomatische Vertreter der betroffenen Nationen.

Bei der Präsentation des Gedenkbuchs wurden zwanzig Kurzbiografien verlesen, die stellvertretend für alle Opfer des Konzentrationslagers Dachau stehen sollten. Sie spiegelten die Vielzahl der Nationalitäten und beruflichen Hintergründe der Toten ebenso wieder wie die vielfältigen Verfolgungs- und Inhaftierungsgründe. Die Kurzbiografien wurden von Jugendlichen in der jeweiligen Muttersprache der Toten präsentiert, die deutsche Fassung der Kurzbiografie wurde jeweils an die Wand projiziert. Darüber hinaus waren den Besuchern der Veranstaltung vorab zusammen mit dem Programm die 20 Kurzbiografien jeweils in deutscher und ggf. einer weiteren Sprache ausgehändigt worden.

Anschließend hatten die Besucher Gelegenheit, die digitale Version des Gedenkbuchs an zwei Medienterminals vorgeführt zu bekommen. (Diese Medienterminals sind seit Ende April dauerhaft nutzbar und damit ein Teil der Dauerausstellung im Museum der Gedenkstätte.) Zudem konnten interessierte Besucher in einigen ausgelegten Exemplaren des Gedenkbuches blättern. Beide Angebote wurden sehr rege und ausführlich genutzt.

Veranstaltungsort
Dachau, KZ-Gedenkstätte Dachau, Alte Römerstraße 75


Partner

KZ-Gedenkstätte Dachau

Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung


Art der Veranstaltung
Präsentation



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31.03.2011 - 19:30

Die Aktivistin

Petra Kelly und die Grünen

Bekannt als Vorkämpferin der deutschen Friedensbewegung, wurde sie mit ihrem Einsatz für Gleichberechtigung und Umweltschutz zur Galionsfigur der Grünen. Sie engagierte sich für ihre Ziele bis zur Erschöpfung. An dieser Unbedingtheit zerbrach sie und endete tragisch: Isoliert in ihrer Partei und zurückgezogen von der Öffentlichkeit, wurde sie von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian im Schlaf erschossen.

Saskia Richter hat anhand neuer Quellen Petra Kellys Leben und Wirken analysiert und das Porträt einer beeindruckenden Politikerin entworfen. Zugleich fragen wir, ob und was uns Petra Kelly heute noch zu sagen hat - auch und gerade den Grünen, die sich seither immer mehr zu einer ganz "normalen" Partei entwickelt haben. 

Als Gesprächspartnerin kann zu diese Fragen Christine Stahl, die grüne Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, kompetent Stellung beziehen.

ReferentInnen


Dr. Saskia Richter
Politikwissenschaftlerin, Mitarbeiterin an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Über das Leben von Petra Kelly hat sie in Deutschland und den USA geforscht, ihre Arbeit wurde mit Stipendien des German Historical Institut in Washington, D.C. und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft gefördert.

 


Christine Stahl

MdL, Bündnis 90/Die Grünen, Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, Mitglied im Verfassungs- und Rechtsausschuss, Sozialarbeiterin und Juristin

 

Veranstaltungsort
Nürnberg, eckstein, Burgstr. 1-3, Saal E.01


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Evangelische Stadtakademie Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag/Lesung und Diskussion



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30.03.2011 - 19:00

Die Aktivistin

Petra Kelly und die Grünen

Bekannt als Vorkämpferin der deutschen Friedensbewegung, wurde sie mit ihrem Einsatz für Gleichberechtigung und Umweltschutz zur Galionsfigur der Grünen. Sie engagierte sich für ihre Ziele bis zur Erschöpfung. An dieser Unbedingtheit zerbrach sie und endete tragisch: Isoliert in ihrer Partei und zurückgezogen von der Öffentlichkeit, wurde sie von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian im Schlaf erschossen.

Saskia Richter hat anhand neuer Quellen Petra Kellys Leben und Wirken analysiert und das Porträt einer beeindruckenden Politikerin entworfen. Zugleich fragen wir, ob und was uns Petra Kelly heute noch zu sagen hat - auch und gerade den Grünen, die sich seither immer mehr zu einer ganz "normalen" Partei entwickelt haben. 

Saskia Richter stellt ihr Buch vor und diskutiert darüber mit Renate Schmidt.

ReferentInnen


Dr. Saskia Richter
Politikwissenschaftlerin, Mitarbeiterin an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Über das Leben von Petra Kelly hat sie in Deutschland und den USA geforscht, ihre Arbeit wurde mit Stipendien des German Historical Institut in Washington, D.C. und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft gefördert.

Renate Schmidt
Ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und  Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sowie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a.D.

 

 

 

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
Eintritt frei!


Partner

Evangelische Stadtakademie München


Art der Veranstaltung
Vortrag/Lesung und Diskussion



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15.03.2011 bis 31.03.2011

Asientage 2011

Vortrag: Mangos gegen Kinderprostitution, Zucker gegen Armut
Kurzfristig ergab sich die Möglichkeit, einen aktuellen Bericht von der im Frühjahr stattgefundenen Projektreise zu Partnern des Fairen Handels auf den Philippinen mit ins Programm aufzunehmen. Ute Michallik, Geschäftsführerin des Weltladens und Teilnehmerin der Reise, berichtete von der Arbeit der Produzenten Alter Trade (Zucker), der Preda-Stiftung und kleinerer, vor allem kunsthandwerklich tätiger Produzenten. In Wort und Bild zeigte sie auch Einblicke in politische, kulturelle und wirtschaftliche Strukturen des Landes sowie die Chancen, die Fairer Handel den Menschen eröffnet.

Vortrag: Die Kultur des Alten und neuen Korea
Der Vortrag der neuen Stadtbücherei zeigte Aspekte Koreas aus erster Hand: Die Referentin Jung-Ja Holm ist selbst in Korea geboren und  lebt seit mehreren Jahren in Augsburg

Ein Tag für Tibet
Aus kalendarischen Gründen und wegen der Ferienzeit fand der Tibet-Tag dieses Mal erst in der Woche nach dem Internationalen Tibettag am 10. März statt. In den Räumen der Neuen Stadtbücherei haben dazu Infostände, Filmbeitrag und ein Vortrag stattgefunden. Bereits im Vorfeld wurde mit Info-Aktionen im Weltladen und dem hissen der Tibetischen Flagge auf die Situation in Tibet aufmerksam gemacht.

Der Referent Winfried Pfeffer, Tibet-Kenner und Leiter des Kailash-Haues in Freiburg, ging auf die aktuelle Situation in Tibet im Spannungsfeld zwischen Politik und dem Weg des Dalai Lama ein. Dabei kamen Umweltfragen ebenso zur Sprache wie die derzeitigen Veränderungen der die politischen Strukturen. Am 20. März, einen Tag nach der Veranstaltung, haben die Exil-Tibeter einen neuen Premierminister (Kalon Tripa) und ihr Parlament (Chithui) gewählt. Der Jurist Lobsang Sangay wird sein Amt als neu gewählter Ministerpräsident voraussichtlich am 14. August 2011 antreten. Der Dalai Lama hat sich zurückgezogen und ist nur noch geistliches Oberhaupt der Tibeter.

Konzert: Gesang der Stille
Der bekannte Musiker und Künstler David Lindner kam über die Vermittlung des Fairtrade-Importeurs Akar nach Augsburg. Er ist bundesweit unter anderem mit zahlreichen Buchveröffentlichungen zum Thema Klangschalen bekannt. Kompetent führte er in die faszinierende Welt der Klangschalen ein und berichtet über seinen Besuch einer Manufaktur in Nepal, wo Klangschalen noch auf traditionelle Weise gefertigt werden. Weiter stellt er das Instrument in die kulturellen Zusammenhänge und informiert zum Beispiel, wie sich Tibetische Klangschalen von Japanischen unterscheiden. Die Goldschmiede-Kapelle der Anna-Kirche boteinen ansprechenden Rahmen für diese Veranstaltung.

Dia-Vortrag: Eindrücke Chinas
In Bildern und Berichten wurde hier die aktuelle Situation in China mit kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen beleuchtet. Referenten waren Margarete und Martin Aulbach, die aktuell von einer China-Reise zurückgekehrt sind. Die beiden Pädagogen informierten anhand von anschaulichen Beispielen und Eindrücken ihrer Reise und forderten zur Auseinandersetzung auf. Neben prägnanten Fotos und einer ansprechenden Präsentation waren es auch die politischen und kulturellen Hintergrundinformationen, die zur Diskussion einluden.

Info-Abend: Asien in tausend TönenDie ehrenamtliche CD-Gruppe des Weltladens veranstaltete im Zeitraum der Asientage einen Info-Abend zu konkreten Beispielen der Weltmusik aus Asien mit Hörbeispielen. 

Lesung: Mit dem Wind fliehen von Ranjith Henayaka
Kurzfristig konnte der Autor Ranjith Henayaka Arachchi für einen Vortrag in Augsburg gewonnen werden. Er schildert in seinem Buch in bewegender Form das Schicksal des jungen Tamilen Nathan und seiner Familie. In den Machtkämpfen tamilischer Guerillagruppen wird er ebenso mit dem Tod bedroht wie von der Gewalt der offiziellen Machthaber. Nathan gelingt die Flucht nach Deutschland. Der Autor gibt in seinem Buch einer Wirklichkeit ein Gesicht, die viele nur aus Medienberichten kennen. Er zeigt, was es heißt, um Leib und Leben fürchten zu müssen. Und er entlarvt eine Politik, die in Deutschland und Europa auf dem Rücken von Flüchtlingen betrieben wird.

 

Veranstaltungsort
Augsburg


Partner

Werkstatt Solidarische Welt e.V. und Weltladen GmbH

amnesty international Augsburg

Bündnis 90/ Die Grünen

Kino Liliom

Neue Stadtbücherei Augsburg

Stadt Augsburg

Tür an Tür e.V.



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Dokument

Umbruch in Arabien!?

Was in Tunesien begann, scheint sich unaufhaltsam in den Ländern der arabischen Welt auszubreiten: autokratische Regimes und deren zum Teil seit gefühlten Ewigkeiten regierenden Herrscher werden vom Volkszorn weggefegt. Was passiert da eigentlich?

Wir versuchen, auf dieser Seite Ursachen, Hintergründe und Perspektiven aufzuhellen und stellen hier Hinweise auf Analysen zur Verfügung, die über die jeweiligen Tagesaktualitäten hinaus interessant sein dürften.

Bahman Nirumand: Der Unterschied zwischen der iranischen und der ägyptischen Revolution
http://www.boell.de/weltweit/nahost/naher-mittlerer-osten-unterschiede-revolution-aegypten-2011-iran-1979-11229.html

Michael Krätke: Ein Brandbeschleuniger der Wut
http://www.freitag.de/politik/1105-ein-brandbeschleuniger-der-wut

Robert Misik: Der arabische Frühling
http://www.misik.at/sonstige/der-arabische-fruhling.php?

Inge Kloepfer/Konrad Mrusek: Aufstände - Die Früchte des Hungers
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E7FAB1F63266D49109BCE10077E8BA469~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Muriel Asseburg/Stephan Roll: Ägyptens Stunde Null? - Akteure, Interessen, Szenarien
http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2011A10_ass_rll_ks.pdf

Fawwaz Traboulsi: Letzte Hoffnung Jasmin
http://www.boell.de/weltweit/afrika/afrika-tunesien-jasminrevolution-11051.html

Interview mit der algerischen Schriftstellerin Maissa Bey zur aktuellen Lage in Algerien: "Wir erwarten von europa nichts mehr"
http://www.boell.de/demokratie/geschlechter/feminismus-geschlechterdemokratie-algerien-interview-maissa-bey-11333.html

"Der bisherige Erfolg der arabischen Revolutionen - der Sturz der Despoten - ist zuallererst der Verdienst der mutigen Bevölkerungen. Die EU muss sich nun fragen, warum sie so lange an der Zusammenarbeit mit diesen Herrschern festgehalten hat und nicht konsequenter demokratische Reformen eingefordert hat." - Eine Analyse der Politikwissenschaftlerin Dr. Isabel Schäfer, Senior Researcher in International Relations und Mediterranean Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin.
http://www.boell.de/weltweit/europanordamerika/europa-nordamerika-revolution-eu-tunesien-libyen-aegypten-mittelmeerunion-11388.html

Adrian Rosenthal: Digitale Geburtshelfer der Revolution
http://www.politik-kommunikation.de/artikel/digitale_geburtshelfer_der_revolution/1

Nach dem Referendum: Ägyptens steiniger Weg zur Demokratie
http://www.boell.de/weltweit/nahost/naher-mittlerer-osten-aegypten-steiniger-weg-demokratie-referendum-11651.html

Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema

Eine sehr hilfreiche Zusammenstellung von Artikeln, Analysen und Links zum Thema gibt es auf dem Informationsportal "Politische Bildung":
http://www.politische-bildung.de/tunesien_aegypten.html

Heinrich-Böll-Stiftung: People's Power - The Arab World in Revolt - Democracy
Eine umfassende Sammlung von Kommentaren und Analysen zur Lage in Arabien. 264 Seiten, englisch.
http://www.boell.org.il/downloads/02_Perspectives_ME_2011_The_Arab_World_in_Revolt.pdf

Heiko Flottau: Von Kairo bis Damaskus: Die Rückkehr des Volkes
http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/juni/von-kairo-bis-damaskus-die-rueckkehr-des-volkes

Chérifa Magdi: Das Gewicht von sechzig Jahren. Ägyptens stockende Revolution
http://www.oeko-net.de/kommune/kommune-2011/kommune-2011-03/amagdi.htm

 

 

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08.02.2011 - 19:00

Das NS-Dokumentationszentrum München

Planung und Vorschau: ein Blick in die Zukunft

Ein Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe

Kunst gegen das Vergessen
Erinnern für Gegenwart und Zukunft

Die Veranstaltungsreihe über Widerstand und Wahrheit in der deutschen Geschichte soll zur Förderung der Erinnerungskultur für eine wahrhaftige Zukunft beitragen.

 

Empfohlene Weblinks

www.sozialeskulptur-muenchen.de

ReferentInnen

Dr. Irmtrud Wojak
Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums
  München

Veranstaltungsort
München, Soziale Skulptur, Augustenstraße 45


Kosten
7,- EUR


Partner

Soziale Skulptur München e.V.


Art der Veranstaltung
Vortrag und Gespräch



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Letzte Hoffnung Jasmin

Ein Kommentar zur Revolution in Tunesien

Von Fawwaz Traboulsi

Die Jasminrevolte hat gesiegt, der Diktator ist geflohen. Das tunesische Volk hat mit dem Beginn des Jahres 2011 für sich selbst und die ganze arabische Welt ein strahlendes Stück Geschichte geschrieben.
 
Es war eine tunesische Jugendrevolte, die ein arbeitsloser Akademiker ausgelöst hat, indem er sich anzündete und damit ein ganzes Land erleuchtete. Eine Revolte, die sich aus dem armen ländlichen Süden in die Binnenstädte fortpflanzte, bevor sie die Hauptstadt Tunis erfasste, wo sich ihr Gewerkschaften, Berufsverbände, Parteien und Intellektuelle anschlossen.

Es war eine Revolte von Menschen, die ihre Angst überwanden und entdeckten, dass jenseits davon alles möglich wird. Sie widerstanden Waffengewalt, Gefängnis und Mord, und vereitelten die Versuche des Diktators, sich an die Macht zu klammern oder sie nach einer Phase des Vakuums wieder an sich zu reißen. Diese Revolte siegte ohne ausländische Unterstützung oder Einmischung, ja sie siegte trotz der Unterstützung des Auslandes für den Diktator! Das Frankreich von Präsident Sarkozy entsagte seinem engsten Verbündeten erst, als alles entschieden war, und erst dann auch stellte sich das Amerika Obamas auf die Seite des tunesischen Volkes und seines „Rechts auf die Wahl seiner Führer“. Und es ist mehr als bezeichnend, dass Ben Ali sich gerade nach Saudi-Arabien absetzte. Damit bekräftigte er eine Einheit der arabischen Regime, die auf dem Schulterschluss republikanischer (Erb-)Diktaturen mit konservativen Herrscherdynastien beruht. Allein Gaddafi scherte aus dem arabischen Chor des Schweigens und des halbherzigen und ängstlichen Stammelns von Glückwünschen an das tunesische Volk aus. Der dienstälteste Staatschef der Welt drückte seinen „Schmerz“ über den Sturz Ben Alis aus, nachdem er ihm lebenslange Regentschaft gewünscht hatte. Und meinte wohl sich selbst damit.

Das Bedeutsame an Volksaufständen ist, dass sie die Mechanismen eines Gesellschaftssystems in ihrer Tiefe aufdecken und herrschende Vorstellungen auf den Kopf stellen. Und dementsprechend hat die tunesische Revolte die Demokratiedebatte in unseren (arabischen) Ländern entschieden. Denn hier wetteifern zwei Gruppen, die beide der Illusion anhängen, der Westen wolle uns die Demokratie aufdrängen. Die einen hoffen auf ein westliches Eingreifen, und sei es auch mit Panzern, während die anderen im Namen nationaler und religiöser Besonderheiten und aus einer Trotzhaltung gegen den kolonialistischen Westen die Demokratie ablehnen. Die westlichen Mächte ihrerseits haben am Beispiel Tunesiens einen weiteren Beleg dafür geliefert, dass die Demokratie in Europa und Amerika ein reines Lokalprodukt ist, das nicht zum Export vorgesehen ist, ja mehr als das: das davon lebt, indem man Kriege gegen andere Völker führt, deren Ressourcen kontrolliert und ausbeutet, und indem man deren dynastische Tyrannenregime unterstützt.

Der Aufstand des tunesischen Volkes dagegen ist Beweis dafür, dass die Demokratie auf der Straße liegt und dass sie unter Opfern, um den Preis von Blut und durch Entschlossenheit erkämpft werden kann, wenn man seinen Gegner kennt. Keinerlei Identitäts-, Authentizitäts- oder Kulturkomplexe gab es hier. Wir sprechen von einem Land, das sich als erstes in der Region 1861 eine Verfassung gab, die erste moderne Zeitung herausgab, das sich von den Ideen seiner großen Denker wie denen von Abul-Qasim ash-Shabbi und dem Vordenker der Befreiung der Frau, Tahar Haddad, inspirieren lässt; von einem Land, das sein Momentum aus seinem Unabhängigkeitskampf bezieht. Wir sprechen von einem Land, das sich auf die Tradition eines säkularen Staates und eines fortschrittlichen Zivil- und Familiengesetzes beruft, einem Land, in dem Frauen im öffentlichen Leben ihren Platz einnehmen und in dem die Gewerkschaften eine historische Rolle bei der Verknüpfung des nationalen Kampfes mit dem für soziale Gerechtigkeit gespielt haben.

Der tunesische Umsturz geschah nicht aus heiterem Himmel. Bereits zuvor gab es in mehreren arabischen Ländern einen unabhängigen, demokratischen, von den Massen getragenen Kampf. Tunesien ist lediglich der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Volkserhebungen für Brot, Arbeit und Freiheit. Allein diesen ist es zu verdanken, dass es in nicht wenigen arabischen Staaten heute Parteien- und Pressepluralität gibt, dass zunehmend öffentliche Freiheiten gewährt wurden, dass gewählte Institutionen mehr Kompetenzen bekamen und dass es zu Machtwechseln kommt. In diese Reihe von Erhebungen gehörte im Wesentlichen der „ägyptische Januar 1977“, der algerische Aufstand der „Herumhänger“ sowie die Brotrevolten in Marokko und im Süden Jordaniens. Und das war alles nur der Anfang.

Brot, Arbeit, Freiheit, ausgewogene regionale Entwicklung, soziale Gerechtigkeit: Es ist nicht zu übersehen, was alle diese Forderungen vom Golf bis zum Atlantik vereint. Aus ihnen bildet sich eine Welle sozialer Reaktionen auf eine neoliberale Globalisierung, durch die die Preissubventionierung für Lebensmittel wegfiel, durch die Marktkräfte entfesselt und öffentliche Dienstleistungen wie Wasser, Strom, Gesundheit und Bildung privatisiert wurden. Ganze Wirtschaften wurden auf Kosten produktiver Sektoren umgewandelt zu profitablen, konsumorientierten Märkten mit einem Bildungssystem, das Arbeitslose mit Abitur und Diplom produziert. Im Ergebnis wachsen Unterbeschäftigung, Ausgrenzung und Unterschiede zwischen Klassen und Regionen.

Die tunesische Revolte ist eine Revolte der Armen, der Ausgegrenzten und der Arbeitslosen. Und sie wird sich nicht blenden lassen von Begriffen, wie Frau Clinton sie gegenüber arabischen Herrschern benutzt: Man müsse Korruption bekämpfen und Reformen umsetzen. Genau dies ist die trügerische Sprache des Neoliberalismus, die die Armen als eine Plage ansieht und die dazu aufruft, kleine bestechliche Beamte zu bestrafen und die korrupten Kapitalisten, Mafiosi und Petrokraten laufenzulassen, die ihre politische Macht dazu benutzen, sich wirtschaftliche Vorteile aufzubauen und gestohlene Reichtümer im Ausland anzuhäufen oder sie dort anzulegen. Die Tunesier liegen dagegen völlig richtig mit ihrem Korruptionsfokus: Sie fordern, den ehemaligen Präsidenten, seine Familie und sein Gefolge vor Gericht zu stellen und seinen Geldern und Besitztümern, die bis nach Argentinien verstreut sind, nachzuspüren.

Insofern ist der tunesische Umsturz auch eine Kritik an der neoliberalen Praxis in unseren (arabischen) Ländern und eine klare Warnung an Nichtregierungsorganisationen und ihre Illusion, man könne auch außerhalb der Politik etwas erreichen, indem man die Belange der Menschen in getrennte Bereiche aufspaltet: Jugend, Frauen, Umwelt, Menschenrechte, Kleinkredite, Kultur, Bildung,  neue Geschäftsfelder, Sicherheit und Frieden undsoweiter, womit Rechte und Staatsbürgertum ihrer Bedeutung insofern beraubt werden, als man an ihre Stelle Dienstleistungen und Almosen setzt und man mit der Bezeichnung „Menschenrechte“ wirtschaftliche und soziale Rechte durch  Individualrechte ersetzt.

In Tunesien, aber auch anderswo in der arabischen Welt, wird mit den Revolten der Grundstein gelegt für die Erhebung einer dritten, unabhängigen soziopolitischen Kraft, die gegen die bestehenden Regime kämpft, sich aber in islamischen Bewegungen nicht wiederfindet, da diese sich nicht vom Neoliberalismus befreien können.  Diese Kraft unterstützt weder Neoliberalismus noch Islamismus. Im Internet wie auf der Straße kann man sie wachsen sehen. Ihre Parolen sind „heute Ben Ali, morgen Husni Mubarak“, und „heute Ben Ali, morgen Ali Abdallah Saleh“. In Jordanien fordert die Bewegung vorerst nur die Absetzung des Ministerpräsidenten als Bauernopfer anstelle des Königs. Aber Demonstrationen gegen überhöhte Preise und für Arbeit finden nun auch dort statt, wo man sie bisher nicht kannte: in den palästinensischen Autonomiegebieten oder in der saudischen Hauptstadt Riad, wo Arbeitslose Sitzstreiks veranstalten.

Der Aufstand von Tunesien war beinahe spontan. Keine der Oppositionsparteien im Inland führte sie an (die ernstzunehmenden, radikalen wie die Kommunistische Arbeiterpartei waren ohnehin in den Untergrund abgedrängt), und nur wenige Nichtregierungsorganisationen nahmen daran teil. Seine Spontaneität war seine große Stärke und droht jetzt seine große Schwäche zu werden. Denn in Tunesien ist ein Diktator gestürzt worden, aber noch nicht die Diktatur. Diese hat noch Kraft, auch wenn sie erschüttert ist. Sie hat noch Unterstützer, besonders in den Sicherheitskräften und in der Armee, von ihren Komplizen in Paris und Washington einmal ganz abgesehen. Sie setzt auf das Chaos.

Die Schlacht ist noch nicht vorbei. Der Kampf für eine Verwandlung der Revolte in eine Revolution hat begonnen. Es ist an der Zeit, die Märtyrer zu rühmen und aufmerksam zu beobachten, wohin die Dinge sich entwickeln und was die Gegner und Feinde tun. Und es ist Zeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Und schließlich ist es an der Zeit, etwas neue Hoffnung zu schöpfen. Hoffnung, die uns eine Jasminrevolte im Lande des Jasmin verspricht.



Fawwaz Traboulsi ist Professor für Geschichte und Politik an der Lebanese American University in Beirut. Er war als Gastprofessor an der Columbia University in New York tätig und ist momentan Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin. Er publiziert zu arabischer Geschichte, Politik und sozialen Bewegungen.

Übersetzung aus dem Arabischen: Günther Orth

Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung



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03.12.2010

Herausforderung Rechtsextremismus

Strukturen - Strategien - Gegenmaßnahmen

"Nicht ignorieren, sondern hinschauen und aufstehen!"

Den harten Kern der Rechtsextremisten kann man von außen nicht erreichen, um ihnen Brüche in ihrem hermetisch geschlossenen Weltbild vor Augen zu halten, man muss sie ausgrenzen. Die Brüche müssen von innen kommen, z.B. durch einschneidende Schlüsselerlebnisse. Es geht um die Sympathisanten, um die neutralen Zuhörer, die man aufklären muss. In dieser Bewertung waren sich alle ReferentInnen unserer gemeinsam mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing durchgeführten Tagung einig.

Manuel BauerManuel Bauer hatte sein Schlüsselerlebnis im Gefängnis, als ihm zwei türkisch-stämmige Mithäftlinge in einer Schlägerei mit seinen ehemaligen „Kameraden“ beistanden. Dieser Vorfall brachte bei ihm ein Weltbild ins Wanken, dem er über zwölf Jahre lang fanatisch verpflichtet war. Und dies nicht nur als Mitläufer, sondern als Karrierist: Mit 16 Junggruppenführer in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ), mit 18 Kameradschaftsführer, mit 19 hat er im sächsischen Torgau den Bund "Arischer Kämpfer" gegründet, eine Art paramilitärische Organisation. "Man konnte aufsteigen, wurde gelobt, konnte Macht über andere ausüben, das hat mich fasziniert", so Bauer. Mit seiner Truppe zündete er eine Dönerbude an, verprügelte 14 Menschen bei einer türkischen Hochzeitsfeier und erpresste einen Geschäftsmann, wofür er ins Gefängnis ging. Sein Weltbild wurde beherrscht vom extrem übersteigerten Nationalismus, so sehr, dass er einem Kameraden, der Spaghetti gegessen hatte, mit der Faust ins Gesicht schlug. Selbst das Essen musste deutsch sein. In seinen Augen wurde das deutsche Volk unterdrückt: "Nehmen Sie das Grundgesetz", sagte Bauer. "Meinungsfreiheit, die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber sobald ein Neonazi seine Meinung vertrat, war der Deutsche antastbar." Angereichert mit so mancher Verschwörungstheorie wie z.B. dass der Holocaust eine Erfindung der Alliierten sei, ergab dies ein Weltbild, das vermeintlich keine inneren Brüche aufwies. Erst die Schlägerei im Gefängnis und anschließend der kontinuierliche Kontakt mit Mitarbeitern der deutschlandweiten Aussteigerinitiative EXIT bewirkten einen langsamen Gesinnungswandel. Heute ist Manuel Bauer für EXIT aktiv, er erzählt Schulklassen seine Geschichte, diskutiert mit Lehrern.

Annette RamelsbergerSeit 20 Jahren beschäftigt sich Annette Ramelsberger, die Leiterin der Bayernredaktion der Süddeutschen Zeitung, mit dem Thema Rechtsextremismus. Dass Bayern hier keine Insel der Seligen darstellt, sondern ebenso betroffen ist wie der Rest der Republik, zeigte sie anhand einiger Beispiele: Gräfenberg mit über 50 "Heldengedenkmärschen", die Familie Brenner in Fürth, die von der rechten Szene für ihren Einsatz gegen die Gräfenberger Aufmärsche drangsaliert wird waren darunter. Die kommunalen Entscheidungsträger, so Ramelsberger, müssten oft erstmal anerkennen, dass sie in ihrer Gemeinde ein Problem haben. Diese Einsicht kommt aber allzu häufig erst dann, wenn die Neonazis vom Nationalen Widerstand in den Versammlungen auftauchen und rechtsextremistische Bands in den Jugendzentren auftreten. Und dann helfe nur noch das Zusammenrücken der demokratisch Gesinnten und ein einheitliches Auftreten gegenüber den Rechten – ein Ziel, das nur zu oft durch Ressentiments zwischen den verschiedenen Gruppen erschwert werde. Dass es auch auf die Verwaltungen ankomme, darauf machte Ramelsberger ebenso aufmerksam: So wurden in Passau jahrelang durch immer wiederkehrende Prozesse gegen die NPD und DVU deren Parteitage in der Nibelungenhalle zwar nicht verhindert, aber immerhin erschwert und dadurch immer wieder deutliche Zeichen gesetzt. "Dies ist auf jeden Fall viel besser als nichts zu tun und die Nichtbeachtungsstrategie zu fahren", so die SZ-Journalistin. Man müsse darüber berichten, und zwar kontinuierlich und nicht nur, wenn etwas Spektakuläres passiert sei.

Andrea RöpkeViel zu oft wird die Strategie der "national befreiten Zonen" in den Medien auf die Gewalt reduziert, was im Begriff "No-Go Areas" deutlich wird. Dies ist jedoch nur ein Aspekt einer nachhaltig angelegten Strategie, die letztlich darauf abzielt, "eine eigene sanktionsfähige Gegenmacht zum Staat" in ausgesuchten Gebieten zu etablieren. Anhand verschiedener Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern veranschaulichte die Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke die Vorgehensweise der Neonazis: Etablierung eigener Wirtschaftskreisläufe, Selbstverwaltung und damit Aufbau einer nationalsozialistischen Gemeinschaft. Dabei, so Röpke, "übernehmen Rechtsextremisten die Räume, aus denen sich die Zivilgesellschaft zurückzieht." Zuerst werden Häuser gekauft oder manchmal auch durch Erbschaften erworben, die dann von national Gesinnten übernommen werden. Dann folgt die schrittweise Infiltration des vorpolitischen Raumes durch die "nationale Graswurzelarbeit": Übernahme von Elternbeiratsposten, rein in die Sportvereine, in die Freiwilligen Feuerwehren. Auch Hartz-IV-Beratung und Schülernachhilfe fallen hierunter. Parallel wird eine "nationale Gegenkultur" angeboten: germanisches Brauchtum, "Volksgemeinschaft". Diese auf Privatgelände stattfindenden und damit der Öffentlichkeit weitgehend verborgen bleibenden Aktivitäten stuft Röpke inzwischen als "viel wichtiger ein als Demonstrationen und Gedenkmärsche". Ein weiterer Unterschied zur Situation z.B. vor zehn Jahren ist die Tatsache, dass heutzutage die Politisierung der Kinder rechtsextremistischer Eltern sehr viel früher einsetzt. Auch medial versuchen die Rechtsextremisten neue Möglichkeiten zu nutzen. Zum einen, indem sie immer intensiver das Internet als Kommunikations-, Info- und Werbeplattform nutzen, zum anderen, indem sie z.B. durch kostenlose Regionalboten die vom Rückzug der Tageszeitungen betroffene Leserschaft bedienen.

Juliane Lang vom Berliner Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, die über die Rolle der Frauen im Rechtsextremismus sprach, wies darauf hin, dass im Gegensatz zu früher die Familiengründung nicht mehr so oft den Ausstieg der Männer aus der Szene bedeute. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass Frauen in der rechtsextremistischen Szene inzwischen selbst stärker verankert sind. Frauen, so Lang, können "politische Parolen unterschwelliger in bestimmte Diskussionen einfließen lassen", da sie von Gesprächspartnern grundsätzlich als weniger radikal wahrgenommen werden. Während die klassische rechtsextremistische "Kämpferin" so gut wie nicht vorkomme, sind Frauen vor allem im organisatorischen Bereich engagiert. Sie bringen sich in den vorpolitischen Raum ein, organisieren Demonstrationen, betreiben Läden und Versandbetriebe, Cafes oder schreiben für die "Junge Freiheit". "Die Präsenz von Frauen feminisiert nicht die rechtsextremistische Szene, sondern stabilisiert sie, nach innen wie nach außen", resümierte Juliane Lang, und fuhr fort: "Auch wenn es Tendenzen gibt, die an eine Aufweichung bestehender Rollenbilder denken lassen: Die Ungleichheit der Geschlechter, Sexismus und Chauvinismus bleiben ein integraler Bestandteil der rechtsextremen Ordnung."

Auch bei der Vorstellung verschiedener Initiativen gegen Rechtsextremismus wurde deutlich, dass in Bayern die Bewusstseinsbildung vor allem im kommunalpolitischen Bereich ein andauernder Ansatzpunkt für die Aufklärungsarbeit ist. Nicola Hieke, die Landeskoordinatorin der „Koordinationsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus“, brachte dies so auf den Punkt: „Es ist nicht von der kommunalen Ebene abhängig, ob sich eine Szene bildet, aber wohl ist es von der Kommunalpolitik und den zivilgesellschaftlichen Strukturen anhängig, ob sich eine solche Szene etabliert.“ Die Koordinationsstelle, die im Auftrag des Bayerischen Jugendrings eingerichtet wurde, arbeitet u.a. an einem landesweiten Beratungsnetzwerk zur Vernetzung lokaler Initiativen, vermittelt Mobile Interventionsteams und bietet Infomaterialien an.

Ein spezieller Arbeitsbereich besteht in der von Michael Uhlig vorgestellten Opferberatung „B.U.D. Beratung, Unterstützung, Dokumentation“, durch das Opfern, aber auch Zeugen rechtsextremer Gewalt Beratung und Begleitung angeboten werden.

Das Ziel, alle verfügbaren Informationen über rechtsextremistische Umtriebe zusammen zu tragen, war Ausgangspunkt für die Gründung von „a.i.d.a. Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V.“ vor 20 Jahren. Inzwischen haben sich die Mitarbeiter von a.i.d.a. zu Kennern der Szene entwickelt, wie man sie bayernweit wohl kaum anderswo findet. Unter nicht ungefährlichem persönlichem Einsatz recherchieren sie bei rechtsextremistischen Veranstaltungen vor Ort und stellen die Ergebnisse Multiplikatoren wie Journalisten zur Verfügung. Der Verein sieht - wie Robert Andreasch betonte - seine Aufgabe darin, über rechtsextreme Aktivitäten, Organisationen und Personen zu informieren und dadurch Aktivitäten vor Ort zu unterstützen. A.I.D.A. organsisiert jedoch keinen politischen Widerstand gegen Rechtsextreme und verfolgt mit seiner Arbeit auch kein politisches Konzept.

Über ihr Projekt „Tacheles“ berichtete die Nürnberger Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair. Die einzelnen Module, die z.B. für Lehrerfortbildungen vor Ort kostenfrei sind, umfassen u.a. Workshops zu Themen wie „Anwerbeversuche von Jugendlichen durch Neonazis“ oder „Rassistische und neonazistische Musik“. Aber auch Zeitzeugengespräche für Schulklassen oder Ausstellungen werden über das Programm, das durch den Europäischen Sozialfonds und das Bundesprogramm „Xenos. Integration und Vielfalt“ gefördert wird, angeboten.
Manfred Schwarzmeier (Akademie für Politische Bildung Tutzing)

 

Die Tagung in den Medien

Bericht in der Nürnberger Zeitung: "Einblick in die rechtsradikale Szene - Bekenntnisse eines Geläuterten"

 

Nützliche Links

a.i.d.a. Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V.: www.aida-archiv.de

B.U.D. Beratung. Unterstützung. Dokumentation: www.bud-bayern.de

Bayerisches Bündnis für Toleranz: www.bayerisches-buendnis-fuer-toleranz.de

Bayern gegen Rechtsextremismus: www.bayern-gegen-rechtsextremismus.de

Bundesprogramm Xenos. Integration und Vielfalt: www.esf.de/portal/generator/6592/xenos.html

Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/themen/R2IRZM,0,Rechtsextremismus.html

EXIT Deutschland: www.exit-deutschland.de

Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus: www.lks-bayern.de

Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage: www.schule-ohne-rassismus.org

Tacheles-Projekt: www.tachelesprojekt.de

Zum Analyseansatz der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit":www.uni-bielefeld.de/ikg/gmf/einfuehrung.html

 

Literaturhinweise:

Andreasch, Robert/Andreas Speit: Mit Schwung in den Westen? Wie sich die NPD eine Zukunft in Bayern vorstellt. In: Andrea Roepke/Andreas Speit (Hg.): Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. Ch. Links Verlag, Berlin 2008
Online: http://www.bpb.de/themen/B0NDCN,0,Mit_Schwung_in_den_Westen.html

Decker, Oliver/Marliese Weißmann/Johannes Kiess/Elmar Brähler: Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2010
Download: http://library.fes.de/pdf-files/do/07504.pdf

Decker, Oliver/Elmar Brähler: Bewegung in der Mitte. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2008 mit einem Vergleich von 2002 bis 2008 und der Bundesländer, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2008
Download: http://library.fes.de/pdf-files/do/05864.pdf

Kulick, Holger/Toralf Staudt (Hrsg.) Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann. Bundeszentrale für politische Bildung. Schriftenreihe, Band 1013. Bonn 2009

Lang, Juliane: Frauen im Rechtextremismus. In: »Was ein rechter Mann ist ...«. Männlichkeiten im Rechtsextremismus. Dietz Verlag, Berlin 2010, S. 127-143
Download: http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Publ-Texte/Texte_68.pdf

dies.: Die sanfte Seite des Rechtsextremismus? In: Frauenrat 6/2008, S. 18ff.
Online: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/die-sanfte-seite-des-rechtsextremismus

Röpke, Andrea/Andreas Speit (Hrsg.): Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft, Ch. Links Verlag, Berlin 2008

Roth, Roland: Demokratie braucht Qualität! Beispiele guter Praxis und Handlungsempfehlungen für erfolgreiches Engagement gegen Rechtsextremismus. Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2010
Download: http://library.fes.de/pdf-files/do/07303.pdf

Ruf, Christoph/Olaf Sundermeyer: In der NPD. Reisen in die National Befreite Zone. Beck-Verlag, München 2009

 


Partner

Akademie für Politische Bildung Tutzing



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27.11.2010 - 09:30 bis 18:00

Rechtsextreme Erlebniswelten

Ob unsere Gesellschaft zunehmend von rechtsextremen Kräften unterwandert und beeinflusst ist, wird unterschiedlich diskutiert. Sicher ist in jedem Fall, dass Neonazis und Rechtsextreme verschiedene Ebenen und neue Medien nutzen, um ihre Ideen zu verbreiten und Anhänger zu gewinnen. An diesem Studientag beleuchten Fachleute die entsprechenden Entwicklungen.

Wichtige Fragen sind beispielsweise:

  • Welche Internetseiten nutzen Rechte, und welche Chancen liegen für sie im www?
  • Wie klingt rechtsextreme Musik, was sagen die Texte, und wie funktioniert das mit den Schulhof-CDs? 
  • Wie sehen rechtsextreme Comics aus, aus welcher Subkultur stammen sie und kann man über sie lachen?
  • Wie unterwandern Rechtsextreme die Sportvereine, und auf welche Weise entfalten sie sich in der Fußballszene?

Rechtsextreme Codes und Symbole werden enttarnt und die Lage in München in Literatur und Realität betrachtet.

 

Das Programm:

9:30    Beginn der Veranstaltung

9:45    Begrüßung und Einführung – gesellschaftliche Hintergründe des Themas

10:15  Kurzinputs zu den Vormittagsworkshops
Die Referenten geben jeweils eine viertelstündige Einführung für alle in ihre Themen

11:00 Workshops I

  • Rechtsextreme und Musik – Martin Langebach, Jan Raabe (Soziologen)
  • Rechtsextreme und Fußball – Ronny Blaschke (Sportjournalist)
  • Rechtsextreme und Comics – Ralf Palandt (Comiczeichner und Comicforscher)

12:30 Mittagspause

14:00 Café-Lesung aus dem im rechtsradikalen Milieu spielenden Krimi "Blinde Flecken"
Autor: Peter Probst

15:00 Kurzinputs zu den Nachmittagsworkshops
Die Referenten geben jeweils eine viertelstündige Einführung für alle in ihre Themen

15: 45 Kaffeepause

16:00 Workshops II

  • Rechtsextreme im Internet – Robert Andreasch (freierJournalist)
  • Rechtsextreme in München – N.N.
  • Rechtsextreme Codes und Symbole – Michael Weiss (apabiz - antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin)

17:30 Abschlussplenum

18:00 Ende

 

Einlassvorbehalt:
Die Veranstalter behalten sich gem. § 10 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Organisationen angehören oder der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antisemitische, rassistische oder nationalistische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren.

Downloads zum Artikel

Flyer_rechtsex_Erlebniswelten.pdf


Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie München, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
10,- EUR / Ermäßigung für Jugendliche, Studierende: 5,- EUR


Partner

Bündnis für Demokratie

DGB-Bildungswerk

Evangelische Jugend

Evangelische Stadtakademie

Fachinformationsstelle gegen Rechtsextremismus Feierwerk e.V.

Friedrich-Ebert-Stiftung

Kreisjugendring


Art der Veranstaltung
Studientag



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25.11.2010 - 19:00

Trialog in Yad Vashem

Palästinenser, Israelis und Deutsche im Gespräch

Viele Palästinenser lehnen es ab, sich näher mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Aus ihrer Perspektive beginnt die Geschichte der Juden erst mit der Einwanderung nach Palästina.

1998 überredete Henning Niederhoff erstmals Palästinenser zu einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Daraus erwuchsen zunächst Gespräche zwischen Palästinensern, Israelis und Deutschen in Yad Vashem, später auch gemeinsame Besuche in zerstörten palästinensischen Dörfern in Israel. Zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust kam das Gedenken an die nakba, die Katastrophe der Vertreibung der Palästinenser 1948. Selten gab es eine solche Tiefe bei palästinensisch-israelischen Begegnungen.

ReferentInnen

Henning Niederhoff
ehemaliger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, Autor von Trialog in Yad Vashem, 2010

Veranstaltungsort
München, Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24


Kosten
6,- / erm. 5,- Euro


Partner

Evangelische Stadtakademie

Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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