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Ein Forum für neue Ansätze in Politik, Wirtschaft und Kultur

Veranstaltungen und Dokumente

11.05.2013

Gutes Leben in Stadt und Land

Handlungsfelder für eine zukunftsfähige Kommunalpolitik

Tagung im Rahmen des 27. kommunalpolitischen GRIBS-Kongresses

Wie “gut” die Menschen leben können, entscheidet sich nicht zuletzt “vor Ort”, in den Kommunen. Die Kommunalpolitik ist in vielen Handlungsfeldern gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen bereitzustellen. Wie dies aussehen kann und wie auch unter schwierigen finanziellen Vorzeichen nachhaltige Strukturen geschaffen werden können, haben wir im Rahmen unserer Tagung ausführlich diskutiert.  

Benedikt Bisping, Erster Bürgermeister in Lauf seit 2008, gab einen Einblick in den Alltag eines hauptamtlichen Bürgermeisters und erläuterte in diesem Zusammenhang einige der wesentlichen Projekte in den Bereichen Bildung, Soziales und Ökologie, die während seiner bisherigen Amtszeit umgesetzt worden sind. Er betonte dabei, dass sich sein Wirken immer in einem Spannungsfeld zwischen den artikulierten Partikularinteressen und dem Allgemeinwohl der Gesamtgemeinde bewege. Hier gelte es, immer wieder einen Interessenausgleich zu finden und auch Kompromisse zu schließen. Der persönliche Wahlspruch, von dem sich der grüne Bürger dabei leiten lässt, ist von Hermann Hesse und lautet: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“

Politisch besonders wichtig waren und sind Bisping die Themen Bildung und kinderfreundliche Stadt. Die Schaffung von Ganztagesbetreuungsplätzen für Kinder und Jugendliche stehen dabei im Mittelpunkt. Wie enorm dabei der Bedarf ist, zeigt die Tatsache, dass an einer Schule in Lauf mit hohem Migrationsanteil 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen solchen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen möchten.

In Sachen Gewerbeansiedlungspolitik wies Bisping auf die nach wie vor bedeutende und in Zukunft vielleicht noch größere werdende Rolle der Gewerbesteuer für die kommunalen Finanzen hin. Deshalb müssten Gewerbeansiedlungen weiter möglich sein. Im Sinne des Flächensparens müssten dabei auch mehrstöckige Gewerbebauten in den Blick genommen werden. Für die Siedlungsentwicklung insgesamt muss das potenzielle Leerstandsrisiko bei Einfamilienhäusern in den nächsten Jahrzehnten und die Möglichkeit von Nachverdichtungen einbezogen werden. Für die Stadtentwicklung insgesamt will Lauf einen ökologisch-sozialen Nachhaltigkeitsindex anwenden, der gemeinsam mit der Ev. Stiftungsfachhochschule in Nürnberg entwickelt wird. Ganz wichtig als Standortfaktor ist laut Bisping auch das kulturelle Angebot vor Ort.

Benedikt Bisping
Erster Bürgermeister, Lauf a. d. Pegnitz
E-Mail: buergermeister@stadt.lauf.de
Internet: http://www.benedikt-bisping.de/

Weiterführende Links:
Rede beim Neujahrsempfang 2013 
Laufer Klimaschutzprogramm

Dr. Michael Kopatz gab in seinem Vortrag einen umfassenden Überblick Herausforderungen und Perspektiven einer Kommunalpolitik in der „Postwachstumsökonomie“.  Dabei wurde deutlich, dass die Wachstumstriebkräfte nach wie vor  zu stark sind, um eine wirklich nachhaltige Entwicklung in den Kommunen (und nicht nur dort) zu erreichen. Während nämlich der gegenwärtige durchschnittlich Lebensstil in Deutschland 10 t CO2 pro Jahr produziere, wäre eigentlich eine Senkung auf 1,5 t notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Die Hoffnung, dieses Ziel allein durch technologische Innovationen erreichen zu können, nannte Kopatz illusorisch. Er führte zahlreiche Beispiele dafür an, dass der sog. „Rebound-Effekt“ die durch neue Technologien erreichten Einspareffekte wieder zunichte gemacht hat: Autos sind zwar spürbar sparsamer im Spritverbrauch geworden, dafür aber um so schwerer, was die Einsparungseffekte „wettgemacht“ hat. Der Raumwärmebedarf wird durch energetische Sanierungen zwar pro Quadratmeter spürbar gesenkt, dafür steigt aber die Wohnfläche pro Kopf. Kopatz forderte deshalb energische Eingriffe der Politik, die genaue rechtliche Rahmenbedingungen (z.B. Höchstgewicht für Autos, maximaler Wohnflächenbedarf) setzen solle, um solche Entwicklungen in Zukunft auszuschließen (bis hin zu einem Verbot von SUV, die nicht für berufliche Zwecke notwendig sind…). Solche definierten Rahmenbedingungen seien notwendig, damit sich individuelles Verhalten langfristig ändern könne.

Kopatz bezeichnete das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Kennzahl, die nicht geeignet sei, um eine nachhaltige Entwicklung zu beurteilen: „Die Lebenszufriedenheit der Menschen ist nicht abhängig vom Wachstum des BIP“, betonte er.  Kopatz forderte deshalb eine „Glückspolitik“. Diese müsse auf eine spürbare Reduktion der gegenwärtigen sozialen Ungleichheit ebenso abzielen wie auf eine zinslose Wirtschaft. Regionalgeld-Währungen und Tauschringe seien in diesem Zusammenhang keinesfalls unbedeutende „Spielwiesen“, sondern müssten als zukunftsweisende Entwicklungen angesehen werden. Regionalwirtschaft, funktionierende Nahversorgung und subsistenzwirtschaftliche Ansätze seien ebenfalls wichtig und zu fördern. Konjunktur- und Förderprogramme müssten strikt auf umweltverträgliche Produkte beschränkt werden. Als ein wesentliches Element bezeichnete Kopatz auch eine Reduzierung der Arbeitszeit auf ca. 30 Wochenstunden, um die vorhandene Arbeit gerecht zu verteilen.

Dass die Kommunen in vielerlei Punkten mit ihrer Politik großen Einfluss auf eine Weichenstellung in Richtung Nachhaltigkeit haben, wurde immer wieder deutlich. So ist z.B. die Infrastrukturpolitik im Verkehrsbereich ungeheuer wichtig, um das konkrete Verkehrsverhalten zu fördern. Ein Blick nach Kopenhagen zeigt sehr eindrucksvoll, wie der Radverkehr gefördert werden kann und dies sich in immensen Radverkehrsanteilen an der Gesamtmobilität niederschlägt.

Dr. Michael Kopatz
Wiss. Mitarbeiter, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Forschungsgruppe Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
Tel.: 0202/2492 – 148
Heimbüro: 0541/ 6689414
Mobil: 0152-29864966
E-Mail: michael.kopatz@wupperinst.org
Internet: http://wupperinst.org/kontakt/details/wi/c/s/cd/60/

Weiterführende Links:
Denkwerk Zukunft: Lebenswerte Städte unter Bedingungen sinkenden materiellen Wohlstands Herausforderungen und Maßnahmen. Bonn 2012 (PDF-Datei)
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie: Zukunftsfähiges Hamburg. Zeit zum Handeln. München/Hamburg 2010 (PDF-Datei)
Michael Kopatz: Arbeit, Glück und Nachhaltigkeit. Warum kürzere Arbeitszeiten Wohlbefinden, Gesundheit, Klimaschutz und Ressourcengerechtigkeit fördern. Impulse zur WachstumsWende Nr. 3 (Februar 2012) (PDF-Datei)
Michael Kopatz, Markus Spitzer, Anja Christanell: Energiearmut. Stand der Forschung, nationale Programme und regionale Modellprojekte in Deutschland, Österreich und Großbritannien. Wuppertal Paper Nr. 184 (Oktober 2010) (PDF-Datei)

Workshop A1: Kommunale Bildungslandschaften

Präsentation von Anja Skrypek als PDF-Datei

Anja Skrypek
Dipl.-Soziologin
Landratsamt Mühldorf a. Inn
Töginger Straße 18
84453 Mühldorf a. Inn
08631/699-552
E-Mail: anja.skrypek@lra-mue.de

Präsentation von Lutz Tokumaru als PDF-Datei

Lutz Tokumaru
Bildungskoordinator Bildungs- und Projektmanagement Kaufbeuren "Lernen vor Ort"
Kaiser-Max-Straße 1
87600 Kaufbeuren
Tel.: 08341/437817
E-Mail: lutz.tokumaru@kaufbeuren.de
Internet: http://www.kaufbeuren-aktiv.de

Weiterführende Literatur und Links:
Anika Duveneck/Sybille Volkholz: Kommunale Bildungslandschaften. Heinrich-Böll-Stiftung. Berlin 2011 (PDF-Datei) 
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Wie geht`s zur Bildungslandschaft? Die wichtigsten Schritte und Tipps. Seelze 2012 
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (Hrsg.): Bildungslandschaften zwischen den Meeren. Bildung gemeinsam verantworten! Ein Programm - Drei Kommunen - Drei Antworten. Arbeitshilfe mit Erfahrungen und Anregungen aus der Praxis für die Praxis. Berlin 2012 (PDF-Datei) 
Wolfgang W. Weiß: Kommunale Bildungslandschaften. Chancen, Risiken und Perspektiven. Weinheim/München 2011 
Forschungsprojekt "Elternbeteiligung und Gewaltprävention in kommunalen 
Bildungs- und Erziehungslandschaften"
 
Förderprogramm "Lernen vor Ort"

Workshop A2: Kultur und Freizeit

Präsentation von Dr. Christine Fuchs als PDF-Datei

Dr. Christine Fuchs
Geschäftsleitung, STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V.
Literaturstiftung Bayern
Hoheschul-Straße 4
85049 Ingolstadt
Tel.: 0841/3051868
E-Mail: christine.fuchs@ingolstadt.de
Internet: http://www.stadtkultur-bayern.de
http://www.literaturstiftung.de

Weiterführende Links:
http://www.stadt-geschichte-zukunft.de/
Tagungsbericht „STADT:KULTUR:ZUKUNFT. Kulturpoltisches Forum Tutzing 2012“

Workshop A3: Mobilitätskonzepte

Präsentation von Melanie Herget als PDF-Datei

Dokumentation der Workshop-Diskussion als PDF-Datei


Melanie Herget
Diplom-Umweltwissenschaftlerin
Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) GmbH
Torgauer Straße 12-15
10829 Berlin
Tel.: (030) 23 88 84 - 107
Fax: (030) 23 88 84 – 120
E-Mail: melanie.herget@innoz.de
Internet: http://www.innoz.de/ 

Weiterführende Literatur und Links:
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Differenzierte Bedienung im ÖPNV. Flexible Bedienungsweisen als Baustein eines marktorientierten Leistungsangebots. Köln 2009
Christine Ahrend/Melanie Herget (Hrsg.): Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Handbuch für nachhaltige Regionalentwicklung. Berlin 2012 (PDF-Datei) 
Susanne Böhler u.a.: Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV. Ein Beitrag zur Sicherung der Daseinsvorsorge in nachfrageschwachen Räumen. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bonn 2009 (PDF-Datei) 
Carolin Schäfer-Sparenberg: Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Good-Practice-Beispiele. Wuppertal 2011 (PDF-Datei) 
Barbara Steinrück/Patrick Küpper: Mobilität in ländlichen Räumen unter besonderer Berücksichtigung bedarfsgesteuerter Bedienformen des ÖPNV. Institut für Ländliche Räume. Braunschweig 2010 (PDF-Datei) 

Workshop B1: Regionalität und Nahversorgung

Präsentation von Gerlinde Augustin als PDF-Datei

Stichpunktsammlung aus der Diskussion als PDF-Datei

Gerlinde Augustin
Geschäftsführerin Schule der Dorf- und Landentwicklung (SDL) Thierhaupten
Klosterberg 8
86672 Thierhaupten
Tel.: 08271/41441
E-Mail: info@sdl-inform.de
Internet: http://www.sdl-inform.de

Weiterführende Literatur und Links:
Dorfladen Otersen GbRmbH (Hrsg.): Handbuch zum Erhalt und zur Sicherung der Nahversorgung im ländlichen Raum. Kirchlinteln-Otersen 2008
Dorfladen-Netzwerk

Workshop B2: Kommunale Gesundheitspolitik

Präsentation von Dr. Veit Wambach als PDF-Datei


Dr. Veit Wambach
Gesundheitsnetz QuE Nürnberg
Vogelsgarten 1
90402 Nürnberg
Tel.: 0911/95663280
E-Mail: info@drwambach.de
Internet: http://www.gesundheitsnetznuernberg.de

Weiterführende Literatur und Links:
http://www.deutsche-aerztenetze.de
Bericht der Gesundheitspolitischen Kommission der Heinrich-Böll-Stiftung
Ärztenetz Südbrandenburg
Gesundes Kinzigtal
Solimed – Ärztliches Qualitätsnetz Solingen 
Neeltje van den Berg: Regionale Versorgungskonzepte für ländliche Regionen - gemeinsame Herausforderungen für Medizin und Pflege. München 2010 (PDF-Datei)
Gabriele von Laufenberg: Medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Regionale Steuerungsmöglichkeiten bei drohendem Ärztemangel - das Beispiel Vogelsbergkreis. Dipolomarbeit. Gießen 2010 (PDF-Datei) 
AGnEs-Modellprojekt in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern
Gesundheit und medizinische Versorgung - ein Thema im ländlichen Raum. RaumInForm 4/2008, S. 10-29 (PDF-Datei)

Workshop B3: Biodiversität

Präsentation von Marcus Haseitl als PDF-Datei

Dokumentation der Workshop-Diskussion als PDF-Datei

Marcus Haseitl
Projektleiter von "Bad Grönenbach blüht auf"; Mitinitiator der allgäuweiten Schulaktion "Schulen blühen auf", Netzwerk Blühende Landschaft
Hörpolz 4
87730 Bad Grönenbach
Tel.: 08334-986077
E-Mail: marcus-haseitl@t-online.de
Internet: http://www.bluehende-landschaft.de

Weiterführender Link:
Münchner Kräutergärten

Zum Abschluss der Tagung berichtete die Heilsbronner Stadträtin Jutta Franck über die vielfältigen Facetten bürgerschaftlichen Engagements am Ort der Tagung. Im Mittelpunkt steht dabei der vor kurzem neu eröffnete Bürgertreff im Ortszentrum, der fast ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit und mit Sponsorengeldern finanziert, saniert und jetzt auch betrieben wird.

Auslöser für den Bürgertreff und weiterer sozialer Einrichtungen war ein vor Jahren gestarteter Stadtentwicklungsprozess der Stadt Heilsbronn, der mit großer Bürgerbeteiligung durchgeführt wurde. Dabei wurden ansehnliche Projektideen erarbeitet, die nach und nach umgesetzt werden. Das Interessante dabei ist, dass die meisten Projekte ohne staatliche Fördergelder realisiert wurden. Neben dem Bürgertreff sind zu nennen:

Die Tagungsteilnehmer/innen konnten sich dort auch ganz konkret von der gastronomischen Leistungsfähigkeit des Treffpunkts überzeugen: Die Tagung schloss mit einem dort vorbereiteten üppigen Büffet: eben "gutes Leben in der Stadt"... 

Jutta Franck
Stadträtin, Beauftragte für Soziales, Senioren und Familien
Am Mühlberg 12
91560 Heilsbronn
Tel.: 09872/2354
E-Mail: juttafranck@gmx.de
Internet: http://www.gruene-heilsbronn.de/

Weiterführende Links:
Bürgertreff Heilsbronn e.V. 

Veranstaltungsort
Heilsbronn


Partner

GRIBS-Bildungswerk e.V.


Art der Veranstaltung
Tagung



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04.05.2013

Voices of Transition

 

Ziel der Fimlmvorführung und der Veranstaltung insgesamt war es, durch Anwenden von gemeinschaftsbildenden Transition-­‐Methoden aus dem Dokumentarfilm einen regelrechten "Action"-­‐Film zu machen: Die Zuschauer/innen sollten sich jeweils zum Handeln animiert fühlen und selbst zu Akteur/inn/en des Wandels werden. 

Von links nach rechts: Silvia Gonzalez (Green City), Martin Hofmann (Regionale Wirtschaftsgemeinschaft München, Moderation), Iljana Dorn (Transition Town Initiative Dießen), Anja Sobczak (Umweltinstitut München), Gesa Tiedemann (Petra-Kelly-Stiftung), Nils Aguilar (Regisseur)

In München kam - trotz zahlreicher konkurrierender Veranstaltungen und schönen Sommerwetters - ein zahlreiches und bunt gemischtes Publikum, um sich von den „Stimmen des Wandels“ inspirieren zu lassen. Zu Beginn der Veranstaltung stellte sich der Regisseur Nils Aguilar kurz vor und regte die Besucher an, sich mit einem möglichst unbekannten Sitznachbarn in einem kurzen Zwiegespräch bekannt zu machen, um den für die gegenwärtige Zivilisation typischen “unbekannten Nachbarn“ buchstäblich kennenzulernen. Dann erst hieß es: „Film ab!“

Der Applaus im Anschluss an den 65-­‐minütigen Film zeigte, dass er die Herzen der Zuschauer erobert hatte. Nun wurden die Gäste erneut aufgerufen, sich mit ihren Sitznachbarn auszutauschen -­‐ diesmal unter der Fragestellung, was der Film in einem selbst ausgelöst habe. Schließlich stellte sich Nils Aguilar den zahlreichen Fragen aus dem Publikum und ging auf die im Film portraitierte Transition-Bewegung ein, sowie auch auf die Schwierigkeiten und Herausforderungen im langen Produktionsprozess des selbstfinanzierten Films und auf die Transfermöglichkeiten der agrarökologischen Erkenntnisse aus dem kubanischen “Experiment“. Im Anschluss konnten Akteure verschiedener Münchener Initiativen vorstellen, die sich mit dem sozialökologischen Wandel in München und der Region befassen.

Empfohlene Weblinks

www.voicesoftransition.org

ReferentInnen

Nils Aguilar
Regisseur

Veranstaltungsort
München


Partner

Milpafilms


Art der Veranstaltung
Film und Diskussion mit dem Regisseur



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18.04.2013 bis 19.04.2013

Die Zukunft der Energiewende

Herausforderungen und Perspektiven

Veranstaltungen in Schweinfurt und Landshut - ein zusammenfassender Rückblick

Das Fazit von Dr. Gerd Rosenkranz war eindeutig: Die Energiewende ist machbar, sie wird etwas kosten und sie ist ein Generationenprojekt. Aber das Projekt Energiewende ist keine Investition auf Kosten zukünftiger Generationen, sondern sie wird sich auszahlen und das Leben zukünftiger Generationen enorm erleichtern. Wir fassen die Ergebnisse der Veranstaltungen im folgenden Bericht kurz zusammen.

Rosenkranz erläuterte in Schweinfurt und Landshut in seinem kenntnisreichen Vortrag Herausforderungen und Perspektiven der Energiewende. Demzufolge stehen wir am Beginn des zweiten Solarzeitalters. Während das erste den größten Teil der bisherigen Menschheitsgeschichte eingenommen und bis etwa zum Jahr 1800 gedauert hat, sei das daran anschließende fossile Zeitalter nur von kurzer Dauer. Es habe zwar einen enormen Entwicklungs- und Wachstumsschub für die Menschheit gebracht, müsse aber jetzt von einem Zeitalter abgelöst werden, das das auf auf Wind- und Sonnkraft basiert.  

Auch wenn im Rahmen der Energiewende auch die Mobilität und die Wärmeversorgung eine wichtige Rolle spielen, dort aber von einer echten Wende noch nicht einmal ansatzweise die Rede sein kann, ist die Stromerzeugung von entscheidender Bedeutung: "Wenn beim Strom die Wende nicht gelingt, dann scheitert die Energiewende insgesamt." 

Rosenkranz räumte auf mit Lügen und Halbwahrheiten, die die gegenwärtige Diskussion bestimmen. So sind es keineswegs die erneuerbaren Energien (EE) und die sog. EEG-Umlage, die für den steigenden Strompreis sorgen. Im Gegenteil: An der Strombörse führt der wachsende Anteil von EE-Strom sogar zu sinkenden Preisen. Doch die gesenkten Kosten werden von den vier großen Energiekonzernen nicht an die Verbraucher weitergegeben. Und auch am Steigen der EEG-Umlage sind die EE ebenfalls nur teilweise „schuld“. Deren Höhe hängt nämlich nicht nur von den eigentlichen Förderkosten ab. Viel stärker ins Gewicht fallen laut Rosenkranz die Ausnahmeregelungen, mit denen die energieintensive Industrie entlastet wird. Rosenkranz: „Ich habe Verständnis für die Klage mittelständischer Unternehmen, die knapp unter der Privilegierungsgrenze liegen, denn die trifft die gestiegene Umlage besonders hart.“ 

Dieselbe Bundesregierung, die die Energiewende ausgerufen habe, bedient sich – so Rosenkranz – einer perfiden Strategie, um sie jetzt zu hintertreiben: Sie bürdet den BürgerInnen, aber auch Teilen des Mittelstandes höhere Lasten auf als notwendig und entlastet im Gegenzug die großen Industrien.

Bei der gegenwärtigen Strompreisdebatte, die eigentlich eher eine Ablenkungs- und Diskreditierungsdebatte sei, muss auch bedacht werden, dass nur 2,34% der Konsumausgaben privater Haushalte für Strom anfallen. Angesichts dieses relativ marginalen Wert dürfen - so Rosenkranz - eventuell tatsächlich auftretende finanzielle probleme in ökonomisch schwachen Haushalten nicht mit den Mitteln der Energiepolitik gelöst werden. Diese sozialen Probleme müssten mit sozialpolitischen Maßnahmen angegangen werden, betonte Rosenkranz.

Wesentliches Ziel der Energiewende ist es laut Rosenkranz, den Atomausstieg zu vollziehen und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Trotz stetig wachsender Zunahme der EE wird es weiter notwendig sein, Speicherkapazitäten auszubauen und auch effiziente und flexibel einsetzbare Gaskraftwerke vorzuhalten, um den Ausgleich zwischen Stromnachfrage und Stromerzeugung sicherzustellen. Diesbezüglich völlig kontraproduktiv nannte es Rosenkranz, wenn derzeit neue Kohlekraftwerke mit entsprechendem CO2-Ausstoß gebaut würden, weil die Emissionszertifikate zu Schleuderpreisen erhältlich seien. Rosenkranz forderte eine neues Preissystem, das nicht nur die Lieferung von Kilowattstunden honoriere, sondern auch die Bereitstellung der notwendigen Leistung für den Bedarfsfall. Nur so könne verhindert werden, dass hocheffiziente, moderne Gaskraftwerke stillgelegt würden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die Energiewende ist und bleibt ein Generationenprojekt. Sie kann nur als „Gemeinschaftsprojekt“  Ethikkommission) gelingen. Dieses Gelingen ist aber politisch noch längst nicht gesichert. Die Energiewende ist technisch und ökonomisch machbar und attraktiv. Doch wir stehen derzeit noch am Anfang der Entwicklung. Wenn die Energiewende in Deutschland scheitert, wird kein anderes Industrieland ein ähnliches Experiment starten. Auch deshalb darf sie nicht scheitern

Das Podium in Schweinfurt von links nach rechts: Dr. Gerd Rudel (Petra-Kelly-Stiftung, Moderation), Dr. Gerd Rosenkranz, Rafiq Iqbal, Udo Rumpel

Udo Rumpel, Geschäftsführer von zwei Bürgerwindrädern im Landkreis Schweinfurt, sieht das finanzielle Engagement der Menschen, die sich dort für die Energiewende engagiert haben, und die ohnehin relativ kleine Rendite dieser Windräder durch die aktuelle Politik der Bundesregierung massiv gefährdet. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen für solche Investitionen, wenn das Motto „Energie in Bürgerhand“ ernstgenommen werden soll.

Ähnlich argumentierte in Landshut Wolfgang Ebermann, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Erlbach Energiegenossenschaft. Das Ziel seiner genossenschaft sei es, die Energiewende aktiv mitzugestalten. Sie wolle sich in allen feldern engagieren, auch wenn derzeit der Schwerpunkt bei der Photovoltaik liege. Ebermann kritisierte, dass die derzeitige Regierung mit ihrer Politik große Unsicherheiten geschaffen habe und forderte eine gerechte Verteilung der Kosten der Energiewende. 

Auch der grüne Landtagskandidat Rafiq Iqbal, selbst beruflich in der Energiebranche tätig, unterstützt die Forderung nach "Energie in Bürgerhand" auch im Hinblick auf die Stromnetze: „Stromnetze gehören in Bürgerhand und in die  Hand der Kommunen.“ Iqbal betonte auch die Vorbildwirkung Deutschlands: „Wenn Deutschland die Energiewende nicht schafft, dann wird es damit auch global nicht klappen.“ 

Dr. Thomas Gambke, grüner Bundestagsabgeordneter aus Landshut, wies darauf hin, dass der Wärmesektor bei der Energiewende nicht vergessen werden dürfe. Auch hier habe die Bundesregierung versagt, weil sie die Finanzierung von Wärmeeffizienzmaßnahmen über einen Energiesparfonds nicht umgesetzt habe. Beim Strom forderte Gambke eine Differenzierung des EEG, das künftig die jeweiligen Standortbedingungen der Anlagen berücksichtigen müsse: "Es kann nicht sein, dass eine Off-shore-Windkraftanlage genauso gefördert wird wie eine Anlage im Binnenland mit wesentlich geringerer Windausbeute."

Einig waren sich die Diskutanten über die Bedeutung der Energiewende für die regionale Wertschöpfung. Wenn die Energie „vor Ort“ erzeugt wird, bleibt das Geld in der Region. Dass es beim Bau neuer Windräder oder Speicherkraftwerke zu Konflikten zwischen Natur- und Umweltschutz auf der einen und der Energiewende auf der anderen Seite kommen könne, darf – so Gerd Rosenkranz – nicht unterschlagen werden. Die Ablösung der katastrophenträchtigen Fossil- und Atomenergien durch erneuerbare Energien wird zu einer tiefgreifenden Transformation der Natur- und Kulturlandschaft führen. Dabei sei in jedem Einzelfall eine Güterabwägung notwendig, um zu Lösungen zu kommen, die auch von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen werden.

Gerd Rosenkranz erwartet von der derzeitigen Regierung nichts mehr in Sachen Energiewende. Es sei auch besser, wenn die Regierung nichts mehr mache. Denn was sie mache, sei falsch: "CDU/CSU und FDP können es nicht". Von Parteien, die sich noch vor kurzem mit Händen und Füßen gegen die Energiewende gewehrt hätten und sie als Illusion bekämpft hätten, sei auch nicht anderes zu erwarten.

 
Zahlreiche interessierte Besucher/innen am zweiten Veranstaltungsabend in Landshut

Weiterführende Informationen und Links:

Bericht über die Veranstaltung in Schweinfurt in der "Mainpost"

Bericht (PDF-Datei) über die Veranstaltung in Landshut in der "Landshuter Zeitung"

Gerd Rosenkranz: Das sabotierte Jahrhundertprojekt. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 11/2012, S. 101-110

Claudia Kemfert: Mythen in der energiepolitischen Debatte. In: Cicero, 18. März 2013

Präsentation von Gerd Rosenkranz als PDF-Datei

Kontakt:
Dr. Gerd Rosenkranz
Leiter Politik & Presse, Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH),
Hackescher Markt 4
Mail: rosenkranz@duh.de
Fon: 030/2400867-0
Internet: http://www.duh.de


ReferentInnen

Dr. Gerd Rosenkranz
Leiter Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe e. V., Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema Atomkraft und erneuerbare Energien

Udo Rumpel
Geschäftsführer von zwei Bürgerwindrädern, Biobauer

Rafiq Iqbal
Dipl-Ing., Key Account Manager für Erneuerbare Energien und Elektromobilität, Lantagskandidat von B90/DIE GRÜNEN im Landkreis Kitzingen

Dr. Thomas Gambke
MdB, Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie sowie im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung

Wolfgang Ebermann
Erlbach Energie eG

Veranstaltungsort
Schweinfurt (18.04.) und Landshut (19.04.)


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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05.03.2013

Recht auf Stadt

Demokratische Gestaltung von Stadtentwicklung und Stadtplanung

Wem gehört die Stadt?

Ausgehend von Hamburg und Freiburg formiert sich die urbane Bewegung 'Recht auf Stadt'. 'Recht auf Stadt' wendet sich gegen die Unterordnung städtischen Lebensraumes unter das Diktat kommerzieller Interessen. Die Bewegung fußt auf der Philosophie des französischen Soziologen Henri Lefebvre. Lefebvre fordert für alle Bevölkerungsschichten das Recht auf Zugang zu allen kulturellen und sozialen Institutionen sowie das Recht auf Mitgestaltung ihrer Stadt.

Derzeit findet in Deutschland ein Immobilienboom statt. Wohlhabende Anleger und Fonds investieren in sicheres Beton-Gold - in Gebäude und Grundstücke. 2011 wechselten in Nürnberg für 1,6 Milliarden Euro Grundstücke und Häuser den Besitzer. In erster Linie werden Eigentumswohnungen gebaut. Großanleger investieren in Büro- und Gewerbekomplexe. Die Folgen: Verknappung günstiger Mietwohnungen, Anstieg der Wohnungsmieten und ein Überangebot an Büroflächen. Derzeit stehen in Nürnberg 237.900 qm an Büroflächen ungenutzt  leer. Dagegen wurden 2011 nur 92 neue Sozialwohnungen fertiggestellt. 'Recht auf Stadt' wendet sich gegen Gentrifizierung - die Vertreibung einkommensschwacher Bevölkerung durch Stadtteilsanierung, Mieterhöhung und Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen.

Recht auf Stadt' tritt für kulturelle und soziale Zwischennutzungen in leerstehenden Gebäuden ein. Das ehemalige Arbeitsamt am Altstadtring steht seit zwanzig Jahren leer. 2003 wurde die Paketposthalle in der Bahnhofstraße abgerissen um Platz für ein Sportkaufhaus zu schaffen. Viele Bürger und Architekten sahen in dem markanten Bau ein erhaltenswertes Denkmal.  Nach dem Abriss sprang der Investor ab und seitdem erstreckt sich eine ungenutzte Brache. Der Denkmalschutz steht oft auf verlorenem Posten, wenn es um kommerzielle Interessen geht. So wurde auch das denkmalgeschützte Milchhofgebäude (1930 errichtet, Architekt Otto Ernst Schweizer) 2008 abgerissen.

'Recht auf Stadt' fordert transparente Planungsprozesse und die frühzeitige Einbeziehung der Bürger bei Stadtentwicklung und Bauprojekten.  

Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich die veranstaltung damit, wie Stadtplanung und Stadtentwicklung demokratisch gestaltet werden können - um die Meinung und Wünsche der Bewohner ernst zu nehmen und einzubeziehen. Themen waren: Lebensqualität im urbanen Raum, bezahlbarer Wohnraum und Gentrifizierung, Leerstand und kulturelle Zwischennutzungen.  Andrej Holm stellte das Konzept der Bewegung 'Recht auf Stadt' dar. Er  forderte insbesondere den Zugang  aller Bevölkerungsschichten zu allen kulturellen und sozialen Einrichtungen . 

Anschließend erläuterte Siegfried Dengler den rechtlichen Rahmen der Bürgerbeteiligung bei Stadtentwicklung und Bauprojekten. Er stellte dar, dass und wie die Stadt Nürnberg versucht, neue Wege bei der Einbeziehung der Bürger zu gehen.

 

ReferentInnen

Andrej Holm
Sozialwissenschaftler und Buchautor

Siegfried Dengler
Stadt Nürnberg,  Leiter des Stadtplanungsamtes

Veranstaltungsort
Nürnberg


Partner

Medienladen e.V., Nürnberg


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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02.03.2013 - 10:00 bis 16:30

Bäuerliche Landwirtschaft - unser Zukunftsmodell

 

Die Agrarpolitik wird zur Zeit in den Medien heftig diskutiert, vor allem vor dem Hintergrund der Verteilung der Agrargelder für die nächsten sieben Jahre ab 2014. Der Weltagrarbericht sagt deutlich aus, dass nur bäuerliche Landwirtschaft zur Sicherung der Welternährung beiträgt.

Welche Landwirtschaft wollen wir in Zukunft? In diese Frage mischen sich vermehrt viele gesellschaftliche Gruppierungen ein, sie alle wollen, dass in Zukunft  keine Steuergelder in nicht gewollte Agrarstrukturen fließen. 

Der Fachkongress diskutierte über die Definition einer bäuerlichen Landwirtschaft im Gegensatz zur industriellen Produktion sowie über Strategien für ihre Inwertsetzung in einem zunehmend globalisierten Warenverkehr.

Der Vortrag von Konrad Schmid, Ltd. Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, zeigte deutlich, dass Positionen, die an der bäuerlichen Landwirtschaft orientiert sind, bisher noch nicht ausreichend zum Ministerium „durchgedrungen“ sind. Die von ihm vorgestellten gängigen Strategien wie Senkung der Produktionskosten und betriebliches Wachstum oder die Diversifizierung ohne ausreichende Berücksichtigung des erhöhten Arbeitszeitbedarfs der Bauernfamilien zeigten, dass hier eher die altbekannten Wege empfohlen werden. Zudem setze die 
bayerische Staatsregierung „mehr auf Anreize, als auf ordnungsrechtliche Regelungen“, was sich bisher als nicht ausreichend erwiesen hat. In der Diskussion mit dem Publikum wurden seine Darstellungen denn auch fundiert kritisiert. Der massive Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe auch in Bayern (104.000 Betriebe haben innerhalb der letzten 20 Jahre ihre Hoftore
geschlossen) wurde in seinem Vortrag nur gestreift. Die AbL-Geschäftsführerin Gertraud Gafus betonte daher: „Sowohl aus volkswirtschaftlicher, als auch aus ökologischer Sicht muss es im Interesse der bayerischen Staatsregierung sein, möglichst viele Höfe zu erhalten.“

Isabella Hirsch, Bäuerin und 2. Vorsitzende der AbL-Bayern sowie Beraterin in der landwirtschaftlichen Familienberatung der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, referierte über die Arbeitsbelastung und finanzielle Situation in landwirtschaftlichen Betrieben. "Viel Arbeit, wenig Geld“ - das war ihr Fazit. In ihrem eindrucksvollen, sehr persönlichen Vortrag vermittelte die Referentin ihre Erfahrungen zum Zusammenhang von betrieblichen Wachstum und familiärem Zusammenleben. Der erste Wachstumsschritt erfolgte mit der Aufstockung von 20 auf 50 Milchkühe, ganz getreu des propagierten Mottos „Wachsen oder Weichen“. Neben ihrer Arbeit auf dem Hof habe sie in Schichtarbeit auch in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester gearbeitet. Mit dem 2. Wachstumsschritt zu einem fremdfinanzierten 80-Milchkuhstall sei die Arbeitsbelastung trotz der modernen Hilfsmittel so groß geworden, dass eine Reflektion der Situation aufgrund der permanenten Überlastung kaum noch möglich gewesen sei. Die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit stellte sie ein, als zur betrieblichen Tätigkeit noch die häusliche Altenpflege hinzukam. Der Preisdruck auf dem Milchsektor führte dann auch zu finanziellen Problemen. Durch den konstanten Rationalisierungs- und Produktionsdruck habe der Wert der Lebensmittel stark abgenommen. Isabella Hirsch zitierte Matthias Binswanger „Freie Märkte führen zur Befreiung ganzer Regionen von ihren Bauern“. Erst nach zwei Krankheitsfällen und zunehmenden familiären Spannungen fiel die Entscheidung für einen Wandel und die Aufgabe der Milchviehhaltung und die Umstellung auf extensive Rinderhaltung. Hirsch forderte abschließend die anwesenden Bäuerinnen und Bauern auf, sich konkret die Frage zu stellen „Lebe ich um zu arbeiten, oder arbeite ich, um zu leben“ und entsprechend zu handeln.

Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber vom Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues an der TU München-Weihenstephan stellte in seinem Vortrag 
„Visionen und Lösungsansätze für eine zukunftsfähige bäuerliche Landwirtschaft“ die Forderung auf, klar zu definieren, was nicht mehr als bäuerliche, sondern als industrielle Landwirtschaft bezeichnet werden muss und aus dem Rückschluss die bäuerliche Landwirtschaft zu identifizieren. Gerade Brunners Ministerium müsse hier zu klaren Aussagen kommen und nicht weiterhin alle bayerischen Betriebe per se als bäuerlich bezeichnen. Er gab hierfür einige klare Kriterien an, die sich vor allem am Umgang mit den natürlichen Schutzgütern orientieren, aber auch soziale Aspekte einschließen. In diesem Sinne müsse bäuerliche Landwirtschaft immer als multifunktionale oder nachhaltige Landwirtschaft gekennzeichnet sein. Er zeigte eindrückliche Bilder u.a. aus der Provinz Almeria in Spanien, wo die Landschaft unter Plastik-Planen liegt, unter denen auf ausgelaugtem Boden, genährt durch Kunstdünger und beladen mit Pestiziden, Tomaten für den Export produziert werden. Die Arbeiter in diesen „Exzessen intensivierter Landwirtschaft“ leben mehr oder weniger als Sklaven in Slums, sagte Prof. Heißenhuber. Aber auch in bayerischen Schlachthöfen gibt es Lohndumping: derzeit werden die polnischen Arbeiter durch noch billigere Arbeitskräfte aus der Ukraine ersetzt und der Tariflohn für Erntehelfer liege bei 6,35 €. Er forderte die Politik auf, eine nachhaltige Landbewirtschaftung durch deutlich strengere gesetzliche Regelungen herbeizuführen, eben nicht nur auf die „freiwilligen Anreize“ zu setzen, die Dr. Schmidt favorisiere. So sei die Dünge-Verordnung nicht mehr als ein „Papiertiger“, es bestehe in der BRD ein massiver Stickstoffüberschuss auf den Flächen. Auch die Cross-Compliance-Auflagen seien zu lasch, gerade hinsichtlich des so wichtigen Bodenerosionsschutzes (Schlaggrößen auf erosiven Hanglagen). Die Lebensmittelbranche sei die einzige, die in einem Hochlohn- und Preisland wie der BRD versuche, mit Dumping und Weltmarktpreisen zu punkten – auf Kosten der Bauern. Prof. Heißenhuber lobte abschließend die Anstrengungen des EU Agrarkommissars Ciolos, befürchtet aber, dass EU-Parlament und die Agrarminister der Länder gegen ihn arbeiten und versuchen, seine Vorschläge zu verwässern.

Gerard Choplin aus Brüssel war 25 Jahre lang Koordinator der in 1962 gegründeten europäischen Bauernbewegung. Seit 1994 hätten die internationalen WTO-Handelsregelungen zu liberalisierten Märkten und Freihandel den Rahmen der Agrarpolitik weltweit bestimmt - die heutige GAP könne aber gerade deshalb bei den globalen Ernährungskrisen keine schlüssige Lösung anbieten. Gleichzeitig habe die Geschwindigkeit des Verschwindens von Bauernhöfen dramatisch zugenommen. Während in 2003 alle drei Minuten ein Bauer in der EU aufgegeben hat, war es in 2012 einer je 30 Sekunden. Choplin wies an einigen Beispielen auf die Berufskollegen in Ländern außerhalb Europas hin, die einen noch deutlich schwereren Stand haben (Stichwort Landgrabbing und staatliche Willkür). Mit der hochsubventionierten Produktion in der EU können die dortigen Kleinbauern nicht konkurrieren. Nötig seien deswegen weltweite politische Entscheidungen, die die Ernährungssouveränität gewährleisten, Dumping verbieten und garantieren, dass Lebensmittel nicht unter ihren Entstehungskosten exportiert werden dürfen. Oberste Priorität müsse die Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung sein, nicht die Exportorientierung, z.B. beim großflächigen Sojaanbau in Südamerika. Trotz der ernsten Situation für viele Kleinbauern machten seine Berichte zur internationalen Zusammenarbeit in der Via Campesina Mut, weltweite bäuerliche Solidarität engagiert umzusetzen.

Empfohlene Weblinks

www.abl-bayern.info

ReferentInnen

Gerard Choplin
25 Jahre Koordinator der Europäischen Bauernbewegung

Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber
Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues, TU München-Weihenstephan

Isabella Hirsch
Bäuerin, 2. Vors. AbL-Bayern, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Familienberatung der ev. Kirche

Konrad Schmid
Ltd. Ministerialrat Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Leiter der Abteilung für Grundsatzfragen der Agrarpolitik   

Veranstaltungsort
Scheyern, Klosterschenke, Schyrenplatz 1, 85298 Scheyern


Partner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)


Art der Veranstaltung
Kongress



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14.02.2013

Grüner Wirtschaften!

... auf Länderebene - Strategien. Akteure. Allianzen

Die Konferenz  brachte Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie Wissenschaftler, Gewerkschafts- und Verbandsfunktionäre zusammen, um Herausforderungen für eine neue, grüne Wirtschaftsweise auf Länderebene zu identifizieren, nach innovativen Lösungsmöglichkeiten zu suchen und Verabredungen für die weitere Zusammenarbeit zu treffen.  

Die annähernd 150 Teilnehmenden aus ganz Deutschland dokumentierten, wie groß das Interesse an einer Diskussion um einen grünen Umbau unseres Wirtschaftssystems und dessen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Konsequenzen ist. Dabei spielte die Ebene der Bundesländer mit ihren Kompetenzen und jeweiligen strukturellen Rahmenbedingungen eine besondere Rolle.  

In den Foren ging es u. a. um Möglichkeiten der Dezentralisierung von wirtschaftlichen Entscheidungen und wirtschaftlichem Handeln und um die Wertschöpfung vor Ort. Es ging um Fragen, wie grüne Innovationskraft in den Regionen wirksam werden und gefördert werden kann, welche Bedeutung dafür Wissenschaft und Technik haben und wer die jeweiligen Akteure sind. Und es ging um die Grenzen des Wachstums, den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Qualität von Aus- und Weiterbildung.

Damit deckte die Tagung ein breites inhaltliches Spektrum ab und bot grundlegende Einsichten und vielfältige Diskussionsmöglichkeiten.

Die Konferenz war Treffpunkt von AkteurInnen aus unterschiedlichen Bereichen und Ort spannender und grundlegender Debatten. Sie ist Ausgangspunkt für eine Reihe von weiteren Veranstaltungen in den nächsten Jahren in verschiedenen Bundesländern, auf denen diese Diskussionen weitergeführt und konkretisiert werden sollen.

Die Beiträge der ReferentInnen (soweit vorhanden) und Protokolle der einzelnen Veranstaltungssequenzen wurden auf der projektinternen Homepage dokumentiert (www.gruenerwirtschaften.de ). Der Offene Kanal Kiel hat die Konferenz filmisch mitgeschnitten und an zwei Sendeterminen ausgestrahlt. Ein 5-Minuten-Trailer als Zusammenfassung der Konferenz ist auf der Homepage herunterzuladen und kann Folgekonferenzen als Intro dienen.

 

Empfohlene Weblinks

www.gruenerwirtschaften.de

ReferentInnen

Yvo de Boer
KPMG – globales Team für Nachhaltigkeitsfragen, bis 2010 Leiter des UN-Klimasekretariats (UNFCCC)

Robert Habeck
Energiewendeminister Schleswig-Holstein

Monika Heinold
Finanzministerin Schleswig-Holstein

Ralf Fücks
Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung

Prof. Dr. Dennis Snower
Präsident des IfW

Max Schön 
Vorstand der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz

Dr. Sonja Peterson
Wissenschaftliche Geschäftsführung des IfW

Dr. Burghard Flieger
innova eG

Dr. Jan Swoboda
Leiter der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (angefragt)

Werner Brinker 
Vorstandsvorsitzender der EWE AG

Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß
Technische Universität Kaiserslautern, Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung

Ulla Meixner
Geschäftsführerin der Breitbandnetz GmbH & Co. KG

Stefan Schridde
ARGE REGIO und Initiative „Murks? Nein danke!“

Hannsjörg Pohlmeyer
Holzcluster Rheinland-Pfalz

Prof. Dr. Harald Heinrichs
Studiendekan der Fakultät Nachhaltigkeit an der Universität Lüneburg

Enno Hagenah
Wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion

Prof. Dr. Henning Klodt
Leiter des Zentrums Wirtschaftspolitik am Institut für Weltwirtschaft

Annelie Buntenbach
DGB Bundesvorstand (angefragt)

Ralf Heinrich
Schulleiter TH. Strittmatter Gymnasium St. Georgen, Club of Rome Schule

Michael Stremlau
Geschäftsführer Jobcenter Kiel

Veranstaltungsort
Kiel


Partner

Heinrich-Böll-Stiftung

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

umdenken. Heinrich-Böll-Stiftung  Hamburg

slu. Heinrich-Böll-Stiftung  Niedersachsen

Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern

Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel 

Stiftung 2° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz


Art der Veranstaltung
Konferenz



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14.12.2012

Befreiung vom Überfluss - Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

 

In seinem Gegenentwurf zur Wachstumsökonomie fordert Niko Paech, industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Für alle, die seinen Vortrag versäumt haben oder noch einmal in aller Ruhe nachlesen möchten, stellen wir hier seine Präsentation als PDF-Datei zum Herunterladen zur Verfügung. 

Wichtige Stichworte seiner Postwachstumsökonomie sind: 
Eigenproduktion, gemeinschaftliche Nutzung und Verlängerung der Nutzungsdauer sowie Stärkung der Regionalökonomie.

Downloads zum Artikel

Paech_Befreiung_vom_Ueberfluss.pdf505 K


ReferentInnen

Prof. Dr. Niko Paech
Lehrstuhl für Produktion und Umwelt, Universität Oldenburg

Veranstaltungsort
München


Partner

Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Ludwig-Maximilians-Universität München

Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik - Regionalforum Bayern

Evangelische Stadtakademie München

HUB München

SNEEP - studentisches Netzwerk für Unternehmens- und Wirtschaftsethik


Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion



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07.12.2012 bis 08.12.2012

Zwischen Akzeptanz und Widerstand – Energiewende und neue...

 

Das epochale nationale Projekt „Energiewende“ teilt das Schicksal vieler anderer Großprojekte: Kaum wandelt sich die Idee in konkrete Vorhaben, schon gesellt sich zur Euphorie Zurückweisung und Widerstand. Windräder werden abgelehnt, neue Stromleitungen ebenso, weil sie das Landschaftsbild verschandeln. Die Befürworter argumentieren mit der Notwendigkeit, die Gegner bestreiten diese. Die Konfliktlinien zu sortieren und danach zu fragen, wie Energiewende-Projekte gestaltet sein müssen, damit sie tatsächlich akzeptiert werden, waren nur zwei Aspekte einer Tagung, die wir in Zusammenarbeit mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing veranstalteten.

Prof. Dr. Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gab einleitend einen umfassenden Überblick über Stand und Perspektiven der Energiewende. Er wies darauf hin, dass die eigentliche Ursache und Hauptbeweggrund für die Energiewende der bevorstehende und in Gang befindliche Klimawandel sei. In den nächsten fünf Jahren entscheidet sich nämlich, ob das Ziel, eine Erderwärmung von 2 Grad Celsius nicht zu überschreiten, überhaupt noch erreichen lässt. Derzeit befinden wir uns eher auf einem Trend, der auf 4° Erwärmung hinweist. Die Katastrophe von Fukushima, die eine breite gesellschaftliche Neubewertung der Kernenergie mit sich brachte, brachte insofern nur einen zusätzlichen Schub für die Notwendigkeit der Energiewende. Denn – und das unterscheidet Deutschland und Japan voneinander, wie Fischedick betonte - in Deutschland stand seit den 1970er Jahren die systematische Beschäftigung mit alternativen Energiekonzepten auf der Agenda, während Japan nie ernsthaft Alternativen zur Atomenergie erwogen habe. Allerdings sollte – so Fischedick - bei der derzeitigen Fokussierung auf den Atomausstieg und der damit einhergehenden Diskussion über Alternativen bei der Stromerzeugung nicht vergessen werden, dass ein hauptsächliches Handlungsfeld die Steigerung der Energieeffizienz und das Energiesparen sein muss.

Um die Energiewende voranzubringen, braucht es laut Fischedick Vorreiter auf allen Ebenen: auf der EU-, Bundes- und Länder-Ebene ebenso sehr wie auf der kommunalen. Hier sind die Beschlüsse in mittlerweile rund 130 Kommunen und Regionen getroffenen Beschlüsse, sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu 100% aus regenerativen Energien versorgen zu wollen, ebenso zu erwähnen wie die bereits eingeleiteten Maßnahmen für eine erneuerbare Energieversorgung und forcierte Effizienzstrategien.

Fischedick plädierte auch dafür, neben der technologischen Innovation und der Anpassung der Infrastrukturen die soziale Innovation nicht zu vergessen: Damit sind u.a. neue Geschäftsmodelle, Beteiligungsmuster, aber auch Änderungen im Konsumverhalten gemeint. Das Ziel ist durchaus ambitioniert: Will man beispielsweise den Energieverbrauch von Gebäuden bis 2050 um 80 % verringern – nichts anderes sieht das nationale Energiekonzept vor – , so müsste in knapp vierzig Jahren der gesamte deutsche Gebäudebestand einmal komplett durchsaniert werden. Dass dies zu schaffen sei, zeigte sich Fischedick durchaus optimistisch, auch wenn es nicht leicht werden wird.

Hinsichtlich der augenblicklichen Kostendiskussion konstatierte Fischedick ein „schräges Bild“. Die steigenden Strompreise würden nämlich vornehmlich den Privathaushalten und den Klein- und Mittelunternehmen aufgebürdet. „Schuld“ an diesen Strompreiserhöhungen sind aber in nur geringem Maße (nämlich zu rund einem Drittel) der Ausbau der regenerativen Energien und seine Förderung durch das EEG, sondern v.a. die Ausnahmeregelungen für Stromgroßverbraucher. Zudem könnten die Mehrbelastungen durch konsequente Einsparbemühungen in Haushalten und Gewerbe kompensiert werden.

Die „neue Protestkultur“ stellte Felix Butzlaff vom Göttinger Institut für Demokratieforschung auf den Prüfstand. Er stützte sich dabei auf aktuelle Forschungsergebnisse einer qualitativen Studie. Der Protest-Prototyp ist dabei folgendermaßen charakterisiert: überwiegend männlich, Mitte 40 bis Mitte 70, Souveränität über das eigene Zeitbudget (z.B. Selbstständige), sozial gut vernetzt, kirchlich nicht gebunden (und wenn doch, dann eher protestantisch), ressourcenstark. Auffällig sei zudem, so Butzlaff, dass die technischen Berufe stark vertreten seien, was dazu führe, dass die Herangehensweise an Probleme durch eine gewisse „kompromisslose Objektivität“ gekennzeichnet sei. Diese Einstellung passe aber nicht zur Eigenart von (Volks-) Parteien, die auf Kompromiss und Interessenausgleich geeicht seien. Es sind also nicht in erster Linie die gesellschaftlichen und sozialen Randgruppen, sondern die Erfolgreichen und gut Situierten, die sich mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein einbringen. Dies resultiert auch daher, dass sie einiges an lebensgeschichtlicher „Selbstwirksamkeitserfahrung“ mitbringen.

„Energetingen“ hat Maximilian Knogler von der Münchner TUM School of Education das u.a. von ihm entwickelte Planspiel genannt. Die Gemeinden (z.B. Schulklassen) in diesem fiktiven Landkreis werden vom Landrat aufgefordert, sich an der Entwicklung eines tragfähigen Energiekonzepts zu beteiligen. Den Weg zum fertigen Konzept markieren Aufbau von Expertenwissen, Meinungsaustausch, Abstimmungsprozesse – kurzum: alles, was einen demokratischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess ausmacht. Das Planspiel, bisher mit über 1000 Schülerinnen und Schülern erfolgreich durchgeführt, eignet sich aber auch z.B. für Kommunalpolitiker, die Entscheidungsprozesse vorab einmal „durchspielen“ wollen.

Der Frage, wie Akzeptanz für Energiewendeprojekte geschaffen werden könne, widmeten sich Irina Rau (Forschungsgruppe Umweltpsychologie der Universität des Saarlands, im Foto unten links) und Dr. Hannah Büttner (rechts) von der Beratungsagentur IFOK. 

Irina Rau machte mit ihrem Überblick über die empirische Erforschung der Akzeptanz von Energiewendeprojekten deutlich, dass die Energiewende nur von 3.2% der Bevölkerung aktiv bekämpft wird. Demgegenüber stehen über 70% Befürworter und sogar zusätzlich noch 10,8%, die die Energiewende mit aktivem Engagement unterstützen. Als wesentliche Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von Energiewendeprojekten nannte Irina Rau neben dem Standort (Landschaftsveränderungen, Ortsbindung und -identität) und der Technologie (Umweltverträglichkeit, Lebensqualität) die regionale Wertschöpfung und ein faires Beteiligungsverfahren. Beim Verfahren selbst sei es wichtig, dass die Betroffenen so früh wie möglich beteiligt werden und dass das Verfahren zumindest zu Beginn ergebnisoffen ist. Die Informationen müssten dabei allgemein zugänglich sein. Entscheidend für die Akzeptanz eines Vorhabens ist aber der Gerechtigkeitsaspekt. Und zwar nicht nur im Hinblick auf das Verfahren selbst, sondern auch auf die Verteilungsfrage (regionale Gerechtigkeit) und hinsichtlich des höflichen und respektvollen Umgangs miteinander. Gerade Politiker müssten sich aber davon verabschieden, zu glauben, Beteiligung sei eine automatische Garantie für Akzeptanz. Als Beispiel für ein sehr gelungenes Beteiligungsprojekt nannte sie den Windpark Druiberg (Gemeinde Dardesheim), wo durch vielfältige Aktivitäten die Anlage zu einem Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden sei.

Dr. Hannah Büttner, Senior-Beraterin der IFOK GmbH, berichtete über den Bürgerdialog „Energietechnologien für die Zukunft“, mit dem im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung versucht werden sollte, Hinweise aus der Bürgerschaft für die konkrete Gestaltung der Energiewende zu gewinnen. Auch sie plädierte nachdrücklich dafür, Beteiligungsprozesse nicht erst in Gang zu setzen, wenn es zu spät sei. Nur zu oft, so Büttner, werde sie eingeschaltet, wenn ein Konflikt bereits eskaliert sei. Dann gehe es vornehmlich darum, die verschiedenen Akteure miteinander wieder ins Gespräch zu bringen, das Verfahren zu versachlichen und konstruktiv zu begleiten. Der Bürgerdialog „Energietechnologien für die Zukunft“ ist ein Weg, um den Bürgern „Orientierung in der Informationsvielfalt“ zu geben, mit den Bürgern „auf Augenhöhe mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft Chancen und Herausforderungen zu diskutieren“ sowie Meinungsbilder und Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu formulieren, wie die Energiewende trotz bestehender Zielkonflikte gestaltet werden kann. Die Ergebnisse der Konsultation dokumentieren Wünsche und Anforderungen der Bevölkerung. Diese müssen nun von der Politik und den Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft (insbesondere die Mitglieder des Beraterkreises) in ihrem Handeln einbezogen werden.

Viele verschiedene Wege geht die Bürgerstiftung Energiewende Oberland, die von Vorstandsvorsitzendem Prof. Dr. Wolfgang Seiler (im Foto oben in der Mitte zwischen Dr. Gerd Rudel von der Petra-Kelly-Stiftung und Dr. Manfred Schwarzmeier von der Akademie) vorgestellt wurde. Als Ziel haben sich die beteiligten Landkreise gesetzt, bis 2035 mit einer dezentralen Energieversorgung ohne Einsatz fossiler Energieträger auszukommen. Dabei spielen Kraftwerke, die Bürgern gehören, ebenso eine Rolle, wie der Einsatz neuester Technologien (z.B. Smart Grid). Und auch für das Problem der Speicherung von Energie denkt man innerhalb der Bürgerstiftung intensiv nach: Methanisierung lautet hier das Stichwort. Auch Seiler mahnte mit Nachdruck, dass das Thema Energiewende nicht nur auf den Bereich Strom reduziert werde, sondern auch Wärme und Mobilität umfassen müsse. Überhaupt sei es wichtig, das Thema umfassend anzugehen. Obwohl man im Oberland schon viel bewegt habe, so Seiler ernüchternd, sei die Energiewende bei einer wünschenswerten Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h auch dort nur mit geschätzten 12 km/h unterwegs.

Auch Dr. Martin Pehnt (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, ifeu) ging auf die Energieeffizienz ein, die er als die „vernachlässigte Säule der Energiewende“ bezeichnete. Wie wichtig dies ist, verdeutlichte er anhand folgender Zahlen: Beim Einsatz von 100 % Primärenergie werde in Deutschland lediglich 33 % Nutzenergie erzeugt. Aber obwohl sich alle im Grunde dafür aussprechen, Energie zu sparen und effizient einzusetzen, gibt es jede Menge Gegenargumente, sobald es konkret wird. Die energetische Sanierung wird dann als „Dämmwahn“ abgewertet, gegen Energiesparlampen spricht ihr schlechtes Lichtspektrum, die Einführung von Einsparzielen für Unternehmen mittels Steuererleichterungen wird wegen der angeblichen Überbürokratisierung abgelehnt. Und sogar die längst der Vergangenheit angehörenden ineffizienten Nachtspeicherheizungen feiern als Möglichkeit, „Überschusswindstrom“ zu verbrauchen, ein unschönes „Come-back“.

Pehnt sprach sich nachdrücklich dafür aus, für Effizienzanstrengungen durch das Ordnungsrecht (Verbote, Grenzwerte, Nutzungsgebote etc.) entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Glühbirnenverbot habe z.B. gezeigt, wie rasch sich bei entsprechenden rechtlichen Vorgaben Erzeuger wie auch Konsumenten umstellen.

Ein wichtiger Beitrag für die Akzeptanz von Energiewendeprojekten ist die regionale Wertschöpfung. Dabei kann Wertschöpfung in Form der Produktion von Anlagen, durch Planung oder auch Installation und Wartung anfallen, wie Katharina Heinbach vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, iöw, darstellte. 2011, so hat ihr Institut errechnet, beläuft sich die Wertschöpfung durch dezentrale EE in Deutschland im Jahr 2011 auf 15,3 Mrd. Euro, davon verbleiben 10,1 Mrd. auf kommunaler Ebene. Dies lässt Heinbach schlussfolgern, dass die regionale Wertschöpfung ein wichtigerer „Treiber“ für den Ausbau der erneuerbaren Energie wird. Die Produktion von EE-Anlagen weist hohe Wertschöpfungseffekte auf, ist wichtig für den Industriestandort Deutschland und kann durch steigende Exporte noch erhöht werden. Aber die Wertschöpfungseffekte durch vor- und nachgelagerte Dienstleistungen (von Planung über Betrieb bis Rückbau) übersteigen die Effekte aus der Produktion bereits. Diese sind im Gegensatz zur (zentralen) Produktion größtenteils in fast jeder Region möglich – was einen weiteren Vorteil der Dezentralität der erneuerbaren Energien darstellt. Auch hier gilt: Die ökonomische Teilhabe (sprich: finanzielle Beteiligung) der Bevölkerung vor Ort ist ein wesentlicher Akzeptanzfaktor.

Die Frage, ob die Energiewende zentral oder dezentral organisiert werden kann, debattierten zum Abschluss der Tagung Dr. Andreas Kießling von der E.ON AG und Dr. Eva Stegen von den Elektrizitätswerken Schönau. Kießling stellte fest, dass auch E.ON zu einem beachtlichen Teil bereits dezentral aufgestellt sei. Er gab allerdings zu bedenken, dass – betrachte man den Netzausbau – Dezentralisierung auch mit Entsolidarisierung einhergehe. Den Grund dafür sah er darin, dass Photovoltaik-Betreiber sich nicht an den Kosten des Netzes beteiligten. Dr. Eva Stegen von den Elektrizitätswerken Schönau vertrat dezidiert die dezentrale Position, für die diese von den „Schönauer Stromrebellen“ initiierte Energiegenossenschaft fast schon symbolhaft steht. Vor dem Hintergrund der Reaktorkatastrophe In Tschernobyl wurden aus den AKW-Gegnern dort sukzessive Stromversorger. Am Anfang standen Stromsparbemühungen und das Plädoyer für die Reaktivierung alter Wasserkraftwerke, die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und die Initiierung von Solar-Gemeinschaftsanlagen. Die Übernahme des Stromnetzes in Schönau wurde nach der Liberalisierung des Strommarktes vom Einstieg in die Stromerzeugung ergänzt. Auch dafür gilt das Schönauer Motto „Energie in Bürgerhand“. Dass dies der richtige Weg sei, dafür stehe ihr bürgereigenes Unternehmen, das inzwischen 135.000 Kunden habe. Inzwischen, so Stegen, kämen sogar japanische Delegationen nach Schönau, um sich über die Möglichkeiten regenerativer Energieerzeugung zu informieren.
Manfred Schwarzmeier/Gerd Rudel

 

Literaturhinweise und weiterführende Links:

ForschungsVerbund Erneuerbare Energien: Forschung senkt Kosten der Energiewende. 10.10.2012
http://www.fvee.de/fileadmin/publikationen/Politische_Papiere_FVEE/12.10.EE_Kosten/2012_10_10_FVEE_stellungnahme_kosten.pdf

Olaf Bandt: Den Mutbürger bei der Energiewende beteiligen – die Zivilgesellschaft stärken. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 10/2012 vom 25.05.2012
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_bandt_120525.pdf

Franz Walter: Ende oder Fortgang der “Wutbürgerei”?
http://www.demokratie-goettingen.de/blog/ende-oder-fortgang-der-wutburgerei

Ralf Dunker: Warum ist Bürgerbeteiligung an der Energiewende erforderlich und wie kann die Beteiligung gestaltet werden? eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 10/2012 vom 25.05.2012
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_dunker_120525.pdf

Bruno Burger/Harry Wirth: Photovoltaik in Deutschland – Missverständnisse in der öffentlichen Diskussion. Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme. Berlin 2.2.2012
http://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/forschungsthemen/energie/Photovoltaik-in-Deutschland_Missverstaendnisse-in-der-öffentlichen-Diskussion.pdf

Burghard Flieger: Wirtschaftlich ausrichten oder ehrenamtliches Engagement stärken –(Energie-)Genossenschaften nutzen Unterstützungsstrukturen. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 16/2012 vom 31.08.2012
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_flieger_120831.pdf

Swantje Küchler/Lena Reuster: Mehrkosten für private Haushalte durch die Begünstigungen der stromintensiven Industrie. Kurzanalyse im Auftrag der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft. Berlin, September 2012
http://www.foes.de/pdf/2012-10-Verguenstigungen_Industrie_Mehrkosten_Haushalte.pdf

Swantje Küchler und Bettina Meyer: Was Strom wirklich kostet. Vergleich der staatlichen Förderungen und gesamtgesellschaftlichen Kosten von Atom, Kohle und erneuerbaren Energien. Studie im Auftrag von Greenpeace Energy e.G.. Forum ökologische Marktwirtschaft. Berlin, August 2012
http://www.greenpeace-energy.de/uploads/media/Stromkostenstudie_Greenpeace_Energy_BWE.pdf

Craig Morris/Martin Pehnt: German Energy Transition. Arguments for a renewable energy future. Heinrich-Böll-Stiftung. Berlin 2012
http://energytransition.de/wp-content/themes/boell/pdf/German-Energy-Transition.pdf

Michaele Hustedt: Runde Tische als Instrument der Mediation in der Energiewende – Chancen und Grenzen am Beispiel des Pumpspeicherwerks Atdorf. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 20/2012 vom 26.10.2012
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_hustedt_121026.pdf

Claudia Löhle: Direkte Demokratie – Motor oder Bremse für die Energiewende? eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 10/2012 vom 25.05.2012
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitrag_loehle_120525.pdf

Reinhard Loske: Energie in Bürgerhand. In: Blatter fur deutsche und internationale Politik 12/2012, S. 29-33
http://www.blaetter.de/download/pdf/25373

Martin Pehnt (Hrs.): Energieeffizienz. Ein Lehr- und Handbuch. Heidelberg u. a. 2010

Kerstin Schnelle/Matthias Voigt: Energiewende und Bürgerbeteiligung. Öffentliche Akzeptanz von Infrastrukturprojekten am Beispiel der Thüringer Strombrücke. Erfurt. Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen 2012
http://germanwatch.org/fr/download/4135.pdf

Gerd Rosenkranz: Das sabotierte Jahrhundertprojekt. Wie die Bundesregierung die Energiewende hintertreibt. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 11/2012, S. 101-110
http://www.blaetter.de/download/pdf/25322

Hannes Rudzik: Bürgerbeteiligung beim Netzausbau – Das Internetportal Höchstspannend.de. eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 20/2012 vom 26.10.2012
http://www.netzwerk-buergerbeteiligung.de/fileadmin/Inhalte/PDF-Dokumente/newsletter_beitraege/beitrag_rudzik_121005.pdf

Marc Brost/Dagmar Rosenfeld/Fritz Vorholz: Grüne Energie - Lüge auf der Stromrechnung. In: DIE ZEIT. 31.08.2012
http://www.zeit.de/2012/35/Gruene-Energie-Energiewende-Strompreisluege

Wolfgang George/Thomas Berg (Hrsg.): Energiegenossenschaften gründen und erfolgreich betreiben. Pabst, Lengerich/Berlin/Wien 2011

C.A.R.M.E.N. e.V. (Hrsg.): Akzeptanz erneuerbarer Energien. Ein Leitfaden. Straubing 2012

Stefan Haug/René Mono: Akzeptanz für Erneuerbare Energien – Akzeptanz planen, Beteiligung gestalten, Legitimität gewinnen. 100 prozent erneuerbar stiftung. Berlin 2012

Bernd Hirschl/Steven Salecki/Timo Böther/Katharina Heinbach: Wertschöpfungseffekte durch Erneuerbare Energien in Baden-Württemberg. Endbericht. Berlin 2011
http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/91392/Anlage_Endbericht.pdf?command=downloadContent&filename=Anlage_Endbericht.pdf

Andreas Kießling/Thomas Kästner: Energie in 60 Minuten. Ein Reiseführer durch die Stromwirtschaft. Wiesbaden 2009

Umweltbundesamt: Aufbruch ins neue Zeitalter – Elemente einer nachhaltigen Energieversorgung. In: Schwerpunkte 2012
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4213.pdf

http://relaunch.100-prozent-erneuerbar.de/ 

http://www.100-ee.de/ 

http://www.100-ee-kongress.de/ 

http://www.deenet.org/ 

http://www.ee-regionen.de/ 

http://www.eneff-stadt.info/ 

http://www.bioenergiedorf.info/

http://www.kommunal-erneuerbar.de/ 

http://www.regiosolar.de/ 

http://www.wege-zum-bioenergiedorf.de/ 

http://www.energiegenossenschaften-gruenden.de/67.html

Empfohlene Weblinks

www.apb-tutzing.de

ReferentInnen

Dr. Hannah Büttner
Senior-Beraterin IFOK GmbH
Tal 21
80331 München
Fon: 089/2422352-11
Mail: hannah.buettner@ifok.de

Präsentation als PDF-Datei

Felix Butzlaff
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Göttinger Institut für Demokratieforschung
Weender Landstraße 14
D-37073 Göttingen
Fon: 0551/39-1701-17
E-mail: felix.butzlaff@demokratie-goettingen.de
http://www.demokratie-goettingen.de/

Zusammenfassung der Studie, auf der der Vortrag beruhte

Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick
Vizepräsident und Forschungsgruppenleiter, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt , Energie
D-42004 Wuppertal
Fon: 0202/2492-109
Fax: 0202/2492-198
manfred.fischedick@wupperinst.org
http://www.wupperinst.org

Präsentation als PDF-Datei

Katharina Heinbach
Dipl.-Geoökologin, wiss. Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH
Nachhaltige Energiewirtschaft und Klimaschutz
Potsdamer Str. 105
10785 Berlin
Fon: 030/884594-66
Fax: 030/8825439
katharina.heinbach@ioew.de
www.ioew.de/wertschoepfung

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Dr. Andreas Kießling
Political Affairs and Corporate Communications, Energy Policy Affairs, E.ON AG
Brienner Straße 40
80333 München
Fon : 089/1254-1467
Fax: 089/1254-1543
Mobil: +49 160-7150587
andreas.kiessling@eon.comPräsentation als PDF-Datei

Maximilian Knogler
TUM School of Education
Schellingstraße 33
D-80799 München
Fon: 089/289-24373
E-mail: maximilian.knogler@tum.de
www.gympaed.edu.tum.de/mitarbeiterinnen/maximilian-knogler/planspiel-energetingen

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Dr.-Ing. Martin Pehnt 
Dipl.-Physiker,  ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Fachbereichsleiter Energie, Mitglied des Wissenschaftlichen Vorstands
Wilckensstr. 3
D-69120 Heidelberg
Fon: 06221/4767-36
Fax: 06221/4767-19
E-Mail: martin.pehnt@ifeu.de
www.ifeu.de

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Irina Rau
Dipl.-Psych., Forschungsgruppe Umweltpsychologie, Universität des Saarlandes mit Außenstelle an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
irina.rau@fg-upsy.com
http://fg-umwelt.de/

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Prof. Dr. Wolfgang Seiler
Direktor i.R., Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK-IFU)
Vorstand Verein Energiewende Oberland
Fon: 08856/80536-0
Fax: 08856/80536-29
Mail: info@energiewende-oberland.de
http://energiewende-oberland.de/

Textliche Zusammenfassung der Präsentation

Dr. Eva Stegen
Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH
Friedrichstr. 53-55
79677 Schönau
Fon: 07673/8885-22
Fax: 07673/8885-19
Mail: e.stegen@ews-schoenau.de
http://www.ews-schoenau.de

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Veranstaltungsort
Tutzing


Partner


Art der Veranstaltung
Tagung



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22.11.2012

Green Economy! - Ebersberg startet durch …

 

Wie wollen wir leben? Unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen hängt davon ab, wie wir diese Frage beantworten.
Vom 20. bis 22. Juni – zum Jubiläum des „Erdgipfels“ bzw. „Weltgipfels“ 1992 – fand in Rio de Janeiro die UNO-Konferenz über Umwelt und nachhaltige Entwicklung „Rio+20“ statt. Die Ergebnisse der Konferenz haben gezeigt, dass auf eine Einstimmigkeit der Staaten dieser Welt nicht gewartet werden kann. Einzelne Staaten, aber auch Regionen, müssen vorangehen.

Anlass genug, auch im Landkreis Ebersberg eine Bestandsaufnahme zu machen und wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen: Was wurde erreicht und wie soll es weitergehen? Was ist zu tun und wer sollte mitmachen?

Im Rahmen der Veranstaltung sollten konkrete Vorschläge gemacht werden, wie die notwendigen Schritte im Landkreis Ebersberg aussehen müssen und wie sie umgesetzt werden sollen. 

Ein ausführlicher Bericht über die Veranstaltung erschien im Münchner Merkur (hier die PDF-Datei zum Herunterladen!).

Einen guten Eindruck von der mit über 200 Teilnehmenden hervorragend besuchten Veranstaltung vermittelt auch diese Bildergalerie.

ReferentInnen

Olaf Rautenberg
Stadtrat in Grafing und Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz EBE

Norbert Neugebauer
Landratsamt, Beauftragter für den Agenda 21-Prozess im Landkreis Ebersberg

Christa Stewens
MdL, ehemalige Staatsministerin

Gudrun Schweisfurth
Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Margarete Bause
Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag

Und viele andere....


Moderation:
Fritz Lietsch
Herausgeber von „ECO-World“ und „forum nachhaltig Wirtschaften“

Musikalische Begleitung:
choir’s crossing (Jugendchor der Musikschule)
Leitung: Martin Danes

Schirmherr
Hans Vollhardt, ehemaliger Landrat

Veranstaltungsort
Ebersberg


Partner

Uwe Peters
Politologe, Erwachsenenbildner


Art der Veranstaltung
Vorträge, Diskussion, Film, Musik...



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13.11.2012

Auf dem Weg zur klimagerechten Stadt: Energetische Sanierung und mehr...

 

Die Energiewende voranbringen und gleichzeitig das Klima schützen: das ist der Charme der Energieeffizienz. Denn die Energie, die man nicht verbraucht, muss man gar nicht erst erzeugen – weder fossil noch regenerativ.

Ernsthafte energetische Modernisierung im Gebäudebestand ist deshalb unabdingbar. Wie das konkret aussehen kann und welche Förderkomponenten und rechtliche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind, zeigte Dr. Klaus Habermann-Nieße vom Hannoveraner "plan zwei"-Büro sehr nachdrücklich auf. Und ohne erhebliche Anstrengungen auf diesem Gebiet werden die klimapolitischen Zielsetzungen nicht erreichbar sein. 

Auf drei Säulen beruht der kommunale Klimaschutz:

  • Energieerzeugung: Reduzierung des CO2 Ausstoßes bei Energieproduktion und Erhöhung des Anteils regenerativer Energien  
  • Energieeinsparung: Reduzierung des Energieverbrauchs im kommunalen Gebäudebestand, im Gewerbe und beim Wohnen  
  • Energieeffiziente Siedlungsentwicklung: Reduzierung des Beitrags der Siedlungsentwicklung zur Erhöhung der CO2 Belastung durch Gewerbe, Verkehr und Haushalte

Doch bisher stand die Sanierung von Einzelgbäuden im Vordergrund, quartiersbezogene Ansätze, die auch   mit anderen Stadtentwicklungsstrategien (Wohnraumversorgungskonzepte, kommunale  Klimaschutzkonzepte, Stadtteilentwicklungskonzepte) verknüpft sein müssten, existieren kaum. Dies galt auch für die entsprechenden Förderprogramme.

Dabei liegen die Vorteile quartiersbezogener energetischer Sanierungskonzepte auf der Hand: Mit ihnen können Minderungspotenziale verbrauchsnah ermittelt, die  unterschiedlichen lokalen Akteure eingebunden und energetische  Maßnahmen mit lokalen wirtschaftlichen und sozialen Belangen der Quartiersentwicklung verknüpft werden. 

Die Handlungsfelder der energetischen und klimagerechten Quartiersentwicklung sind vielfältig. Dazu gehören:

  • Effizienzsteigerung bei der Gebäudemodernisierung erreichen
  • Wärmeversorgung effizienter gestalten
  • Lösungen für den Einsatz erneuerbarer Energien entwickeln
  • Mobilität klimagerecht gestalten
  • Stadträumliche Strukturen an die Folgen des Klimawandels anpassen
  • CO2-Minderungspotenziale im individuellen Verbrauchsverhalten der Bevölkerung erschließen  

Eine sinnvolle quartiersbezogene Sanierung ist natürlich an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Dazu gehört nicht nur die Wirtschaftlichkeit und Effizienz der eigentlichen Sanierungsmaßnahme, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestandes und eine handlungsfähige und handlungswillige Eigentümerstruktur. Die Energieversorgungsunternehmen (Fern- bzw. Nahwärme, BHKW) sollten in die Planung eingebunden werden. Und: Es muss eine sozialverträgliche Lösung für die Kostenfrage gefunden werden.

Habermann-Nieße stellte einige gelungen Beispiele für energetische Quartierssanierungen vor:

  • Volkswohnung GmbH: Karlsruhe, Rintheimer Feld
  • Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg: Stadtteil Neu-Reform
  • Pro Potsdam GmbH: Stadtteil Drewitz
  • Gbg Hildesheim : Stadtteil Drispenstedt  

 Die Städtebauförderung bildet die Basis für den quartiersorientierten Ansatz. Das besondere Städtebaurecht liefert ordnungsrechtliche Voraussetzungen für quartiersübergreifende Lösungen. Und sie bietet mit dem eingespielten Verfahren des Sanierungsmanagements die Voraussetzung für integrierte Handlungsansätze. Allerdings müssten die Fördertatbestände für energetische Sanierungsgebiete neu definiert werden.  Und die Hürden für eine verstärkte Förderung der energetischen Sanierung, die in der Struktur des Bund-Länder Programms selbst liegen, müssten abgebaut werden. Dabei geht es vor allem um die kommunale  Eigenbeteiligung, die für finanzschwache Kommunen ein unüberwindliches Hindernis darstellt. Perspektivisch müsste - so Habermann-Nieße zusammenfassend - die energetische Stadtsanierung jedoch als eigenständige Förderkulisse ("EKO-Quartier") etabliert werden. Damit könnten folgende Ziele erreicht werden:

  • Konzentration der Sanierung in ausgewählten Quartierstypen auf Energieeinsparung und Energieeffizienz
  • Einbindung in kommunale Konzepte (Kommunales Klimaschutzkonzept, Wohnraumversorgungskonzept, Integriertes Stadteilentwicklungskonzept)
  • Kopplung der Förderung der energetischen Sanierung an die Sozialverträglichkeit (Warmmietenneutralität)   

Empfohlene Weblinks

www.boell.de/wirtschaftsoziales/stadtentwicklung/publikationen-studie-mit-eko-quartieren-zu-mehr-energieeffizienz-14804.html

www.boell.de/downloads/Endf_Strategien_zur_Moderisierung_2_kommentierbar.pdf

ReferentInnen

Dr.-Ing. Klaus Habermann-Nieße
Architektur- und Stadtplanungsbüro „plan zwei“, Hannover, Autor von “Strategien zur Modernisierung II: Mit EKO-Quartieren zu mehr Energieeffizienz“

Veranstaltungsort
Bamberg



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